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am 21. Juni 2010
Gibt es eine Verbindung zwischen Darwins Lehre und Hitlers Weltanschauung?

Unter dem provokanten Titel "From Darwin to Hitler" fasst Richard Weikert, Professor für Geschichte an der California State University, die Diskussionen um die Ethik führender deutscher Wissenschaftler (Anthropologen, Biologen, Mediziner, Ethnologen, Soziologen etc.) des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts zusammen. Darwins Einfluss auf die Naturwissenschaften und deren Umwälzung im 19. Jahrhundert ist bekannt: Seine beiden Werke "On the Origin of Species" (1859) und "The Descent of Man" (1871) führten zur allgemeinen Anerkennung der Evolutionstheorie. Weniger bekannt und thematisiert, aber nicht minder bedeutend ist hingegen die Auswirkung seiner Vorstellung von der "natural selection" und des "survival of the fittest" als Motor der Evolution auf die Ethik der damaligen Zeit.

Eine Bemerkung vorab: Weikert behauptet nicht, dass vom Darwinismus eine direkte Linie zum Nazismus führt. Seine ideengeschichtliche Studie stellt lediglich die enge Verflechtung von darwinistischer Wissenschaft einerseits und Rassentheorie, Sozialdarwinismus und Eugenik andererseits heraus. Mit Ausnahme der Rassentheorie gingen alle Vertreter jener Lehren vom Darwinismus aus. (Das prominenteste Beispiel ist Ernst Haeckel, der den Darwinismus in Deutschland erfolgreich verbreitete.)

Nun stellt sich natürlich die spannende Frage, inwieweit Charles Darwin selbst Pate für diese Bewegungen stand. Obwohl Darwin politische Folgerungen aus seinem Werk ablehnte, lieferte er z. B. der Eugenik-Bewegung ihre theoretischen Grundlagen, als er in "The Descent of Man" schrieb:

"Unter den Wilden werden die an Körper und Geist Schwachen bald eliminiert; die Überlebenden sind gewöhnlich von kräftigster Gesundheit. Wir zivilisierten Menschen dagegen tun alles Mögliche, um diese Ausscheidung zu verhindern. Wir erbauen Heime für Idioten, Krüppel und Kranke. Wir erlassen Armengesetze, und unsere Ärzte bieten alle Geschicklichkeit auf, um das Leben der Kranken so lange als möglich zu erhalten. [...] Niemand, welcher der Zucht domestizierter Tiere seine Aufmerksamkeit gewidmet hat, wird daran zweifeln, dass dies für die Rasse des Menschen im höchsten Grade schädlich sein muss."

Weikerts Studie ist gefüllt mit Zitaten und wissenschaftlichen Belegen. Ausführlich geht er auf verschiedene Phänomene und Sachverhalte ein, wie z. B. die Kriminal-Anthropologie, die Rassenhygiene, oder die Diskussion um die Polygamie. Interessant sind auch Weikerts Erläuterungen zur damals entstehenden Lebensraum-Theorie. Diese wurde von Friedrich Ratzel, einem darwinistisch inspirierten Geographen, entwickelt und galt als wichtiger Impuls für den Nationalsozialismus. Im Kapitel "War and Peace" erklärt Weikert, warum ein Teil der Sozialdarwinisten sich der Friedensbewegung anschlossen. Der Grund lag darin, dass sie im Krieg der europäischen Nationen eine Schwächung der "weißen Rasse" sahen, der dem eigentlichen, den als Rassenkampf verstandenen "struggle for existence" hinderlich wäre. In einigen Abschnitten liest sich das Buch etwas langwierig; manche Wiederholungen hätten vermieden werden können. Dennoch ist dem Autor sein Werk zu diesem Thema gelungen.

So lässt sich festhalten: Von Darwin ausgehend, lieferten die Sozialdarwinisten und Eugeniker die theoretischen Bestandteile, die Hitler in seine Weltanschauung - erst nach dem 1. Weltkrieg ergänzt um seine Kerninhalte Antisemitismus und Antibolschewismus (wie beispielsweise der Historiker Ralph Georg Reuth in seinem Buch "Hitlers Judenhass" gezeigt hat) - aufnahm, um sie nach seinem Machtantritt in radikalster Weise umzusetzen. Was nach Darwin präpariert wurde, ist dann in Deutschland ab 1933 explodiert. Der Darwinismus war somit zwar keine hinreichende Bedingung, aber eine notwendige Voraussetzung für Hitlers Weltbild.
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