find Öle & Betriebsstoffe für Ihr Auto Jetzt informieren PR CR0917 Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More TDZ Hier klicken HI_PROJECT Mehr dazu Hier Klicken Shop Kindle AmazonMusicUnlimited AmazonMusicUnlimited Fußball longss17
Profil für Leslie Richford > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Leslie Richford
Top-Rezensenten Rang: 198.052
Hilfreiche Bewertungen: 2032

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Leslie Richford (Selsingen, Lower Saxony)
(REAL NAME)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20
pixel
Great Conductors - Sergej Koussewitzky (Bartok / Mussorgsky) (Aufnahmen 1943 / 1944)
Great Conductors - Sergej Koussewitzky (Bartok / Mussorgsky) (Aufnahmen 1943 / 1944)
Preis: EUR 8,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Historisch wertvolle Tondokumente, Mussorgsky/Ravel leider gekürzt, 12. Oktober 2009
Obwohl der "historische" Monoklang bei diesen komplexen Orchesterstücken selbstredend nicht so viel hergibt wie technisch fortschrittlichere Aufnahmen, sind diese Bostoner Rundfunkaufnahmen aus den Jahren 1943 und 1944 erstaunlich gut erhalten. Bartóks "Konzert für Orchester" wurde von Koussevitzky und seinem Bostoner Spitzenorchester erst einen Monat vor dieser Aufnahme zum ersten Mal überhaupt öffentlich aufgeführt. Die Aufführung ist von Frische und Leidenschaft geprägt, wobei die einzelnen Instrumente des Orchesters generell hervorragend gespielt werden. (Ein falsch gesetzter Paukenschlag trägt nur noch zur "Live-haftigkeit" der CD bei.) Rob Cowans englischsprachige Notizen führen den Hörer durch Einzelheiten der Partitur bzw. der Aufführung und sind, was sehr zu loben ist, mit genauen Zeitangaben versehen, damit man auch wirklich nichts Bemerkenswertes verpasst. Im fünften Satz gibt es einige Rillengeräusche, ansonsten kommt alles recht klar und ungestört 'rüber - auch das lästige Husten der anwesenden Zuhörer. Besonders deutlich hört man hier die Stärke des Bostoner Basses heraus - minderwertige Lautsprecher können schon mal ins Klirren geraten.

Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung" erschienen in der beliebten Orchesterfassung von Maurice Ravel im Jahr 1922; diese Bearbeitung wurde von Sergey Koussevitzky in Auftrag gegeben, und er hat das Stück 1930 auf Schellack aufgenommen. Die 1943er Rundfunkaufnahme besitzt dagegen den Makel, eine "verstümmelte", d. h. gekürzte Version zu sein, bei der "das alte Schloss", "Bydlo" und ein paar kürzere Passagen ersatzlos gestrichen wurden. Schade eigentlich, denn auch 21 Jahre nach der Uraufführung vermag Koussevitzky mit seinen Ostküstenmusikern diese Musik so plastisch und so eindrücklich zu gestalten, wie ich sie bisher noch nie gehört habe. Diese Liveaufnahme schließt mit tosendem Applaus der anwesenden Zuhörer.


Great Pianists Edition - Sergej Rachmaninoff (Rachmaninoff spielt Rachmaninoff: Aufnahmen 1929-1940)
Great Pianists Edition - Sergej Rachmaninoff (Rachmaninoff spielt Rachmaninoff: Aufnahmen 1929-1940)
Preis: EUR 7,99

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der historische Klang lässt sich verbessern ..., 3. Oktober 2009
Andere Rezensenten haben Gutes und Sinnvolles zur Musik und zur Interpretation durch Rachmaninoff und Stokowski bzw. Ormandy gesagt. Sie haben sich aber auch über die schlechte Klangqualität dieser alten Aufnahmen beklagt. Mein Tipp: Diese CD rippen und auf dem heimischen Computer hören. Mit der Software von "itunes" (Klangverbesserung eingeschaltet) und einer surroundfähigen Soundkarte (mit entsprechend eingestellter Steuerungssoftware und guten Lautsprechern) hören sich diese alten Aufnahmen ganz ausgezeichnet an, viel besser als an der noch so guten heimischen Hifi-Anlage: Das Philadelphia Orchestra wird zum echten Partner, "Rach"s Klavier erhält einen herrlichen Schmelz und die Aufnahme weist auch ausreichend Bass auf. Puristen mögen schäumen, aber diese tollen Aufnahmen verdienen es einfach, so klar und deutlich gehört zu werden!


