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Kundenrezensionen

2,8 von 5 Sternen
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am 11. Juli 2014
Karl Ove Knausgård hat mit 18 Jahren das Gymnasium in Süd-Norwegen abgeschlossen und läßt sich für 12 Monate als Aushilfslehrer für eine Dorfschule im Norden anwerben (eine Praxis, die im Norwegen der 1980er wohl gängig gewesen ist). Im Gepäck hat er vor allem eine Menge großer Pläne: Schriftsteller werden, geregelte Arbeit vermeiden, sich den Freuden des Alkohols hingeben und endlich mal richtig Sex haben.
Kaum startet Protagonist Knausgård als Lehrer, springt der Autor Knausgård auch schon in die Vergangenheit des jungen Mannes und erzählt von seinen noch früheren Teenagerjahren, seiner Familie, seinen Besäufnissen, seiner Lieblingsmusik und seinen Lieblingsschriftstellern und scheint dabei auch nicht das kleinste Detail auszusparen. Das hier ein real geführtes Leben nahezu lückenlos nacherzählt wird, ist nicht nur kein Geheimnis, es ist Programm.

Natürlich scheiden sich bei Breite und Tiefe des Buches offenbar die Geister. Ich habe aber wenig Lust, über den so genannten Knausgård-Hype zu urteilen und über die literaturkritische Expertise von Iljoma Mangold zu spekulieren (der kürzlich "Leben" in der ZEIT rezensierte).
Tatsache ist: das Buch hat mir große Freude bereitet und ich mußte selbst ein wenig rätseln, was der Grund dafür gewesen ist. Denn natürlich läßt sich mit Recht feststellen, dass grob die Hälfte der Seiten nur einen geringen Informationswert besitzt. Der eher zielorientierte Leser wird schnell das Gefühl bekommen, hier mit unwichtigen Details gequält zu werden. Für mich verhielt es sich umgekehrt, denn dieses sehr umfassende Bild hat es mir extrem einfach gemacht, in das Buch "hineinzuspringen". Da wird viel an der Atmosphäre gebaut und dann, gewissermaßen darin eingewickelt, gibt's durchaus ebenso viel Substanz zu haben. K. hat mir eine fesselnde, facettenreiche und unvorhersehbare Geschichte geboten über einen recht orientierungslosen norwegischen Teenager, zugeschüttet mit Selbstzweifeln, ständig in irgendwen ver- und wieder entliebt, mit hochtrabenden und gleichzeitig nicht gänzlich unsympathischen Ideen darüber, was das Leben ihm bieten könnte. Und das alles irgendwo zwischen Bullerbü-hafter Sommerfrische, Nordlicht und Wodka-Seligkeit. Dazu ein bißchen DEF LEPPARD und Thomas Mann. Ewiges Kaffeetrinken rund um die Uhr. Sinnentleerte Dialoge mit dem alkoholkranken Vater. Außerdem ist es ja nicht so, dass der Karl Ove nicht schreiben könnte, was er uns z.B. zeigt, wenn er seinen Schulkindern vorliest:

"Als ich das Buch herausnahm und anfing zu lesen, rutschten sie von ihren Plätzen und setzten sich im Halbkreis vor mich, so machten sie es immer, sie mussten es sich in der ersten oder zweiten Klasse angewöhnt haben. Mir gefiel das, ich hatte das Gefühl, als würde ich ihnen so etwas wie Herzlichkeit und Geborgenheit vermitteln können [...]. Mit leeren Augen saßen sie da und hörten den orientalischen Märchen zu, fast in sich gekehrt, als säßen sie vor dem Brunnen ihrer Seele, mitten in der Wüste ihrer Sinne [...]. Dass man sich kaum eine Welt vorstellen konnte, die ferner war - sie saßen am Rande der Welt, in vollkommener Dunkelheit und eisiger Kälte -, spielte für sie keine Rolle, das alles ging in ihrem Inneren vor sich, dort spielte sich alles ab, dort was alles erlaubt." (S. 495/496)

