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TOP 1000 REZENSENTam 31. Dezember 2012
Dieser vollkommen offene Glaspavillon ist sein zur Materie gewordenes Axiom "Weniger ist mehr," denn mehr konnte man bei diesem Bauwerk wirklich nicht weglassen. Das Bauwerk sollte als Wochenendhaus für die wohlhabende Ärztin Dr. Edith Farnsworth dienen, die dort zurückgezogen an dem abgelegenen Ort ihren Hobbys in einem exklusiven Haus nachgehen wollte. Den Auftrag erhielt Mies van der Rohe bereits im Jahr 1945. Mies van der Rohe betrieb einen enormen Planungsaufwand für das intendierte Gesamtkunstwerk, so dass der Bau erst im Jahr 1951 fertiggestellt wurde. Das Bauwerk war insofern eine Herausforderung, da es in einem Überschwemmungsgebiet liegt. Deshalb wurde es insgesamt um 1,58 m angehoben, was allerdings bei einem Jahrhunderthochwasser im Jahr 1996 nicht ausreichte.

Bei der Konstruktion handelt es sich um ein selbstragendes Stahlskelett, bei welchem die Konstruktionseben nach außen verlegt ist. Die Fassade besteht aus großflächigen Glasscheiben, die mit Winkeln an den tragenden außenliegenden Stützen befestigt sind. Die Decken und Böden bestehen aus Stahlrahmen die zusammen mit den Stahlstützen (I-Träger), die selbsttragende Stahlskelettkonstruktion bilden. Gefüllt sind die Rahmen mit Betonplatten. Die leichte Stahl-Glas- Konstruktion ermöglichte einen schwellen- und sturzlosen Übergang auf der Wohnfläche. Die Farbwahl ist zurückhaltend, aber die streng geometrische Konstruktion setzt einen harten Kontrast zur Natur.

Neben einem Wohnraum besteht das Farnsworth House aus einer Loggia und einer etwas tiefer gelegenen Terrasse. Treppen mit relativ wenig Steigung verbinden die einzelnen Ebenen miteinander.

Das Bauwerk, welches nicht mehr als eine Einraumwohnung darstellt, ist in allen Richtungen transparent. Als Blickschutz waren lediglich Rohseidevorhänge vorgesehen, die das Bauwerk nachts wie ein Kristall schimmern lassen. Die Transparenz sorgt für ein ganzheitliches Wahrnehmen der Natur und der Verbindung von Innen zu Außen. Der Innenraum ist etwa 140 m² groß und bis auf einen in der Mitte gelegenen Block mit den benötigten Installationen wie Küchenzeile, Bad, usw. frei von Konstruktion und Trennwänden. Lediglich eine Wand dieser Box ist zur Führung notwendiger Installationsleitungen zur Decke geführt. Ansonsten ist keine Wand mit der Decke verbunden.

Der Raum ist funktional nicht erkennbar gegliedert. Möbel konnten nach Belieben aufgestellt werden. Eine Ausnahme bot im Haus neben dem Bad allerdings die geschlossene Servicezone, sprich Küche mit Kamin. Insgesamt wurde der Raum durch die mittlere Box in vier Bereiche gegliedert, welche Möglichkeiten für die unterschiedlichste Art von Nutzung boten.

Eine Privatsphäre war somit nur im intimen Kern, dem Bad gegeben. Trotz anfänglicher Begeisterung war die Bauherrin später unzufrieden, da die positive Transparenz bei Tageslicht nachts dazu führt, dass der Mensch in diesem Moment zur transparenten Lebensweise gezwungen wird. Und das ist für die meisten Menschen sehr unangenehm. Prof. Dr. Arnheim beschrieb einst, dass Menschen in der Regel Savannenlandschaften als Wohnort bevorzugen würden, weil sie einerseits eine gute Aussicht zur Beobachtung der Umgebung bieten und bei Gefahr Rückzugsmöglichkeiten geben. Dieses evolutionäre Prinzip sei seiner Meinung nach auch heute bei Menschen zu finden, z.B. bei der Präferenz bestimmter Lokale, die dem Besucher eben diese Möglichkeiten bieten.

Die Bauherrin war enttäuscht, denn das Haus erwies sich ihrer Ansicht nach aufgrund seiner abstrakten Einfachheit schwierig zu bewohnen. Außerdem schienen ihr die Kosten von rund 73000 U.S. Dollar zu teuer. Es kam später noch zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung. Im Jahr 1972 verkaufte Edith Farnsworth das Haus an Peter Palumbo (Vgl. Autor des Vorworts), einem bekannten Sammler, der es kurz darauf bereits der Öffentlichkeit zugänglich machte. Später wurde das kleine Haus, welches als wichtiger Meilenstein der Architektur gilt, für rund 7,5 Millionen U.S. Dollar versteigert und befindet sich derzeit im Besitz des "Trust for Historic Preservation."

Das Bauwerk inspirierte später noch viele Architekten, wie z.B. den bekannten Philip Johnson (1906 - 2005), der in Deutschland z.B. für die Kunsthalle Bielfeld und dem Johnson Building am Berliner Checkpoint Charly verantwortlich war, zum Bau des fast identischen Glass House in New Canaan.

Dieses rund 60 Seiten umfassende Buch gibt einen tiefgreifenden Einblick in die Geschichte, Konstruktion und Gestaltung dieses minimalistischen Meilensteins der Architekturgeschichte. Fotos gibt es in Farbe und farblosen historischen gewand. Ergänzend sind auch technische Zeichnungen oder Details beigefügt. Insgesamt ist das Buch aus dem Phaidon Press Verlag als gelungen zu bezeichnen. Dennoch wäre meines Erachtens ein kritischer Vergleich zwischen Barcelona Pavillon und Farnsworth Haus interessant gewesen, da das katalanische Vorbild psychologisch gesehen recht ideal konzipiert war. Es berücksichtigte Prinzipien, wie Einfachheit in der Mannigfaltigkeit, bot reduziert dosierte Blickreize durch das Material, bot Rückzugsmöglichkeiten und die Konstruktion spielte mit der Tiefenwahrnehmung unserer Sehrinde. Insgesamt perfekt! Im Farnsworth - Haus sind es lediglich die Holzverkleidungen des Kerns und der Fußboden aus Travertin, die diesen natürlichen Reiz bieten. Es ist mehr Skulptur als ein funktionales Wohnhaus.

Das Buch erschien in der Reihe "Architecture in Detail" und folgt dabei einem für die Serie üblichem Schema, bestehend aus einem Textanteil, einer Fotoreihe und ausgiebigen Planmaterial. Das Planmaterial ist stets eines der Highlights der Serie "Architecture in Detail." So umfasst das dritte Kapitel "Drawings" einen Lageplan, Ansichten, Grundrisse, Schnitte, Ansichten und zahlreiche Konstruktionsdetailpunkte.

Der Text orientiert sich an folgenden Unterkapiteln:

1. Foreword, Lord Peter Palumbo
2. A consummation of Miesian Design
3. An Icon of modernism
4. Client, Site and brief
5. The lawsuit
6. Planning
7. The structure
8. Steelwork
9. Other materials
10. Detailing
11. Internal environment
12. Rainwater drainage
13. Assessment
14. Postscript
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