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Dingo "Dingo"

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Voodoo
Voodoo
Preis: EUR 17,98

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Seemannsgarn und Kaperfahrn, 26. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Voodoo (Audio CD)
Ahoy, da segeln sie wieder, drum setz dich hin Matrose, halt's Maul und hör mir zu! Die Pulveraffen um Mr.Hurley haben einen neuen Langspieler zusammengeplündert und kreuzen abermals in den Gewässern des deutschen Piratenfolk! Dabei hat sich die Osnabrücker Crew inzwischen vom Geheimtipp zum Senkrechtstarter entwickelt, denn aus dem Piratengenre ist noch immer weitaus mehr herauszukitzeln, als das übliche Yo-Ho und ne Buddel voll Rum.
Dass die karibischen Nordlichter dabei die Konkurrenz um einige Schiffslängen abhängen liegt nicht nur an der flotten Instrumentierung und der (inzwischen) astreinen Produktion, sondern vor allem an den kreativen Texten, die mit reichlich Ironie und Wortwitz das Freibeutergenre amüsant auf die Schippe nehmen. Und nun liegt mit "Voodoo", dem dritten Studioalbum auch der erste Longplayer der Affen vor, der (fast) ohne eine weitere Version des Gassenhauers "Blau wie das Meer" auskommen muss. Auch die Songs auf "Voodoo" behandeln wieder das abwechslungsreiche Seeräuberleben der Alter Egos der Musiker, die sich weiterhin an Bord von Captains Blakes Schiff "Lightning" mit den Unwägbarkeiten des Kaperfahrens auseinandersetzen müssen.

Die Fahrt beginnt, wie sollte es anders sein, mit dem Opener "Leinen los!". Hier wird der Hörer darauf eingeschworen, was ihm während der folgenden Kaperfahrt erwartet. Das Stück ist relativ kurz, aber recht munter geraten und stellt eine Art Steckbrief der Mannschaft, des Albums und dessen Musikstils dar. Der Törn beginnt hier mit munteren 4/5 tot oder lebendig gesuchten Pulveraffen.

Mit "Schrumpfkopf im Rumtopf" nimmt der Kahn gleich volle Fahrt auf. Die Ode an die nicht vorhandenen Kochkünste des Smutjes ist bereits länger Bestandteil des Live-Repertoires der Band. Gehörte das Stück bisher nicht zu meinen Favoriten, wertet die flotte Instrumentalisierung diese Version aber dermaßen auf, dass die teils platten Wortspiele trotzdem gut ins Ohr gehen. 5/5 kreative Koch-Tipps.

Die "Seehilfe" ist ein Leitfaden für landkranke Seemänner. Der Song steht in der guten Tradition hurleytypischer Tanz- und Sauflieder. Der Refrain ist ein Ohrwurm erster Güte und die Melodie geht in die Beine. 5/5 schwankenden Seeleuten.

"Etwas vom Faden" ist Teil eines Voodoo-Rezeptes, das alte Seebären vielleicht (auch) noch vom Klassiker "Monkey Island" kennen. Auch andere Details des Liedes haben sich die Pulveraffen wohl beim mächtigen Piraten Threepwood abgeschaut. Der Song selber bietet unheimliche Atmosphäre und allerlei karibischen Hokuspokus, ist aber für ein langsames Stück ein wenig zu lang geraten. Hin und wieder ertappe ich mich bereits dabei, diesen Song einfach zu überspringen. Trotzdem hat der Track lockere 4/5 Karabinerhaken am Gummihuhn.

Das flotte "Booty Island" ist eine Bestandsaufnahme aller Orte der Karibik, auf denen man als Pirat lieber nicht wäre. Und das scheinen so ziemlich alle zu sein. Ausgenommen das titelgebene "Booty Island", welches als einziges alles hat, was das Piratenherz begehrt. Auch hier gibt es reichlich Querverweise zur "Monkey Island"-Reihe. Nicht nur Monkey Island selbst findet Erwähnung, auch Meelee Island, Dinky-Island Phatt Island u.a. Örtlichkeiten tauchen neben zahlreichen realen karibischen Inseln in der Liste der vermeidungswürdigen Eilande auf. Insider wie die "Isla de Muerta" sollten dabei noch einem breiten Publikum bekannt sein, die "Rosa Bonsche Insel" hingegen muss man schon googeln. Die Musik ist zwar Geschmackssache (Schubb-Schubbiduwaa), nichtsdestotrotz, der Song strotzt vor witzigen Reimen und empfiehlt somit 5/5 utopische Libertalias.

Mit "Haare im Gesicht" erreicht das Album mein persönliches Highlight. Klasse Sound, prima Texte und eine unschlagbare Melodie lösen fast "Blau wie das Meer" als mein Favorit ab! Die höchstmelodische Bartwuchspropaganda könnte der is zwar schon fast 1:1 als Nationalhymne übernehmen, trotzdem sind die Reime und Anekdoten über die heldenhaftesten Bartträger der Weltgeschichte auch für unbelehrbare Stoppelträger schlichtweg genial. Lange Rede, kurzer Bart, hier sprießen 5/5 bedrohlichen Suppenfängern!

Übellaschendelweise ist "Allll!" genau das, was man elwaltet hat: Ein Song übel einen felnöstlichen Pilaten! Und das klassische Splachfehler-Klischee, das man Asiaten so gerne nachsagt nachsagt. Auch das Sushiladen-Geklimpel war zu elwalten. Zugegeben, einige del Gags sind ganz amüsant, abel übel die volle Länge fängt del Tlack doch nach ein paalmal Hölen, etwas an zu nelven. Von Woltwitz-Künstleln wie den Pulvelaffen hätte ich mil auch ein paal Gags auf höhelem Niveau gewünscht. Live ist das Teil sichel del absolute Blüllel, vol allem nach ein paal Glog zuviel. Abel auf CD wild das Stück schnell lecht anstlengend. Nul 3/5 schunkelnden Dschunken.

"Fette Beute" gibt dem Hörer schon ein paar Rätsel auf. Im Grunde geht es um Mr. Hurleys Bestreben, als Frontmann einer Piratenband endlich reihenweise windschnittige Groupies abschleppen zu können. Dummerweise sind diese aber offenbar durch die Bank weg etwas zu mollig geraten. Somit erklärt sich auch der Songtitel. Die Emanzen können aber die Harpunen gleich wieder senken, denn mit ausreichend Selbstironie und -kritik segelt dieser Track an den Untiefen etwaiger Hungerhakenverherrlichung etliche Seemeilen vorbei. Komisch nur, dass der Protagonist des Liedes sich im selben Atemzug über seine kalte Koje beschwert, sollten doch gerade die moppeligen Fans diese ausreichend wärmen. Aber vielleicht habe ich auch diese Allegorie nur völlig falsch aufgeschnappt. Der gesungene Antrag zur Verschlankung von Mr. Hurleys Kojenbesatzung kommt so oder so auf 4/5 besitzgewechselte Überproportionen.

Ich weiß nicht genau wann es passierte, aber üblicherweise war Zirkus und Jahrmarkt mal ein Sinnbild von Spaß und Freude. Inzwischen allerdings ist jede musikalische Anlehnung an Karussel oder Clowns ein Vorbote gar drastischen Unheils! So auch bei "Die Legende von Daisy Jones". Die Fast-Namens-VetterIn des bekannten Gruselpiraten fährt in ihrem Geisterschiff durch die Meere und angelt sich wehrlose Seemänner um sie genüsslich zu "vernaschen". Die musikalische Interpretation der rolligen Monsterbraut gehört auch schon etwas länger zum Arsenal der Pulveraffen und ist hier nochmal instrumental aufgepeppt. 5/5 verhängnisvolle Affären.

Eigentlich folgt an dieser Stelle die Abstinenzlerhymne "Nüchtern", aber der Song ist nicht nur mein persönlicher Tiefpunkt des Albums, sondern des gesamten Schaffens der Pulveraffen. Dabei ist er eigentlich gar nicht mal so verschieden zu deren anderen Shantys. Aber wenn man versucht, möglichst viele verschiedene Stile in seinen Songs unterzubringen und beim Plündern von allerlei Vertreter kurioser Weltmusik auch auf nervenzerrende Rythmen musikalischer Parallelkulturen zurückgreift, dann kann es passieren, dass der ein oder andere Hörer bereits bei den ersten Takten reflexartig die Skip-taste prügelt. Eigentlich höre ich Pulveraffen, weil ich genau diese Art von Musik NICHT hören will! Aber ich muss natürlich einsehen, dass die Grenzen hier etwas fließend sind. Bei Gott, ich habs versucht, aber einen zweiten Durchlauf dieses Stücks habe ich noch nicht über mich bringen können. Daher entfällt eine Bewertung zugunsten eines rein subjektiven Verschwindens im Mahlstrom des gnädigen Vergessens. Prost!