Bella Domna
Bella Domna
Preis: EUR 8,99

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Musik als menschliches Grundbedürfnis, 25. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Bella Domna (Audio CD)
Bella Domna. Die Frau im Mittelalter: Geliebte, Dichterin, Wohltäterin, Heilige. Lieder von Martin Codax (Galizien, frühes 13. Jahrhundert); Richart de Fournival (Aquitaine, erste Hälfte des 13. Jahrhunderts); Comtesse de Die (Provence, spätes 12. Jahrhundert) und Anonymi (13. und 14. Jahrhundert), dazu fünf Instrumentalstücke aus dem 13. Jahrhundert. Ausführende: Mara Kiek, Gesang; Sinfonye (Stevie Wishart, Fidel, Drehleier, Leitung; Andrew Lawrence-King, Harfe; Jim Denley, Pandeiro und Bendir [= Trommeln]). Aufgenommen im September 1987 an der All Hallows-Kirche im Londoner Stadtteil Gospel Oak. Erstveröffentlichung 1988 bei Hyperion. Wiederveröffentlicht 2006 auf Helios. Gesamtspieldauer: 59'36".

Die Australierin Stevie Wishart hat einen eigenen, bisherige Hörgewohnheiten in Frage stellenden Zugang zur europäischen Musik des Mittelalters gefunden. Nach dem Hören dieser CD scheint die Schlussfolgerung nahe zu liegen, sie fasse Musik weniger als hochentwickelte Kunstform, sondern eher als menschliches Grundbedürfnis auf, das, ähnlich dem Bedürfnis nach Essen oder Erotik, das Intellektuelle transzendiert und seinen eigentlichen Sitz in den Tiefen der menschlichen Psyche besitzt. Aufführungspraktisch bedeutet dies, dass sie mittelalterliche Musik nicht mit rein wissenschaftlicher Akribie vorträgt, sondern ihre Erkenntnisse aus einem Studium der Urmusik der Aborigines (bei Mara Kiek ist es die traditionelle Musik der Balkanländer) einfließen lässt und die nur in Grundzügen notierten Werke mit Hilfe starker rhythmischer Elemente (traditionelle Trommeln spielen eine ebenso wichtige Rolle wie das raue Dröhnen der mittelalterlichen Fidel) und eines sehr enotional vorgetragenen Gesangs in tiefer Lage (Klagen werden z. B. durch Schluchzer von der Art verstärkt, die eine ausgebildete Opernsängerin verschmähen müsste) zu hypnotisch wirkenden, beinahe hätte ich gesagt: Kultgesängen ausbaut, die im ersten Augenblick eher an Weltmusik als an Klassik gemahnen.

Die vorliegende Einspielung zerfällt in zwei Teile. Die ersten 28 Minuten präsentieren sieben "Cantigas" des Martin Codax, Liebes- und Klagelieder der Frauen der Fischer von Vigo, Stücke, die erst im 20. Jahrhundert wieder entdeckt wurden. Eines dieser Lieder ist nur in Textform überliefert, und die Melodie wurde für diese Aufnahme in Anlehnung an die anderen sechs von Andrew Lawrence-King komponiert. Mara Kiek trägt sie mit unglaublicher emotionaler Intensität vor, wobei sie ihre ohnehin recht tiefe Stimme noch einmal zu verstellen scheint, so dass man zu hören meint, wie die Frau oder Geliebte eines mittelalterlichen Fischers ihre Sehnsüchte in den rauen Wind von Galizien hinausschreit. - Die zweite Hälfte der CD kommt den üblichen Vorstellungen einer Mittelalterplatte etwas näher, wobei Andrew Lawrence-Kings Harfe viel dazu beiträgt, die nackte rhythmische Derbheit von Fidel und Drehleier in Töne zu kleiden, die in Verbindung mit Mara Kieks hier etwas zahmerem Gesang einen ruhigeren Eindruck vermitteln. Dennoch bleibt das Ganze ein emotionales Erlebnis, das man nur dann wirklich genießen kann, wenn man sich vorbehaltlos darauf einlässt und dabei möglichst den Verstand, na ja, "an der Garderobe abgibt". Allerdings darf man ihn hinterher wieder abholen, um über das Unikat Stevie Wishart, aber auch über das Geheimnis des Lebens und der Musik nachzudenken.

