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Rezensionen verfasst von
ewonwrath "@ metalimpetus.de"

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Celestial Completion
Celestial Completion
Wird angeboten von stephans-buchhandlung
Preis: EUR 13,95

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mit neuem Mut wieder zu Genre-Ikonen aufgeschwungen, 1. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Celestial Completion (Audio CD)
So gegensätzlich kann der Sinn des Metals aufgefasst werden: während die einen ihn für das perfekte Medium halten, um ihren perversen Gewaltphantasien im Namen des Satans und seiner Armee von besoffenen Untoten freien Lauf zu lassen, singen die anderen über die reinigende Kraft des Feuers oder die kosmischen Energien des ewigen Lichts. Beides klingt abgefahren und bei beidem handelt es sich mit Sicherheit nur um Extrempunkte auf einer weiten Skala. Doch lassen sich Becoming The Archetype in der Tat ohne Probleme als kompromisslose gottesgläubige Headbanger identifizieren, die religiöse Inhalte gekonnt in Musik umsetzen. Das haben sie von Beginn an gemacht ("Terminate Damnation", 2005) und sind seitdem ihrer Linie treu geblieben.

Freilich geht es ihnen nicht um die Missionierung oder Bekehrung von Ungläubigen - obwohl deren Zahl ja gerade durch den Einfluss von sich auf der Bühne hemmungslos besaufenden und begattenden sowie Masken tragenden und dem Okkulten anhängenden Vertretern des Metals stetig steigen dürfte. Dazu hätten sie sich wohl eher dem Gospel oder der Klassik verschrieben, als dem progressiven Todesmetall. Und doch hat "Celestial Completion" eine Seele, die sich dem Hörer offenbart, in ihm wirkt. Etwas Schönes und Zerstörerisches zugleich, das sich entfaltet, wie der Todesengel auf dem Coverartwork der Scheibe.

Alles mit sich reißend übertrumpft "Celestial Completion" locker den Vorgänger "Dichotomy", an dem es so einiges auszusetzen gab: die wenigen wirklichen Knaller waren so sehr mit Durchschnittsongs vermengt, dass es das ganze Album herunterriss und die Vermutung eines Schnellschusses nahe lag ("Dichotomy" erschien nur ein Jahr nach dem genialen "The Physics Of Fire"); Devin Townsend hatte der Platte sowohl bei den Songideen als auch in der Produktion einen unverkennbaren Stempel aufgedrückt, den Jungs damit aber einen Bärendienst erwiesen. Das ganze klang zu rund und ausgekocht, essenz- und energielos. Als ob Devin am einen Ende des Seils und Becoming The Archetype am anderen Ende gezogen hätten.

Zum einen hat nun auf "Celestial Completion" aber Matt Goldman Hand an die Regler gelegt und dem Klangbild Becoming The Archetypes damit wieder mehr Frische verliehen, zum anderen hat das Quartett aus Atlanta, Georgia, Mut zu neuen musikalischen Ansätzen gefunden. Progressiv auf "traditionelle Art" ist das Ganze immer noch - abzulesen beispielsweise am genialen Klavier-Instrumental "Music Of The Spheres: Requiem Aeternam I", das an die Instrumentalstücke des Erstlings "Terminate Damnation" erinnert. Doch nahtlos knüpft "Elemental Wrath: Requiem Aeternam II" daran an, das mit einem Heavy Metal-Riff und im Vierteltakt einzählender Bassdrum erstmal vor den Kopf stößt, indem es im ersten Moment unschöne Erinnerungen an die "lauteste Band der Welt" weckt. Ähnlich verstörend für Fans der US-Amerikaner dürfte der recht hohe Ska-Anteil (ja, Ska!, und zwar mit richtigen Bläsern!) am Ende von "Cardiac Rebellion" sein. Isoliert betrachet hört sich beides wie ein selbstinitiierter und -inszenierter musikalischer Suizid der Band an. Schaut man jedoch, wie genial sich "Elemental Wrath: Requiem Aeternam II" aus dem erwähnten simplen Riff heraus noch zu einem mörderisch facettenreichen und anspruchsvollem Achtminüter entwickelt, und betrachtet man den Schlussteil von "Cardiac Rebellion" als abschließendes Augenzwinkern, kann man sich nicht nur mit diesen neuen Elementen anfreunden, sondern man wird sie als essentiellen Teil des neuen Konzeptes der Band verstehen. Zugegeben, einen guten Draht zu Bands wie Between The Buried And Me, Devin Townsend oder Wretched zu haben, hilft einem dabei, die Art des Humors hinter der Ernsthaftigkeit dieses Konzeptalbums zu verstehen. Aber im Endeffekt reicht es, wenn man open-minded ist.

Größtes Hitpotential hat das straighte "The Magnetic Sky", das sich direkt an das Intro anschließt und dem Album einen perfekten Start verpasst, sowie das kongeniale "Breathing Light", mit dem man wieder in diese ach so gottlose Welt entlassen wird. Düster baut sich "Xenosythesis: Requiem Aeternam III" vor dem Hörer auf, entfaltet seine Wirkung erst richtig durch den Einsatz des weiblichen Gesangs, der sich über die Doublebass-Passage legt und in seiner "himmlischen" Art durchaus Parallelen zu Haggard aufweist. Wütend und mit verzerrten Stimmen prügelt "Internal Illumination" auf die Kreatur jenseits der Boxen ein, weiß aber auch durch rhythmische Varianz zu überzeugen. "Invisble Creature" ist mit seinem Sitar- und Tablas-Einsatz als ein kleiner - aber gelungener - Ausflug in die indische Folklore zu betrachten: Atmosphäre pur!

