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am 19. Juli 2012
Die vielen sehr positiven Rezensionen verbunden mit dem Grundinteresse an diesem Thema haben mich bewogen, Adam Zamoyskis Werk "1812. Napoleons Feldzug in Russland" zu kaufen und zu lesen. Meine Bewertung fällt deutlich gemischter aus als die bisherigen Lobeshymnen bzw. die totalen Verdammungen.

Besonders gut finde ich, wie es Zamoyski gelingt, in seinem Werk den großen Bogen zum Thema des Feldzugs von 1812 zu spannen. Beginnend schildert er die strategische Dimension des Feldzuges mit dem Planungen des Kaisers auf der einen und des Zaren auf der anderen Seite. Anschließend wird die operative Ebene des Feldzuges ausführlich und aufgrund der vielen verwendeten Übersichtskarten gut verständlich dargestellt. Weiterhin präsentiert Zamoyski dem Leser die taktische Ebene einzelner Schlachten und zeigt so auf, wie man sich Gefechte im frühen 19. Jahrhundert vorzustellen hat. Abschließend geht er, was in vielen Werken über militärische Ereignisse häufig zu vermissen ist, intensiv auf die Ebene des einzelnen Soldaten, Unteroffiziers und Offiziers ein und schildert durch Verwendung von Tagebüchern und Aufzeichnungen dessen Erleben und Sicht auf die Ereignisse. Für den Leser ergibt sich so ein umfassendes Bild und Zamoyski schafft eine lebhafte Vorstellung des gesamten Feldzuges. Gerade die intensive Schilderung des Rückzuges der Grande Armee" mit ihrem Leiden ist dabei beeindruckend. Zahllose menschliche Tragödien stehen neben Erzählungen über Freundschaft, Treue und fast ritterlichem Verhalten auch Feinden gegenüber. Das ganze Buch ist ungemein spannend und in leicht lesbarer Art erzählt, Hut ab vor dieser Leistung Zamoyskis. Bis zu diesem Punkt ein wirklich exzellentes Geschichtsbuch.

Aber, dann kommen die doch zahlreichen Mängel, die mich dazu bewegen, keine fünf Sterne zu vergeben.
Bei Zamoyski ist durchweg eine deutliche Tendenz zu erkennen, die militärischen Leistungen der Franzosen positiv, die der Russen negativ zu bewerten. Bei letzterem wird immer wieder auf das Unvermögen der befehlshabenden Offiziere hingewiesen. Im besonderen steht General Kutusow in der Kritik, stets werden angeblich verpasste Chancen aufgezeigt und auf das heftigste kritisiert, Napoleons fehlerhafte logistische Planungen dagegen nur marginal verurteilt. Zu den verpassten Chancen auf beiden Seiten sei die von Clausewitz als "Nebel des Krieges" bezeichnete Ungewissheit des militärischen Befehlshabers vor Ort erwähnt, der nie ein vollständiges Lagebild hat. Seine Entscheidungen muss er auf Basis des ihm bekannten fällen. Von Zamoyski werden diese Entscheidungen in besserwisserischer Manier des Nachgeborenen, der am warmen Schreibtisch Tagebuchaufzeichnungen und die Literatur auswertet, verurteilt. Die zu diesem Urteil verwendeten Aufzeichnungen von Stabsoffizieren und anderen russischen Befehlshaber sind auch erst weit nach den Ereignissen entstanden und mit Sicherheit tendenziös gefärbt, eine Art Kriegstagebuch im Stab wurde seitens der Russen mit Sicherheit nicht geführt.. Ein wenig mehr Quellenkritik hätte an dieser Stelle sicherlich nicht geschadet.
Ein Rückzugsgefecht über hunderte von Kilometern ist deutlich schwieriger zu führen als ein Angriff. Der kämpfend ausweichende Verteidiger muss reagieren und verschieden Optionen des Angreifers vorplanen, während der Angreifer agiert und dem Verteidiger seinen Willen aufzwingt. Ersterer hat es somit immer schwerer. Auch hier agiert Zamoyski durchweg tendenziös. Napoleons Rückzugsgefecht von Moskau nach Wilna wird von Zamoyski positiv gewürdigt, der russische Rückzug zuvor mehr als eine Kette von glücklichen Zufällen dargestellt.
Zusätzlich treibt Zamoyski ein ständiges Verwirrspiel mit Zahlen und rechnet die "Grande Armee" klein während er im Gegenzug die Russen Groß" rechnet. Dabei verfängt er sich gelegentlich im Verwirrspiel seiner Zahlen.
Als Beispiel sei hier das bayrische Kontingent erwähnt. Auf Seite 169 steht "...auch das bayrische Kontingent, dessen Zahl mit 24000 angegeben wurde, verfügte nie mehr als 11000 Mann..." Auf Seite 221 heist es plötzlich "... Auch die Bayern litten sehr, und als ihr Kontingent von ursprünglich 25000 Mann Polozk erreichte, waren es nur noch 12000..." und auf S. 601 steht dann "... Von den 32000 Bayern, die den Njemen überschritten, konnte General Wrede am 1. Januar 1813 ganze viertausend Mann zählen..." Dem Autor ist insoweit Recht zu geben, Zahlenangaben waren damals problematisch, das merkt der Leser heute noch.
Darüber hinaus stört mich die teilweise kontrafaktische Betrachtung Zamoyskis, die in einem Geschichtsbuch meiner Ansicht nach nicht zu suchen haben. Ein Beispiel, "Wäre Napoleon nur annähernd in seiner üblichen Form gewesen, hätte er Kutusow sicher besiegt und die russische Armee vernichtet..." (S. 293). Sicher ist im Krieg gar nichts nach Clausewitz und kein Plan überlebt die erste Feindberührung laut Moltke dem Älteren!