Als Fussnote sollte ich zweierlei hinzufügen: 1. Die Hyperion-Aufnahme ist klanglich hervorragend gelungen, aber der Aufnahmeort war doch wohl etwas zu nahe an einer Hauptstraße gelegen: Wer intensiv zuhört, merkt, dass der Londoner Verkehr im Hintergrund deutlich zu hören ist. 2. Computer-Freaks aufgepasst: Ich besitze zwei Exemplare dieser Helios-CD, aber mein Atapi-CD/DVD-Laufwerk vermag weder die eine noch die andere einzulesen, so dass es nicht möglich ist, die CD am Computer zu hören oder sie gar zu kopieren. Da Hyperion vehement leugnet, dass ein Kopierschutz angewendet wurde, muss wohl ein anderes technisches Problem vorliegen (ist mir sonst nur mit einer Lassus-Einspielung des Hilliard Ensembles passiert). Käufer, die diese Musik am PC oder auf einem Ipod hören möchten, seien gewarnt.


Sinfonien 3 & 4/Ouvertüren (Audior)
Sinfonien 3 & 4/Ouvertüren (Audior)
Preis: EUR 5,29

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schottisches Schlachtengemälde, 25. September 2009
Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809 - 1847): Hebriden-Ouvertüre Op. 26 (Fingals Höhle); Sinfonie Nr. 3 a-moll Op. 56 "Schottische"; Sinfonie Nr. 4 A-Dur Op. 90 "Italienische". Ausführende: Orchestra of the 18th Century, Ltg. Frans Brüggen. Aufnahmen von 1991 (Sinfonie Nr. 4) und 1997 (Hebriden-Ouvertüre und Sinfonie Nr. 3). Ursprünglich bei Philips erschienen, jetzt in der Audior-Reihe von Decca/Deutsche Grammophon. Ohne Beiheft (bzw. nur Trackverzeichnis und Werbung). Gesamtspiellänge: 78'00".

Wie verbringt man die Zeit, wenn man aufgrund einer Herbstgrippe gezwungen wird, das Haus zu hüten? Ich kann mir kaum einen vergnüglicheren Zeitvertreib vorstellen, als sich mit Frans Brüggens Mendelssohn-Aufnahmen zu befassen. Genauso ist es mir in den letzten paar Tagen ergangen, und dabei ist mir diese CD sehr ans Herz gewachsen. Schon Brüggens Schubert-Aufnahmen aus derselben Reihe hatten mich schwer beeindruckt, aber dieser Mendelssohn übersteigt sogar meine kühnsten Erwartungen. Ich weiss nicht, ob es für einen Musiker immer ein Kompliment sein muss, wenn man ihn als "detailverliebt" bezeichnet, aber ich finde, Frans Brüggens peinliche Sorgfalt bei der Erstellung seiner Mendelssohn-Mitschnitte verdient genau diese Bezeichnung, und zwar im allerpositivsten Sinne. Ein Beispiel gefällig? Hören Sie sich die Schlussminute des dritten Satzes der "italienischen" an; genießen Sie die präzisen Bläsereinsätze sowie die Straffheit und Transparenz, mit der Brüggen diese Musik bereichert. Lassen Sie die CD dann gleich weiter laufen und achten Sie auf die Flöten am Anfang der Saltarello - ein "Mittsommernachtstraum" mitten in der italienischen Sinfonie! Und im Vergleich zur italienischen legt Brüggen bei der "schottischen" womöglich noch eine Schippe drauf, doch es würde zu lange dauern, um all die herrlichen Effekte aufzuführen, die man dank Mendelssohn, aber mit Brüggens tatkräftiger Hilfe zu hören bekommt. Die schottische ist in dieser Interpretation ein wahrhaft dramatisches Meisterwerk, eher ein Schlachten- als ein Landschaftsgemälde, das jedes Britenherz im zweiten Satz mit seiner volksliedhaften Thematik höher schlagen lässt, das die stürmischen Küstengewässer mindestens ebenso plastisch vor Augen führt wie Wagner im "Fliegenden Holländer" und immer wieder Szenen beschwört, die einer ordentlichen Rob Roy-Verfilmung würdig wären. Das erste Stück der CD, die Hebriden-Ouvertüre, ist da eine passende Einleitung und entwickelt sich aus den sechs Noten seines Themas in überaus packender, in Erinnerung bleibender Weise: ich habe mich in den letzten Tagen mehr als einmal dabei ertappt, trotz Grippesymptome dieses Thema vor mich hin zu pfeifen, ein Zeichen der Begeisterung, mit der ich Brüggens Aufnahme genossen habe. Dass Universal diesen Genuss zu einem absoluten Spottpreis möglich gemacht hat, fasse ich als beste Genesungswünsche auf - jedenfalls fühlt sich mein Portemonnaie pudelwohl!


