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Kundenrezensionen

4,2 von 5 Sternen
56
4,2 von 5 Sternen
Format: Taschenbuch|Ändern
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am 15. Januar 2016
Habe ich öfters gekauft, um es zu verschenken. Eine ruhige ausgefeilt geschriebene Geschichte, die einen richtig in den Bann ziehen kann.
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Tony Webster war immer ein friedfertiger, ausgeglichener Mensch. Die Welt hat er nicht gerade aus den Angeln gehoben - weder privat noch beruflich - aber im Großen und Ganzen ist er zufrieden mit seinem Leben. Er ist über 60, seit Jahrzehnten geschieden und seit einiger Zeit in Ruhestand, als er überraschend von der Mutter seiner ersten Liebe etwas Geld und ein Tagebuch erbt. Eine Neuigkeit, für die er keine Erklärung findet, und die ihn dazu bringt, verschiedene Ereignisse aus seiner Vergangenheit noch einmal zu überdenken. Kann er seinen Erinnerungen wirklich trauen?

In einem sehr schönen, angenehm zu lesenden Sprachstil erlebt man auf nur 150 Seiten Tonys gesamtes Leben im Schnelldurchlauf. Vieles wird nur ganz kurz angedeutet, bei einzelnen Ereignissen verharrt er etwas länger. Trotz der Kürze des Buches und der episodenhaften Erzählweise hatte ich am Ende das Gefühl, Tony recht gut zu kennen. Die Charakterisierung der Hauptfigur ist gelungen, obwohl oder gerade weil er so ein Durchschnittstyp ist. Die Nebenfiguren bleiben dagegen relativ blass, aber das passt gut zu der Geschichte: Tony kennt die Menschen, die sein Leben eine Zeit lang begleitet haben, auch nicht so richtig gut - zumindest nicht annähernd so gut, wie er lange Zeit denkt.

Etwas enttäuschend fand ich den Schluss. Der kommt relativ abrupt, und die Erklärung, die Tony schließlich für das rätselhafte Testament findet, ist nur mäßig überzeugend und nicht der überraschende Paukenschlag, mit dem ich gerechnet (bzw. auf den ich gehofft) habe.

Dennoch ein insgesamt schönes (etwas zu kurzes) Buch, das mich auch Tage nach der Lektüre noch beschäftigt hat.
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am 2. Januar 2013
Wie in anderen Rezensionen bereits verschiedentlich angesprochen, hat dieser Roman eine recht männliche Komponente, die über die Tatsache hinausgeht, dass der Autor ein Mann ist. Nicht dass nicht auch eine Frau mit ihrer persönlichen Geschichtsbetrachtung auf höchst subjektive Art umgehen würde, nein, es ist die manchmal eigenartig kühle Art des Erzählens, die lediglich durch das beharrliche Vorgehen des Protagonisten aufzeigt, das eine starke emotionale Beteiligung vorhanden ist.
Wie auch immer: Barnes schreibt auf feine Weise und mit der Kontemplation des Betrachters, der weit mehr Lebensjahre hinter sich als vor sich hat.
Wer eine mitreissende Handlung erwartet, wird enttäuscht. Selbst die "Auflösung" des Rätsels über die Geschehnisse betreffend Veronica und Adrian lässt dem Leser Raum für Interpretationen, da keine expliziten Erklärungen gegeben wären. Gerne würde ich von einem Leser, der an dieser Stelle meine Rezension liest und das Buch bereits gelesen hat mitgeteilt bekommen, wie er/sie das Ende verstanden hat. Eine solche Art der Anfrage habe ich noch nie gemacht, was wohl daran liegt, dass ich mich nicht an die Lektüre von Geschichten erinnern kann, die auf diese Weise abgeschlossen wurden. Aus Gründen offensichtlich nötiger Fairness hat ja auch kein Rezensent vor mir detailliert auf den finalen Teil des Geschehens Bezug nehmen können.
Dies alles könnte darauf hindeuten, dass mich dieses Buch unbefriedigt zurückgelassen hätte, was jedoch nicht der Fall ist. Julian Barnes ist durchaus ein guter Schriftsteller, der sein Handwerk versteht und einen Leser zu fesseln vermag.
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am 7. September 2015
Julian Barnes kann wunderbar schreiben und beschreibt im ersten Teil, der mir noch besser gefiel, die Studienjahre von jungen Männern in den verklemmten 60er. Der Erzähler beschreibt insbesondere die Freundschaft zu dem intellektuellen Adrian, der so beschrieben wird, wie man sich wunderbar vorstellen kann, dass er den intellektuellen Neid des Freundes erweckt. Ein Brief, den der Erzähler Adrian beschrieben hat, spielt eine wichtige Rolle und er stellt beispielhaft da, wie sehr wir die eigene Vergangenheit, die Wahrheit, in der Erinnerung manipulieren können. Ein kleines, feines Buch. Die Aufläsung der Geschichte gefiel mir etwas weniger, aber insgesamt einfach ein wundervolles Buch, wie so viele Bücher, die den Man Booker Prize gewinnen, ein echtes Gütessiegel für Bücher, das mich noch nie enttäuscht hat.
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am 18. Oktober 2016
Julian Barnes knows how to write. It is a pleasure to read through his pages and follow his rhythm. The plot is good, although I guess I am even more aloof than the main character, as I still didn't get but he was supposed to get at the end (but reading reviews online, it looks like many feel the same)
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am 15. Oktober 2011
"Advice is a form of nostalgia, dispensing it is a way of
fishing the past from the disposal, wiping it off, painting over the
ugly parts and recycling it for more than
it's worth."
Das Zitat ist von Buz Luhrmann (Everybody's free...) und mindestens so tiefgründig wie das, was Barnes so über den subjektiven Charakter unserer Erinnerungen oder allgemein über die Problematik jeglicher "objektiven" Geschichtsschreibung verfasst.