Die Geschichte vom "Taljenblock" ist ein schneller und kurzweiliger Shanty darüber, was an Bord so alles schief gehen kann. Kein Highlight, aber ganz vergnüglich und kommt auf 4/5 amüsante nautische Katastrophen.

Auch der "Urlaub" gehört bereits seit Längerem zum Live-Programm der Affen. Der Song hat einige witzige Reime, ist für meinen Geschmack aber wieder zu gemächlich und zu lang. Unterm Strich ist die musikalische Auszeit vom Piratenleben ganz nett, aber eben auch schon ein Kandidat zum Überspringen. 3/5 ausgeleierte Hula Püppchen.

Beim "Haken an der Sache" geht es um den klassischen Handersatz karibischer Seeräuber. Der schmissige Song segelt ein Maximum an Knoten und klärt dabei über die Gefahren und Risiken der berühmt-berüchtigten Hand-Prothese auf, lässt aber auch deren Vorzüge nicht unter den Tisch fallen. Da applaudieren 5/5 karibischen Cyborgs.

Komma her! "Ach ja!" ist ebenfalls ein Klassiker der Pulveraffen, somit wurde es Zeit, dass das Stück endlich mal auf einem regulären Album erscheint. Der Aggro-Shanty schlechthin ist zwar schon auf der Split-EP "Feier frei!" verewigt, aber nun wird er endlich auch einem größeren Publikum zugänglich gemacht. Die Ode an zünftige Prügeleien dürfte vor allem all jene begeistern, die sich noch nicht daran satt gehört haben. Und sogar für die wurde extra ein neues Pöbel-Solo eingespielt, wobei ick dat alte jedoch für orjineller halte. Ich und 5/5 Armadas finden den Song auf jeden Fall knorke.

Songs wie das "Abschiedslied" ist für Bands wie den "Pulveraffen" immer ein besonderer Drahtseilakt. Die Balance zwischen peinlichem Kitsch und ergreifender Ballade gelingt nicht allen Bands, deren Schwerpunkt üblicherweise auf albernen Saufliedern liegt, vor allem wenn das Stück dann auch noch einem real Verstorbenen gewidmet ist. Hier ist das aber überraschenderweise ganz gut gelungen und so erzeugt die Ballade über Abschied und Ungewissheit tatsächlich eher Gänsehaut statt Fremdschämen. Auch wenn der stilistisch ungewöhnliche Song dann doch wie eine unnötige Pinasse am Rumpf des Albums hängt und zudem als Abschluss des Albums meistens auf dem Weg zum Anfang dann doch von mir übersprungen wird, sollte man das gefährliche wie erfolgreiche Experiment zu würdigen wissen. Unschlüssig vergebe ich hier 3/5 abhanden gekommene Seemänner.

Fans der westfälischen Beutefahrer nehmen erfreut zur Kenntnis, dass das hohe Niveau des Vorgängers "Grog'n'Roll" problemlos gehalten wird. Die größte Änderung besteht darin, dass auf "Voodoo" nicht mehr ein einziger englischsprachiger Shanty auftaucht. Einigermaßen schade, denn anders als auf dem Debut "Affentheater", auf dem die alten Hüte eher ein Ärgernis waren, fand ich die paar Remakes auf "Grog'n'Roll" ganz abwechslungsreich und zudem sehr gut vertont. (Die Pulveraffenvariante von "Whiskey in the Jarrr" ist meine ungeschlagene Lieblingsversion dieses Klassikers!) Aber dafür hat die Affenbande ja für zahlreichen Ersatz gesorgt. Bei so einer hohen Zahl an Songs ist es auch nachvollziehbar, dass nicht jeder einzelne den persönlichen Geschmack treffen kann. Aber auch wenn hier einige Lieder hin und wieder mit der Skiptaste über Bord gehen, bleiben immer noch mehr als genug übrig für ein erfolgreiches Entermanöver. Klassische Piratentaktik: Auch wenn man nicht die bestausgebildetste Mannschaft besitzt, stellt die schiere Übermacht die Prise trotzdem sicher!

Zur zusätzlichen Auflockerung präsentiert uns die Band zwischendurch das Hörspiel von "Blakes Fluch" in vier Akten. Im direkten Vergleich zum vergleichbaren "Blakes Tagebuch" des Vorgängers kommt der "Fluch" aber meiner Meinung nach nicht so gut weg. Das Gejammer des Captains über die Eskapaden der Pulveraffen höre ich auch zum hundertsten Mal noch gerne. Das verfluchte Kammerspiel in dem Blake versucht sich mittels Voodoo vom Fluch des Evergreens "Blau wie das Meer" zu befreien und dabei von einer Nebenwirkung in die nächste stolpert, ist beim ersten Mal ganz amüsant zu hören. Danach aber lässt man die Pausenfüller dann doch eher aus. Aber als Bonus auf einem eh schon überfüllten Kahn nimmt man das Zwischenspiel trotzdem gerne mit.

Vom Krähennest aus stellt man fest, dass die Band mal wieder eine (Achtung! Metapher-Alarm!) Schatzkiste voll akustischem Geschmeide aufgetan hat, die wohl jeden Frei(zeit)beuter zufriedenstellen wird! Da ich "Grog'n'Roll" aber immer noch für einen ganzen Ticken besser halte, würde ich mir persönlich für die nächste Ausbeute wieder deutlich weniger Kölle Alaaf im Sound und auch wieder etwas mehr respektlose Aufmüpfigkeit in den Texten wünschen.
Bis dahin, Mast- und Schotbruch, Matrosen!


Black Sails - Season 1 [3 DVDs]
Black Sails - Season 1 [3 DVDs]
DVD ~ Toby Stephens
Preis: EUR 26,99

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Intrigenspiel der Edelpiraten, 6. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Black Sails - Season 1 [3 DVDs] (DVD)
Endlich mal wieder Piraten auf dem Schirm! Viel zu selten nehmen sich Big Budget Produktionen noch der klassischen Seeräuberthematik an und das, obwohl sich das Genre noch immer steigender Beliebtheit erfreut. Erst hat das ruinöse "Cutthorat Island" dem Genre fast den Todesstoß versetzt (obwohl der Streifen eigentlich ziemlich gut war) und dann hat der "Fluch der Karibik" dafür gesorgt, dass alle folgenden Kaperproduktionen im Schatten des übergroßen Sparrow-Franchise stehen werden. Daher bin ich zumindest froh über jeden Film und jede Serie die sich überhaupt noch traut, eine Kamera auf ein Piratenschiff zu stellen.

Auch wenn die Serie einige Schwächen aufweist, so hat sie doch auch handfeste Stärken, die sie für mich zur besten (Yo!) Serie der letzten Jahre machen.
Größter Pluspunkt: Piraten! Auch nur halbwegs brauchbare Film-/Fernsehproduktionen mit Piraten kann man, wie gesagt, an einer Hakenhand abzählen. Wer sich für Freibeuterplots nicht interessiert, ist hier sowie auf dem falschen Kahn. Für die anderen bietet "Black Sails" (fast) alles, was das Seeräuberherz begehrt.
Was mir jedenfalls sehr gut gefällt ist, dass hier das Piratengenre endlich wieder von Geistern, Zombies und anderem übernatürlichen Schmonsens befreit wurde, welches die 4 Karibikflüche ja leider zum Bukanierstandard erhoben haben. Der Grad an Realismus erreicht den für Fernsehproduktionen wohl höchst denkbaren Anspruch. Die zur komplett korrekten Historie klaffende Lücke ist nun einmal den Erwartungen der Zuschauer geschuldet. Auch wenn hier also kein Doku-Drama entsteht, zumindest sind wir die Zombiepiraten los.
Die Storyline der Serie ist gut aufgebaut und bleibt spannend, die Charaktere sind gut ausgearbeitet und auch die Darsteller sind (überwiegend) sehr gut gewählt.
Die 16er Freigabe ist zudem ein akzeptabler Kompromiss. Was Sex und Gewalt angeht erreicht man nicht unbedingt das Niveau von beispielweise "Rom", hat aber genug Spielraum um das ganze aus der Kinderecke zu holen und hin und wieder mal ein paar Brüste oder einen Schwall Blut in Szene zu setzen.

