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TOP 500 REZENSENTam 22. Juli 2014
Wirklich, ich hatte mit mir gerungen, ob ich mich auf diesen Wälzer einlassen wollte. Liest man hier die Lesermeinungen quer, wird eigentlich deutlich, wie viel dieser Roman vom Leser zu fordern scheint. Wer sich auf diesen Roman einlässt, sollte sich vorher wirklich überlegen, auf was er sich einlässt. Wir lesen hier im Grunde einen Roman in der Gründungszeit, des Bundesstaates Texas. Und wer meint, schon genug über die damalige Besiedlungszeit zu wissen, nur weil er viel Cowboy-Filme gesehen hat, könnte hier ev. ernüchtert werden. Zumindest mir wurde bewusst, wie sehr ich durch frühere Cowboy-Serien im Grunde in meiner Auffassung, Meinung und Bildung über die Gründungszeit, gerade im Westen der USA beeinflusst und vielleicht auch einseitig informiert bin. Das ist keine gemütliche Country-Romanze hier. Wenn ich Kommentare lese wie: "schlichtweg nicht schön zu lesen!" frage ich mich, was denn aus so einer Zeit erwartet wird. Hier wurden Menschen abgeschlachtet, beraubt, entführt. Indianerstämme wurden ausgelöscht! Hier wurde um Existenzen gekämpft, hier ging es ums Überleben, ging es um Untergang, um den Willen der eigenen Daseins-Berechtigung. Doch wissen wir das nicht alles schon vorher, bevor über solch ein Buch urteilen? Im Folgenden möchte ich auf Stärken und Schwächen eingehen, denn dieser Roman hat wirklich beides. Und wenn Schriftsteller etwas von ihren Lesern abverlangen, riskieren sie immer, dass sie entweder nicht verstanden werden, oder Leser frühzeitig das Handtuch werfen. Eines ist klar: Phillip Meyer will hier eine Geschichte über den südlichen Westen schreiben, auf 3 Generationen verteilt, schön im Wechsel, auch im Wechsel der Perspektiven, und er will so real es eben für ihn möglich war, so diese Geschichte erzählen, mit aller Nüchternheit, Brutalität und egoistischer Skrupellosigkeit, die man durchaus für die damalige Zeit annehmen darf. Wer also eine gemütliche Cowboy-Indianer-Besiedlungsstory erwartet, dürfte hier ernüchtert werden..

Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig, oder besser die Strukturierung dieser Geschichte. Schwerpunktmässig wird aus 3 verschiedenen Perspektiven erzählt. Eli (1849), Peter (1915) , Jeanni (1942). Das bedeutet auch, dass aus drei verschiedenen Zeitepochen erzählt wird. Der Leser wird jede Person über mehrere Jahre begleiten und an Leben, Lebensverlauf und Lebenstragig / Glück soweit vorhanden teilhaben. Peter ist der Sohn von Eli. Jeanni (JeanneAnne) die Enkelin von Peter. Eli erleben wir über gut 30 Jahre lang. (1849-1881) Geboren ist er 1836, hier erleben wir den Teenager, der erlebt, wie seine Familie von den Indianern (Comanchen) ermordet wird. Eli (Tiehteti) wird über drei Jahre bei den Indianern leben und von ihnen lernen. Er erlebt die Werte, Bräuche, die Jagt usw. des Indianer-Lebens. Der Leser bekommt dabei einen nicht unwesentlichen Einblick, in das damalige Indianer-Leben, das mir kein Cowboy-Western, bis dato vermitteln konnte. (Der mit dem Wolf tanzt, trägt Züge davon) Der Leser kann die Innenwelt der Indianer miterleben und nachvollziehen. Aus meiner Sicht klasse gemacht und wirklich interessant zu lesen. Der Autor muss eine Menge an Wissen sich angeeignet haben, sonst hätte er nicht so detailliert darüber schreiben können. Der bittere Tropfen dabei ist jedoch, das Meyer eben auch die ganze Tragik und Brutalität beschreibt, die damals herrschte und dem Leser in voller Wucht zumutet. (Nichts für zartbesaitete Seelen) Darüber hinaus, will Meyer erzählen, wie es für Eli gewesen sein muss, als er nach 3 Jahren wieder zurückkehrt. Denn die Gruppe seines Stammes ist am Ende, wurde von einer Pocken-Epidemie dahingerafft und sieht sich der eigenen Auslöschung konfrontiert...Der damalige Bürgerkrieg spielt dabei eine nicht unbeachtliche Rolle...