Klaviersonaten 30-32
Klaviersonaten 30-32
Preis: EUR 7,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bizarr, provokant, revolutionär, 24. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Klaviersonaten 30-32 (Audio CD)
Glenn Gould (geb. 1932) spielt Beethovens drei letzte Klaviersonaten, Op. 109, 110 und 111. Aufgenommen im Juni 1956 durch Columbia/CBS. Von LP überspielt und digital bearbeitet durch Mark Obert-Thorn. Gesamtspielzeit: 55'55".

Ein Jahr nach seiner überraschend erfolgreichen Einspielung von Bachs "Goldberg-Variationen" traute sich der 23jährige Glenn Gould zu, Beethovens drei letzte Klaviersonaten, diese Ikonen der westlichen musikalischen Welt, auf Schallplatte aufzunehmen. Dass das nicht auf ungeteilte Zustimmung stieß (um es sehr zurückhaltend auszusprechen), versteht sich von selbst. Die Kritiker scheinen sich an einigen Faktoren gerieben zu haben: 1. Goulds Jugend. Wie konnte ein so junger Schnösel aus der Neuen Welt es wagen, so eigensinnig über Beethoven herzufallen? 2. Goulds Freiheiten. Nicht nur nahm er sich heraus, selbst zu entscheiden, ob er die Wiederholungen spielen wollte oder nicht, sondern er setzte sich auch noch über die gängigen Tempovorstellungen hinweg, spielte bald schneller, bald viel langsamer als bei diesen Stücken üblich. 3. Goulds Frechheit. Nicht nur beim Spielen (und hier hört man ihn unentwegt mitsummen, mitsingen und mitlallen), sondern unerhörterweise in seinen selbstverfassten, der ursprünglichen LP beigelegten Notizen zeigte Gould allen die lange Nase, die die "heilige" Beethoven-Tradition aufgebaut und aufrechterhalten hatten. Intellektuell, aber rotzfrech eben. 4. Goulds Publicity-Maschine. Zu einer Zeit als "Demut" noch als Tugend galt, ließ sich Gould von seiner Schallplattenfirma auf jede erdenkliche Weise feiern und groß herausstellen, ganz bestimmt nicht die feine englische Art!

Aus heutiger Sicht ist die Aufnahme sicher immer noch provokant, an manchen Stellen entschieden bizarr und tendiert gewiss zum Revolutionären, auch wenn man als Hörer anderer Aufnahmen weiss, dass Gould manchmal am musikalischen Kern vorbeigeschliddert ist. Langeweile kommt jedenfalls nirgends auf, und Goulds Interpretation, so eigenwillig sie auch sein mag, ist durchaus hörenswert, obwohl sie - mich jedenfalls - eher intellektuell als emotional befriedigt.