Schwächen? Natürlich, jede noch so stolze Fregatte hat auch die ein oder andere morsche Stelle.
Auffällig ist hier wohl, dass die Protagonisten in ihrem Erscheinungsbild den Ansprüchen des modernen Schönheitsideals entsprechen müssen. Auch wenn es seltsam anmuten mag, dass man es in so vielen Rezensionen davon liest, aber auch mir ist bei der ersten Folge als erstes negativ aufgefallen, dass sämtliche Figuren der Serie von der gemeinsten Hure über den Standard-Seemann bis zum schneidigen Kapitän jeder bessere und gepflegtere Zähne vorzuweisen hat, als es sich der westliche Durchschnittsbürger heute noch jemals leisten könnte. Man hat sich zwar Mühe gegeben, allem einen gewissen Schmodder-Look zu verleihen, aber es ist unverkennbar, dass auch der letzte Tagelöhner immer wohl frisiert und durchgestylt in Szene gesetzt wird. Muss man wohl drüber hinwegsehen, auch wenn man einem Sonnyboy wie Luke Arnold den John Silver nur schwer abnimmt.
Auch bei den Schiffskämpfen, von denen die erste Staffel drei zu bieten hat, hätte ich mir etwas mehr gewünscht. Zu gute halten muss man der Serie, dass Seeschlachten nun mal anscheinend recht anspruchsvoll sind und sich sogar große Filmproduktionen wie die "Fluch der Karibik"-Reihe sich da gerne mal aus der Verantwortung stehlen. (Teil 1: Naja; Teil 2: Fehlanzeige; Teil 3: gegen Ende der Produktion größtenteils aus dem Budget gerutscht; Teil 4: Wieder absolute Fehlanzeige)
Auch wenn die Szenen bei "Black Sails" gut noch etwas umfangreicher hätten ausfallen können, wir sehen hier anscheinend den Level, der für Film und Fernsehen das vermutlich höchstmögliche Niveau darstellt.
Ein für mich persönlich großer Minuspunkt ist noch die Tatsache, dass sich das ganze als Prequel zur "Schatzinsel" verstehen will. Ich verstehe es nicht, Stevensons §Schatzinsel" ist eine der so ziemlich langweiligsten Piratenstorys aller Zeiten, trotzdem aber die populärste. Eine unabhängige Story wäre mir hier lieber gewesen und hätte mehr Freiheiten geboten. Ob diese Schatzsuch-Story im weiteren Verlauf der Serie noch Platz für klassische Piraten-Action bieten kann, wage ich mal vorsichtig zu bezweifeln, lasse mich aber gerne eines besseren belehren.
Letzter Kritikpunkt ist an die Historiker unter uns gerichtet: Denn obwohl die ganze Story fiktiver als auch realer Personen in ein historischen Umfeld gebettet wurde, werden doch noch einige Fehler gemacht. Beispielsweise spielt die Serie 1715, zu einer Zeit in der das goldene Zeitalter der Piraterie dem Ende entgegensieht. Zu dieser Zeit war das in der Serie oftmals zitierte Port Royal allerdings bereits seit einem knappen Vierteljahrhundert von einer Flutwelle in die See gespült worden. Wer sich an solchen Details nicht stört, kann sich aber an den Bemühungen erfreuen, historische Personen wie Calico Jack Reckham, Charles Vane oder Anne Bonney in einer Handlung mit fiktiven Figuren wie Captain Flint, Billy Bones oder Long John Silver verstrickt zu sehen.

Am Ende des Tages bleibt eine mit kleinen Makeln behaftete Serie, die man eben akzeptieren muss, wenn man mal wieder eine flotte Seeräuberproduktion OHNE Jack Sparrow sehen möchte. Eine Beute, die sich lohnt und hey: Es sind PIRATEN! JO-HO!


Branntwein für alle!
Branntwein für alle!
Preis: EUR 20,99

5.0 von 5 Sternen Hochprozentiger Ohrenputzer!, 7. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Branntwein für alle! (Audio CD)
Sucht man nach "anspruchsvollem" deutschprachigem Folk-Rock(im weitesten Sinne), der sich selber nicht ganz ernst nimmt, sich zudem traut, thematisch öfter mal am unteren Niveau anzuecken und trotzdem überaus geistreiche Texte für sich verbuchen kann, gibt es momentan eine Band, bei der man zu 100% fündig werden kann: Knasterbart!

Der Stil der Kombo lässt sich wohl in das exklusiv besetzte Genre "Gossen-Folk" einordnen. Die Inhalte der Songs pendeln irgendwie zwischen geschmacklos und unerhört, aber die Band meistert hier die Gratwanderung zwischen künstlerisch hohem und thematisch niedrigem Niveau (fast immer) mit Bravour, indem sie es fertig bringt, ihren ausgesprochen derben Humor in durchaus feingeistigem Wortwitz darzubieten.

"Gossenabitur", "Branntwein für alle!", "Jammerjule", "Kein Knaster im Knast", "Mein Stammbaum ist ein Keis" und "Ich trinke, also bin ich" sind Songs, die schlichtweg ihresgleichen suchen.
"Geteiltes Leid ist halbes Leid", "Gossenhauer", "Lieber widerlich als wieder nich'" und "Gott will es" unterschreiten dieses Niveau nur knapp und sind, wenn auch nicht ganz so genial, doch immer noch überaus hörenswert.
"Gossenabitanz" und "Hinterwäldlertanz" sind schmissige Instrumentals.
Mit "Knüppelkalle" rutscht der vorletzte Song der Scheibe als erster gefährlich weit ins Mittelmaß. Hier sind die Gags dann doch oft zu platt und zu peinlich, da hat das Fingerspitzengefühl wohl etwas versagt.
Und dass "Horst die Filzlaus" eine Ode an ebenselbe ist, ist hier die einzige (missratene) Pointe. (Diesen Track am besten von der CD kratzen.)

Unterm Strich bleibt "Branntwein für Alle" ein geniales wie hörenswertes Album, wie ich es mir im Folk- und Mittelaltersektor (wieder) mehr wünsche.


Scare Force One (Digipak)
Scare Force One (Digipak)
Preis: EUR 15,99

2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Monster im Anflug, 7. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Scare Force One (Digipak) (Audio CD)
Rauchen einstellen, anschnallen, Klappe halten. Notausgänge gibt es nicht. Falls Sie ein Problem haben, Pech gehabt, Lordi starten ihr 7tes Studioalbum als monströsen Überflieger in militärischem Konsens.
Eines vorweg: Die Scare Force One ist ein ziemlich schwergängiges Vehikel, weshalb die Maschine auch erst ein paar Runden kreisen muss, bevor die Ladung sich scharf schaltet. Nachdem der Flieger dann aber erst mal einige Bonusmeilen hinter sich gebracht hat, erreicht die neueste Monsterscheibe auch allmählich ihre eigentliche Reisegeschwindigkeit.
Der strukturelle Aufbau gleicht den jüngsten Vorgängermodellen, so dass alteingesessene Lordi-Fans sich schnell in der Kabine zurechtfinden werden. Das Bordprogramm bietet erwartungsgemäß den ganzen Flug über Lordi-typische Unterhaltungsmusik.