Mit Peter (geb. 1870) werden uns vor allem mit seinen Tagebuchaufzeichnungen zwischen 1915-1917 Einblicke in die damalige Skrupellosigkeit, im Existenzaufbau geschildert. Landkäufe, Indianerkämpfe, Ölbohrrechte, Vieh und Pferdeklau das Niederbrennen von Nachbarhöfen, das Bestrafen von Leuten die Vieh klauen, wird durch Selbstjustiz mit aller Härte durchgesetzt, gerade die Familie Garcia wird regelrecht abgeschlachtet, die Farm niedergebrannt. Übertäter werden hingerichtet, selbst wenn sie sich loyal zeigen, der eigene Machtanspruch, die Gier nach Land, nach Geld und letztendlich Wohlstand findet hier keine Grenzen. Das ständige maximieren von Rinderherden, sowie die unfreiwillige Dezimierung sind ständiges Thema in diesem Roman. Auch die Indianer klauen, stehlen, morden und brennen nieder...löschen ganze Familien samt Kinder und Frauen aus. Mexikaner sind die Feinde des McCullough-Clans, auf beiden Seiten sind Verluste zu verzeichnen, wobei der Clan immer besser wegzukommen scheint. Hier wird wirklich der Wandel von Rinderzucht hin zum Gewinn von Ölquellen geschildert, auch deren Auswirkungen und Konsequenzen. Andere scheinen immer mehr zu verlieren, die McCulloughs scheinen immer reicher zu werden. Die Tatsache, dass er die Tochter des Erzfeindes seiner Vaters, Petro Garcia liebt, ein grasser Einschub, zwingt Peter, sein eigenes Leben nicht mehr länger fremdbestimmt durch seinen Vater zu leben...

Und Jeanni? (geb. 1926) Sie wird dadurch, dass sie erbt und mehr oder weniger alleine dasteht, auf ihre Art auch überfordert. Sie übernimmt mittlerweile ein millionenschweres Unternehmen und muss sich eingestehen, von Ölquellen und Rinderherden eigentlich keine Ahnung zu haben. Sie wird zwar zwei Ehemänner finden, doch auch irgendwann wieder begraben, eine alternde Frau, die einsam und etwas bitter geworden ist. Auch ihre Geschichte beginnt im Grunde während ihrer Teenyzeit, während sich in Europa der Weltkrieg anbahnt. Auch sie wurde hart, durch die damalige Zeit, Lichtblicke gibt es nur begrenzt in ihrem Leben. Letztendlich eine einsame Witwe, die noch ihre Kinder hat, und den ganzen Geldgier-Wahn in Frage stellt. Obwohl sie mit Geld gesegnet ist, ist ihr Leben emotional arm. Auch ihr Leben nimmt einen tragischen Verlauf, als sie vom Urenkel von Peter McCullough aufgesucht wird. Er will einen Teil seiner Familiengeschichte mit einem Historiker aufdecken und ahnt Schlimmes....

Hier wird immer im gleichen Rhythmus erzählt: Eli, Peter, Jeanni. Warum der Autor manchmal Zeitangaben macht, und manchmal nicht, lässt sich für mich nicht schlüssig erklären. Dem Wechsel von Perspektiven und den damit verbunden Personen, hätte das vermutlich gut getan. So wird man zumindest anfangs, öfter mal in den am Anfang abgebildeten Stammbaum blicken, um nicht die Orientierung zu verlieren, mit Sicherheit eine der Schwächen diesen Romans. Denn dadurch muss man sich als Leser mehr anstrengen und öfters orientieren, um noch den Faden in Händen zu behalten. Aus meiner Sicht hätte hier das Lektorat deutliche Zeichen setzen müssen. Über die geschilderte Brutalität kann man sicher verschiedener Meinung sein. (Die damalige Zeit war doch brutal!) Abgesehen davon, hat hier Meyer einen gewaltigen Wurf abgeliefert, den ich nur bewundern kann. Man kann hier wirklich in eine andere Welt abtauchen, auch wenn sich keine konkrete Figur findet, mit der man sich identifizieren könnte, am ehesten wohl noch mit Eli. Die Kapitel mit ihm hatten mich am meisten angesprochen, und einen wirklichen Einblick in das Leben von Indianern gegeben, was ich für äusserst literarisch wertvoll halte. Aber klar, ist das keine hohe Literatur.