Mit "Celestial Completion" haben Becoming The Archetype endlich wieder ein Opus geschaffen, dem man die lange Arbeit und die Zeit der Inspiration anmerkt. Die neuen Einflüsse sind optimal in das altbekannte Gesicht der Band eingearbeitet und machen den Ausrutscher "Dichotomy" ohne Umschweife wett. Es gibt mehr (Details) zu entdecken, als je zuvor, was nicht nur den Wiedererkennungswert des Albums enorm steigert, sondern auch den Wiederhör-Faktor. Für Anhänger der Kombo - vor allem für Verehrer des Kult-Erstlings "Terminate Damnation" - eine unbedingte Empfehlung. Alle anderen Progressive Metal-Heads sollten ein Ohr riskieren - auch wenn die Platte leider nicht in Europa vertrieben wird und daher nur als viel zu teurer Import erhältlich ist.

Ach ja, und für alle Extrem-Metaller mit dunkelsatanistischer Schlagseite und unterschwelliger Angst um ihr Seelenheil wäre es die perfekte Möglichkeit zur Therapie. In diesem Sinne: "Father of lights / shine upon us here / take the darkness from our hearts / make it disappear".


The Parallax: Hypersleep Dialogues
The Parallax: Hypersleep Dialogues
Preis: EUR 6,99

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine musikalische Kurzreise ' gefährlich und wunderschön zugleich, 27. April 2011
Rezension bezieht sich auf: The Parallax: Hypersleep Dialogues (Audio CD)
Zwei Jahre sind seit "The Great Misdirect" ins Land gegangen, bevor Between The Buried And Me nun mit "The Parallax: Hypersleep Dialogues" eine halbstündige EP nachlegen, die es in sich hat (ich gebe gerne zu, dass der letzte Nebensatz von rein rhetorischem Charakter getragen wird). Was in anderen Genres ein vollwertiges Album wäre, mutet hier wie der Versuch an, die unfassbare und dementsprechend unbeschreibliche Kost der Band in etwas kleinerer, verdaulicherer Form zu kredenzen. Doch wer den Weg der US-Amerikaner aufmerksam mitverfolgt hat, weiß einfach, dass es sich dabei um ein schier unmögliches Vorhaben handelt.

War "Colors" der bisherige Schaffenshöhepunkt von Between The Buried And Me, wobei sie ihre Mischung aus Progressive Metal, Mathcore und Metalcore jederzeit nachvollziehbar gestalteten, kam "The Great Misdirect" etwas zu inhomogen und in seiner gesteigerten Experimentierfreudigkeit und Genre-Offenheit noch nicht ganz ausgereift daher.

Mit "The Parallax: Hypersleep Dialogues" gelingt es dem Quintett um Sänger und Keyboarder Tommy Rogers auf eindrucksvolle Weise, sich im Stil treu zu bleiben, aber neue Akzente zu setzen. Die drei im Durchschnitt jeweils zehnminütigen Songs wollen sich dem Hörer natürlich nicht von selbst erschließen und fordern einen aktiven Hörgenuss ein. Mit ihrer enormen Bandbreite an verwandten Musikstilen - komprimiert auf engsten Raum - tun sie das sogar noch mehr als auf den bisherigen Outputs. Aber es gibt ein Momentum, das den Hörer von Anfang an gefangen hält - das Spiel mit den Klangfarben.

Wie ich es bisher vielleicht nur bei Opeth erlebt habe, investieren Between The Buried And Me unheimlich viel Liebe ins Detail, wenn es um das klangliche Aus- und Untermalen ihrer musikalischen Landschaften geht. Diese Reise mit Worten nachzuvollziehen entbehrt jedes Versuches. Allein die benutzten Gitarrensounds weisen eine Bandbreite ohne gleichen auf. Wenn die US-Amerikaner zwischen den einzelnen Songteilen wechseln, dann ist das Soundgewand das tragende Element. Es verhindert auf magische Weise das Gefühl der Unstimmigkeit, wenn beispielsweise in "Augment Of Rebirth" vom Prügelpart in die (mittlerweile schon bekannte) Polka übergeleitet wird, das Thema ausgebaut und wieder "zerspielt" wird. Es verhindert auch, dass die melodiebeladenen Refrains von "Specular Reflection" und "Lunar Wilderness" fehl am Platz wirken. Hier sitzt alles am rechten Fleck - perfekt durchkomponiert.

Wer ein Wechselbad von Gefühlen sucht und mit authentisch vertonter Wut, Melancholie, Fröhlichkeit und Ironie auf so kleinem Raum gut klarkommt, ist hier bestens aufgehoben. Dass man jederzeit mit "rhythmischen Schwankungen" im Stile von Meshuggah rechnen muss und in jedem der Songs auf exzessiv "ausgelebte" Songstrukturen und -dynamiken trifft, tut der Scheibe diesmal überhaupt keinen Abbruch. Allein Tommy Rogers cleane Gesangslinien entfachen eine wahre Sucht im Hörer.

Between The Buried And Me liefern mit "The Parallax: Hypersleep Dialogues" das bisher intensivste Material ihrer Karriere ab, dass in erster Linie nicht beschrieben sondern gehört werden will. Für Fans der Jungs aus North Carolina eine uneingeschränkte Kaufempfehlung, für alle anderen mit masochistischer Ader und Engelsgeduld ein unbedingter Anspieltipp - denn nach der (Hör-)Arbeit kommt das (Hör-)Vergnügen!


