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Kundenrezension

29. April 2015
Es wird leider nicht ganz deutlich, an welche "Zielgruppe" sich diese Allgemeine Musiklehre richtet. Für die Allgemeinheit der musizierenden Amateure ist der Anspruch wohl fachlich zu hoch, wobei das Niveau für Leute, die beruflich mit Musik zu tun haben, zu allgemein ist, denn diese Gegenstände sind ihnen zumeist schon bekannt oder sie können leicht in einem Musiklexikon nachgeschlagen werden. Der Berufsmusiker oder Musikstudent möchte hier ein tieferes Eindringen und eine tiefere eigenständige Deutung respektive Analyse der Materie und nicht nur eine rein informative Unterweisung in einem Material, das er zumeist schon kennt.
Oft werden Stile und Epochen nebeneinander gestellt, die wenig miteinander zu tun haben: so wird etwa von der Gregorianik zur Renaissance, zu Stockhausen oder zur modernen Pop - oder Bluesmusik gesprungen. Jeder dieser Bereiche würde aber ein ganzes Kapitel, wenn nicht gar ein ganzes Buch benötigen, um nur einigermassen in die Tiefe gehen zu können.
Lobenswert sind hier die musiktheoretischen Werke von Wolfgang Budday, der konkret nur eine ganz bestimmte Epoche, etwa die Wiener Klassik, in einem Buch behandelt, dabei aber brennglasartig jede Tiefe eines entsprechenden Stils und der dazugehörenden wichtigen musiktheoretischen Werke und Komponisten/Kompositionen ausleuchtet und durch Übungen vertieft.

Manche Darstellung im Buch ist auch nicht ganz korrekt. Der oben zitierte Satz etwa "Das Material der Dur - und harmonischen Molltonleiter ist identisch mit dem Tonmaterial der dazugehörigen Kadenz" meint, dass in den Dreiklängen der Hauptstufen (1- 4 -5 ) alle sieben Töne der dazugehörigen Dur - oder Molltonleiter enthalten sind. An sich ein interessanter und wichtiger Gedanke, nur sollte im Buch redlich auch darauf verwiesen werden, woher er stammt: aus Heinrich Christoph Koch's "Versuch einer Anleitung zur Komposition" von 1782. Dort heisst es: "Nehmen wir nun unseren Grundton C mit seinen beyden Haupttönen g und f (also die Hauptstufen 1-5-4) vor uns, und betrachten diejenigen Töne, welche die Natur mit diesen Tönen mitklingend verbindet (also die Dreiklänge dieser drei Stufen durch Obertöne) so findet sich's, daß mit dem Grundtone C (Tonika) die beyden Töne e und g, mit dem Haupttone G (Dominante) h und d, und mit dem Haupttone F (Subdominante) a und c erklingen. Diesem nach erhalten wir SIEBEN, ihrer Natur nach von einander verschiedene Töne und in dem bestimmten Grade der Höhe und Tiefe dieser Töne gegen ihren gemeinschaftlichen Grundton C zugleich die harte Tonart." Also alle sieben Töne der Dur- ( oder auch Moll-) Tonleiter.

Rameaus Akkord der "Sixte ajoutee" wird im Buch zudem nicht richtig verstanden und erklärt. Dort heisst es: "Rameau interpretierte den Vierklang d-f-a-c nicht als Septakkord auf der 2. Stufe, sondern als F-Dur Dreiklang mit einer hinzugefügten Sexte (Subdominant-Quintsextakkord) und nannte diesen Akkord Accord de la sixte ajoutee". Rameau unterscheidet aber deutlich zwischen dem Septimakkprd auf der 2. Stufe mit seiner 1. Umkehrung als 5/6-Akkord (in C-Dur: f-a-c-d) und dem gleich aufgebauten Akkord der hinzugefügten Sexte (ebenfalls f-a-c-d nur hier mit Fundament F und nicht D). Bei Rameau wird unter dem Akkord mit der hinzugefügten Sexte nur ein plagal verwendeter 5/6 - Akkord verstanden (in C-Dur etwa der F-Dur-Dreiklang + grosse Sexte, der dann zum Akkord der 1. Stufe weitergeht), während die 1. Umkehrung der 2. Stufe als 5/6 - Akkord bei ihm als "dominante" bezeichnet wird, die im Quintfall in die 5. Stufe fortgeht. Wird der Akkord also als "dominante" gebraucht, so macht das imaginäre Fundament einen Quint-Schritt nach unten oder einen Quart-Schritt nach oben von der 2.Stufe in die 5. Stufe, wird er aber als Akkord der "hinzugefügten Sexte" gesehen, so ist er plagal zu verstehen und das Fundament macht einen Quart-Schritt nach unten oder einen Quint-Schritt nach oben, etwa von der 4. Stufe in die 1. Stufe. Dieser 5/6 - Akkord wird bei Rameau also zweifach, als "double emploi" gedeutet, je nach Weiterführung des Fundaments einmal als Akkord der hinzugefügten Sexte und das andere Mal als "dominante", quasi als echter 5/6 - Akkord der 2. Stufe, der dann in die 5. Stufe der Kadenz führt. Die oft verwendete Bezeichnung dieses 5/6 - Akkords auf der 4. Stufe in der Kadenz 1-4-5-1 als Akkord der hinzugefügten Sexte ist also falsch, denn hier wird er von Rameau als 1. Umkehrung der 2. Stufe gesehen, also eigentlich 1-2-5-1. Rameaus Akkord der hinzugefügten Sexte hat also nichts mit der 1. Umkehrung des Septimakkords auf der 2. Stufe zu tun, auch wenn das Tonmaterial und die Intervalle mit diesem zufällig identisch sind. Er interpretierte den Vierklang d-f-a-c in seiner Grundstellung also auch real als Septimakkord der 2. Stufe und nicht als "Akkord der hinzugefügten Sexte" und seine Form als 5/6-Akkord zweifach als "double emploi": Entweder als reale 1. Umkehrung der 2. Stufe oder als Grundakkord mit einer (oft frei) hinzugefügten grossen Sexte.

Dennoch bietet das Buch viel Interessantes und Lesenswertes, gerade auch für Leute, die professionell in die Musik einsteigen möchten und vielleicht ein Musikstudium oder eine Aufnahmeprüfung in Erwägung ziehen.
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