Aber die Schilderung von Menschenschicksalen so zu beschreiben, dass einen die Menschen, trotz all ihrer Tragik oder Brutalität, noch im Nachhinein beschäftigen, deutet zumindest für mich darauf hin, es hier mit einem ganz grossen Autor zu tun zu haben. Wir lesen hier bewegenden Lebensgeschichten und Lebensschicksale. Meyer hat keinen grossen Spannungsbogen hier, oder einen Höhepunkt, auf den das Buch zusteuern würde. Aber die Art wie er es erzählt wird, finde ich einfach fantastisch, immer mit einem feinen Zug von Melancholie ohne dabei schwer zu werden. Klar, wir erfahren etwas über die damalige Brutalität der damaligen Zeit. Gefühle gibt es hier wenig. Emotional gesehen, wird hier gespart. Die Menschen hier, speziell die Indianer sehen sich der Ausrottung gegenüber. Die anfänglichen Grundbesitzer, sehen sich mit den Jahren, Massen von Menschen ausgesetzt, derer sie gar nicht gewöhnt sind. Zumindest nach dieser Lektüre habe ich ein wenig mehr das Gefühl, ein wenig mehr nachempfinden zu können, wie die Menschen damals gelebt und gehandelt haben. Das gilt sowohl für die Weissen wie für die indianischen Stämme, die darin vorkommen. Wer die Zumutung aushält und sich hier durchbeisst, hat die Möglichkeit einen wirklich großen Roman lesen zu dürfen, nur dass nicht jeder dafür gemacht ist, ist auch klar. Für mich ist Phillip Meyer eine Bereicherung am literarischen Himmel, dessen Leseerfahrung ich trotz aller schmerzhafter Momente, die darin vorkommen, ich nicht missen möchte, weil ich sie als bereichernd empfand und nicht nur das, es hat mich auch nachdenklich gemacht, zu was Menschen, Grundstücksbesitzer, Spekulanten, Farmer, Siedler, Indianer, Viehzüchter, Pferdezüchter, Soldaten, Männer, Frauen fähig sind...Dem Autor kann man zu diesem wirklich großen Wurf nur gratulieren!
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am 4. Juni 2014
Philipp Meyer umspannt 170 Jahre der amerikanischen Familie der McCulloghs und führt den geneigten Leser in ein realistisches Gemälde der Besiedelung des Westens und des Lebens in Texas... Im 19. Jahrhundert erlebt der junge Eli, geboren am gleichen Tag wie der Bundesstaat Texas, sein "erster Sohn", wie seine Familie von Indianern brutal ermordet und er selbst verschleppt wird. In der Folge lernt er die Gebräuche der Indianer und wird zu einem respektierten Mitglied des Stammes. Als er zurückkehrt in die "weiße" Gemeinschaft, findet er sich nur schwer zurecht... und begründet dennoch gewissermaßen eine Familiendynastie, von der Meyer aus wechselnden Perspektiven verschiedener Generationen erzählt.

Der Autor hat hier ein gewaltiges Epos erschaffen, das den geneigten Leser von der ersten Zeile an in den Bann schlägt, so hypnotisch, so grausam, so realistisch sind seine Schilderungen. Obschon er einschneidende Momente der US-amerikanischen Geschichte beschreibt, lernen wir faszinierende Charaktere kennen, die insgesamt aus Fleisch und Blut scheinen und absolut glaubwürdig sind.

