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am 14. Juni 2017
... und doch eine verstörende. Wie banal Liebe beginnt und wie banal sie enden kann. Ein Stalker zerstört ein Paar, das aus falschen Erwartungen sich gefunden hat. Aber es hätte funktionieren können, wenn nicht ein unheilvoller Einfluss von außen am Werk gewesen wäre. Man hofft bis zuletzt, dass sich das Paar wiederfindet. ...Die Sprache von Judith Hermann ist eindringlich und wunderbar.
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am 18. Oktober 2016
Jetzt weiß ich wieder, wieso ich nie wieder ein Hörbuch kaufen wollte, welches vom Autor selbst gelesen wird.
Ein jeder Satz wird in der selben Weise "betont". Kommas, Punkte, Pausen, das alles kommt im Lesestil von Frau Hermann nicht vor. Alle Sätze oder auch Teilsätze enden schwebend, bleiben offen, als käme noch ein Nachsatz. Dieser kommt nie, stattdessen beinahe schon hastig aneinandergereiht der nächste Satz und der nächste, allesamt in einer einzigen Tonlage vorgetragen, wie ein Gedicht ohne Reime.
Ich höre Hörbücher bevorzugt beim Autofahren, doch schon nach wenigen Minuten verband sich die Erzählung der Autorin mit den Straßengeräuschen zu einem Hintergrundrauschen.
Dabei hat die Autorin eine sehr angenehme Stimme, der man gerne zuhören würde! Ich empfehle vor dem nächsten Hörbuch eine Sprechausbildung.
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TOP 500 REZENSENTam 14. August 2014
Wer Judith Hermann lesen will, hat sich darauf einzustellen, dass er ein sprachlich fein geschliffenes Werk in Händen hält, das an Behutsamkeit und Ästhetik was die Sprache anbelangt, wirklich heraussticht. Gleichzeitig sieht sich der Leser jedoch einer emotionsarmen, kühlen, sterilen, distanzierten ja autistischen Protagonistin Stella ausgesetzt, die trotz Ehe und kleiner Tochter, einem Beruf, in dem sie alte Menschen pflegt, sich einer unausweichlichen Einsamkeit gegenüber wahrnimmt. Wer also den Umgang mit ästhetischer Sprache, ich meine so richtig gepflegt liebt, und dem es egal ist, wenn die darin vorkommenden Figuren, sich in einer Art sterilen Macht- und Durchsetzungslosigkeit ausgeliefert fühlen, den sollte dieses Buch dann auch nicht weiterhin überraschen....Warum ausgerechnet diese Autorin von der Presse grenzenlos und ausnahmslos in den Himmel gelobt wird, kann ich mir nur durch die Sprache erklären, ansonsten geht man relativ offen und orientierungslos aus diesem Buch heraus. Entweder man ist begeistert oder masslos enttäuscht...Es ist Hermanns viertes Buch und gleichzeitig ihr Roman-Debüt. Die Fragen die man sich zu diesem Buch durchaus stellen kann sind: Ist es wirklich ein Roman, oder viel eher eine aufgeblasene und in die Länge gezogene Erzählung mit grossem grosszügigem Zeilenabstand und halbseitigen Kapitelanfängen? Und: Ist das überhaupt eine Stalking-Geschichte, selbst dann wenn es um dieses Thema geht?