Verchromter rollbarer Kleiderständer Garderobenständer - 6,5 kg - schwere Ausführung - NEU
Verchromter rollbarer Kleiderständer Garderobenständer - 6,5 kg - schwere Ausführung - NEU

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gutes Preis-Leistungsverhältnis, 23. August 2010
Im Grunde ist der Kleiderständer stabil und erfüllt seinen Zweck. Allerdings ist die Verarbeitung nicht besonders gut. Angekommen sind die verchromten Teile bei uns schon ziemlich zerkratzt, da nicht sonderlich gut gepolstert. Und das Gewinde in einem Loch für eine Schraube ist nicht eingefräst gewesen oder bereits abgebrochen, sodass wir die Schraube lediglich zur Stabilisierung reinstecken konnten. Da es nun mit Klebestreifen umwickelt erst einmal hält, war das für uns kein Grund zur Reklamation. Schneller, recht intuitiver Aufbau. Das Preis-Leistungsverhältnis ist immer noch top. Und von Weitem sieht er auch schick aus.


Beyond The Gate
Beyond The Gate
Preis: EUR 20,57

5.0 von 5 Sternen Authentischer und grandioser Death Metal Bastard, 19. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Beyond The Gate (Audio CD)
Es gibt nur eine Band, die die Union aus amerikanischem und europäischem Death Metal perfekt beherrscht: The Black Dahlia Murder. Und genau das ist der Grund, warum es inzwischen so viele Nacheiferer gibt, angefangen bei Through The Eyes Of The Dead mit ihrer Langrille "Skepsis" über Dargolf Metzgore mit "Blood Rush" und nun auch noch eine Formation mit dem recht beliebig wirkenden Namen Wretched, deren "Beyond The Gate" ebenfalls auf den metallischen Pfaden der Detroiter Jungs wandelt. Wer weiß, vielleicht ist der Begriff Dahlia Metal in zehn Jahren bereits prägend und oben genannte Kombos werden als Verfechter selbigen Genres bei Wikipedia und Co. angeführt?

Aber zurück auf den Boden der Tatsachen. Und der gestaltet sich solchermaßen, dass man Wretched, die mit "Beyond The Gate" bereits ihre zweite Veröffentlichung am Start haben, mehr als Unrecht tun würde, bezeichnete man sie lediglich als Nacheiferer von The Black Dahlia Murder. Zwar drängt sich der Vergleich bereits mit dem überragenden Opener "Birthing Sloth" regelrecht auf, aber das hauptsächlich, weil die aus Charlotte, North Carolina, stammenden Wretched mit der gleichen Leidenschaft zu Werke gehen. Wilde, technische Thrash-Passagen geben sich mit rasenden Blastbeats und groovendem Death Metal die Klinke in die Hand. Und in nahezu der gleichen Perfektion vermengen die Jungs das Ganze zu etwas Einzigartigem, das ohne Umschweife auf den Punkt kommt und sofort nach mehr schreien lässt.

Versucht man sich der emotionalen Wirkung des Materials für einen kurzen Moment zu entziehen, was bei solch einer auf den Hörer einströmenden Intensität echt schwer fällt, bemerkt man, wie fließend die Übergänge zwischen den einzelnen Songabschnitten sind. Jedes Riff sitzt genau dort, wo es hin muss, die absolut geilen Fills von Marshall Wieczorek passen wie die Faust auf's Auge. Dazu noch der abwechslungsreiche Gesang von Billy Powers, der keift und growlt, was das Zeug hält, dabei aber nie überdreht wirkt. Alle Instrumente bilden eine Einheit und sind ideal auf einander abgestimmt. Das Sample von Buena Vista Social Clubs "Chan Chan" am Ende von "Birthing Sloth" sehe ich da mit einem Schmunzeln als i-Tüpfelchen. Diese Band beweist mehr als das stupide und artifizielle Können, das so viele andere Formationen ausschließlich an den Tag legen. Sie paaren technische Fertigkeiten mit Spielfreude und haben dabei jede Menge Humor am Start.

"The Deed Of Elturiel" geht mit genauso viel Tempo und Spielwitz nach vorne wie "Birthing Sloth", trifft dich im einen Moment wie ein Brett aus Steineiche frontal auf die Fontanelle, im nächsten gibt's ein überirdisches Solo, dann wieder Blastbeat-Geballer mit Lichtgeschwindigkeit. Die Spieltechnik steht dabei erstaunlicherweise aber nie dem Songwriting im Weg, sondern setzt gezielt Akzente, damit auch ja keine Langeweile aufkommt.

Das Doppel "In The Marrow" / "A Still Mantra" klingt zu Zeiten nach den Schweden The Forsaken und bringt dabei auf genialste Art und Weise fiese Brachialität mit melodischem Riffing unter einen Hut. Ein wahres Brett vor dem Herrn! Der Höhepunkt von "Cimmerian Shamballa" ist mit Sicherheit der bei Minute eins einsetztende Moshpart, über den synchron ein irre schnelles Melodietapping gespielt wird. Das erinnert stark an den Beginn von Between The Buried And Mes "Aesthetic" auf "The Cilent Circus". Und da gibt es noch so einige andere Ideen, die ähnlich abgedreht sind wie bei den ebenfalls aus North Carolina (Raleigh liegt nur drei Stunden von Charlotte entfernt!) stammenden US-Amerikanern.

