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TOP 500 REZENSENTam 18. August 2014
Die Autorin hat bei einem Aufenthalt auf Island von der Geschichte der Agnes Magnúsdóttir gehört, die wegen des Mordes an zwei Männern als letzte Frau auf Island zum Tode verurteilt wurde. Zu ihrem Buch sagt sie, dass diese Geschichte sie nicht mehr los ließ und dass nur wenig über Agnes bekannt ist, die zusammen mit einem jungen Paar zwei Männer erschlagen, erstochen und dann verbrannt haben soll. Hannah Kent wollte nichts beschönigen, doch es war ihr ein Anliegen, Agnes als menschliches Wesen darzustellen und ihr ein bisschen etwas von der einseitigen negativen Darstellung und dem Ruf des Monsters zu nehmen.

Agnes ist eine sehr schweigsame Frau. Bereits als kleines Kind von der Mutter verlassen, verdingt sie sich hart auf verschiedenen Höfen als Magd. Sie ist sehr intelligent und das, obwohl sie keine Schulbildung genossen hat. Immer wieder wechselt sie die Arbeitgeber und oft muss sie wegen der bitteren Armut ihrer Herren weiterziehen. Als sie zum Tode verurteilt wird, soll sie ihre Zeit bis zur Hinrichtung als Magd auf dem Hof eines Dienstmannes verbringen und so kommt sie auf den Kornsáhof. Die Hofbewohner begegnen ihr misstrauisch und zuerst nicht gerade freundlich, doch trotz dieser Bedingungen freut sie sich, nach einer langen Zeit in einer dunklen Zelle, wieder arbeiten zu können. Der junge Vikar Thorvadur soll sie in der Zeit bis zu ihrem Tod besuchen und sich um ihre Seele kümmern und ganz allmählich wird ihm und der Hausherrin Margret klar, dass Agnes alles andere als eine kaltblütige und grausame Mörderin ist.

Noch eine ganze Zeit nach dem Lesen haben mich die Bilder dieser faszinierenden Geschichte begleitet. Ich habe dieses Buch gelesen, kurz nachdem ich auf Island war und so spielte sich die Handlung in dem Buch für mich vor einer überwältigenden Kulisse ab. Hannah Kent hat mit Agnes einen komplexen Charakter erschaffen wollen und das ist ihr absolut gelungen. Auch Margret, die Hausherrin und Thorvadur sind sehr lebensecht gezeichnet. Im Buch finden sich viele Briefe und Dokumente, die sich um den Fall Agnes drehen und die zusammen mit den teilweise fiktiven Einschüben ein etwas anderes Licht auf die Person der Agnes, aber auch auf ihre Mitmenschen werfen. Ich war immer wieder überrascht, wie dicht das Ganze erzählt wird und wie gut es der Autorin gelingt, in sehr plastischen Bildern ihre Figuren zum Leben zu erwecken, aber auch die damaligen von schlimmer Armut geprägten Lebensumstände so erschreckend beklemmend zu schildern.

Mein Fazit: Hannah Kent hat einem "Monster" sein menschliches Antlitz zurück gegeben, indem sie Agnes Magnúsdóttir als eine ganz normale Frau mit Fehlern und Schwächen schildert und hat dabei einen grandiosen Roman geschrieben, der mit seiner Sprache, seinen Bildern und mit seinen Figuren einen nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlässt.
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am 29. August 2014
Island, 1829. Agnes Magnúsdóttir erwartet die Todesstrafe: gemeinsam mit zwei anderen Bediensteten soll sie Natan Ketilsson, ihren früheren Meister und Liebhaber, grausam ermordet haben. Die Hinrichtung soll in Nordisland stattfinden, unweit vom Ort des Verbrechens. Doch noch wartet man auf die Bestätigung des Urteils vom Königshaus in Kopenhagen. So wird Agnes auf der abgeschiedenen Farm einer Bauernfamilie untergebracht, wo sie bis zu ihrer Exekution als Hilfskraft arbeiten muss.