Im Mittelpunkt steht Stella, von Beruf Krankenpflegerin, siebenunddreissig Jahre alt, Mutter eines Kindes, ihrer Tochter Ava, fünf Jahre alt. Ihr Mann Jason ist Fliesenleger, mehr unterwegs als zuhause, er baut Häuser. Stella führt ein einsames und anonymes Leben, lebt in eigenem Haus in einer Vorstadtsiedling ohne Namen, trotz ihren Senioren, die sie pflegt, die mit kleinen Weisheiten ihres Lebens garniert sind. Ihre Tochter gibt Spontanität, Verspieltheit, Experimentierfreude in diese seltsame Buchatmosphäre, wie eben Kinder sind. Als eines Tages ein Fremder Nachbar bei ihr klingelt und gerne sich mit ihr unterhalten möchte, beginnt eine dubiose und seltsame Stalking-Geschichte, die nicht besser, zur emotionslosen, sterilen Beziehungs-Schreibart einer Judith Hermann passen könnte. Das Ganze garniert, mit einer etwas seltsamen ja fast liebevollen Poesie, die nur schwierig einzuordnen ist. Denn auch wenn jener "Mister Pfister" ihr komische Dinge wie: Feuerzeuge, Papiere, Fotos, Zettel, Streichhölzer und CDs in den Briefkasten legt, möchte er eigentlich nichts anderes als ein Gespräch mit ihr. Als Leser erleben und fühlen wir vor allem die Innenwelt der Stella, die vornehmlich von Angst und Projektion diktiert ist. Anstatt ein klärendes Gespräch zu suchen, verkriecht sie sich lieber, lebt in ihrer Angst-Gedanken-Welt, ohne je zu überprüfen, wie realistisch das Ganze eigentlich ist. Es ist wie eine grosse unsichtbare Angstblase, die sie sich immer mehr aufbaut, wo Glück wie zu zerrinnen scheint und Unglück sich anzubahnen ankündigt. Wie schon in Sommerhaus, später: Erzählungen, dem ersten Erzählband von Hermann, wird auch hier wieder wie in einer endlosen Gebetsmühle, von Machtlosigkeit, von Verunsicherung und einer stillen Verzweiflung geschrieben, ohne dass ihre Figuren richtig in die Gänge kommen - wobei man sogar für Momente überlegt, ob es denn nicht sogar die Einbildung von Stella ist, die sich immer mehr in ihrem Inneren unterwandert und zerbrechlich empfindet...

Hermann lässt ihre Protagonistin ganze 183 von 219 Seiten warten, bis sie endlich aus ihrer Lethargie aufwacht, und das letzte versteckte Quäntchen an Verantwortungsbewusstsein in sich ausgräbt, um aktiv ihren Stalker zu konfrontieren. Nur im Grunde erfahren wir sehr wenig über ihn, ausser, dass der Fahrradmechaniker aus der gleichen Strasse meint, dass er ein wenig einsam sei. Während sich Stella in Passivität Schutz sucht, versucht Mister Pfister zu den unmöglichsten Zeiten zu klingeln, um mit Stella ein Gespräch zu führen. Man kann hier nur annehmen, dass wir es hier mit einem (vielleicht harmlosen) psychisch kranken Menschen zu tun haben, der nur ein wenig Anschluss sucht. Doch damit sich das Unheimliche, Gespenstische (Nichts als Gespenster: Erzählungen) aufbauen kann, braucht es eben genau ein solche Frau, die in ihrer eigenen isolierten Welt lebt, denn im Grunde lebst sie ein einsames Leben. Ihr vermeintliches Glück, dass sie zu besitzen glaubte, scheint ihr durch jenen Stalker immer mehr aus den Händen zu gleiten...Eine Geschichte die von der leisen Vergänglichkeit des Lebens, des Glücks erzählen will, sprachlich brillant, gefühlsmässig bekommt man leichte Schüttelfröste. Was mir hier nicht gefällt, dass Stella nicht in die Verantwortung und in die Aktivität geht. Im Gegenteil, sie bleibt fast bis zum Schluss passiv, bis zur grotesken Eskalation. Ihre Unfähigkeit Verantwortung zu übernehmen, kann einen ganz kirre machen...

"Veränderung ist kein Verrat" meint sie am Schluss. Schön solche Sätze, die man drehen und wenden kann, wie man will. Nur verändern tut sich Stella eigentlich gar nicht, selbst dann nicht, als sie aus ihrem Haus auszieht. Was ihre innere Entwicklung angeht, ist es nicht nur Stella, sondern dieses ganze Buch eine einzige Enttäuschung. Denn ob es nun jener ominöse Nachbar ist oder Stella selbst, eigentlich leben beide, in ihren ungeprüften Projektionen über den Anderen, ohne je wirklich den anderen zu kennen. Hier leben doch zwei einsame Menschen, die sich ihren Projektionen überlassen, ohne in eine erwachsene Überprüfung zu gehen, die Eine autistisch, der Andere psychisch krank. Genau an diesem Punkt scheitert für mich dieses Buch. Doch haben wir immerhin eine Schriftstellerin, die mit äusserster Behutsamkeit an die Sprache herangeht, die ein stiller Genuss sein kann, auch wenn man dabei innerlich immer wieder ein wenig zu frieren scheint, und das selbst bei warmen Temperaturen...(schöne Sprache-verknorzter Plot) Eine Poesie der antriebslosen autistischen Selbstverantwortung, die mehr der Angst als der Tat nahe steht...Eine blasse und farblose Geschichte, in der eigentlich sehr wenig passiert...Und trotzdem ist Stalking nach wie vor, ein aktuelles Thema unserer heutigen Zeit, das natürlich nicht unbeachtet sein sollte und hier natürlich neu thematisiert wird...

