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Kundenrezension

25. Dezember 2016
Wer überwiegend mit Endspiel, Matt-, Taktikaufgaben oder allgemein mit Stellungseingaben arbeitet und von einer der vorherigen Programmversionen umsteigt, wird tief enttäuscht sein. Seit "Fritz 15" (richtigerweise müsste das Programm Fritz 12.3 heißen - s.u.), ist es nicht mehr möglich, eine Position oder Aufgabe aus einer Datenbank zu laden oder einzugeben und danach sofort gegen das Programm zu spielen. Bevor Fritz einen Zug macht, verlangt er weitere Informationen zur Spielzeit oder Spielstärke. Dagegen wäre an sich nichts einzuwenden. Problem: Fritz fordert diese Angaben nicht nur nach jedem Programmstart sondern nach jeder neu geladenen Aufgabe erneut ab und das nervt. Stellung eingeben / laden und losspielen geht nicht mehr. Alle mir bekannten Programme (inklusive "Fritz 13") können das besser.

Der Nutzer sollte von Fritz nicht bevormundet sondern in den Optionen die Wahl haben, ob er das Programm wie bisher oder im Analysemodus nutzten möchte.

Früher war es möglich, Rechenzeiteinstellungen (etwa 1 Min. pro Partie etc.) in einer "Blankopartie" abzuspeichern, die man dann an erster Stelle einer Datenbank mit Stellungsmustern, etwa Endspielübungen, ablegen konnte. Mit einem Klick auf diese Partie galten die Zeitvorgaben dann für alle danach geladenen Stellungen. Dieser Komfort ist in "Fritz 15" entfallen.

Jedes bekannte Schachprogramm zeigt an, welche Seite am Zug ist, was bei der Übung mit Stellungsmustern eine Grundvoraussetzung darstellt. Beim Fritz wird dies traditionell geheim gehalten, es sei denn man benutzt die analoge Uhr, worauf man erst mal kommen muss... Wer wegen der ungenauen analogen Anzeige lieber die digitale nutzen will, der steht auf dem Schlauch.

Eklatante Programmfehler werden beharrlich nicht korrigiert. So kann das Programm seit Anbeginn beispielsweise die Sizilianische von der Englischen Eröffnung nicht unterscheiden. Sucht man im Buchfenster den Stellungstyp, der nach 1.e4-c5 entsteht, so werden nicht nur diese sondern auch alle weiteren Partien als Treffer herausgefiltert, deren Anfangszüge 1.c4-e5 lauten. Dieses Phänomen ist Chessbase bereits seit Fritz 11 bekannt. Der Fehler ist geblieben. Alle anderen Programme mit Datenbankfunktionen haben das Problem dagegen nicht.

Der Freund-Modus (für viele wohl ein Grund auf "Fritz 15" zu wechseln) passt sich nicht nur der Spielstärke sondern auch der Zeit pro Zug an. Je länger man für einen Zug benötigt desto länger nimmt sich das Programm für seine Erwiderung Zeit. Dazu gibt es eine plausible Begründung seitens Chessbase: man will verhindern, dass der User frustriert ist, wenn das Programm zu schnell zieht. Ich gehöre leider zu jener vermutlich mehrheitlichen Gruppe, die frustriert ist, wenn es ohne ersichtlichen Grund zu lange dauert.

Früher gab es bei Freundschaftspartien noch die Auswahl "Programm spielt schnell". Warum hat man dieses sinnvolle Feature beseitigt bzw. auf die Wertungspartien beschränkt? Die Antwort "mein Freund", weiß ganz allein der Wind.

Die automatische Anpassung funktioniert nach meinem Eindruck mit der "Fritz 15"-Engine einigermaßen zufriedenstellend. Verwendet man dagegen andere, etwa die freien Versionen von Stockfish oder Komodo, dann entspricht das Spielverhalten eher dem, welches man von den Freundschaftspartien der Vorgängerversionen kennt.

Die Fähigkeit wie ein Mensch zu spielen oder mit menschlichen Fehlern zu agieren, spreche ich "Fritz 15" rundweg ab. Seine angeblich menschliche Spielweise wirkt auf Vereinsspielerniveau immer noch hölzern und gekünstelt. Es hat sich zwar etwas gebessert, ist aber bei der Konkurrenz (etwa bei Shredder Classic oder den Android Apps "Play Magnus - ab Stufe 10-Jahre" oder "Chess Free - ab Level 7") eher gelungen.

Für ernsthafte Schachspieler ist der Freundmodus in "Fritz 15" allerdings aus einem völlig anderen Grunde als den bereits genannten unbrauchbar: unter dem Brett befindet sich ein dicker grüner Button, der sehr aufdringlich und störend rot-gelb zu flackern beginnt, sobald das Programm einen schwachen Zug macht. Diese Funktion kann nicht deaktiviert werden. Manch einer wird daher versucht sein, irgend was darüber zu kleben oder ein Büchlein vor den Monitor zu stellen um diesen Button abzudecken, denn die äußerst nervige und irritierende Anzeige von Fehlzügen ist alles andere gelungen. Man wird verleitet, gegen das Programm zu blitzen bis es flackert. Erst dann beginnt man zu grübeln. So ein Spiel in Erwartung eines Fehlzuges, der dann auch noch aufdringlich gemeldet wird, ist lebensfremd und unproduktiv.

Da der Nutzer keine Möglichkeit hat das zu deaktivieren (warum eigentlich nicht??), wird er quasi von dem Programm wider Willen bevormundet. In den Vorgängerversionen hieß diese Funktion noch "Sparring-Modus". Dort konnte man entsprechende Hinweise wenigstens abschalten. Der Sparring-Modus ist in "Fritz 15" dagegen komplett entfallen bzw. fatalerweise in die Freundschaftspartie integriert worden.

