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Kundenrezensionen

4,4 von 5 Sternen
13
4,4 von 5 Sternen
Ein diskreter Held: Roman
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
Preis:3,49 €+ 3,00 € Versandkosten


am 10. Mai 2017
Eigentlich müsste das Buch heißen: „Zwei diskrete Helden“, denn der Roman handelt von zwei erfolgreichen Geschäftsmännern von altem Schrot und Korn. Da ist zum einen Felícito, der einer Schutzgelderpressung der Mafia keinesfalls nachgeben will und zum anderen Ismael, der sich in seine (viel zu) junge, attraktive Haushälterin verliebt hat und diese, allen Widerständen zum Trotz, zum Traualtar führt. Ihre Prinzipientreue, aber auch Sturheit verändert nicht nur ihr eigenes Leben nachhaltig, sondern auch das ihrer Familien und Freunde. Vargas Llosa verknüpft im Laufe des Romans die beiden Handlungsstränge. Ein netter Plot den der peruanische Nobelpreisträger da ersann, nur so richtig zünden vermag die Story nicht. Dies liegt unter anderem an der oft fehlenden erzählerischen Raffinesse, die in andern Büchern des Autors noch so sehr zu begeistern wusste, auch nerven bisweilen die zotig anmutenden sexuellen Ausflüge der Protagonisten. Fazit: Vargas Llosa zu lesen lohnt immer, auch hier, dennoch ein leichter Anflug von Enttäuschung muss sich breitmachen, kennt man seine früheren Meisterwerke. Knappe 4 Sterne.
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TOP 1000 REZENSENTam 16. März 2015
In seinem 2013 erschienenen Roman «Ein diskreter Held» thematisiert der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa die Ehrbarkeit - nicht die Diskretion, wie der Titel suggeriert - am Beispiel zweier älterer Männer, die sich standhaft mafiosen Machenschaften widersetzen. Der vielfach prämierte, in seiner Heimat hochangesehene Autor mit politischen Ambitionen hat sich nach der verlorenen Stichwahl um das Amt des peruanischen Präsidenten wieder ganz dem Schreiben zugewandt und wurde 2010 mit dem Nobelpreis geehrt «für seine Kartographie der Machtstrukturen und scharfkantigen Bilder individuellen Widerstands, des Aufruhrs und der Niederlage», wie es das Nobelkomitee in seinem typisch gestelzten Ton formuliert hat.

Felícito aus der Stadt Piura im Norden Perus, der sich mit harter Arbeit eine florierende Firma aufgebaut hat, sieht sich plötzlich mit Schutzgeldforderungen konfrontiert. Unbeirrt bleibt er jedoch hart, hält sich strikt an die Worte seines Vaters «Lass dich niemals von irgendwem herumschubsen», er weigert sich zu zahlen. Vielmehr wendet er sich an die Polizei und veröffentlicht außerdem eine Zeitungsanzeige, in der er den Erpressern lakonisch erklärt, von ihm würden sie nichts erhalten, nicht mal einen Centavo. Dabei bleibt er, auch nachdem Feuer gelegt wird in seinem Büro, erst als seine Mätresse entführt wird, beginnt er zu wanken. Als im zweiten Handlungsstrang der 81jährige Chef des gerade in den Vorruhestand gegangenen Don Rigoberto in Lima seine halb so alte Haushälterin heiratet, setzten dessen missratene Söhne wegen der ihnen entgangenen Erbschaft alle Hebel in Bewegung, um diese Ehe annullieren zu lassen. Ihr Vater sei unzurechnungsfähig, behaupten sie, und natürlich versuchen sie mit allen Mitteln, die beiden Trauzeugen, den Chauffeur des reichen Unternehmers ebenso wie dessen ehemaligen Generaldirektor, unter Druck zu setzten, damit sie dies bezeugen.

