Homo Sociologicus handelt vom Menschen als Schauspieler auf der Bühne seines Lebens. Der Gedanke findet sich schon bei den alten Griechen, und die Romantiker griffen ihn wieder auf. In Dahrendorfs Essay erhält das Rollenspiel jedoch eine ganz neue Dimension: Weder die olympischen Götter noch die Individuen schreiben das Drehbuch für den Homo sociologicus, sondern die Gesellschaft. Sie bestimmt, an welche soziale Position welche Verhaltensnormen geknüpft sind. So engmaschig flicht sie das Netz der Vorschriften, dass dem Rollenspieler Mensch jeglicher Spielraum für sein eigentliches Selbst genommen zu sein scheint - eine beunruhigende Vorstellung, die in der Frage gipfelt, ob der Mensch jenseits seiner Rollen überhaupt so etwas wie Eigentlichkeit besitzt. Der Liberale Dahrendorf besteht auf einem leidenschaftlichen Ja, wenn auch der Soziologe Dahrendorf weiß, dass die Wissenschaft jenen abstrakten Homo sociologicus braucht, der ganz mit seinen Rollen identisch ist. Diese problematische Doppelnatur des Menschen hat seinerzeit heftige Diskussionen ausgelöst; heute scheint man des Nachdenkens darüber ein wenig müde zu sein. Dahrendorfs Essay wirkt hier wie Kaffee: Er weckt auf und macht einem klar, wie heiß das Thema weiterhin ist.
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