Voller Furcht vor der verurteilten Mörderin und den Geschichten, die über sie kursieren, meidet die Familie Agnes anfangs. Nur Tóti, der junge Hilfspfarrer, der Anges als christlicher Beistand zugewiesen wird, wird ihr zu einer Art Vertrauten. Nach und nach erfährt er, was sich in der Winternacht, in der Natan Ketilsson ermordet wurde und sein Haus einem Feuer zum Opfer fiel, wirklich zugetragen hat.

Meine Meinung:

So erstaunlich die Geschichte von Agnes, der letzten Frau, die in Island hingerichtet wurde, klingt: sie hat sich tatsächlich zugetragen. Hannah Kent hat jahrelang vor Ort recherchiert, Dokumente und Bücher studiert über das wenige, was man heute noch über sie weiß, um so viel wie möglich über das Leben von Agnes Magnúsdóttir und die Umstände ihres traurigen Endes herauszufinden. Ein Großteil dessen, was im Roman zu lesen ist, entspricht den Tatsachen. Nur wenige Begebenheiten und Personen wurden hinzugedichtet. Lücken, Ungewissheiten und Widersprüchlichkeiten, die sich während Kents Recherchen ergaben, füllt sie behutsam mit den für sie wahrscheinlichsten Möglichkeiten.

So ensteht ein authentischer, durch und durch organischer Roman um eine wahre Geschichte. Erzählt in einer glasklaren, poetischen Sprache, die die raue Schönheit der isländischen Landschaft einfängt. Und obwohl der Leser weiß, welches Schicksal Anges am Ende des Buches erwartet, folgt man mit Spannung ihrer Geschichte. Man will unbedingt herausfinden, was die junge Frau mit dem düsteren Natan Ketilsson verband und was in der Nacht seines gewaltsamen Todes tatsächlich geschehen ist.

Agnes ist eine faszinzierende, zutiefst menschliche Figur, mit der ich gelitten und bis zum Ende gebangt habe. Das Leben in Island zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts und die ebenso unbarmherzige wie faszinierende Landschaft fängt Hannah Kent in einer wunderbaren Sprache ein. Eine düstere, atmosphärische, lyrische Geschichte, die dem Leser im Gedächtnis bleibt. Das alles macht "Das Seelenhaus" für mich zu einem vollkommenen historischen Roman, der aus der Masse heraussticht.

Hannah Kent, geboren 1985 in Adelaide, ist Mitgründerin und Redakteurin der australischen Literaturzeitschrift Kill your Darlings. Nach der Schule nahm sie an einem einjährigen Austauschprogramm teil und lebte bei einer Gastfamilie in Island. Dort hörte sie zum ersten Mal die Geschichte von Agnes Magnúsdóttir. Ihr Roman erhielt bereits vor der Veröffentlichung den höchsten australischen Preis für unveröffentlichte Manuskripte.

Fazit:

Die ungewöhnliche Geschichte von Agnes Magnúsdóttir, der letzten Frau, die in Island hingerichtet wurde. Hervorragend recherchiert, mitreißend und einfühlsam erzählt in einer wunderschönen Sprache.
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am 24. August 2014
"Das Seelenhaus" ist ein Roman der Autorin Hannah Kent und beruht auf einer wahren Begebenheit. Da ich, wie ihr vielleicht wisst, zu den Buchflüsterern gehöre, bekomme ich hin und wieder Romane zugesendet und dieses Mal handelte es sich um "Das Seelenhaus". Da mir die Umschlagbeschreibung schon zusagte, war ich doch sehr gespannt, was mich erwarten würde und so begann ich schließlich zu lesen - und wollte nicht mehr aufhören!