16.8.14:
Wieder ein Buch das vom Feuilleton unermesslich gelobt wird , aber von Lesern nur schwer erfasst, geschätzt oder gar freudig aufgenommen wird. Schade. Einmal mehr realisiert man, wie die Presse die Leserschaft an der Nase herum führt - ohne bei dem angesprochenen Zielpublikum, sondern nur beim Autor oder dem Verlag zu punkten. Manchmal wünschte man sich, dass gerade jenen Schreibern, die wöchentlich auf die Werbetrommel hauen und Lobeshymnen anstimmen, gerade bei enttäuschenden Lektüren, gehörig eins auf die Finger bekommen, die hinterlistige dahintersteckende und subtile Verkaufs-Manipulation ist längst masslos bis zum Erbrechen ausgereizt. Aber vielleicht gehört es ja in die heutige Medienlandschaft und Zeit, dass wir zu Büchern verführt werden und wir uns verführen lassen, eben weil wir das Lesen so sehr lieben, auch wenn dann so manche Lektüre doch recht bitter verdaut werden muss und man jenen Zeitungsschreibern, gerne einmal die Leviten durchgeben möchte, eben weil sie Lektüren anpreisen, die ganz und gar nicht der eigenen Musse dienen, sondern eher Enttäuschung generieren, zum eigenen Unverständnis, leider...

29.8.2014 / heute in der FAZ: (Titel: Stella oder das Märchen vom Stalker/ FAZ-Ausgabe vom 29.8.2014)

"Judith Hermann hat zwei Probleme: Sie kann nicht schreiben, und sie hat nichts zu sagen. (..) ..für diese Null-acht-fünfzehn-Geschichte, hätte eine Erzählung dicke gereicht. Sei's drum, es ist ja erst ihr erster Roman. Aller Anfang ist schwer." (Edo Reents)

Bei der viel gelobten Presse, sind solche Stellungnahmen im Feuilleton schon eine Ausnahmeerscheinung, die ich ausnahmsweise mal als äusserst treffend empfinde.
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am 11. Juni 2015
Judith Hermann bestätigt die These, dass fehlerfreies Lesen nicht ausreicht, um ein Hörbuch aufnehmen zu dürfen. Die harmlose und etwas belanglose Geschichte ihres Romans ist durch die fehlenden Vorlesequalitäten kaum noch zu ertragen. Ich empfehle dringend, die Hörprobe zu nutzen, die amazon anbietet, denn in den dortigen fünf Minuten werden schon alle Mängel deutlich:
- Frau Hermanns Stimme an sich ist schon recht monoton, und sie weist kaum Nuancen auf
- Frau Hermann überliest größtenteils Satzenden; Zäsuren werden kaum gemacht
- am unerträglichsten wird das Zuhören aber dadurch, dass sie bei Satzenden nicht mit der Stimme um einen Ton nach unten geht, sondern eigentlich immer die Tendenz hat, den Ton zu halten oder sogar einen Halbton nach oben zu gehen. Dadurch entsteht der Eindruck eines nie enden wollenden, vier Stunden langen Satzes. Auf Dauer nervt das genauso wie ein tropfender Wasserhahn, den man nicht ausstellen kann.
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am 10. Oktober 2014
Es ist ein nettes Buch, nicht mehr, bestimmt kein Bestseller. Anscheinend hängen Bestseller Zertifikate heute mehr an Namen, als an Qualität. In dem Roman passiert doch nichts! Jedenfalls nichts unvorhergsehenes. Es steht schon im ersten Kapitel: Brautstrauß und Händchen halten im Flugzeug, dann Heiraten, dann Kind. Dann der Stalker, der das Klischee stört. Aber dabei bleibt auch er Klischee, er ist ein Stalker, wie er im Buche steht, erfüllt seine Stalker Pflicht jeden Tag gewissenhaft, nichts überraschendes eben. Bis es selbst der Erzählerin langweilig wird und sie ihn gegen die Tür rennen lässt, aber das ist ja zum Glück der Muskelmann aus dem ersten Kapitel und schlägt einmal kräftig zu. Alles hat ein Ende und alle sind wieder glücklich. Uf, da sind wir noch mal der Siedlungsidylle entkommen. Hermann stellt ihre Figuren am Anfang auf ein Gleis, dass sie verbissen bis zum Ende fahren, niemand ändert sich, niemand überrascht, nicht einmal das Leben. Ich habe mich sehr gelangweilt.
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am 30. Januar 2016
Trotz der überwiegend negativen Kritiken habe ich mich zur Lektüre von" Aller Liebe Anfang" entschlossen. Wie schon bei früheren Büchern hat mich von der ersten Seite an die wunderschöne, poetische Sprache in die Geschichte hineingezogen. Die Geschichte spiegelt auch unser Leben. Die Einfachheit und Unschuld unserer täglichen Realität wird liebevoll, wie durch ein Vergrößerungsglas betrachtet ,gewürdigt und im wahrsten Sinne des Wortes schwarz auf weiß festgehalten. Die Geschichte führt uns vor Augen wie viel es gibt, daß wir alle zu verlieren haben, wenn es von Menschen, die Liebe nicht kennen, kaputtgemacht und in den Dreck gezogen wird.
Das Buch ist fantastisch, spannend und liest sich in einem Schwung bis zum spektakulären Schluß. Die Essenz der Realität nennt man meiner Meinung nach Poesie.
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Jeden Tag Anrufe, Geschenke, Mails - jedes Mittel ist recht, um Kontakt aufzunehmen. Oft fängt es harmlos an, vielleicht mit einer oder zwei SMS pro Tag. In diesem Stadium reagieren die "Auserwählten" noch auf derartige Annäherungsversuche. Sie schreiben ihrem Peiniger etwa, dass sie in Ruhe gelassen werden wollen. Manche treffen sich sogar mit ihm, in der Hoffnung, dadurch die Situation entschärfen zu können. Die Rede ist von Stalking: ein Begriff, der ursprünglich nur in der Jägersprache verwendet wurde und "anpirschen/sich anschleichen" bedeutet. Vor rund 20 Jahren etablierte er sich in den USA, als das exzessive Verfolgen von Prominenten zunehmend bekannt wurde. Als Ende der 1980er Jahre die Schauspielerin Rebecca Schaeffer und zwei weitere nicht-prominente Frauen von "ihrem" Stalker ermordet wurden, wandelte sich das Bild. Stalking wurde nicht mehr als kurioses Phänomen betrachtet, sondern als potenziell hochgefährliche Verhaltensweise.