Werfen wir also einen kurzen Blick auf die Nutzlast:
SCG7: Arm your Doors and Cross Check - Das aktuelle Intro ist das unaufregendste in der Geschichte der Lordi Intros. (Viel zu langer) Sakraler Gesang, der, wie gewohnt, gegen Ende in den Sound des Openers übergeht.
Scare Force One - Der Titeltrack gibt den Kurs des Albums vor. Lordis Sprechgesang wechselt sich mit hymnenhaften Chören ab. Der Song selbst gleitet im Mittelfeld. Wir lauschen 3/5 Sturzkampfmonstern im Anflug.
How to slice a Whore - Man merkt, dass Lordi sich wohl durchaus bewusst sind, dass die Zeit, in der sie Chancen im Massenmarkt hätten haben können, wie im Flug verflogen sind. Daher kann man sich mit den Lyrics auch ruhig ein bisschen weiter aus dem Fester lehnen und einen Song darüber schreiben, wie man eine ...ich sag mal "moralisch vermutlich fragwürdige weibliche Person"...ich sag mal "demontiert". Das Thema wurde beispielsweise in "The Devil is hiding behind her smile" bereits besser und origineller umgesetzt, daher 3/5 überflüssigen Ritualmorden.
Hell sent in the Clowns - Das klassische Thema der Killer-Clowns in Lordi-typischem Soundgewand. Die üblichen Zutaten werden hier noch durch die obligatorische Jahrmarktsmusik aufgehübscht. Macht 3/5 Clown-Klauen.
House of Ghosts - Das langsame Stück im Arsenal. Dezente Gruselstimmung in deinem Song über paranormale Untermieter, die ansonsten aber offenbar recht friedlich zu sein scheinen. Klingt nach 3/5 pflegeleichten WG-Genossen.
My Name is Monster - Von hier an gewinnt die Scare Force One deutlich an Höhe. Mit einer etwas kraftvolleren Produktion wäre dieser Song ein Kracher gewesen. Der Selbstvorstellungsmonolog von Lordi hat einige heitere" Textzeilen und einen mitreißenden Refrain zu bieten. Aber so bleibt der Song "nur" ein guter Track, der leider nie so gut klingt, wie er wäre, wenn er besser klingen würde. 4/5 Alternativen zu Kevin.
Cadaver Lover - das Spezialgebiet von Lordi waren schon immer Rockhymnen, die klingen, als kämen sie direkt aus den goldenen 80ern. Auch dieser morbide Ohrwurm folgt dieser Tradition und zeigt, dass Lordi noch immer die besseren KISS sind. Macht 4/5 nekrotische Philologinnen.
Amen's Lament to Ra II - Im Gegensatz zum Rest des Arsenals, darf Gitarrenmumie Amen hier zeigen, dass er mehr mit seinem Instrument kann, als Bohlen-Cover einzuspielen. Ein schönes Akustikstück, das mal wieder wünschen lässt, dass der alte Pharao im Klang eine größere Rolle spielen dürfte.
Nailed by the Hammer of Frankenstein - Hier erreicht die Maschine ihre endgültige Dienstgipfelhöhe. Und mal ehrlich: Ein Song mit diesem Titel kann gar nicht schlecht sein! In dem höchst doppeldeutigen Track über die handwerklichen Fähigkeiten des berüchtigten Leichenbastlers geht es zum einen darum, Partys zu feiern und Bräute aufzureißen. Und zum anderen darum, Bräute aufzureißen. Der Song punktet dort, wo der Rest des Albums schwächelt: Er ist schnell, kraftvoll und der Sound klingt etliche Bonusmeilen besser, als sämtliche anderen Granaten im Bombenschacht der SF1. Der Song hat nicht ganz das Kaliber wie es beispielsweise seinerzeit "Hardrock Hallelujah" oder kürzlich "The Riff" hatten, trifft aber trotzdem 5/5 Nägel auf den Kopf. The United Rocking Dead - Hier geht der Flieger bereits wieder steil in den Sinkflug über. Die rockenden Toten präsentieren uns einen langsamen Stampfer, der aber zu lang, zu langweilig und ganz allgemein zu öde daherschwankt. Lediglich Lordis fieser Pharao darf hier und da mal ein gekonntes Riff dazwischenzupfen, das reicht aber längst nicht, um den Song zu retten. Hier sehen wir kurz vorm Heck den Schwachpunkt der SF1. Nur 2/5 torkelnden Toten.
She's a Demon - Nobody is perfect. Und auch der Love Interest des Protagonisten hat wohl den ein oder anderen Schönheitsfehler. In diesem Falle ist die Angebetete offenbar recht hübsch, aber nebenbei eben auch ein Dämon, so dass dieser Romanze ein lediglich einseitiges Happy End beschieden ist. Der Song wäre eigentlich deutlich überdurchschnittlich, aber dass der Songtitel im Refrain zu oft bemüht wird, senkt den Gesamteindruck wieder. Wir gratulieren zu 3/5 diabolischen Zweckehen.
Hella's Kitchen - Ein kurzes Päuschen mit ein bisschen Kindergesang und Glockenmusik aber ohne abschließende Pointe.
Sir! Mr. Presideath, Sir! - Gegen Ende servieren uns Lordi noch ein flottes Stück Gesellschaftskritik, die im Allgemeinen die blinde Hörigkeit des Volkes seines jeweiligen Oberhauptes gegenüber aufs Korn nimmt. Der Song selbst ist solide, aber keine Überraschung. Ich wähle daher nur 3/5 fragwürdigen Präsidenten.
(+ETA) - Anschließend an den letzten Track hören wir noch eine Flugdurchsage, die das Thema der Scare Force One aufgreift. Schade, diesen Monolog hätte ich als einführendes SCG7 passender gefunden, er hätte das Album wesentlich stimmiger eingeleitet, als der stattdessen gewählte Singsang. Zudem scheint es offensichtlich, dass ETA tatsächlich mal ursprünglich der Anfang von SCG7 war?

Check-Up:
Die militärisch angehauchte Thematik steht Lordi ganz gut und ist zudem auch mal origineller, als sich immer nur auf das Monster/Grusel-Image verlassen zu müssen.
Schade aber, dass nur der erste und der letzte Song thematisch zum Image von SF1 passen. Da hätte man noch ein, zwei Stücke an das Genre anlehnen können.
Letztendlich tun Lordi aber das, was Fans von ihnen erwarten. Die SF1 fliegt keine Risikostrecke sondern bleibt stur auf Kurs.
Die Checkliste der Songs:
Sehr gut: 1x
Gut: 2x
Lückenfüller: 6x
Nervig: 1x
erinnert an die letzten Vorgängermodelle.
Auf diesem Niveau schießt die SF1 auch erwartungsgemäß über den Himmel. Wer also gehofft hat, die Reise gehe diesmal wieder in das Land der Ursprünge, ist sicher (wieder mal) enttäuscht. Wer sich hingegen damit abgefunden hat, dass Lordi immer noch Lordi sind, nur eben nicht mehr ganz so brilliant wie früher, kann mit dem neuen Album zufrieden sein. Sternchen #4 ist daher auch ein von zu hoch fliegenden Erwartungen gelöster Resignationsbonus.
Einen dicken Bonus bekommt die Band zudem dafür, dass sie losgelöst von den Fesseln des Mainstreams kein Blatt vor den Mund nehmen muss und Songs textet, die sich kaum eine andere (etablierte) Band trauen würde.
Ein kleines Minus muss die Monsterbande aufgrund der Länge(Kürze) ihrer Songs einstecken. Die meisten sind einfach zu kurz, gerade die Highlights hätten nen gutes Minütchen mehr vertragen können. Um auf Spielzeit zu kommen, werden stattdessen gegen Ende des Albums gerade die Songs in die Länge gezogen, die besser kürzer geblieben wären.

FAZIT:
Die Songs starten überwiegend ins Mittelfeld, einzelne Überflieger bringen SF1 aber über den Durchschnitt.
Die Produktion lässt dem Sound leider (mal wieder) nicht genug Laderaum ihre Qualitäten voll zu entfalten.
Warnhinweis: Volle Lautstärke ist der Fensterplatz. Wer nur am Gang Platz nimmt, hat es schwer, den Flug in vollen Zügen zu genießen.


Star Wars(TM) Feuerprobe
Star Wars(TM) Feuerprobe
von Troy Denning
  Broschiert
Preis: EUR 13,00

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Abschiedsgala der Weltraum-Senioren, 24. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Star Wars(TM) Feuerprobe (Broschiert)
In "Star Wars - Feuerprobe", so erfahren wir bereits vom Klappentext, soll die Staffelübergabe der alten Garde (Luke, Leia, Han und Lando) an die neue Generation Weltraumhelden stattfinden.
Eigentlich war das in dem Sinne gar nicht nötig, denn die "neue Generation" spielt in bereits dutzenden Romanen eine bedeutende Rolle. Anscheinend aber war man der Ansicht, sich endlich Mal vom Zwang lösen zu müssen, immer wieder die selben Hauptfiguren in den Plot zu integrieren.
Inwiefern das überhaupt noch sinnvoll ist, ist fraglich, da mit den kommenden neuen Spielfilmen die gesamte SW-Romanwelt seit Timothy Zahns kongenialem Erben des Imperiums, eh hinfällig wird.

Nichtsdestotrotz erleben wir hier die Lieblingscharaktere der Star Wars Fans in einem Abschluss-Abenteuer, das ich mir für diese Tragweite etwas spannender gewünscht hätte.
Der Plot ist interessant gewählt und liest sich auch recht spannend. Aber man merkt einfach, dass er die gewohnte Vielschichtigkeit früherer Romanreihen nicht erreichen kann. Zudem fällt der Schreibstil sehr schlicht aus, man kann kaum glauben, dass diese Sätze von Altmeister Troy Denning stammen sollen. Erinnert vom Stil eher an die Young Jedi Knights Geschichten, die sich an ein eher jüngeres Publikum richteten.
Die neuen Gegenspieler sind gut gewählt und hätten potential für eine größere Rolle gehabt, als sie hier letztendlich ausfüllen durften.
Der Roman baut Story und Spannung langsam aber stetig auf. Das Ende kommt dann aber doch zu abrupt und wirkt auf mich wie einfach schnell runtergebrochen und konfus. Die letztendlich gewählte Begründung, wieso die einstigen Hauptfiguren nun aus den folgenden Handlungssträngen ausscheiden ist leider ziemlich unspektakulär an den Haaren herbeigezogen worden. Als Abschluss für die alte Weltraumhelden-Generation taugt dieses Buch somit leider nicht.

Trotzdem liest sich das Buch zwar spannend, lässt den Leser am Ende aber ziemlich enttäuscht zurück. Gerade der "Endkampf", auf den man die Story über hinfiebert, ist letzten Endes sogar für Sci-Fi Verhältnisse viel zu abstrus.
Das Buch bietet somit ein nettes Weltraummärchen, wird aber dem Anspruch, das Ende einer Ära einzuöäuten, bei weitem nicht gerecht.


