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Kundenrezension

TOP 500 REZENSENT
16. August 2018
Autor

Fritz Büsser (1923-2012) ist langjähriger Leiter des 1964 gegründeten Instituts für Reformationsgeschichte an der Universität Zürich. Er war nicht nur an der Edition des gigantischen Briefwechsels des Zürcher Reformators beteiligt, sondern auch federführend in der Forschung, die nach 1975 richtig Fahrt aufgenommen hat. Mit der zweiteiligen Biografie zu Bullinger legt er die erste umfassende Darlegung unter Einschluss aller Forschungsergebnisse ein. Die einzelnen Kapitel – man werfe nur mal den Blick auf die verwendeten Quellen und die Sekundärliteratur – verraten eine umfassende Kenntnis der Schweizer Reformation, aber auch der Geschichte des 16. Jahrhunderts.

Struktur und Inhalt

Büsser orientierte sich für den Aufbau dieser ausführlichen, wissenschaftlich orientierten Biografie an der Inschrift zum Bullingerdenkmal:
«Heinrich Bullinger 1504-1575, Oberster Pfarrer an Grossmünster, nach Zwinglis Tod der Zürcherischen Kirche weiser Leiter, Berater aller reformierten Kirchen, Urheber des Zweiten Helvetischen Bekenntnisses; väterlicher Beschützer und Tröster der bedrängten Glaubensgenossen.»
So umreisst Büsser den ersten Kreis mit der primären Wirkungsstätte Bullingers: Zürich, die Stadt auf dem Berg. Dort skizzierte er Bullingers Wirkungsfelder (Prediger, Vorstand der Kirche – Synodal- und Gottesdienstordnung, Diener der Öffentlichkeit – Fürträge, Schola Tigurina, Schriftsteller – Exegetica, Zürcher Bibeln, Refomrationsgeschichte, Theologe – Dekaden).
Der zweite Kreis betrifft die reformierte Eidgenossenschaft. Diesem Wirkungskreis wendet er sich im zweiten Band zu. Dafür ist eine Übersicht über die Lage der Eidgenossenschaft nach der Zürcher Niederlage bei Kappel (1531) zentral. Die Niederlage gegen die fünf katholischen Orte wendete das politisch-religiöse Blatt von Grund auf.
Büsser setzt bei der Auseinandersetzung mit den beiden theologischen Hauptgegnern ein, nämlich den Katholiken und den Täufern. Dann geht es um die Beziehungsgestaltung mit den wichtigsten Schweizer Städten mit Ablegern der Reformation: Bern, Basel, St. Gallen und die Rhätischen Bünde. Eine Sonderstellung nimmt die Beziehung mit dem Genfer Reformator Johannes Calvin und seinem Nachfolger Theodore Beza ein, dem ein separates Kapitel gewidmet wird. Büsser schliesst mit den entsprechenden Büchern den Kreis. Diesen betrifft vier Belange: Die Autorität der Heiligen Schrift, Polemik (gegen die Anschuldigungen Luthers 1545), Gegenüberstellung von katholischer und reformierter Lehre sowie eine geschichtliche Abhandlung über die Wiedertäufer. Entstehung und Inhalt des Zweiten Helvetischen Bekenntnisses (1566) sind von solcher Bedeutung, dass ihnen ebenfalls separate Abschnitte gewidmet werden.
Der dritte konzentrische Kreis umschliesst die Reformierten in Europa. Hier geht Büsser sachgemäss nach den einzelnen Ländern vor. Interessanterweise pflegte Bullinger intensiven Kontakt zu Frankreich. «Zum einen erscheint Bullingers Name in den Darstellungen von Geschichte und Theologie der reformierten Kirchen in Frankreich fast nie, zum anderen war Bullingers Einfluss gerade hier besonders gross und nachhaltig.» (185) Dem schliesst sich der Kontakt zur angelsächsischen Welt an. «Durch seine engen Beziehungen mit führenden Kirchenmännern wurde er auch zu einem ‘Vater’ der Kirche von England, durch seine theologischen Anschauungen bedingt auch der Puritaner.» (210) In Deutschland gestaltete sich die Lage anders. «Bullingers persönliche Beziehungen zu Deutschland waren aufs Ganze gesehen wohl noch umfangreicher, dichter und intensiver als diejenigen zu Frankreich oder England. Dennoch war sein Einfluss hier viel geringer.» (254) Dank intensiver Handelsbeziehungen waren auch die Kontakte zu Osteuropa vielfältig. Bei den Schriften hebt Büsser insbesondere die über 100 Apokalypse-Predigten des Reformators heraus.

Spannende Details

Diese Biografie lebt von vielen interessanten Details. Ich erwähne einige:
• Bestandteile des Kappeler Landfriedens 1521 (10f)
• Die Bedrohung von Konstanz und die Vertreibung der Lorcarner (23-27)
• Bullingers Definition von Reformation (39)
• Das Gutachten von 1551 zur zweiten Konzilssession von Trient (50-53)
• Die konkreten theologischen Argumente gegen die Widertäufer (57-60)
• Inhalte des Consensus Tigurinus von 1549 (77-79)
• Brief an Haller in Bern mit der Ermutigung zu Standhaftigkeit (87)
• Zürich als heimliche Zentrale der Reformierten Graubündens (104)
• Briefwechsel mit Calvin (118f)
• Beeinflussung von Calvins Institutio (128ff)
• Inhalte von Bullingers Entgegnung auf die Anwürfe Luthers (150ff)
• Inhaltliche Interessen beim Zweiten Helvetischen Bekenntnis (168-171)
• Gespräch von Poissy (194f)
• Edwardian Controversy und Bullingers Vorgehen (229ff)
• Apokalyptik und die Marian Exiles (236f)
• Bullingers Einfluss auf die Puritaner (244-246)
• Die belastende Freundschaft mit Martin Bucer (260ff)
• Die Apokalypse-Predigten (317ff)

Das Leseerlebnis

Das Buch lebt wie oben beschrieben von Details. Die Fülle an verwendetem Material erschlägt einem zuweilen fast. Auch die althochdeutsche Wiedergabe von Briefausschnitten verlangen dem Leser viel ab. Nichts desto trotz gewinnt er einen soliden Überblick über das breite Wirkungsfeld des Zürcher Reformators. Etwas gestört hat mich die Betonung der Ökumene (die mir, ganz schwach allerdings, als eine Rückprojektion erscheint) sowie die betonte Abgrenzung von Calvinismus und reformiertem Protestantismus (127).
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