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Der Schlaf in den Uhren: Roman Kindle Ausgabe
August 2015: Fabian Hoffmann, der einstige Dissident, steht als Chronist in Diensten der »Tausendundeinenachtabteilung« von Treva. Hier, in den Labyrinthen eines unterirdischen Reichs, arbeitet die »Sicherheit« an Aktivitäten, zu denen einst auch die Wiedervereinigung zweier geteilter Staaten gehörte. In diese Welt ist Fabian einem ihrer Kapitäne, Deckname »Nemo«, gefolgt, um herauszufinden, wer seine Schwester und seine Eltern verraten hat. Zugleich ist Fabian mit einer Chronik befasst, die zum 25. Jahrestag der Wiedervereinigung erscheinen soll. Doch es kommt anders. Fabian gerät auf eine Reise, die ihn tief in die trevische Gesellschaft und ihre Utopien hineinführt.
Er analysiert Ordnungsvorstellungen und Prinzipien der Machtausübung, die Verflechtungen von Politik, Staatsapparat und Medien, beobachtet die Veränderungen im alltäglichen Leben. Immer mehr löst sich dabei seine Chronik von ihrem ursprünglich amtlichen Auftrag, streift zurück bis in das Dresden seiner Kindheit, in die stillstehende Zeit vor zwei Epochenjahren. Auf seiner Suche nach Ordnung und Sinn kämpft Fabian gegen die Windmühlen der Macht, die Fälschungen der Wirklichkeit, den Verlust aller Sicherheiten – und gibt doch den Traum von einer befreiten Zukunft nicht verloren.
- SpracheDeutsch
- HerausgeberSuhrkamp Verlag
- Erscheinungstermin16. Mai 2022
- Dateigröße2888 KB
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Produktbeschreibungen
Pressestimmen
»Tellkamp versetzt Gesellschaftsgeschichte in ein Naturkundemuseum. In Herbarien, toxikologischen Silberstiftzeichnungen, Schmetterlingssammlungen kommt der Roman zu sich selbst ...« -- Stefan Kister ― Esslinger Zeitung Published On: 2022-05-22
»[Tellkamp] blickt auf die Welt und schreibt kunstvoll das Gesehene auf. Fotografiert es in Worte. Was er, und das sei nicht nebenbei gesagt, so exquisit kann, dass er sogar ohne eine Story auskommt.« -- Tim Hofmann ― Freie Presse Published On: 2022-05-14
»[Der Schlaf in den Uhren] glänzt mit Passagen, die beim Lesen beglücken.« -- Cornelia Geißler ― Berliner Zeitung Published On: 2022-05-15
»[Tellkamp] denkt in Schichten, in tellurischen Kräften – auch hinsichtlich der Literatur.« -- Andreas Platthaus ― Frankfurter Allgemeine Zeitung Published On: 2022-05-14
»Es geht um Unterdrückung, Bevormundung, Politik, Verrat, Konspiration, Zensur und Sprechverbote, um Erbe, Tradition, Magie, Erzählen, Angst, Festhalten. Mythisch überhöht, romantisch illuminiert und imaginativ durch Totalbeschreibung, kein Ding zu klein, detailliert ausgepinselt zu werden, unterminiert.« -- Alexander Kluy ― Buchkultur - Das internationale Buchmagazin Published On: 2022-05-16
»Uwe Tellkamp ist ein brillanter Prosaist; sein Schlaf in den Uhren ... verdient jeden Leseaufwand.« -- Ronald Pohl ― derstandard.de Published On: 2022-06-28
»[Der Schlaf der Uhren]ist groß angelegt und tief gedacht und oftmals glänzend in Sprache gesetzt. ... Ein Roman, mit dem man sich nach der ersten Welle von – überwiegend – Brachialkritik sehr genau auseinandersetzen sollte.« -- Michael Hametner ― der Freitag Published On: 2022-05-25
»Der Schlaf in den Uhren ist keine normale Buchveröffentlichung mehr, sondern ein Paukenschlag ... Es ist eine fantastische, mit allen Lizenzen der Poesie ausgestattete Alternativversion einer [herkömmlichen Weitererzählung].« -- Richard Kämmerlings ― WELT AM SONNTAG Published On: 2022-05-08
»Glänzend in Sprache gesetzt, Uwe Tellkamp ist ein brillanter Prosaist, der Lohn des Lesens: Ein Reichtum faszinierender und originell beschriebener Details. Und höchstes intellektuelles Vergnügen. Und Erkenntnis.« ― kultbote.de
»Aus vielen Strömen fließt in diesem Roman Geschichte zusammen, ob es die Wendeereignisse sind, die Arroganz westdeutscher Eliten gegenüber den Ostdeutschen, denen man die Friedliche Revolution vorwarf, die die biedermeierliche Welt des westdeutschen juste milieu störte, oder die Erfindung der Klimaapokalyptik oder Merkels Migrationspolitik – all das wird mit feiner Parodie in überraschenden Episoden erzählt.« -- Klaus-Rüdiger Mai ― tichyseinblick.de Published On: 2022-05-15
Über die Autorenschaft und weitere Mitwirkende
Produktinformation
- ASIN : B09V7WQ32T
- Herausgeber : Suhrkamp Verlag; 1. Edition (16. Mai 2022)
- Sprache : Deutsch