Nach dieser Erfahrung werde ich nicht gleich den Rest seiner Bücher manisch abarbeiten, doch ich muss definitiv sagen: Das Buch hat mir allerhand gegeben, was wert war, gelesen zu werden.
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am 28. Januar 2016
Vorneweg darf ich sagen, dass das Buch wirklich Perlen der Sprache enthält. Dies entschädigt für einiges, zu erwähnen vor allem sein Exkurs zur Liebe, wo er im nächsten Absatz zur Gegenwart des Autors springt.
Aber das Buch ist über grosse Strecken einfach langweilig, es kotzt an, seitenweise über Saufgelage zu lesen. Klar ist, das Buch bewegt. Und das ist durchaus auch ein positiver Aspekt des Buches, dass sonst eher eine triste und negative Stimmung verbreitet. Je mehr Seiten ich las, desto mehr widerte mich der Autor an.
Ich werde das Buch weder ausleihen noch verschenken. Am besten markiert man sich die Perlen, lässt es verstauben und liest nach einer gewissen Zeit wieder die schönen Zeilen durch. Und nur diese.
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am 19. Juni 2015
Ich mag den Schreibstil von Knausgard ganz gerne und hab bisher alle Bücher von ihm gelesen (Lieben, Sterben, Spielen, Leben). Er hat sein eigenes Tempo, was mir ganz gut gefällt, womit aber nicht jeder was anfangen kann. Spannung darf man sich bei ihm einfach nicht erwarten. Man hört ich eigentlich beim Denken zu, während man liest und das ganz bisweilen langatmig werden. Aber ich mag das ganz gerne, holt einen einfach etwas aus dem Treiben des Alltags zurück. Aber Leben war sogar mir zeitweise etwas zu kaugummiartig. Vor allem verliert er sich in seinem Suff zunehmend und viele seiner Gedankengänge sind mit Alkohol durchtränkt. Schade, die drei ersten Bücher waren literarisch wesentlich anspruchvoller und angenehmer zu lesen. Bin am Überlegen, ob ich mir das neue Buch "Träumen" überhaupt noch antun sollte. Der Vollständigkeit halber werde ich es aber vermutlich auch noch lesen.
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am 27. Juni 2017
Ich muß voraus schicken, daß ich nicht nur eine Freundin großer Detailgenauigkeiten bin, sondern auch (Auto-)Biographien und Lebensgeschichten grundsätzlich sehr mag. Somit habe ich die ersten drei Knausgardschen Bücher sehr gerne gelesen und war fasziniert von den sehr offenen und detaillierten Beschreibungen. Auch fand ich sein Leben durchaus erzählenswert: der überaus autoritäre, geradezu angsteinflößende Vater, die riesigen Selbstzweifel, die Kindheit, die zwischen großer Freiheit (Natur) und häuslicher Enge schwankt, schließlich und vor allem seine ausgesprochene Sensibilität mit der er seine Ehe und seine Vaterrolle beschreibt und natürlich auch den Tod des Vaters und das Verhältnis zu seinem Bruder.
Was allerdings in Band 4 vor sich geht, ist einfach nur haarsträubend widerwärtig, unreif und unglaubwürdig. Wäre das mein erster Knausgard gewesen, ich hätte ihn rasch zugeklappt und kein weiteres Buch mehr von ihm gelesen.
Im Gegensatz zu den drei vorigen Büchern habe ich das Gefühl, hier hat sich jemand ausgekotzt (und zu oft im wahrsten Wortsinne) und sich an einem „Coming of age“- Roman (?) versucht, um eine Art Männlichkeit aufzubauen, die er vielleicht glaubte als Gegengewicht zu den sehr freimütigen Bekennungen zum „Femi“-Sein und zu „nah am Wasser gebaut“-Habens der Welt mitteilen zu müssen.
Alles das, was den Zauber seiner vorigen Bücher ausmachte, scheint in Band 4 bis auf in wenigen Passagen komplett verschwunden: die sensible Detailgenauigkeit, die einfache, aber wohlausgesuchte Sprache, die Art des Nicht-Wertens und –(Be)Urteilens und die Offenheit, ohne andere bloßzustellen oder zu verletzen.
„Leben“ hingegen scheint mir eher schnell und lieblos zusammen geschrieben, ausgesprochen blutleer, als müsse er den nächsten Bestseller raushauen, so lange der Markt noch heiß auf ihn ist und der Inhalt ist so banal auf Saufexzesse, Filmrisse, endlose Flirts und einer wirklich widerlichen Einstellung zu Mädchen und Frauen (totales Reduzieren auf Sexualobjekte) komprimiert worden, daß man einfach nur noch den Wunsch hat, das Knausgarsche Universum so rasch wie möglich wieder zu verlassen.
