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Kundenrezension

TOP 500 REZENSENT
2. Februar 2018
„Es war eine vergleichsweise einfache Sache, die Anfänge und die frühen Fortschritte in den Versammlungen der Brüder bis hierher aufzuzeigen. Vor mir liegt nun jedoch eine viel schwierigere Aufgabe; es geht um die Geschichte der ersten großen Spaltung, des Schismas, die die Brüder in die zwei Lager der »exklusiven« und »offenen« Versammlungen trennte.“ (Der Autor nach einem Sechstel des Buches, S. 52)

„Ich habe das Verlangen, die Integrität – d. h. die volle Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit – und die Hingabe der Führer auf beiden Seiten (Anm. den Offenen und Geschlossenen Brüdern) dieser unglücklichen Geschichte anzuerkennen.“ (S. 93)

„Im Zurückverfolgen der Erfahrungen, welche die Brüder durchlaufen haben, muss ein unparteiischer Beobachter zwangsläufig überrascht sein angesichts ihrer offensichtlichen Unfähigkeit zur Bewältigung von Krisen – wenn sie tatsächlich auf sie zukamen –, obwohl ihre Literatur doch voll ist mit den genauesten und sorgfältigsten Anweisungen im Blick auf Methoden von Zuchtmaßnahmen nach der Schrift.“ (199)

Um was geht es?

Der Begriff „Abriss“ (engl. sketch) ist eine passende Bezeichnung für dieses Buch. Es zeichnet die Geschichte der sogenannten „Brüderbewegung“ ab ihrer Entstehung um 1825 bis zum Datum der Niederschrift (1942) dar. Die in GB aus Kreisen von Staats- und Freikirchen entstandene

Der Autor

H. A. Ironside (1876-1951) ist „Insider mit Halbdistanz“. Er leitete von 1929 bis 1948 die Moody Church in Chicago. Er bringt seine eigene Haltung im Vorwort zum Ausdruck: „Seit zwölf Jahren bin ich Pastor der Moody Memorial Church in Chicago, einer unabhängigen Gemeinde, die weitgehen für die Wahrheiten einsteht, welche die Brüder lieben und von denen Dwight L. Moody (Anm. ein grosser US-amerikanischer Evangelist, 1837-1899) so viel profitiert hat. Dieser Umstand hat mich weilweise von der vollen Gemeinschaft mit Brüderversammlungen getrennt, die ich über so viele Jahre hinweg genossen hatte; meine Liebe zu ihnen und meine Hochachtung für sie ist dadurch jedoch in keiner Weise geschmälert.“

Was das Buch charakterisiert

Dies schreibe ich üblicherweise nicht am Anfang einer Besprechung. Doch hier gehört es dazu: Durchs ganze Werk sind wertvolle Fussnoten zu allen genannten Personen sowie den verwendeten Fachbegriffen gesetzt worden. Ebenfalls kurz beschrieben werden (kirchen-)geschichtliche Hintergründe. Zudem gibt es präzise Hinweise zur Primärliteratur (z. B. genaue Angaben zu thematischen Auseinandersetzung in „The Collected Writings of J. N. Darby“ und zum Gesamtwerk, 160, oder wichtige Publikationen zu W. Kelly, 114-115) und Links zum brethrenarchive.org.

Einen zentralen Platz nehmen ausführliche Originalzitate ein. Diese sind ausgezeichnet ausgewählt, das heisst, sie decken zentrale Aussagen ab und fassen Geschehnisse und Lehrentwicklungen zusammen. Für interessierte Querleser: Charakterisierung Darbys als junger Mann (24-28); der ursprüngliche Gedanke der Zusammenkünfte (35-38); zwei Briefe zur Trennung von 1845 (69-75); der Brief der Zehn im Jahr der Betheda-Trennung (99-105); Brief über die Aufnahme in Gemeinschaft (130-133); Brief während der Ramsgate-Trennung (140-145); Brief von W. Kelly zu seiner Weigerung, sich dem Entscheid der Parkstreet-Versammlung zu beugen (148-156); Erklärung zur Montreal-Trennung (169-177); Grant zur London-Partei (191-195); Stoneys mystische Erlebnisse auf dem Krankenbett (202-206); Tadel von Bruder Rickart an die amerikanischen Brüder (244-255); Dr. Black über die Plymouth-Brüder (285-291).

Natürlich ist die Schilderung der zahlreichen Spaltungen sehr prominent. Er nimmt den grössten Teil des Buches ein. Angesichts der Komplexität ist es bewundernswert, wie Ironside die wesentlichen Aspekte darzustellen vermag – in aller Regel mit Originalzitaten.

