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am 3. November 2013
ALLGEMEINES
Hansjörg Küster (*1956) ist Biologe und Professor für Pflanzenökologie. Man kann daher davon ausgehen, dass er sein Fach und das Thema dieses Buches beherrscht. Seine akademische Ausbildung ist im Buch erkennbar. Dem Verlag muss man für den formalen Aufbau des Buches und dessen Ausstattung ein Kompliment machen. Die Papierqualität ist ausgezeichnet. Das Satzlayout ist ruhig und seriös. In den Fußzeilen jeder Zeile findet man links die Kapitelüberschrift und recht einen Kurztext zum Inhalt der jeweiligen Seite. Es gibt ein sehr ausführliches Literaturverzeichnis getrennt nach Kapiteln und ein Register der Pflanzennamen. Wenn man an der Historie einer bestimmten (Kultur-)Pflanze interessiert ist, findet man leicht einen direkten Zugang. Ab und zu ist man versucht, mit der flachen Hand über die glatten Seiten zu streichen - wegen der angenehmen Haptik.

ZUM INHALT
Irritierend ist allerdings der Titel, genauer der Untertitel: „Eine andere Geschichte der Menschheit“. Besser wäre es gewesen, wenn man ihn „Darstellung der Geschichte der Kulturpflanzen“ genannt hätte. Denn es geht im Buch weniger um den Menschen, als um die Pflanzen. Für Küster ist (S. 13) die „zentrale Innovation der Menschheitsgeschichte der Beginn des Ackerbaus“. Es gilt (S. 25): „Auch Pflanzen, deren Produkte wir als Lebensmittel verwenden, sind Individuen.“ Jede von ihnen sei einmalig, auch wenn diese Betrachtungsweise üblicherweise uns Menschen fremd sei. Damit wird erkennbar, mit welchem Respekt vor seinem Objekt (den Pflanzen) Küster das Thema behandelt.

Allerdings führt dies auch dazu, dass Küster mit viel, manchmal zu viel Detailinformation über viele Seiten alle möglichen Aspekte betrachtet. Das mag Biologen oder Landwirte äußerst aufschlussreiche Erkenntnisse bringen. Wer hier nicht fit ist, findet diese Erläuterungen sicherlich nicht gerade kurzweilig. Es verführt dazu, dass man einige Passagen höchstens noch querliest. Küster beschreibt quasi die Koevolution zwischen Mensch, Pflanze und nebenei auch noch Haustier. Er zeigt auf, wie sich die Menschen und damit auch die Kenntnisse über Pflanzen über den Erdball verbreitet haben. Man kann nachvollziehen wie sich die Landbewirtschaftung vom „Fruchtbaren Halbmond“ im Nahen Osten (um die Flüsse Euphrat und Tigris) ausgebreitet hat bis in den Mittelmeerraum. An einzelnen Pflanzen erläutert Küster exemplarisch, wie sie von Wild- zu Kulturpflanzen geworden sind. Er meint, dass vieles wahrscheinlich dem Zufall zu verdanken sei und weniger systematischen Überlegungen unserer Vorfahren. Die Erweiterung des Spektrums an essbaren Pflanzen sei, so Küster, in Mitteleuropa lange von Adligen, reichen Bürgern und Klöstern ausgegangen und keineswegs von einfachen Bauern (S. 231).

Küster räumt an einigen Stellen auch auf mit einer Landwirtschaftsromantik. So formuliert er beispielsweise (S. 254): „In Europa bauten Landwirte seit Jahrtausenden Pflanzen an, die dort nicht einheimisch sind. Schon aus diesem Grund stand Landwirtschaft nie in einem Kontext von 'Natur'. Immer schon musste … kultiviert werden.“ Zu den sogenannten ökologischen Lebensmitteln stellt er fest (S. 259): „Ob man nun zu der einen [= biologischen] oder der anderen [= konventionellen] Form von Lebensmittel greift, ist mehr oder weniger stark weltanschaulich gesteuert. (…) Aus naturwissenschaftlicher Sicht lässt sich nicht pauschal sagen, welche Form der Lebensmittelproduktion die bessere ist.“ Bio-Fans würden dem wohl nicht zustimmen.