Aufs Leben
Aufs Leben
Preis: EUR 17,98

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Feuermaul im Abenteuerland, 23. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Aufs Leben (Audio CD)
Zugegeben, auch ich hatte immer ein kleines Problem mit dem Niveau einiger alter Feuerschwanz-Songs. Ein ums andere Mal rutschte doch eine Zote deutlich unter die Gürtellinie. Auf der anderen Seite aber konnte ich mich immer darauf verlassen, dass Feuerschwanz die Sendboten des zügellosen Mittelalterspaßes sind und jedes Album eine unbeschwerte Minne-Party ist, die sich von der ernsthaften Konkurrenz anderer Renaissance-Kapellen positiv abhebt und das spielt, was sich etablierte Bands sonst nicht trauen. Da habe ich auch über den ein oder anderen geschmacklichen Ausrutscher gerne mal hinweggesehen.

Um gleich auf den Punkt zu kommen: Die Entschärfung der Ritterbande um Hauptmann Feuerschwanz, die auf "Wallhalligalli" bereits ihren Anfang nahm wird hier vollendet: Auf dem neuen Album finden sich keine derben Zoten mehr, keine peinlichen Gags und auch das Lieblingsthema der fleischlichen Gelüste hat sich anscheinend ein für alle Mal erledigt. Dieser moralischen Säuberungsaktion fielen allerdings auch jeglicher Witz, jeder Spaß und die Spielfreude zum Opfer, die Feuerschwanz einst ausmachten. Die Stücke der neuen Scheibe sind allesamt zu brav, zu harmlos und zu gesellschaftstauglich, kurz gesagt: einfach sterbenslangweilig! Feuerschwanz spielen nun die Musik, über die sie sich früher mal lustig gemacht haben. Damit ragten sie einst aus der grauen Masse der Konkurrenz heraus. Nun aber treten sie aus ihrer zwar etwas albernen, aber ohne Frage einstmals höchst unterhaltsamen Nische heraus und versinken im Schlick der Mittelmäßigkeit und der gesellschaftlichen Akzeptanz. Ich habe die alten Feuerschwanz beispielsweise dafür geschätzt, dass sie sehr viel näher an den alten Schandmaul dran waren als die neuen Schandmaul. Nun aber klingen die neuen Feuerschwanz genauso wie die neuen Schandmaul! Und die klingen schon mehr nach Abenteuerland, als nach allem anderen, geschweige denn, nach Mittelalterfolk oder nach Spielfreude. "Wir stoßen an auf den Untergang" heißt es im Titelsong des Albumsund leider ist das Programm für das gesamte Album.

Eigentlich wäre hier schon alles gesagt, aber da man sich als unzufriedener Querulant ja immer etwas mehr rechtfertigen muss, als als stoischer Alles-gut-Finder, gehe ich schweren Herzens die Songs noch einmal im Detail durch.

Es beginnt mit dem Titelsong "Auf's Leben!" und die flotte Melodie lässt hier noch gar nix Schlimmes erahnen. Feuerschwanz haben allerdings reichlich bessere Stücke mit ähnlichem Thema im Repertoire. Zudem bremst sich das Stück ziemlich schnell aus. Was bleibt ist eine schöne Hookline, die das Stück aber nicht aus dem Mittelmaß stemmen kann. Stattdessen stemmt dieser Song nur 3/5 halbvollen Humpen.
Es folgt "Herz im Sturm". Positiv hervorzuheben ist die muntere Melodie, die ganz in alter Feuerschwanz-Tradition steht. Das Problem allerdings ist hier ohne Frage der Text! Es ist ein Liebeslied und ein ziemlich kitschiges noch dazu! Die Band hat ja schon früher überwiegend romantisch angehauchte Songs komponiert, aber dann meistens eine Schlusspointe hinzugefügt, die das Stück um Haaresbreite vor einem Schicksal als Kitsch bewahrte. Dieses passiert hier aber nicht, die meinen das todernst! Das Teil könnte ein Rosenberg-Cover oder sonst einem üblen Schlagerfuzzi entsprungen sein! Schade um den Sound, aber das Stück ist einfach zu peinlich, um es zu hören und dabei noch nicht einmal besonders originell. Nur mit sehr viel gutem Willen gebe ich hier 2/5 reanimierte Herzbuben.
Das dritte Lied ist "Mann aus Metall" und erinnert ein bisschen an Metmaschine, ohne jedoch dessen Qualität zu erreichen. Die Selbstbeweihräucherung von Hauptmann Feuerschwanz soll wohl eine Parodie auf den grassierenden Fitness-Wahn sein, kommt aber fast ohne Witz und Selbstironie aus. Nur ein guter Gag in dem Song ist zu wenig, auch der langweilige Sound hauts nicht raus. Nur 2/5 Dosen Drachenfutter.
Es folgt "Zuckerbrot und Peitsche", ein Lied über Beziehungen, in denen die Frau die Hosen an hat. Und auch hier zeigt sich leider: auf jugendfreiem Niveau kriegen Feuerschwanz keinen einzigen originellen Reim zustande. Die Melodie ist zwar flott, nervt jedoch ziemlich schnell. Naja, zumindest meine Kleinen stehen auf den Song, daher noch 3/5 Heldenpantoffeln.
Mit "Hans" folgt der einsame Höhepunkt der Scheibe. Die Ode an den Gitarristen könnte von alten (guten) Feuerschwanz-Alben stammen! Hier gibt es tatsächlich Witz im Text. Wäre das Stück ein wenig munterer gespielt, gäbe es die Höchstnote, aber trotzdem reicht es locker zu 4/5 einsamen Gitarrenhelden.
"Blöde Frage, Saufgelage" thematisiert eben das. Die Absicht, ein Saufgelage zu veranstalten. Der Reim im Titel ist dabei der einzige Gag im Song. Nicht originell, auch kein Ohrwurm, sondern ziemlich langweilig. Nur 1/5 öden Zechtouren.
Auch Feuerschwanz hats erkannt: Shantys stehen im Folkbereich gerade hoch im Kurs. "Seemannsliebe" braucht sich hier hinter Konkurrenz wie "Santiano" nicht zu verstecken, aber mal wieder ist dieser Song total ernst gemeint und kommt ohne Witz oder kreativer Lyrik aus. Die angedeutete Schlusspointe versteckt Feuerschwanz derart zaghaft, dass ich nicht mal weiß, ob sie absichtlich reingeschrieben wurde, oder nicht. Kein Feuerschwanz-Song, aber auch nicht wirklich schlecht, daher noch 3/5 gestandenen Seebären.
Und jetzt kommts knüppeldick! "Auf Wiedersehn" ist eine Ballade. Es geht um Abschied. Genauer gesagt um Tod. Um den Tod von geliebten Menschen. Dieses rührselige Stück ist durchaus ergreifend, aber was hat SO ETWAS auf einem Feuerschwanz Album verloren? Würde ich depressieven Mist hören wollen, der mich nach unten zieht und mir die Laune verdirbt, dann würde ich irgendeinen schwermütigen Schmonsens von Graf Unheimlich oder sonsteinem wehklagenden Jammerlappen hören! Aber Feuerschwanz lege ich doch in den Player, weil ich mich mal vom Elend in der Welt ablenken möchte und nicht, um das nun hier auch noch unter die Nase gerieben zu kriegen! Nein, tut mir leid, auch wenn das Lied gut gemeint ist und durchaus seine bedrückenden Qualitäten hat, so etwas will ich nicht hören und auf diesem Album schon gar nicht. Als Bonustrack auf einer ansonsten guten Scheibe hätte ich diesem Requiem noch eine Daseinsberechtigung aussprechen können, aber so bekommt das Stück 0/5 düsteren Trauerweiden.
Nach diesem Trauerspiel ist es schwer den Hörer aus seinem Tief wieder herauszuholen, daher versucht es der nächste Song erst gar nicht. Das Teil ist ein hübscher, schönklingender Kitsch, wie ihn Schandmaul nicht besser hätte verbrechen können. Total witzlos und unoriginell, nur 1/5 traumtänzelnden Zombies.
"Sündenfrei(zum Sonderpreis)" hätte wirklich gut werden können. Endlich mal ein Stück mit Gesellschaftskritik. Aber leider viel zu harm- und humorlos und obendrein nicht bissig genug. Zudem auch noch ohne nennenswerte Melodie. Für den guten Willen kann ich höchsten 3/5 alkoholfreie Sekten verteilen.
Dem "Der Ohrwurm" könnte man Amtsanmaßung vorwerfen. Ohrwurmqualitäten hat dieses Stück nicht. Und auch ebenfalls keine einzige Pointe. 1/5 platten Regenwürmern.
"Der Druide" hingegen hat einen Rhythmus, der einem im Ohr bleibt. Da der Rest vom Song aber leider wieder recht langweilig geraten ist, wieder nur 3/5 tanzenden Mistelzweigen.
Lieder wie "Frisch gezapft" kennen wir von Feuerschwanz, nur waren die allesamt flotter und origineller. Nur 1/5 kühlen Blonden.
Bei "In Vino Veritas" versucht man, wieder alte Lyrik-Qualitäten zu erreichen. Leider nicht besonders erfolgreich, zudem nervt der Refrain ziemlich. Nur 2/5 weinenden Wahrheiten.
Gegen Ende des Albums ist den Feuerschwänzlern wohl aufgefallen, dass der Song ganz am Anfang doch immer noch etwas zu munter ausgefallen ist, daher schieben sie hier noch schnell eine schwermütige Version hinterher. Warum? 1/5 gesprengten Partys.

