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am 10. Juni 2017
Es ist die spannendste Biographie eines Landes die ich je gelesen habe. Ob es jemals ein solches Buch über die Bundesrepublick Deutschland geben wird, von den Anfängen nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute, wage ich zu bezweifeln. Der Autor begleitet die verschiedensten Menschen über mehrere Jahrzehnte amerikanischer Geschichte. Er zeigt auf wie schleichend der Prozess war, bis der amerikanische Traum ausgeträumt war und was den Menschen danach blieb. Zum ersten Mal verstehe ich auch wie der amerikanische Wahlkampf funktioniert; das Wahlsystem jedoch verstehe ich noch immer nicht. In diesem Buch liest man die Geschichte von einfachen Fabrikarbeitern und Fabrikarbeiterinnen, von Börsenmaklern, von Wahlkampfmanagern, von Politikern, von Prominenten. Dieses Buch ist spannender als jeder Thriller. Wer die Amerikaner verstehen will, kann mit diesem Buch anfangen.
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am 23. August 2017
Wird Trump eine innere Erneuerung anschieben ?
Werden die Kapitalisten in Amerika gestürzt?
Gibt es eine Revolution vom Volk ausgehend ?
Welche Indikatoren gibt es zur Lösung dieser Fragen? Keine Antwort.
Herr Parker ist entweder ein Schwätzer oder er rührt an einem gewaltigen Problem .
Ich meine: Amerika hat zu lange über seine Verhältnisse gelebt und wir alle werden die Rechnung mitbezahlen, alle.
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TOP 100 REZENSENTam 1. September 2014
Amerika hat seine eigene Geschichte und die in diesem Buch ineinander verschlungenen Biografien zeigen die ganze Bandbreite der Möglichkeiten eines Landes, das Freiheit und Glück auf seine Fahnen geschrieben hat, Selbstbestimmung und die Chance, dass es jeder schaffen kann. Letzteres mag gestimmt haben, früher, heute driften die Einkommen und Bildungschancen soweit auseinander, dass die Spannung nicht mehr erträglich ist.

Besonders interessiert hat mich die Werdegang von Peter Thiel, der 1967 in Frankfurt geboren wurde. Er reiste mit seinen Eltern weit herum und besuchte unzählige Schulen, erhielt viele Eindrücke. Ein eher ruhiges, introrvertiertes Kind, hochbegabt und irgendwann mitten im Tsunami des Neuen Marktes. Er gründet mit einem Partner paypal und finanziert als einer der Anschubfinanziers Marc Zuckerberg bzw. Facebook, er wird Milliardär mit Ende 30. Peter Thiel interessiert sich insb. für die Zusammenarbeit von Menschen bzw. die Kernfrage, was besser nach vorne bringt: Konkurrenz oder Kooperation. Obwohl libertär denkend, also eine geringe Bevormundung durch den Staat wollend, glaubt er nur bedingt an den kompetitiven Kapitalismus. Er sieht ein Zusammenspiel aller Menschen bzw. ein Erkennen von schlechten Staaten oder Gruppen - u.a. über das Internet, also eine Emanzipation aller Menschen von Bevormundungen jeglicher Art. Paypal sollte im ursprünglichen Szenario Menschen unabhängig machen von Banken etc. Insgesamt eine interessante Sichtweise, die mir sehr viele neue Anregungen gab. Seine Ansicht über den Tod, den es zu vermeiden gilt, teile ich nicht. Trotzdem ist sein Standpunkt interessant, ich neige zu der Sichtweise Steve Jobs, der meinte, dass der nahende Tod erst Leistungen vollbringen lässt. Andererseits: wenn man unendlich Zeit hätte, wären immer neue Chancen für alle irgendwann soweit gerecht bzw. für alle fair, dass man seine ureigene Berufung entdecken würde.

Newt Gingrich ist ein Politiker durch und durch, seine Wort-Anweisungen für erfolgreiche politische Kommunikation lässt einen frieren. Bös und gut, dieser ewige Widerpart wird von rhetorischen Könnern wie ihn beherrscht, sie denken nicht mehr daran, etwas zu bewegen, neue Dimensionen zu zeigen, sondern nur noch an mediale Siege und NIederlagen - Politik in ihrer leersten Form. Es gelingt Gingrich nicht, Clinton zu stürzen, später wird dann klar, dass er selbst jahrelang ein Verhältnis zu einer jüngeren Mitarbeiterin hatte. Peter Thiel hält nichts von solchen Politikern, die nur mitschwimmen, aber nichts aktiv bewegen, keine Innovationen entwickeln.