Alles in allem gebe ich dem Buch 3,5 Sterne. Durch den Lesegenuss, ich habe dieses leicht lesbare Buch geradezu verschlungen, der für mich immer im Vordergrund vor leichten Ärgernissen steht, werden daraus aufgerundet 4 Sterne. Wer dieses Buch in Verbindung mit dem von Dominic Lieven liest, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit ein sehr detailliertes Bild über Napoleons verlustreichen Feldzug nach Russland.
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am 25. Februar 2012
Über Napoleon und seine Feldzüge gibt es natürlich einige Bücher. Für dieses hier konnte Adam Zamoyski, ein Amerikaner mit polnischen Wurzeln, bei der Recherche erstmals auf neue Quellen zurückgreifen. Grob kann man das Buch in drei Teile untergliedern.

Im ersten Teil schildert Zamoyski die politische Situation im Europa des frühen neunzehnten Jahrhunderts; wer mit wem verbündet ist und welche verwandtschaftlichen Verhältnisse herrschen. Dies ist logischerweise etwas unübersichtlich, doch Zamoyski schafft es, Klarheit in diesem Durcheinander zu schaffen. Außerdem stellt er die beiden "Hauptpersonen" der kommenden Ereignisse vor: Kaiser Napoleon Bonaparte und seinen Gegenpart Zar Alexander.

Im zweiten und natürlich ausführlichsten Teil beschreibt Zamoyski den Feldzug nach Moskau und den fatalen Rückzug der Grande Armée, sowie die Bewegungen der russischen Streitmacht. Dabei beginnt er mit dem Grundaufbau beider Armeen und den ersten kleinen Scharmützeln, wobei die Russen den Kampf anfangs eher vermeiden wollten. Über die Stationen Wilna, Witebsk und Smolensk erreicht schließlich Napoleons aus verschiedenen Nationen zusammengewürfeltes Heer das brennende Moskau. Mehrfach springt Zamoyski in den einzelnen Kapiteln zwischen der russischen und französischen Seite hin und her, und erzählt so die Geschehnisse aus beiden Perspektiven. Ergänzt wird das ganze durch Tagebuchaufzeichnungen und Briefen von einfachen Soldaten wie adligen Offizieren, die besonders im teilweise chaotisch verlaufenden Rückzug, ein grauenvolles Bild voller Hunger, Kälte und Brutalität malen. Aber auch auf russischer Seite gab es unvorstellbares Leid, das dem auf französischer Seite in nichts nachsteht. 60 Porträts und Zeichnungen, teilweise noch auf dem Schlachtfeld skizziert, geben zusätzlich einen Einblick in die damaligen Ereignisse.

Im dritten Teil, genauer im letzten Kapitel, zieht Zamoyski ein Fazit des Feldzuges und schildert seine Auswirkungen auf Europa in den folgenden Jahren. Ein ausführlicher Anhang mit Personen- und Ortsregister, sowie weiterer Literatur zum Thema schließt sich an.