Mit "On The Horizon" gibt es ein dramatisch angehauchtes, rein klassisch instrumentiertes Zwischenspiel. So recht einfügen mag es sich in das Gesamtbild der Platte nicht, aber gelungen ist es nichts desto trotz.

"Part I - Aberration" trägt zu Beginn progressive Züge, die vom Gitarrenspiel her an Into Eternity erinnern, gleitet sogleich in schön inszenierte spanische Folklore ab, um dann mit einem tonnenschweren Midtempo-Riff das Instrumental richtig zu eröffnen. Die Spielart von "Part II - Beyond The Gate" weist mit den akustischen Gitarrenteilen und von der Komposition her Ähnlichkeiten mit Becoming The Archetypes Erstling "Terminate Damnation" auf. Dazu gibt es Rico Marzialis geniales Bassspiel zu bewundern, das durch die dynamische Produktion bestens herauszuhören ist. Insgesamt sind das über zehn Minuten hochwertige Instrumentalkost, die jedem Progressive Death Metal Fan das Herz höher schlagen lassen, da es zum Schluss sogar zum Einsatz von Streichern kommt.

"My Carrion" reißt einen dann sofort aus der anbrechenden Melancholie heraus in den nächsten Nackenschmerz à la The Black Dahlia Murder. Wenn Wretched dieses Material live genau so spielen, wie es auf dem Studioalbum rüberkommt, dann können wir uns warm anziehen und am besten schon vorher eingipsen lassen.

Und natürlich weisen auch die letzten drei Songs absolut keine Schwachstellen auf. Beliebigkeit, Wiederholung von Altbekanntem oder gar Langeweile sucht man hier vergebens. Die Ausgereiftheit von "Beyond The Gate" ist schon fast erschreckend. Hoffentlich schraubt das die Erwartungen für den nächsten Silberling nicht in schwindelerregende Höhen, aus denen man bekanntlich so tief fallen kann. Aber das ist Schnee von morgen.

Wo Wretched doch absolut nichts falsch und fast alles richtig gemacht haben, werde ich dem entsprechen und einen der metallischen Höhepunkte - und meine persönliche Neuentdeckung - des Jahres als Pflichtkauf abfeiern! Unbedingt zugreifen!!!


The Reign Of Darkness
The Reign Of Darkness
Preis: EUR 10,88

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Großes Ohrenkino aus dem Vereinigten Königreich, 22. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: The Reign Of Darkness (Audio CD)
Die Briten Annotations Of An Autopsy scheinen eine typische "Arbeitsgruppe" zu sein. War ihre Debüt-EP "Welcome To Sludge City" noch unter aller Sau, zeigten sie mit "Before The Throne Of Infection" bereits ein Jahr später, dass sie wirklich was von Musik verstehen. Das war zugegebenermaßen immer noch keine Offenbarung, konnte jedoch schon mal ohne weitere Bedenken dem Genre Deathcore zugeordnet werden.

Und anno 2010 schaffen es die Mannen um Vokalist Steve Regan dann mit "Reign Of Darkness" noch einen deutlichen Schritt nach vorn in die Ränge anerkannter Größen wie Suffocation, War From A Harlots Mouth oder Whitechapel. Mit einem Label wie Nuclear Blast im Rücken fällt das sicher noch etwas leichter.

Nach straightem Deathcore klingen Annotations Of An Autopsy dabei nur noch selten; die Pig Squeals von Steve Regan gehören der Vergangenheit an, inzwischen regiert das typische Deathgrowlen, das ihm und der Musik auch wesentlich besser steht; auch das Riffing geht größtenteils eher in Richtung (Brutal) Death Metal.

Im Gegensatz zu Whitechapels diesjähriger Veröffentlichung lassen die Briten jegliche elektronischen Spielereien jenseits der Stamminstrumente weg, streuen nur ein paar kleine Samples ein und verlassen sich auf eine drückende aber nicht zu klare und sterile Produktion, die dem Sound der Band mehr als entgegenkommt. Es mag Geschmackssache sein, aber ich empfinde eine etwas erdigere Produktion wie diese stets als vorteilhaft für brutalen Metal.

Mit viel Spielspaß und ein paar Gangshouts beginnt beispielsweise "Bone Crown", das äußerst abwechsungsreich gestaltet ist, ohne - wie noch beim Vorgänger geschehen - durch die kombinierten Elemente unglaubhaft zu wirken. Fetter Groove und Hochgeschwindigkeitspassagen geben sich gekonnt die Klinke in die Hand, wobei sich Bradley Merrys Schlagzeugarbeit ohne Ausbrecher den songwriterischen Anforderungen und der Stimmung der Tracks verschreibt. Er holzt nicht alles planlos mit Blastbeats oder unnötig vielen Breaks klein, sondern zieht dort an, wo es nötig ist und lässt an den passenden Stellen weg, was den Hörer übersättigen oder gar überfordern würde. Große Klasse!

Ein weiterer Pluspunkt ist die schon erwähnte super Gesangsleistung von Steve Regan. Er klingt nicht nur wütend und böse tief, sondern ist dabei auch noch verstehbar. Verzerrungen seines Gesangs gibt es nur an wenigen Stellen, und wenn, dann um die Musik effektvoll zu unterstützen. Ein Klasse Beispiel dafür ist "Born Dead", das außerdem durch schöne melodische Leadgitarren im Schlussteil glänzt. Überhaupt wurde viel Arbeit in die Differenzierung der einzelnen Songs gelegt, da jeder für sich deutlich wiedererkennbar ist. Ein Trademark, das nicht gerade viele der wie Pilze aus dem Boden schießenden Bands im Death Metal bzw. Deathcore ihr eigen nennen können.

