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Kundenrezensionen

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Das Buch von Dirk Laabs und Stefan Aust zum Thema Nationalsozialistischer Untergrund und die Rolle des Staates ist sehr schwere Kost. Die Sprünge zwischen den Protagonisten und die große Anzahl der im Buch genannten Personen tut ihr Übriges. Der chronologiosche Verlauf hilft da nicht wirklich.
Sätze wie "Schlecht recherchiert," oder auch der Hinweis auf die vielen Fehler im Buch rücken das Werk in eine Ecke wo es nicht hingehört. Oftmals ist in dieser Kritik zwischen den Zeilen die Begrifflichkeit "System- oder Lügenpresse" fast greifbar. Viele vergessen aber schlicht den Umstand wo sich diese Recherche abspielte. Zum großen Teil in Bereichen staatlicher Institutionen, in geschwärzten Akten und Untersuchungsausschüssen die sich mit dem NSU auseinandersetzten. Die Landesämter für Verfassungsschutz spielen dabei eine unrümliche Rolle. Man hat den Eindruck es gehe in erster Linie um Verschleierung und nicht um Aufklärung der Sachverhalte. Das ist der eigentliche Kern des Themas: Die fragwürdige Rolle von Verfassungsschützern und auf den verschiedensten Ebenen der Polizei.

Nach der Lektüre des Buches ist man geneigt von einer "Parallelwelt" zu sprechen. Es gibt Passagen im Buch die einem den Glauben an den Rechtsstaat verlieren lassen. Verbeamtete Rechtsradikale, Klu Klux Khan Strukturen innerhalb der Polizei und Verfassungsschützer zur Tatzeit am Tatort wie im Fall Yozgat in Kassel, ließen mich ein ums andere Mal das Buch zur Seite legen. Von grob fahrlässig verursachten Ermittlungspannen, falscher oder gar keiner Dokumentation von Zeugenaussagen und mangelhafter Beweissicherung an Tatorten ganz zu schweigen.
Noch schlimmer ist aber der Umgang der verantwortlichen Stellen damit. Keinerlei disziplinarische Folgen für die betreffenden Polizisten sind da nur die harmlosere Art des "Nichtumgangs". Hessens jetziger Ministerpräsident Bouffier gab seinem Verfassungsschützer Temme als zuständiger Innenminister die Rückendeckung und verhinderte eine Aussage des Beamten um Zitat: "Die Ermittlungen nicht zu gefährden".

Das Buch beschreibt über einen sehr langen Zeitraum den Umgang der Behörden mit Rechtsextremisten, deren Symphatisanten und Unterstützern. Wobei Letztere auch zum Kreis der V-Leute gehörten. Auch das spiegelt das Bild dieser "Parallelwelt" wieder. Wegschauen war da die harmlosere Art des Umgangs mit den "Vetrauenspersonen". Die Regel waren Förderung durch finanzielle Mittel, Handys oder auch Fahrzeuge. Die Nichtverfolgung von Straftaten eingeschlossen. In den meisten Fällen waren die "V-Leute" der verschiedensten Dienste sehr nahe am Geschehen und auch dies hat die Serie nicht verkürzt(was man sich eigentlich wünschen würde), sondern im Gegenteil, vermutlich jahrelang getragen. So sind auch die diversen Schredderaktionen in den Ämtern quer durch die Republik zu erklären. Was nicht mehr ist kann nicht nachgewiesen werden. Auch das hilft nicht bei der Recherche. Die eigenen "Interessen" und das "Schützen" von sogenannten Quellen verhindern den Austausch von Information zwischen den Verfassungsschützern und den Ermittlungsbehörden. Dabei sind auch Kapitalverbrechen wie Mord kein Grund Informationen über Quellen offen zu legen. Das ist ein Umstand der "Normalen Bürgern" so nicht vermittelt werden kann. Dafür gäbe es auch keine Akzeptanz.