Der geschiedene Rentner Webster, die Hauptfigur dieser Novelle, philosophiert über seine Vergangenheit, er glaubt sich schuldig am frühen Selbstmord seines Freundes Adrian. Die Mutter von Websters Jugendliebe Veronica hinterlässt ihm 500 Pfund und das Tagebuch Adrians. Webster hofft mit Hilfe des Tagebuchs eine Erklärung für Adtians mysteriösen Selbstmord zu finden. Nach Jahren der Trennung trifft er sich mit Veronica wieder, die das Geheimnis um Adrian gleich lüften könnte, es aber nicht tut.
Einerseits entsteht so natürlich die Spannung, die einen weiterlesen lässt, andererseits sollte dieses beharrliche Schweigen Veronicas zu ihrem Charakter passen, und muss innerhalb der Geschichte auch irgendwie glaubwürdig sein. Für mich liegt hier die entscheidende Schwachstelle des Buchs, bzw. der Handlung. Obwohl Barnes sich bemüht Veronica als geihmnisvolle Frau darzustellen, ist die gebetsmühlenartige Wiederholung ihres "you don't get it, do you," für mich einfach nicht überzeugend.

Also die Story ist, für meinen Geschmack, eher schwach erzählt, die Einsichten über persönliche Schuld und Reue sind nicht wirklich bahnbrechend neu. Abschließend möchte ich noch sagen, dass ich Barnes für einen wirklich guten Autor halte (Booker-Preis würdig sowieso), mir dieses kurze Werk aber nicht so besonders gut gefallen hat.
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TOP 500 REZENSENTam 10. Januar 2014
"Geschichte ist die Gewissheit, die dort entsteht, wo die Unvollkommenheiten der Erinnerung auf die Unzulänglichkeiten der Dokumentation treffen." Dieser Satz, mit dem Tony Websters Schulfreund Adrian seinerzeit den Geschichtslehrer in Verlegenheit brachte, ist das Motiv dieses Romans. Tony ist jetzt Anfang Sechzig, pensioniert, einigermaßen einvernehmlich geschieden und eigentlich der Ansicht, auf ein unspektakuläres, durchschnittliches Leben zurückzublicken. Das ändert sich in dem Augenblick, als ihm zu seiner großen Überraschung mitgeteilt wird, dass ihm die Mutter seiner ersten, komplizierten Liebe Veronica eine Erbschaft hinterlassen hat: 500 Pfund und das Tagebuch von Adrian. Der hatte Veronica nämlich später geheiratet, was Tony den beiden nie verziehen und den Kontakt zu ihnen mit einem ausgesprochen gehässigen Brief abgebrochen hatte.

Mit der Frage nach dem Grund für diese Erbschaft, vor allem aber danach, wie Adrians Schwiegermutter überhaupt in den Besitz des Tagebuchs gelangt war, holt Tony die Vergangenheit nach 40 Jahren wieder ein. Was er bei der schwierigen Suche nach Antworten herausfindet, deckt sich plötzlich nicht mehr mit den Erinnerungsfragmenten und Puzzlestücken, die für ihn bisher seine persönliche Geschichte so angenehm abgebildet haben, und es wird ihm erschreckend klar, wie er das Leben vieler Menschen irreparabel beeinflusst hatte, und das mit einem einzigen Brief.