Alle Staaten, die nicht flexibel bleiben, die sich zu sehr auf Größe und Tradition verlassen, scheitern irgendwann. Wie schon Aristoteles gesagt hat, kommt es darauf an, niemand zu mächtig werden zu lassen, weder durch Geld noch durch Gesetze bzw. Politiker. Vielleicht wäre es besser - wie dies N.N. Taleb in seinem Buch Antifragilität: Anleitung für eine Welt, die wir nicht verstehen empfiehlt -, wenn Politiker per Losvefahren gewählt würden, um Parteienküngel und Korruption vorzubeugen.

Dass die Wallstreet die Macht übernommen hat, Banken und Finanzkapital, es ist das Dilemma unserer Zeit, herkommend aus Amerika, der Tropf an dem wir alle hängen und der uns fluten wird, wenn wir nicht beginnen zu begreifen. Das einzige Wachstum, das ich sehe, liegt in der Kreativität von Menschen, die bislang in Sicherheit und Ruhe, in Tradition und Chancenglück gewogen wurden, ohne jemals begriffen zu haben, was Freiheit wirklich bedeutet.
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TOP 500 REZENSENTam 26. Juli 2014
Bisher habe ich keine auch nur annähernd so gute Schilderung des laufenden amerikanischen Niedergangs gelesen wie diese. Das Buch ist keine Analyse mit Ergebnissen und der Benennung von Schuldigen - es ist die Summe von Lebensschilderungen einzelner realer Menschen, welche den Zustand beschreibt und die Folgen erkennen lässt.

Man muss das ganze Buch lesen, obwohl es in Kapitel aufgeteilt ist. Nur dann ergibt sich das Bild des verwesenden Gesellschaftsmodells; "Die Abwicklung" des "New deal".

in den 1930er Jahren hatte Franklin D. Roosevelt nach dem Wirtschftscrash umfangreiche Wirtschafts- und Sozialreformen durchgesetzt. Grundidee war ein solidarisches Gesellschaftssystem, in dem Jeder die Möglichkeit hat, seinen persönlichen "American Dream" zu verwirklichen - vom Tellerwäscher zum Millionär.

Die Gestürzten werden nicht zurückgelassen, sondern ihnen wird aufgeholfen, bis sie wieder selbst laufen können. Der Wirtschaft werden bestimmte Einschränkungen auferlegt, um den egoistischen Raubtierkapitalismus im Zaum zu halten. Die Starken tun und zahlen mehr - die Schwachen werden nicht bedingungslos durchgefüttert, sondern sie bekommen Unterstützung, um sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern.

Wer heute die USA analysiert, erkennt, dass hiervon nicht viel übrig ist und die Reste immer weiter abgewickelt werden. Zig Millionen Bürger sind von der charity Anderer abhängig, weil sie nichts haben oder nur Jobs zu Hungerlöhnen. Und während es früher in der Hauptsache Nicht-Weisse betraf, gibt es eine immer grösser werdende Zahl von Leuten, die als "white trash" einsortiert werden.

Die Entsolidarisierung der US-Gesellschaft ist weit fortgeschritten - es zählt nur noch Geld. Aber wie sollte z. B. ein US-Präsident, der für seinen Wahlkampf Hunderte Millionen $ von den Reichen kassiert hat, nach seiner Wahl eine Umverteilung von oben nach unten durchsetzen wollen und können?

Längst regiert nicht mehr die Politik, sondern allein die Masse des Geldes, das von Minute zu Minute ungleichmässiger verteilt ist. Die Reichen werden exponentiell reicher, die sog. Mittelschicht löst sich auf und "unten" wird es immer voller. Längst ist Politik gegen das Kapital und die Wallstreet nicht mehr möglich; das einst beschauliche Washington DC ist ein immer grösser werdendes Haifischbecken von skrupellosen Berufslobbyisten, denen es ausschliesslich um die eigenen Interessen und nicht um Gesamtzusammenhänge geht. Wie erklärte sich sonst z. B. der kreuzzughafte Kampf gegen eine öffentliche Krankenversicherung, der geführt wurde, als gelte es, den Leibhaftigen von der Inbesitznahme von "God's own country" abzuhalten?