Die Geschichte von Agnes fesselt, reißt mit und lässt uns einen Blick in das Island von 1828 werfen - in ein fremdes Land und in ein Leben, das wir uns zur heutigen Zeit nicht mehr vorstellen können. Sie lebt in einer Zeit, in der die Knechte und Mägde mit den Damen und Herren des Hauses in einem Raum schlafen, alles von Hand erledigen und keinerlei Luxus genießen. Der ganze Tag wird damit verbracht, Haus und Gehöft sauber zu halten, Nahrung herbeizuschaffen und sich um die Tiere zu kümmern und nebenbei auch ein Auge auf die Kinder des Hauses zu haben. Agnes Vergangenheit ist geprägt von Schicksalschlägen, Einsamkeit und harter Arbeit. Niemals konnte sie sich wirklich irgendwo zuhause fühlen, denn die Liste ihrer Anstellungs- und somit Wohnorte ist lang. Agnes ist sehr intelligent, und auch wenn es sich in dieser Zeit nicht gehörte, als Frau eine Schulbildung zu genießen, verfügt sie über allerlei Kenntnisse und Fertigkeiten. Als schließlich beschlossen wird, das Agnes auf dem Kornsáhof untergebracht werden soll, trifft sie bei ihrer Ankunft auf wenig Begeisterung, denn weder die Hausherrin Margrét, noch ihre beiden Töchter Lauga und Steina sind besonders begeistert, eine Mörderin im Haus zu haben. Trotzdem kommt Agnes dort gut zurecht und mit der Zeit versucht sich die ältere Tochter Steina sogar mehr oder weniger mit ihr anzufreunden, ganz zum Misfallen ihrer Mutter. Besonders gut tun Agnes die Stunden mit Pfarrvikar Toti, um den sie bei der Nachfrage, nach geistlicher Betreuung gebeten hatte. Auch wenn der Pfarrvikar ihr Gott nicht wirklich näher bringen kann, so kann sie mit ihm doch aufschlussreiche Gespräche führen und sich ein wenig von der Seele reden. Besonders durch ebendiese Gespräche erfahren wir einiges über Agnes Vergangenheit, ihre Einstellungen zu verschiedenen Themen, sowie ihr Seelenleben, auch wenn sie dies weitgehendst verborgen hält. Trotzdem kann sich wohl jeder von uns zumindest ansatzweise in die Situation dieser Frau hineinversetzen: sie liebt die Arbeit als Magd und versucht über ihre Arbeit auf dem Hof ihr drohendes Urteil zu vergessen doch dies funktionert verständlicherweise jedoch nur mäßig gut. Besonders als sie vom Gnadengesuch einer vermeintlichen Mittäterin erfährt, bricht Agnes zusammen und kann sich nur noch schwerlich von dem Thema ablenken. So gesehen kann man usere Hauptprotagonistin nur bewundern, denn obwohl man nie recht weiß, ob man sie schuldig sprechen kann, bzw. was tatsächlich in der Tatnacht geschah, schlägt sie sich irgendwie durch, erfreut sich an kleinen Dingen und versucht, das Damokles' Schwert über ihrem Kopf einfach zu ignorieren.

Die Charaktere sind umso faszinierender, wenn man weiß, das all dies auf wahren Tatsachen beruht und natürlich ließ ich es mir nicht nehmen, zumindest ein bisschen zu recherchieren. Leider wurde ich nicht wirklich fündig, die Informationen waren eher rar gesäht. Allerdings werde ich mich wohl demnächst noch einmal daranmachen und etwas intensiver suchen, denn es würde mich interessieren, was sich sonst noch so zugetragen hat, was in dem Buch vielleicht nicht erwähnt wird! Insgesamt konnte ich mich recht schnell für die Person der Agnes erwärmen, auch wenn sie zu Beginn des Buches von allen als unberechenbares, unverschämtes Weibstück beschrieben wird, das nicht zu bändigen ist und keine Grenzen kennt. Wie diese Personen jedoch dazu kommen, weiß ich bis heute jedoch nicht, denn mir begegnete Agnes stets als zuvorkommende, fleißige junge Magd, auch wenn sie bei Ankunft auf dem Hof doch ein eher fragwürdiges Erscheinungsbild abgab. Auch Pfarrer Toti war mir recht schnell sympathisch, handelt es sich bei ihm doch um einen sehr jungen Pfarrvikar, der mit der Betreuung einer Todgeweihten zu Anfang nur wenig zurechtkommt. So manches Mal denkt er darübr nach, die Flinte ins Korn zu werfen und ihre Betreuung an einen erfahrenen Pfarrer abzugeben, doch jedes Mal hält ihn sein Pflichtbewusstsein zurück und so bleibt er doch dabei, die "junge" Agnes zu betreuen. Die Familie des Kornsáhof ist ein bunt zusammengewürfeltes Völkchen: Mutter Margrét, die an einer Lungenerkrankug zu leiden scheint, die ihr schwer zu schaffen macht, der Vater, der stets unterwegs ist, weil er seiner Arbeit nachgeht, den beiden Töchtern Lauga und Steina, die eine hasst Agnes und ist von Eifersucht geplagt, die andere bewundert Agnes und versucht ihr eine Freundin zu sein, sowie einige Mägde und Knechte, die Agnes ihr kurzes Dasein auf dem Hof nicht immer leichter machen.