Die Spielarten des Genres meistern Annotations Of An Autopsy auf "Reign Of Darkness" ohne große Schwierigkeiten und liefern dabei noch Knaller wie "Catastrophic Hybridization" oder "Cryogenica" ab. Da verzeiht man ihnen gern kleine Hänger gegen Mitte und Ende des Albums, wo der Spannungsbogen manchmal etwas verloren geht.

Der Daumen für "Reign Of Darkness" zeigt deutlich nach oben, auch wenn das Quintett sich (noch?) nicht als Messias des Genres versteht. Gekonnt verweben sie allseits bekannte Elemente auf authentische Weise zu einem eigenen Potpourri, bei dem garantiert jeder existierende Nackenmuskel beansprucht wird. Für das Album kann ich ruhigen Gewissens eine Kaufempfehlung aussprechen und nur jedem wärmstens empfehlen, die Jungs in Zukunft im Auge zu behalten!


A New Era of Corruption
A New Era of Corruption
Preis: EUR 6,79

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Tennessee musiziert weiterhin an vorderster Deathcore-Front, 21. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: A New Era of Corruption (Audio CD)
Mit "This Is Exile" haben Whitechapel schon einen großen Schuss ins Herz aller Deathcore-Fans gelandet. Zusätzlich positiven Eindruck konnten sie mit ihrer jungen Bandgeschichte schinden, bei der solch ein Knaller um so mehr erstaunen muss. Nun haben sie mit "A New Era Of Corruption" ihre dritte Langrille am Start, bei der sich zeigen muss, in welche Richtung die Weichen gestellt werden: Genrevorreiter oder Absacker.

Doch so einfach machen es mir die Jungs aus Tennessee nun auch wieder nicht. Denn mit "Devolver" stellen sie gleich einen der schwächsten Songs des Albums an den Beginn. Zwar kommt er mit seinen vielen Tempiwechseln sehr dynamisch daher, schwächelt aber einfach im Gesamtbild, das zu zerfahren wirkt, zu sehr auf Spieltechnik angelegt.

Aber da habe ich sie definitiv auf dem falschen Fuß erwischt. Denn mit endgeilen Nummern wie "Reprogrammed To Hate" (Chino Moreno von den Deftones hat hier einen kleinen Auftritt als Gastsänger) oder "Murder Sermon", das mit ordentlich Drive und gelungenem Akustik-Break aufwarten kann, reißen sie eine Menge raus.

Vom Prinzip her haben Whitechapel ihren Stil im Vergleich zu "This Is Exile" nicht großartig geändert und sich hauptsächlich im Songwriting verbessert. Ob man trotz der wieder einmal hervorragend daherkommenden Produktion überhaupt alle drei Gitarren raushören kann, ist ja eine altbackene Diskussion, zu der jeder selbst seinen Teil beitragen kann.

Was mir im Gegensatz zu den Vorgängern von "A New Era Of Corruption" bitter aufstößt, sind die häufigen Slam-Parts und generellen Ausflüge in den Slow- und Midtempo-Bereich. Das mag bei dosierter Anwendung ein kontrastierendes Stilmittel zu schneller Brutalität darstellen. Zu häufige Be-nutzung kommt dann aber einer Ab-nutzung gleich. Wahrscheinlich fiele das nicht dermaßen auf, wenn Phil Bozeman seinen Gesang in diesen Teilen etwas mehr variiert hätte. Das ständige leicht angezerrte Gegrowle geht einem dann besonders auf den Keks, wenn im Hintergrund eben nicht all zu viel technisches Feuerwerk abgebrannt wird. Diese Geschwindigkeitsverschiebung, die dem gesamten Album anzumerken ist, verschreckt wahrscheinlich nicht viele Deathcore-Fans, mich lässt sie jedoch leicht irritiert zurück.

Wo das Sextett dann aber mal die Bremse löst, bleibt kein Stein auf dem anderen. Wenn sie wollen, können sie jederzeit in bester The Black Dahlia Murder-Manier Hochgeschwindigkeitszerstörung betreiben. Zudem gibt es Überraschungen elektronischer Art und kurze ruhige Intermezzi, die sich gut in das Songwriting einfügen.

Insgesamt bleibt an "A New Era Of Corruption" nicht viel auszusetzen, obwohl es meiner Meinung nach aufgrund der angeführten Kritikpunkte nicht an "This Is Exile" herankommt. Überblickt man das ungesund schnell wachsende Genre, wird einem schnell klar, dass Whitechapel qualitativ noch immer an vorderster Front musizieren. Aber ein Meilenstein ist "A New Era Of Corruption" eher nicht geworden.


