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am 5. Mai 2014
Wenn es ein Werk gibt, das dem Kinozuschauer den Wunsch auf grosses bewegendes, vor allem menschliches Kino uneingeschränkt erfüllt, dann ist es diese dreistündige filmische Sternstunde.
"Blau ist eine warme Farbe" ist ein langer Film.
Drei Stunden, so meint man vielleicht, könnten doch leicht zu eventuellen Längen führen.
Das Gegenteil ist der Fall.
Das erschütternde ,intensive Liebesdrama könnte auch noch ruhig länger dauern.
Zu sehr ist der Zuschauer mit jeder Facette seiner Emotionen in die kleine und doch so grosse Liebesgeschichte eingetaucht, zu sehr hat die überragende Inszenierung jede Empfindung zum Klingen gebracht.
Schwelgerisch ist Abdellatif Kechiches Filmopus. Schwelgerisch in jeder Nahaufnahme.
Sanft und gleichzeitig so herzzerreisend kraftvoll zeichnet er kleinste Stimmungen, filigrane Gesten und Verunsicherungen in den intimen Grossaufnahmen von Augen, Mündern, von verhuschten Blicken und dann wieder leidenschaftlichen Ausbrüchen.
Die suggestive Kamera umfährt, umschmeichelt zärtlich jeden Körper, und jede Umarmung, läßt die Doppeldeutigkeit hinreissender Dialoge aufblitzen, entlarvt Widersprüche zwischen Denken und gesprochenem Wort, kreiert selten im Kino gesehene vollkommen selbstverständlich sinnliche Bilder von Nacktheit, Erregung und sexueller Vereinigung.
Es ist die alltäglichste und gleichzeitig elementarste Geschichte, die ein Mensch fähig ist zu erleben.
Kein martialisch donnerndes Actiongewitter, keine Krawumm-Story, die die Kinoleinwände in großer Zahl überfluten ;dieser Film handelt in leiser, bewegender, bestürzend realistischer Weise vom der Liebe und Leidenschaft, der ewigen Sehnsucht ,die wie eine sanfte, noch leise, filigrane Melodie zwischen zwei Menschen wunderbarerweise zum Erklingen kommt, die zu einer grossen wilden Sinfonie aus Lust, Hingabe, Verzückung von Höhepunkt zu Höhepunkt eilt
und die doch so bitter, von verhängnisvollen Dissonanzen aus dem Gleichklang gebracht, in grossem Schmerz, Tragik und sellischer Höllenqual endet.
Eine alltägliche Geschichte und doch für jeden einzelnen tiefschürfend.
Die 15jährige Schülerin Adele (eine beispiellos bewegende Schauspielleistung : Adele Exarchopoulos) erlebt das was alle adoleszenten Jugendlichen umtreibt: Veränderungen des Körpers, Erwachen der Sexualität, erste schüchterne Freundschaften, Gruppendynamik, Liebesbeziehungen.
Doch sexuelle Erfüllung und Glück findet sie mit einem Mitschüler nicht.
Irgendetwas fehlt ihr in der Beziehung zum gleichaltrigen Thomas.
Drei Jahre später lernt sie die lebensfrohe, unkomplizierte Kunststudentin Emma kennen (Lea Seydoux).
Blau ist eine warme Farbe, und so wird ihr als erstes ihre blaue Haarsträhne auffallen, bevor sie allmählich mehr Gefühle für die junge Frau entwickeln wird.
Wie unglaublich authentisch hier der Film jede Dialogzeile, jeden Blick, jede langsame Annäherung und jedes schüchterne Zurückweichen inszeniert ist so atemberaubend, daß es schwer fällt es in Worte zu fassen.
Jede einzelne Sequenz spigelt schon nicht mehr nur die Emotionen wider, sie macht sie zu unseren eigenen Empfindungen, läßt die Leinwanddistanz zwischen Adele und uns Zuschauern aufheben.
Eine unfassbare Leistung des Films in jeder Sekunde erspürbar zu machen, was für ein Gedanke jetzt der Protagonistin durch den Kopf geht.
Adele ist in in vielen Assoziationen, im empathischen Empfinden auch wir selbst.
Denn das Erspüren, das hoffnungsvolle Erflammen, das wilde Glück der Vereinigung, die langsam nicht begreifbare Entfremdung, der Schmerz über Verlust ist universelles Erleben von sicherlich jedem Zuschauer.
So ist uns Adele immer ganz nah, läßt uns eigene Liebes-Erlebnisse reflektieren.
Adele und Emma beginnen eine leidenschaftliche Liebesbeziehung voller erfüllter Erotik, inniger Verbundenheit über alle Grenzen hinweg.
Weniger erscheint mir Abdellatif Kechiche an der Tatsache der gleichgeschlechtlichen Liebe interessiert, die natürlich auch heute noch zumindest für Adeles Familie behutsam versteckt werden muß, mehr noch läßt der Regiseeur einfließen wie die Standesunterschiede und die verschiedenen Lebensperspektiven auch die grösste Liebe nachhaltig determinieren können.
Auf der eine Seite Elitebewusstsein der Kunstszene, der sich Emma angehörig fühlt, auf der anderen Seite Adele die ihren harten bodenständigen Job als Lehrerin jeden Tag meistern muß.
"Du solltest auch einmal anfangen deine Träume zu verwirklichen", mit dieser verbalen Grenzüberschreitung und Herabsetzung der Lebensrealität des geliebten Gegenübers beginnt die so schwebend ausschließliche Magie der Liebe ins Wanken zu geraten.