Es ist ein spannender Plot, zeitlich in der Gegenwart angesiedelt, wobei die zwei tragenden Stränge der Handlung am Ende zusammenlaufen, mehr sei hier aber nicht verraten. Dies ist bereits der vierte Roman des in wenigen Tagen 79jährigen Autors, den ich gelesen habe, ein Alterswerk mithin. Und ein recht handlungsreicher Roman, von seinem Autor gekonnt erzählt in farbenfrohen Bildern, mit lebendigen Figuren bevölkert, von denen die eine oder andere aus den vorhergehenden Romanen schon bekannt ist. Auch das Grüne Haus wird erwähnt, obwohl dieses Bordell aus dem berühmten gleichnamigen Roman von 1965 inzwischen längst abgerissen ist. Viele der für Vargas Llosa typischen Techniken finden sich auch im vorliegenden Roman. Er erzählt seine Geschichte in Fragmenten, lässt bewusst Lücken in der Handlung, verschachtelt nicht zusammengehörende Teile der Handlung ineinander. So wechselt er zum Beispiel mehrfach von einem Dialog zweier Figuren völlig unvermittelt und ohne jede Kennzeichnung, also direkt Satz an Satz montierend, in einen ganz anderen Dialog zweier ganz anderer Personen. Diese von ihm bewusst betriebene, den Lesefluss arg störende Desorientierung ziele darauf ab, wie er in einem Aufsatz erklärt hat, die orientierungslose Sinnsuche seiner Romanfiguren analog auch auf den Leser zu übertragen. Zusätzlich benutzt er auch esoterische Elemente, hier eine an den «Doktor Faustus» von Thomas Mann angelehnte, den gesamten Plot begleitende, mysteriöse Teufelserscheinung.

Im Duktus von Elke Heidenreich handelt es sich zweifellos um eklige Altmännerliteratur, hier in der Variante des südamerikanischen Machismo. Und auch der Ödipus-Mythos wird variiert, in zwei sehr spezielle Vater-Sohn-Beziehungen nämlich, den Vätern allein aber gilt die Sympathie des Autors. Vieles bleibt ungesagt, die Erwartung des Lesers auf Szenen aus dem Mafiamilieu zum Beispiel wird geradezu konterkariert. Nach dem kitschigen Schluss musste ich konsterniert feststellen, dass Vargas Llosas Erzähltalent ebenso schwächelt wie die Potenz der alten Männer, über die er berichtet.
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TOP 500 REZENSENTam 6. März 2017
Felícito Yanaqué ist der Inhaber des Bus- und Fuhrunternehmens Narihualá im nordperuanischen Piura und erhält eines Tages einen Brief mit einer Schutzgeldforderung. Er zeigt sich darüber zwar besorgt, aber er ist sich sicher, dass er nicht zahlen und sich nicht beugen wird. Er bringt die Sache zur Anzeige, doch wenige Tage später erhält er einen zweiten Brief, und dann brennt sein Büro.

In Lima entscheidet sich Don Rigoberto, der Generaldirektor einer Versicherungsanstalt, vorzeitig in den Ruhestand zu gehen. Sein Chef Ismael Carrera bittet ihn kurz darauf um ein privates Treffen, und Don Rioberto erwartet, dass sein Chef ihn umstimmen möchte. Stattdessen bittet dieser den verblüfften Don Rigoberto, sein Trauzeuge zu sein, denn er möchte auf seine alten Tage seine fast halb so alte Haushälterin Armida heiraten. Den Zwillingssöhnen von Ismael gefällt das gar nicht, denn dadurch werden sie um ihr Erbe gebracht, und so versuchen sie, Don Rigoberto nach der Hochzeit einzuschüchtern, so dass die Ehe annulliert werden kann.

