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Bevor die Briten 1944 in Deutschland einmarschierten, wurden die britischen Soldaten mental auf das vorbereitet, was sie sehen würden und bekamen genaue Anweisungen, wie sie sich gegenüber der Bevölkerung zu verhalten hätten. Ein kleines Büchlein von 60 Seiten, in schlichten, leicht verständlichen Worten gehalten, vordergründig sachlich und möglichst unemotional, aber psychologisch raffiniert aufgebaut und mit einer klaren Zielrichtung. Zwar ist das Handbuch durchgehend getragen von der wiederkehrenden Warnung vor Verbrüderung, ja überhaupt vor dem privaten Kontakt mit Deutschen, aber bei aller Distanz wird doch betont, dass sich britische Soldaten zu jedem Zeitpunkt anständig und fair zu verhalten haben. Die wahre Größe eines Siegers zeigt sich nach dem Sieg.

Um die Warnung zu untermauern, wird der Leser zunächst über den kriegslüsternen, hinterhältigen Volkscharakter der Deutschen aufgeklärt. Einem Volk, das keine 30 Jahre nach einem vernichtend verlorenen Krieg einen neuen anzettelt, diesem Volk darf man auch nach einer noch vernichtenderen Niederlage nicht mehr trauen. Eine verständliche Haltung, zumal der Kalte Krieg ja noch nicht begonnen hatte und es keinen Grund gab, die Deutschen besonders zu schonen. Vor allem versucht das Heereskommando, Mitleid mit dem unsäglichen Elend der Bevölkerung zu verhindern, schließlich würde die Armee zuerst in die am schlimmsten zerbombten Regionen einrücken. Der Hinweis auf die Greueltaten der deutschen Wehrmacht in den Ostgebieten wird aber gleich mit der Warnung verbunden: Wir Briten sind nicht so!

Aus heutiger Sicht amüsant sind die Kapitel über deutsche Umgangsformen, allgemeine Charaktereigenschaften (heißblütig, unbeherrscht und jähzornig) und Lebensmittelspezialitäten ("köstlich ist die Leberwurst"). Wer auf 60 Seiten ein ganzes Land erklären und auch noch eine bestimmte Haltung indoktrinieren will, der kommt an Klischees eben nicht vorbei.

Wer übrigens der deutschen Übersetzung nicht traut, der kann in der vorliegenden Ausgabe jederzeit die englische Originalfassung konsultieren, die angebunden ist.

Liest man dieses kleine Büchlein mit Bedacht, dann lernt man aus heutiger Sicht fast mehr über die Briten und ihre Selbstverständnis als die damaligen Leser über die Deutschen gelernt haben werden. Ein Dokument bemerkenswerter Zivilisiertheit gegenüber dem besiegten Feind.
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TOP 500 REZENSENTam 12. August 2014
Es ist ein rührendes Zeitzeugnis im Brusttaschenformat, das jetzt endlich übersetzt und in einer zweisprachigen Ausgabe vorgelegt wurde. Auf knapp über 60 Seiten wird der britische Soldat über die terra incognita aufgeklärt, die er demnächst betreten wird, in einer kuriosen, hochverdichteten Mischung aus Geschichtsbuch, Reiseführer und Knigge. Im Schnelldurchlauf werden deutsche Geschichte und deutscher Charakter erklärt, und das gar nicht mal so verkehrt, wenn man bedenkt, wie wenig Differenzierung die Schmächtigkeit dieses Büchleins gestattete. Der Umgang mit ehemaligen Angehörigen einer Herrenrasse sollte nach dem Studium dieses Leitfadens eigentlich kein Problem mehr gewesen sein; es wird aber nachdrücklich davor gewarnt, dass mancher, mit dem man zu tun bekommen wird, das mit der Ehemaligkeit etwas anders sehen könnte.