Das ist unglaublich bewegend, und erschütternd, zeigt doch Regisseur Kechiche vorher in selten gesehener Offenheit, bedinglunsloser Zärtlichkeit und lustvoller Verschmelzung wie tief die beiden Liebenden noch vor kurzem verbunden waren.
Eifersucht, Missverständnisse, betäubender tiefer Schmerz, gezeigt in jedem Zittern des Mundwinkels, jeder Träne, jedem verstörten Ausdruck.
Adele reagiert mit nagender Verlusangst.
Der Zauber der Verführung eingeholt von wenig erfüllenden Alltagssorgen um die Zukunft.
"ich habe mich so allein gefühlt", wird sie zitternd ihrer grossen Liebe Emma gestehen.
Doch es ist zwecklos. Die aus verletzten Gefühlen eingegangene kurze Affäre mit einem Kollegen wird ihre Beziehung in einer Kurzschlußreaktion fürs erste das Fundament entziehen..
Diese verbale letzte Auseinandersetzung, das Schreien, die plötzliche Erkenntnis der Aussichtslosigkeit, das Aneinander Vorbeireden, gegenseitige Beschuldigen zweier Menschen, deren Lebenswege mehr und mehr auseinanderdriften gehört zum schauspielerisch Spektakulärsten.
Realistischer kann man nicht spielen. Kann man hier noch von Darstellkunst sprechen ?
Diese Performance gerade der beiden Hauptdarsteller grenzt an Selbstaufgabe, ist an durchdringender erschütternder Wucht nicht zu überbieten.
Drei Stunden lang eine Tour de Force der Gefühle, ungefiltert, schonungslos, reissen sie den Zuschauer mit.
Jeder zarte Kuss, jede sexuelle Exstase, jede Berührung von Händen, Wangen, Mündern, jedes kleinste Erschauern auf sinnlicher Haut, wird nackt und unverstellt, berauschend, dann wieder unsagbar desillusionierend und traurig, wenn am Ende jedes Gefühl tot zu sein scheint, auf den atemlosen Zuschauer übertragen.
Die Liebe eine Himmelsmacht, und ihr Erlöschen die ewige Verdammnis.
Von nicht weniger handelt dieses Epos.
Unfassbar eindrucksvoll durch hunderte kleine Details werden die verschiedenen Charaktereigenschaften des Paares herausgearbeitet.
Die Künstlerin Emma , die selbstbewusst ihr Ziel eine grosse Bilderaustellung zu realisieren verfolgt, ihrer Karriere im Blick hat und dann die so menschlich unsichere, nach Liebe und Hingabe suchende Adele, die selbst noch nach Orientierung im Leben sucht, für einen kleinen Ausrutscher bitter bezahlen muß.
Wie stirbt eine Liebe? Mit den kleinsten scheinbar harmlosesten Verwerfungen.
Eine Künstlerparty Emmas bei der Adele mehr und mehr ins Abseits gerät, eher als Bedienung für die Gäste denn als gleichberechtigte Partnerin fungiert.
Hintergründig wird ihr demonstiert nicht unbedingt diesem scheinbar toleranten Gesellschaftskreis anzugehören.
Am Ende wird es wie ein höhnisch erschütterndes, unendlich trauriges, letztes bitteres Fanal ihr einst in grosser Intimität und Vertrauen gemaltes Aktporträt sein, das Emma zur bewunderten Künstlerin macht und das nun wie ein erstarrte Reliquie aus einer Zeit tiefster Verbundenheit von allen Besuchern seelenlos begafft und der Öffentlichkeit zur Schau gestellt wird.
"Blau ist eine warme Farbe" eben auch ein zutiefst desillusionierender und auch in letzter Konsequenz gnadenloser Film.
Wie so oft auch das wahre Leben keine Gnade oder zweite Chance auf ein Happy End kennt.
Fazit: Mit an Selbstaufopferung grenzender Wucht authentisch inszeniert, mit jeder Faser des Herzens vom Zuschauer erlebt und erspürt.
Wenige Filme gibt es die schmerzhaft die Herzen öffnen und gleichzeitig ob ihrer erhabenen Schönheit glückselig machen. Dieses einmalige Kinoerlebnis ist einer davon.
Vielleicht das Schönste, was das vergangene Kinojahr zu bieten hatte.
Wen wundert es, daß solche Poesie natürlich wieder einmal nur aus Frankreich kommen kann.
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am 18. Januar 2016
Ein super Film!
Hier hat man endlich was in der Hand, was man jungen Menschen empfehlen kann, die ihren Weg in der
Sexualität noch nicht gefunden haben.
Habe ich schon oft Bekannten empfohlen, sich unbedingt anzusehen.
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TOP 500 REZENSENTam 9. März 2014
Kaum war bekanntgegeben, dass der Film BLAU IST EINE WARME FARBE die goldene Palme auf den Filmfestspielen zu Cannes 2013 gewonnen hat, wurde bereits spekuliert, dass es sich um eine politische Entscheidung der Jury handeln muss. Denn in diesem Film steht eine lesbische Liebesgeschichte im Vordergrund. Und kurz vor diesen Filmfestspielen gab es in Frankreich Massenproteste gegen die eingeführte Homoehe.
Doch für den Regisseur Abdel Kechiche stand Homosexualität nicht im Mittelpunkt. Ihm ging es vielmehr die Klassenunterschiede in Frankreich zu zeigen und dass nur die wenigsten Menschen aus der unteren Schichten trotz großartiger Arbeitsleistung weder Anerkennung noch Akzeptanz bei der französischen Elite finden. Diese Diskrepanz zeigt Kechiche anhand von zwei jungen Frauen, deren Geschichte er über einen Zeitraum von mehreren Jahren erzählt.