Historische Aufnahmen sind natürlich nichts für Audiophile; der 1956er Columbia-Klang, so gut er für damalige Verhältnisse gewesen sein mag, reicht bei weitem nicht an die Klarheit und Reinheit heutiger Aufnahmen heran. Hier hat man es nicht nur mit Goulds lästigem und oft unsinnigem Mitsingen und Mitsummen zu tun, sondern ebenfalls mit dem permanenten Rauschen der alten LP sowie mit gelegentlichen Verzerrungen und einigen Stellen, wo man im Hintergrund männliche Stimmen im Gespräch wahrnimmt; außerdem sind bei Op. 110 und 111 gewisse Schwankungen der Lautstärke feststellbar, die nicht auf Gould und sein Klavier, sondern auf technische Mängel zurückgehen.


Violinstuecke Fuer 2 Violinen
Violinstuecke Fuer 2 Violinen
Wird angeboten von London Lane Deutschland
Preis: EUR 27,44

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Legendäre Aufnahme, jetzt wieder erhältlich, 12. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Violinstuecke Fuer 2 Violinen (Audio CD)
Marin Marais, Pièces a deux violes du Premier Livre (1688). Jordi Savall, Christophe Coin, violas da gamba; Ton Koopman, Cembalo; Hopkinson Smith, Theorbo. Aufgenommen 1978 und ursprünglich auf LP bzw. CD von Astrée veröffentlicht. Gesamtspieldauer ungefähr 53 Minuten.

Es handelt sich hier um eine der fünf legendären Marais-Aufnahmen des jungen katalanischen Gambisten Jordi Savall, der sage und schreibe 10 Jahre lang täglich an Marais geübt und geprobt haben soll, ehe er sich die Aufnahmen zutraute. Die Wirkung blieb nicht aus: Savall wurde als Gambist berühmt, Marin Marais nach fast drei Jahrhunderten als großartiger Komponist wieder entdeckt, und die damals erst in Gang gekommene Alte-Musik-Szene war um eine Sensation reicher. Die vorliegende Platte enthält zwei Suiten für zwei Gamben, die Savall zusammen mit dem ansonsten als Cellisten bekannten Christophe Coin einspielte. Jeder einzelne Tanzsatz wird ausgekostet, delikat umspielt und perfekt realisiert. Der abschließende "Tombeau de Mr. Meliton" macht deutlich, welche großartigen Effekte im Gambenspiel möglich sind und weshalb Marin Marais am französischen Hof eine so unangefochtene Stellung genoß.

Die Astrée CDs mit Savalls Marais-Aufnahmen sind seit längerem vergriffen und werden gebraucht zu Höchstpreisen gehandelt. Es gibt jedoch eine großartige Neuigkeit: Das von Jordi Savall gegründete Label Alia Vox hat die Rechte aufgekauft und die CDs im Rahmen einer "Astrée Digital Edition" zum Downloaden ins Netz gestellt. Da muss es heißen: Sofort zugreifen! Denn diese Musik vermag zu packen und zu begeistern und ist außerdem eines der spannendsten Zeugnisse historischer Aufführungspraxis.


Lucio Silla (Ga)
Lucio Silla (Ga)
Preis: EUR 6,99

18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nachtigallengleich, 1. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Lucio Silla (Ga) (Audio CD)
Wolfgang Amadeus Mozart (1756 - 1791): Lucio Silla. Gesamtaufnahme (leicht gekürzt). Ausführende: Edita Gruberova, Yvonne Kenny, Dawn Upshaw (Sopran); Cecilia Bartoli (Mezzosopran); Peter Schreier (Tenor); Arnold Schönberg-Chor (Einstudierung: Erwin Ortner); Concentus Musicus Wien; dir. Nikolaus Harnoncourt. Live aufgenommen am 4. und 6. Juni 1989 im Konzerthaus, Wien, Österreich. Erstveröffentlichung auf CD: 1990. Diese Ausgabe unter der Bestellnummer 2564-69126-4, 2009 erschienen, enthält weder ein Libretto noch einen einführenden Aufsatz, sondern lediglich eine ausführliche Trackliste und eine dreisprachige Synopse der Handlung. Gesamtspielzeit: 144'40".