Mit diesem Buch lässt Adam Zamoyski ein Stück Geschichte wahrhaft lebendig werden. Er schreibt fantastisch und versteht es, sein detailliertes Wissen mitreißend wiederzugeben. 1812 ist ein Buch, welches man mit absolutem Gewinn liest. Sehr zu empfehlen.
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TOP 500 REZENSENTam 14. August 2014
Bemerkenswert an dieser gut lesbaren und zu Recht vielgelobten Kriegsgeschichtsschreibung sind m.E. vor allem zwei Dinge. Zum einen, offeriert der amerikanisch-polnische Historiker Adam Zamoyski seinen Lesern eine breite Perspektive auf diesen Kriegs- und Beutezug gegen Rußland und zum zweiten verschafft er ihnen überraschende Einsichten, indem er mit Geschichtsmythen, die vielleicht aus der Lektüre von Tolstois Krieg und Frieden Krieg und Frieden haften geblieben sind, aufräumt.

1. SICHTWEISEN
Es gibt die Sicht der französischen Angreifer und die der russischen Verteidiger, die strategisch-organisatorische Perspektive der Generalstäbe und die der einzelnen Soldaten oder der im Troß mitziehenden Zivilisten. Zamoyski wird allen Sichtweisen gerecht und insbesondere mit Hilfe der von ihm ausgewerteten in verschiedenen europäischen Sprachen vorliegenden Augenzeugenberichte macht er sein Geschichtswerk zu einer fesselnden, aber auch bedrückenden Reise in die Vergangenheit. Viele Einzelschicksale, die sich den damaligen Augenzeugen eingeprägt haben, werden auch die heutigen Leser erschüttern: die der mitziehenden Zivilisten und ihrer kleinen Kinder, die auf dem Rückzug erkennen mußten, daß hinten nun vorne ist, und die zu tausenden umkamen.

Aus dem zum hundersten Jahrestag des Feldzugs erschienenen Buch Die Deutschen in Russland 1812: Leben und Leiden auf der Moskauer Heerfahrt entnimmt der Autor den Bericht des Obersten von Kurz aus der Schlacht an der Beresina, der entsetzt beobachtete, wie unter dem Artilleriebeschuß des russischen General Wittgenstein eine junge Frau das Strumpfband von ihrem von einer Kugel zerschmetterten Bein löste, damit ihre vierjährige Tochter erdrosselte und dann den eigenen Tod erwartete. Der Blutzoll war gewaltig. Nur ein einziger Soldat des 9. Westfälischen Infanterieregimentes schaffte es zurück nach Kassel. Von den 32000 Bayern überlebten 12%, von den Italienern kaum 5%. Zahllose Angehörige warteten vergeblich. Ebenfalls aus dem genannten Buch von Holzhausen stammt die Geschichte der mecklenburgischen Bäuerin, die sich noch bis ins Jahr 1849 nach ihrem Verlobten erkundigte. Manche Kriegsgefangene blieben freiwillig in Rußland und einige machten dort ihr Glück.

2. EINSICHTEN
• Die Große Armee war multinationaler als gedacht
Wer auf die deutsche Landkarte schaut und sich fragt, warum Bayern eig. das größte Bundesland ist, kommt bald dahinter, daß es erstens ohne das Frankenland Normalgröße hätte und zweitens Franken nur insofern zu Bayern gehört, als es Napoleon den Bayern geschenkt hat und sie es bis heute nicht zurückgegeben haben. Die Bayern mußten daher ein großes Truppenkontingent stellen, allerdings war das polnische und das italienische noch größer. Die Große Armee war multinational und bestand aus mehr als einem Dutzend europäischer Nationen.

• Die Große Armee wurde nicht durch russische List und Taktik geschlagen
Es war keine strategische Finesse, daß sich die Russen kampflos immer weiter zurückzogen und die französische Armee so immer tiefer nach Rußland hineinlockte, bis sie von Nachschub fast abgeschnitten war. Vielmehr war diese scheinbare Taktik das unfreiwillige Resultat schlechter russischer Vorbereitung.

• Der Feldzug war ein Raubzug
Der qualvolle und verlustreiche Rückzug der Franzosen sei nicht allein auf den bitterkalten Winter zurückzuführen gewesen. Die Große Armee sei einfach überladen gewesen mit Beutegut.

