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Kundenrezension

TOP 500 REZENSENT
19. Dezember 2017
*** Ich habe vom Herausgeber ein Rezensionsexemplar erhalten. ***

Es geht um…

eine geführte Tour durch das verminte, weil ideologisch aufgeladene Gebiet der Gendertheorien. So wie das erste Kapitel eine Schneise zur Orientierung schlagen soll, vermittelt das Buch auf rund 200 Seiten eine kompakte Einführung in das Thema.

Dabei will Raedel bemüht bleiben, zwischen berechtigtem Anliegen und problematischer Überdehnung zu unterscheiden (11) und zur Versachlichung der Debatte beizutragen (87). Dieses Anliegen ist durch das gesamte Buch zu spüren. Es wird, soweit möglich, Polemik vermieden. Es geht ja im Kern um die Frage, ob dem Menschen sein geschlechtsspezifisches Handeln biologisch eingeschrieben oder gesellschaftlich zugeschrieben sei (27). Die Hauptkampflinie verlaufe nicht in der Theologie, sondern zu den Naturwissenschaften (172).

Zum Aufbau

Der erste Teil beschäftigt sich mit einer Analyse des Gebiets ohne den konkreten Einbezug Gottes, während der zweite das Menschsein in Beziehungen in den Kontext biblischer Weltsicht stellt. Das entspricht dem doppelten Ohr, über das ein Christ verfügen sollte (nach dem Theologen John Stott): Ein Ohr am gesellschaftlichen Puls, das andere am Wort Gottes.

In der Einleitung gibt der Autor selbst eine kurze Inhaltsangabe (so kurz und prägnant, wie ich sie selten angetroffen habe): Das erste Kapitel gibt Übersicht über das durch programmatische, unscharfe Begriffe unübersichtlich gemachte Gebiet, gefolgt von der Begriffsbestimmung des Gender-Mainstreaming (GM) und der Darstellung des Handlungsansatzes im Alltag. Dabei wird zwischen dem ursprünglichen Anliegen der Gleichstellung und der Radikalisierung des Ansatzes unterschieden (mit den hilfreichen Begriffen Differenz- und Gleichheitsfeminismus sowie dekonstruktivistischer Feminismus). Kapitel 4 + 5 gehen den Begriffen der Homo-, Inter- und Transsexualität nach sowie drei Hauptkampfzonen: Schule, Universität und Sprache.
Die Beobachtungen werden dann mit dem christlichen Menschenbild in Beziehung gesetzt: Menschsein von Mann und Frau in Beziehungen, der Bestimmung des Menschen, der Bedeutung der Familie sowie der bindungsorientierten Sexualität. Das letzte Kapitel fragt nach Verhalten und Aktionen angesichts der Gender-Agenda.

Der Blick in das Literaturverzeichnis zeigt

Es fehlt uns nicht an Literatur, sondern an Grundorientierung. Raedel trägt aus Fachzeitschriften/Rechtsgutachten, Zeitungsartikeln (ein beträchtlicher Anteil), Klassikern (wie Alice Schwarzer, Simone de Beauvoir), Erziehungsratgebern, Lobbymaterial, theologischen Grundlagewerken sowie säkularer und christlicher Aufklärungsliteratur und Kompendien.

2 * 3 zentrale Argumentationen

Argumente aus dem ersten Teil:

Weitreichende Vorschriften werden nicht mehr nach parlamentarischer Debatte von gewählten Volksvertretern verabschiedet, sondern nach Beratung in geschlossenen Expertengremien der Durchsetzung von Verwaltungsbehörden überlassen. (35)
Das gewünschte Ergebnis ist die (nahezu) Vollerwerbstätigkeit sowie die paritätische Verteilung der Hausarbeit auf Männer und Frauen bei gleichzeitiger (ganztägiger) Fremdbetreuung für Kinder vom ersten Lebensjahr an. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen angesichts der starken Beharrungskräfte, die in Partnerschaften wirksam zu sein scheinen, die gesetzlichen Stellschrauben entsprechend angezogen werden. (50)
Es gibt kein Menschenrecht darauf, nicht der Erfahrung ausgesetzt zu sein, ungünstiger als andere behandelt zu werden. … Die Deutungshoheit über die geschlechtliche Identität liegt allein beim Betroffenen. (61+84)

Argumente aus dem zweiten Teil:

Dialogische Parität von Mann und Frau: "Der Mensch ist nicht einfach Subjektivität, Vernunft, Geist, dem der Leib wie ein zum freien Gebrauch bestimmtes Instrument gegenübersteht. … Der Leib ist die Vor-Gabe für die dem Menschen aufgetragene Bestimmung, seine Identität auszubilden als Mann, als Frau." (119)

"In der Bibel wird keine sexuelle Empfindung, die nicht in der Verheissung des ganzheitlichen Einswerdens von Mann und Frau verankert ist, zur ‚Norm‘-Variante erklärt. Ebenso wenig können wir körperliche Abweichungen intersexueller Art, die in der Regel mit der Einschränkung biologischer Funktionen einhergehen (insbesondere der Fruchtbarkeit), zu solchen Varianten einer ‚Schöpfungsvielfalt‘ stilisieren und daraus unsere Identität herleiten." (126)

Vierfache Einbettung des Lebens: Von Gott verdanktes und darum auf ihn bezogen, als geborenes auf die Eltern, als neugeborenes auf den Leib Christi, als leibliches auf die Formen der Gesellschaft, v. a. Ehe und Familie, ausgerichtet. (131)

Gegen den pater familias

Insgesamt kam für mich der systematisch-theologische Aspekt der Familie zu kurz. Eine explizite Herleitung innerhalb dieser Trias Vater – Mutter - Kind wäre m. E. nötig gewesen. Das achte und neunte Kapitel sucht das empirische Gegenstück zur biblischen Ethik in empirischen Ergebnissen, im letzteren insbesondere in den Ergebnissen der Bindungsforschung. Das ist in sich schlüssig, konzeptionell für mich als Leser jedoch nicht ganz klar. Im letzten Kapitel sind die Aufforderungen zwar klug gegliedert, sie wirken mir jedoch zu schemenhaft.

Es ist spannend zu verfolgen, wie sich Raedel durch das gesamte Buch gegen die klassische Rollenteilung wendet. Er meint, dass diese biblisch nicht zu verankern wäre, sondern gesellschaftlichen Ursprungs sei. Die biblische Beweisführung ist m. E. zu schwach. (Es ist zu vermuten, dass Raedel von der Begründungstruktur der gegenseitigen Unterordnung nach Epheser 5 ausgeht, siehe S. 131). Vieles, was Männer von der Unterordnung der Frau eingefordert hätten, würde vor dem Evangelium nicht standhalten (143-144). Er nennt als Beispiel die Argumentation von C. S. Lewis bezüglich dem Letztentscheid des Mannes. Ebenso war ich ob des Arguments, dass das Neue Testament nicht einmal die Aufgabe zur Fortpflanzung kenne (137), erstaunt. Es handle sich nicht um ein Gebot, sondern um Erlaubnis und Einladung. Radel spricht sich aus sozialethischer Sicht für die Aufwertung der Hausfrau aus (147). Dabei ist interessant, dass er später zu Recht die Aussage macht: „Der grosse blinde Fleck im Konzept von GM ist die fehlende Frage nach den Bedürfnissen von Kindern.“ (159)

Fazit

Eine nötige, nützliche und kompakte Einführung ins Thema!
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