In ‚Ein diskreter Held‘ erzählt Mario Vargas Llosa somit nicht von EINEM Helden, sondern von zwei Männern, die sich mit unterschiedlichen Problemen herumschlagen müssen, die aber beide standhaft bleiben und sich gegen Repressalien und Einschüchterung wehren. Dabei haben mir die beiden komplexen Geschichten um Don Rigoberto und Felícito Yanaqué sowie um die Familien der beiden sehr gut gefallen, da sie nicht nur unterhaltsam erzählt werden, sondern zudem tiefe Einblicke in das Leben in Peru, den Einfluss der Mafia, die Allgegenwärtigkeit von Korruption bieten.

Sehr gelungen fand ich die für Vargas Llosa typischen Parallelmontagen, die sich durch das ganze Buch ziehen und die Dialoge, welche sich zu unterschiedlichen Zeiten und zwischen verschiedenen Menschen zutragen, miteinander verschmelzen. Dadurch entstehen komplexe Gespräche, die für den ungeübten Leser/Hörer anfangs sicherlich ungewohnt und verwirrend sind, die mir bei Vargas Llosa jedoch immer sehr gut gefallen.

Da ich Vargas Llosa zu meinen Lieblingsschriftstellern zähle und schon sehr viel von ihm gelesen habe, ist mir schnell aufgefallen, dass er in ‚Ein diskreter Held‘ altbekannte Personen auftreten lässt, die man bereits aus früheren Romanen des Autors kennt: Don Rigoberto, seine Frau Lucrecia und ihr Sohn Alfonso (‚Das Lob der Stiefmutter‘, ‚Die geheimen Aufzeichnungen des Don Rigoberto‘) sowie Hauptmann Silva und sein Sergeant Lituma (‚Wer hat Palomino Molero umgebracht?‘, ‚Tod in den Anden‘). Und auch das ‚grüne Haus‘, das Bordell, das dem 1965 erschienenen Roman Vargas Llosas den Titel gab, wird erwähnt.

Weniger gut gefallen haben mir die etwas schlüpfrigen Sexszenen, die mich schon in Vargas Llosas Romanen ‚Die Enthüllung‘ und ‚Die geheimen Aufzeichnungen des Don Rigoberto‘ gestört haben. Für mein Empfinden spiegeln diese nicht die Schreibkunst des Autors wider, und ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass Vargas Llosa das Beschreiben von Sexszenen sein lassen sollte, da ihm dies nicht gelingt und ihn eher banal wirken lässt.

Trotz dieses kleinen Kritikpunktes ist ‚Ein diskreter Held‘ ein spannender Roman mit einem komplexen Kriminalfall und mit phantastischen Elementen. Das Hörbuch wurde zudem durch Gert Heidenreich perfekt intoniert: Seine Stimme ist angenehm, das Sprechtempo genau richtig, so dass ich den Roman auch als Hörbuch empfehlen kann.
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TOP 1000 REZENSENTam 31. Oktober 2013
Einen richtig schönen Schmöker über Themen wie Liebe, Verrat, Rache, Moral, Ehre und Unbeugsamkeit hat der peruanisch-spanische Literatur-Nobelpreisträger von 2010, Mario Vargas Llosa, geschrieben. „Ein diskreter Held“ erzählt zwei Parallelgeschichten, die erst ganz am Ende zusammenkommen. Während Don Felícito Ärger mit Schutzgelderpressern hat, erfährt Rigoberto kurz vor seinem Ruhestand, dass sein Chef Ismael seine um 38 Jahre jüngere Haushälterin heiraten will. Rigoberto soll Trauzeuge werden. Doch dagegen haben Ismaels Söhne etwas, die sich um ihr Erbe betrogen sehen. Sie setzen nicht nur ihren Vater, sondern auch Rigoberto massiv unter Druck. Vergebens. Beide Geschichten haben somit ältere Männer als Hauptfiguren, die allen äußeren Einflüssen zum Trotz unbeirrt ihren Weg gehen.

