Kundenrezension

  • Rezension aus Deutschland vom 19. August 2010
    Korg Microsampler Pro & Contra

    Das Samplerchen kommt in korgtypischer Kunststoffkarosse. Grau, matt. Stylish. Die Minitatastatur des Microkorg, anschlagdynamisch, robust. Bueno.
    Weiterer Bonus Fortschritt durch Design: Versenkte Schalter und Switcher, erinnern etwas an eine Waschmachine, aber beim Gig bleiben abgerissene Potis nun nicht mehr auf der Bühne liegen. Warum ist da bisher niemand drauf gekommen?
    Zweiter Bonus: Batterieschacht! 6xAA und der Microsampler funzt 3 Stunden autark im Park. Nicht schlecht.
    Drittes Highlight: USB-Anschluß!
    Der Microsampler EditorLibrarian für PC und MAC ist kostenlos auf der Produktseite bei Korg downloadbar. AIFF oder Wav einfach in den Microsampler transmitten und ab geht die Luzi. Samples vom Microsampler zurück in den Rechner - beides kein Problem. Sicherung von Samplebänken in den Rechner? Easy. Das Tool ist stabil und weitestgehend bugfree. So soll es sein.

    Gleich mal eine alte Sample-CD geschnappt und........ äh - Akai-Kompatibilität? Nope. Andere Sampleformate? Nope. Das Microsamplerformat ist noch etwas neu, eine Library muß man sich entweder dazukaufen, selber anlegen oder von der Korg Website herunterladen.
    Dort liegen 3 Samplebänke mit teilweise hervorragenden, teilweise mittelmäßigem Samplefutter. Wir wollen selber.... Na dann man gleich losgesampled - z.B. am mitgelieferten Schwanenhalsmikro. Das geht flott von der Hand, Taste auswählen, Samplemodus selektiert und los geht's! Das mitgeieferte Mikro klingt nicht mal schlecht. Wem es nicht genügt: Es lässt sich selbstredend ausstöpseln, an der freiwerdenden XLR-Buchse kann ein Linesignal oder Kondensatormikro angeschlossen werden.
    Die folgende Stunde gehört ganz der kindlichen Freude am Sampling. 48 kHz. Oh jeah.
    Welcome to the Machine.....

    Zwanzig selbsterstellte Samples später: Der Freeware- Microsampler EditorLibrarian obwohl absolut stabil, nervt nun irgendwie doch gewaltig. Jeden Edit, Samplestart, Sample End, Truncate, selbst Zoomin und Zoomout zur Sampleansicht muß man mit der Maus frickeln, keine Tastaturshortcuts für effizienteres Arbeiten. Das hat man irgendwann schon mal besser gehabt.
    Sampleediting ist im Librarian erstaunlicherweise sehr stark eingeschränkt. Normalize, Fade in Fade Out, reverse. Das wars. Da geht inzwischen in jedem Freewareaudioeditor mehr.
    Auf meiner Wunschliste stünden VST-Effekte, zur destruktiven Bearbeitung / Restauration von Samples. Aber - man kann nicht alles haben, oder?

    Zwischenfazit: Was kann der Microsampler?
    1.) Abfeuern von One-Shot Samples Drumsamplerfunktion
    2.) Transponiertes Abspielen von Samples um den Preis des Munchkinizings,
    3.) Abfeuern von Sampleloops inklusive BPM-Anpassung.

    Aber je mehr ich den Microsampler bodychecke, um so häufiger stoße ich an seine Limitationen.
    Was den Testern, ich meine - All den Presentern und Testern - auf YouTube, den Testern auf den Websites etc etc irgendwie entgangen sein muß: Der Sequencer des Microsampler bietet nur ZWEI (!) simultan abspielbare Tracks! Einen Track zum Abfeuern der One-Shot-Samples. Nennen wir es Drumsampletrack. Und einen transonierbaren Keyboardtrack. AUf den Keyboardtrack passt genau ein Sample drauf. Nein, auch kein Multisample. Ein.

