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"Ich salze meine Suppe mit Krokodiltränen. Das Krokodil, ein Geburtstagsgeschenk, liegt in der Küche und weint, weil ich nicht koche, was es gern frißt: Menschen. Ich füttere es mit Literatur. Es verschlingt alles, was ich ihm vorlese, bis auf Gedichte. Lyrik findet es unverdaulich." (Ein kleiner tiefgründiger und dabei amüsanter Prosatext aus dem vorliegenden Gedichtsband , S. 247)

Die Lyrikerin Rose Ausländer (1901-1988) war jüdischer Herkunft . Sie lebte von 1941-44 im Getto von Czernowitz, nicht zuletzt deshalb ist eines ihrer zentralen Themen die Judenverfolgung und das Exil.

Wie Helmut Braun im Nachwort des Buches zusammenfasst, lassen sich ihre insgesamt 3000 verfassten Gedichten - im vorliegenden Band wird eine repräsentative Auswahl vorgestellt- in sechs große Kapitel einteilen, die alle eng mit der Biografie der Künsterlerin verknüpft sind:
- Gedichte über Bukowina
- Gedichte über das Judentum
-Shoa-Gedichte
-Exil-Gedichte
-Gedichte über Sprache als dichterisches Ausdrucksmittel,
als Handwerk und als Heimat
-Gedichte über die Liebe, über Altwerden und über den Tod. ( vgl.: S. 350)

Im Vorwort versucht Rose Ausländer zu erklären, weshalb sie überhaupt schreibt. Sie mumaßt , dass dies damit zusammenhängt, dass sie in Czernowitz geboren wurde. "Die besonderen Menschen, Märchen und Mythen lagen in der Luft, man atmete sie ein."( Zitat: Rose Ausländer). Sie erwähnt die Künstler, Dichter, Kunst-, Literatur und Philosophieliebhaber, die das viersprachige Czernowitz beherbergte und hebt den Dichter Paul Celan hervor, der auch aus ihrer Heimatstadt kam. In der Folge erfährt man von der Lyrikerin , wer sie intellektuell beeinflusst hat. Sie lässt den Leser wissen, dass Benedikt Spinoza und Constantin Brunner für ihr Denken grundlegend waren. Insofern wundert es nicht, dass sie Spinoza ein Gedicht widmet: "Spinoza II: Mein Heiliger/heißt Benedikt/Er hat/das Weltall/klargeschliffen/Unendlicher Kristall/aus dessen Herz/das Licht dringt"( S. 114).

Ausländer berichtet weiter wie sie im Alter von 17 Jahren begann, Notizen, Einfälle und Verse in ein Tagebuch einzutragen und alsbald sich gewiss wurde, dass Lyrik ihr "Lebenselement" war. Von den Dichtern und Schriftsteller war ihr Hölderlin und Kafka am wichtigsten. Sie erwähnt ihre Zeit im Getto und fasst das, was geschah, mit den Worten zusammen:" Wir zum Tode verurteilten Juden waren unsagbar trostbedürftig. Und während wir den Tod erwarteten, wohnten manche von uns in Traumworten- unser traumatisches Heim in der Heimatlosigkeit. Schreiben war das Leben. Überleben."( Zitat: S. 10)

Die Lyriker streift auch ihre Einwanderung in die USA 1946, erklärt, weshalb sie ab 1956 erneut deutsch schrieb und zählt ihre bevorzugten Themen auf. Immer wieder habe sie versucht zu ergründen, was schreiben eigentlich sei und ist zu dem Ergebnis gelangt, dass es sich um einen Trieb handele. "Der Dichter, der Schriftsteller muss essen, sich bewegen, ruhen, denken, fühlen und schreiben- schreiben, was seine Gedanken und Einbildungskraft ihm vorschreiben."( Zitat: S. 12)

Ich habe mich in viele ihrer wundervollen Gedichte vertieft, dabei verharrte ich lange bei einem kleinen Gedicht mit der Überschrift Heinrich Heine:" Es war ein Lied/seines Landes/jener Hexe/mit goldenden Haar/ die sein Vaterlandswort/ verwandelte/ in einen Fluch". Ich sehe die Loreley unweit von der Germania vor meinem geistigen Auge und beginne zu nicken. Wie feinsinnig Ausländer in diesem Gedicht diese Gegebenheit mit ihrem schlimmen Folgen auf den Punkt bringt.

Die Lyrikerin erinnert in ihren Versen auch an die Künstlerin Käthe Kollwitz und an Paul Celan. Es ist unmöglich an dieser Stelle einzelne Gedichte zu interpretieren oder gar das ein oder andere hier wiederzugeben. Zwei Gedichte, die mir besonders gut gefallen haben, möchte ich jedoch zitieren:

Tröstung I

Ich tröste mich
mit dem geträumten Meer
mit Drosselliedern
aus dem vergangenen Wald
mit guten Worten
verlorener Freunde

mit der Erinnerung
an die Zukunft
aus Liebe und Tod.

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Liebe V
Nirgends wir hier
im Herzenhaus
wenn das Minutenmesser
den Tag zerschneidet
und alle Würfel verlieren
nirgends wie hier
bist du mehr
als du bist

Auf den letzten Seiten kann man einer umfangreichen Zeittafel die wichtigsten Lebensdaten von Rose Ausländer entnehmen, einer Dichterin, deren Gedichte ich nachhaltig empfehlen möchte.
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am 5. Oktober 2001
Vor fünf Jahren las ich die Gedichte von Rose Ausländer und seither stehen sie, inzwischen schon etwas abgegriffen, als ständiger Begleiter in meinem Regal. Der Ausdruck des Schmerzes, hervorgerufen durch die Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus wird so eindrucksvoll durch Sprache vermittelt und auch überwunden, dass am Ende kein schrecklicher Nachklang bleibt - trotz all der Greuel, die man nur erahnen kann - sondern nur die Bewunderung für die Art der Lebensbewältigung mit dieser zauberhaften Medizin "Sprache".
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am 25. Januar 2014
das buch ist sehr schön gemacht und daher war ich besonders erfreut, dass es auch wie angekündigt in ungebrauchtem zustand ist. ich habe es verschenkt. gern wieder.
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