Sieht man eine Parallele in Deutschland? Der Weg vom gemütlichen Adenauer-Bonn zu einem Moloch Berlin, in dem ehemalige leitende Politiker nahtlos in die Wirtschaft wechseln, nachdem sie sich vorher natürlich ausschliesslich für das Allgemeinwohl eingesetzt und aufgeopfert haben?

Und bei der Schilderung über das Strassenbahnprojekt in Tampa, FL, könnten einem vielleicht Assoziationen zum deutschen sog. "Wutbürger" kommen. Tampa sollte eine kommunale Strassenbahn bekommen, um 2010 nach der Immobilienkrise eine Optimierung der Infrastruktur zu erreichen. Eigentlich ist schon alles fertig geplant; Verwaltung, Politik, Geschäftsleute, Presse und Bevölkerung sind sich einig.

Da kommt eine Vertreterin der Tea-Party-Bewegung und startet "No tax for tracks" (keine Steuern für Schienen). Die Argumente sind auf dem Niveau von "Warum soll ich über Steuern eine Strassenbahn mitfinanzieren, wenn ich nicht damit fahren will?" bis hin zu "Hier werden meine Freiheitsrechte missachtet, weil ich gezwungen bin, mit Wildfremden in einem Abteil zu sitzen!" . Das latente Misstrauen gegenüber dem Staat wird instrumentalisiert genauso wie Abstiegsängste einer verunsicherten Mittelschicht (Ich habe selbst genug Probleme, warum soll ich für andere bezahlen?) und der Ehrgeiz "denen da oben" mal zu zeigen, dass die Macht vom Volke ausgeht.

Man ahnt es schon - die Strassenbahn wurde nicht gebaut.

Da ich mich über Monate mit dem Buch (im Original) beschäftigt habe, könnte ich noch stundenlang so weiter schreiben. Dies würde jedoch das eigene Lesen nicht kompensieren. Die Erkenntnissse, die man hier gewinnt, lassen erschreckende Parallelen zu Westeuropa und insbesondere Deutschland erkennen. Und bisher ist so ziemlich alles aus den USA mit entsprechendem Zeitversatz importiert worden.

Wer glaubt in Deutschland noch an seinen Freund die Bank, wo man gut beraten wird, wo das Allgemeinwohl über alles geht und man sich mit guten Einkommen begnügt? Bankerboni in unvorstellbarer Höhe sind normal, Banken manipulieren durch gezieltes kriminelles Handeln Zinssätze zum eigenen Vorteil und für noch mehr Boni, faule Kredite werden solange kaschiert, bis sie den Kunden unter Einbehaltung fürstlicher Provisionen als Kapitalanlage verkauft werden usw. Aus Rotkäppchen ist schon lange der böse Wolf geworden.

Man betrachte auch die Entwicklung eines ständig über den Wert der Freiheit redenden Pastors aus der damaligen DDR, der heute als Bundespräsident völlig unverhohlen den militärischen Einsatz der Bundeswehr an möglichen Brennpunkten der Welt fordert. Ist ein durch Bundeswehreinsatz zu Tode Gekommener freier als vorher?

Gab es in der deutschen Politik nicht mal den Satz "Von deutschem Boden darf nie wieder Krieg ausgehen" ? Will man den USA als Weltpolizist nacheifern, weil man als Land jetzt so viel Bedeutung - und damit Verantwortung - hat und die USA zu sehr pleite sind?

Der laufende Gesellschaftsprozess und sein vermutliches Ende sind hier bei George Packer schon nachzulesen.
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TOP 500 REZENSENTam 28. August 2014
Den Inhalt und das Konstruktionsprinzip des Buches haben meine Vorrezensenten insgesamt sehr zutreffend zutreffend beschrieben. Ich beschränke mich deswegen nur auf die Kernaussage des Buches, die man meiner Ansicht nach in dem folgenden Satz zusammenfassen kann:

DIE KRISE AMERIKAS (SEINE ABWICKLUNG) BERUHT AUF DER GRENZENLOSEN GIER EINER VERANTWORTUNGSLOSEN WIRTSCHAFTSELITE, DIE SICH NACH DEM ENDE DES INDUSTRIEKAPITALISMUS IN EINEM ENTFESSELTEN FINANZKAPITALISMUS ZUM SCHADEN DER ÜBERWIEGENDEN MEHRHEIT HEMMUNGSLOS BEREICHERN KONNTE, WEIL DIE FÜHRENDEN POLITIKER BEIDER PARTEIEN BEI DER REGULIERUNG DER FINANZMÄRKTE ENTWEDER VERSAGT HABEN ODER DIESEN WIRTSCHAFTSELITEN SOGAR NOCH ZU DIENSTEN WAREN.