"Lucio Silla", 1773 für die Mailänder Karnevalsaison komponiert, gehört zu den "frühen" Opern Mozarts und wird weniger häufig aufgeführt oder eingespielt als die Da Ponte-Opern der Reifezeit. Dennoch lohnt es sich durchaus damit zu befassen, nicht nur der historischen Vorlage wegen, sondern auch wegen der wunderschönen Musik, hier noch als Opera seria mit der üblichen Abfolge von Rezitativ und Arie, wobei Mozart die Arien, wie damals üblich, den ihm zur Verfügung stehenden Sängern bzw. Sängerinnen auf den Leib schrieb - was hier zur Folge hat, dass die Titelrolle des Lucio Silla recht bescheiden ausfällt.

Das Libretto, vom Italiener Giovanni da Gamerra verfasst, geht auf eine wahre geschichtliche Begebenheit zurück. Nachdem Gajus Marius im alten Rom ums Leben gekommen ist, möchte der Tyrann Lucio Silla dessen Tochter Giunia ehelichen. Diese ist jedoch bereits in den Senator Cecilio verliebt, der, wie wohl nicht anders zu erwarten, in die Verbannung geschickt wurde. Giunia lehnt voll Trauer das Werben Sillas ab, und dieser weiß sich nicht anders als mit Todesdrohungen zu helfen. Cecilio, der heimlich aus der Verbannung zurückgekehrt ist, trifft sich mit dem Patrizier Cinna, von dem er sich Hilfe bei der Wiedererlangung seiner Braut verspricht. Cinna ist seinerseits mit Sillas Schwester Celia verlobt. Daraus entwickelt sich eine tragisch anmutende Erzählung über die Treue zweier Liebenden angesichts des drohenden Todes sowie der geplanten Vergeltung. Doch auf dem Höhepunkt des allgemeinen Leidens kommt es durch eine Gesinnungsänderung Sillas zu einem unerwarteten Happy-End, bei dem Silla den Wünschen der anderen nachgibt und auf sein Tyrannentum verzichtet.

Nikolaus Harnoncourt und sein Originalinstrumenten-Ensemble führen hoch professionell durch diese Wirrungen und unterstützen dabei vier Solistinnen der Extra-Klasse. Edita Gruberova als Giulia ist, wenn man so will, der größte "Star" des Abends: sie singt sich nachtigallengleich durch alle nicht unbeträchtlichen Schwierigkeiten ihrer Rolle und vermag den Eindruck zu vermitteln, so etwas sei für sie spielend leicht. Höchstnoten! Ähnliches gilt für die hier noch blutjunge Cecilia Bartoli als Cecilio; ihre Stimme klingt nie auch nur ein bisschen "forciert", und ihr Italienisch, wie nicht anders zu erwarten, ist vollkommen idiomatisch. Diese beiden herrlichen Stimmen werden von Yvonne Kenny (Cinna) und Dawn Upshaw (Celia) optimal ergänzt. Da ist man regelrecht dankbar, dass Peter Schreier als Silla eine verhältnismäßig kleine Rolle spielt - sein Timbre, sein unnatürliches Forcieren und seine derbe Aussprache bilden einen krassen Gegensatz zur Superleistung der Damen. Ob das angesichts der Probleme, die Mozart selbst bei der Besetzung dieser Tenorrolle hatte, Absicht war?

Es handelt sich um eine "Live"-Aufnahme, und daher bleiben einem gewisse Bühnen- und Publikumsgeräusche nicht erspart. Dennoch möchte ich die Qualität der Aufnahme als erstklassig bezeichnen; das Ambiente des Wiener Konzerthauses ist hervorragend eingefangen, Solisten, Chor und Orchester sehr gut ausbalanciert. Und dass diese preisgünstige Wiederveröffentlichung ohne Libretto daherkommt, muss nicht unbedingt ein Problem sein, denn es gibt ein solches an verschiedenen Stellen im Internet, sogar auch in deutscher Übersetzung (allerdings nicht an der Stelle, auf die das Booklet verweist).