• Der Feldzug wandelte sich zum totalen Krieg
Die russische Taktik der eigenen verbrannten Erde und die sture Opferbereitschaft der einfachen russischen Soldaten war eine Verschärfung der Kriegsführung, die bei den Franzosen Bestürzung hervorrief. Anders als die Soldaten aller anderer Nationen streckten die russischen Soldaten auch bei großer gegnerischer Übermacht nicht ihre Waffen. "Man mußte sie in Stücke hauen". Als rekrutierte Leibeigene oder als für 25 Jahre in den Militärdienst gepreßte unfreie Soldaten hatten sie kein normales Leben auf Erden, das auf sie wartete. Und überhaupt war das grundlegende Menschenrecht auf Kapitulation in Rußland unbekannt. Die große "passive Tapferkeit" der unfreien, armen Russen, die der französische Artillerieoffizier Griois mit ihrer Unwissenheit und ihrem religiösen Aberglauben in Verbindung brachte, führte zu einer Eskalation des Krieges, wie sie auch den französischen Aggressoren nicht gefallen konnte. "So sollte Krieg nicht sein", war ihre Überzeugung.

• Fehlende französische Flexibilität
Die Schlacht von Borodino blieb bis zur Schlacht an der Somme 1916 die blutigste der Menschheit. Aus den Memoiren des Freiherrn von Wolzogen Memoiren Des Königlich Preussischen Generals Der Infanterie Ludwig Freiherrn Von Wolzogen... entnimmt der Autor, daß dabei auch die Kavallerie-Reserve von Napoleon ungünstig in Reichweite der russischen Artillerie plaziert schwere Verluste erlitt ohne in das Kampfgeschehen eingegriffen zu haben. Ein württembergisches Kavallerieregiment verlor 28 Offiziere und 290 Reiter von ursprünglich 760, also 40%, als sie sinnlos stundenlang im feindlichen Feuer ausharren mußten.

• Befremdliche Begeisterung
Bei der bekannten preußischen und österreichischen Distanz gegenüber Napoleon überrascht die Haltung der übrigen um so mehr. Da gab es nicht nur eine multinationale Begeisterungsfähigkeit und Opferbereitschaft im Gefecht, was Carl von Clausewitz in Hinterlassene Werke Uber Krieg Und Kriegfuhrung Des Generals Carl Von Clausewitz; Der Feldzug Von 1812 in Russland, Der Feldzug Von 1813 Bis Zum Waffe ausdrücklich würdigt, sondern auch die Treue zum Kaiser noch in der Gefangenschaft, wo die fremden Legionäre - wie General Robert Wilson versicherte (Narrative of Events during the Invasion of Russia by Napoleon Bonaparte: And the Retreat of the French Army, 1812 (Cambridge Library Collection - Naval and Military History)) - weder Anreize, Drohungen noch Entbehrungen dazu bewegen konnten, "ihren Kaiser zu bezichtigen, Quelle ihres Unglücks und ihrer Qualen zu sein." Auch in der Gefangenschaft haben sie des Kaisers Geburtstag gefeiert.

UNGENAUIGKEITEN
• Das Titelbild ist seitenverkehrt, was man daran erkennt, daß Offiziere ihre Degen natürlich links und nicht rechts tragen.
• Auf dem Einband ist "Rußland" falsch mit zwei s statt mit ß geschrieben. Im Rest des Buches stimmt es wieder, ausnahmslos :-). Ob der Verlag damit die deutschen Schullehrer, die - auf die sog. amtliche Rechtschreibung verpflichtet - "Russland" schreiben müssen, foppen will?
• S.322: Der Dienstgrad des Stabsoffiziers Ludwig von Wolzogen war nicht Hauptmann (captain), sondern Oberst (colonel).
• S.368: Nicht immer ist die Wortwahl des Autors ganz treffsicher. Sein angebliches Beispiel "unbedingter Treue" russischer Leibeigener gegenüber ihrem Herrn ist eher eines von grausamer Unterwürfigkeit. Da baten nach Schilderung des russischen Generals von Benckendorff die versammelten Bauern eines Landgutes den russischen Offizier, dessen Einheit französische Marodeure vertrieben hatte, um die Erlaubnis, eine Frau aus ihren eigenen Reihen ertränken zu dürfen, da sie unter der Folter den Franzosen das Juwelenversteck der Herrschaft verraten habe.