Emotionen werden nur selten beschrieben, nie gibt es Szenen wirklicher Vertrautheiten oder gar wertvolle Gespräche. An Mädchen interessieren ihn nur die äußeren Geschlechtsmerkmale, nicht was sie denken, nicht was sie fühlen. Aids (damals ein hochbrisantes Thema) kommt überhaupt nicht vor. Wir erfahren zwar, was er liest und welche Musik er hört, doch es gibt keinerlei Bezug zu seiner emotionalen Welt. Es gibt keinerlei innere Entwicklung. Die Aneinanderreihung von Namen der Schülerinnen und Weggefährten, in der er verliebt (???) ist, langweilen einen zu Tode. Seine Alkoholexzesse werden ohne jede Art von Selbstkritik oder Reflexion zu einem dauerabgenudelten Thema ohne irgendeinen Bezug zu seiner Kindheit (der Vater!) und auf abstoßende Weise beschrieben, ohne daß man erkennen könnte, warum man das alles erfahren muß. Alles scheint austauschbar. Es gibt auffallend viele Brüche, schlampige Ausdrucksweisen und auch (interessant) jede Menge Rechtschreibfehler. Hier schreibt keine ehrliche Stimme sich die Seele aus dem Leib, um seine Dämonen auszutreiben, hier dreht sich einer in falsch verstandenem Heldentum (Ja, auch ich habe mir mal in klassischer Weise die Hörner abgestoßen…seht her!) um sich selber. Es fehlt schlicht und einfach überall die Substanz und am Ende bleibt man mit der Erkenntnis zurück: Dieses Buch war reine Zeitverschwendung.
Ich hätte mir auch gerne den Schluß erspart, denn dieser Gipfel an Widerwärtigkeit, Sexismus und Vulgarität hat mich richtig wütend gemacht. Ich habe das Gefühl, daß dieser Band mir das interessante Lese-Erlebnis seiner Bücher verdorben hat.
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am 29. Juli 2016
In diesem vierten Band seines Lebensprojektes schreibt Knausgård über seine Zeit als pubertierender 16-18-jähriger. Nach dem Abitur arbeitet er für ein Jahr als Hilfslehrer in einem abgelegenen Fischerdorf in Nord-Norwegen. Diese Zeit bildet die Rahmenhandlung des Romans und wird durch zahlreiche Rückblenden in sein Leben als 16/17-jähriger in Kristiansand und anderen Orten Süd-Norwegens unterbrochen. Karl Ove lebt seine Egozentrik voll aus - ohne jede kritische Distanz schildert Knausgård die Weltsicht und die Gefühle eines Jugendlichen. Das ist manchmal anstrengend, aber ehrlich: alles dreht sich um Karl Ove, alle anderen Menschen sind nur für ihn da, hemmungslos tritt er auf ihren Gefühlen herum und nutzt sie aus, ist selbst aber aufs äußerste empfindlich; mit jedem Mädchen will er ins Bett, gelingt es ihm, hat er einen vorzeitigen Erguss - kann natürlich nicht darüber reden und beendet lieber die Beziehung. Bezeichnenderweise ende das Buch mit seinem ersten erfolgreichen "Vollzug".
Und Karl Ove säuft, häufig bis zum Filmriss, was ihn aber nicht davon abhält es immer wieder zu tun. Der Raum, den das Saufen in dem Roman einnimmt (ca. 25% des Textes drehen sich um alle Varianten des Alkoholkonsums und seiner Folgen) nervt schon manchmal. Weitere Themen sind seine ersten Versuche als Musikjournalist und Schriftsteller und natürlich der Konflikt mit dem Vater, der in diesem Buch aber nur eine Nebenrolle spielt.
Nicht so stark wie "Spielen" oder "Lieben" aber immer noch lesbar als Selbstinszenierung einer Mittelstandsjugend in einem reichen Land.
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am 26. April 2017
Dieses Buch ist meiner Meinung nach extrem langweilig. Das ist meine subjektive Meinung.
Kapitel- und rücksichtslos langweilig :-).
Bei Seite 450 angekommen habe ich noch immer gehofft, es offenbart sich etwas.
Seitenlanges Beschreiben seiner Saufgelage bzw. seiner "Ver- und Entliebungsszenen",
belanglose Inhalte der Gespräche mit seinem Vater... Am meisten hat mich noch die
Geduld seiner Mutter fasziniert. Also immerhin etwas.

