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am 12. Juli 2010
Mit 'L'Appareil-Photo' legt Jean-Philippe Toussaint einen an der Oberfläche trügerisch leichten Roman vor, der sich während der Lektüre jedoch als tiefgründige Sondierung der Condition Humaine erweist. Ein namenloser Ich-Erzähler berichtet von einem Abschnitt seines (Er-)Lebens, der ihn in kleinen Schritten aus seiner Wirklichkeit wegführt hin zu einer hoffnungslosen, vielleicht aber auch nur philosophischen Haltung der Realität gegenüber. Alles beginnt in Toussaint'scher, humorvoller Weise (und dieses Zitat mag stellvertretend für den Grundklang des Romans stehen): "C'est à peu près à la même époque de ma vie, vie calme où d'ordinaire rien n'adventait, que dans mon horizon immédiat coïncidèrent deux événements qui, pris séparément, ne présentaient guère d'interêt, et qui, considérés ensembles, n'avaient malheureusement aucun rapport entre eux. Je venais en fait de prendre la décision d'apprendre à conduire, et j'avais à peine commencé de m'habituer à cette idée qu'une nouvelle me parvint par courrir: un ami [...] me faisait part de son marriage."

Die folgende Handlung des Romans ist schwer zusammenzufassen, es geht in ihr weniger um das Geschehen als vielmehr um die Versuche des Ich-Erzählers, der Realität gegenüber eine klare Position zu gewinnen. Von der angekündigten Hochzeit wird in der Folge nicht mehr die Rede sein. Doch die Fahrstunden bringen den Ich-Erzähler in Kontakt mit einer Angestellten der Fahrschule, mit der er eine Liaison beginnt, die sich höchst unspektakulär, ja fast in müde-schleppender Weise entwickelt und der wesentliche Handlungsstrang des Romans wird. Doch ist die Beziehung nur Anlass für den Ich-Erzähler, sich an der Wirklichkeit abzumühen. Schon früh im Roman, während eines kurzen berufsbedingten Besuchs in Italien, entwickelt er die Meinung, die Wirklichkeit sei wie eine Olive, die man kneten und auspressen könne. Doch in der Folge wird er seinem Vorsatz, die Wirklichkeit so zu behandeln, nicht gerecht, vielmehr treibt der Erzähler durch die Wirklichkeit. Er entwickelt eine hypersensitive Haltung ihr gegenüber. Dabei begleitet ihn als Idée fixe die Suche nach einer Photographie, einem Selbstporträt, in der der Abgebildete selbst nicht vorkäme, nur eine Gegenwart, ganz und nackt, schmerzhaft und einfach, ohne Hintergrund und fast ohne Licht.

Stolpert der Erzähler in den ersten zwei Dritteln des Romans noch durch die 'difficultés de vivre', so endet der Roman schliesslich im 'désespoir d'être'. Fast gelingt es dem Erzähler, das gesuchte Bild mit einer entwendeten Kamera zu schiessen, doch enttäuscht das Ergebnis. Das schmale Büchlein endet auf einer Note der hofnungsvollen Traurigkeit, in einer Telephonkabine irgendwo entlang einer Strasse auf dem Land, in den frühen Morgenstunden, als der Erzähler in der Dämmerung den Wert der unmittelbaren Gegenwart erkennt. Er schliesst mit einem Wort: 'Vivant'.

Der Roman lebt, wie alle frühen Romans Toussaints, von seinem unterschwelligen Humor. Und ganz in Toussaintscher Manier berichtet dieser Roman auch nur von dem, was dem Ich-Erzähler Wert ist zu berichten. Von seinem Leben, 'vie calme où d'ordinaire rien n'adventait', erfährt man fast nichts (und doch exitiert es im Hintergrund, und der Erzähler kann wenigstens in seinem Beruf nicht erfolglos sein). Im höchst lesenswerten Nachwort zu diesem Roman prägt der Autor für diese Art des Romans den Begriff 'roman infinitésimaliste'. Unter das Infinite fällt sowohl das unendlich Kleine, und das ist die Materie, die in diesem Roman geformt wird, als auch das unendlich Grosse, und auf dieses zielt die Intention des Autors: Im kleinsten die allgemeinen Wahrheiten aufblitzen lassen. Dies ist ihm in 'L'Appareil-Photo' sicher gelungen. Einem Buch, das es sich lohnt, öfters zu lesen.
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