FAZIT
Glänzend geschriebene Geschichte des ersten totalen Krieges und seiner politischen und sozialen Hintergründe.
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am 14. November 2012
Der Autor versteht es, den Leser in die Zeit von Napoleons bekanntestem Felzug zu versetzen: Anhand von Zitaten und Briefen von Zeitzeugen (sowohl der Generäle als auch der kleinen Infanteristen) hat der Leser die Möglichkeit, sich die Strapazen und Entbehrungen der Grande Armée bildlich vorzustellen: Ausgezehrt durch Hunger, Durst, Kälte und den Tod vor Augen geht es für jeden Soldaten und mitgereisten Zivilisten irgendwann nur noch um das nackte Überleben.
Gewisse Parallelen zu Hitlers "Unternehmen Barbarossa", das fast auf den Tag genau 129 Jahre später begann, werden vom Autor zwar nicht erwähnt, werden aber offenkundig, betrachtet man die Thematik der Truppenversorgung und das harte Klima in der russischen Steppe.

Der Leser sollte sich darüber im Klaren sein, dass das Buch aus dem Blickwinkel der Grande Armée verfasst ist: An Elementen wie "hätte Murat schneller gehandelt, wäre die gesamte russische Armee unweigerlich vernichtet worden" darf man sich nicht stören, sondern muss sie als Ausdruck einer tendenziell napoleonischen Sichtweise interpretieren.

Insgesamt ein spannendes Werk, das man, sobald begonnen, kaum aus der Hand legen mag. Mehr Thriller als historische Abhandlung. Also: Unbedingt zugreifen!
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am 21. Juli 2012
Im Jahre 1812 begann "La grande armée de France", zusammen mit ihren Preußischen, Österreichischen, Italienischen und Polnischen Verbündeten die größte Operation in der relativ kurzen Zeit ihres Bestehens: Etwas mehr als eine halbe Million Mann überschritten damals die Grenze zum russischen Reich, mit dem Ziel, den abtrünnigen Verbündeten, Zar Alexander, wieder auf Linie zu bringen und ihn dazu zu zwingen, die Bedingungen des Friedens von Tilsit (Bündnistreue mit Frankreich) einzuhalten.

Die Armee, befehligt einerseits vom größten französischen Feldherrn aller Zeiten persönlich, Napoleon Bonaparte, und kommandiert andererseits von hervorragenden französischen Generalen wie Davout, Ney oder Berthier, erzielte anfangs noch einige Erfolge, wie etwa die Einnahme von Wilna, Witebsk und Smolensk - doch als klar wurde, dass die russsichen Verteidiger die Taktik der Verbrannten Erde praktizierten, liefen die Kaiserlichen Truppen in die Falle. Gezwungen, im Winter zurückzumarschieren, verlor die "Grande armée" viel mehr Leute durch Kälte, Hunger und Krankheiten als durch unmittelbare Feindeinwirkung; schließlich setzte sich Napoleon in Wilna von seinen Truppen ab und reiste allein weiter nach Frankreich. Die Trümmer der Großen Armee, unablässig durch Kosakenangriffe dezimiert, lösten sich schließlich fast von selbst auf; nur die wenigsten entkamen nach Hause.

Was das Werk so angenehm macht, ist der wunderbare Schreibstil. Ohne Mühe liest man die Seiten herunter - und stehen Geschichtsbücher doch in dem Ruf, hin und wieder etwas trockener zu sein, so wird doch im Falle von "1812" eindrucksvoll das Gegenteil bewiesen. Eine Unmenge von Zitaten von soldatischer oder ziviler Seite - von Leuten also, die an dem Feldzug auf der einen oder anderen Seite teilnahmen - bewirkt, dass das Geschehen direkt, regelrecht hautnah erzählt wird. Ich persönlich empfand ein unglaubliches Lesevergnügen, während ich das Buch innerhalb einer Woche verschlang.

Der schnörkellose, unkomplizierte Stil des Buches ist aber, meiner Meinung nach, auch die Schwäche des Buches. An manchen Stellen wirkt das Werk allzu journalistisch, allzu reißerisch - und in der Tat wird sehr viel Wert auf "Thrilling effects" gelegt: Beispielsweise häufen sich die Beschreibungen ekliger Vorkommnisse während des Feldzuges (wie zum Beispiel aufgestapelte, weil amputierte Körperteile, Schilderungen von Erfrierungen oder der Behandlungn von Gefangenen etc.). Irgendwann, nach der gefühlten zweihundertsten Schilderung solcher menschlicher Tragödien, reicht es dann auch wieder - jedenfalls hatte ich das Gefühl. Das Buch, das sich anfangs wie ein spannend geschriebenes Geschichtswerk las, erweckt im Mittelteil den Eindruck, den Leser einfach nur noch schocken zu wollen.