- Dateigröße : 2888 KB
- Text-to-Speech (Vorlesemodus) : Aktiviert
- Screenreader : Unterstützt
- Verbesserter Schriftsatz : Aktiviert
- X-Ray : Nicht aktiviert
- Word Wise : Nicht aktiviert
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 850 Seiten
- Amazon Bestseller-Rang: Nr. 100.638 in Kindle-Shop (Siehe Top 100 in Kindle-Shop)
- Nr. 100.632 in Kindle eBooks
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Die Sinnsuche begann mit einem Vergleich. Was war im "Turm", was im "Schlaf in den Uhren"? Dort gab es die Story einer abgeschlossenen Vergangenheit der späten DDR, die erzählt wurde, hier ineinander verschränkte Geschichten, die sich mit dem Staat, der Demokratie, in der wir heute leben, den Kräften, die in ihr Entscheidungen und Handlungen hervorbringen, beschäftigen. Im "Turm" gab es Metaphern der Höhe, den Blick von oben, aus dem Bildungsbürgertum, das aus dem oberhalb Dresdens gelegenen halb verfallenen Villenviertel Weißer Hirsch mit den Maßstäben verinnerlichter Hochkultur und eigenen Leistungsethos' auf die Kümmerlichkeit des realen Sozialismus hinabsah. Den "Schlaf in den Uhren" beherrschen Metaphern der Tiefe. Die "Sicherheit" gräbt sich auf der "Kohleninsel" ins Erdreich, und arbeitet an der "Aufgabe im Grunde", alles zu wissen, so wie Jules Vernes Kapitän Nemo, dessen Namen Tellkamp für den großen Unbekannten heranzieht, die Tiefen der Meere durchstreift.
Den Schlüssel schließlich lieferte mir mein Erstaunen darüber, wie familiär die Macht im "Schlaf in den Uhren" angelegt ist. Kanzlerin Trevas, des auf das Territorium eines Groß-Hamburg komprimierten fiktiven wiedervereinigten Deutschlands, in dem Elbe und Rhein dicht beieinander fließen, ist Anne Hoffmann, die Tante des Protagonisten Fabian Hoffmann, der wiederum Cousin Christian Hoffmanns, des Helden aus dem "Turm", eines Alter Ego von Uwe Tellkamp selbst, ist. Innenminister und Architekt des Kanzleramts, der „Windmühle“ - wunderbare Persiflage auf die von den Winden der öffentlichen Meinungen bewegte „Kanzlerwaschmaschine“ - entstammen der durch Heirat verbundenen Familie Delanotte, für die die de Maizières Pate gestanden haben. Auch der Geldadel ist familär eingebunden. In welchem Zusammenhang, fragte ich mich, macht eine Kombination von Tiefe und Familie Sinn. In dem der Psychoanalyse. "Der Schlaf in den Uhren" ergab für mich Sinn, als ich ihn als Psychoanalyse unserer lebendigen Demokratie verstand, die der Frage des Gewordenseins von Präferenzen und Abneigungen nachgeht. In die Tiefe verfolgt Tellkamp Wurzeln, die aus der alten Bundesrepublik, Adenauers patriarchalisch-warenfetischistischem "Märchenreich am Rhein" und solche, die aus der sicherheits-und-kulturfanatischen alten DDR sublimiert in die Gegenwart reichen.
Was aus uns wird, wird aus uns individuell, aber auch als Staat und als Gesellschaft, auf der Basis der Entscheidungen, die wir treffen. Wie wir sie treffen, beruht auf unseren Werten, die uns größtenteils als solche nicht bewusst sind. Tellkamp arbeitet mit seinem Roman, dem hoffentlich noch weitere dieser Art folgen werden, daran, uns als kultureller und demokratischer Gemeinschaft diese Werte so bewusst zu machen wie eine Psychoanalyse demjenigen, der sich auf die Couch des Analytikers legt, und diesem von seinen frühesten Erinnerungen, Träumen und stärksten Gefühlen berichtet, um seine eigene Gegenwart besser zu begreifen.
In einem älteren Sinne geht es um Gott, unser Gottesbild als Personifizierung unserer höchsten Werte. "Der Schlaf in den Uhren" beginnt mit: "[unleserlich] ... ist die Ordnung. Wir von der Sicherheit haben nie daran gezweifelt. Er ist das Wort, und das Wort ist bei Ihm, der alles sieht und hört, nichts bleibt Ihm verborgen. Wie uns. Wir sind die Mitarbeiter des Systems, das Ihm auf Erden am nächsten kommt, wir die Sicherheit." Der Evangelist Johannes, dem dieser Anfang nachempfunden ist ("[unleserlich]" ist natürlich der geheiligte Name Gottes, der nicht genannt werden darf), kommt später zu dem Schluss, dass Gott die Liebe ist. Gott in der Ordnung zu sehen, erinnert mich an Clawdia Chauchat, die im Zauberberg die Deutschen mit der Feststellung: "Vous aimez l'ordre mieux que la liberté." charakterisiert. Ich bin gespannt, ob und wie dieses ganz große Thema in späteren Büchern Tellkamps zu weiterer Entfaltung gelangen wird.
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