Der Tag an dem die Welt unterging
Der Tag an dem die Welt unterging
Preis: EUR 16,49

5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Niveauvoller Spaß ohne den nötigen Humor, 20. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Der Tag an dem die Welt unterging (Audio CD)
Zwei Jahre nach ihrem furiosen Erstling "Das Monster aus dem Schrank" sind die beiden Brandenburger Provinzler Marcel Neumann und Tobias Schultka a.k.a. We Butter The Bread With Butter schon lange keine Unbekannten mehr. Und im übrigen bereits zum Quintett gewachsen, was sich vor allem beim Schlagzeug positiv bemerkbar macht, das nun nicht mehr aus der Retorte kommt, sondern von Can Özgünsür solide eingespielt wurde. Auf dem am 14. Mai in Deutschland, den USA und Japan erschienenen "Der Tag an dem die Welt unterging" will die junge Formation nun weiterhin eine gute Portion Humor beweisen, dabei aber auch erwachsener und professioneller wirken.

Letzteres gelingt ausgezeichnet, da We Butter The Bread With Butter sich in (fast) allen Belangen verbessert haben. Vor allem im spieltechnischen Bereich, denn die Gitarrenarbeit sieht nun deutlich variabler aus, auch wenn auf großen Schnickschnack abseits der Rhytmusgitarre verzichtet wird. Die Gesangsarbeit unterscheidet sich kaum von der großer Genregrößen im Metalcore oder Death Metal. Schön, dass man den Mut gefunden hat, neben den Growls und (deutlich sparsamer eingesetzten) Pig Squeals auch cleane und geshoutete Parts mit in die Songs einzubauen. Der Mehrwert des Materials erhöht sich dadurch enorm.

Die Eingängigkeit der Songs steht auf "Der Tag an dem die Welt unterging" noch immer an erster Stelle. Jeder Song hat Ohrwurmchartaker, wofür mindestens die Elektroniksparte Pate steht, häufig auch die Leadgitarren. Manchen Hardlinern dürfte der viele Nintendocore auf den Wecker fallen. Vor allem dann, wenn wie in "Der kleine Vampir" gar keine Gitarren zum Einsatz kommen. Aber das ist ein Song, der ohnehin aus dem Rahmen fällt.

Musikalisch beweisen We Butter The Bread With Butter Humor durch die ungewohnte Vermengung der verschiedenen Metal-Spielarten, die stellenweise wie ein Bruch wirken. Das Konzept haben sie bereits auf "Das Monster aus dem Schrank" angewandt, wo es noch frisch war. Was ist nun also in dieser Hinsicht Neues auf dem aktuellen Output zu finden? Zugegebenermaßen nicht viel. Rhythmische und soundtechnische Extreme kann man eben nicht ins Unendliche ausdehnen. Und zu viel Experimentieren hätte wohl mit dem Konzept der Eingängigkeit kollidiert.

Da könnte man der Meinung sein, dass die Brandenburger sich auf (humoreske) Überraschungen im Textbereich verlegen. Leider ist das nicht der Fall. War die Kinderliedmasche wirklich innovativ, zeigen We Butter The Bread With Butter nun, da sie lyrisch auf eigenen Beinen stehen wollen, dass sie ordentlich ins Stolpern kommen. Die Reime sind sehr simpel und oft an den Haaren herbeigezogen, was man bei Fun Metal ja leicht als Konzept hinstellen kann, um über dichterische Unzulänglichkeiten hinwegzutäuschen. Nein, nein, meine Lieben. Auch Humor kann formal wie inhaltlich tiefsinnig sein und Botschaften jenseits eines "l'art pour l'art" vermitteln. Da geht mehr mit der deutschen Sprache.

"Der Tag an dem die Welt unterging" geht als Spaßalbum voll und ganz okay. Die Produktion und das spielerische Können der Jungs sind über jeden Zweifel erhaben. Doch am Songwriting, das oft zu schematisch und austauschbar wirkt, sollten We Butter The Bread With Butter in Zukunft arbeiten. Ebenso an den Lyrics. Sonst wird die Welt der Fun Metaller spätestens beim nächsten Output untergehen wie ein zu lange gekauter Kaugummi. Und mit meinen letzten Worten darf ich an dieser Stelle den wiederholten Genuss des unglaublich vorbildhaften und unereicht blöd-genialen "Ziltoid The Omniscient" von Devin Townsend empfehlen. DAS ist Fun Metal at its best.


Coronary Reconstuction
Coronary Reconstuction

4.0 von 5 Sternen Erneuter Kurswechsel der Belgier, 19. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Coronary Reconstuction (MP3-Download)
Für mich war "Strychnine.213" die bis dato stärkste Veröffentlichung der Belgier Aborted. Sie haben es anno 2008 geschafft, ihren eigenen genialen Sound mit brachialem aber eingängigem Death Metal zu verschmelzen. Und wenn dann noch ein wenig Core dazukam, war ich um so beglückter.

Kaum zu glauben also, dass Mastermind Sven de Caluwe die komplette Manschaft über Bord geworfen und vergangene Zeiten aufblühen lassen hat. Denn dass "Coronary Reconstruction" nur noch rudimentär etwas mit "Strychnine.213" gemein hat, beweist der gleichnamige Opener ohne Umscheife. Hier wird der Goregrind früher Jahre zelebriert, der Aborted bekannt gemacht hat. Freunde von "Engeneering The Dead" und "Goremaggedon" sollten hier also aufhorchen. Eingeleitet von einem Horrorfilm-Sample geben die Jungs gleich ordentlich Gas, wobei häufig wechselnde Riffs von Sven de Caluwes fiesen Growls und vermehrten Blast Beats begleitet werden. Ein schön stampfender Groove gegen Ende des Songs ist das einzige Highlight, das kurz aufhorchen lässt.