Anfänglich ist die Welt der 15-jährigen Adele (Adele Exarchopoulos), die noch zur Schule geht, noch in Ordnung. Sie lernt einen sehr netten Jungen kennen und beginnt eine Beziehung mit ihm. Doch wohl fühlt sie sich nicht in dieser Beziehung und wird diese beenden. Zufällig begegnet ihr eine junge Frau mit blau gefärbten Haaren. Diese Frau geht ihr nicht mehr aus dem Kopf. Sie träumt sogar von ihr. Mit der Zeit begreift sie, was mit ihr los ist und muss sich eingestehen, homosexuell zu sein, was ihr zunächst sichtbar schwer fällt.
Es sind ein paar Jahre vergangen. Zufällig trifft Adele die junge Frau (Lea Seydoux), die Emma heißt und Kunst studiert, in einer Bar wieder und beide kommen ins Gespräch. Adele und Emma werden sich wiedersehen, verlieben sich ineinander und beginnen eine Beziehung.

Die Liebesbeziehung ist nur der Aufhänger für die auszuübende Gesellschaftskritik. So bekommt man nur sehr wenig vom Alltag dieser Beziehung zu sehen. Mehrere erotische Szenen, das gegenseitige Vorstellen bei den Eltern, ein Bild das Emma von Adele zeichnet und eine Party die Emma veranstaltet. Doch das Wenige macht den Unterschied der beiden Frauen deutlich, denn diese Szenen werden sehr ausführlich gezeigt. Emma stammt aus dem Künstlermilieu, Adele aus dem Arbeitermilieu. Hier werden zum Abendessen Austern gereicht, dort Spaghetti Bolognese. Als Adele Emma erzählt, dass sie einmal Kinder unterrichten möchte, bekommt sie nur ein müdes Lächeln als Antwort. Denn Emma möchte einmal eine erfolgreiche Künstlerin werden und nur Erfolg zählt für sie.