Müsste ich ein FAZIT verfassen, würde ich zusammenfassend sagen, dass Feuerschwanz alles verloren haben, was sie einst zu dem gemacht hat, was sie waren. Sie waren originell, kreativ, frech, selbstironisch und manchmal ein bisschen (zu) obszön. Das neue Album ist NICHTS davon. Haben Feuerschwanz etwa ihre Seele an denselben Dämon verhökert, der bereits die Spielfreude von Schandmaul in die Hölle verbannt hat? Wo sind die tollen Geschichten geblieben, die uns Feuerschwanz sonst in ihrer ehemals einzigartigen Weise dargeboten haben? Wo ist "Ferdinand"? Wo ist "Der Henker"? Was ist aus der Pest (Hurra!) geworden? Sogar "Albrecht" war munterer als alles andere auf "Auf's Leben!"! Und wo zur Hölle ist eigentlich das Mittelalter hin? Auf diesem Album ist es jedenfalls nicht!

Also, diesmal kurz und knapp: Wer Schandmaul heute noch toll findet, der kann diesem Album vermutlich sehr, sehr, sehr viel mehr anfangen als ich. Ich allerdings fand Feuerschwanz gut, so wie sie mal waren und die neue Scheibe lege ich ein, höre den Titeltrack zu Hälfte, springe dann vor bis "Hans" und kann die CD danach auch gleich wieder ausmachen. Und das ist einfach zu wenig. Ein Stern ist dabei eigentlich noch zu viel, um meiner Enttäuschung hier Ausdruck zu verleihen.
Naja.
Was solls.
Dann stoße ich eben ein letztes Mal auf euch an.
"Auf euern Untergang" (Wie ihr ja passenderweise selber textetet)
und ein wehmütiges "Auf Wiedersehen".
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 1, 2014 10:41 AM MEST


Sunset on the Golden Age (Limited Mediabook)
Sunset on the Golden Age (Limited Mediabook)
Preis: EUR 17,99

13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die unglaubliche Kaperfahrt im total verrückten Piratenschiff, 12. August 2014
Ahoy, hisst mir die Spanten und all dies nautische Zeug!!!
Drei Jahre ist es nun also her, seit Captain Bowes schottischer Piratenhaufen das letzte Mal auf Beutefahrt durch die Gewässer des Metals kreuzte.
Zeit also, die Buddel Rum zur Seite zu legen, die Kanonen abzustauben, den rostigen Anker zu lichten, Kurs auf die karibische See zu nehmen und mit Salzwasser unterm muschelübersäten Kiel und einer anständigen Brise Westwind in den Rahsegeln der schwermetallischen Konkurrenz zu zeigen, wo der Bootsmann den Grogg holt!

DIE BRIGG - Die erste Beute der neuen Kapertour ist "Walk the Plank", ein wuchtiges, semi-episches Stück über des Piraten liebstes Exekutionsklischee. Als Opener ist der Song ganz gut, das Album kommt hier bereits schnell in Fahrt und der Refrain macht Laune. Nicht die dickste Beute, aber ein recht guter Einstand, hier gehen 4/5 Landratten über die Planke.

DIE FREGATTE - Der zweite Track auf der Beuteliste ist das bereits berüchtigte "Drink!". Hier spielen Alestorm ihre Stärken voll aus und bieten eines der besten Sauflieder aller Zeiten. Der Song ist flott, eingängig und für das ausgereizte Thema sogar noch recht originell geraten. Dem augenzwinkernden Stil der Band ist es zu verdanken, dass sich der Song von ähnlich arrangierten Trinkhymnen anderer Bands positiv abhebt. Das handelsübliche Proll-Image platt hingegrölter (Be)trinklieder wird durch den Spaßfaktor des Liedes restlos negiert. 5/5 Buddeln voll Rum!

DIE GALEONE - Arrrr!!! Gleich am dritten Tag bringt die Crew ein Schatzschiff der spanischen Silberflotte auf! "Magnetic North" ist eines der ungewöhnlichsten und besten Songs Alestorms und ein besonderes Juwel in deren Schatzkiste. Der abwechslungsreiche Song thematisiert eine verhängnisvolle Fahrt zum magnetischen Nordpol und überrascht und begeistert dabei mit allerlei Stilwechseln und knackigen Melodien. Macht unterm Strich 5/5 verschollene Seemänner.

DER SCHONER - Nicht ganz so wertvoll, aber auf jeden Fall größer ist "1741", Kaperobjekt Nummer 4. In dem epischen Stück wird die Belagerung von Cartaghena durch die Briten im Jahr 1741 besungen. Das Stück gefällt um Längen besser als das ähnlich gelagerte "Death Throes..." vom letzten Album. Eine schöne Hookline lässt einem die lange Spielzeit des Tracks kurzweiliger vorkommen, als sie ist. Wenn man dem Text folgt, könnte man übrigens meinen, dass der Überfall besser für die britische Flotte ausging, als er es tatsächlich tat. Nach mehreren Wochen Belagerung traten diese nämlich den Rückzug an, nachdem schleppende Versorgung und grassierende Tropenseuchen (und natürlich die Spanier) der Streitmacht übel zugesetzt hatten. Nichtsdestotrotz, Alestorm erobern 4/5 spanische Stützpunkte im Sturm.

DER KLIPPER - Der rasante Folgesong "Mead from Hell" will uns weismachen, dass ein Typ namens Fred auf dem Meeresboden aus dem Honig submariner Bienen den Met aus der Hölle braut. Da der Freibeuter-Triathlon (Saufen, Seefahren, Plündern) themenmäßig abgearbeitet scheint, beginnt ab hier unverkennbar der Bereich des einschlägigen Seemannsgarns. Der Sound hingegen ist nicht so kreativ und originell wie das Thema. Eine typische, schnelle Alestormnummer, vielleicht am ehesten vergleichbar mit "Midget Saw" und immer noch 4/5 Flaschen Höllenmet wert.

DER WINDJAMMER - Noch ein Stück mit ein paar Knoten mehr in den Takten. Hier geht es nun um untote Weltraumkraken aus der Zukunft. Klingt lustiger, als es in "Surf Squid Warfare" umgesetzt wurde, dafür hat die Band bei der Komposition alle Register gezogen. Schon fast ein bisschen zu albern kommt dieser Song daher, der mehr als andere Stücke mehr in die Party- als in die Pirate-Metal-Sparte gehört. Laune macht er beim Hören trotzdem. Erinnert mich seltsamerweise ebenfalls irgendwie an das altehrwürdige "Midget Saw". Wie auch immer, Alestorm surfen hier erfolgreich 4/5 Riesenwellen.

DIE KARAVELLE - Ein anständiges Schiff, aber kaum Ausbeute. Der Song "Quest for Ships" dümpelt melodisch im Mittelfeld und auch die Lyrics reißen hier nicht besonders viel raus. Da ist also jemand, der zur See fahren möchte, aber kein eigenes Schiff hat. Unglaublich, mit wie viel Text man diesen Sachverhalt in einem Lied umschreiben kann. Nicht schlecht, aber lange nicht die hellste Fackel auf dem Kanonendeck. Die Suche ergibt leider nur 3/5 seetauglichen Schiffen.

DAS FLOSS - Was für eine Beute, bloß weg damit! Ein morsches Floß mit pestkranken Schiffbrüchigen hat die Mannschaft hier aufgebracht! Wer sich an das letzte Album erinnert, dem laufenden beim Gedanken an "Buckfast Powersmash" möglicherweise noch immer kalte Schauer über das Achterdeck. Wer hingegen Gefallen am hektischen, debilen und nervtötenden Geschrammel damals fand, der mag sicherlich auch "Wooden Leg". Für alle anderen ist dieser Song, der zu 90% aus dem Songtitel besteht, wohl eher ein größeres Ärgernis als ein Fass mit verschimmeltem Schiffszwieback. Ich jedenfalls bekomme hier Skorbut vom Zuhören und vergebe nur 1/5 wurmstichigen Holzbeinen.

