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Die Geschichte der Korruption: Von der Frühen Neuzeit bis ins 20. Jahrhundert Kindle Edition
Korruption gilt bis heute als unausrottbares Übel. Der renommierte Historiker Jens Ivo Engels erzählt erstmals umfassend die Geschichte der Korruption in Europa. Im Ancien Régime noch gängige Mittel der Politik, wurden Günstlingswirtschaft und Ämterkauf im 19. Jahrhundert als Korruption gebrandmarkt. Doch politische Netzwerke, Vergünstigungen und Beziehungen zwischen Wirtschaft und Politik verschwanden nicht, und zahlreiche Skandale erschütterten das Vertrauen in die neue politische Elite. Ein Ende der Missstände versprachen schließlich die faschistischen Bewegungen – ohne dies je umzusetzen. Mit anschaulichen, erhellenden, mitunter kuriosen Beispielen – von Kardinal Mazarin bis hin zu Helmut Kohl und Christian Wulff – aus den Grauzonen des politischen Lebens bietet Jens Ivo Engels einen neuen Blick auf die Mechanismen der Macht. Und fragt am Ende bewusst zugespitzt: Ist unsere Definition von Korruption zu eng gefasst, zu starr, zu sehr moralisch aufgeladen? Kann Politik ganz ohne die verpönten Praktiken überhaupt funktionieren? Ein Buch, das aufklärt und zum Debattieren einlädt.
- LanguageGerman
- PublisherFISCHER, S.
- Publication date25 Sept. 2014
- File size1734 KB
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Review
Jens Ivo Engels hat […] einen hervorragenden Text vorgelegt. Kein populäres Sachbuch, sondern eine fundierte wissenschaftliche Analyse, die trotzdem leicht zu lesen ist. -- Gerhard Pretting ― ORF (Kontext) Published On: 2014-10-10
Kann man aus der Geschichte lernen? […] Dazu leitet Jens Ivo Engels mit seiner überlegten ›Geschichte der Korruption‹ an. ― Neue Zürcher Zeitung Published On: 2015-06-23
About the Author
Product details
- ASIN : B00O1A13PG
- Publisher : FISCHER, S.; 1st edition (25 Sept. 2014)
- Language : German
- File size : 1734 KB
- Text-to-Speech : Enabled
- Screen Reader : Supported
- Enhanced typesetting : Enabled
- X-Ray : Not Enabled
- Word Wise : Not Enabled
- Print length : 433 pages
- Best Sellers Rank: 1,014,315 in Kindle Store (See Top 100 in Kindle Store)
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Reviewed in Germany on 28 October 2014Nach der Lektüre dieses Buches ist sicherlich im Denken des Lesers nicht alles anders geworden in Fragen der Bewertung von Korruption, Vorteilsnahme und Bestechlichkeit.
Wohl aber wird zum einen klar, dass es solches Handeln immer schon gegeben hat, dass persönliche Bereicherung oder ein „eine Hand wäscht die andere“ streckenweise ganz offen praktiziert wurde, über die meiste Zeit der betrachteten Historie dann doch aber eher „hinter dem Rücken“ und verdeckt gehandhabt wurde.
Sehr interessant und Nachdenkens wert, bei all der gelungenen Darstellung der Geschichte der Korruption an sich bereits im Buch, wird es aber da, wo Engels versuchsweise bewertungsfrei sich den gesamten Vorgang anschaut.
Vielleicht ist es ja eher so, dass, neben der moralischen Empörung, die gegenseitige Einflussnahme einfach ein erprobtes und gar kein so übles Mittel zur poltischen Gestaltung ist (wenn es auch unlauter bewertet wird und dies auch so bleiben wird, mittelfristig zumindest).
Engels formuliert so dezidiert, dass er seine Untersuchung dahingehend auswertet, dass eine Gesellschaft ohne ein gewisses Maß Korruption weder existiert noch je existiert hat und auch gar nicht funktionieren könnte.
Da erhellt der Blick auf die Vormoderne mit seiner positiv besetzten Gesellschaftsform der „Patronage“ durchaus den Blick, ebenso, wie natürlich an diesen gesellschaftlichen Umständen deutlich wird, warum die Korruption, die „Patronage“ in späteren, demokratischeren Zeiten als solches Übel gesehen wird. Denn als „Zement“ einer hierarchischen Gesellschaft ist ab einem gewissen Maß die Korruption natürlich zerstörend für eine auf Gerechtigkeit und zumindest grundlegend gedachter Chancengleichheit „freien“ Gesellschaftsform.
So wendet sich Engels nach dem kurzen Blick in die Frühzeit, sich daher umgehend den wesentlichen Fragen der Moderne in Bezug auf die Korruption zu.