Ich vermute, dass unsere "Big Brother - Glasmenschgesellschafft" so etwas einfach honorieren muss, namentlich
mit etlichen wichtigen Literaturpreisen. Frei nach dem Motto: "Geil, du erzählst ja echt ALLES von dir." Das kommt heutzutage
schon gut an und ist an der Tagesordnung, mit Google und i-cloud.
Ich gönne Herrn K. allerdings, dass ihm das Schreiben offenbar gute Laune bereitet. Das ist doch schön.
Es ist allerdings möglich, dass ich den Zugang zu diesem Buch einfach nicht finde. Darauf muss mich niemand in einem Kommentar
meiner Kritik hinweisen.
Wie dem auch sei, die anderen 5 Teile seines Lebens
werde ich mir sicherlich ersparen. Nein danke.

Macht eure Erfahrungen. Ich finde dieses Buch ungeheuer langweilig, kaltherzig geschrieben und flach wiedergegeben. Dafür jedoch ziemlich dick ;)
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"Ein Gefühl von Freude stieg in mir auf, aber nicht die Art von Freude, die mit Hellem, Leichtem und Unbekümmertem zu tun hat, nein, diese Freude hatte eine andere Qualität, und wenn sie auf die Melancholie und die Schönheit der Musik und der Welt traf, die um mich herum starb, glich sie dem Kummer, dem schönen Kummer, dem Liebekummer - Schönes und Schmerzvolles in einer unmöglichen Verbindung. Eine geradezu wilde Sehnsucht nach Leben entsprang diesem Gefühl: danach, diesem Dasein zu entkommen, danach, das Leben dort zu suchen, wo es wirklich gelebt wurde, in Großstadtstraßen, unter Wolkenkratzern, auf glitzernden Festen mit schönen Menschen in fremden Wohnungen. Danach der großen Liebe und all dem, was damit verbunden war, zu begegnen - und dann die Einwilligung, die Erlösung, die Ekstase."

Wenn man diese Zeilen des Protagonisten mit Namen Karl Ove Knausgård nach ca. einem Drittel (S. 239) des über 600 Seiten eng bedruckten Buches liest, liegt darin der Grundtenor des gesamten Textes. Der vierte Band seines monumentalen Lebenswerkes mit dem bedeutungsschwangeren Originaltitel "Min Kamp" steigt hinab in die Zeit des 16- bis 19-jährigen norwegischen Autors. Eine Zeit, die von Aufbrüchen geprägt ist, von Verlustängsten, vom Sich-Finden, Sich-Definieren, den ersten Kontakten zum anderen Geschlecht, von Sexualität. "Wer ist man, wenn man nicht weiß, wer man ist? Wer ist man, wenn man sich nicht daran erinnert, wer man gewesen ist?", ruft er fast verzweifelt aus.