Schlussendlich muss ich euch dieses Buch einfach empfehlen, auch wenn ich zu Beginn dann doch etwas kritisch war. Zwar gefiel mir die Buchbeschreibung von Anfang an sehr gut, die Isländischen Namen jedoch schreckten mich ein wenig ab und ich fürchtete, auf allerhand ähnliche Namen zu stoßen, die ich nicht auseinanderhalten kann. Diese Zweifel waren jedoch unbegründet, denn im Grunde muss man sich nur die Vornamen merken, die ja noch recht einfach waren, die Nachnamen konnte man getrost ignorieren. Ich persönlich konnte mich von diesem Buch mitreißen lassen und fand mich sehr oft selbst in Island im Jahre 1828 wieder, wo ich gebannt nebenansaß und das Leben/Schicksal von Agnes betrachtete, welches mich immer wieder beeindruckte, begeisterte und auch abschreckte. In diesem Sinne kann ich euch nur eine klare Empfehlung aussprechen und hoffe, ihr habt genauso viel Vergnügen dabei, wie ich.
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am 8. Februar 2015
Die Geschichte spielt in Island im Jahr 1828. Es wird ein Doppelmord an 2 Männern begangen. Eine grausame Tat. Die Täter sind gefasst und wurden verurteilt. Bis zur Vollstreckung des Urteils wird die eine Frau, Agnes Magnusdottir auf einem Bauernhof untergebracht. Hier soll sie arbeiten als Magd.
Sie erinnert sich an ihre Kindheit, ihr Leben. Nur wer ist sie wirklich?