Philipp Meyer schenkt dem geneigten Leser mit diesem unglaublichen Roman eine bewegende, erschütternde und facettenreiche Geschichte, wie sie nur selten zu lesen ist, und er streift eine Vielzahl zutiefst menschlicher Themen wie Gier, Opferbereitschaft, Rücksichtslosigkeit oder Ehre. Und ist dabei niemals klischeehaft. Seine Beschreibungen sind niemals weichgespült oder politisch korrekt, vielmehr nennt er die Dinge beim Namen, zeigt vielschichtige Beweggründe sehr unterschiedlicher und sich doch in Vielem sehr ähnlicher Menschen. Ein großartiges Buch in hervorragender Übersetzung.
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am 12. März 2015
Philipp Meyer erzählt in "Der erste Sohn" von Aufstieg und Fall der reichen texanischen Familie McCullough über einen Zeitraum von rund 150 Jahren. Die Romanhandlung wird aus einzelnen, jeweils aus alternierenden Perspektiven erzählten Kapiteln in unterschiedlichen Zeitebenen entwickelt: Eli, der erste Spross der Familie, geboren am Tag der Gründung des Bundesstaates Texas im März 1836, wird seiner Familie von den Comanchen entrissen, von denen er zu einem Krieger ausgebildet wird. Jeanne Anne McCullough, Urgroߟenkelin von Eli, blickt als Erbin eines gewaltigen Öl-Imperiums auf die Geschichte der McCullough-Dynastie und ihr eigenes, letztlich unerfülltes Leben zurück. Peter McCullough, Sohn von Eli, desillusioniert und gebrochen, ist das schlechte Gewissen der McCulloughs und erinnert sich nur allzu gut eines von den McCulloughs zu verantwortenden Massakers an den Garcias, den mexikanischen Nachbarn. Philipp Meyer gelingt mit "Der erste Sohn" ein beeindruckendes Porträt der amerikanischen Gesellschaft zwischen 1850 und dem ausgehenden 20. Jahrhundert. Es ist eine Geschichte von Gewalt und Blut, Vertreibung und Willkür, die als Instrumentarium von Fortschritt und Machterhaltung fungieren. Meyer hat dabei vor allem die Umwälzungen im Blick, in deren Zuge - sei es durch Krankheiten, sei es durch gezielte Tötungen - die indianischen Kulturen vernichtet wurden. Einzigartig jedoch ist Meyers Roman in der Schilderung der Lebensweise der Comanchen, in ihrer anthropologischen Präzision und überraschenden Detailtreue. Insbesondere die hiervon handelnden Kapitel sind höchst lesenswert. "Der erste Sohn" ist insgesamt ein unglaublich intensiver und mitreißender Roman, der mich schwer beeindruckt hat.
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am 18. Februar 2015
Spannend finde ich, dass die Geschichte von Texas aus drei Perspektiven beschrieben wird: Eli, der Gründer einer Rinder- und Öldynastie. Sein Sohn Peter. Und Elis unglückliche Urenkelin Jeanne.

Eli, geb. 1836, muss mitansehen, wie seine Familie von Indianern ausgelöscht wird. Er wird von dem Stamm verschleppt, und - ganz Opportunist - passt er sich rasch an die neuen Verhältnisse an, wird zu "Tiehteti". Später, als die Indianer nach und nach dezimiert werden, kehrt Eli in die Welt der Weißen zurück. Er sichert sich einen riesigen Landstrich in Texas und wird steinreich.

Lagerfeuerromantik, tapferen Pioniergeist und edle Rothäute findet man in diesem Epos nicht. Die Besiedelung von Texas ist geprägt von Morden, Vertreibung und Profitgier. Wie Eli einmal sinngemäß zu seinem Sohn Peter sagt: Wir haben das Land von den Mexikanern geraubt, die haben es den Indianern weggenommen, und eines Tages wird es uns jemand rauben. So läuft es eben.

Das Buch ist packend geschrieben. Ich habe es verschlungen, obwohl mir sowohl Eli als auch Jeanne herzlich unsympathisch waren. Der Part von Eli gefiel mir dennoch. Schon allein seine Zeit bei den Indianern ist total spannend. Zu Jeanne habe ich gar keinen Zugang gefunden. Die Frauenproblematik - Jeanne, geb. 1926, eifert ihrem Urgroßvater nach, sucht in der texanischen Männergesellschaft jedoch vergebens nach Anerkennung - kam mir allzu platt rüber. Sehr angetan war ich dagegen von Peter. Zur falschen Zeit am falschen Ort geboren, versucht er, eine Stimme der Vernunft zu sein, doch findet er in dieser brutalen, raffgierigen Welt seinen Platz nicht.