Natürlich liest sich vieles aus heutiger Sicht hochkomisch, nicht zuletzt die Warnungen vor den Gefahren der Fraternisierung, Warnungen, die dann ja auch nicht allzu lange vorgehalten hatten. Der deutschen Küche - so der gemeine Soldat trotz Fraternisierungsverbot damit in Berührung kommen sollte - wird eine durchaus anerkennende Seite gewidmet, die allerdings endet mit der niederschmetternden Feststellung "Die Deutschen wissen nicht, wie man Tee zubereitet", ein Hinweis, der vielleicht zu mehr Distanz zwischen Besetzern und Besetzten geführt hat als die furchterregenden Zahlen zur Durchseuchung des weiblichen Volkskörpers mit Geschlechtskrankheiten.

Die Auswahl an hilfreichen Redewendungen samt Aussprachetipps, die der englische Teil zusätzlich enthält, macht ebenfalls eine Menge Spaß: "Shtayen dee boyma disht in deezem vahlt?" wird vermutlich nicht so regelmäßig zum Einsatz gekommen sein wie "shprisht yaymant english?". Ja, das deutsche "ch" - schwerer zu besiegen als die Wehrmacht...

Unterm Strich bleibt festzuhalten, dass wohl selten auf so wenigen Seiten das Verhältnis zwischen den Nationen so pragmatisch festgehalten wurde wie hier in diesem Büchlein - einem eindrucksvollen Dokument der Zeitgeschichte, das sicher nicht als solches geplant war. Und wer Englisch kann und wissen will, welche Tipps denjenigen britischen Soldaten mit auf den Weg gegeben wurden, die das Glück hatten, in Frankreich stationiert zu werden, dem seien die korrespondierenden "Instructions for British Servicemen in France" ans Herz gelegt (Rezension siehe dort).