Das Buch zieht einen in seinen Bann. Es ist ungewöhnlich, es beginnt eigentlich mitten drin in der Geschichte.
Der Mord ist geschehen, das Urteil gesprochen und nun wartet Agnes auf ihre Hinrichtung.
Die Perspektive wechselt immer wieder zwischen der Ich – Erzählerin Agnes und den anderen Bewohnern in diesen kleinen Orten auf Island. Die Ablehnung, der Hass, die Schuld, das sehen die anderen Bewohner in der Frau.
Ich tauche als Leser in dieses Buch ein. Häppchenweise bekommt man als Leser den Grund für die Gefangenschaft von Agnes zu lesen.
Agnes wirkt sehr distanziert in ihren Erklärungen, fast abgeklärt. Sie wurde wegen Mordes verurteilt. Ich habe mich beim Lesen aber immer gefragt, ist denn schuldig? Was war das Motiv? Gab es Hintergründe? Ich spürte bei ihr kaum Emotionen, keine Reue, Schuld, sie wirkte fast kalt auf mich. Es liest sich flüssig und anschaulich und durch diese unterschiedlichen Perspektive bekomme ich als Leser einen guten Rund –um –Blick auf die Geschichte.
Die Bewohner sind von der Schuld überzeugt. Eingeflochten sind auch Briefe, in denen über die Hinrichtung geschrieben wird. Dann wieder die Erzählung aus Sicht von Agnes. Das fand ich schon ein wenig gruselig.
Und immer diese Frage, die ich mir stellte beim Lesen- ist sie wirklich die Mörderin?
Sie erinnert sich, an ihre Vergangenheit, ihr Leben, sie wirkt resigniert, sie hat irgendwie abgeschlossen mit allem. Und sie findet jemanden, dem sie sich öffnet.
Eine ungewöhnliche Geschichte, fesselnd zu lesen.
Ich fand es auch spannend, da die Geschichte zwar fiktional erzählt wird, aber wie in einem Nachwort der Autorin beschrieben wird, beruht der Fall auf Tatsachen.
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am 5. Dezember 2014
Agnes Magnúsdóttir hatte es nie leicht gehabt. Aufgewachsen als uneheliches Kind in erbärmlichen Verhältnissen, musste sie sich schon als junges Mädchen als Magd verdingen. Nun wird die hart arbeitende, schöne junge Frau des Mordes angeklagt. Gemeinsam mit zwei Komplizen soll sie zwei Männer erschlagen, erstochen und anschließend verbrannt haben. Darauf steht in Island Anno 1828 die Todesstrafe. Bis zu ihrer Hinrichtung soll die stolze, verschlossene Frau auf dem Hof eines Staatsbeamten mit anpacken. Dessen Familie ist alles andere als froh darüber, mit einer Mörderin unter einem Dach zu leben.

Doch nach und nach fasst Agnes Vertrauen zu ihrem geistlichen Beistand, einem jungen Vikar, und der Hausherrin Margret und öffnet sich. Stück für Stück erzählt sie ihnen ihre Lebensgeschichte und macht auch nicht vor den Geschehnissen in der Mordnacht halt …

Der Debütroman der australischen Autorin fußt auf Tatsachen und nahm mich von Anfang an gefangen. Die eindringliche Geschichte wird lebensnah und spannend erzählt. Sie führt einen in eine völlig fremde Welt in einen Winkel Europas, in dem zu Beginn des 19. Jahrhunderts unglaublich harte Verhältnisse herrschten. Unvorstellbar schwer waren die Lebensbedingungen der kleinen Leute, die im Kampf ums tägliche Überleben kaum das Nötigste zu beißen und brechen hatten.
Der Autorin gelingt es mühelos, ein überzeugendes Psychogramm der Protagonistin zu zeichnen, sie als intelligente, vielschichtige Persönlichkeit darzustellen.
Ein besonders beeindruckendes, unvergessliches Buch, das lange nachhallt!
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am 29. Oktober 2014
Ich habe es kürzlich als Mitbringsel von einem australischen Freund bekommen und anschließend gelesen. Immer höchst gebannt, wie die Geschichte weiter geht - und angstvoll, dass sie irgendwann aufhört.
Eine exzellente Rechcherche der Epoche in diesem selbst heute noch rätselhaften Island bildet die Basis für eine spannende Geschichte, bei der man bis zu letzt nicht zu hoffen aufgibt.
Doof nur, dass die deutschen Verleger sich für das Bild einer dunkel-blonden Frau für das Coverbild entschieden haben, während die Hauptprotagonistin als "dunkel" beschrieben wird. Und die blödsinninge Praxis in Deutschland mit der Titelwahl, die so abweicht von den Originalen ist immer wieder ärgerlich.Im Original heißt das Buch "Burial Rites", also "Bestattungsriten". Darüber mag man verschiedener Ansicht sein, aber ich finde eine gewisse Wiedergabetreue zum Original sollte beachtet werden.
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am 4. Mai 2016
Mein Höreindruck subjektiv, aber spoilerfrei ;)

Der Klappentext und das spezielle Cover haben mich neugierig gemacht, ebenso überzeugte mich die Hörprobe, so dass das Buch bei mir einziehen durfte....

