Zivilisierte Verachtung ist ein anregender Essay von Carlo Strenger. Mit seiner provozierende These, dass der intellektuelle Westen mit seiner rigiden political correctness die Werte der Aufklärung unterläuft, trifft er ins Schwarze. Als linksintellektueller, atheistischer Israeli mit Schweizer Wurzeln, bekennender Psychoanalytiker und international gut vernetzter Terrorismusforscher, hat er sich im Konkliktherd Israel/Palästina oft genug in die Nesseln gesetzt. Seine Realität ist eine andere als die vieler Linker, die in ihren Positionen erstarrt sind und nur das glauben, was sie wollen. Wo political corectness Fakten leugnet, ausblendet und nicht mehr fähig ist zum Diskurs, wird es brandgefährlich, weil die Vernunft und damit die Aufklärung durch permanente Besserwisserei und pädagogische Traktierung ad absurdum geführt werden. Auch führt eine Diskursverengung gerade dazu, dass Themen von den Rechten besetzt und gekarpert werden, die in die Mitte einer Gesellschaft gehören. Wenn der Meinungskorridor vorgegeben wird, verliert eine Gesellschaft an Freiheit. Es läuft auf eine Spaltung zu, auf binäre Sichtweisen, die freie und offene Demokratien von innen her gefährden.
Strenger bricht eine Lanze für die Aufklärung in allen gesellschaftlichen Themen, jedoch identifiziert er Aufklärung zu sehr mit Wissenschaft aus meiner Sicht. Ob allerdings die Wissenschaft (welche?) und eine Rückkehr zur reinen Vernunft (wann gab es die je?) ein politischer Lösungsansatz für den Elitendiskurs ist, sehe ich kritisch. Gerade die Coronapolitik hat gezeigt, das der Rekurs auf Wissenschaft zwar wichtig, aber politisches Handeln etwas anderes ist. Die Legitimation für politisches Handeln, einschließlich einer zivilisierten Verachtung überall dort, wo die modernen Demokratien unterlaufen, ja bedroht sind, kann nicht die Wissenschaft sein. Das Wertesystem braucht eine andere Verankerung. Eine freiheitliche Verfassung, die natürlich einer Fortschreibung bedarf, muss das Individuum schützen. Leider ist Carlo Strenger früh verstorben. Mich hätte seine Analyse mit dem Umgang der Pandemie in Zeiten von political correctness in einem nie dagewesenen Schulterschluss von Politik, Wissenschaft und Medien zur Einschränkung von Freiheit und Grundrechten interessiert. Ferner finde ich, dass andere Ressourcen und Zugänge zur Welt, wie etwa Kultur und Religion zu kritisch gesehen werden. Seine Rückbesinnung auf die Werte der Aufklärung kann ich positiv würdigen, denn Aufklärung ist ein unabgeschlossener Prozeß. Vor allem darf die Wahrheitsfrage nicht ständig zugunsten von Schuldzuweisung ausgeblendet werden.
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Zivilisierte Verachtung: Eine Anleitung zur Verteidigung unserer Freiheit (edition suhrkamp) Broschiert – 21. März 2015
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Carlo Strenger
(Autor)
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Carlo Strenger
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Seitenzahl der Print-Ausgabe104 Seiten
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SpracheDeutsch
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HerausgeberSuhrkamp Verlag
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Erscheinungstermin21. März 2015
-
Abmessungen13.4 x 0.9 x 21.6 cm
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ISBN-103518074415
-
ISBN-13978-3518074411
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Produktinformation
- Herausgeber : Suhrkamp Verlag; Originalausgabe Edition (21. März 2015)
- Sprache : Deutsch
- Broschiert : 104 Seiten
- ISBN-10 : 3518074415
- ISBN-13 : 978-3518074411
- Abmessungen : 13.4 x 0.9 x 21.6 cm
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Produktbeschreibungen
Pressestimmen
»Carlo Strenger, eine der klügsten Stimmen der israelischen Linken. Sein englischsprachiges Blog bei Haaretz mit dem schönen Titel ›Strenger than Fiction‹ gehört zur Pflichtlektüre für jeden, der wissen will, wie das liberale Israel über die Lage des Landes – und über die Misere der Linken – denkt.«
Jörg Lau, blog.zeit.de 07.04.2012
»›Die freie Welt hat das Recht und die Pflicht, ihre Grundwerte zu verteidigen, von wem auch immer sie angegriffen wird – von fundamentalistischen Christen, orthodoxen Juden oder fanatischen Moslems‹ lautet die Grundthese von Carlo Strengers brillantem Essay.«
Kirstin Breitenfellner, Österreichischer Rundfunk 10.04.2015
»... ein schöner, leidenschaftlicher Essay ...«
Gustav Seibt, Süddeutsche Zeitung 21.04.2015
»Strengers Buch ist ein Appell, den Werten der liberalen Gesellschaft Gehör zu verschaffen.«
Wulf Rüskamp, Badische Zeitung Online 20.05.2015
»Strengers Essay ist ein edler Beitrag zur Gestaltung einer menschlichen Gesellschaft, verständlich geschrieben und erfüllt von großem Freigeist.«
Jonny Rieder, IN München 12/2015
»Der israelische Philosoph Carlo Strenger bietet mit Zivilisierte Verachtung eine kluge ›Anleitung zur Verteidigung unserer Freiheit‹, eine Aufforderung zum aufrechten Gang. Und wenn man die 94 Seiten gelesen hat, klappt man das Bändchen zu und denkt: So und nicht anders musste das gesagt werden.«
Thomas Geisen, Kölner Stadt-Anzeiger 12.06.2015
»Zivilisierte Verachtung gibt einen gelungenen Einblick, warum es sich nach wie vor lohnt für das Recht auf freie Meinungsäußerung einzutreten.«