Solange Chessbase hier nichts ändert, ist der Freundmodus - für mich jedenfalls - keine Option. Zudem gibt es keinen plausiblen Grund, warum der Nutzer - wie früher - nicht mehr selbst entscheiden kann, ob er Hinweise bekommen möchte oder nicht.

Die weit verbreiteten PGN-Datenbanken können noch nicht einmal elementar bearbeitet werden. So ist etwa das Löschen einzelner Partien nicht möglich. PGN-Datenbanken werden standardmäßig noch nicht einmal angezeigt, sondern müssen zunächst zur Ansicht freigegeben werden und zwar nicht nur einmal sondern bei jeder weiteren erneut. Sehr nervig für alle, die oft mit solchen Dateien arbeiten. PGN-Datenbanken sind nichts exotisches sondern weltweiter Standard und finden im Internet zu 99 % Verwendung, auch auf der Seite von Chessbase daselbst.

Zu Trainings- und Analysezwecken hätte ich mir alternativ zu dem vorhandenen Bewertungsprofil, das die meisten Nutzer abschalten, da es zu unübersichtlich ist, einen einfachen Balken direkt neben dem Brett gewünscht, der ähnlich wie in Chess24 oder LiChess gleich einem Thermometer sofort die Stellungsbewertung wiederspiegelt. Den Entwicklern von Fritz kann unmöglich entgangen sein, das diese Art der Anzeige sich zunehmend durchsetzt. Warum sträubt sich Chessbase, dieses simple und für das Training äußerst nützliche Feature zu übernehmen? Will man sich mit Gewalt abgrenzen?

Selbst erstellte Eröffnungsbücher können nur mit den rudimentären Kommentaren versehen werden. Die Übernahme von Textkommentaren (wie bei Shredder) oder graphischen Kommentaren aus der Partie in das Buch wurde bisher nicht umgesetzt. Alleine dafür würde ich einen neuen Fritz kaufen!

Man könnte noch zahlreiche Vorschläge und Anregungen unterbreiten, wie aus dem guten Programm ein sehr gutes würde, was dann auch eine neue Programmversion rechtfertigen dürfte. Ich habe es mittlerweile aufgegeben, warte auch nicht länger auf "Fritz 16" oder besser einen Fritz 12.4 sondern lieber auf einen ernsthaften Konkurrenten.

Chessbase hat es als Marktführer offenbar nicht mehr nötig, sich wirklich weiterzuentwickeln. Denkbar ist auch, dass man sich die Entwicklungsschritte für weitere Versionsnummern vorbehält um den Verkauf derselben so lange als möglich rechtfertigen zu können. Das Hantieren mit angeblich neuen Programmversionen erscheint dem Insider eher wie ein Taschenspielertrick. So wurde im Forum von Schachfeld.de zu "Fritz 15" im Vergleich zur Vorgängerversion folgendes trefflich angemerkt:

"Ein paar Funktionen woanders hin gepackt, die Einstellungen anders verteilt, ein zwei Gimmicks dazu gegeben plus Vas Ladenhüter (Anmerkung: "Fritz 15" ist keine verbesserte Fritz-Engine sondern Rybka 4.x von Vasik Rajlich) angeschraubt und mit ner anderen Farbe angestrichen!"

Verbessert hat sich mit "Fritz 15" gegenüber den Vorgängern natürlich die Spielstärke (derzeit sage und schreibe 10er der CCRL), die graphischen Kommentarfunktionen (Pfeile und Felder sind jetzt angenehm transparent) und die Möglichkeit, die Notation zu Trainingszwecken auszublenden. Vereinfacht wurde überdies die Einbindung von UCI-Engines hinsichtlich der Tablebases. Außerdem ist der "neue" Freund-Modus von der Idee her nicht verkehrt, wenn auch stark verbesserungsbedürftig (s.o.). Eine automatische Spielstärkeanpassung gab es übrigens bereits bei den Vorgängermodellen unter der Bezeichnung - Trommelwirbel - "Freund". Der zeigte allerdings keine ELO-Wertung sondern ein Handicap wie beim Golfspiel an, was für Schachspieler nicht wirklich befriedigend war.

Trotz aller Kritik ist "Fritz 15", wenn man das Update unbeschadet übersteht (hier kann es Probleme mit Direct-X geben) unbestritten ein gutes Schachprogramm und im Offline-Bereich mangels ernsthafter Konkurrenz nicht ohne Grund der Marktführer. Daher gibt es auch im Vergleich zu den Vorgängern drei Punkte für Gryffindor (Potter möge mir vergeben).

Dennoch: der "neue" Fritz ist gegenüber dem alten eher überflüssig als notwendig. Müsste ich zwischen "Fritz 15" und "Fritz 13" wählen, würde ich mich für den Vorgänger entscheiden und den Umstieg als Fehlkauf werten, da "Fritz 13" in der Bedienung viel komfortabler erscheint und neben dem Freundmodus mit Handicap wenigstens noch einen tauglichen Sparringmodus enthält. Um es mit den Worten eines im Staube der Geschichte versinkenden SPD-Mitglieds zu umschreiben: "Fritz schafft sich ab". Und das ist für jeden Schachspieler ziemlich traurig.

Nachtrag:
habe eine Möglichkeit gefunden, den lästigen Benachrichtigungsbutton "auszuschalten": man schiebe einfach das Uhrfenster darüber. Die Uhr hat im Freundmodus ohnehin keine Funktion - leider...
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