Auch die 37 Jahre alte Stella, eine etwas spröde wirkende Krankenpflegerin in Judith Hermanns erstem Roman, erfährt wie aus dem Nichts diese "Heimsuchung". Sie wohnt mit ihrer kleinen Familie in einer nicht näher benannten, typisch englischen Vorstadtsiedlung, die genauso gut irgendwo anders zu finden sein könnte. Jason, ihr Ehemann, ist nur selten zu Hause, verdingt sich als Bauhandwerker auf Montage. Die Beziehung des Paares scheint ein wenig aseptisch, wortleer, gefühls- und anziehungsarm zu sein. Es fehlt an Berührungen, an Gesprächen und Verbindungen. Die Liebe blieb offensichtlich an irgendeiner Wegkreuzung auf der Strecke. Nur Ava, die vierjährige Tochter der beiden, belebt das Häuschen, Garten und Stellas Innenleben. Kontakte zu ihren Nachbarn pflegt die junge Frau nicht. Alles bleibt anonym. Einzig das große Panoramafenster, hinter dem sie in ihrem Sessel sitzend für Vorbeikommende oft lesend zu sehen ist, stellt so etwas wie eine Verbindung zu einem anderen, aufregenderen Leben dar. Eines das Stella früher mit ihrer besten Freundin Clara führte und das von Erlebnissen, vielen Begegnungen, von Worten geprägt war. Als weitere, wenn auch wesentlich diffizilere und subtilere Brücke fungieren die scheinbar "leblosen" Pflegebedürftigen, die Stella täglich betreut. "Wie soll sie Jason davon erzählen? Wie ist das teilbar, dieses und jenes, auch die Zärtlichkeit, zu der sie in der Lage ist, wenn sie Walter den Mund abwischt, mit einem Tuch den Mund abwischt, und wenn sie kein Tuch dabei hat, mit der Innenfläche ihrer Hand."