Eine interessante verdeckte Erklärung für den kulturellen und wirtschaftlichen Fortschritt in den sogenannten gemäßigten Zonen findet man im Zitat (S.263): „Die Früchte der Tropen konnten jederzeit gepflückt und gegessen werden. Man brauchte keinen Anbau dieser Gewächse. Man fand sie dann, wenn man sie suchte.“ Techniken zur Ernte, zur Aufbewahrung und Aufbereitung waren nicht oder kaum erforderlich. Vorratshaltung und Regulierung der Bewässerung erforderten koordinierte Vorgehensweise und waren nach Küster Quelle einer zentralen Administration. Dass aber das Christentum (S. 110) „ohne Anbau oder wenigstens von Wein als Getränk nicht denkbar“ gewesen sei, bleibt unbegründet im Raum bzw. Buch stehen. Oder steckt dahinter vielleicht die provokante These, dass man Religion nur im Suff ertragen könne(was vielleicht Atheisten vermuten könnten)?

Zum Schluss steht der Satz (S. 273): „Mit dem Korn fing alles an, vom Korn hängt alles ab, gestern, heute und auch morgen.“ Wenn damit gemeint ist, dass Nahrung nun einmal sein muss, dass geistige Höhenflüge ohne sie nicht möglich sind, weil erst einmal dieses Grundbedürfnis befriedigt werden muss, könnte man das so stehen lassen. Aber wie heißt es doch: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein!

BEURTEILUNG
Ein auch handwerklich sehr solide erstelltes Buch mit dem Hang zur Detailverliebtheit. Mehr eine Geschichte der Kulturpflanzen als eine „andere Geschichte der Menschheit“. Es erfüllt sicherlich auch wissenschaftliche Ansprüche und trägt wahrscheinlich zum weiteren guten Ruf Küsters in Fachkreisen bei. Der wenig biologisch vorgebildete Leser (oder der, welcher fast alles aus dem Biologieunterricht wieder vergessen habt) muss sich durch sehr viele Details durcharbeiten, die oft nur Aufzählungen gleichen, oder diese Textpassagen einfach einmal überspringen. Die Sprache ist teilweise sehr nüchtern. Man wünscht dem Autor ein wenig von der Lockerheit, mit der US-amerikanische Fachleute über ihr Gebiet schreiben.
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am 24. Oktober 2014
Da hatte ich mir doch etwas mehr Geschichtshintergrund, so zB die Besiedlungsentwiccklung durch den Ackerbau in Mittel- und Westeuropa, in Asien und Amerika versprochen. Die vielen Aufzählungen der Kulturpflanzen, ihrer biologischen Einordnung und ihrer Pflege sind doch wohl eherr für Fachleute interessant.Es ist der Titel, der den interessierten Laien verführt. Dennoch: für manche neue Erkenntnis bin ich dankbar.
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am 4. Januar 2014
Einer dieser Fälle, in denen meine durch den Titel und die wenigen Zeilen auf der Rückseite des Umschlags geweckten Erwartungen überhaupt nicht erfüllt wurden - hätte ich eine klare Vorstellung vom Inhalt dieses Buches gehabt, hätte ich es nie gekauft.
Erwartet hatte ich (aus der Sicht der Archäologen und Historiker) ein Werk über den Getreideanbau, dessen geographische Ausbreitung, die Bodenbearbeitung (vom Grabstock über verschiedene Pflugarten, vom Ackern ohne Tiere über Ochsen- und Pferdegespanne bis hin zum Traktor und Mähdrescher), die Weiterbehandlung, Lagerung und Verarbeitung des Getreides. Ein paar Übersichtstabellen (was wird wo schwerpunktmäßig angebaut und wie hat sich das im Lauf der Jahrtausende geändert) und Karten wären willkommen gewesen.
Tatsächlich bietet das Buch Informationen über die Ausbreitung einer Vielzahl von Nutz- und Kulturpflanzen, zunächst vom Fruchtbaren Halbmond ausgehend aber in späteren Jahrhunderten und Jahrtausenden auch aus anderen Gegenden/von anderen Kontinenten nach Europa beziehungsweise in einzelne europäische Länder, wobei ein gewisser Schwerpunkt auf Deutschland liegt, mitunter aber punktuell nur bestimmte Regionen herausgegriffen werden. Es geht auch nicht immer um den Anbau besagter Pflanzen in Europa, bei zahlreichen exotischen Gewürzen (Pfeffer, Zimt, Nelken, etc.) wird nur erwähnt, dass sie ab einer gewissen Zeit (die Angaben bleiben häufig vage) nach Europa importiert wurden.
Doldenblütler, Lippenblütler, sekundäre Pflanzenstoffe, Macchia, Schlafmohn, tetraploider Hartweizen, Ökotopengrenzlage - in dem Buch wird über viel geschrieben, was mich überhaupt nicht interessiert und meine Vermutung nährt, dass hier Botaniker angesprochen werden sollen. Für meine Begriffe geht der Autor recht sprunghaft vor, mir fehlt ein roter Faden - erkennbar ist nur ein zeitlicher Ablauf (Beginn der Menschheitsgeschichte bis heute).
Die Darstellung ist vielfach sehr allgemein, geradezu oberflächlich, konkrete Angaben fehlen, dafür gibt es einige hübsche, bunte (überwiegend Pflanzen-) Bilder im Buch. Man stößt häufig auf recht plakative Aussagen: „Jahrtausende lang waren die Siedlungen keine Stützpunkte von Administration und Handel. Denn sie wurden von Zeit zu Zeit verlassen.“ (Gemeint scheint die Zeit ab dem 6. Jahrtausend v. Chr. zu sein.) „Das (Läuten der Kirchenglocken) war im Mittelalter besonders wichtig, weil nur wenige eine Uhr bei sich trugen.“ (Wer trug im Mittelalter eine Uhr bei sich?) „In manchen Kalkgebirgen baute man Roggen an, in anderen Dinkel. Auch Gerste wurde kultiviert. Man hatte dann aber Probleme beim Brotbacken.“ Angesichts solcher Aussagen habe ich nicht einmal den Wunsch, mich im Internet schlau zu machen, um vielleicht doch konkretere Vorstellungen davon zu bekommen, was gemeint ist.
In Wien stehen an manchen Straßenecken Bücherkästen, die dem kostenlosen Austausch von Gedrucktem dienen: man stellt nicht (mehr) gewollte Bücher dort ab und nimmt sich heraus, wenn einen etwas interessiert. Mein Exemplar von „Am Anfang war das Korn“ wird in der nächsten Woche in einem solchen Kasten landen.
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am 1. September 2014
"Am Anfang war das Korn" beschäftigt sich auf knappen 273 Seiten mit der Entstehung, Ausbreitung und Veränderung der Landwirtschaft und der Entdeckung und Ausbreitung der wichtigsten Kulturpflanzen.

