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Kundenrezensionen

2,7 von 5 Sternen
3
Inside the Rolls-Royce & Bentley Styling Department 1971 to 2001
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
Preis:27,60 €+ 3,00 € Versandkosten

am 25. März 2016
30 Jahre arbeitete Graham Hull in der Design-Abteilung von Rolls-Royce/Bentley. Jetzt legte er seine lesenswerten Erinnerungen vor. Paradoxerweise ist das Buch für Ästheten aber kein Genuss.

„Das sieht ja aus wie aus den 70ern“, lautet der erste Kommentar meiner Frau, als sie die Erinnerungen Graham Hulls in Händen hält. Nach kurzem Durchblättern dann ihr zweiter Kommentar: „Dazu sagst Du doch immer ‚Bleiwüste’.“

Damit sind zwei wesentliche Eigenschaften von Graham Hulls Erinnerungen genannt, die unter dem Titel „Inside the Rolls-Royce & Bentley Styling Department. 1971 to 2001“ soeben erschienen sind. Das Buch hat die Anmutung eines am Heimcomputer in Word gesetzten und in ein PDF umgewandelten Dokuments. Und ähnlich experimentierfreudig, wie wir alle waren, als wir Ende der 80er, Anfang der 90er unsere ersten Rechner zuhause hatten, waren auch die Grafiker vom Veloce-Verlag bei der Farbwahl: Wer immer auf die Idee gekommen ist, Überschriften in Blau zu setzen und mit Unterzeilen in Braun zu kombinieren und den Text dann nicht in Schwarz, sondern in Grau anzulegen, dann aber wieder mit blauen Zwischenüberschriften zu versehen, wer immer das also war: Er möge ewig im Fegefeuer eines Rolls-Royce-Zylinders schmoren.

Hinzu kommt ein unaufmerksames Lektorat, das etwa in der Chronologie am Ende sichtbar wird, wo sich auf einer Doppelseite gleich drei verschiedene Darstellungsweisen für das Datum finden.

Und obwohl es in dem 176-seitigen Buch um Styling geht, besteht es zum Teil aus schier endlosen Bleiwüsten in enger Schrifttype und mit schmalen Seitenrändern, ohne erhellende bzw. auflockernde Bilder. Diejenigen, die etwa Bildstrecken über die schrittweise Evolution eines Modells von den ersten Skizzen bis zum fertigen Modell erwarten, werden bitter enttäuscht. Kurzum: Das Buch über Ästhetik bildet mit seinem Layout die Anti-These zum Thema, es ist ein hell erklingender Aufschrei des schlechten Geschmacks.

Turbulentes Berufsleben
So vernichtend das Urteil über die Anmutung und Bebilderung des Buchs ausfällt, so nachdrücklich ist das Werk dennoch wegen seines Inhalts zu empfehlen. Denn Hulls Erinnerungen sind ein wahrer Goldschatz an Fakten, Augenzeugenberichten und Anekdoten aus einer turbulenten und wegweisenden Phase der Unternehmensgeschichte.

Schließlich erlebte Hull während seines Berufslebens wie kaum ein anderer an exponierter Stelle die Irrungen, Wirrungen und Erfolge der Marken Rolls-Royce und Bentley. Als er 1971 ins beschauliche Crewe kam, hatte Rolls-Royce gerade Insolvenz angemeldet. Nicht wegen der Fahrzeugproduktion, wie selbst in seriösen Autozeitschriften gerne kolportiert wird, sondern wegen der wahnwitzigen Kosten, die die Entwicklung des RB211-Flugzeugmotors verschlungen hatte.

Als Hull 2001 das Unternehmen nach 30 Jahren verließ, hatte er gerade die Bieterschlacht zwischen BMW und VW und die Ankunft der neuen Herren aus Deutschland in Crewe erlebt. Dazwischen lagen der Börsengang von Rolls-Royce, Kurzarbeit, die Wiederauferstehung von Bentley mit dem Turbo und dem Continental R, die Trennung beider Marken und der Technik- und Designsprung in die Neuzeit. Und mehrere Androhungen einer Kündigung durch das Top-Management wegen Meinungsverschiedenheiten „in Fragen der Farbwahl“.