Geschrieben ist das Ganze aus verschiedenen Perspektiven, teilweise auch in Form von Briefen oder Dokumenten ( männliche Stimme). Zusätzlich wird aber auch aus der Sicht von Agnes in der ICH- Form erzählt ( weibliche Stimme).
Beide Sprecher harmonisieren sehr gut miteinander und tragen mit ihren Stimmen dazu bei, dass die Geschichte noch mehr Eindruck hinterlässt.
Der Schreibstil ist nämlich sehr atmosphärisch, bildhaft, wortgewandt, ja und teilweise schon fast poetisch.

Ich persönlich habe schon das ein oder andere Buch gelesen, welches in Island spielt so dass ich mit den fremden Namen keine Mühe hatte. Ein weiterer Vorteil der Hörbuchvariante ist aber sicher, dass sie einem ja vorgelesen werden....;)

Die Charaktere wurden gut ausgearbeitet und gerade Agnes als Hauptperson wuchs mir mit dem fortschreiten der Geschichte immer wie mehr ans Herz. Ihre ganze Gedanken/ Gefühle waren transparent und sehr eindringlich wiedergegeben, so dass ich einige Male leer schlucken musste.

Die Autorin hat intensiv recherchiert und es ist ihr gelungen diesen fiktiven Roman, der auf wahren Begebenheiten im Jahre 1828 beruht authentisch darzustellen. Ich jedenfalls konnte mir dieses "alte" Island mit seiner rauen, Landschaft und den damaligen strengen Sitten und Bräuchen sehr gut vorstellen.

Dies ist ein Buch der leisen Töne, mit einer beklemmenden düsteren Stimmung und dennoch hat es mich fasziniert, beeindruck und schlussendlich auch berührt.

Ich vergebe hiermit gerne 4,5 Sterne
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am 7. September 2015
Hörbuch, 11 Stunden, 57 Minuten gesprochen von Vera Teltz, Tobias Kluckert

Ich würde das Buch unter Geschichtsroman einordnen, denn das Buch beruht auf Tatsachen und wurde unter geschichtlichen Aspekten recherchiert. Wie der Verlag auf „Krimi“ kommt, ist mir rätselhaft, denn niemand ermittelt hier und ein Thriller ist es auf keinen Fall. Das Buch beschreibt schlicht die Lebensgeschichte einer Magd auf Island, Bezugnehmend auf 1828. Die Magd Agnes Magnúsdóttir wurde wegen Mordes zum Tode verurteil, in Tateinheit mit einer weiteren Magd und einer männlichen Person, einen Bauern umgebracht zu haben. Sie wartet nun auf die Vollstreckung der Strafe. Dazu wird sie auf ein einsames Gehöft gebracht. Natürlich haben die Bewohner Angst vor der Mörderin. Agnes darf sich einen Geistlichen zum Beten aussuchen, der sie erläutert. Diesem jungen Vikar Thorvardur Jónson, genannt Tóti, zu dem sie Vertrauen fasst, erzählt sie ihre Lebensgeschichte. Tóti ist fasziniert. Agnes betet weder mit ihm, noch lässt sie sich läutern, Agnes redet.

Die Bauernhäuser damals waren kleine Torfhütten und das gesamte Leben fand in einem Raum statt, indem auch alle gemeinsam schliefen. Entweder war es eiskalt oder zu warm in den Häusern, in denen die Luft stand, es ständig feucht war, sich Schimmel an der Wand bildete und man oft von herunterfallenden Torfstückchen getroffen wurde. Dung und Torf diente im Winter als Heizmaterial, die mit beißendem Qualm den Raum füllten.

In dieser Enge kommen die anderen nicht umhin, mitzuhören und Stück für Stück erfahren sie, dass die Agnes ein Mensch mit einer Geschichte ist, kein böses Monster. Agnes macht sich sehr nützlich auf dem Hof und wird nach einer Weile als vollwertiges Mitglied der Hofgemeinschaft angenommen. Je länger Agnes Geschichte wird, umso mehr Vertrauen erhält sie von den Hofmitgliedern.