Ein Manko: Die Sprache rutscht manchmal ins Moderne ab. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man Mitte des 19. Jahrhunderts schon Wörter wie "Fans" gebraucht hat. Oder dass eine Frau wie Jeanne "labern" sagt. Doch insgesamt: Ein faszinierendes Buch! Absolut empfehlenswert für alle, die epische Romane lieben und zudem etwas über die (ungeschönte) Geschichte von Texas erfahren möchten.
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am 30. Dezember 2015
hat mich diese Geschichte gelassen, obwohl sie eigentlich genug Gewalt enthält, um einen nachhaltig zu schockieren. Aber da ich mit den Protagonisten von Anfang an ziemlich gefremdelt habe und das im Laufe der Lektüre nicht anders wurde, habe ich mich nach Zweidrittel des Buches dann doch entschieden, die Lektüre abzubrechen, weil es mir ehrlich gesagt ziemlich egal war, was aus Eli, Peter usw. noch geworden ist. Trotz recht schöner Sprache (daher immerhin noch zwei Sterne) hat es der Autor nicht geschafft, mir das Buch richtig schmackhaft zu machen. Geschmackssache, natürlich, aber ich kann es eigentlich nicht wirklich empfehlen.
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am 23. Juli 2015
Inhalt: Philipp Meyer erzählt die Geschichte der Familie McCullough im 19 und 20. Jahrhundert, beginnend bei Elli, dem ersten Sohn, dem Kind das am Gründungstag Texas geboren wurde, dessen Familie von Indiandern ermordet wurde und der selber verschleppt im Stamm der Mörder eine neue Heimat fand, über Peter der zusehen muss wie die Rinderzucht seiner Familie auf Kosten des Öls zu einem Hobby degradiert wird und der sich in die einzige Überlebende eines Massakers an mexikanischen Nachbarn verliebt, das seine Familie mit zu verantworten hatte, bis hin zu Jeanne Anne, die als Erbin des Familienunternehmens zeitlebens um Anerkennung in einer Männer dominierten Welt kämpfen muss.