Divertimenti,l'Archibudelli
Divertimenti,l'Archibudelli
Wird angeboten von London Lane Deutschland
Preis: EUR 71,71

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Interpretationskunst, 18. Januar 2009
Rezension bezieht sich auf: Divertimenti,l'Archibudelli (Audio CD)
Wolfgang Amadeus Mozart (1756 - 1791): Divertimenti KV. 334 und KV. 247 "1. Lodronische Nachtmusik" für 2 Violinen, Bratsche, Violoncello und zwei Hörner. Ausführende: L'Archibudelli [Vera Beths und Lucy van Dael, Violinen; Jürgen Kussmaul, Bratsche; Anner Bylsma, Violoncello; Ab Koster und Knut Hasselmann, Naturhörner]. Aufgenommen im September 1990 an der Lutherse Kerk in Haarlem (Niederlande). Produzent: Wolf Erichson. Erstveröffentlichung 1991 als Sony Vivarte SK 46 494. Gesamtspielzeit: 75'03".

Nach dem Anhören dieser CD blieb die Gewissheit: Es ist meinerseits eine Entschuldigung fällig. Ich habe nämlich vor etlichen Jahren bei einer Rezension der "Ersten Lodronischen Nachtmusik" in einer Einspielung der Capella Istropolitana (Naxos) Mozart selbst unterstellt, zumindest bei diesem Stück nicht besonders inspiriert zu sein (was mir verdientermaßen einige negative Bewertungen einbrachte). Jetzt erst wird mir jedoch klar, dass nicht der Komponist, sondern lediglich die Interpretation damals uninspiriert war, jedenfalls im Vergleich zu L'Archibudelli, deren kammermusikalische Ausdeutung dieses Werkes alles in den Schatten stellt, was ich bisher an Mozart-Divertimenti gehört habe. Hier gibt es unendlich viel zu loben: die Transparenz und klare Strukturierung, den über alle Kritik erhabenen Sinn für Tempo und Rhythmik, die superbe Phrasierung, den kostbaren Ton von Vera Beths und ihrem Stradivari sowie von Lucy van Dael an ihrem Amati, die wunderbar ausbalancierten Naturhörner, die klar herausgearbeiteten Details ... ich könnte diese Liste sicher fortsetzen, denn hier scheint mehr oder weniger alles zu stimmen, jedenfalls im Vergleich mit der zugegebenermaßen um ein Drittel günstiger angebotenen Aufnahme aus der Slowakei. Und da KV. 334 (320b) mit ebenso viel Sorgfalt und Liebe zum Detail eingespielt wurde, kann man davon ausgehen, dass diese CD dem Mozart-Liebhaber sehr viel Vergnügen bereiten wird. Hier stehen trotz der Bezeichnung "L'Archibudelli" nicht die Darmsaiten im Vordergrund, sondern eine ausgereifte, die Musik zum vollendeten Kunstwerk erhebende Interpretation.


Sym After Ser (6)
Sym After Ser (6)
Wird angeboten von KELINDO³
Preis: EUR 40,74

5.0 von 5 Sternen Ein Mozart, wie wir ihn gerne hören, 17. Januar 2009
Rezension bezieht sich auf: Sym After Ser (6) (Audio CD)
Wolfgang Amadeus Mozart (1756 - 1791): Sechs Sinfonien in D-Dur nach Serenaden KV 100, KV 185, KV 203, KV 204, KV 250, KV 320. Ausführende: Tafelmusik [Barockorchester], Ltg. Bruno Weil. Aufgenommen im Januar und Februar 1991 im Centre in the Square, Kitchener, Ontario [Kanada]. Produzent: Wolf Erichson. Erstveröffentlichung 1991 als Sony Vivarte S2K 47260 [2 CDs]. Gesamtspielzeit: 150'46".

Es waren wohl nicht nur Barockkomponisten, die ihre Gelegenheitswerke geschickt zu recyceln verstanden: Auch Mozart hat sechs seiner frühen Serenaden, darunter die bekannten "Haffner"- und "Posthorn"-Serenaden, später gekürzt und als Sinfonien verwendet. Es sind diese späteren Versionen, die hier von den kanadischen Barockmusikern um Jeanne Lamon und Bruno Weil nach Angaben der Neuen Mozart-Ausgabe eingespielt wurden. Und das wurde ein Mozart, wie viele von uns ihn sehr gerne hören - voller spleeniger Einfälle, abwechslungsreich, melodiös und natürlich mit Pauken und Trompeten. Tafelmusik bleibt ihren Prinzipien treu und spielt nicht nur äußerst transparent, sondern schnell, im "Prestissimo" von KV 203 halsbrecherisch schnell. Stephan Schellmann und Team als Ingenieure haben ein Übriges dazu getan (20-Bit-Aufnahme), dass zweieinhalb Stunden lang ein reines Hörvergnügen entstanden ist, die trotz gewisser Ähnlichkeiten zwischen den Stücken niemals Langeweile aufkommen lässt. Köstlich! Falls nicht mehr erhältlich, hier klicken: Mozart: Sinfonien Nach Serenaden Vol.1.