"From A Tepid Whiff" glänzt durch seine Geschwindigkeitsdynamik und durch ein schönes melodiöses Gitarrensolo (sowie ein, ähem, "geschmackvolles" Zitat aus "Dumm und Dümmer"), während "Grime" sich zwischenzeitlich gut entfaltet und dem Hörer auch ein wenig Zeit zum Atmen lässt. Außerdem gibt es einen fetten Panzer, bei dem die Double-Bass durchrollt, dass einem warm ums Herz wird.

Auch "A Cadaverous Dissertation" zeigt die ganze Spielfreude der Belgier in perfektem Sound- und Produktionsgewand auf. Von der Spielart erinnert es durch sein schnelles und melodiebetontes Riffing noch am ehesten an "Strychnine.213", weswegen es eindeutig zu meinem Favoriten auf "Coronary Reconstruction" avanciert.

Zum Abschluss bieten uns Aborted mit "Left Hand Path" ein tolles Entombed-Cover. Sie drücken dem Stück ihren unvergleichlichen Stempel auf, ohne es dabei völlig zu entfremden. Sicher sind solche Versuche immer Geschmackssache. Aber besser einige Veränderungen am Original als das Original selbst ohne kreatives Hinzutun einzuspielen. Ich erinnere da nur an das aus meiner Sicht völlig verfehlte "The Anatomy Of" von Between The Buried And Me.

Für Fans der frühen Phase der Band ist die EP ohne Einschränkungen zu empfehlen. Wer mit Aborted gerade erst durch ihr massentauglicheres "Strychnine.213" warm geworden ist, dürfte das hier dargebotene Material eine harte Nuss sein. Wahrscheinlich zu hart...


Heliocentric
Heliocentric

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der unerwartet geniale Durchbruch des Berliner Kollektivs, 22. Juni 2010
Rezension bezieht sich auf: Heliocentric (Audio CD)
Ehrlich gesagt waren The Ocean für mich bisher immer ein persönliches musikalisches Fort Nox. Je näher ich ihrem metallischen Komplex kam, desto mehr faszinierten sie mich. Aber bei jedem Schritt hin zum Kern ihres Wesens hatte ich gleichzeitig das Gefühl, von Stacheldrahtzäunen der Unzugänglichkeit und schießwütigen Wachposten der Unverträglichkeit vom Faszinosum, dem "Inneren Heiligtum", des Kollektivs abgehalten zu werden. Und mit genau dieser Erfahrung im Rücken ließ ich nun ein weiteres Mal den Ozean auf mich hereinstürzen - nur um festzustellen, dass es diesmal keine Zäune mehr gibt, keine Wachposten oder andere Verteidigungsanlagen...

Denn was das arg geschrumpfte Berliner Kollektiv mit "Heliocentric", dem ersten von zwei zusammengehörigen Alben - "Anthropocentric" soll im Herbst erscheinen -, hier zur Welt gebracht hat, ist kaum noch zu vergleichen mit allem bisherigen Schaffen. Das wabernde Intro erinnert ein wenig an Tools abgedrehte Zwischenstücke der jüngeren Vergangenheit, und "Firmament" beginnt sogar mit einer rhythmischen Raffinesse, die besagten US-Amerikanern äußerst nah liegt. Und trotzdem kommt sofort eine absolut einzigartige Stimmung auf, die durch den vokalischen Neuzugang Loïc Rossetti tausendfach verstärkt wird. Sein unheimlich angenehmer Gesang, der zu Zeiten (und vor allem in "Epiphany") spürbare Gemeinsamkeiten zu Trent Reznor (Nine Inch Nails) aufweist, gibt der Musik von The Ocean eine neue Tiefe, die vorher undenkbar gewesen wäre. Die ungezügelte Rohheit vieler bisheriger Stücke ist auf "Heliocentric" endgültig domestiziert worden.

Dynamisch bis zum äußersten waren die Songs der Berliner schon immer, aber was mir bisher fehlte, war eine gewisse Eingängigkeit der Songstrukturen. Vielleicht des öfteren mal ein wiederkehrendes und zu erkennendes Riff, auf das sich ein Song aufbaut, Hooklines oder Gesangslinien. Nun endlich haben sie genau das umgesetzt, wobei sie ihre härtere Seite, die vor allem auf der Doppel-CD "Precambrian" im Vordergrund steht, nicht verleugnen. Bereits in besagtem "Firmament" gibt es Post Metal-Einbrüche im bestem Neurosis- oder Isis-Stil. "The First Commandment Of The Luminaries" beginnt mit verzerrten Gitarren, nur um kurz darauf in einen ruhigen, von Streichern unterstützten, Strophenteil überzugehen, an den sich der wiederum verzerrt eingespielte Refrain anschließt.

Auf "Heliocentric" dominieren vielerorts Melodien, vor allem durch Loïc Rossettis Gesangslinien, wie es sie beim Kollektiv vorher nicht gegeben hat. Doch in Kitsch gleitet es selbst bei der traurigen Ballade "Ptolemy Was Wrong" niemals ab. Hier und da sind stets Ecken und Kanten in die Harmonien eingebaut, die beim ersten Hören ungewohnt klingen, die ich jedoch schnell lieben gelernt habe.

Auch was die Schlagzeugarbeit anbelangt, haben The Ocean bei der Komposition darauf geachtet, differenzierteren Gitarren, der Stimme Rossettis sowie atmosphärischen Teilen immer Raum zur Entfaltung zu geben. Und trotzdem erlauben sie sich so geniale Experimente wie den Drum'n'Bass-Teil in "The First Commandment Of The Luminaries", der wunderschön vom Bass-Spiel Louis Juckers unterstützt wird.