Zugegeben, diese Themen- und Figurenkonstellation mag ein wenig antiquiert klingen und auch einen Tick zu männlich-heroisch – nennen wir es mal so –, um sie wirklich ernst nehmen zu können, und doch gelingt es dem 1936 geborenen Autor durch sein bloßes erzählerisches Können, solche Bedenken wegzuwischen und den Leser im Nu in seinen Bann zu ziehen. Man möchte das Buch kaum noch beiseitelegen, will unbedingt wissen, wie sich die Geschichte, in der auch ein Hauch Magie mitschwingt, weiterentwickelt. Das tut sie überaus kurzweilig mit einigen überraschenden Wendungen. Erst dem etwas unspektakulären Ende hätte vielleicht die eine oder andere Kürzung gut getan. Auch werden leider nicht alle losen Fäden, die zuvor ausgelegt werden, zu Ende erzählt. Dennoch: ein Buch, das man unbedingt empfehlen kann.
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TOP 500 REZENSENTam 6. April 2015
… und in ein paar Fällen unnötig verwirrend.

Letzteres bezieht sich auf die von einem anderen Rezensenten beschriebene Montagetechnik. Ein Beispiel von S. 221: Miguel, der Sohn des Felicito, verabschiedet sich gerade von Mabel, der Geliebten seines Vaters, als die Handlung abrupt zu einem Gespräch zwischen dem Hauptmann, seinem Sergeanten und Mabel wechselt. Eine Seite währt die Unterbrechung und schon geht es zurück zu der Szene mit Miguel. Zwei Seiten später wieder die Unterhaltung mit den Polizisten. Ein Hin und Her. Wie Rückblicke.

Oder ab S. 323. Rigoberto ist mit seiner Familie in Piura, um Felicito zu treffen. Um sich die Zeit bis zum Abend zu vertreiben geht er mit den Seinen in ein Kino. Zwischendurch blitzen immer wieder seine Erinnerungen an ein Gespräch mit seinem Sohn und an eine Auseinandersetzung mit den Nachkommen des verstorbenen Ismael Carrera auf. Auch hier ein Hin und Her. Persönlich empfand ich diese Erzählmethode als anstrengend. Und das sage ich als Leser der Papierversion. Wie man die Fragmente als Zuhörer eines gesprochenen Vortrages auseinanderhalten soll, ist mir ein Rätsel.

Zur Handlung:
Mario Vargas Llosa wechselt zunächst zwischen zwei unterschiedlichen Handlungssträngen. Auf der einen Seite ist der Fuhrunternehmer Felicito in Piura, der von einer geheimnisvollen Spinnenorganisation erpresst wird. Ein Mann, der versucht mit regelmäßigen Qigong-Übungen seine 'Mitte' zu finden. Verheiratet, zwei Söhne, eine Geliebte. Die letzten Worte seines Vaters hat er verinnerlicht: „Lass dich niemals von irgendwem herumschubsen, mein Sohn. Dieser Rat ist das Einzige, was ich dir vermachen kann.“ (9) Es ist dieser Rat, der Felicito dazu bringt, den Schutzgeldforderungen und den damit zusammenhängenden Drohungen zu widerstehen.

Auf der anderen Seite geht es um Rigoberto, der für Don Ismael Carrera, den Inhaber einer Versicherungsgesellschaft, arbeitet. Als Don Ismael nach dem Tod seiner Frau das Dienstmädchen Armida heiratet und in die Flitterwochen fährt, bricht das Unheil über Rigoberto herein. Die beiden Söhne seines Chefs – auch Hyänen genannt – wollen sich mit der neuen Stiefmutter nicht abfinden. Die Situation eskaliert als Don Ismael kurz nach seiner Rückkehr stirbt und der Streit um's Erbe beginnt.

Erst nach Ismaels Tod laufen die beiden Handlungsstränge zusammen. Verbindendes Element ist Armida, einst Dienstmädchen, dann Ehefrau und jetzt Witwe. Sie ist die Schwägerin von Felicito und flüchtet zu diesem nach Piura, um dort Ruhe zu finden. Doch dank der Sache mit dem Schutzgeld kommt sie vom Regen in die Traufe wie man so schön sagt.