Kechiche erzählt die Geschichte mit einfachen, aber ausdrucksstarken Bildern. Ihm ging es auch darum die Gefühle beider Frauen dem Zuschauer deutlich zu vermitteln. So werden während aller Dialoge immer nur die Gesichter zu sehen sein, was gewöhnungsbedürftig ist. Und manchmal schwenkt die Kamera sehr schnell von einem Gesicht zum anderen.

Auch sind Kleinigkeiten zu beachten. Spaghetti Bolognese zum Beispiel, dieses so einfache Gericht, ist der Renner auf Emma’s Party. Ein leidenschaftlicheres Spaghetti Essen hat es bis dato in der Filmwelt noch nicht gegeben. Und das, obwohl Spaghetti eigentlich ein Essen der armen Leute ist.

Drastisch zeigt Abdel Kechiche den Gesellschaftsunterschied zwischen beiden Frauen auf. Er weiß, worüber er spricht. Denn als Kind tunesischer Einwanderer musste er sich auch nach oben arbeiten und Anerkennung finden. So prangert er die sogenannte französische Elite an, die kein Auge dafür hat, wie hart das Leben unter ihnen ist und diese Menschen dafür keine Belohnung erhalten, im Gegenteil. Das erfährt auch Adele.

Wieder sind ein paar Jahre vergangen. Beide Frauen leben mittlerweile zusammen. Emma hat ihr Kunststudium beendet und bereitet ihre Karriere vor. Sie möchte schnellen Erfolg. Für Adele, die jetzt eine Ausbildung zu einer Pädagogin macht, ist nicht mehr viel Platz vorhanden. Adele ist im Wesentlichen nur noch Modell für Aktbilder und Emma’s Haushälterin. Denn für die Drecksarbeit ist sich Emma zu schade.

Wenn Adele am Ende eine Vernissage besucht, auf der Emma ihre Bilder ausstellt, dann wird sie zwar freundlich empfangen, mehr auch nicht. Nur eine gebildete Frau mit sehr guten Manieren zu sein, reicht nicht, um Platz an der Seite der Elite zu finden. Für diese Menschen ist Adele nur eine Lehrerin. Doch sie ist eine Lehrerin, die Kindern Lesen und Schreiben beibringt. Ein erster Schritt und eine wichtige Voraussetzung für die Kinder, um etwas aus ihrem Leben zu machen. Doch dieser so wichtige Beruf findet bei der Elite keine Anerkennung. Diese Elite hat längst vergessen, dass auch sie mal eine solche Lehrerin benötigten, um das Lesen und Schreiben zu erlernen.

BLAU IST EINE WARME FARBE hat völlig zurecht die goldene Palme gewonnen, mit der zum ersten Male nicht nur der Regisseur, sondern auch die beiden Hauptdarstellerinnen ausgezeichnet wurden. Adele Exarchopoulos und Lea Seydoux überzeugen mit einer unglaublichen Performance. Bereits in den ersten beiden Stunden begeistern beide Schauspielerinnen. Doch in der letzten Stunde, in der die Beziehung in eine schwere Krise gekommen ist und beide einen minutenlangen Streit haben, ist ganz großes Kino. Wie sie in der Lage sind, Gefühle, wie Wut, Frust und Enttäuschung sehr authentisch zu zeigen, ist absolute Weltklasse.

BLAU IST EINE WARME FARBE ist mehr als nur eine einfache Liebesgeschichte. Es ist ein Film mit sehr viel Tiefgang, der die Eitelkeit der französischen Elite offenlegt. Chapeau Monsieur Kechiche!
22 Kommentare| 28 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 9. Januar 2015
Jeder Kunstinteressierte weiß: Blau ist keine warme Farbe.
Aber niemand weiß, was den deutschen Verleih dazu angetrieben hat, den französischen Film „La vie d'Adèle, Chapitre 1 & 2“. umzubenennen.
Der Titel lässt darauf schließen, dass die Geschichte irgendwann weiter erzählt werden muss.