Die heftige Diskussion, die nach der Veröffentlichung dieses Werkes einsetzte, hat die Grundthese nicht erschüttern können. Sie beschreibt eine traurige Wahrheit, die ihre Schatten auch auf unsere europäischen Verhältnisse wirft, die anders, aber keineswegs besser sind. Dies vorweg geschickt, möchte ich drei Anmerkungen formulieren, die nicht als Kritik, sondern als eine Art Weiterdenken im Kontext dieses Buches verstanden werden sollten.

Erstens: Die die so oft als des Kernübel des Kapitalismus beschworene „Gier“ (Man denke nur an Michael Douglas' berühmte Rede übe die "Gier" in dem Film "Wall Street") hat es zu allen Zeiten gegeben. Warum aber hat sie sich in den USA in Gestalt der Immobilien- und der Finanzkrise so verhängnisvoll ausgewirkt? Antwort: Weil das Geld in ungeheurer Fülle, in noch nie gekannten Ausmaßen plötzlich verfügbar war! Es war verfügbar, weil Nixon 1971 die Golddeckung für den Dollar aufgegeben hatte und weil Alan Greenspan, der Chef der Federal Reserve, in den Neunziger Jahren die Schleusen der Geldemission in einer Weise aufgestoßen hatte, wie es noch niemals vorher der Fall gewesen war. Erst die Kombination dieser beiden Faktoren ( das ungedeckte Staatsmonopol der Geldschöpfung und das faktische Anwerfen der Notenpresse durch US-Notenbank) erzeugten jene Mengen an Liquidität, die es den Bankern erst ermöglichte, das ganz große Derivate- und Immobilienrad zu drehen. Dass dieses unstrittige Ursachenbündel in Packers Werk überhaupt nicht auftaucht, ist sein einziger wirklicher Mangel.

Zweitens: Die Beispiele, die Packer für die Korrumpierung der Politik durch die Finanzeliten liefert, sind niederschmetternd, und am Ende der Lektüre wird man sagen müssen: Alle, alle haben mitgemacht - George Bush der Jüngere und seine Republikaner sowieso, aber auch Bill Clinton und seine Demokraten waren mit von der Partie, denn sie haben nicht nur das Rad der Deregulierung voll in Schwung gebracht, sondern die die Banken auch noch gezwungen, vollkommen mittellosen Kunden Hypothekenkredite zu geben (Novellierung des „Community Reinvestment Acts“ 1995 – bei Packer merkwürdigerweise auf 1999 fehldatiert). Sogar der viel gepriesene "Mr. Yes-we-can" Barack Obama erscheint bei Packer in ungewohnter Beleuchtung – sein grandioser Neuanfang, sein scheinbarer Bruch mit der Vergangenheit war gar kein Bruch, sondern möglicherweise die einzige noch tragfähige Perpetuierung des bankrotten Systems unter der Ägide des Establishments. Möglicherweise hätten die Amerikaner das ganze System 2008 wirklich hinweggefegt, wenn ihnen nicht von den gleichen Kräften, die den Zusammenbruch verursacht hatten, in einer beispiellos erfolgreichen Medienkampagne ein Präsident präsentiert worden wäre, der eine völlige Änderung versprach - um dann nach seinem Wahlsieg genau diese Füchse erneut in den Hühnerstall zu berufen ( vgl. S. 328f.)

Drittens; Packers Werk besticht durch Detailtreue und Unparteilichkeit, durch Fairness und Perspektivenvielfalt. Mit einer einzigen Ausnahme. Im Unterschied zur Occupy-Wall-Street-Bewegung, die der Autor mit viel Sympathie beschreibt, erscheinen die Anhänger der Tea-Party-Bewegung als eine Koalition der Ahnungslosen, Heuchler und Durchgeknallten. Bei allen kruden Unvereinbarkeiten, die dieser Bewegung eigen sind, bei allen Übertreibungen und Unvollkommenheiten, die niemand leugnen wird, hat es die Tea Party Bewegung als echte amerikanische Graswurzelbewegung nicht verdient, nur in ironischer Brechung dargestellt zu werden. Das dies abweichend vom restlichen Duktus des Buches dennoch geschieht, ist schade, aber auch dekuvrierend, verrät dieser Stilbruch doch auch, dass der Autor bei aller Kritik am Establishment selbst doch irgendwie auch dazu gehört.