Von der ersten Seite an wird man in die Geschichte hineingezogen, schon auf Grund der schönen Sprache. Man fröstelt bei der Beschreibung der kargen Landschaft, der ärmlichen Hütten, dem kargen Essen. „Sie kochte schleimige Moossuppe.“ Die Beschreibung der Zeit, ihrer Sitten, ist exzellent. Geprägt von strengem Katechismus, Glaube, harter Arbeit wird dem Leser das damalige Island präsentiert. Kälte und Dunkelheit bestimmt einen Großteil des Lebens.

Wir tauchen ein in die Seele von Agnes, die sich nicht beklagt. Ihre Mutter gebar zwei uneheliche Kinder (wahrscheinlich hatte der Bauer sie vergewaltigt, bei dem sie arbeitete) und ließ die Kleinen irgendwann im Stich, weil sie stellungslos wurde, sie war schwanger. Die Gemeinde gab Agnes zu Zieheltern, die gut zu ihr waren, der Bauer sie aber nach ein paar Jahren zurückgab, da die Frau im Kindbett verstorben war (bei Eis und Schnee konnte man keine Hilfe holen) und durch eine schlechte Ernte der Bauer den Hof aufgab. Von nun an fristet die intelligente Frau das Dasein einer Magd, ein Leben voller Pflichten, mit wenig Rechten.

Eine Geschichte über Vertrauen, Verrat und Lügen, von Gewalt, von der Übermacht der Männer: „Männer durften tun und lassen, was sie wollten.“ Ein Leben in einer düsteren Zeit in einem kargen, düsteren Land, einer geteilten Moral. Die Pfarrer mussten beim Landrat damals über jede Person Zeugnis ablegen. Menschen wurden als gut oder schlecht bewertet, je nachdem, wie gut sie des Katechismus mächtig waren. Es herrscht eine hohe Moral und Mägde, die uneheliche Kinder bekommen, werden in Schande vom Hof verwiesen, auch wenn klar war, dass das Kind ein Produkt der ewigen Vergewaltigung des Hofherren war. Auch Alkohol ist ein großes Thema.

Agnes war stolz und hatte einen eigenen Kopf, konnte lesen und schreiben: „Aber die Leute merkten, dass ich denken kann, und sie finden, dass man einer denkenden Frau nicht trauen kann.“ Agnes Geschichte ist traurig, aber auf keinen Fall ein Einzelfall. Wir erfahren aber, dass ein Leben als freier Bauer auch nicht wesentlich besser bestellt war, als das von Magd und Knecht. Der Leser taucht ein in die Gedanken von Agnes und die der Bewohner des Hofs, des Vikars, taucht ein in ein hartes entbehrungsreiches Leben, das von Düsternis und Tod gekennzeichnet ist. Die Toten des Winters werden im Stall gelagert, auf dem gefrorenen Fisch. Die Rechtssprechung der damaligen Gesellschaft wird in diesem Roman geschickt dargestellt.
Ein Gesellschaftsroman, zum Anfang des 19. Jahrhunderts, der das Leben der Klassengesellschaft der Isländer wiederspiegelt. Hannah Kent wertet nicht, sie lässt ihre Figuren berichten, eindringlich und atmosphärisch. Die große Erzählkunst der Autorin lässt niemanden unberührt zurück.
Das Buch war nominiert für den Women's Prize for Fiction 2014, mit Recht.
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am 27. November 2014
Während eines Schüleraustauschs in Australien hat die Autorin von Agnes gehört. Den Umfang ihrer Recherche ahne ich nur und habe großen Respekt vor dieser Arbeit. Ich hatte nicht nur eine wahnsinnig gute Lesezeit mit einem, nach etlichen solala-Leseerlebnissen endlich mal wieder spannenden und von Anfang bis Ende interessanten Buch, auch mein Interesse für Agnes‘ Geschichte wurde geweckt und ich habe selbst ein bisschen recherchiert.