- Kostenloses Rezensionsexemplar -
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TOP 1000 REZENSENTam 27. September 2014
Das Büchlein, das das britische Foreign Office 1944 jedem englischen Soldaten in die Hand gab, ehe er das feindliche Deutschland betrat, ist erstaunlich. Welches Land in der Welt gibt es sonst, das den eigenen Truppen Informationen über das Land in die Hand gibt, das man als Verbündeter oder aber auch als Gegner betreten wird? Vermutlich sind die Engländer eine Ausnahme. Ziel der Schrift ist die Information über das fremde Land so, wie man es von Reiseführern gewohnt ist. Vor allem aber geht es darum, den Soldaten klar zu machen, wie sie sich dem Feind gegenüber zu verhalten hätten: konsequent, streng, keine Verbrüderung, aber auf jeden Fall fair und anständig. Und da die Deutschen ein sehr diszipliniertes Volk sind, müssten sich die Soldaten in Kleidung und Umgangsformen absolut korrekt verhalten. Man war in einem schrecklichen Krieg, der auch der englischen Bevölkerung furchtbare Opfer abforderte. Deshalb sollten sich die eigenen Soldaten vor falschem Mitgefühl der Bevölkerung gegenüber hüten.
Diese Schrift bedient viele Klischeevorstellungen, ist aber doch in der Beschreibung Deutschlands und der Deutschen recht präzise. Schwierigkeiten hatten die Autoren offensichtlich, das Verhalten der Menschen in einer Diktatur zu begreifen. Auf der einen Seite vermittelt die Schrift den Eindruck, die Deutschen sind fanatische Nazis, andererseits wird aber erklärt, wie grausam das NS-Regime Gegner verfolgte, wie gefährlich es selbst innerhalb einer Familie sein konnte, sich dem Regime gegenüber ablehnend zu äußern. Die Verfasser begriffen auch nicht, dass anfangs viele Deutsche auf die NS-Propaganda hereinfielen und 1933 beim besten Willen nicht wissen konnten, zu welchen Verbrechen dieses Regime fähig sein würde. Hitlers ‚Mein Kampf‘ hatten selbst nahe Anhänger oft nicht gelesen. Dass die Deutschen Hitlers Einmärsche i1938/39 in Österreich, im Sudetenland und schließlich in der Tschechoslowakei bejubelten, ist wohl auch nicht richtig. Die Eingliederung Österreichs wurde begrüßt, die Eingliederung des Sudetenlandes machte besorgt, die Besetzung der Tschechoslowakei entsetzte, weil nun klar wurde, dass man dem Krieg zusteuerte.
Diese kleine Schrift regt zum Nachdenken an, der Leser fragt sich auch, ob und wie weit wir uns in der Zwischenzeit verändert haben. Und man ist heilfroh, dass die Nazis ihren Truppen nie einen Leitfaden in die Hand gaben, wie man mit den Angehörigen ‚minderwertiger‘ Völker umzugehen hat
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am 21. Januar 2015
Irgendwie muss dieses Werk an mir vorbeigegangen sein, als es überall oben in den Bestseller-Listen stand, und ich entdeckte es eher zufällig einige Monate später. Aufgrund des handlichen Formates nahm ich es schließlich auf eine etwa zweistündige Zugreise mit, und hätte beinahe meine Umsteige-Station verpasst: Einmal angefangen, kann man kaum aufhören zu lesen, und man fragt sich, über wen das Buch mehr aussagt: Über die (damals noch nicht!) besiegten Deutschen, oder die Engländer. Jedenfalls ein bemerkenswertes Zeugnis der Zivilisiertheit. Für ein aus der Sicht eines Volkes, welches zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahrzehnten einen Krieg aufgezwungen bekam, den es nicht wollte, eine wirklich ausgesprochen faire und sachliche Analyse des Feindlandes. Ich frage mich manchmal, wie wohl ein deutscher Pseudo-Baedeker 1944 ausgesehen hätte, nach einer sich abzeichnenden englischen Niederlage: Sehr wahrscheinlich gehässiger und brutaler...
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am 30. August 2014
Ich bin durch einen Beitrag im Deutschlandfunk auf das Büchlein aufmerksam geworden. Es ist unterhaltsam und lehrreich, aber irgendwie hatte ich es mir etwas ausführlicher vorgestellt, aber wahrscheinlich konnte ein junger britischer Soldat 1944 nicht mehr aufnehmen. Ich hatte es in zwei Stunden durch. Englisches Original ist auch vorhanden, also interessantes Werk der Zeitgeschichte.
Noch eine Anmerkung: Bei mir war der Außentitel englisch und innen ging es deutsch weiter und wenn man es umdreht ist der Außentitel deutsch und es geht innen englisch weiter. Ist das so extra? Wenn ja, verstehe ich es nicht!
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am 16. Oktober 2015
Dieses Buch ist ein Zeitdokument, mehr nicht. Sozusagen ein historischer Fremdenführer in ein etwas ins Zwielicht geratenes Land. Weder besondere Weisheiten noch Skurriles stehen drin - obwohl einige das behaupten. Ich würde mal sagen, in einem Asterix-Comic sind fremde Nationen tiefgründiger charakterisiert. Dass sich zwei Autoren dafür hergeben, im Vorwort die Werbetrommel zu rühren und so zu tun, als sei dieses Buch eine phänomenale Entdeckung, ist erstens erfunden, zweitens lächerlich und spricht drittens dagegen, diese ernst zu nehmen. Schließlich regen sich hier wieder einige dermaßen über dieses Büchlein auf, als seien sie selber betroffen und müssten Deutschlands Ehre retten. Lasst es einfach stecken. Man muss sich überhaupt fragen, ob gewisse Leute solche Bücher ohne Begleitschutz lesen dürfen.
Der Vorteil ist, man kann dieses Buch unheimlich schnell lesen. Eigentlich reicht es, wenn man die Einleitung liest, da steht schon alles. Und man fragt sich dann beim Lesen, ob jetzt noch etwas neues kommt. Leider nicht der Fall.
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am 6. Oktober 2014
Es zeigt deutlich, wie ein zivilisiertes Land mit seinen Besiegten umgeht. Als Kriegskind, das die Jahre nach 1945 bewußt erlebt hat, habe ich noch heute großen Respekt und große Dankbarkeit gegenüber den Alliierten von damals. Das Büchlein gibt Aufschluß über die Toleranz und Gerechtigkeit, die uns Deutschen widerfahren ist.
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Grundverschieden vom Wehrmacht-Auftreten gerade im Osten, auch verschieden von dem der Roten Armee - bei allem Bombardement und Kriegsleid hatten diejenigen Deutschen relativ (!) Glück, die von den Briten von der Nazi-Zeit enthoben wurden. Das westdeutsche politische System und sein öffentlich-rechtliches Mediensystem sind im Kern britisch.