Die Quintessenz aus der Geschichte rund um den NSU ist die Diskussion um die Rolle der Geheimdienste. Leider findet das bei uns so gut wie nicht statt. Dabei ist das nicht das erste Mal das Geheimdienste, im Speziellen der Verfassungsschutz, dabei aus dem Ruder laufen. Man denke nur an die umrümliche Rolle des V-Mann Führers Grünhagen im Falle des ermordeten Studenten Schmücker am 5 Juni 74 in Berlin. Oder auch das unter dem Namen "Celler Loch" gefakte Sprengstoffattentat, das im Jahre 1978 im Rahmen der Aktion "Feuerzauber" ein Loch in die Aussenmauer der JVA Celle sprengte.
Die Erstarkung rechtsgesinnter Strukturen und Gruppierungen in Ostdeutschland begann nicht erst mit der Bildung der AfD. Schon vor dem Mauerfall gab es rechtsradikales Gedankengut in der DDR. Das wurde lange ignoriert, bzw. "Zur Kenntnis" genommen. Auch nach der Wende war das kein großes Thema. Man ließ die Rechten gewähren. Rechte Gewalttaten wurden heruntergespielt und erkennbare Strukturen verharmlost, bis heute.

Das Buch "Heimatschutz: Der Staat und die Mordserie des NSU" ist eine niedergeschriebene Aufforderung an unsere Politiker sich das Zepter nicht aus den Händen nehmen zu lassen. Es kann nicht sein das von einer Behörde dieses Staates unter dem Deckmantel der "Informationsbeschaffung", bewusst Straftaten bis zu Mord in Kauf genommen werden. Der Verfassungsschutz gehört klar unter parlamentarischer Kontrolle. Eine vorbehaltlose Kooperation zwischen allen Ermittlungsbehörden ist nicht nur angezeigt, sondern zwingend notwendig. Alles andere birgt zuviele Risiken für unsere Gesellschaft.

Weiterführende Literatur zum Thema:

Verena Becker und der Verfassungsschutz
Schmerzliche Heimat: Deutschland und der Mord an meinem Vater
Der Lockvogel: Die tödliche Geschichte eines V-Mannes zwischen Verfassungsschutz und Terrorismus
Auf dem rechten Auge blind: Die braunen Wurzeln des BKA
Oktoberfest - Das Attentat: Wie die Verdrängung des Rechtsterrors begann (aktualisierte und erweiterte Neuausgabe 2016!)
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am 14. Juli 2017
Sehr interessant und trotzdem schwere Kost, ich bin noch gerade am lesen.ich halte mich eigentlich für ein aufgeklärten Menschen, gerade zum Thema"staatschutz"etc.aber ich bin entsetzt über die Geschehnisse, in meinem Augen ist das Buch, Pflicht Lektüre
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am 29. August 2014
Dieses Buch gibt einen guten Einblick in die Arbeit der Inlandsgeheimdienste in Deutschland. Selbstverständlich gibt es in dem Buch keine Information, die gegen den Willen der Dienste aufgenommen worden wäre. Dennoch sehr lesenswert
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am 29. Juni 2014
Sicherlich ein wichtiges Buch, und erschreckend. Aber leider maessig geschrieben und nicht sehr anregend zu lesen. Ein gutes Buch darueber, was die NSU fuer das vereinte Deutschland bedeutet - und warum sie so wenig oeffentlichen Widerhall findet! - steht noch aus!
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am 18. Juli 2014
Ganz unabhängig von der inhaltlichen Seite, habe ich mich beim Lesen über viele Rechtschreibnachlässigkeiten und sonstige Fehler gewundert. Insofern wird das Buch dem hohen Qualitätsanspruch, den es an die Arbeit anderer hat (Polizeidienststellen, Geheimdienste etc.), selbst nicht immer ganz gerecht. Trotzdem ist es aufs Ganze gesehen informativ und fesselnd zu lesen, auch wenn es eindeutig davon profitiert, daß man, vereinfacht gesagt, hinterher eben immer schlauer ist.
Zumeist sind es Kleinigkeiten die auffallen: Ein Zeuge vor dem Untersuchungsausschuss, der auf ein und derselben Seite (804) einmal Peter Fritsche, dann wieder Klaus-Dieter Fritsche heißt (letzteres ist richtig), der Name eines maßgeblichen Staatsanwalts, der falsch widergegeben wird. Auf Seite 861 wird der Leiter der Heilbronner SOKO Parkplatz als "Frank Hubert" vorgestellt, obwohl er an anderer Stelle im Text richtigerweise Frank Huber genannt wird. Hinzu kommen schlichte Druck- und Wortfehler (auffällt statt aufhält) oder verlorengegangene Worte, die nicht so recht zur akribischen Recherchearbeit passen und den Lesefluß hemmen. Auf Seite 708 wird berichtet: "Belegt scheint auch, dass Kiesewetter und Arnold einige Männer in der Nähe des Neckars kontrolliert haben und über Funk deren Daten haben" (gemeint sicher: abgefragt haben). Derartiges ist leider an mehreren Stellen der Fall.
In einigen wenigen Passagen ist die Textaussage schwer verständlich und erst nach mehrmaligem Lesen (oder auch gar nicht) zu erschließen. Beispiel Seite 745: "An den Tatwaffen finden sich keine DNA-Spuren von Böhnhardt oder Mundlos, was nicht nur der großen Hitze des Brandes geschuldet ist. Denn an der Waffe, mit der auf Arnold geschossen wurde, finden sich sehr wohl Fragmente von DNA-Spuren. Allerdings sind es Spuren von über 2000 Menschen. Wie das möglich ist, scheint noch nicht geklärt zu sein". Was sind Spuren von über 2000 Menschen? 2000 verschiedene Spurenverursacher? Oder kommen 2000 Personen als Spurenleger in Betracht?? Ist es noch nicht geklärt? Oder scheint es nur so, oder wissen es Aust und Laabs einfach nicht??