Meine Meinung:
*Der Große amerikanische Roman* das ist das Fazit das ich aus den Begeisterten Rezensionen herausgelesen hatte, ein Meisterwerk, ein Lesevergnügen der besonderen Art, vergleichbar mit John Steinbeck, all diese Lobeshymnen haben mich verleitet diese Familiensaga zu lesen.
So ganz kann ich mich den begeisterten Stimmen leider nicht anschließen. Die Story rund um die McCoulloughs ist unbestritten interessant, sie bietet einen Einblick in die junge Geschichte Texas in den Umgang mit den amerikanischen Ureinwohner und den Mexikanern, einen Blick darauf, wie arrogant und selbstherrlich die Weißen das Land in Besitz nahmen.
Die einzelnen Abschnitte sind interessant und teilweise sehr spannend nur wird diese Spannung immer wieder davon unterbrochen das ein anderer Teil der Geschichte erzählt wird, das stört den Lesefluss enorm. Ich hätte mir gewünscht, die Saga wäre chronologisch erzählt worden.
Alles in allem kann ich das Buch trotzdem weiter empfehlen, nur muss man wirklich Geduld aufbringen.
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am 2. Dezember 2014
Meyer erzählt die Geschichte der texanischen Rinder- und Öldynastie McCulloughs von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute. Parallel werden 3 Handlungsstränge verfolgt: das Leben des Gründers Eli, seines Sohnes Peter (in Form eines Tagebuches) und seiner Ur-Enkelin Jeanne Anne.
Der junge Eli wird von den Comanchen entführt (seine Familie wird dabei auf brutale Weise ermordet) und lebt einige Jahre beim Stamm. Er wird als junger Krieger integriert und es gefällt ihm dort ziemlich gut. Aber durch von den Weißen eingeschleppten Seuchen und den Siedlungsdruck der vordringenden Texaner zerfällt der Stamm. Eli kehrt in die weiße Kultur zurück, wird Texas Ranger, Soldat der Konföderierten und kann sich nach dem Bürgerkrieg riesige Ländereien unter den Nagel reißen, die ihn (und seine Nachkommen) erst durch Rinder, dann durch Öl zum Schwerreichen Mann machen. Dies wird nüchtern, weder idealisierend noch moralisierend in all seiner Brutalität geschildert. Eli geht im wahrsten Sinne des Wortes über die Leichen von Indianern und Mexikanern. Er stirbt hochbetagt in den 30er-Jahren des 20. Jh. Damit überschneidet sich sein Leben mit dem seines Sohne (natürlich) und seiner Ur-Enkelin.
Sohn Peter ist geradezu das Gegenteil seines Vaters, ein sensibler Literat, der unter der Rücksichtslosigkeit seines Vaters leidet aber auch nicht von seiner Familie loskommt. Aus seiner Sicht wird der Überfall der McCulloughs auf die benachbarte Ranch der Garcias geschildert. Die Garcias werden ermordet. Als dies bleibt ohne Folgen (waren es doch lediglich Mexikaner) und in der Folge eignet sich Eli sogar deren Land an (wegen angeblich nicht gezahlter Steuern). Peter leidet weiter.
Jahre später kommt eine der überlebenden Garcia-Frauen zurück und wird Peters Geliebte. Das passt dem Rest der Familie natürlich nicht. Sie entführen die Frau, bringen sie nach Mexiko, geben ihr Geld und sie kehrt nicht zurück (viele Motive der handelnden Personen werden dem Leser nicht auf dem Silbertablett serviert, sondern er muss sie sich aus der Handlung selbst erschließen; eine der Stärken des Romans). Peter findet sich aber nicht damit ab, sucht seine Geliebte, beklaut seinen Vater um eine große Summe Geldes, fährt nach Mexiko und kehrt nie zurück. Dies findet auf der Folie des mexikanischen Bürgerkriegs und der Einmischung der USA in diesen Bürgerkrieg statt.
Jeanne Anne ist eher vom Schlage Elis, aber sie kämpft ihr Leben lang damit, dass sie eine Frau ist und schon deshalb nie die Rolle des Patriarchen Eli einnehmen kann, obwohl sie ihm in ihrer Skrupellosigkeit eindeutig würdig ist. Es ist die Tragik ihres Lebens, dass sie nie die Anerkennung ihrer Umwelt genießen wird wie ihr Urgroßvater. Das Buch endet mit ihrem Tod als uralte Frau. Ein Ur-Enkel Peters taucht aus Mexiko auf, der ihre Anerkennung sucht, den sie aber zurückweist. Als sie seine Papiere an sich reißen (Peters Tagebuch hat sie schon vor Jahren verschwinden lassen) will. stolpert sie und bricht sich an der Kaminumrandung das Genick.
Wir lernen in dem Roman eine Menge über die Kehrseiten des "Wilden Westens", der Lebensweise der Comachen, des Rinder- und des Ölgeschäfts, der mexikanisch-texanischen Verhältnisse und des us-amerikanischen Familienlebens. Der Leser muss sich viele Zusammenhänge selbst erschließen. Gewisse Kenntnisse der amerikanischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts sind dabei von Vorteil. Eigentlich spannend ist der Roman nicht, Figuren mit denen man sich identifizieren kann gibt es auch nicht. Aber interessant zu lesen ist es allemal.
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am 13. Juni 2014
Das ist die Geschichte über die Erschaffung von Texas.
1836 wird dieses Gebilde ein Staat der USA und in diesem Jahr wird Eli McCullough geboren, einer der Protagonisten in diesem Roman. Er wird der Gründungsvater der McCullough-Dynastie sein. Elis Lebensweg in jungen Jahren bildet einen von drei Erzählsträngen. Die anderen beiden Stränge handeln zum einen von Peter, dem Sohn des Colonels und zum anderen von Jeannie Anne.
Bevor Eli seine Dynastie gründen kann, muss sehr viel schreckliches passieren: mit ihm und dem jungen Bundesstaat.

Fast unglaublich, wie sich dieser Eli durchschlägt. Von Indianern entführt, lebt er mehrere Jahe in einem Comantschenstamm, sozusagen als Pflegekind und Sklave bei einem starken Krieger. Er lernt dort zu überleben. Er lernt das Kämpfen, lernt Skrupellosigkeit aber auch die Liebe kennen.Dieser umherziehende Stamm ist seine Heimat, bis eine Pockenepidemie den Niedergang einleitet. Eli kommt zurück zu den Weißen, muss sich anpassen und tut dies, ohne sein kämpferisches Wesen aufzugeben.. Man steckt ihn schließlich zu den Texas-Rangern, einem halbstaatlichen Killerverein. Später wird er dank seiner Durchsetzungsfähigkeit, seiner Härte und seines gewaltsamen Vorgehens ein König der Viehzüchter und noch später Öl-Baron.