Das Buch ist sehr gut gegliedert und kommt schnell zur Sache, unnötige Anektoden vermeidet es. Die Sprache ist wissenschaftlich nüchtern, aber trotzdem sehr gut verständlich, da es auf ungewohnte Fremdwörter und große Satzungetüme verzichtet. Mit seinem nüchternen, klaren Stil hebt es sich meiner Meinung nach positiv von vielen populärwissenschaftlichen Werken aus dem angelsächsichen Raum ab, die oft viel Text mit überflüssigen Anektoden, aber wenig klare Fakten aufweisen.

Bei manchen Themen wie der Durchsetzung der amerikanischen Kulturpflanzen Kartoffel, Tomate etc. hätte ich mir aber mehr Details in Bezug auf deren Übernahme in einzelnen Teilen der Welt gewünscht. Außerdem vergisst der Autor zunächst die Aufzählung der Ananas bei den amerikanischen Pflanzen, holt dies aber später zu meiner Freude nach.

Aufgelockert wird das Buch durch farbige Karten, Diagramme und Fotos zu den Themen, die die Länge des Texts aber nicht unangemessen beeinträchtigen.

Fazit: Eine sehr schöne Einführung in die Geschichte der Landwirtschaft und der Kulturpflanzen, die mitunter etwas detaillierter hätte sein können. Für die 273 Seiten gibt das Buch dem Leser aber sehr viele Fakten und vermeidet unnötige Schwafelei. Ich habe es sehr gerne gelesen und werde es zur Wiederauffrischung immer wieder mal nutzen.
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