Etwas penetrant fand ich die Tendenz, alles was den Autoren unklar oder unbekannt geblieben ist, ins Rätselhaft-Mystische zu entrücken. Dass sich beispielsweise Zeugen in ihren Aussagen widersprechen, sich oft sogar ein und derselbe Zeuge mit entsprechend zeitlichem Verzug abweichend erinnert, ist geradezu eine Binsenweisheit und sicher nicht als geheimnisumwittert zu werten. Zu häufig und tendenziös wird m. E. mit dem journalistischen Mittel des Fragezeichens gearbeitet, auch wenn ich nachvollziehen kann, dass man, läßt man sich auf diese vertrackte Thematik ein, früher oder später dazu übergeht, alles und jeden in Frage zu stellen.

Schließlich stört, daß die Autoren, die sich auf vielen Seiten scheinbar fachkundig über die Güte polizeilicher Ermittlungsarbeit auslassen, offensichtlich noch nicht einmal den Aufbau der Polizei-/Beamtenlaufbahn in Baden-Württemberg - mit ihrer Gliederung in den Mittleren Dienst, Gehobenen Dienst, Höheren Dienst - kennen. Mehrfach ist davon die Rede, daß nach einer Fortbildung (Telekolleg) der Aufstieg vom Mittleren in den Höheren Dienst angepeilt werden könne, was so nicht zutrifft.
Geradezu lächerlich erscheint in diesem Zusammenhang schließlich ein Satz wie dieser:
"Um 14 Uhr 18 meldet eine Polizistin über Funk, ohne dass sie ihren Namen angibt oder dass ein Notarzt vor Ort wäre, dass eine Kollegin tödlich getroffen ist".
In den Umstand, dass die Beamtin am Funk ihren Namen nicht nennt, ist nun wirklich nichts "hineinzugeheimnissen". Im Gegenteil: nachdem Einrichtungen wie Polizei oder Feuerwehr bekanntermaßen mit Funkrufnamen operieren, wäre es geradezu auffällig, hätte die Beamtin am Funk - quasi wie am Telephon - ihren Namen genannt! Die Autoren lassen daraus aber schon fast eine Art anonyme Mitteilung werden.

Nichtsdestotrotz: das unbestritten eindrucksvolle Werk ist, weil es einen sehr guten Überblick und hervorragende Einblicke in die hier aufgetretenen Problemstellungen vermittelt, zur Lektüre uneingeschränkt zu empfehlen. Es hat eindeutig dort seine Stärken, wo es Zweifel anmeldet, Fragen aufwirft, den Finger auf die Wunde legt, - ohne daß es allerdings zur Klärung dieser Fragen wesentlich beitragen kann. Entfernt erinnern Aust und Laabs daher ein wenig an die von ihnen zu sehr charikierten Ermittler (einer wird ständig als "Bulldozzer" vorgeführt), die am Ende mit ihren wertlosen Tathypothesen, mit ihren offenen Fragen, aber eben doch auch mit leeren Händen dastehen - allerdings mit dem großen Unterschied, daß die Ermittler ihre Theorien erarbeiten mußten, lange bevor die wahren Zusammenhänge offenkundig wurden und sie es auch nicht bei einer bloßen Zusammenstellung auffälliger Ungereimtheiten hätten bewenden lassen dürfen.
Trotzdem möchte ich dem Buch seinen zeitgeschichtlichen, dokumentatorischen Wert nicht absprechen.