Das Konzept des Albums, die Geschichte der Menschheit anhand ihrer sich ändernden Weltbilder zu erzählen, geht vollkommen auf. Angefangen vom Heliozentrismus bis zum Geozentrismus, der Aufklärung und des Darwinismus bis hin zu Nietzsches wohl berühmtestem Zitat "Gott ist tot" wandeln The Ocean auf den Pfaden von Ansichten und Persönlichkeiten, die die Welt verändert haben. Dabei haben sie ihren Plan nicht nur auf musikalischer und textinhaltlicher Seite zur Perfektion getrieben, sondern auch die Gestaltung des Artworks von "Heliocentric" in Dimensionen ausgedehnt, die jedem audiophilen Sammler einfach nur Tränen in die Augen treiben. Wer die CD-Box besitzt, in die später "Anthropocentric" mit eingefügt werden kann, schaut staunend auf ein Digipack, das auf drehbaren Scheiben die Sonne sowie die inneren und äußeren Planeten und die Tierkreiszeichen bzw. eine Sternenkarte darstellt. Die Texte der Songs sind jeweils auf die Rückseite einer eigenen Tarotkarte gedruckt. Hier gibt es mindestens so viele Details zu entdecken, wie in der Musik des Kollektivs.

Kurzum: Kein Stein wurde auf dem anderen gelassen, um in jeder Hinsicht das Beste vom Besten herauszuholen. Und ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, wie "Heliocentric" noch getoppt werden sollte. Um so gespannter bin ich auf "Anthropocentric", das hoffentlich ähnlich emotional und eingängig, vielseitig und dynamisch, aus einem Guss und wegweisend daherkommt.

Dieses Fort Nox ist für mich geknackt! The Ocean haben in ihrem Genre mindestens das Album des Jahres herausgebracht und geben sicher nicht nur mir, sondern auch anderen Verneinern der bisherigen Unzugänglichkeit der Band die Chance, von "Heliocentric" aus mit neuem Mut noch einmal auf die Vorgänger "Fluxion", "Aeolian" und "Precambrian" zu blicken. "Heliocentric" ist ein Meilenstein der progressiv-metallischen Musikgeschichte.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 12, 2010 11:45 PM MEST


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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Tentaklisch starke Fortsetzung des Debuts, 19. Juni 2010
Nach ihrem grandiosen und selbstbetitelten Auftakt-Opus haben sich Here Comes The Kraken keine zwei Atemzüge Pause gegönnt und "The Omen" nachgeschoben, um ihre schnell wachsende Fangemeinde mit neuem Material zufrieden zustellen. Um die nur 100 Kopien umfassende (!) Auflage der EP unter die Menge zu bringen, touren sie zur Zeit durch Europa und werben live auch vermehrt in Deutschland um die Gunst aller anspruchsvollen Deathcore Fans. Froh, eines der wenigen Exemplare erhalten zu haben, schreibe ich nun diese Review...

Erstaunlich episch und todesmetallisch hebt das Intro von "The Omen" an, um dann mit fiesestem Rückkopplungs-Gekreische der Gitarren in "Knights From Southside" überzuleiten, wo die Mexikaner gleich einmal zeigen, wo der Hammer hängt. Kompromisslos und technisch auf allerhöchstem Niveau erweisen sie sich als wahre "Ritter" des Deathcore, wechseln spielend zwischen thrashigen und groovenden Parts, variieren massiv im Tempo, setzen geniale Drum- und Bassbreaks und treten dem geneigten Hörer einfach nur in den Allerwertesten.

Der Höhepunkt des Zwanzigminüters ist ohne Zweifel "Berverly Hell", der alle gängigen und bereits genannten Komponenten des Deathcores zu einem unwiderstehlichen Gebräu vermischt, dass jedoch zusätzlich noch mit epischen Melodiebögen gespickt ist und im Songwriting noch eins draufsetzen kann. Das klingt in der Tat nach einer wahren Fortsetzung der Erfolgsgeschichte von "Here Comes The Kraken".

Der vierte Track "Cruzades" kommt nicht ganz so geradlinig daher und wartet hier und da vielleicht mit etwas zu viel Gefrickel auf, das fast schon an die französischen Brutalo-Deather Benighted in Höchstform erinnert. Vor allem aber in der tollen Dynamik des Songaufbaus bietet "Cruzades" alles, was Here Comes The Kraken ausmacht.

Mit "Fake Empire" peitscht der Kraken dann nochmal in bester Manier um sich und zerreißt in Kürze mit einigen Monsterriffs und vor Energie berstenden Vocals alles Leben oberhalb des sturmumstosten Wassers um es mit sich in die endlosen Tiefen zu ziehen und nicht mehr loszulassen...

Die tolle Stimmung von "The Omen" wird lediglich durch eine nicht als perfekt zu bezeichnende Produktion getrübt, die sich durch eine mäßige Abnahme des Drumsets auszeichnet. Und das dröhnt zu allem Übel hier und da - vor allem aber bei "Knights From Southside" - ordentlich übersteuert aus den Boxen. Doch Entwarnung! Das ist bei weitem kein Grund, sich der Musik der noch jungen mexikanischen Formation zu verwehren, die ohne Zweifel eine große Zukunft und noch wesentlich größere Konzerthallen vor sich haben.

Viva el pulpo!


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