Der Roman ist brillant geschrieben und frei von jeglichem seitenfüllenden Ballast. Fast wie in einem Krimi steigert Julian Barnes die Spannung und hebt die überraschende Auflösung doch tatsächlich bis zur letzten Seite auf. Auch dann muss man teilweise noch zwischen den Zeilen suchen, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen - auch Tony Webster wurde es schließlich nicht leicht gemacht herauszufinden, was für eine Ereigniskette er ausgelöst hatte. Ohne es zu wollen, ohne es zu wissen und ohne wirklich dafür verantwortlich zu sein, auch wenn er das am Ende wohl anders sah.
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am 21. Dezember 2011
This is a short read for one long evening or a long-distance flight. It is an absolute pleasure, both for the wonderfully precise language and the way the plot is developed. The first person narrator Tony Webster is a Brit in his sixties, who is well settled into a comfortable, uneventful life with no mysteries. Or so he believes until he receives a letter from a lawyer that propels him back to his student days. Only on the very last pages do we (partially) learn what really happened back then, and the expertly created suspense makes it very hard to put the book down after beginning part 2 (some planning ahead may be required to avoid interruptions...).
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am 2. Dezember 2014
This is a very engaging story that is insightful, thought-provoking and entertaining. It is also a page turner that sucks you in from the very opening pages all the way to the end. I came out of reading The Sense of Ending feeling I know Tony's life inside out. Not that many books delve into marriage, love, parenthood and friendship with so much ease and understanding as The Sense of Ending. It reminds me of the historical saga Disciples of Fortune in so many ways. The philosophical side of the story brought up deep questions that are answered in a subtle way in the course of the story. I find this book very entertaining and insightful. It is not only for those who have experienced the complexities of life, but even for those who are yet to face some of the many unexpected things life throws at us.
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"History is that certainty produced at the point where the imperfections of memory meet the inadequacies of documentation" (17). Es ist ein Leitmotiv so alt wie die Menschheit selbst: Auf welche Art und Weise manipuliert der Mensch seine oder anders Leut Vergangenheit, um seinem Leben einen Sinn, einen zusammenhängenden Plot, zu verschaffen?

Tony Webster ist ein in Ehren ergrauter Mitsechziger, der ein durch und durch normales Leben geführt hat, zwar geschieden ist, sich mit seiner Ex-Frau aber noch so leidlich versteht. Sein ereignisarmer Lebensabend gerät in Wallung, als er per Post von einer ungewöhnlichen Erbschaft in Kenntnis gesetzt wird, die ihn tief in seine Vergangenheit zurückführt. Die Mutter seiner manipulativen Jugendliebe Veronica hinterlässt ihm 500 Pfund und, viel wichtiger, das Tagebuch von Adrian Finn. Adrian bildete zusammen mit Tony und zwei weiteren jungen Männern eine Viererclique, die zusammen die Freuden und Leiden der Pubertät durchgestanden haben. Adrian, hochintelligent, immer umgeben vom Hauch des Genialischen, geht wenig später eine Beziehung mit Veronica ein, nachdem er zuvor brav um Tonys Erlaubnis gebeten hat. Mit nur 22 Jahren begeht er Selbstmord. In seinem Abschiedsbrief schreibt er, dass er das ungewollte Geschenk des Lebens aus philosophischen Gründen ablehnt. Für Tony beginnt eine Reise in die Vergangenheit, an deren Ende er feststellen muss, dass der Plot seines Lebens in der Tat umgeschrieben werden muss: "How often do we tell our own life story? How often do we adjust, embellish, make sly cuts? And the longer life goes on, the fewer are those around to challenge our account, to remind us that our life is not our life, merely the stroy we have told about our life. Told to others, but - mainly - to ourselves" (95).

Julian Barnes neuer Roman "The Sense of an Ending" steht vollkommen zu Recht auf der Longlist des diesjährigen Booker Prize. Überzeugend erlebt der Leser mit, wie der Ich-Erzähler dazu gezwungen wird, die Interpretation seiner Vergangenheit zu modifizieren. Barnes beweist einmal mehr, dass er wie kaum ein anderer englischsprachiger Autor Unterhaltung mit Anspruch zu verbinden weiß.
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