Direkt im Anschluß daran habe ich mich jetzt mit dem Buch „Geheimsache NSU – Zehn Morde, von Aufklärung keine Spur“, herausgegeben von Andreas Förster, befasst. Die dubiose Rolle der Verfassungsschutzämter und die äußerst fragwürdigen Aktenvernichtungsaktionen ab Ende 2011 arbeiten beide Werke umfassend heraus, - allerdings argumentiert Förster nach meinem Dafürhalten immer etwas präziser, stichhaltiger und nachvollziehbarer. Beide Bücher stützen auch die „Mehr-Täter-Theorie“: an Mord und Mordversuch an den Polizeibeamten in Heilbronn sollen nicht nur Mundlos und Böhnhardt, sondern insgesamt fünf oder sechs Personen beteiligt gewesen sein. In Tatortnähe wurden noch Personen mit blutbesudelter Kleidung gesehen, als das tatrelevante Wohnmobil bereits eine Kontrollstelle in Oberstenfeld passierte. Es überrascht deshalb, daß ein geradezu schlagendes und mir neues Argument (sofern es seine Berechtigung hat), nur bei Förster zu finden war. Er berichtet, bei der Anmietung des Wohnmobils sei neben Böhnhardt und angeblich Zschäpe auch ein kleines, blondes Mädchen dabeigewesen, das zu „Zschäpe“ Mama gesagt habe, von dem aber bis heute nicht bekannt sei, um wen es sich gehandelt habe. Interessant ist dieses Faktum vor dem Hintergrund (auch davon berichtet nur Förster), daß in dem ausgebrannten Wohnmobil später ein Plüschbär, eine Plastikpuppe und ein rosafarbener Kinderschuh gefunden wurde.
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am 23. April 2016
Nach diesem Buch erkennt man sofort,dass das Trio nur der Schwanz des Fisches war und der Kopf im Verfassungsschutz zu suchen und finden ist.
Mit diesem Buch sieht man eindeutig die faschistoide Strömung im deutschen Staatssektor,die ja nach dem 2.Weltkrieg im Westen bewusst wieder aus den Kerkern geholt wurde.Stichwort Gehlen,Globke usw.......
Das Buch ist einsame Spitze.Investigativ,objektiv,aufklärend,klar,deutlich,logisch und vor allem:die Struktur wird erkennbar!!!
Am Ende wird es durch die Aussage vom heutigen Geheimdienstkoordinator im Kanzleramt klar:Wenn die Geheimdienste gründlichst vorgeladen und verurteilt würden,hätte der Staat seine Vertrauensstärke verloren und die Bevölkerung würde erkennen:Die Gestapo hat überlebt und somit auch das Nazitum.
Dieses Buch ist 5 Sterne de luxe.
Wenn man ein Buch von etwa über 800 Seiten in einem Zug liest und zudem die politische und historische Vergangenheit Deutschlands kennt,kann man dieses Buch nur als 5 Sterne Buch bewerten.Nur Faschisten oder Idioten gebeb weniger als vier Punkte.Ob da ein paar Rechtschreibfehler drin sind oder nicht-Kokolores.Aust und Laabs erzählen keine Ammenmärchen,sondern knallharte,objektive Fakten und Tatsachen.Aust und Laabs sind Vorbilder im investigativen Journalismus.
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am 19. September 2014
Vor einigen Jahren hatte ich das Buch von Stefan Aust zur RAF gelesen und es war eine faszinierende Lektüre - alleine schon daher wollte ich dieses Buch lesen, da ich eine ähnlich gute Arbeit erwartet habe. Dieses Buch enthält im Vergleich zur RAF mehr Spekulation, was aber auch stark an der Sachlage liegt. Hier und da mag vielleicht sprachlich ungenau gearbeitet worden sein, weil vieles zu sehr mit heißer Nadel gestrickt wurde, da das Buch während des laufenden Prozesses raus musste, aber insgesamt ist es eine sehr lohnende Lektüre.
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am 22. Mai 2014
Mit dem vorliegenden Buch ist Stefan Aust und Dirk Laabs eine umfassende Aufarbeitung des Nationalsozialistischen Untergrunds, seinem Unterstützerumfeld und der Rolle der staatlichen Sicherheitsbehörden in insgesamt sehr guter Weise gelungen. Alle derzeit (öffentlich) verfügbaren Informationen wurden zur Bearbeitung des Themas herangezogen.
Nach einem kurzen Prolog, der die Umstände des Todes von Böhnhardt und Mundlos sowie die Festnahme von Zschäpe schildert, folgt das Buch einem chronologischen Ablauf und analysiert alle relevanten Ereignisse die zum Verstehen des Themenkomplexes NSU-Terrorismus wichtig und nötig sind: „Vorgeschichte“, Abtauchen, Leben im Untergrund, Morde, Anschläge, Überfälle etc. und vor allem auch die Handlungen aller involvierten Sicherheitsbehörden.