Wie in „Aufstieg und Fall der politischen Begünstigungssysteme zwischen 1850-1940), wo Sinn und Verurteilung, das vermeintliche unbedingte „Gerechtigkeitsgefühl“ gegen den Pragmatismus des „Laufes der Welt“ (in schmierender Hinsicht) sehr verständlich gegenübergestellt nachvollzogen werden könnten, bis hin zum Lobbyismus heutiger Ausformung. Und der Konklusion, dass eben nur theoretisch wirklich zwischen „öffentlichem Amt“ und „privater Person“ getrennt werden kann, in der Realität die Grenzen aber verschwimmen. Machtechniken betreffen letztlich immer auch die Person, die ein Amt ausfüllt und damit deren Vorlieben, Sympathien, Antipathien, der erste Schritt zu einer „Patronage“.
Dies also gehört zum menschlichen Zusammenleben faktisch dazu, wie Engels letztendlich vor Augen führt. Ob man es „Netzwerken“ nennt oder „Vitamin B“ oder anders, ein gewisser Austausch von Gütern „unter der Hand“ hält eine Gesellschaft auch in ihrem inneren Zusammenhalt am Laufen. Und die große Politik beruht auf der Mikropolitik der persönlichen Bindungen und Verbindungen,
Nun ist Engels kein Verfechter eines „Laufen lassen“ all dieser Vorteilsnahmen, sondern diskutiert differenziert die Frage des Maßes.
Es gibt Grenzen der Korruption (und so weit sind die gar nicht gefasst), die das soziale Gefüge massiv ins Wanken bringen (oft und oft zieht Engel die französische Revolution und ihr „Fressen der eigenen Kinder“ heran, geht aber auch auf die „Causa Wulff“ durchaus differenziert ein).
„Mikropolitik als eine Realität anzuerkennen muss nicht Gleichgültigkeit bedeuten. Mikropolitik und Gabentausch sind zwar unumgängliche, trotzdem aber kaum je legitime Mittel der Mehrheitsbeschaffung in Demokratien.
Aber es gibt eben auch Gefälligkeiten oder eine Vorteilsnahme, die das ein oder andere an sich Sinnvolle befördert. Die Verbindungen schafft Interessensvertretern, Programmen und Planern, mit denen insgesamt ein Fortschritt erreicht wird.
Auch wenn in diesem Prozess einzelne eine Bevorzugung erfahren.
Das Maß niedrig zu halten , aber um die grundsätzliche Existenz der Korruption zu wissen und das Thema manches Mal viel ruhiger anzugehen, das ist ein Gewinn der Lektüre dieses Buches. In der Engels wissenschaftlich seinen Beitrag zum weiteren Diskurs der Korruptionsgeschichte auch für den Laien verständlich darlegt.
„Mikropolitik ist nicht gleich Korruption, obwohl Korruptionskritik in der Regel Mikropolitik meint“. Ein Buch der feinen Unterschiede und der differenzierten Darstellung, nicht nur in diesem Satz aus dem Fazit Engels.
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Reviewed in Germany on 9 October 2020Unter Korruption versteht man den nicht sachgerechten Erwerb individueller Vorteile auf der Grundlage persönlicher Netzwerke, die im Verborgenen agieren. Als solche ist die Korruption ein Universal der Weltgeschichte, vom Alten Testament bis zu den Grundstückgeschäften der Clintons und der Trumps, ein Anlass beständiger Klage derer, die selbst nicht die Möglichkeit besitzen, ihre Mitmenschen auf der Grundlage persönlicher Netzwerke übers Ohr zu hauen.
Halt, ist das nicht zynisch? Wird hier der Leser einwenden. Teils, teils würde der Autor antwor-ten, denn das Phänomen der Korruption ist systemsprengend und systemstabilisierend zugleich. Am besten man untersucht sie sine ira et studio und noch besser: mit einem neutralen Neologis-mus, dem Begriff der „Mikropolitik“ Drei Merkmale definieren nach Engels das mikropolitische Verhalten: (1) Es dient partikularen Interessen, (2) Es beruht auf Netzwerken, und (3) es voll-zieht sich unterhalb der institutionalisierten Ebene geregelter Verfahren, ist also informell. Mik-ropolitik ist also ein Sammelbegriff für all jene Machttechniken, die auf personenbezogenen, netzwerkartigen Strukturen beruhen, in denen Einzelinteressen vorherrschen, und die formali-sierte Verfahren unterlaufen oder ergänzen.
Aber Mikropolitik ist nicht gleich Mikropolitik, sondern wandelt sich mit den Epochen. In vor-bürgerlichen Zeiten dominierte die hierarchische Variante von Mikropolitik, also Patronage und Klientelismus. Horizontale Verflechtungen unter Gleichberechtigten existierten kaum. Die hierar-chische Variante entsprach der gesellschaftlichen Norm der Ungleichheit. Insofern war etwa der Ämterverkauf paradoxerweise bereits ein Fortschritt, weil er die Vergabe von Ämtern an öffent-lich nachvollziehbare Kriterien band.