Ein Moment an einer Ampel. Adèle (Adèle Exarchopoulos) , siebzehn Jahre alt, träumt in den Tag hinein.
Plötzlich sieht sie auf der anderen Straßenseite das Mädchen Emma mit den blauen Haaren (Léa Seydoux), den Arm liebevoll um ihre Freundin gelegt.
Sie gehen sie aneinander vorbei, ihre Blicke treffen sich, versenken sich ineinander - und Adèle bleibt stehen. Etwas ist mit ihr geschehen.

Abdellatif Kechiche, der französisch-tunesische Regisseur, ließ diese Szene gleich einhundert Mal drehen.
Das weiß man, weil beiden Hauptdarstellerinnen es, noch immer ein wenig fassungslos, erzählt haben, wie Überlebende eines Abenteuers, dass sie weit über ihre Möglichkeiten forderte.
Doch ihre Qualen waren nicht umsonst. Der Zuschauer spürt diese Intensität .
Der Film ist drei Stunden lang und doch in jeder Sekunde ein Trip zweier Seelen und zweier Körper, die sich nicht näher und bloßgelegter sein könnten, voll innerer Spannung.
Adèle erlebt ihre erste große Liebe mit gewaltiger Intimität.
Aber es sind erst die ersten beiden Kapitel im Leben der Adèle, die im großem Verlust enden.
Sie ist auf dem Weg zum Erwachsensein.

In Cannes, wo der Film wie eine Bombe einschlug, haben- erstmals Geschichte des Festivals - alle drei zusammen die Goldene Palme gewonnen: Die Hauptdarstellerinnen und der Regisseur- .
Schweiß, Tränen, Triumph - und die Erleichterung darüber, dass diese unglaubliche Selbstentblößung nicht zurückgewiesen wurde.
Aber das war Glück von Cannes sollte nicht lange halten.
Die beiden Schauspielerinnen, die fünf Monate lang die Wahrheit ihrer Körper und Seelen erforscht hatten, berichteten über diese ungewöhnlichen Dreharbeiten.
Die Autorin der Comicbuch-Vorlage, Julie Maroh, heizte die Debatte weiter auf.
Die amerikanische Filmkritik erregte sich über die langen, offenherzigen Liebesszenen.
Der Regisseur sah seinen Film beschmutzt, seine Ehre verletzt. Nur die Goldene Palme, erklärte er, habe ihn vor dem professionellen Ruin gerettet.

Mitten in einer Welt gefälschter Gefühle sucht der Regisseur nach einer möglichen Wahrheit.
Welche Rolle spielt der Zufall dabei, ob Menschen sich ineinander verlieben. Ziehen sich dabei nur die Körper an oder dringen wir wirklich dabei in die Seele des anderen ein?

Am Ende des Films, der chronologisch gedreht wurde, sind Emma und Adèle härter und illusionsloser geworden.
Der Blick Abdel Kechiches auf die Frauen und weibliche Lust ist höchst wissend und differenziert, geleitet von einem Klassiker der französischen Literatur, Pierre Carlet de Marivaux, "La vie de Marianne".

Zwischen den beiden Liebenden steht nach Aussage des Regisseurs auch der Abgrund der Klassengegensätzen, den sie nicht überwinden können.
Unter Adèles Mitschülerinnen regiert der zerstörerische Geständniszwang des digitalen Zeitalters, dem niemand entfliehen kann - genauso wie der Dimension des Andersseins, wenn wir die Masken, die wir tragen, endlich abreißen.

Der Film wird letztendlich vor allem davon getragen, was die beiden Hauptdarstellerinnen uns offenbaren:
z. B. wenn Adèle Exarchopoulos eine Szene spielt, in der sie ihre große Liebe Emma anlügt und die Angst in ihrem Blick sie dabei verrät;
oder die Sequenz, wo sie ohne rechten Grund, mit einem Mann fremdgegangen ist und von Emma verstoßen wird,
das alles hat eine erschütternde Kraft.

Die Extras, in denen die beiden Darstellerinnen und der Regisseur sich ausführlich äußern, lassen erkennen, dass, nach der großen Aufregung um den Film, die Kunst gesiegt hat.
Und das ist doch etwas! Ansehen und immer wieder staunen!"
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am 27. März 2016
Die Liebesbeziehung von Léa Seydoux und Adèle Exarchopoulos als Emma und Adèle ist sicher nicht jedermanns Sache.
Die einen mögen anmerken, dass die expliziten Sexszenen schon sehr vordringlich und direkt sind und nur wieder "Typen mit Ihren Phantasien" ansprechen. Homophobe werden sich den Film (leider) nicht ansehen oder nur darüber spotten. Homosexuelle mögen ihre eigene Meinung haben. Als allgemeine Vorlage für eine gleichgeschlechtliche Beziehung mag es sicher nicht dienen. Muss es aber auch nicht.