Es werden zum Glück nicht nur die drei mutmaßlichen Haupttäter beleuchtet, sondern die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die Lebensläufe von V-Männern und Informanten, die Strukturen der rechtsextremen Szene insgesamt sowie das gesamte (bekannte) Unterstützerumfeld im Besonderen sowie Vorgeschichte, Abläufe, Handlungen und Einschätzungen innerhalb der Sicherheitsbehörden. Ebenso wird auch ein kurzer Überblick auf die Geschichte des Rechtsterrorismus in der BRD gewährt. Zwei Karten die alle bundesweiten Tatorte von NSU-Verbrechen und die „Heimatbasis“ in Thüringen und Sachsen mit allen Verstecken aufzeigen, runden das Buch sehr gut ab.

Besonders interessant fand ich persönlich auch die internationalen Verflechtungen der rechtsextremen Szene Deutschlands beispielsweise mit dem Ku-Klux-Klan oder der britischen Szene, die Deutschland nach der Wiedervereinigung als Sammel- und Rekrutierungsraum ausgemacht hatten sowie die Beteiligung deutscher Rechtsextremisten am Balkan-Konflikt auf Seiten der Kroaten in den 1990er Jahren.

Erschreckend ist, mit welcher Leichtfertigkeit und oft wohl auch Inkompetenz die Gefahr des Rechtsterrorismus in Deutschland sowohl von Politikern aber auch Sicherheitsbehörden und Justiz unterschätzt und verharmlost und durch Untätigkeit und Nachlässigkeit "geglänzt" wurde. Noch viel dramatischer aber erscheinen die Aktenvernichtungen nach dem Bekanntwerden der Existenz des NSUs durch diverse Behörden, denn diese lassen sehr viel Raum für Spekulationen und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass den Behörden viel mehr bekannt war, als sie offiziell eingestehen, zumal auch mehrfach offensichtlich wird, das bestimmte Personen trotz schwerer Gewalttaten gewarnt, "gedeckt" und finanziert wurden. Immer wieder fragt man sich schlicht und ergreifend: Warum wurde nichts unternommen, wenn die Gefahr so offensichtlich war? Welche Interessen und Motive stehen hinter dieser Untätigkeit? Zumindest haben die Behörden durch die Vertuschungen sehr viel moralische Schuld auf sich geladen und das Vertrauen der Bevölkerung in staatliche Institutionen schwer erschüttert.

All diese offenen Fragen, Merkwürdigkeiten und „Zufälle“ herauszuarbeiten ist neben der unglaublichen Faktenfülle die ganz große Stärke dieses Buches. Ein weiterer großer Pluspunkt ist, dass das Buch trotzdem sehr flüssig und angenehm zu lesen ist, weil die Autoren nicht nur ihr Handwerk als Rechercheure, sondern auch als Schriftsteller sehr gut beherrschen. Diese Unzahl an unterschiedlichen Abläufen und Handlungssträngen in nachvollziehbare und lesbare Form zu bringen, ist eine große Leistung. Den Autoren gebührt zudem Anerkennung dafür, dass sie den Finger in die Wunde legen, Fragen stellen und Antworten einfordern