Einige Detailhinweise

• Es begann in einem Hinterzimmer und mit dem Brechen des Brotes (21). Diesen Anfang muss man verstehen, um die Bewegung zu verstehen.
• Von Anfang an stand der Gedanke der Verantwortlichkeit für die Ausbreitung des Evangeliums in fernen Gegenden zentral (41). Traktate und Reiseevangelisation spielten weltweit eine massgebliche Rolle (113).
• Es wurde grosser Nachdruck auf die völlige Verderbtheit und den Ruin des Menschengeschlechts gelegt (47). Darby prallte diesbezüglich heftig mit Moody zusammen (134).
• Die Idee der aufgeschobenen 70. Jahrwoche Daniels wurde als Schlüssel zum prophetischen Wort angenommen (55).
• Mancher wird sich die Augen reiben, wenn er den Brief Darbys an Kelly von 1839 zur Zulassung eines Katholiken (59) oder Kellys Äusserung zur Aufnahme (158) liest.
• Die fragmentarischen Bemerkungen von Darby, die auszugsweise wiedergegeben werden (76-84), sind zentral: Die locus classicus von Mt 18,20; die Mühe mit der Administration/Institution; die These der Schwachheit und des niederen Zustandes der Kirche; das Verhältnis zum Urzustand der Kirche; das Ideal der Schwachheit; die Priorität der Absonderung; die Distanzierung zum Papsttum und zu den Freikirchen; die Ablehnung einer offiziellen Regierung (Gemeindeleitung); der Begriff des Überrests
• Die Begriffe „offen“ und „exklusiv“ hatten in erster Linie keinen Bezug zur Haltung der Brüder gegenüber Christen, die sich nicht mit ihnen versammelten, sondern ausschliesslich zu internen Zuchtfragen (108).
• Erstaunlich ist immer wieder die präzise Selbstdiagnose wie die von F. W. Grant (125f): Arroganz, Bildung von Superstrukturen und neuen Dogmas
• „Wäre Darby nicht so heftig in der Verurteilung anderer gewesen, wäre er möglicherweise selbst nicht so sehr der Gegenstand derart starker Angriffe geworden.“ (129)
• Die kaum verschleierte Verachtung vieler Exklusiver für die weniger Belehrten (136) wird anhand eines krassen Beispiels am Totenbett eines jungen Mannes geschildert (164).
• Die Mehrheit hing der objektiv-schriftauslegenden Schule, eine Minderheit der subjektiv-mystischen Schule an (201). Die Grenze zur Mystik ist schmal.

Beobachtungen eines Ehemaligen

Als in einer (im exklusiven Teil grossgewordenen) Ehemaligen seien mir eine Handvoll Beobachtungen erlaubt, die mir bei der Lektüre des Buches aufgefallen sind:
1. Die eigene Sprache: Jede „Subkultur“ zeichnet sich durch eine eigene Sprache aus. Es fiel mir die von „geistlichen“ Ausdrücken durchsetzte Wort- und auch Satzwahl auf. Ironside selbst bemerkt die Komplexität und Zweideutigkeit der Sprache Darbys (128).
2. Extremer Individualismus: Es bildet sich durchs ganze Buch bzw. durch die Geschichte das mühevolle Ringen zwischen dem Ich dem Wir ab. In welchem Verhältnis steht der Einzelne zur Gemeinschaft?
3. Abneigung gegen Institutionen: Ebenfalls augenfällig ist (geschichtlich bedingte) Widerwille gegen alles Institutionelle bei gleichzeitigem Wildwuchs des Informellen. Es gab ständiges Tauziehen zwischen der Autorität einzelner Brüder und Versammlungen.
4. Ein Ideal der Schwachheit: Das mit der kirchengeschichtlichen Deutung des Niedergangs einhergehende Ideal der Schwachheit kann sich leicht in eine mit Demut getarnter Form des Stolzes umschlagen. Der Ausdruck von eines führenden Bruders (Wigram) des „Kirchen-Spielens“ ist eine ungeheuer passende Beschreibung.
5. Es ist interessant, wie oft die Lehre über Christus, Grund oder zumindest Auslöser von Spaltungen war.

Fazit
Ich habe das Buch fast in einem Zug gelesen. Das ist ein gutes Zeichen. Der Kerntext ist so kurz wie möglich und so lange wie nötig. Leseempfehlung!
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