Doch plötzlich nimmt das scheinbar emotionslose Dahingleiten des aufregungsarmen Lebens Fahrt auf. Stella rückt ins Visier eines jungen Mannes: Mister Pfister. Der klingelt eines Tages an der Gartenpforte: "Er sagt, guten Tag. Wir kennen uns nicht. Sie kennen mich nicht. Ich kenne Sie aber vom Sehen, und ich würde mich gern mal mit Ihnen unterhalten. Haben Sie Zeit." Über die Gegensprechanlage weist ihn Stella zurück. Der Fremde kommt am nächsten Tag wieder, zur selben Zeit... und wieder, immer wieder, täglich. Er klingelt, er wirft etwas in den Briefkasten: einen Brief, Karten, Fotos, kleine Gegenstände... jeden Tag. Stella sammelt die dargebrachten Devotionalien, diesen "Chor der Stimmen, der aus dem Karton heraus zu vibrieren scheint." Wo anfänglich noch ein verlockend, irritierend-kribbeliges Gefühl aufkommt, wird Mister Pfister allerdings zunehmend zu einer unberechenbaren Größe. Er weiß genau wann sie allein zu Hause ist. Wie lange stalkt er sie schon? Wann war der Anfang? Wie kann sie sich dem entziehen?

Auf den ersten Blick scheint "Aller Liebe Anfang" eine Geschichte ohne Pointe zu sein, eine Geschichte, die ohne Aufregung vom Gleichmaß aller Tage erzählt, "davon, dass alles bleibt, wie es ist." Doch nach und nach schieben sich Bilder ineinander. Ein "körperloses Gewisper" macht sich breit. Eine klirrende, splitternde Atmosphäre baut sich auf. Judith Hermanns Roman umgibt sich mit einer eigenartigen, abgründig-abwartenden, mitunter diffusen, schwer greifbaren, immer bedrohlicher werdenden Aura. Etwas Gestaltloses, Großes legt sich immer drängender über den Text. Kurze, fast stakkatoartige Sätze zeichnen das beobachtende Erzählen der Autorin aus. Aus einer nüchtern-prosaischen Distanz wächst zunehmend eine diffizil-drängende Emotionalität. Wie ein Gespinst umhüllt diese Kontroverse den Leser. Sie kann wohlige Wärme ausströmen, vor allem bei den zarten, äußerst sensibel gezeichneten Porträts der pflegebedürftigen, kranken Personen, jedoch auch diffuse Angst, immer dann wenn Mister Pfister in Aktion tritt. Und: "Es geht auch um etwas anderes. Um einen Widerstand. Oder um ein Widersprechen. Vielleicht geht es ums Verschwinden. Das kann sein."

Fazit: Judith Hermann ergründet in ihrem Romandebüt die Anfänge der Liebe in all ihren unterschiedlichen Formen, lotet aber auch deren Ende aus. Welche Grenzen setzt das Leben? Wann gilt es als abgeschlossen? Es geht um Nähe und Entfernung, um zurückzulegende Wege, um Aktivität kontra Passivität, Sesshaftigkeit und Veränderung, um Schutzlosigkeit und um Zwischenräume. Ein zutiefst beeindruckender Roman einer Autorin, die bis dato vor allem durch ihre Erzählungen Aufmerksamkeit erregte.
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am 4. Dezember 2015
Das "bildkräftige", "atmosphärisch verdichtete", "brillant erzählte" (usw, usf.) Buch liest sich so, als ob eine Erstklässlerin Aufzählungen aller Art aneinanderreiht.

Zur Verdeutlichung hier abgekürzte Ausschnitte aus zeilenlangen Anneinanderreihungen von völlig Unwichtigem: "Über dem Sofa eine orangefarbene Decke, auf dem Tischchen davor Kinderbücher, Wachsmalstifte, eine Teekanne, auf dem Teppich ein einzelner Schuh ..." puh, darauf muss man erst einmal kommen. Weiter gehts in der "hellen Küche. Herd und Spüle unter dem Fenster, in der Mitte ein Tisch mit vier verschiedenen Stühlen, über dem Tisch eine Lampe, an der sich ein Papierpferdchen dreht.Postkarten am silbernen Kühlschrank. Unordentliches Geschirr in einem Küchenschrank.. usw. usf." Die Lampe der literarischen Erleuchtung wäre nicht schlecht, damit auf den Stühlen nicht die Leser+innen einschlafen ob dieser langatmigen und belanglosen Beschreibungen. Die mit der Geschichte ... nichts ... aber auch gar nichts .... absolut nichts... zu tun haben. Die eigentliche Story passt auf zehn Seiten und ist eher mittelmäßig. Sie wird zwischendurch in kleinen Häppchen serviert. Stattdessen liest man Redundanzen, die - meiner Meinung nach - frei von jeglichem Sprachgefühl einfach nur Aufzählungen sind, lähmend und langweilig.