Der Schluss reißt das Ganze dann doch wieder raus. In klaren Worten analysiert Zamoyski die politischen Folgen des Napoleonischen Russland-Feldzuges; trotz allem lässt er sich dann zu diesem Schlusssatz hinreißen: "... wie Hybris am Ende von ihrer Nemesis eingeholt wird".

Na ja, das ist nicht besonders logisch: "Hybris" ist schlicht das altgriechische Wort für "Frevel gegenüber den Göttern" und "Nemesis" ist die Götting der Rache. "Hybris" kann folglich nicht von ihrer "Nemesis" eingeholt werden. Trotz dieses Fehlers und des allzu journalistischen Schreibstils kann man dem Werk aber noch getrost vier Sterne verleihen. Insbesondere für Einsteiger in die Thematik ist es gut geeignet.
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am 11. Februar 2015
Dieses Ereignis hat sich tief in die Weltgeschichte eingegraben und ist gleichzeitig Ursprung und Voraussetzung der nachfolgenden Umwälzungen der letzten 200 Jahre weltweit, speziell aber in Europa. Man kann den Einfluss von Napoleon auf die Entwicklung bis heute kaum überschätzen. Der politische, militärische, menschliche und kulturgeschichtliche Impakt von Napoleons Feldzug in Russland war gigantisch.

Adam Zamoyski ist es mit seinem Buch 1812 gelungen eine der größten Katastrophen der Menschheit dermaßen lebendig zu erzählen, dass einem beim Lesen der Atem stillsteht. Jede der 626 Seiten ist so spannend geschrieben, dass man sich 200 Jahre zurückversetzt fühlt und beinahe teilnimmt. Zamoyski pendelt geschickt zwischen den übergeordneten strategischen Aspekten und den Details und Leiden einzelner Menschen. Gerade diese veränderten Sichtweisen zwischen Strategie, Taktik und Operative verstärken die Spannung und das Verständnis.

Interessant ist der Aspekt des Einflusses des russischen Militärs auf den Ausgang dieses Feldzuges. Man kann durchaus sagen, dass das Chaos und das Unvermögen der russischen Führung geradezu die Voraussetzung für deren Sieg waren. Napoleon hat fast alle Schlachten dieses Feldzuges gewonnen. Was schlussendlich zum Untergang der Grande Armée geführt hat waren nicht die Kampfhandlungen, sondern Hunger und Kälte. So waren die Ausweichmanöver der russischen Generäle und die Vermeidung von direkten Konfrontationen mit Napoleon deren stärkste Strategie. Was als Feigheit und Unvermögen interpretiert worden war, war schlussendlich eine geniale Strategie. Man kann durchaus sagen, dass Russland nicht wegen sondern trotz der katastrophalen Militärführung gewonnen hat.