Dennoch haben sich in das Buch mehrere „handwerkliche“ Fehler und Ungenauigkeiten eingeschlichen. Zunächst einmal muss man feststellen, dass ich überdurchschnittlich viele Tippfehler im Text finden lassen. Ein gründlicheres Lektorat wäre ratsam gewesen
Der Band „Böhse Onkelz“ wird ein Songtext zugeordnet, den sie meinem Wissen nach nicht zu verantworten hat. (S.65-66)
Auch die Schilderungen über den Ablauf des Anschlages von Oklahoma-City im Jahr 1995 widersprechen in einigen wichtigen Punkten, den Aussagen von Timothy McVeigh, die dieser in Interviews für das Buch „American Terrorist“ von Lou Michel und Dan Herbeck gemacht hat. (S. 488-89)
Ebenso werden die Begriffe „rechtsradikal“ und „rechtsextrem“ synonym gebraucht. Hier gibt es jedoch Unterschiede in der Bedeutung und für die Personen, die der Gegenstand dieses Buches sind, ist nur der Ausdruck „rechtsextrem“ vertretbar – begründet durch das Ausmaß an anti-demokratischer und rassistischer Ideologisierung und Gewaltbereitschaft.
Außerdem wird der Begriff „Skinhead“ synonym für „Rechtsextremist“ verwendet, was in vielen Fällen sicher auch zutreffen mag, weil die Skin-Szene von rechts politisiert wurde. Per se ist die Skin-Bewegung jedoch unpolitisch gewesen und deshalb darf man hier nicht zu sehr generalisieren.
Diese Kritikpunkte schmälern für mich insgesamt jedoch nicht den hervorragenden Gesamteindruck dieses Buches, zumal sie den herausgearbeiteten Erkenntnissen auch nicht widersprechen oder ihre Glaubwürdigkeit einschränken.

Natürlich können in dem Buch viele entscheidende Fragen auch nicht abschließend geklärt werden, aber dies ist auch nicht Aufgabe der Autoren. Sie stellen in dem Buch die richtigen Fragen. Diese zu beantworten wäre und ist Aufgabe der Ermittler und der Justiz. Die Autoren teilen diese Auffassung: "Dieses Buch soll ein Anfang sein und nicht das letzte Wort." (S. 823)
Abschließend kann ich feststellen, dass sich das Warten auf dieses Buch gelohnt hat, denn für mich ist es bereits jetzt das Standardwerk zum NSU und ist vergleichbar mit „Der Baader-Meinhof-Komplex“ zum Thema RAF. Wäre zu wünschen, dass sich bei beiden Themen noch entscheidende und abschließende Antworten finden lassen, die erweiterte Neuauflagen rechtfertigen würden. Die Gesellschaft hätte ein Recht darauf, die Wahrheit zu erfahren. Die Autoren haben ihren Beitrag dazu geleistet, nun liegt es an anderen, diese Aufgabe zu erfüllen. Allein mir fehlt der Glaube…
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am 22. August 2014
Uwe Mundlos, Uwe Böhnhard und Beate Zschäpe sind zum Inbegriff des rechten Terrors in Deutschland geworden. Tatsächlich waren sie in ihren Anfängen und Ende der 1990er Jahre nur eine kleine Neonazigruppe unter vielen. Da Gewalttaten und Drohungen zur rechten Szene als zentraler Bestandteil gehören, waren die drei damit wenig auffällig, viele waren so, in der rechen Szene Thüringen waren sie normale Neonazis. Das änderte sich nur kurzfristig, als die Drei beim Bombenbau erwischt wurden. Aber der Staat hatte es weder eilig, die drei zu finden, noch arbeitete man danach mit Hochdruck daran, diese Drei zu erwischen.

Man dachte in den Sicherheitsdiensten des Staates auch nicht daran, dass diese drei den Kern einer Terrorgruppe bilden könnten, auch wenn V-Leute das mitteilten. 2003 verjährten sogar einige der Straftaten und wahrscheinlich hätten Uwe Mundlos und Beate Zschäpe danach ein normales Leben beginnen können. Das taten sie aber nicht.

Das Buch beschreibt detailreich, wie wenig eigentlich in Deutschland an der konkreten Strafverfolgung gegen Rechtsterroristen unternommen wird. Zum Teil haben Geheimdienste, wider ihrer eigenen Erkenntnisse, sogar behauptet, das Problem bestehe gar nicht. Jahrelang zofften sich Geheimdienste mit der Polizei und dem BKA/LKAs über diese Behauptung. Am Ende tritt dann beim Untersuchungsausschuss ein Mitarbeiter als Zeuge auf und erklärt lapidar, dass er gar nicht für das Trio zuständig war, sondern das wäre schon lange ein spezielles Terror-Referat im Bundesamt für Verfassungsschutz gewesen. Auf Deutsch: Man log sich und alle weiteren Akteure an, wusste aber nur zu gut, dass Mundlos, Böhnhard und Zschäpe zu einer Terrorzelle gehörten. Beim Untersuchungsausschuss des Bundestags machte man sich dann noch einen Gaudi daraus und verhinderte die Aufklärung durch die Abgeordneten.