In der Epoche des bürgerlichen Parlamentarismus im 19. und frühen 20. Jahrhundert war die Klientelpolitik des Ancien Regimes verpönt, weil an die Politik höhere „aufklärerische“ Maßstäbe angelegt werden. Damit entstand ein Dilemma, denn der alte mikropolitische Adam blieb sich gleich, aber die moralischen Stöckchen, über die er die der Öffentlichkeit springen musste, wur-den höher. Denn natürlich überlebte die Mikropolitik auf der Grundlage mehr egalitär aufgebau-ter Netzwerke, kochte weiter ihr Süppchen im Stillen, wurde nun aber – das war neu – durch die freie Presse enttarnt. Aufgedeckt wurden die großen Skandale des bürgerlichen Zeitalters in der Regel von Insidern, die sich an persönlichen Feinden rächen wollten und sich dafür der Presse bedienten. Die Folge der Enthüllungen waren zum Teil beträchtlich, denkt man nur an die Bil-dung der französischen und spanischen Volksfronten in den 1930er Jahren, denen große Kor-ruptionsfälle vorausgegangen waren. Auch der Niedergang der liberalen Partei in Großbritannien war maßgeblich durch veröffentlichte Skandale bedingt. Die offensichtliche Sichtbarkeit jüdischer Finanzier in nahezu allen großen Skandalen des bürgerlichen Zeitalters bereitete den Boden für den politischen Antisemitismus, wobei allerdings nicht berücksichtigt wurde, dass die meisten sozialistischen Aufklärer von Skandalen ebenfalls Juden waren.
Das weitverbreitete Gefühl der Bürger, in korrupten, „verfaulten“ Demokratien zu leben, er-leichterte vermeintlich unbestechlichen Führern wie Hitler, Mussolini, Primo der Rivera, Franco oder Salazar den Aufstieg zur Macht – obwohl diese Potentaten in Wahrheit korrupt bis auf die Knochen waren. Im Unterschied zur bürgerlichen Gesellschaft ermordeten sie allerdings die Aufklärer, wenn man nur an den von Mussolini persönlich angeordneten Mord an dem italieni-schen Korruptionskritiker Matteotti denkt.
Hier wie an anderen Stellen des vorliegenden Buches klingt ein wenig die These an, dass die hohen Maßstäbe, der sich die demokratische Praxis in westlichen Ländern wenigstens offiziell unterwerfe, ein Potenzial der Überforderung enthielten. Dadurch werde es ihren totalitären Gegnern zu einfach, sie zu denunzieren Man müsse vielmehr verstehen, dass Demokratien eben die Systeme seien, die sich gerade durch das öffentliche Aufdecken von Missständen definierten. Deswegen sähen sie für den naiven Betrachter chaotischer aus als autoritäre Systeme, die ihre noch viel schlimmere Korruption einfach unter den Teppich kehrten.
An diesem Gedanken mag etwas dran sein, er darf aber nicht dazu verführen, ausufernde Kor-ruption in demokratischen Systemen einfach hinzunehmen. Denn die wohlfahrtsstaatlichen Sys-teme, die nach dem zweiten Weltkrieg entstanden sind, laden zur Korruption geradezu ein. Ein großer Teil der bundesrepublikanischen Kommunalpolitik funktioniert durch und durch mikro-politisch. Die Frankfurter SPD und die Arbeiterwohlfahrt lassen grüßen – vom mikropolitischen Großsystem der EU ganz zu schweigen, deren Privilegien an den Adel des Ancien Regimes erin-nern.
Dergleichen kritische Anmerkungen finden sich in dem vorliegenden Buch leider nicht, womit zugleich seine Hauptschwäche benannt ist. Neben seiner sehr instruktiven und aufschlussriechen Geschichte der Korruption fehlt eine tragfähige Analyse der gegenwärtigen Mikropolitik. Denn das freiheitliche rechtsstaatliche Modell beruht ja in wesentlichen Teilen auf der einwandfreien Funktion einer freien Presse, die die Mauscheleien mikropolitischer Amigos aufdeckt. Davon kann aber im bundesrepublikanischen System nur sehr eingeschränkt die Rede sein. Die beispiellose und offensichtliche Korruption der CDU Politikerin Ursula von der Laien wurde von der regierungsaffinen Qualitätspresse butterweich behandelt und praktisch verschwiegen. Die Tatsache dass eine korrupte und unfähige Politikerin Präsidentin der europäischen Kommission wurde, delegitimiert mittlerweile das europäische Projekt. Denkt man an die Postenschieberein in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin oder Sachsen wird man geradezu von einer Blüte der postmodernen Mikropolitik im Schatten einer wohlwollend diskreten Presse und eines zwangs-finanzierten Staatsfunks sprechen können.
Wohlgemerkt, davon erfährt man in dem vorliegenden Buch nichts. Möglich auch, dass es sich der Autor mit den aktuellen Netzwerken nicht verderben möchte. Dass er aber mit seinen Be-grifflichkeiten und seinem historisch fundierten Blickwinkeln die kritische Potenz des Lesers auch für aktuelle Vorgänge schärft, kann man ihm nicht absprechen.