Das alles bietet Stoff für spannende Geschichten. Und fürwahr breitet Hull seine Erlebnisse in einem gut lesbaren, unterhaltsamen Englisch aus. Herrlich ist etwa die Beschreibung der Ereignisse, als die Rolls-Royce-Mannen ihren Kollegen von Pininfarina Änderungen an deren Camargue-Entwurf schonend beizubringen versuchen. Und dann später die Diskussionen mit Ferdinand Piëch …

Buch gegen fehlende Anerkennung
Schon im Vorwort macht Hull klar, dass es ihm bei seinen Erinnerungen auch um die Ehrenrettung für den „in Großbritannien komplett unterbewerteten Berufsstand der Ingenieure“ geht. Die Klage über die verkannten Genies des Automobilbaus mutet allerdings etwas eigentümlich an, hat der Rezensent doch oft das Gegenteil erlebt: Dass auch noch so entfernte und marginale Errungenschaften britischer Ingenieurskunst in hellsten Farben und in zart klingenden Tönen verklärt und glorifiziert werden, weit über ihre eigentliche Bedeutung hinaus. Wurde also nur Hull selbst verkannt?

Sein Lamento über die Erfordernisse der PR, die detaillierte Betrachtungen der Entwicklungsprozesse hinter „seinen“ Produkten nie zugelassen hätten, und über die erdrückenden Sparzwänge in Crewe, lassen das vermuten. Hulls Feststellung, er habe alle für das Buch genutzten Unterlagen und Notizen ursprünglich nicht aus historischem Interesse aufgehoben, sondern nur, um sich im Falle späterer Streitigkeiten besser verteidigen zu können, bekräftigen diesen Eindruck.

Sei es drum. Hull, der 1984 als Nachfolger des legendären Fritz Feller zum Chef-Stylisten aufstieg – im Englischen spricht man im Gegensatz zum „Deutschen“ nicht einfach von Design, sondern von Styling Design – schildert die Entwicklung der Modelle nach dem Silver Shadow in minutiösem Detail, gepaart mit Anekdoten und unterhaltsamen Kommentaren. Für alle, die ihr Wissen über die Marken Rolls-Royce und Bentley um deren Styling-Geschichte erweitern und etwas über Car Styling allgemein lernen möchten, ist Graham Hulls Buch sehr empfehlenswert. Die rund 40 Euro sind gut investiert. Die Bilder kann man sich dann ja im Internet anschauen.

(c) Buchpilot. Der Nachdruck oder das Kopieren des Textes, ganz oder in Teilen, ist untersagt.
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am 19. Dezember 2016
wahr wohl "nix".
Glatter Fehlkauf. Bei dem Titel "Inside the Styling Department" erwartet man (ich zumindest) mal "ein paar" Fotos die man nun wirklich noch nicht gesehen hat. Viel zu wenig Bilder. Den Text zu einem Model welches mich besonders interessierte hab ich dann mal gelesen (konnte man vergessen). Den Rest des Buches habe ich mir geschenkt (warum sollte es da besser sein).
Der Titel weckt Erwartungen, die nicht erfüllt werden.
Prädikat: nicht empfehlenswert! (hab's gleich entsorgt)
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am 8. August 2014
Wenn wir Otto-Normalautokäufer ein brandneues Fahrzeug sehen, ist es für dessen Designer schon ein alter Hut und das Resultat eines langwieriges Prozesses, von dem wir so gut wie nichts wissen. Wie viele Sackgasse und Umwege letztlich zu dem führen, was in den Showrooms steht, es kann nur erahnt werden. Einen Blick in diese Abläufe erlaubt das Buch von Graham Hull, der 30 Jahre lang in der Designabteilung von Rolls-Royce/Bentley arbeitete und am Ende Chef-Stylist von Bentley war. Er erzählt nicht nur über die Mechanismen, die von der Skizze bis zum fertigen Modell aktiv werden, sondern auch von dem knappen Überleben der beiden Marken, bis sie von VW und BMW übernommen wurden. Ein klassischer und hochinteressanter Insiderbericht, in dem auch das Aufblitzen britischen Humors nicht zu kurz kommt. Nicht ganz leicht zu lesen, denn Designer kommunizieren in eine eigenen Sprache.Dafür gibt es aber dankenswerterweise einen einen Glossar, der die wichtigsten Begrifflichkeiten gut erklärt.
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