Eine Million Menschen sind bei diesem gigantischen Desaster ums Leben gekommen. Napoleon - man kann es nicht fassen - wollte eigentlich diesen Krieg gar nicht. Offensichtlich "zufällig" ist die Welt in einen Krieg geraten. Napoleon hätte sich mehrmals zurückziehen und die Katastrophe abwenden können. Seine Bedenken, sein "Gesicht zu verlieren", waren stärker. Er konnte seinen Untergang nicht mehr aufhalten. Was schwer nachzuvollziehen ist ist die beinahe göttliche Verehrung, die Napoleon von seinen Soldaten, aber auch von seinen Feinden erfahren hat, vor, während und nach diesem Feldzug.
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am 17. Februar 2013
Dieses Buch sollte man gelesen haben, denn es läßt vor dem Auge des Lesers die Katastrophe Gestalt annehmen.
Man sieht tatsächlich die Bilder vor sich und bekommt einen guten Eindruck davon, was das für die Beteiligten bedeutet hat.
Die anonyme Größe "Russlandfeldzug" betrifft einen plötzlich persönlich, weil man quasi einen intimen Einblick bekommt. Es kann sich heute kaum einer mehr vorstellen, was es heißt, in Sommeruniform bei -37 Grad draussen zu kampieren, halbverhungert zu marschieren und zu kämpfen. Mein Bild des Franzosenkaisers wurde mit diesem Buch komplett umgekrempelt.
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am 4. September 2013
Dieses Buch gehört zu meinen faszinierendsten Leseerlebnissen. Das ist ein Fachbuch (so weit ich das als Nichthistoriker beurteilen kann), das sich streckenweise wie allerbeste Antikriegs-Belletristik ließt. Es holt die "geschichtlichen Größen" vom Denkmal und setzt den hunderttausenden in den Tod getriebenen Menschen ein dreimal so hohes Denkmal. Das alles ohne Gutmenschenphrasen und Gelehrtenkauderwelsch. Oft werden Briefe und Aufzeichnungen von Generälen wie einfachen Soldaten zitiert, die allesamt mit einfachen Worten unglaubliches Elend schildern. Muss man so was lesen? Uneingeschränkt ja und sei es nur als Warnung vor den vielen falschen Helden der Geschichte.
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am 7. Juni 2014
Wahrscheinlich verbinden die meisten von uns (Nichthistorikern) mit dem Namen Napoleon, geschickter Machtmensch/-politiker dem es in Windeseile gelungen ist eine Militärkarriere zu machen, nach Robespierre Frankreich weitestgehend im Inneren zu stabilisieren, die (gefühlte) Bedrohung durch die alten Monarchien Europas zu beseitigen und Nebenbei u.a. noch den Code Napoleon zu verfassen.
1812 beschreibt nun eindringlich wie Napoleons Wille zum Machterhalt, seine Paranoia gegenüber England und seine Ignoranz gegenüber den Interessen anderer in diesem Feldzug hunderttausende Soldaten in den Tod geführt hat (Zivilisten, Tiere nicht eingerechnet). Dabei starben die meisten auf Grund schlechter Organisation: fehlender Nachschub über Wochen, unzureichende Kleidung hatten Hunger und Kältetod zur Folge statt Verpflegung wird Kriegsbeute transportiert um nur ein Beispiel zu nennen. Der Autor beschreibt sehr eindringlich, zu was der Einzelne in dieser tatsächlich ausweglosen Situation tut, um am Leben zu bleiben.
Erschwerend kommt das zögerliche, widersprüchliche und auch von falschen Annahmen geprägte Handeln Napoleons hinzu.
Ebenso deutlich wird die Lage im Land und in der Armee des Zaren geschildert. Einfache Soldaten, die 25 Jahre Wehrdienst ohne Aufstiegschancen leisten müssen. Viele überleben wg. des erbarmungslosen Drills die ersten Monate und Jahre ihres Dienstes nicht und selbst wenn, haben sie auf Grund der Gesellschaftsstruktur kaum die Möglichkeit eine Existenz aufzubauen. Die oberen Ränge Haben meistens keinerlei Wissen um die einfachsten Grundsätze von Truppen- bzw. Kriegsführung/-Vorbereitung. Zar Alexander weiß weder genau wie nun seine Strategie aussieht noch schafft er es in seiner Führungsriege die Aufgaben zu verteilen oder gar Kompetenzen zu definieren, so dass nicht nur die rechte Hand nicht weiß, was die Linke tut, sondern zum Teil gegensätzliche Maßnahmen angeordnet werden.
Dem Autor gelingt es Hoffnungslosigkeit und Irrsinn des Unternehmens dem Leser zu vermitteln. Stellenweise hatte ich das Gefühl das Buch wegpacken zu müssen - nicht aus Langeweile - sondern weil es mir eben auch an die Substanz ging. Es sind dabei nicht nur die geschilderten Verzweiflungstaten oder die scheinbare Gleichgültigkeit/das Abstumpfen gegenüber dem Schicksal eines Verletzten, eines hilflos frierenden, hungernden Mitmenschen. Sondern auch die Tatsache, die der Autor klar herausarbeitet, dass sich für die vielen Leibeigenen und Unterprivilegierten nach ihrem Kampf für das Zarenreich an ihrer persönlichen Situation nichts ändert. Manch einer wird von seinem Herrn sogar getötet, um zu verhindern, dass der Leibeigene seine Schießkenntnisse gegen ihn verwendet, gar die Freiheitsidee verbreitet oder erzählt, dass die Situation der Bauern in Westeuropa besser ist.
Am Ende fasst der Autor zusammen, dass hier "die Hybris von ihrer Nemesis eingeholt wurde". Es entsteht das ungute Gefühl, dass diese Art von Hybris, Ignoranz und Machtgier nicht zusammen mit dem 19./20. Jh. Untergegangen ist.
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"To mniej boli"
(Wahlspruch der Zamoyscy)

