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Kundenrezension

31. März 2019
„Mein Vaterland“ ist eine Exkursion zu den Grundzügen des politisch rechten Spektrums. Neben dem persönlichen Werdegang des Autors, stehen in diesem Buch auch die alltäglichen Berührungspunkte mit rassistischem Gedankengut im Fokus. Popkulturelle Bezüge, geschichtliche Symbolik und die „50 Shades of Braun“ vermitteln, worum es bei nationalsozialistischem Gedankengut geht – sachlich, fundiert und ohne dauerhaftes, emotionsgeladendes „Nazi-Bashing“.

Das Buch ist mit dem Anspruch verfasst, sich selbst nicht als Opfer darzustellen, sondern vielmehr die gänzliche Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen zu wollen, in vollem Bewusstsein, all die Entscheidungen, die schließlich die Führungsposition einer militanten Neonazi-Splittergruppe zur Konsequenz hatten, selbstverantwortlich getroffen zu haben.
Dieses Selbstverständnis des Autors zieht sich positiver weise durch das ganze Buch. Dabei zeigt er geschickt, dass schon alltägliche Dinge wie Musik ein erster Berührungspunkt mit der rechten Szene sein können und Alltagsrassismus keineswegs nur in bestimmten Milieus zu finden ist. Hierbei wird ebenfalls stark auf die Macht der Sprache und einer unbedachten Wortwahl eingegangen, sei es in Nachrichten („Flüchtlinge“ vs. „Asylurlauber“) oder im allgemeinen Sprachgebrauch („Wir gehen zum Chinesen“). Auch wenn mir der sehr belesene und intelligente Schreibstil äußerst gut gefallen hat, empfand ich gerade das recht philosophische Ende des Buches dadurch etwas zu anstrengend.
Ich persönlich fand aber vor allem den tiefen Einblick in die komplexen und verwurzelten Strukturen der rechten Szene bemerkenswert. Als jemand, der sich selbst eher auf dem anderen Ende des politischen Spektrums einordnen würde, war mir beispielsweise nicht bewusst, wie viele teils doch sehr unterschiedliche Untergruppierungen in der rechten Szene existieren (bspw. Tattoo Befürworter vs. solche, die diese als „unrein“ ansehen). Auch vereinzelte Exkurse in die Bedeutung der nordischen Mythologie und ihrer Symbolik für die rechte Szene sind hier sehr interessant und lehrreich gestaltet.

Fazit
Ich habe den größten Respekt vor Herrn Weißgerber für diese schamlose Selbstanalyse und hätte mir sein Buch damals in der Oberstufe als „Zwangslektüre“ gewünscht. Gerade der popkulturelle Bezug und dessen Tücken könnten für Jugendliche und Junge Erwachsene sehr aufschlussreich – und wohl auch etwas erschreckend - sein. Abgesehen davon, dass wohl jeder - egal ob politisch Links, Rechts oder Mitte - etwas aus diesem Buch lernen kann, würde ich es vor allem denen empfehlen, die bereit sind, einmal einen Blick über ihren eigenen (politischen) Tellerrand zu werfen.
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Produktdetails

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