Ich mochte "Sommerhaus, später" zumindest einigermaßen, fand aber schon damals das Getue unverständlich. Diesem Roman empfinde ich als Zumutung. Der Hype? Völlig unverständlich. Hat mich leider dazu verlockt, Geld auszugeben, das ich hätte genausogut aus dem Fenster werfen können.

Leute, lest lieber Böll. Der konnte wirklich gut erzählen und aus jeder, wirklich jeder, Idee etwas ganz Besonderes machen. (Ich schreib das hier, weil Hermann wohl ein Stipendium der Böll-Stiftung für ihr Buch hatte.) Das was hier dabei rausgekommen ist - ne, das ist nichts.
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am 13. Oktober 2014
Sprachlich ist das okay. Aber die Figuren agieren hölzern und unnahbar. Und der Plot ist schlicht langweilig. Statt dieses Buch zu lesen kann man auch ne Stunde aus dem Fenster in den Regen starren. Hat ungefähr die gleiche Wirkung.
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am 5. November 2014
Judith Hermann hat mit dieser Lektüre ein sehr beklemmendes Thema aufgegriffen. Man kann in niemanden hineinschauen, daher kann man niemals wissen wie weit eine Person gehen würde. Die Protagonistin selbst, versteht die Welt nicht mehr. Warum hat ihr Nachbar gerade sie ausgesucht?

Ich wünsche mir, dass du mich ansiehst. Das du mich ansiehst und mir zuhörst. Ich wünsche mir auch, dass wir uns schon immer hätten kennen können...
(Ausschnitt aus einem Brief von Mr. Pfister an Stella)

Die Situation muss man sich mal vorstellen. Mein Nachbar klingelt und frägt mich, ob ich mich mit ihm unterhalten möchte. Ich sage nein und ab diesem Zeitpunkt klingelt er jeden Tag und stellt mir immer dieselbe Frage. Ist das nicht gruselig?

Den Rat, Mr. Pfister einfach zu ignorieren fällt ihr Anfangs nicht schwer, doch die Eingriffe in ihr Leben werden schlimmer und immer makabrer. Dann macht sie ihren ersten Fehler: sie reagiert auf ihn. Letztendlich geht es auch nicht darum, warum er es macht, sondern wie man ihn dazu bringen kann aufzuhören. Die Polizei kann nicht viel tun, aber am Ende kommt die Hilfe von völlig unerwarteter Seite. Es geht in der Geschichte allerdings nicht nur um "Stalking", Stella hinterfragt auch ihre Ehe, ihren Job als Krankenpflegerin und ihr Leben.
Da ich eigentlich weniger "schwerfällige" Literatur lese oder höre, musste ich mich an den sehr ungewöhnlichen Stil der Autorin gewöhnen. Sie hat so eine Art, sich ständig zu wiederholen ...

Stellas und Jasons Haus. Das ist Stellas und Jasons Haus, das ist das Haus, das Jason kauft, als Stella...

Die Autorin schreibt sehr ruhig und beherrscht und hat einen Rahmen geschaffen in dem eigentlich keine bösen Dinge geschehen - man würde nie meinen, dass in einer Vorzeigevorortsiedlung Menschen mit solch düsteren Gedanken leben. Während ich das hier schreibe, schmökere ich nebenbei noch in dem Buch (hab ich mir noch schnell in der Bücherei ausgeliehen). Beim drüberlesen habe ich immer ihre Stimme im Kopf und irgendwie bin ich total froh, dass ich das Hörbuch nicht abgebrochen habe. Von der Autorin selbst gelesen ist es prägnanter und furchteinflößender. Stellas Unglück über den Verlauf ihres Lebens ist dadurch noch greifbarer.
Fazit: Eine ungewöhnliche, aber sehr authentische Geschichte.

Die Sprecherin...
... ist (leider) die Autorin selbst. Aber nachdem ich mich an ihre seltsame Art zu lesen gewöhnt habe, fand ich ihre Interpretation der Geschichte gut - die ja im Grunde die einzig richtige ist. Wenn ich das Buch gelesen anstatt gehört hätte, wäre die Geschichte zumindest teilweise eine andere. Sie hat eine besondere Art vorzutragen...
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