Doch wie waren die britischen Soldaten eigentlich instruiert worden, bevor sie deutschen Boden betraten (Oktober 1944 wurde Aachen als erste Stadt eingenommen)? Wir können es heute selbst nachlesen, welches Büchlein die Soldaten ab November 1944 in die Hand bekamen. Der Band hat nach eigenen Angaben bei den Aussprachetipps gekürzt, doch bietet ansonsten den Originaltext samt Übersetzung (die mir jetzt nicht so wichtig war, doch gibt es so noch ein Extra-Vorwort!).

Neben praktischen Hinweisen werden Deutsche als noch gefährliche Gegner beschrieben. Sieht man die "Werwolf"-Attentate, war das nicht aus der Luft gegriffen. Fraternisierung und übermäßiges Mitleid sollten bei aller Fairness unterbunden werden. Die Deutschen sollten wenigstens jetzt ihre eigene Suppe auslöffeln und "lernen" dürfen.
Die Briten wurden später dann doch netter: _Nach dem Krieg erst nämlich wurde auf der _Insel rationiert, während Lebensmittellieferungen noch und nöcher Deutschland vor Hungersnöten bewahren sollten. Was wir heute gerne vergessen.

Wieder zum Buch: 2*60 Seiten in teils auch sehr kleiner Schrift geben die Hinweise von deutschem Nationalcharakter, Sprache bis zu Verhaltensregeln. Einerseits sind die hochinteressant, andererseits auch manchmal amüsierend.

Der geschürte Medien-Hype war für mich jetzt überzogen, und man muss es nicht krampfhaft gelesen haben. Doch vier Sterne sind es.
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am 31. Dezember 2014
Dieses kleine Werk war in diesem Jahr 2014 wochenlang auf der SPIEGEL-Bestsellerliste und gehört zu den interessantesten Entdeckungen im Sachbuchbereich der letzten Jahre. Zu verdanken ist die Herausgabe den beiden Autoren Helge Malchow und Christian Kracht, die rein zufällig auf diesen Leitfaden für britische Soldaten gestoßen sind. Jeder Soldat der Royal Army bekam dieses Büchlein 1944 auf dem Weg nach Deutschland in die Hosentasche gesteckt, herausgegeben vom Außenministerium des Vereinigten Königreichs. Es ist äußerst lehrreich und amüsant, von außen den Spiegel vorgehalten zu bekommen und unterhaltsam in wenigen Minuten zu lesen. Manchmal staunt man darüber, welche Eigenschaften auch heute noch scheinbar in uns schlummern, angesichts der momentanen politischen Großwetterlage erschreckend wahrhaftig. Diese Warnung vor einem "merkwürdigen Volk" sollte man unbedingt mal lesen. Es ist teilweise unfassbar komisch und authentisch.
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am 2. Oktober 2014
Für jeden Deutschen, der meint es gäbe für ihn nur Schlechtes über unser Land zu sagen. Was soll ich hier noch weiter beurteilen, dieser Leitfaden, den ich vom "Haus der Geschichte" in Bonn her kannte, spricht für sich. Viel Spaß damit, es ist eine wunderbare Ergänzung zu Tacitus' Germanica.
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