"Leben" setzt ein mit der Ankunft des 18-jährigen Karl Ove, der sein Abitur in der Tasche hat und aus dem Süden, aus Kristiansand, an die Küste Nordnorwegens, in eine 250-Seelen-Gemeinde, nach Hålfjord, an den "Rand der Welt", gekommen ist, um dort für ein Jahr als Aushilfslehrer sein erstes eigenes Geld zu verdienen und seinem Ziel - Schriftsteller zu werden - klare Wege zeichnen will. Ganz bewusst bricht er aus dem gewohnten Raster aus und entscheidet sich für eine "nicht ganz stromlinienförmige Art" des Lebens. Ganz wie seine literarischen Vorbilder, sei es aus Ingvar Ambjørnsens "Weiße Ni-er", J.D. Salingers "Der Fänger im Roggen" oder Charles Bukowskis "Der Mann mit der Ledertasche", verabscheut auch er Bürgerlichkeit, sucht die Freiheit, betrinkt sich, liest, hört gute Musik und träumt von der großen Liebe oder dem großen Roman. Karl Ove trägt diese große Sehnsucht von einer autonomen Selbstbestimmung tief in sich. Hier im hohen Norden, wo es im Sommer nicht dunkel wird, der Winter im Gegenzug alles unter dem fehlenden Sonnenlicht zu erdrücken scheint, erfährt er seinen entscheidenden Schritt zur Persönlichkeitsreife: indem er Verantwortung trägt für seine, wenn auch nur wenigen Schüler und für sein Tun und Lassen, das in einem so kleinen, nahezu isolierten Ort, mit Menschen, die ihre schrulligen Eigenarten zumeist mit Alkohol frönen und einen anderen Humor haben, wie die anonyme Masse seiner Heimatstadt.

Kar Ove eröffnet eine neue Unterabteilung in seinem Leben: "'Suff und Hoffnung auf Hurerei' hieß sie und lag direkt neben der Abteilung für 'Einsicht und Innerlichkeit', getrennt nur durch eine kleine, gartenzaunartige Persönlichkeitsänderung." Und daran lässt er den Leser mitunter minutiös teilhaben. Doch kein Feuerwerk an stilistisch ausgefeilten Sätzen, an tiefsinnigen Gedankenkaskaden und philosophischen Betrachtungsweisen springt aus den Zeilen des Romans, sondern es ist eher ein erzählendes Teilhaben. Das mag mitunter ermüden, aber dem Autor gelingt es trotzdem immer wieder, durch kleine Leuchtfeuer einen Ruck durch den Text zu schicken. Wirkungsvoll schafft er Verzweigungen und Verbindungen, holt aus dem Unterbewusstsein seiner Gedanken unterschiedlichste Erinnerungen hervor: die Scheidung seiner Eltern, der zunehmende Alkoholismus seines Vaters, die mit zunehmenden Ängsten verbundenen sexuellen Kontaktversuche zum anderen Geschlecht, die stets in einem Fiasko enden, da er unter vorzeitiger Ejakulation leidet.

"Wir leben unser Leben nicht allein, doch das bedeutet nicht, dass wir diejenigen sehen, mit denen wir zusammen leben.", sinniert Karl Ove. In seinem Text scheint er dies "wiedergutzumachen". Denn gerade die auf den ersten Blick nur skizzierten Porträts seiner Figuren zeichnen sich auf den zweiten durch eine pointierte Charakterisierung aus. Knausgård ist ein feiner Beobachter menschlicher Regungen. Seine Selbstreflektionen zeugen zudem von einer tiefen inneren Auseinandersetzung mit sich selbst und lassen die zuweilen wüsten Ausschweifungen in einem milden Licht und seinen Protagonisten als einen durch und durch sympathischen Typ erscheinen, dessen "Selbstfindungsjahr" in der stillen Ungestümtheit ihn deutlich prägt. "Ich hatte mich verändert, es war mein Leben, das sich mit voller Kraft voraus bewegte." Die literarischen Erfolge scheinen dem Autor gleichfalls recht zu geben.