DAS LINIENSCHIFF - Volltreffer! Mit der Coverversion "Hangover" hat Alestorm einen der größten Glückstreffer ihrer Freibeuterkarriere gelandet! Das ursprünglich britische Linienschiff wurde überrumpelt und gekapert, alle rythmischen sowie blauen Besatzungsmitglieder über Bord geworfen und der lahme Kahn in eine von Rum und Grogg durchnässte Piratenparty verwandelt! Meine Lieblingsbeute dieser Fahrt! Volle 5/5 Promille Restalkohol!

DER RAHSCHONER - Das größte unter allen jemals aufgebrachten Schiffen, aber auch eines der seltsamsten. "Sunset on the Golden Age" präsentiert sich im Refrain wie erwartet als Abgesang auf die goldene Zeit der karibischen Piraterie, in den Strophen hingegen beschleicht einem das Gefühl, in einen Poetry Slam verrückter Wissenschaftler geraten zu sein! Hier wird ausschließlich mit dubiosen wie deplatzierten Fachausdrücken wie "Entropie", "Carbonic" oder "Luminescence" jongliert. Da das über 11 Minutenlange Stück mit seiner Hookline durchaus das Zeug zum epischen Piraten-Evergreen gehabt hätte, finde ich es relativ schade, dass die Texte hier offenbar einem dadaistischen Deliriums Stephen Hawkings entsprungen zu sein scheinen. Aufgrund des Umfangs drängt sich auch hier ziemlich unverfroren der Vergleich zu den "Death Throes..." auf, gegenüber denen der "Sunset..." immer noch eine Bugsprietlänge vorraus ist, was mit 4/5 verwirrten Piraten zu Logbuche schlägt.

DIE JOLLEN - Auf der Rückfahrt in den Hafen werden hier und da noch eine Handvoll kleine, unbewaffnete Schiffe aufgebracht, die man als Pirat zwar gerne mitnimmt, auf die man als Hörer aber auch hätte verzichten können. Die Rum-plugged Versionen klassischer Alestormsongs sind inklusive des abschließenden Neulings mal ganz interessant zu hören, aber die Originalgeschütze haben nach wie vor das größere Kaliber. Die Bonus-CD kommt im Kehlenschnitt auf nur 2/5 trockengelegte Shantys.

Wirft man abschließend einen Blick auf die Ausbeute, kann sich sich "Sunset on the Golden Age" durchaus sehen lassen. Nach einer starken Brise zu Beginn lässt die Windstärke zwar deutlich nach, aber gleich nach einer kurzen Flaute zieht das Album dann gegen Ende nochmal ordentlich an.
Leider ist kein neues "Captain Morgans Revenge", keine neue "Nancy..." und auch kein neuer "Pirate Song" mit dabei. Aber als Veteran ist man ja eh immer der Meinung, dass früher alles besser war. Und was mich auch ein bisschen wehmütig auf die alten Seeräuberzeiten Alestorms blicken lässt, ist der Umstand, dass das Thema "Piraterie" in den neuen Songs eher eine untergeordnete Rolle spielt. "Walk the Plank" beschäftigt sich als einziger Song mit den geliebten Klischees der Freibeuterei. "1741" fährt immerhin die britische Navy auf und zwei Trinklieder gehören eben zum Pflichtrepertoire. Aber der Rest der Songs hat doch eher Abstraktes bis Absurdes zum Thema. Melodisch bieten Alestorm mit dem neuen Longplayer eine ihrer Bestleistungen, thematisch aber habe ich zu oft das Gefühl, es statt mit Piratemetal mit Clownmetal zu tun zu haben, der sogar mir manchmal etwas zu albern ist. Klar, darf man als Mannschaft auch mal aus seiner Bucht heraussegeln, aber man sollte trotzdem darauf achten, mit dem Schiff in der eigenen Flotte zu bleiben. Gerade als Pirat kann man sich ein paar Faxen hier und da erlauben, aber man sollte auch mit beiden Füßen fest auf den Planken stehen. Man kann auch durchaus ein paar Schlenker zu abgelegenen Atollen segeln, solange man dabei den ursprünglichen Kurs nicht aus den Augen verliert. Und statt noch mehr sinnlosen Allegorien folgt nun das...

FAZIT:
Überdurchschnittliches Album mit starkem Bug, solidem Heck und einem Durchhänger Mittschiffs.(Gut, diese eine noch...)
Unbedingte Empfehlung für alle Alestormfans und jeden, der spaßigem Genre-Metal mit Party-Attitüde etwas abgewinnen kann.
Dogmatikern eines "wichtigen und ernsthaften" Metals und anderen Landratten sei von einer Heuer eher abgeraten.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 21, 2014 1:19 PM MEST


Return of the Reaper (Limited Edition, Mediabook)
Return of the Reaper (Limited Edition, Mediabook)
Preis: EUR 21,98

8 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nostalgische Spazierfahrt durch morbide Kulisse, 16. Juli 2014
Ok, bleiben wir mal auf dem Boden der Tatsachen. Grave Digger hat sich in der Blütezeit des teutonischen Metals einen Namen gemacht, als das Zielpublikum noch so überschaubar wie dankbar und ernstzunehmende Konkurrenz gering war. In dieser musikalisch fruchtbaren Nische der Evolution der Rockmusik konnte man als Metalband hervorragend florieren, in dem man einfach nur etwas härter als die üblichen (Pseudo-)Rockbands dieser Zeit war und sich dabei zudem nicht völlig stümperhaft anstellte.
Mit den drei später als Middle Age-Trilogy betitelten Alben gelang der Combo um Frontgröhler Boltendahl danach berechtigterweise der große Durchbruch und der Einstieg in die Oberklasse des stetig wachsenden Metal-Marktes. An diese großen Erfolge konnte die Band danach zwar durchaus kommerziell, aber leider künstlerisch nicht mehr so richtig anknüpfen. Auf das legendäre Langeweile-Album "The Grave Digger" folgten sechs weitere Studioalben, die weitestgehend nach einem identischen Muster gestrickt waren. Überwiegend vergeblich versuchte man hier, das Erfolgsgeheimnis der Mittelalterplatten nachzuahmen. Konnte jede dieser Scheiben zwar regelmäßig einen oder gar mehrere Songs vorweisen, die durchaus das Zeug zum Klassiker besaßen, tummelten sich leider auch oft mehr als nur eine musikalische Gurke in den Tracklisten, von der man heute noch nicht weiß, was sich die Grabgräber seinerzeit dabei wohl gedacht haben mögen. Der Rest der Spielzeit jedes Silberlings wurde standardmäßig mit nicht zu beanstandenden Songs aufgefüllt, die zwar alle irgendwie nach Grave Digger klangen, aber nach ein paar Durchläufen schon keinen Sensenmann mehr hinterm Ofen hervorlockten.
Manchmal war auf den Alben das Verhältnis von Krachern zu Lachern überraschend gut, wie beispielsweise beim vorletzten "The Clans will Rise again", manchmal war es allerdings auch ziemlich übel, wie beim letzten "Clash of the Gods". Trotzdem: mindestens einen wirklich guten Hammer-Song konnten die Diggers auf jedem noch so schwachen Album immer garantieren! (Die selbstbetitelte Poe-Hommage „The Grave Digger“ sei hier die Ausnahme, die die Regel bestätigt.) Als Folge dieser Strategie, gingen etwaige Qualitätseinbrüche nie zu Lasten des jeweiligen Folgealbums. Nun aber scheint man erkannt zu haben, dass der Zahn der Zeit unaufhörlich am Erfolgskonzept genagt hat und dass es, während man bereits am Bodensatz seines kreativen Repertoires kratzt, immer schwerer wird, jedes Mal die dringend benötigten Hits zu komponieren, die gut genug sind, den Rest eines Albums ins obere Mittelfeld und idealerweise noch ein bisschen weiter zu stemmen.