Unabhängig von diesen Details, die den Rang des Werkes in meinen Augen nicht wesentlich mindern, bleibt die Frage: Was hat das alles mit Europa zu tun? Ist das düstere Szenario der "Abwicklung“ Amerikas möglicherweise nur ein Vorspiel für eine ähnliche Katastrophe in Europa? Dreimal ja, kann man nur antworten, wenn man sich die vertragswidrige Geldmengenausweitung der Europäischen Zentralbank ansieht, die dabei ist, eine ähnliche Vermögenspreisblase zu erzeugen wie in den USA. Die Propaganda des europäischen Mainstreams aus etablierten Parteien, Staatsfunk und regierungsnahen Medien ist sogar noch viel erfolgreicher darin, die Leute hinters Licht zu führen. Möglich, dass die Exzesse in der Finanzwirtschaft zur Zeit in Europa (Großbritannien ausgenommen) noch weniger krass sind als in den USA - die politische Korruption aber ist mit Sicherheit größer, weil die Vielfalt der europäischen Regierungen und der Brüsseler Bürokratie zahllose uneinsehbare Nischen erzeugt hat, in denen unbeobachtet gemauschelt werden kann. Die Rechnung bezahlen werden hier wie in den USA die einfachen Leute - allen voran die älteren Menschen, denen gerade ihre Altersversorgung weginflationiert wird. Und wenn es dann wirklich kracht, werden es womöglich wie in den USA die gleichen Böcke sein, die sich um den Garten kümmern werden.
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TOP 1000 REZENSENTam 17. November 2014
George Packer ist ein mehrfach preisgekrönter Sachbuchautor und Journalist, der dem Redaktionsteam des renommierten „New Yorker“ angehört. Seine neueste Veröffentlichung „Die Abwicklung: Eine innere Geschichte des neuen Amerika“ wurde 2013 mit dem National Book Award ausgezeichnet. Hier schaut er mit sezierendem Blick auf sein Heimatland und beschreibt die politischen und ökonomischen Veränderungen in den vergangenen Jahren und deren Auswirkungen auf die amerikanische Gesellschaft. Da er dies mit Hilfe von exemplarischen Lebensläufen macht, bildet er das höchst beeindruckende Porträt einer Gesellschaft ab, die sich mittlerweile meilenweit von dem Gedankengut entfernt hat, das sie in früheren Zeiten auszeichnete.

Diese Einzelschicksale, die sich George Packer über die Jahre genauer anschaut und begleitet, lassen sich aber gleichsam verallgemeinern. Als Beispiel seien hier nur zwei „Stellvertreter“ genannt: Tammy Thomas steht für die aktiven, afroamerikanischen Frauen aus der Arbeiterklasse, die sich bei Problemen nicht entmutigen lassen sondern die Ärmel aufkrempeln und zupacken. Und Dean Price ist der typische Selfmademan, ein Stehaufmännchen und hängt noch immer der Überzeugung an, dass in den Vereinigten Staaten jeder seines Glückes Schmied ist und es vom Tellerwäscher zum Millionär schaffen kann.

Es sind die einfachen Menschen, deren Lebensumstände sich nach der Finanzkrise dramatisch verschlechtert haben und die auf lange Sicht auf der Strecke bleiben. Die Besitzenden, die Politiker, die Banker und die Superreichen merken davon kaum etwas. Ja, sie wollen davon auch nichts wissen, sind sie doch der Überzeugung, dass ihnen das, was sie ihr Eigen nennen, rechtmäßig zusteht. Und deshalb scheuen sie keine Mittel und Wege, um diese Zustände zu zementieren, auch wenn dadurch der Traum von Amerika auf der Strecke bleibt.