Fabian Gödeke, socialnet.de 28.10.2015
»Strengers Überlegungen sind bedenkenswerte Beiträge darüber, wie ein humanes Miteinander zu gewährleisten ist.«
Rafik Will, junge Welt 07.03.2017
Jörg Lau, blog.zeit.de 07.04.2012
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Kirstin Breitenfellner, Österreichischer Rundfunk 10.04.2015
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Jonny Rieder, IN München 12/2015
»Der israelische Philosoph Carlo Strenger bietet mit Zivilisierte Verachtung eine kluge ›Anleitung zur Verteidigung unserer Freiheit‹, eine Aufforderung zum aufrechten Gang. Und wenn man die 94 Seiten gelesen hat, klappt man das Bändchen zu und denkt: So und nicht anders musste das gesagt werden.«
Thomas Geisen, Kölner Stadt-Anzeiger 12.06.2015
»Zivilisierte Verachtung gibt einen gelungenen Einblick, warum es sich nach wie vor lohnt für das Recht auf freie Meinungsäußerung einzutreten.«
Fabian Gödeke, socialnet.de 28.10.2015
»Strengers Überlegungen sind bedenkenswerte Beiträge darüber, wie ein humanes Miteinander zu gewährleisten ist.«
Rafik Will, junge Welt 07.03.2017
Über den Autor und weitere Mitwirkende
Carlo Strenger, in der Schweiz geboren und aufgewachsen, war Professor der Psychologie an der Universität Tel Aviv. Er hat zahlreiche Bücher veröffentlicht und schrieb regelmäßig für den britischen Guardian und Israels führende liberale Zeitung Haaretz. Carlo Strenger ist am 25. Oktober 2019 im Alter von 61 Jahren in Tel Aviv verstorben.
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Rezension aus Deutschland vom 17. Mai 2021
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Verifizierter Kauf
Eine Person fand diese Informationen hilfreich
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Rezension aus Deutschland vom 4. Juni 2018
Verifizierter Kauf
Ich habe das Buch aufgrund einer Rezession in der FAZ gekauft. Es lässt sich trotz des komplexen Inhalts gut und zügig lesen. Es ist eine überzeugende Begründung dafür, gesellschaftlich Position zu beziehen und nicht aus falsch verstandener Toleranz undifferenziert die Mehrheitsmeinung zu akzeptieren. Gehört für mich auch in den Politik oder Geschichtsunterricht.
7 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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Rezension aus Deutschland vom 25. September 2016
Verifizierter Kauf
Der bekannte israelische Psychologe Carlo Strenger beschreibt als linksliberaler Zeitgenosse, wie man mit Ideologien und Strömungen umgehen soll, die die freie Gesellschaft ablehnen. Er entblößt die falsch verstandene Toleranz und leitet aus der Aufklärung die Idee eine zivilisierten Verachtung, um gegen alle falsch verstandener politischer Korrektheit anzugehen, auf Evidenz zu setzen, um Dinge zu analysieren. Und um so gegen innere wie äußere Feinde anzukämpfen. Und um sich dabei auch von Rechtsradikalen abzugrenzen, die die Kritik zu okkupieren versuchen.
Toller Essay, absolute Leseempfehlung!
Toller Essay, absolute Leseempfehlung!
5 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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Rezension aus Deutschland vom 13. August 2015
Verifizierter Kauf
Freiheit ist nie sicher und muss immer wieder verteidigt werden. Ihre Verteidigung braucht Bürger, denen die Werte der Aufklärung wirklich wichtig sind. Die die Selbstdisziplin zum Selber-Denken aufbringen und den Mut, Ressentiments und Geschwätz entgegenzutreten – auch, und gerade wenn es Political Correctness entgegen steht. Hat mich sehr beeindruckt.
4 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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Rezension aus Deutschland vom 24. Mai 2016
Verifizierter Kauf
Wem es etwas bedeutet in einem freien Land zu leben, der sollte sich ernsthaft damit auseinander setzen, was diese Freiheit bedroht. Dogmatisches Denken, wie man es in Religionen findet, gehört dazu. Ich konnte der Argumentation des Autors gut folgen und werde das Büchlein immer mal wieder zur Hand nehmen. Die Toleranz, die in einer freien Gesellschaft, so viel bedeutet, kommt derzeit sehr heftig an ihre Grenzen.
2 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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Rezension aus Deutschland vom 7. März 2017
Verifizierter Kauf
Allein das letzte Kapitel ist so lesenswert, dass sich nur dafür der Kauf des Buches lohnt. Allgemein ein sehr differenziertes und anregendes Essay. Klar in seiner Zielführung, nicht unnötig ausschweifend, lässt es dennoch genügend Raum für eigene Gedanken und Reflexionen. Egal ob man sich in der Mitte, links oder rechts (nur nicht ganz rechts) verortet.
2 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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Rezension aus Deutschland vom 22. November 2018
Verifizierter Kauf
Ein Buch zum Lesen, Nachdenken und zum Diskutieren. Ich habe es mehrfach gekauft und allen Freunden geschenkt, mit denen ich gerne spreche, streite, diskutiere.
Rezension aus Deutschland vom 8. Januar 2017
Verifizierter Kauf
Habe das Buch durch Zufall (und aufgrund des außergewöhnlichen Titels) in die Hand bekommen und finde die Denkanstöße sehr interessant und spannend.