Fazit: "Es gab dieses Licht, geheimnisvoll unter den Menschen und den menschlichen Dingen, voll von einer fein geschliffenen Dunkelheit, die sich in diesem Licht ausbreitete, es aber nicht in Besitz nahm oder bezwang; die Dunkelheit ließ es lediglich gedämpfter oder matter erscheinen und schimmerte rein und klar weit oben am Himmel." Karl Ove Knausgård schweift in seinen autobiografischen Erinnerungen ab, weiß aber auch zu pointieren. Er erzeugt Stille und Brausen, manchmal feinsinnig und subtil, dann wieder ungestüm und sehr direkt, hier ausufernd und detailliert, da ernst und knapp. Melancholisch, schwermütig, gewaltig oder profan berichtet der norwegische Schriftsteller von den Rissen der Vergangenheit, "vom Leben mit seinen kleinen Ausschlägen in die eine oder andere Richtung", alles eingefangen und verstärkt durch die Kraft der Literatur. Ob das nun wirklich auf über 600 Seiten sein muss... Da bin ich mir im Moment noch nicht ganz schlüssig.
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am 9. Juli 2017
Nachdem ich dem Hype um den Schriftsteller Knausgard erlegen bin und „Spielen“, „Leben“ und „Träumen“ gelesen habe, habe ich in allen drei Büchern schöne Landschaftsbeschreibungen Norwegens gefunden, doch ist für mich „Spielen“ eindeutig das beste.

Hingegen ist „Leben“ mE das Schwächste in dieser Reihe:
Karl Ove debütiert mit 18 Jahren als Lehrer (wofür er wahrscheinlich ganz begabt ist), aber hauptsächlich geht es darum, dass er zu schnell zum Orgasmus kommt und um Alkohol.
Insofern lassen die vielen Tippfehler im E-Book den Schluss zu, dass auch das Lektorat des Komasaufens bereits überdrüssig war...

Knausgard sieht sich als Kreuzung von Bukowski und Hamsun. Während er jedoch - zumindest was den Alkoholkonsum betrifft - Bukowski ziemlich nahe kommt, verfehlt er Hamsun (auf alle drei Bücher bezogen) um ca. 1.500 Seiten.
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am 2. November 2016
Siehe meine Rezension zum Band SPIELEN, die auch für dieses Buch gilt, da es sich um eine fortlaufende Reihe handelt.
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am 9. Juli 2014
Der eine ist nach wenigen Seiten gelangweilt, der andere, in dem Fall ich, schlägt das Buch beiläufig in der Buchhandlung auf und kann nicht mehr aufhören zu lesen. Die ersten etwa zwanzig Seiten im Stehen in der Buchhandlung, dann weiter in der U-Bahnhaltestelle, in der U-Bahn und bis in die Nacht zuhause usw. Ich habe den Roman anschließend zwei nahestehenden Personen gegeben und muss sagen, so schnell kriegt man kein Buch wieder zurück; denn in wenigen Tagen hatten sie es durch und kamen begeistert an, um drüber zu reden. Knausgard ist nicht selbstverliebt, Knausgard ist schonungslos sich selbst gegenüber, womit man umgehen können muss, da man sich nicht selten gegenüber sich selbst ertappt fühlt. Wo andere aufhören, geht es bei ihm erst richtig los. Hinzu kommen Passagen, die einen einfach packen müssen, da sie so eindringlich beschrieben sind, wie etwa sein "Bewerbungsgespräch" bei der Zeitung, die er einfach spontan aufsucht, oder gleich am Anfang, wo er darlegt, dass es in allen Büchern, die ihn geprägt haben, eigentlich immer um dasselbe ging, um junge Männer, die sich in der Gesellschaft nicht zurechtfanden und mehr vom Leben wollten als nur Routine und Bürgerlichkeit, sondern Freiheit, Reisen den Traum von der großen Liebe, die große Sehnsucht, die beim Lesen dieser Bücher, die alle genannt werden, verschwand, um anschließend in zehnfacher Größe wieder zu kommen. Achtung, so könnte es auch dem Leser ergehen.
Dabei passiert nicht einmal so vollkommen Außergewöhnliches in diesem Roman, aber gerade das wird zum Ereignis, weil die Harangehensweise des Protagonisten an das Leben außergewöhnlich ist und es so stets eindrücklich um den Level geht, der üblicher Weise verschüttet ist oder nicht erreicht wird. Die Vergleiche mit Kerouac, Salinger, Bukowski oder Selby sind daher durchaus statthaft, auch die frühen Djians oder Peter Schneiders Lenz fielen mir beim Lesen ein.
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