Melancholie und Wehmut liegt über diesem Sachbuch, das den Verlust der alten Werte, die Amerika groß gemacht haben, betrauert. Packer berichtet, er wertet nicht und unterfüttert die Biografien mit Fakten und detaillierten Hintergrundinformationen, was seine Schilderungen umso beeindruckender macht. Nachdrückliche Leseempfehlung!
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am 18. August 2014
Ein gutes Sachbuch trifft das Lebensgefühl einer Zeit, in der man selbst etwas ausdrücken wollte, was eben nur ein Autor wie George Packer ungemein treffend auf den Punkt bringt, die Abwicklung, also nicht nur die Atmosphäre des verkümmernden Mittelstandes, sondern die Lebensgeschichten von US-Amerikanern heute.
Die ewigen Metaphern wie die Schere, die Kluft zwischen Reichen und Armen, das Small-Talk-Show-Getue, das die Kapitalismuskrise bemäntelt, werden von Packer entlarvt. Stattdessen zeigt er die Krisen der Menschen am Schnittpunkt ihrer Biografien mit der Zeitgeschichte. Das ist die "innere Geschichte des neuen Amerika". Was schicksalhaft wirkt, die Abwicklung einer Selfmade-Kultur, ist natürlich auf extrem aktive kapitalistische Vorgänge zurückzuführen, die losgelöst vom uralten amerikanischen Traum und selbstzerstörerisch, ihre Grundlage verlassen und verraten haben. Das ist nicht neu, aber grandios thematisiert. Die notwendige Ent-Täuschung angesichts dieser Abwicklung könnte eine Veränderung bewirken, wenn wir die Notwendigkeit nur endlich begriffen hätten. Das Buch bietet die beste Gelegenheit dazu.
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am 24. Juli 2014
Das Buch "Die Abwicklung" von George Packer hat mich von Beginn an mit dem Gefühl gepackt, ich selbst erlebe die amerikanische Realität unmittelbar. Wie sich gleichzeitig Afroamerikanische Mütter von überkommenen Rollen in der Gesellschaft emanzipieren und die Gesellschaft mancher Kleinstädte in die gesetzlose Anarchie kippt. Die sich überlagernden Geschichten von Fortschritt und Dekadenz sind einfach packend.

Das Buch ist in viele unabhängig voneinander zu lesende Kurzbiographien oder Lebensgeschichten gegliedert, vielfältig aber trotzdem irgendwie durch einen roten Faden verbunden. Es geht um Verfall, ums verlassen werden, um Optimismus, der immer wieder von der Wirklichkeit eingeholt wird, um verlorene Schlachten... aber auch darum, nie aufzugeben.

Wohl ist das Buch auch ein Vorgeschmack darauf, was noch in Europa in vielen Gegenden passieren wird... oder auch schon geschieht, nur mit anderen Vorzeichen und der Überzeugung, dass uns der Staat, die Sozialversicherung, das eng gespannte Netz der Fürsorge retten wird. "Die Abwicklung" oder auf englisch "The unwinding" macht aber klar, dass wir uns nur selbst retten können. George Packer gibt wenig Anlass für Optimismus... trotzdem kann ich nicht anders, als nach diesem Buch aufzustehen und nach Lösungen zu suchen. Zumindest für mich und die, die ich gerne habe.

Aber wer immer auch auf Englisch ausweichen kann, dem empfehle ich die Originalversion. Als gebundenes Buch auf Deutsch kostet das Buch € 24,99, die deutschsprachige Kindle-Version kostet € 21,99. Als englisches E-Book kostet das Buch nur € 6,24. Schon um ein Zeichen zu setzen und die Verlage in Deutschland endlich zu einer vernünftigen Preisgestaltung bei E-Books zu bewegen, empfehle ich unbedingt den Erwerb des englischen E-Books.
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am 31. März 2017
Packer schildert in seinem Buch viele bewegende Einzelschicksale. Zwischen den Einzelschicksalen ist die Entwicklung des Großraums Tampa / Florida beschrieben. Da ich die deutsche Übersetzung nicht mit dem Original zu vergleichen mag, bin ich mit der sprachlichen Ebene zufrieden. Will ich jedoch inhaltlich verstehen, was dort in den USA die letzten 20 Jahre passierte, benötige ich analytisches Vorwissen. Packer erzählt sehr schön, beschreibt detailreich, aber er erklärt gar nichts. Seine Protagonisten erscheinen alle mehr oder weniger hilflos, oft naiv, manchmal auch bösartig, aber alle ohne wirkliche Orientierung. Kaum einer scheint die Folgen seines Tuns antizipieren zu können. Packer präsentiert sein Buch ohne theoretische Reflektionen, ohne abstrakte Überlegungen, keine Analyse, nur indirekt zu erahnende Erklärungsmuster, keine wissenschaftlichen Kriterien, kein Sachurteil, kein Ausblick. In einer deutschen Oberstufe dürfte dieses Buch trotz einfühlsamer Erzählkunst höchstens für eine 3- reichen - eben wegen der undifferenzierten Aneinanderreihung einzelner narrativer Elemente.