Als eklige Altmännerliteratur würde ich das Buch nicht bezeichnen. Entsprechende Fantasien kommen zwar vor, halten sich aber in Grenzen. Daneben gibt es jedoch immer wieder Längen sowie eine meiner Meinung nach überflüssige Nebenhandlung, die den Sohn des Rigoberto betrifft. Zusammen mit der oben beschriebenen Montagetechnik war dies ausschlaggebend für meine 3-Sterne-Bewertung.

Eines noch: Es ist in der Tat eine Welt der Väter und Söhne. Ismael, Felicito und Rigoberto, sie alle haben ausschließlich männliche Nachkommen, wobei in einem Fall die Vaterschaft nicht so ganz gesichert ist. Die Frauen – selbst Armida – bleiben blass.
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NR. 1 HALL OF FAMETOP 500 REZENSENTam 4. Oktober 2013
Lass dich niemals herumschupsen! Diesen Ratschlag seines Vaters verinnerlichte Felícito Yanaqué, der Held dieses Romans. Aber wie soll er dieser Maxime folgen können, wenn die Umwelt völlig anderen Werten folgt und Erpressungen an der Tagesordnung sind? Dieser für Felícito existentiellen Frage, geht Mario Vargas Llosa in seinem neuen Roman nach.

Als Schauplatz des Geschehens wählte der Literatur-Nobelpreisträger sein Heimatland Peru aus, wobei auch viele Szenen in Piura spielen, wo Mario Vargas Llosa seine Kindheits- und Jugendjahre verbrachte. Dass dieser Realitätsbezug nicht bei allen gut ankam, versteht sich von selbst.

Einige Kritiker von Mario Vargas Llosa werfen ihm auch vor, er würde in seinen letzten Büchern immer moralischer und erzähle Geschichten, die auch in der Regenbodenpresse stehen könnten. Eine solch platte Einschätzung geht natürlich weit an dem vorbei, was die Werke des südamerikanischen Schriftstellers ausmacht. Federleicht eine Geschichte erzählen zu können, heißt noch lange nicht, sich in Plattitüden zu verlieren.

Nebst Felícito, dem mäßig erfolgreichen Fuhrunternehmern gibt es noch eine zweite Hauptfigur. Es ist dies Ismael Carrera, der als Chef einer Versicherung ein beträchtliches Vermögen angeäufnet hat. Und weil der verwitwete Isamel trotz seines hohen Alters sein Dienstmädchen heiratet will, möchten ihn seine Söhne als unzurechnungsfähig erklären, um ihr erhofftes Erbe zu sichern.

Eine dritte Figur, die eine wichtige Rolle spielt, ist der junge Fonchito, dem der Teufel in Form eines Gentlemans begegnet und dessen Vater ein Schöngeist ist, der sich von den Problemen dieser Welt lieber fernhält. Und als Felícito Yanaqué mit dem Brief seiner Erpresser zur Polizei geht, nimmt das Geschehen seinen Gang. Allerdings nicht, weil die Staatsgewalt sich um Gerechtigkeit bemüht. Die ist Sache jedes Einzelnen. Was das für die drei Hauptpersonen und ihr nahes Umfeld bedeutet, steht im Zentrum dieser emotionalen Geschichte.

Da sich meine Besprechung auf das Hörbuch bezieht, möchte ich noch auf die Lesung von Gert Heidenreich eingehen. Der 1944 in Eberswalde geborene Sprecher, kann als Schriftsteller selber en Werk vorlegen, das viele Preise gewonnen hat. Daher wir Heidenreich auch oft der „sprechende Schriftsteller“ genannt. Und wie gekonnt er Figuren von Berufskollegen mit seiner Stimme zum Leben erwecken kann, hat er nicht nur mit der Lesung von Umberto Ecos „Der Name der Rose“ bewiesen.
Vom beigelegten Booklet sprechen wir lieber nicht. Denn es besteht aus einer gefalteten Doppelseite, deren Gestaltung ebenso lieblos ist wie der Inhalt.

