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Als Geoffhurst Johnson nach Hause kommt, hockt vor seinem Appartment eine Frau, die kaum über zwanzig sein kann, so alt wie er selbst. Sie stellt sich als Journalistin vor und bietet dem jungen Mann Geld für ein Interview. Geoffhurst wußte bis zu dieser Begegnung noch nicht, dass sein Vater unerwartet aus dem Gefängnis in Dartmoor entlassen werden soll. Daley-Clarkes Roman spielt im London der 60er und 70er. Geoffhursts Familie stammt vermutlich von den westindischen Inseln. Die Großmutter konnte noch traditionelle Heil- und Zaubertränke brauen, Geoffhursts Vater träumte eine Weile von einer Karriere als Berufsfussballer und der Junge selbst wurde nach Geoff Hurst getauft, dem legendären Torschützen bei der Weltmeisterschaft von 1966. Der Roman, für den Donna Daley-Clarke 2006 mit dem Commonwealth Writers' First Novel Award ausgezeichnet wurde, erzählt drei Einzelgeschichten, die sich am Ende zum Gesamtbild zusammenfügen. Im ersten Teil erinnert Geoffhurst sich an den Jahrhundertsommer 1976, den heißesten Sommer seit 200 Jahren, als das Wasser langsam knapp wurde. Geoffhurst wird Lazy Eye genannt, Schieler. Er kann seinem Gegenüber nicht in die Augen sehen und muss sich deshalb als unehrlich verdächtigen lassen. Der Junge selbst geht sehr phantasievoll mit seinem schiefen Blick um. Frösche und Kaninchen empfinden ihren Rundumblick ja auch nicht als Nachteil. Geoffhurst sieht mit seinem besonderen Auge mit sprudelnder Phantasie Dschungelszenen vor dem Fenster und Geier, die im Klassenzimmer kreisen. Als Leser ahnt man, dass der Traum von der Fußballkarriere des Vaters bald ausgeträumt sein könnte.

"I liked to practise for when I got a game, though I hardly ever did, because to say I played marbles was like saying Dad or Pele played football, and I bet they had trouble finding mates for a kick around at break time. I wouldn't have played me either. It was the price I paid for being a master player and owner of an indestructible double marble with a blue twist that, on summer days, blended into the sky when I flicked it from the drain cover next to the headmaster's windows and sent it spinning through the air, bending past the boys' toilet to land near the school gates where the girls skipped." (S. 29)

Im zweiten Teil erzählt Geoffhursts Tante Harriet, die mit ihrer Zwillingsschwester Hindy wie ein Lebewesen von den Eltern "Indyanarriet" gerufen wird. Harriet ist die Verbindung zwischen der traditionell lebenden Großmutter, deren Hexenkünste sie lernt, und der Gegenwart in England. Schon Harriets Mutter wünschte sich für ihre Tochter gute Schulnoten und einen sicheren Job, während Tante Dolores als Brückenkopf zur Heimatinsel den Verwandten Zuhause noch immer Geld schickt. In diesem Kapitel nimmt Harriet sehr bewusst ihre schwarze Identität und Hautfarbe wahr. Sie wird später Geoffhurst erklären, dass Familien wie sie zu besonders sind, um sich für Quizshows bewerben zu können. Harriet ist berufstätig, sie erzieht allein ein Kind und lebt noch vollkommen im Glauben an die Macht der Liebes- und Schutzelixiere ihrer Vorfahren. Deshalb fühlt sie auch sofort instinktiv das Ereignis, das die Familie zerstört. Jeder Tag in Harriets Leben wird im Text von der Wettervorhersage eingeleitet. Im dritten Teil macht sich Geoffhurst mit dem Bus auf den Weg nach Dartmoor, um seinen Vater Sonny abzuholen, zu dem er seit 10 Jahren keinen Kontakt mehr hatte.

Lazy Eye entfaltet seine Wirkung durch Ungesagtes und Angedeutetes, durch Ereignisse, die die Autorin erst allmählich aufbaut. Nah an das Lebensgefühl schwarzer Einwanderer führt sie ihre Leser auf sehr sinnliche Weise und entfaltet dabei beinahe unmerklich Geoffhursts Anderssein aus seiner Sicht. Die Bezugspunkte zum englischen Alltag der 60er Jahre sind Lesern außerhalb Englands vermutlich nicht alle vertraut. Stärker noch als Geoffhursts Innensicht als Zwanzigjähriger konnte mich das zweite Kapitel aus Harriets Sicht für die Lebenswelt der Johnsons erwärmen. Wie ein Mann im Rückblick auf seine Kindheit zuerst einen Zusammenhang zwischen seinem Verhalten und der Reaktion anderer erkennt und schließlich die Gemeinsamkeiten zwischen Vater und Sohn wahrnimmt, zeigt Daley-Clarke in einer Sprache, in die ich beim Lesen gern abgetaucht bin.
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am 3. Dezember 2008
Dieses Buch ist ein Glücksgriff.

Ein hochwitziges, tiefberührendes, intelligentes, fantasievolles Buch. Ein Buch, das zwar von einem gräßlichen Verbrechen erzählt - von dem Moment, an dem eine Familie bricht und nichts mehr sein wird wie zuvor, dem Moment des äußersten Entsetzens - aber auf eine so magische und magnetische, zärtliche und zugleich schonungslose Weise, daß man den Roman, einmal angefangen, nicht mehr weglegen möchte.

Erzählt wird aus drei Perspektiven. Es ist hierbei psychologisch so feinfühlig gearbeitet worden, daß sich drei (reichhaltige) Welten vor dem Auge entfalten, daß wir als Leser in drei Köpfe, Herzen, Lebensträume und -ängste hineinsteigen.

Ein Buch auch, in dem man versinkt. Nicht nur überzeugt es und verzaubert es durch seine wunderschöne Sprache und mit gewitzten, hakenschlagenden Gedanken, sondern auch durch die "Echtheit", die einem da aus den Buchseiten entgegenschlägt. Man schmeckt, sieht, hört, riecht das Leben. Die Lebendigkeit der Dialoge und die Schönheit der Beschreibung gehen Hand in Hand, keines überlagert das andere - detailreiches, wuchtiges, atmendes Leben breitet sich vor einem aus.

Ich wünsche diesem Buch eine (gute) Übersetzung, damit es auch einem deutschen Lesepublikum zugänglich wird. Allen, die jedoch auch gern mal Bücher im Original lesen, möchte ich "Lazy Eye" aus tiefsten Herzen empfehlen.

Es ist erschreckend, unterhaltsam, witzig, grausam hart, zum Träumen und zum Heulen. Eins der wirklich besonderen Bücher.
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