Eigene Überlegungen: Warum fallen beispielsweise so viele US-Amerikaner auf Immobilienspekulanten herein? Können die denn nicht rechnen? Im Buch von Morris Berman: "Kultur vor dem Kollaps. Wegbereiter Amerika" von 2002 (!!!) hatte ich gelesen, dass 1/3 aller US-Bürger die vier Grundrechenarten nicht mehr beherrscht, also keine Lohnabrechnung, keinen Bankauszug mehr lesen und verstehen kann. Das gleiche gilt für funktionalen Analphabetismus: 1/3 der Bevölkerung ist nach Berman nicht mehr in der Lage, einen Busfahrplan zu lesen und sich danach zu richten. Mein Patenkind nach einem Jahr US-Aufenthalt: "Die Amerikaner reflektieren ihr Handeln nicht. Die sind soooo dumm". Meine texanische Verwandtschaft fragte mich angesichts der Flüchtlingswelle von 2015, was ich täte, wenn ein Flüchtling meinen Job haben wolle. Ohne zu überlegen, antwortete ich, ich würde ihm Französischunterricht erteilen. Die Verwandtschaft verstand die Antwort nicht, wohlwissend, dass ich Französischlehrerin bin.

Dieses gut gemeinte und aufwendig recherchierte Buch lässt den Leser mit viel Gefühl, jedoch ohne Erkenntnisgewinn zurück. Kästner formulierte es in einem Epigramm: "Sie fahren das Erlebte und Erlernte nicht in die Scheuern ein und nicht zur Mühle. Sie zeigen ihre Felder statt der Ernte, die noch am Halme wogenden Gefühle, sie sagen zu den Lesern stolz und fest: "Das wär's - nun fresst!"" Und Goethe soll einmal gesagt haben: "Getretener Quark wird breit, nicht stark.", wobei Quark nicht als Schimpfwort, vielmehr als Grundnahrungsmittel gemeint war.