Doch ich denke das damit dieser Film schon sein Ziel erreicht hat.
Er regt zum Nachdenken an. Die schauspielerische Leistung von Adele und Lea ist einfach atemberaubend.
Sie sind beide mit einer solchen Hingabe und Leidenschaft dabei, ohne jemals trivial oder schmuddelig zu wirken.
Die 3 Stunden Film lassen auch genug Zeit, dass der Film die Beziehung in seinen Stationen gut darstellen kann ohne
überhastet zu wirken.
Die Story selbst ist glaubwürdig und lehnt sich nicht an klassischen Liebesfilmen mit gespielter Dramatik und Happy End an.
Der Zuschauer bleibt schließlich im Spannungsbogen zurück und stellt sich Fragen.
Wunderbar, wenn ein Film so einen Nachhall hat.
Nicht umsonst hat die Jury in Cannes (zu der auch Spielberg gehörte) im Besonderen die goldene Palme an diese beiden Schauspielerinnen verliehen.Ein bisher nicht dagewesener Vorgang.

Ich kann den Film offenen Menschen empfehlen, die eine Liebesgeschichte in dieser Art einfach mal begleiten möchten um danach etwas zum Nachdenken zu haben.
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am 9. Januar 2015
Ich habe in meiner Programmzeitschrift als Filmtipp ein Foto von Adele gesehen, so war das Interesse für den Film geweckt, obwohl das Thema Lesben-Liebe und dann noch die Überlänge des Films nicht meins waren. Dann war ich doch sehr überrascht ! Es ist ein typisch französischer Liebesfilm, viele Dialoge, viel Mimik, dazu eine wirklich in meinen Augen hübsche und super erotische Adele Exarchopoulos. Ich konnte mich an ihr nicht satt sehen, der offene Mund (hier viel beschrieben)..mir gefällt er. Ihr Ausdruck, Ihre Tränen, Ihre Romantik, Ihr Rotz...einfach klasse gespielt und sie sieht immer gut aus.
Das höchste Lob ist wohl : Die 3 Stunden vergingen schnell, der Film war spannend und er war real (auch wenn das vielleicht im Detail lesbische Frauen noch besser beurteilen können). Im Gegensatz zu Adele fiel Emma dann für mich aber sowohl optisch als auch schauspielerisch eher ab.
Die Sexszenen: Kleine Kinder sollten nicht im Zimmer sein, wenn sie laufen ! Selten eine solche Freizügigkeit in einem "Nicht-Porno" gesehen. Auch das ist ggf. typisch französisch. Kaum zu glauben, dass deutsche weibliche Jungstars wie z.B. Maria Ehrich oder Emilia Schüle (die mir für diese Rolle eingefallen wären) eine derartige Offenheit mitgemacht hätten. Hat mir erotisch gefallen, vielleicht ein bißchen too much....aber ich bin immer angetan, wenn es in Filmen mal "was anderes/neues" gibt.
Auch das Ende ist ein typisch französiches, ein irgendwie offenes...das ganze wirkt nicht wie ein Film, sondern das wahre Leben.