Tatsächlich waren die meisten Isländer noch lange Zeit nach ihrem Tod von ihrer Schuld überzeugt, viele sind das offenbar heute noch. Gerade aufgrund dieser allgemeinen Überzeugung mag ich die, von der Autorin geschriebene „andere Geschichte“ … eine für mich nicht unwahrscheinliche Möglichkeit. Agnes sah anders aus als die durchschnittliche Isländerin, war noch dazu klüger. Dies obwohl sie doch der Bastard einer alles andere als tugendhaften Magd war, die Kinder in die Welt setzte und der wohlmeinenden Gemeinde überließ. Es liegt doch nahe, dass eine Frau wie Agnes zu der Tat, der man sie beschuldigt hat, fähig ist.

Beim Lesen angenehm fand ich den Wechsel der Perspektiven: Mal erzählte Agnes in der Gegenwart und berichtete dann auch von der Vergangenheit, wodurch der Leser ihr Leben nachvollziehen kann. Andere Male wird in der Erzählerperspektive entweder mit Fokus auf den Pfarrer oder die Bauersfamilie berichtet. Langeweile ist bei mir zu keinem Zeitpunkt ausgekommen. Ich lese eigentlich keine historischen Romane, und da "Das Seelenhaus" relativ untypisch ist, hat es mir wohl so gefallen. Ich hatte jedenfalls kein Spektakel und keine Überraschungen erwartet, und sie stellten sich auch nicht ein. Die isländischen Namen sind ziemlich lang und zu Beginn auch etwas schwierig zu lesen, aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran. Ich mochte es, wie auch den Stil der Autorin: authentisch, wunderbar flüssig und sicher.

Ich habe gelesen, dass der Roman bald verfilmt wird, mit Jennifer Lawrence als Agnes. Ich bin gespannt, wie das gelingt.
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am 28. Oktober 2014
Island, im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts wird Agnes Magnúsdóttir und zwei weitere junge Menschen zum Tode verurteilt. Sie sollen zwei Männer erschlagen, erstochen und verbrannt haben. Vor allem an Agnes will der Landrat ein Exempel statuieren. Bis zur Hinrichtung soll sie die Zeit bei dem Dienstmann Jón und seiner Familie verbringen. Die Familie ist entsetzt das sie eine Mörderin beherbergen soll, aber sie hat keine Wahl. Unterstüzt werden sie vom Pfarrvikar Tóti, und nach und nach beginnt Agnes von ihrem Leben zu erzählen. 

Was für ein tolles Buch! Die Autorin hat die Geschichte von Agnes, der letzten Person die in Island hingerichtet wurde, aus vielen Dokumenten zusammengetragen und in eine bewegende Geschichte eingewoben. Sie schafft es mit ihrer Sprache und den von ihr entworfenen Bildern das karge Leben in Island sehr gut zu beschreiben. Das Leben dort ist hart und voller Entbehrungen und bestimmt von Religiosität. 

Agnes hat ein schweres Leben, das dem Leser nach und nach näher gebracht wird und es zeigt sich das sie eine kluge Frau war die Leben wollte. Die Geschichte ist traurig, denn das Ende ist von von Anfang klar und auch die Geschichte von Agnes zeugt von großer Einsamkeit und Düsterkeit. Ihr Gegenüber steht die Familie die sie beherbergt, die auch ein hartes Leben haben, aber durch ihre Familienzusammenhalt und Liebe zueinander, das haben wovon Agnes immer geträumt hat. Beide Seiten nähern sich an, als Agnes ihre Geschichte erzählt und langsam wird klar wie sich die Ereignisse wirklich zugetragen haben und vor allem der Schluss ist wirklich sehr berührend und verursacht einen dicken Kloß im Hals. 

In diesem Buch wird nicht nur Agnes Geschichte erzählt,  sondern auch ein Gesellschaftsbild von Island im 19. Jahrhundert aufgezeigt und dem teils wirklich schweren Leben im kargen und kalten Island und welches sich wirklich lohnt zu lesen.

Ein Buch das mich wirklich berührt hat und daher auch 5 Sterne vetdient.
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