    Und das war es. Mehr werdet ihr dem Microsampler nicht entlocken können. Zwei Tracks.
    Und noch etwas enttäuscht mich tief: Die Sache mit den Loops. Drumloops benötigen normalerweise keine Attackphase. Drumloops kann der Microsampler aus dem ff. - sogar als BPM-Slave. Aber ....
    Transponierte Samples zum Spiel von Melodielinien benötigen ein abweichendes Treatment. Normalerweise durchfährt ein transponiert abgespieltes Sample mit einer Anschwing/Attackphase das Sample und wird dann (um Samplerspeicher zu sparen) geloopt.
    Nun - auch um der Verkürzung des Samples in den höheren Lagen entgegenzuwirken. Normalerweise. Aber der Microsampler kennt kein 'Vor dem Loop'. Entweder Loopsample oder One-Shot. Hier geht die Limitierung in die Schmerzgrenze. Also ich kann das nicht ernst nehmen.

    Warum, könnte man fragen, müssen wir denn überhaupt loopen? Lassen wir doch die Samples lang! Das geht hier leider auch nicht, denn der fest verbaute Flash-Speicher des Microsamplers ist nun ja, ebenfalls MICRO ausgefallen. Nomen est Omen.
    Looppunkte, die in AIF/WAV-Samples eingebettet sind, werden vom Microsampler Editor/Librarian zu meinem großen Bedauern nicht erkannt. Es folgt: Enerviertes und vergebliches Looppointsuchen am Microsampler, dann exportieren von Samples zum Rechner, Sampleeditor mit Autolooperkennung gesucht, Hin-und Herschieben zwischen Applikationen. Workarounds. Ist dann noch ein Midisequencer im Rechner offen und greift auf den Midiport des Microsampler zu, kann der EditorLibrarian über USB plötzlich nicht mehr mit dem Korg kommunizieren. Portabsturz. Logo. Dann: Restart. Samples verloren, weil nicht gesaved. Erste Flüche. Frustbierchen. Alles noch mal.

    Der Rudimentär- Sequencer mit seinen zwei Tracks, will nun endlich mal bespielt werden.
    Na dann mal los. Und so geht es: Auf Record drücken, Über Metronom Einzählen lassen und ganz einfach live(!) Einspielen.

    Oh, habe mich - ahem - etwas verspielt. Bin halt doch kein George Duke. Und jetzt?
    Nachträgliches Quantizing: Nope. Geht nicht. Nachträgliche Editierung von Notenlängen, Tonhöhen, Anschlagstärke ....Nope. Auch der Editor/Librarian bietet keine Möglichkeit zur Modifikation der eingespielten Noten. Irgendwie richtig deprimierend.
    Ein Blick in die Gebrauchsanleitung des Microsampler hebt die Braue.
    Löschen der falsch eingespielten Noten durch Tastenkombi: Erneut auf RECORD. Dann Enter UND zeitgleich erneute Falscheingabe mittels Keyboard-Taste......löscht die eingespielte Note. Jungs das müßt ihr mal probieren, nochmals genauso falsch einspielen und dabei eine Entertaste festhalten. Dem geneigten Tester ist es irgenwie nicht so recht von der Hand gegangen. Vielleicht etwas nicht gerallt.
    Alternative: Der Microsampler kann ein (1!) Undo: Tastenkombi REC/ENTER dann darf man nochmal komplett neu einspielen.
    Ich muß zugeben, als User bin ich vom Rechner Unlimited Undo und selectives Editing gewöhnt - komme nicht so schnell mit heftigen Limitierungen á la Microsampler klar.

    Immerhin kann man falsch eingespielte Midinoten als Midi- File über den Editor exportieren und EXTERN bearbeiten. Also machen wir das mal.
    Oh ja, und damit der Sampler mit meinem externen Sequencer nicht mitläuft, sollte man ihn gleich auf internen Sync schalten. Wir wollen ja beim Editieren den Microsampler mithören aber nicht die Noten aus seinem eigenen Two-Track-Sequencer. Der USB-Anschluß dient als Midiverbindung zum Rechner und damit zu unserem Midisequencer. Der Miditreiber funktioniert, wird im Sequencer (diesmal Logic) super erkannt.
    Das exportierte Midifile beinhaltet zwei Miditracks, Track 1 für die Oneshotsamples, Track 2 für den Keyboardtrack.
    Nun müssen diese Tracks im Logic angelegt, assigned, editiert, exportiert, reimportiert.....
    Qual, Du bist mein. War dieses Gefrickel nicht der Grund, warum wir die Hardwaresampler über Bord warfen? Ich bin jetzt mal ehrlich. Habe aufgegeben. Die Geduld verloren. Ja.