Mein Fazit: In seinem neuen Roman erzählt Mario Vargas Llosa, wie man auch in einer korrupten Welt seine Würde bewahren kann. Aber dass es nicht einfach ist, der Maxime „Lass dich nicht herumschupsen!“ zu folgen, macht der Literaturnobelpreisträger seinen Lesern ebenfalls klar. Doch Widerstand lohnt sich. Das ist die Botschaft von Mario Vargas Llosas Geschichten.
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am 26. Juli 2015
Don Felícito Yanaqué, Inhaber des Transportunternehmens Transportes Narihualá in Piura wird Opfer einer Brief-Campagne der peruanischen Mafia. Doch Felícito ist nicht bereit Schutzgeld zu bezahlen, vielmehr fühlt er sich verpflichtet, das Andenken seines Vaters zu wahren. So beschließt er, sich zu wehren, informiert die Polizei und schaltet eine Anzeige im El Tiempo. Doch die Briefe werden dringlicher und schließlich wird sein Unternehmen in Brand gesetzt.

Zur gleichen Zeit heiratet in Lima der Versicherungsunternehmer Don Ismael Carreras, der die Achtzig schon überschritten hatte, seine Haushaltshilfe Armida. Seine Zwillingssöhne sind wenig erfreut darüber, dass ihr Vater eine Chola geheiratet hat und wollen den alten Mann für unzurechnungsfähig erklären lassen. Schwer nur, weil Ismael und Armida nach Europa abgehauen sind und ihre Freunde Rigoberto und Lucrecia den Klauen den boshaften Hyänen überlassen haben.

Während sich Felícitos Geschichte wie ein Krimi auflöst, treibt Ismael seine Lieben mit dem Verkauf seines Unternehmens an eine der größten italienischen Versicherungsgesellschaften und seinen anschließenden Tod weiter in einen Wirbel aus Gerichtsverfahren und Verlassenschaften. Bis Armida plötzlich aus ihrem Schlafzimmer verschwindet – wie scheint spurlos.

Lange Zeit laufen beide Geschichten neben einander, doch so viel darf verraten werden, sie bekommen einen gemeinsamen Nenner.

„Aus dem Chaos war Ordnung geworden, mit geraden und parallelen Straßen. Nichts ähnelte mehr seinen Erinnerungen. Das Viertel hatte sich hergerichtet, war nun anonym und nichtssagend.“ S120

Die beiden Helden Felícito und Ismael repräsentieren trotz ihrer Reife Stärke und Durchsetzungskraft, während ihre Söhne zwar im Schatten der Väter aber doch wie faule Früchte die vermeintliche Integrität ihrer Familien zersetzen. Wenn überhaupt tragen die Frauen beratende Rollen – allen voran Lucrecia, die alle Details zu Ismaels und Armidas Liebegeschichte kennt und Adelaida – La Santera – die Felícito die Wendepunkte seines Lebens vorhersagt.

Mario Vargas Llosa inszeniert einen Prozess zusammengesetzt aus scheinbar unbedeutenden, Einzelschicksalen, die nüchtern und mit Fassung getragen, ihren Mitmenschen kaum bekannt sind. Seine Erzählstruktur bedient sich sehr vieler Perspektivenwechsel. Amphibiengleich wechselt er Schauplätze, Personen oder gleitet von der Erzählung über Dritte direkt in deren Dialog.