Ich würde mich freuen, wenn es eine Fortsetzung oder bald einen anderen Film mit Adele gibt, vielleicht dann mal eine hetero Liebesromanze?
4 Sterne statt verdienter 5 gibts deswegen : Ich weiß nicht, ob mir dieser Film mit einer anderen Hauptdarstellerin als Adele gefallen hätte, zweimal Typ Emma wäre wohl für mich nicht sehr interessant gewesen.
Klare Kaufempfehlung auf jeden Fall !
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am 25. Februar 2016
Der Film ist super. Adele ist anfangs verwirrt weiß nicht wer sie ist und was sie will und verzeifelt daran,bis sie auf Emma trifft...Es ist alles da der "Zauber vom Anfang" die berühmte "Liebe auf den ersten Blick" auch viele erotische Szenen die man in dieser Form gar nicht erwartet aber sehr echt wirken. Auch das die Darsteller wirklich sehr attraktiv sind im Ganzen absolut nicht's gestellt wirkt ist sehr gut beeindruckend. Nur eins hat mir nicht so gefallen...das Ende...da ich hier nicht zu viel verraten möchte sage ich nur schaut es euch an und entscheidet selbst :)
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am 16. September 2015
Der Film ist vielerlei,mal eine Kömödie, ein Drama, eine Charakterstudie, ein langer Film über das Kennenlernen, Magie und die Liebe, dabei ohne Langeweile, getragen von zwei außergewöhnlichen Schauspielerinnen, deren glaubhaftes Spiel unter die Haut geht und berührt. Zeitweise mit sehr erotischen Darstellungen, aber niemals nur voyeuristisch ausgelegt. Der Film bekam überschwängliche Kritiken und nicht umsonst wurden auch beide Darstellerinnen ausgezeichnet und das absolut zu Recht. Ein Film über die Frauenliebe, den sich auch mal beruhigt Paare oder Männer ansehen sollten.
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am 1. Mai 2016
Der Film heißt im Französischen "La vie d'Adele" was ja so viel heißt wie "Das Leben der Adele". Davon gibt es im Film ganz viel. Nur warum müssen wir das alles ansehen? Wir schauen Adele beim Essen zu, beim Schlafen, im Unterricht.... Mehr als einmal habe ich gedacht, Adele möchte doch den Mund beim Kauen schließen. Es ist absolut nicht notwendig all das in einem Film unterzubringen und diese ganzen Alltäglichkeiten machen ein Drama eben einfach nur langweilig. Zugegeben das alles ist hervorragend gespielt.

Ich denke wenn der Film wenigstens um die Häfte eingekürzt würde, wäre es ein fantastischer Film. In dem würde es dann um die Selbstfindung einer jungen Frau gehen, die ihre lesbische Seite kennenlernt und auslebt. Ich wiederhole mich gern: Es ist hervorragend gespielt!
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am 18. Januar 2014
Ich habe mich im letzten Jahr auf viele Filme gefreut und wurde oft enttäuscht. Bei diesem Film war es schwer ihn überhaupt zu sehen, da er trotz der Goldenen Palme nur in wenigen Kinos zu sehen ist (war), zu unrecht!
Ich gebe ja zu, nach dem was ich über den Film gehört und gesehen hatte haben mich auch die (lesbischen) Sexszenen ins Kino gelockt, aber die waren dann genau das, was ich im Kino eher uninteressant fand. Die geniale Leistung der beiden Hauptdarstellerinnen, dieses eintauchen in eine eigentlich fremde Welt, das leiden mit den Charakteren, Gefühlskino pur, ohne HFR, ohne 3D und 3 Stunden die gefühlt viel zu kurz waren. Nur eines mochte ich an diesem Film nicht, das Ende. Es war zu schnell erreicht und leider nicht das was ich Adele gewünscht habe, aber wie sagen die Franzosen "C’est la vie". Für mich ist dieser Film das absolute Highlight des sehr schwachen Kinojahrs 2013.
Aber eine Warnung möchte ich nicht vergessen, dieser Film hat mit Popcornkino nichts zu tun, den Kopf abschalten kann man hier nicht. Er ist Kunst auf höchstem Niveau mit den besten Jungschauspielern die ich seit Jahren gesehen habe. Viel Spass beim Anschauen...

Nachdem nun die ersten negativen Rezensionen einflattern und ich auch die Vorlage gelesen habe, muss ich unbedingt noch einiges Anfügen.
Der Film ist wirklich sehr nah am Buch angelegt und hier kann z.B. ein Hr. Jackson mal Nachhilfe nehmen, was man so aus 160 Seiten machen kann. Insbesondere das auf und ab der Protagonisten ist einfach toll in Szene gesetzt. Was hier in einer Rezi als Gummi dargestellt ist, macht es für mich gerade so Lebensnah und Phantastisch, ich kann mich noch gut an jene Zeiten erinnern in denen es mir haargenau genauso ging und nur ein Blick der Liebsten jeden Weg wert war. Wer dies als Gummi empfindet tut mir entweder Leid, weil er diese Achterbahn nie erlebt hat, oder ist Glücklich weil er als wahrscheinlich einziger Mensch der Erde die perfekte Liebe auf Anhieb gefunden hat. Kurz es ist halt wie das Leben, was eben auch fast nie ein perfektes Ende findet, wobei das Ende des Films noch besser wie das der Graphic Novelle ist...
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