Der Autor, Graf Adam Stefan Zamoyski, stammt aus dem Geschlecht der Zamoyscy, einer der bedeutendsten Magnatenfamilien der Szlachta in Polen-Litauen. Das bis ins 12. Jahrhundert zurückzuverfolgende Adelsgeschlecht hat eine Reihe von Politikern, Feldherren, Staats- und Kirchenmännern hervorgebracht. Infolge des deutsch-russischen Überfalls exilierten Zamoyskis Eltern 1939 aus ihrer polnischen Heimat. Zehn Jahre später in New York geboren, in England und anderen europäischen Ländern aufgewachsen, wurde Adam Zamoyski zu einem Kosmopolit, der neben polnisch und englisch auch der französischen, italienischen und russischen Sprache mächtig ist. Nach Abschluss seiner Ausbildung am Queen's College Oxford zog er eine Tätigkeit als freiberuflicher Historiker und Autor einer festen akademischen Anstellung vor. Beginnend mit "Chopin: Der Poet am Piano" hat Zamoyski seit 1980 ein Dutzend von Sachbüchern hervorgebracht, in deren Mittelpunkt vornehmlich die Geschichte Polens in einem europäischen Gesamtkontext dargestellt wird....

....daher ist es auch nicht verwunderlich, dass er sich in seinem bereits im Jahre 2004 unter dem Originaltitel "1812: Napoleon's Fatal March on Moscow" erschienenen Buch dezidiert mit Napoleons Russlandfeldzug beschäftigt hat. Die Existenz des französischen Satellitenstaates "Herzogtum Warschau" und die von Kaiser Napoleon I. gebrauchte Bezeichnung "Zweiter Polnischer Krieg" sind nicht nur Belege für die polnische, sondern auch für die europäische Geschichte.

Nachdem man sich mit der Herausgabe der deutschsprachigen Ausgabe fast acht Jahre Zeit genommen hatte, ist sie nunmehr pünktlich zum 200. Jahrestag erschienen. In der Nacht zum 24. Juni 1812 begann Napoleons Heer die russische Grenze am Njemen (Memel) bei Kowno (Kaunas) auf drei Schiffsbrücken zu überschreiten. Von den 475.000 Mann dieser Grande Armée, die den Fluss bis 30. Juni überschritten, sollten am 10. Dezember nur noch 5000 an dieselbe Stelle zurückkehren....

Nachdem der Autor in seinen Vorbemerkungen auf Leo Tolstois literarischen Klassiker Bezug nimmt und sich mit dem in der russischen Geschichte gebräuchlichen Begriff "Vaterländischer Krieg" auseinandersetzt, porträtiert er in den ersten beiden (von insgesamt 25 Kapitel) die beiden Kontrahenten "Cäsar" Napoleon Bonaparte und Alexander I. Pawlowitsch Romanow, den russischen Zaren (1815-1825 auch König von Polen). Beginnend mit den Salutschüssen zur Geburt des Thronfolgers Napoleon Franz Joseph Karl Bonaparte am 20. März 1811 bis hin zur Legendenbildung um den Mythos Napoleon I. Bonaparte gelingt es Zamoyski, den Leser über 600 Seiten durch seine brillante Synthese aus historischen Fakten und packender Erzählkunst in den Bann zu ziehen.

Zahlreiche schwarzweiße Abbildungen zeigen stimmungsvolle Gemälde und Zeichnungen sowie Landkarten und Schlachtverlaufspläne, Besonders anschaulich ist ein Weg-Zeit-Schema, das den zunächst breiten Fluss der Grande Armée zeigt, der vor dem Hintergrund der Schlachten und anderer Ereignisse und Faktoren (z. B. -37,5 Grad Celsius) schließlich zu einem schmalen Rinnsal wird. Ein 74seitiger Anhang bietet mit einer dreisprachigen Bezeichnung (deutsch/polnisch/russisch)der wichtigsten Toponyme im Kriegsgebiet, Anmerkungen zu Quellen und Zitaten, einem Literaturverzeichnis und Personenregister noch weitere wertvolle Materialien.

Abschließend bleibt zu hoffen, dass bald auch die logische Fortsetzung "Rites of Peace: The Fall of Napoleon and the Congress of Vienna" (2007) und weitere spannende Sachbücher des Autors in deutscher Sprache erscheinen werden.

5 Amazonsterne für die gelungene Aufbereitung eines Lehrstücks der Geschichte, das einmal mehr deutlich macht, wie am Ende die Hybris von ihrer eigenen Nemesis eingeholt wird.
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