Ein Roman von großen Enttäuschungen, purer Kraft und unerwarteten (altersunabhängigen) Neuanfängen!
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am 12. Mai 2016
Ein gutes Buch. Zwei Geschichten, die am Ende zusammenfinden. Solche Bücher mag ich am liebsten. Werde mal schauen, ob es von dem Schriftsteller noch mehr in der Art gibt.
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VINE-PRODUKTTESTERam 25. Mai 2014
Das Buch hat eine starke Prämisse. Sie ist der rote Faden in der Hauptgeschichte des Felícito Yanaqué, der von der Mafia erpresst wird – und der sich an die starken Worte seines Vaters auf dem Sterbebett erinnert: „Lass dich nie von irgendwem herumschubsen!“
Diesen Rat befolgt er, stoisch wie Pferd, obwohl er eigentlich ein Alter erreicht hat, in dem er sich zur Ruhe setzen könnte: Statt das Geld zu zahlen, veröffentlicht er einen offenen Brief in einer Tageszeitung und bietet damit seinen Peinigern die Stirn. Die Quittung ist jedoch nicht nur Lob aus der Bevölkerung, sondern auch eine ratlose Polizei, ein abgebranntes Büro, später sogar noch eine Entführung und manches mehr.

In der zweiten Geschichte, die im Wechsel zur ersten erzählt wird und sich später mit ihr zart verknüpft, wird unter anderem von Don Rigoberto, Lucrecia und Fonchito erzählt. Der alte Herr hat noch ordentlich „Saft in den Eiern“, wie man immer wieder erfahren darf, deftige Bettszenen finden ihren Platz und ein Familienkonflikt muss außerdem bewältigt werden: Es geht um Heirat, Verrat, um die Söhne, das Erbe – um Aufrichtigkeit überhaupt.

Vargas-Llosa schreibt streckenweise sehr packend und poetisch – vor allem überzeugt er mit Felícitos Part. Die Situation des Erpressten wird so gut vermittelt, daß man einerseits über den Mut des kleinen, alten Mannes staunt, gleichwohl aber seine Entscheidungen nachvollzieht, ja sogar meint, sie unter Umständen sogar selbst so getroffen hätte. Leider täuscht das nicht über manche Stolpersteine hinweg, etwa, warum ausgerechnet Felícito der letzte ist, den die Mafia nach so langer Zeit erpresst oder welche Widersprüche der Kommissar im Verhör erkennt – erklärt wird das nicht. Dafür aber darf sich der Leser immer wieder den vollständigen Leitsatz („Lass dich nie von irgendwem herumschubsen!“) zu Gemüte führen, so als ob sich der Autor damit selbst an die Prämisse erinnern wollte oder gar befürchtet hätte, seine Leserschaft könnte sie inzwischen vergessen haben.

Die zweite Geschichte verblasst dagegen, zieht sich – fast möchte man sogar meinen, sie sei „im Weg“. Interessanter wäre sie möglicherweise gewesen, wenn sie sich ausschließlich mit jungen Protagonisten beschäftigt und damit einen starken Gegenpol gebildet hätte. Vielleicht ist das auch der Grund, warum sich die Verlagswerbung mehr auf Felícito Yanaqués Erpresserplot fokussiert? Mancher Rezensent behauptet gar, Vargas Llosa hätte aus allem besser zwei Bücher schreiben sollen; doch hier mögen die Meinungen auseinandergehen.

Übrig bleibt das Gefühl, Land und Leute besser kennengelernt zu haben. Und das Buch endet mit einem starken Abgang: Unerwartet, charismatisch, grausam und händereichend zugleich. Wer da keine Gänsehaut bekommt, hat das Leben noch nicht begriffen.
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am 6. August 2015
In zwei Handlungssträngen, die erst gegen Ende des Romans zusammengeführt werden, erzählt Vargas Llosa einerseits eine Kriminalgeschichte, andererseits entfaltet er eine eine Vielzahl interessanter Charaktere, gibt Einblick in ihre Gefühlswelt, Beziehungen und Schicksale. Die starke Polarisierung von "Gut" und "Böse" stört mich persönlich nicht, so dass ich diesen Ausschnitt aus der flimmernden Hitze peruanischer Großstädte gut genießen konnte.
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