Öle & Betriebsstoffe für Ihr Auto Jetzt informieren Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More HI_PROJECT Equalizer 2 Hier Klicken Mehr dazu Jetzt bestellen AmazonMusicUnlimited FußballLiveAmazonMusic Sportartikel

Kundenrezension

15. Dezember 2017
Nun ist es fast ein Jahr her, daß die feine Ausstellung des Bucerius Kunst Forum geschlossen wurde, und es ist vielleicht etwas spät, dazu noch eine Rezension zu schreiben. Ausstellungen kommen und gehen, die Begleitbände aber bleiben. Hier liegt wieder einmal ein besonders prächtiger Band zu einer Kunstaustellung vor, der auch tiefgründiger zum Thema ist als das mit einer Ausstellung, sei sie noch so gut gestaltet – und das war sie – möglich ist. Ausstellung und Begleitband zeigen eindrucksvoll, wie Venedig Besucher und vor allem Künstler fasziniert und herausgefordert hat. Mit fünf gutgeschriebenen Aufsätzen und sechs erläuternden Texten zu den Ausstellungsabschnitten wird das unter verschiedenen Aspekten und bezüglich aufeinander folgenden Kunstepochen und Sujets im Begleitband beleuchtet, ohne in irgendeinen Schematismus zu verfallen.

Wie Venedig gesehen wurde – von der Kunst und durch die Kunst, hat sich im Laufe der Jahrhunderte geändert. Dem Thema „Der Doge und die Künste“ ist der einführende Aufsatz (S. 10-17 sowie zum entsprechenden Ausstellungsteil S. 56-71) gewidmet – ein Thema, das bekanntlich 1797 endete. Früher war das Stadtbild eher Begleitung, Hintergrund, Kulisse repräsentativer oder religiöser Darstellungen, erst im 17./18. Jahrhundert wurde es selbst zum Thema. Die Vedutenmalerei orientierte sich an den Erwartungen des nach Venedig kommenden, schauenden Publikums. Sie lockte die Reisenden und prägte ihre Wahrnehmungen. War es ein Zufall, daß der erste Maler dieser Stadtansichten, Joseph Heinz d.J., aus Augsburg nach Venedig kam und hier blieb? Gaspare Vanvitelli (eigentlich Caspar Adriaans van Wittel) stammte aus den Niederlanden und lieferte analytisch-beschreibende Stadtbilder, Canaletto – eingeborener Venezianer – arbeitete für den englischen Bankier und Schiffsversicherer Konsul Joseph Schmidt, der ihm Aufträge verschaffte und schließlich von dessen Gemälden zwei Kupferstichsammlungen fertigen ließ: Verkaufsprospekte und Venedig-Werbebroschüren gleichermaßen. Während Canaletto seine Werke sorgfältig komponierte, so daß sie wahrhaftiger erschienen als die Stadt selbst, bildete sein Neffe Bernardo Bellotto (ebenfalls Canaletto genannt), eigenständig geworden, die Stadt in klaren, kräftigen Konturen ab – und verließ schließlich Venedig für immer. In den Bildern Francesco Guardis ist die einsetzende Venedig-Romantik in weiten Horizonten und mit zerstäubender Atmosphäre schon zu erahnen. Bei anderen scheint etwa die Hinwendung zu Gauklern, Marktschreiern, Schauspielern, Spektakel Vorbote des Untergangs zu sein. All das wurde in Europa gekauft und es begeistert uns noch heute. Kaum hat man in ihrer Zeit die Zeichen des Untergangs erkannt, das ist eher eine Deutung von uns Späteren.
Mit Napoleon und Österreich war aber die Pracht der Serenissima dahin und so erscheint die Stadt als romantische Methapher in den Gemälden von William Turner, Claude Monet – ähnlich in den etwas weinerlichen Dichtungen von George Gordon Byron. Unsere Sicht auf Venedig als Gesamtkunstwerk ist hier vorgeprägt. War die amerikanische Wahrnehmung Venedigs im 19. Jahrhundert (dazu S. 46-55) anders?: Niedertracht und Verfall, wie der grauenhafte Reißer von James Fenimore Cooper (Der Bravo: Eine venezianische Geschichte (TREDITION CLASSICS)) behauptet oder etwa Gemälde und Zeichnungen von James Abbott McNelli Whistler lassen das vermuten. Und natürlich die Nachtstücke: Thomas Moore und Samuel Rogers meinten, man dürfe Venedig nur bei schwachem Licht sehen; Friedrich Nerly und dessen Sohn Friedrich Paul sowie Eduard Schleich d.Ä. zeigen das. Diese Vorstellungwelt und diese Sicht auf Venedig ist aber wohl dahingegangen. Zum Ende des 19. Jahrhunderts kommt dann wieder Licht ins Venedig-Bild: Édouard Manet, Pierre Auguste Renoir, Wassily Kandinsky, Claude Monet. Ja, so mögen wir Venedig gern sehen: prächtige, frisch renovierte Fassaden möglichst im diffus-sanftem Licht – und sind beleidigt, wenn wir gleich um die Ecke in enger Gasse Grau-in-Grau finden.

Wenn Sie die Ausstellung versäumt haben, finden Sie sie hier auch komplett im Begleitband: alle 99 in der Ausstellung gezeigten Gemälde, Graphiken, Zeichnungen und Photos. Nicht nur die sind großformatig und farbig abgebildet (ab Seite 62 und nicht nur die hier von mir erwähnten Künstler), sondern zu den Aufsätzen gibt es viele weitere Bildwiedergaben – auch alle farbig. Der Erwerb dieses Buches lohnt wirklich!
0Kommentar Missbrauch melden Permalink
Was ist das?

Was sind Produktlinks?

Im Text Ihrer Bewertung können Sie mit einem Link direkt zu einem beliebigen auf Amazon.com angebotenen Produkt leiten. Befolgen Sie diese Schritte, um einen Produktlink einzufügen:
1. Das Produkt, zu dem der Link führen soll, auf Amazon.com suchen
2. Internetadresse des Produkts kopieren
3. Klicken Produktlink einfügen
4. Die Internetadresse in das Kästchen einfügen
5. Klicken Auswählen
6. Wenn Sie den angezeigten Artikel auswählen, erscheint ein Text wie dieser: [[ASIN:014312854XHamlet (The Pelican Shakespeare)]]
7. Sobald Ihre Bewertung auf Amazon.com erscheint, wird dieser Text in einen solchen Hyperlink umgewandelt:Hamlet (The Pelican Shakespeare)

Ihre Bewertung ist auf 10 Produktlinks beschränkt, und der Linktext darf maximal 256 Zeichen betragen.


Produktdetails

5,0 von 5 Sternen
3
39,90 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime