Ein Film, in dem sich Tim Burton als Regisseur und Johnny Depp zum sechsten Mal treffen (Edward mit den Scherenhänden, Ed Wood, Sleepy Hollow, Charlie und die Schokoladenfabrik und Corpse Bride). Wie wir wissen, ist das noch nicht das Ende ihrer Zusammenarbeit.
Der Film aus dem Jahre 2007 wurde zu der Zeit "Pirates of the Caribbean" – Am Ende der Welt (der dritte Teil) gedreht. Man fragt sich immer wieder, wie schafft es Johnny Depp alle diese Filme zu drehen, sich in die Geschichte zu versetzen, er spielt ja immer mit einem enormen Einsatz.
Sweeney Todd ist ein Musical, alle singen nämlich. Und sprechen tun sie auch. Die Stimme von Depp ist zwar gut, aber etwas schwach. Nur er spielt so gut, dass diese Mängel, wenn man streng ist, gar nicht ins Gewicht fallen.
Eine Nacht, ein Schiff, zwei Menschen, die sich in London zurechtfinden müssen. Anthony Hope (Jamie Campbell Bower) ist ein junger Matrose, der ans Land geht. Er will sein Glück in London suchen. Der zweite ist ein Mann mit schwarzen Haaren, die von einer einzelnen weißen Strähne besonders/"strange" geschmückt sind, und etwas Magisches haben.
Ihr Abschied soll nicht für immer sein. Mr. Todd lädt den Jungen ihn in Fleet Street zu besuchen. Dort hatte er einmal ein Barbiergeschäft. Jetzt findet er hier Mrs. Lovett (Helena Bonham Carter), die einen Laden mit Pasteten betreibt, wobei die Kundschaft nicht viel von ihrer Ware hält. Sie erkennt den Mann und erzählt ihn, wie es seinen Nächsten ergangen ist/war.
Mr. Todd, so will er sich jetzt nennen, sucht die Kundschaft, gewinnt sehr schnell einen Wettbewerb gegen Signor Adolfo Pirelli (Sacha Baron Cohen). Der Italiener, der kein ist, erkennt Todd von früher. Er will ihn..., was ihm nicht gelingt. Sein Laufbursche Toby (Ed Sanders) kommt zu dem Laden und wird von Mrs. Lovett sozusagen mit Gin angeworben. Er freut sich über seine neue Anstellung.
Der Barbier hat auch einige Ideen, die er OHNE Mrs. Lovett nicht verwirklichen kann. Bald ist er wieder ein sehr gefragter Barbier. Auch die Geschäfte in Mrs. Lovett's Laden gehen immer besser. Die Kundschaft tut beiden gut.
Immer noch sucht Mr. Todd einen Weg, wie er wenigstens seine Tochter Johanna (Jayne Wisener) retten könnte. Sie lebt bei dem Richter Turpin (Alan Rickman). Sein Büttel (Timothy Spall) hat Augen sowohl auf Johanna wie auch auf die Gegend.
Warten ist nicht Mr. Todd' Stärke, obwohl ihm einige Zufälle (fast) die Lösung ermöglichen. Aber - nur...
15 Jahre weg aus London, 15 Jahre auf dem Schiff, wie im Kerker, machen sich bemerkbar. Aus einem ruhigen naiven Barbier ist ein rachsüchtiger Mensch geworden. Der nur noch schwierig das Gute sieht, obwohl es existiert. Ein Leben im Schatten bringt kein Licht, wenn man es nicht bewusst sucht. Ein Leben, dass aus Rachegedanken besteht, wendet sich öfter gegen den Menschen, die das Schöne nicht mehr sehen können.
Tim Burton ist es PERFEKT gelungen - die Dualität, die Gegensätze, sogar Widersprüche zu zeigen. Man bekommt die hellsten Bilder zu sehen, alles ist voll von der Sonne, die Menschen tragen bunte Kleider, lachen, freuen sich. Auch der Barbier mit seiner kleinen Familie. Nach seiner Rückkehr ist London immer nur grau, dunkel, bedrohlich. Auch die Paläste rund um City sind langweilig, als ob drinnen keiner wohnen würde.
Manchmal geht Burton mit den Bildern fast ins S/W, um dann die rote Farbe hervorzuheben. Einige Szenen sind gewöhnungsbedürftig, aber dann kommt irgendwas dazwischen, was den Schrecken verschwinden lässt.
Vielleicht empfinden wir den Film dann als ein Märchen, in dem es Hexen, böse Männer, kluge Jungen, versteckte Jungfrauen gibt. Und unser Gehirn prägt sich diese Geschichte ein.
Ein Film, den ich zu den BESTEN von Burton, Bonham Carter, Depp sehe... Nur solche Schauspieler können an ihre Grenzen gehen und mit dem Regisseur wie Burton zusammenarbeiten. Sacha Baron Cohen hat keine große Rolle, bleibt aber stark in der Erinnerung. Alan Rickman (naja, aus H. Potter), der für mich einer DER..., ist auch hier perfekt. Timothy Spall ("Mr. Turner – Meister des Lichts") hat fast immer undankbare Rollen, aber die spielt er mit Bravour.
Was hat Sweeney Todd gewollt? Würde er anders handeln, hätte er..., könnte er überhaupt anders sein? 15 Jahre sind eine (manchmal) zu lange Zeit. Und die Vergeltung schläft für einen Augenblick, dann wird sie wieder WACH.
Ist das ein Thriller? Ist das ein Gruselfilm, ist das eine Tragikomödie?
Es ist ein Film, den man nicht so leicht vergisst.
Tim Burton macht es möglich!
Die Lieder sind schön, ruhig, sie sind das Gegensatz zu der Geschichte. Wer so singen kann, dessen Herz muß auch REIN sein...