Sein Sohn Peter ist aus anderem Holz geschnitzt. Er ist ein belesener Mann mit tiefsinnigen Gedanken, die ihm oft im Weg stehen. Erst seine Liebe zu Maria, der einzigen Überlebenden der mexikanischen Familie Garcia, die auf Befehl seines Vaters massakriert worden war, entfremdet ihn nachhaltig von seinem Vater.Er setzt sich gegen den Alten durch und lebt eine glückliche Beziehung.

Jeanne Ann als Protagonistin des dritten Strangs lebt als alte Frau in der Gegenwart des 21. Jahrhunderts. sie hat sich nach anfänglicher innerer Unsicherheit zu einer Verteidigerin des Reichtums ihrer Familie entwickelt. Doch sie ist sehr irritiert, weil sie bald sterben wird und damit dieses schöne Fleckchen Erde mit den weiten plains und dem Ölvorkommen verlassen muss.zum Schluss wird es dann noch einmal Ernst für sie, als ein bisher nicht bekannter Urenkel in ihr Leben tritt.

Dieser Roman ist ein gewaltiges Epos. So spannungsreich und detailliert die Darstellung der Personen, der Landschaften, der blutigen Machtkämpfe, dass der Leser oft die Luft anhält.
Edle Indianer? Ja auch, aber meist blutrünstige Skalpjäger und Pferdediebe.
Nette Rinderzüchter? Ja auch, aber meist brutale Schinder, Diebe,eigensinnig, gewalttätig und absolut skrupellos.

Wir haben es hier mit einem Western zu tun, der eine andere Sicht auf den "Wilden Westen" eröffnet.
Eine konsequente Entmystifizierung, wenn man so will auch der USA als demokratischem,friedliebendem Staatsgebilde.
Ohne Schuld ist in diesem Roman niemand; jede/r Einzelne hat mehr oder weniger Blut an seinen Händen.
Eli fasst es so zusammen:" Man konnte andere abschlachten und plündern,aber solange man es für Menschen machte, die man liebte, war es immer in Ordnung."

Phillip Meyer hat über fünf Jahre an diesem großartigen Werk gearbeitet. Besonders intensiv hat er den Alltag der Indianer recherchiert und einige ihrer Fertigkeiten erlernt (nicht das Skalpieren)
Meyer ist zu beglückwünschen für diesen mehr als gelungenen Roman. Und wer dieses Werk liest, taucht komplett in eine andere Welt ein.
Eine Welt voller Blut, Schweiß Tränen und Tragödien.
Man schätzt sich glücklich, in dieser Welt nicht um sein Leben kämpfen zu müssen.
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am 6. Juni 2014
Hat Philipp Meyer in seinem Debüt „Rost“ den Niedergang der amerikanischen Gesellschaft, die Zerstörung des „amerikanischen Traums“ zum Mittelpunkt seiner bildkräftigen Schilderung gesetzt, so zäumt Meyer in „Der erste Sohn“ nun das Pferd von hinten auf, geht an den Anfang zurück, an die „Geburt des amerikanischen Traums“. Wie sie wirklich war.

Hart, mit aufgekrempelten Ärmeln und einer gehörigen Portion Rücksichtslosigkeit steht der Clan der McCulloughs Mitte der 40er Jahre des 19. Jahrhunderts im neugegründeten Texas angesichts der „neuen Welt“ und der Chance, sein Glück zu machen. Wobei, was sich nach Siedler-Romantik anhört, besser als „sein Glück zu zwingen“ formuliert werden sollte.

Eli Mccullough ist „der erste Sohn des neuen Staates Texas“ und er erzählt im Buch zunächst seine Erinnerungen, die von einer ganz besonderen Prägung künden.

Denn Meyer hat nicht im Sinn, edle Indianer und schweigsame, aber gerechte Cowboys neben gottesfürchtigen und hart arbeitenden Siedlern als Hauptrollen zu besetzten (wenn solche auch durchaus hier und da im Buch erscheinen, nicht selten als Opfer).