    Will mich stattdessen mit den vielgepriesenen Kaosspad3-Effekten trösten. Oh ja, sie sind ganz ok. Delay, Reverb, Verzerrer, Flanger, Chorus, ein brauchbares Lowpass-Filter, Downsampling und Bit-Reduzierung (cool), ein etwas absurder Looper der die Abteilung <Jugend Forscht> eine Weile auf Trab hält.
    Dann aber die traurige Erkenntnis: Es lässt sich nur ein (1!) Effekt für die ganze Bank von Samples anwählen. Das heißt: Ein Effekt für einen kompletten Song. NA TOLL.
    Ich zitiere mal John Formadoni, Korg USA: Willst Du mehr, kannst Du Effekte durch Resampling destruktiv übereinanderlegen. Na viel Spaß denn auch.
    Der etwas betagte Korg Electribe ESX-1 mit 3 stackbaren Effekten, bis zu 24 Motion- Sequencen , Accent und Stepsequencer erscheint dem Tester im direkten A-B-Vergleich wie ein Featurebolide aus dem siebten Sequencinghimmel.

    Vielleicht erbarmt sich jemand bei Korg und erweitert das OS des Microsamplers um einen bedienerfreundliche Stepsequencer.
    LEDs sind genug da, prangen über jeder Taste. Stepsequencing hätte doch eigentlich ein Highlight des Microsamplers sein können, schwebte den Produktdesignern während der Konzeptionierungsphase vielleicht noch vor, wurde aber im Zuge der straffen Realisationsphase eventuell.... vergessen. Nochmal freundliches Anklopfen bei Korg um ein Update......?

    Was ein Update aber definitiv nicht löten wird: In der Zeit der Terrabyte-Festplatten und der Speicherriegel zu Pfennigbeträgen hat Korg unverständlicherweise am Speicher des Microsampler gegeizt. Erweiterung über Micro-SD? Nope. Speichererweiterung über USB-Stick? Nope. Speichererweiterung über sauteuren Samplerspeicher: Nope. Einbau, Anschluß einer Festplatte? Doofe Idee. Nope.

    Und noch ein Nerv. Der ohnehin knappe Speicher wurde auch noch mit einer einseitig auf Hip-Hop Musiker zugeschnitten Presetsamplebank verschwendet, sie lässt sich zum Verdruß des Testers noch nicht mal ablöschen.
    Einer meiner Albträume. Ich lade im überfüllten Club versehentlich die Presets mit den Debilo-Hiphopper-Samples ......One- Two- MICCCROOOSAMPLAAAAA! Da bliebe kein Auge trocken! HAHAHA! Oh Mann!
    Diesen Speicherplatz hätte ich nun wirklich sehr gerne für MEINE Samples gehabt.
    Aber nach Fütterung mit ein paar Stereoloops bei 48 KHZ sagt mir mein Microsamplerchen statt dessen: Memory full.
    Kann es irgendwie gar nicht fassen. Und jetze? Jetzt heißt es: Downsampling, Aus Stereo mach Mono, frühzeitig Runtermischen, Resamplen. Samples kürzen. Aua.

    Dabei sieht das Micro-Samplerchen so lieb aus. Zwei zigarettenschachtelgroße Aussparungen auf der Oberseite des Gerätes verraten uns, was den Designern des Microsamplers ursprünglich einmal vorschwebte. Ja ei, wozu sind die denn da? Einige der Produktfotos auf der Korg Website präsentieren an diesem Ort einen - AHA!- Apple I-Pod. Ja stimmt, passt genau.
    Die Speichererweiterung des Microsampler, hier(!) hätte sie liegen sollen. In einer Librarian-App hätten wir ganz bequem am Touchscreen unsere 64GB Samplinglibrary editiert, als Digital-Audio Samples vom Ipod über den Dockadapter in den Microsampler geschickt. Über Bluetooth Mididaten und Audio zum Rechner geschickt. Wäre absolut der Hammer geworden. Microsampler mit Touchscreen..... Aber es hat nicht sollen sein.
    Aus unerfindlichem Grunde sind Dockadapter nicht verbaut worden.
    Hier hat ein Rotstift offenbar der technischen Revolution Einhalt geboten. Keine Microsampler-App. Und das finden wir sehr, sehr, sehr sehr, seeeeeehr schade.