Tra le fiamme (Italienische Kantaten und Triosonaten)
Tra le fiamme (Italienische Kantaten und Triosonaten)
Wird angeboten von text_und_toene
Preis: EUR 9,67

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Barocke Kammermusik in Perfektion, 30. Dezember 2008
Georg Friedrich Händel (1685 - 1759): Tra le fiamme. Italienische Kantaten und Triosonaten. Ausführende: Catherine Bott, Sopran (Kantaten); the Purcell Quartet [Catherine Mackintosh, Catherine Weiss, Violinen; Robert Woolley, Cembalo; Richard Boothby, Viola da gamba und Violoncello]; Catherine Kershaw, Jane Downer, Blockflöte und Oboe; Tim Amherst, Violone; Jonathan Manson, Violoncello [die letzt genannten Künstler nur bei der Kantate "Tra le fiamme"]. Aufgenommen im Februar 1997 in der Kirche von Orford, Suffolk, England. 20-Bit-Aufnahme. Veröffentlicht 1998 als Chandos Chaconne 0620. Gesamtspielzeit: 69'47".

Die beiden italienischen Kantaten "Tra le fiamme" und "Notte placida e cheta" entstanden vermutlich 1708, als Händel sich in Rom aufhielt und sich zu derartigen Kompositionen auf Texte seiner Brötchengeber verpflichtet fühlte - wobei er auch schon zu diesem frühen Stadium in seiner Karriere keine Bedenken hatte, bereits komponierte erfolgreiche Melodien noch einmal einzusetzen. Chandos gibt ein schön gedrucktes Beiheft mit, in dem die Texte viersprachig abgedruckt sind, doch wäre dies m. E. nicht wirklich notwendig gewesen - die Texte sind gewissermaßen "Meterware", die nur dazu dienen, Händels kompositorische Fortschritte um so deutlicher hervorzuheben. "Tra le fiamme", eine allegorische Deutung der Legende von Ikarus und Daedalus, ragt ein wenig aus dem Gesamtkorpus der Händel'schen Kantaten dadurch hervor, dass neben der Sopranstimme und dem üblichen Basso continuo ein verhältnismäßig reiches Instrumentarium gefordert wird: Violinen, Blockflöten, Oboen, eine solistisch eingesetzte Viola da gamba (meisterhaft von Richard Boothby übernommen), Violoncello und Violone. Catherine Bott hat für solche Werke die ideale Stimme, wie sie auch schon bei Aufnahmen mit Philip Pickett bewiesen hat - leicht und beweglich und sich den Instrumenten anlehnend, keine "große" Opernstimme, sondern perfekt für Kammermusik. - Die drei Triosonaten, die das Purcell Quartet allein hinzufügt - Op. 5, Nos. 4 und 7; Op. 2, No. 5 -, mögen etwa zehn Jahre später entstanden sein als die Kantaten und versprühen überall den typisch Händel'schen Witz und die glückliche Melodiewahl, für die er so berühmt ist, auch wenn diese Stücke keineswegs als tiefsinnig gelten können. Die vier Quartett-Mitglieder spielen sie als erfahrene Barockmusiker virtuos, aber auch geistreich, und es macht ungeheuren Spaß, auf Einzelheiten zu achten und/oder das Wechselspiel der beiden Geigerinnen zu goutieren. Dabei hilft die transparente, breit gefächerte Chandos-Aufnahme, in der jedes Instrument seinen klar umrissenen Platz hat. Händel-Liebhaber werden den Kauf sicher nicht bereuen, Barock-Interessierte können hier unterhaltsamste Stunden mit weniger bekannter Musik der Epoche erwerben.


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20