Vielleicht spiegelt Packer ein verallgemeinertes Klischee über Amerikaner wieder: nett, aber oberflächlich. Der berühmte amerikanische Linguist und Kritiker Noam Chomsky zeigt jedoch, dass es auch anders geht.
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am 8. März 2015
Die Krise der USA ist Ausdruck des Niedergangs. Eine innere Geschichte der heutigen USA.
Wie stabil ist die «Führungsmacht der Welt» (Präsident George Bush 1992), «die unerlässliche Nation für Frieden, Freiheit und Demokratie in der Welt» (Präsident Bill Clinton 1997)? Damals konnten die Vereinigten Staaten nach dem SIEG im kalten Krieg sich auf einem Höhepunkt ihrer Geschichte fühlen. Zwei Jahrzehnte später, nach den Militärinterventionen im Irak und in Afghanistan, die zu Desastern wurden, rutschten sie in ihre schwere Finanz- und Wirtschaftskrise und sitzen auf einem astronomischen Staatsschuldenberg von fast 15 Billionen Dollar.
Für den US-Journalisten George Packer ist die Krise Ausdruck eines Niedergangs, der Auflösung der gesellschaftlichen Solidarität in extremen Individualismus, nicht zuletzt in eine wachsende Kluft zwischen Arm und Reich. Sein Buch zeichnet diese innere Geschichte der heutigen Vereinigten Staaten, und der Verfasser ortet die Wurzeln: Die Mächtigen der Finanzwelt haben ihren Pakt mit der Gesellschaft in einer Orgie von Überfluss und Zynismus aufgekündigt. Es hat sich ein System der «Drehtürpolitik» zwischen Wall Street und Capitol Hill, Finanzoligarchie, Kongress und Repräsentantenhaus entwickelt, das alle Symptome des Niedergangs aufweist.
Packer lässt die Aussen- und Militärpolitik aussen vor. Er will die innere Geschichte des Szenarios der USA in einer langen Reihe ausführlicher Sozialbiographien von Zeitgenossen in Politik und Wirtschaft, auch von Menschen aus den breiten Schichten, darstellen. Da ist etwa Jeff Connaughton, der sein Leben zwischen dem Finanzsektor und der Politik verbringt und aus der Wahlkampfmannschaft des heutigen Vizepräsidenten Joe Biden bis in die hohe Ministerialbürokratie Washingtons aufsteigt, dabei ein beträchtliches Vermögen erwirbt und Zeuge der erbarmungslosen Machtkämpfe in den Eliten und ihren Netzwerken um Einfluss und finanziellen GEWINN wird.
Das Handeln einer grossen Zahl von Bankern, Anwälten und Finanzprüfern ist oft weit entfernt von Recht und Gesetz, geprägt von der Gier nach Boni in Millionenhöhe und dem Streben nach weiterem Aufstieg in ertragreiche politische Ämter und Positionen. Es ist das Panorama eines Politikstils, in dem die Bedenkenlosen GEWINNEN, das Bild der Machtpraxis einer Elite, die sich von den klassischen demokratischen und rechtsstaatlichen Normen weit entfernt hat. In diesem Rahmen tauchen dann auch bekannte Figuren der Zeitgeschichte auf, etwa Präsident Bill Clinton mit seinen bekannten Sexgeschichten und feierlichen Eiden, durch die er sich dem Gesetz zu entziehen verstand.
Und da ist auch die tragische Gestalt Colin Powells, Einwandererkind aus Jamaika, der als Soldat lange Jahre in Vietnam kämpfte und es bis zum angesehenen Generalstabschef und Aussenminister brachte, um schliess­lich von seinem Präsidenten Bush junior zu der bekannten Rede vor dem UN-Sicherheitsrat missbraucht zu werden, zu der Lüge über die angeblichen Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins, die die amerikanische Militärintervention im Irak begründen sollte und den guten Ruf des integeren Staatsdieners zerstörte.
Der Autor wechselt hinüber ins Silicon Valley, diesem Symbol unerschöpflicher amerikanischer Erneuerungskraft. Hier ist sein biographischer Zeuge ein gewisser Peter Thiel, Sohn aus einer «wiedergeborenen» christlichen Familie, begabter Stanford-Student, entschiedener Kommunisten- und Homogegner, der sich eines Tages selbst outen muss. Später gründet er mehrere Hedgefonds, durch die er zum Titan eines Milliardenvermögens wird und seine Tage als einflussreicher Grosssponsor in seiner Luxus-Villa an der Marina in Stanford verbringt.
Es waren die Jahre, in denen Kalifornien durch die Rüstungs- und Weltraumtechnologie und dann durch Internet und Facebook zu einer Art Himmel auf Erden zu werden schien, aber durch die aufbrechende Internet-Blase und die anschliessende Krise seit 2008 doch dem Niedergang nicht entging. So wächst bei dem nachdenklich werdenden Libertären Thiel die Einsicht in die intellektuellen und politischen Grenzen des amerikanischen Traumtanzes um das GOLDENE Kalb und seine Folgen.
Parkers Buch ist eine eigenwillige Mischung von Dokumentation und Literatur. Mit Engagement zeichnet er die jüngere innere Geschichte der USA. Die Forderung des Autors nach entschiedenen Korrekturen des heutigen politischen Systems seines Landes und seiner gesellschaftlichen Erneuerung ist überall im Text zu erkennen. Parkers Panorama dieses Niedergangs erinnert an das Buch des Sozialwissenschaftlers Christopher Lasch «Die blinde Elite – Macht ohne Verantwortung» (deutsche Übersetzung 1995), der den Kern der amerikanischen Krise ebenfalls in einer «demokratischen Malaise» erkennt.
Es ist die Geschichte der Entfremdung der privilegierten Eliten von ihrer Gesellschaft, jener, die den internationalen Fluss des Geldes und der Informationen kontrollieren, mit ihrem multikulturellen Lebensstil der Arbeit und Freizeit in ihren abgeschotteten, gut beschützten Enklaven, und sich ihren staatsbürgerlichen Pflichten längst entzogen haben. Diese Welt erscheint wie die Verwirklichung der berühmten Vision Max Webers einer Gesellschaft von «Fachmenschen ohne Geist, Genussmenschen ohne Herz».
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