    Das große Microfazit:
    Mit dem Microsampler kommt die Erinnerung an die Pioniertage des Sampling zurück. Wir erinnern uns aber plötzlich auch an arbeitsintensive, umständliche, zeitaufwändige Arbeitsmethoden.
    Frühe-Sampler waren featurebeladen, Hochtechnologie, das Parfum der Computer-Revolution haftete ihnen an - auch ein saftiger Preis für wenig RAM.
    Mit Fortschreitender Rechnertechnologie wurde der Sampler dann entkörperlicht, preiswert und bedienbar, von Limitationen der Hardware befreit, auf der anderen Hand aber zum blanken Addon der großen Sequencersoftwares degradiert.

    Vielleicht ist daher die Zeit für ein romantisches Revival des klassischen, hardwarebasierten Samplers reif. Aber lasst uns ehrlich sein. Romantik wackelt immer dort, wo die Liebe nicht vom Herzerl kommt. Ausgerechnet am Herzen des Microsampler sprich: OS, RAM, Sampleeditor haben Korg, finde ich, heftigst gespart. Von der verpatzten Ipodintegration ganz zu schweigen.

    Romantisches Revival. Nun ja. Man könnte auch sagen: Never have Sex with your Ex.

    Ich mag den Microsampler irgendwie trotz seiner fatalen Beschränkungen. Und vielleicht, mit etwas gutem Willen ist es noch nicht zu spät und es passiert ein kleines Wunder. Uuuuuuund so könnte es laufen: Ein Korg-Produktmanager, der das immense Potential des Microsampler verschenkt sieht (guter Mann) und ein Herz hat, spendiert ihm ein astreines Update. Oder ein durchgeknallter Hersteller von Retrofits bringt einen Nachrüstsatz mit Ipod-Dock-Adapter und illegal modifiziertem Microsampler-OS heraus... so ne Art Devilfish-Microsampler.
    Oh ja bitte.

    Vielleicht liege ich auch ganz falsch und den Kids gefällt die durchgängige Limitation gerade: Kurzes, heftiges Techtel ohne Tiefgang. Limitation als kreativer Ansatz. Kaossilatormäßig cheapes Munchkinizing-Sampling voll druff auffe Zwölf und ab in die Charts. One- Two- MICCCROOOSAMPLAAAAA! Und den Ipod stellen wir trotzdem in den Schacht. Sieht doch cool aus.

    Pro
    Einfacher Sampler One-Shot Drumsampler-Style,
    Mehrere Sampling-Arten Auto-Next, Loop-Function, Realtime-Timestrechfunktion bei Geschwindigkeitsänderung
    Multisamples nur bei Belegung kompletter Soundbänke, keine Überblendung von Keyzones
    Sampleplayback transponierter Samples bewirkt klassisches Munchkinizing
    Sequencer mit Quantize-Funktion, bis zu 99 Takte/Sequence, 16 Sequencer Stages pro Pattern
    Fast bugfreier Sample-Editor zum Datentransfer über USB, Databackupfunktion, , Der

    Contra
    Wenig Arbeitsspeicher , Nicht erweiterbar '
    Bank mit Hip-Hop Presetsamples als Demo fest belegt (read only)
    Keine Editfunktionen für Notenedition weder im Sampler noch im Sample Editor
    Nur ein Effekt pro Bank nutzbar

    Pflichtupdate:
    1.) Editing von Patterns im Korg Micro-Sampleeditor/Librarian 2.0
    2.) Überarbeitung des Editors/Librarian z.B.: Copy-Paste für Samples, Shortcuts für bearbeitung (Apfel:N, Apfel:C, WIN: CTRL:N, CTRL:C usw usw)
    3.) Effekte frei routbar / Stackbar pro Samplervoice
    4.) Multisampling, Tastatursplit für keyboardtrack
    5.) Erweiterbarkeit des Samplespeichers über USB-Port (z.B USB-Stick/Festplatte/Cardreader etc.
    6.) Full and final Erase der Preset Bank
    7.) Stepsequencer für den Microsampler!!!!
    8.) Class Compliance zum Anschluß des IPAD / Ipod über USB!!!!

    Absolutes Dreamupdate:
    Ipod Dockadapter Retrofit mit Ipodapp zum Sampleaustausch
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