Die Realität, das schmutzige, dreckige, auch grausame Erleben schildert Meyer in seiner bildkräftigen, klaren Sprache mit Augen, die nicht wegsehen und nicht ausblenden, wenn es massiv wird. Im „Wilden Westen“.

Land, Öl, Reichtum, Macht, Einfluss, sich nehmen, was man begehrt. Mit jedem Mittel, das zur Hand ist. Damit stehen die McCoulloughs bei weitem nicht alleine da.

Sehr differenziert, sehr die Personen auslotend geht Meyer dabei vor. Es geht ihm nicht um schnelle Colts, Helden, ehrbare Staatengründer, „edle Wilde“ oder Intrigen, Gewalt und Rücksichtslosigkeit in erster Linie, es geht ihm um die Realität von Menschen in einer nicht einfachen, vielschichtigen und sehr fordernden Situation. Die Härte mit sich bringen und Brüche nach sich ziehen.

Männer, Frauen, Söhne, Töchter, deren Kern, das dringt aus dem Hintergrund der Abläufe mehr als einmal in den Vordergrund der Lektüre, das „Schaffen und Bewahren“ ist. Vor allem für sich selbst.
Die Aneignung eines eigenen Lebens und die Sicherung und Weitergabe dieses hart erkämpften Standes im Leben an die eigene Familie. Der Aufbau einer Dynastie, das Denken, das die Familie der Kern des Lebens ist, man sich als Familie nur untereinander nahe steht, „da draußen“ Gegner nur auf Fehler und Schwächen lauern und all das um jeden Preis verteidigt werden muss.

Aus Erfahrung heraus, nicht aus Fantasien oder Bösartigkeit heraus gespeist. Zumindest, was Eli Mccullough angeht.

Ob gegen Indianer (die mit massiver Grausamkeit und brachialer Härte nichts anderes als Blut hinterlassen und nur durch militärische Gewalt Schritt für Schritt zurückgeschlagen werden können) oder gegen Konkurrenten, das bleibt sich am Ende fast gleich.

Wobei Meyer auch diese indianische Welt aus der „Innensicht“ heraus durchaus differenziert, aber ohne jede Folklore, darstellt. Über das gefangene Kind, das in einem Stamm heranwächst und später die dort erworbene „Lebenshaltung“ mit aller Härte weiter lebt.

Und das später diese innere Prägung mit in seine Familie hineingibt.

Wobei scheinbar nicht jedes der Kinder die gleiche Härte mit auf den Weg bekommen hat. Auch die Brüche dieses Lebens, die Ausgrenzung, Abwertung, die auftritt, wenn einer „aus der Reihe tanzt“ sind Teil dieser hervorragend erzählten epischen Familiengeschichte.

Bis hin zum eigentlich Scheitern dieses „anders Seins“, denn da fehlt dann wieder die nötige Rücksichtslosigkeit, wirklich etwas zu ändern, statt sich nur zu beklagen.

Eine Geschichte Amerikas in der Neuzeit, ein Blick auf die innere Haltung Darwinscher Auslese, ungeschminkt und ohne romantische Verklärung, wortgewaltig und fesselnd.

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre.
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am 24. Januar 2015
in dem Buch werden abwechselnd 3 Lebensgeschichten erzählt, jeweils von verschiedenen Familienmitgliedern des Clans der McCulloughs, die deshalb auch in verschiedenen Jahrzehnten angesiedelt sind.
Einmal ist da Eli der Gründer der Dynastie, dann sein (für ihn) missratener Sohn Peter und Jeanne seine Urenkelin (zu der er bis zu ihrem 10. Geburtstag Kontakt hat, da er selbst 100 Jahre alt wird)

Um nicht alles zu wiederholen, schließe ich mich den Lobhudeleien der anderen an.... ;)

Persönlich gebe ich der Lebensgeschichte um Eli 6 Sterne.
Von mir aus hätte Philipp Meyer das gesamte Buch nur über ihn schreiben sollen.

4 Sterne für die Geschehnisse um seinen Sohn Peter.

3 Sterne für die Ereignisse um seine Urenkelin Jeanne.

Wie gesagt das ist mein persönlicher Geschmack. Das Buch ist trotzdem absolut empfehlenswert.
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