Warum überhaupt eine NSU so lange töten und rauben konnte, steht zu einem großen Teil im Buch. Da erfährt der Leser, dass man einen Mann als Vertrauensmann (V-Mann) anheuern will, der schwere Straftaten auf dem Kerbholz hat (S.480-481). Zu allem Überdruss bildet man ihn bei der Bundeswehr auch noch an Waffen und Sprengstoff aus. Der für den Bund zuständige Militärische Abschirmdienst (MAD) beschützt dabei nicht die Bundeswehr vor Neonazis, sondern arbeitet stringent anderen Geheimdiensten zu, versucht eine Vorauswahl an Spitzeln zu schaffen. Dass es gefährlich sein kann, Neonazis an Waffen und Sprengstoff auszubilden, ignoriert der MAD. Noch in den 1970ern und 80ern flogen DKP-Mitglieder zügig beim Bund raus. Da genügte die Mitgliedschaft zu einer verfassungsfeindlichen Partei aus. Bei den Neonazis reicht für den MAD gar nichts aus. Der MAD rüstete die Neonazis-Szene militärisch auf, gemessen daran sind wenige Bomben in die Luft gegangen.

Auch Uwe Mundlos tritt beim Bund offen als Neonazi aus, wird als V-Mann vorgesehen, aber er ist zu gefestigt in seinen Ideen. Als Neonazi nun ‚enttarnt‘ verbleibt er bei der Truppe und wird dort weiter an Waffen ausgebildet, sogar noch befördert. Später schreibt der Profiler Alexander Horn, dass einer der Schützen bei den sogenannten ‚Dönner-Morden‘, also die NSU-Mordserie, offenbar militärisch ausgebildet wurde.

Das Buch ist in extremer Weise recherchiert: Die Autoren Stefan Aust/ Dirk Laabs haben viel Zeit und Energie in das Buch gesteckt. Das merkt man.

Insgesamt bleibt das Bild von karrieregetriebenen Geheimdienstlern, denen die Strafverfolgung zweit- und drittrangig ist. Sie spielen ein eigenes, unkontrolliertes Spiel in der rechten Szene. Wer das Buch interpretiert, wird feststellen, dass der Verfassungsschutz eine Fehlkonstruktion ist. Deutschland wird durch Inlandsgeheimdienste nicht sicherer, sondern unsicherer. Dass selbst der MAD seine eigene Aufgabe vergißt, wenn man ihm handfeste Neonazis vorsetzt, ist schon unglaublich. Deswegen bleibt die Erkenntnis: Die NSU hätte ohne V-Leute nie so lange bestehen und morden können.
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am 30. August 2014
Ich habe (nicht zuletzt mit Blick auf den Namen Stefan Aust) das Buch jüngst kurzentschlossen erworben, war voller Erwartung dahingehend, dass das hochwichtige Thema NSU hier erstklassig aufbereitet würde und bin nachhaltig enttäuscht über die Darstellung. Den Rezensenten, die den nachlässigen bzw fehlerhaften Schreibstil beklagen, muss ich mich leider anschließen. Einer der traurigen "Höhepunkte" besteht in der Angabe, ein Angehöriger eines LKA habe in Bezug auf bestimmte Personen "Schutzhaft befohlen". "Schutzhaft" ??? Ungeachtet des Umstandes, dass die heutigen Landespolizeigesetze Instrumente wie den Unterbindungsgewahrsam vorsehen, darf es auf keinen Fall passieren, diese zuletzt dem NS-Regime eigene (wenn auch von ihm nicht "erfundene") Terminologie in einem Buch auszustreuen, dass sich so verkauft, wie "Heimatschutz" es macht (investigativ, detailtreu, Fehler Dritter aufdeckend usw). Von Kleinigkeiten wie einem "Laufdruckgewehr" (gemeint ist ein Luftdruckgewehr), die sich zuhauf finden, ganz abgesehen. Hatte das Buch einen Lektor ?? Trotz des für die Geschichte der letzten 20 Jahre sicher äußerst wichtigen Themas (dessen Facetten noch lange nicht auch nur halbwegs vollständig bekannt sein dürften, allen Mühen der Untersuchungsausschüsse zum Trotz) kein wirklich empfehlenswertes Buch. Und "blutjunge" (!!) Verfassungsschützer sollte es bitte besser in Arztromanen geben....
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