Darum probt man jetzt mit "The Return of the Reaper" den Befreiungsschlag und versucht erst gar nicht mehr, irgendwelchen individuellen Schnickschnack in den Songs unterzubringen. Was ich schon etwas schade finde, denn meiner Meinung nach hatten Grave Digger immer dann ihre besten Momente, wenn sie es schafften, diesen Schnickschnack richtig einzusetzen. Der aktuelle Langspieler ist das, was Metalpuristen wohl gerne mit "Straight" oder "True" betiteln, ich hingegen mit "auf die Dauer ziemlich langweilig" umschreiben möchte. 100% Metal aus einer entspannteren Zeit, in der man sich noch nicht genötigt sah, fürs nächste Album die immer neuere, bessere, epischere Metalhymne erfinden zu müssen. Ein Revival des `93er-Album „The Reaper“ sollte man trotz des Titels hier nicht erwarten, denn in die schlechten Gewohnheiten des hysterischen Kreischgesangs, der vor zwanzig Jahren noch Markenzeichen der Band war, fällt man beim neuen Silberling beispielsweise nicht wieder zurück. Statt ans altehrwürdige „The Reaper“ erinnert die momentane Reaper-Rückkehr vielmehr der 2001er Scheibe „The Grave Digger“.
Ein großer Vorteil der aktuellen Scheibe ist, dass man seine Schwächen erkannt hat und erst gar nicht mehr krampfhaft versucht, alte Erfolge zu kopieren. Das hebt die oft gepriesene Spielfreude ungemein, die überforderte Originalität der letzten Jahre allerdings verabschiedet sich damit endgültig in die wohlverdiente Rente. Das Resultat fährt nun kein einziges Stück mehr auf, dass im Ohr hängenbleibt, auf der anderen Seite wird man aber auch nicht mehr mit Stücken belästigt, die so peinlich klingen, dass man sich kopfschüttelnd die Ohren zuhalten muss. Stattdessen schafft man hier eine solide Songauswahl, die niemanden verschreckt, aber im Gegenzug auch zu keinen Begeisterungsstürmen hinreißt. Alles ordentlich eingespieltes Füllmaterial ohne nervtötende Experimente, aber eben auch ohne herausragende Höhepunkte. Alle Songs finden sich irgendwie innerhalb der Schnittmenge von „Schon in Ordnung“ und „Ganz okay“.
Stücke, wie die x-te verklärte Romantisierung der Biker-Subkultur „Tattooed Rider“ oder die Totentanz-Ode „Dia de los Muertos“ tendieren dabei eher zum oberen Rand des Mittelfeldes, andere wie die gesungene Hexen-Apokalypse „Season of the Witch“ oder der Nekromantie-Schlager „Resurrection Day“ hingehen mehr zum unteren. Im Endeffekt hat die Scheibe aber keinen einzigen schlechten Song (wobei sich die abschließende Ballade “Nothing to Believe“ hier bereits gefährlich weit aus dem Fenster lehnt) und man kann sie durchaus ein paar Mal hören, bevor sie im Regal verschwindet. Aber dafür hat dieser Longplayer eben auch keine Tracks von dem Kaliber, die man in seine Lieblingsrotationen packt, oder wegen der man die CD die nächsten Jahre dann doch immer mal wieder hervorkramen würde.

Einen kleinen Bonus erfährt die CD aber doch noch durch die Bonus-Scheibe. Hier findet sich nach zwei weiteren Vertretern des mediokren Mittelstands-Metals ein ganzer Haufen akustisch eingespielter Songs in pfiffigen Swing-Varianten. Das hat den Stücken von Gamma Ray vor 3 Jahren auch schon ganz gut gestanden und obwohl die Songauswahl nicht durchgehend glücklich ist, sind diese Stücke das Highlight der aktuellen Veröffentlichung. (Bis auf den All-Time-Murks "Yesterday", also wirklich, ich bitte euch!)

FAZIT:
Grave Digger haben sich mit ihrem neuen Longplayer die Latte selbst so niedrig gelegt, dass sie sie nicht ein einziges Mal reißen.
Dem Hörer wird somit zwar eine perfekte Vorstellung geboten, aber eben auch keine großen Kunststücke.
Wer seinerzeit "The Grave Digger" mochte, aus welchen Gründen auch immer, wird daher auch an "Return of the Reaper" Gefallen finden.
Wer auf den ein oder anderen Song gehofft hat, der aus der Masse hervorsticht, wird eher enttäuscht sein.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 22, 2014 8:06 AM MEST


The Life and Times of Scrooge
The Life and Times of Scrooge
Preis: EUR 17,99

9 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein musikalisches Straußenei-Nugget...aus Katzengold, 4. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: The Life and Times of Scrooge (Audio CD)
Dass die musikalische Inszenierung des kongenialen Epos um die reichste Ente der Welt letztlich die unverkennbare Handschrift des obersten Nachtwünschlers tragen würde, war soweit abzusehen. Als großer Fan der Comicvorlage(n) sah ich der Veröffentlichung dabei ohne große Erwartungen entgegen. Weder kann man erwarten, die facettenreiche Charakterzeichnung der Protagonisten, oder den Detailreichtum der Illustrationen, noch die intelligenten Plotmischungen aus Phantasie und Historie in einem Soundtrack adäquat repräsentiert wiederzufinden. Aber allein die Tatsache, dass jemand ernsthaft einen Soundtrack zu Don Rosas Dagobert-Zyklus produziert, rechtfertigt für einen Fan schon den Kauf. Da Herr Holopainen grundsätzlich ein begabtes Händchen für Stimmungsmusik besitzt und zudem als Vorsitzender der derzeit führenden Gothic-Metal-Manufaktur auch heute noch hin und wieder mal einen Volltreffer landet, habe ich im schlimmsten Fall mit einer soliden Komposition gerechnet, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten versucht, vermehrt Bezug auf eine der großartigsten Comicserien aller Zeiten zu nehmen.

Nach dem ersten Hören kam dann die Ernüchterung und nach einigen weiteren Durchläufen die Erkenntnis, dass das Projekt "Life & Times of Scrooge McDuck" nicht ganz meine im Vorfeld bereits heruntergeschraubten Erwartungen erfüllen kann.
Größter Kritikpunkt ist hier von meiner Seite aus der Mangel an Lyrics. Dass ein Soundtrack üblicherweise keinen umfangreichen Gesang auffährt ist selbstverständlich. Aber seine wenigen Stärken spielt das Album eben dort aus, wo ein Bezug auf die Vorlage nachvollziehbar wird und der Hörer die Melodie ansatzweise mit den Stories um den Aufstieg der berühmt-berüchtigten Zylinderente verbinden kann. Da der Komponist sich während der Produktion entschied, das ursprünglich rein instrumentale Werk doch noch um Gesangspassagen zu bereichern, scheint ihm dieser Aspekt wohl ebenso bewusst gewesen zu sein.
Diese Gesangspassagen bilden aber leider trotzdem nur einen sehr kleinen Teil des ganzen Albums. Die überwiegenden, rein instrumentalen oder nur spärlich mit Satzfragmenten gespickten Stücke klingen dadurch zu beliebig, sodass es ihnen schwer fällt, eine Verbindung irgendeiner Art zu den Vorgängen innerhalb der jeweiligen Vorlage herzustellen.

Der Opener "Glasgow 1877" ist herfür ein gutes Beispiel. Außer dem gesprochenen Intro klingt nichts dieses Allerwelts-Folklore-Standards annähernd nach Bertels Kindheit. Ein bisschen mehr Pepp und aus dem Stück wäre wenigstens noch ein schmissiger Opener geworden.
Etwas besser wird es beim folgendem "Into the West". Die Schlafzimmerstimme der Sängerin zu Beginn des Stückes hebt sich positiv von dem Gefiepse noch folgender Stücke ab und das Banjo bringt zudem ein wenig Abwechslung in den Song. Tragen kann aber beides den Song nicht über die ganze Länge.
Das durchaus interessante "Duel & Cloudscapes" beginnt wuchtig und kann nach einem entspannenden Mittelteil gegen Ende auch nochmal ein wenig Druck aufbauen.
"Dreamtime" allerdings schießt das Schnabeltier ab, der Track ist als Skip-Song prädestiniert und ein reines Ärgernis auf dieser eh schon schwach mit hörbarem Material bestückten Scheibe! Außer ein wenig Didgeridoo hat er lediglich minutenlanges, monotones Gedängel zu bieten, das schon beim ersten Durchlauf die Geduld strapaziert, bei jedem folgenden dann zwingend übersprungen wird.
Mit "Cold Heart of the Klondyke" nimmt das Album erstmals richtig Fahrt auf. Die Goldgräberzeit wird hier zwar hauptsächlich sentimental thematisiert und ich vermisse die typischen Goldgräbersounds, die man hier hätte besser als stattdessen in "Into the West" platzieren können, unterm Strich macht hier aber erstmals ein Song des Albums richtig Spaß zu hören.
Und mit dem gelinde gesagt, brillianten "The last Sled" zeigt das Album, was es hätte sein können. Hier stimmt fast alles: Die Komposition ist phänomenal und mitreißend, die ergreifenden Lyrics präsentieren Thema und Atmosphäre der Vorlage fast besser als diese selbst und der Song schafft es tatsächlich, eine Gänsehaut beim Hören hervorzurufen. Auch wenn die Eichhörnchenstimme der Sängerin etwas nervt und der Song leider im letzten Viertel in zu vielen La-La-Las versumpft, von Stücken dieses Kalibers hätte ich mir noch 2 oder 3 mehr auf dieser Platte gewünscht, dann wäre das Album tatsächlich ein wahres Meisterwerk werden können!
Mit "Goodbye, Papa" fällt der Longplayer allerdings in seine schlechten Gewohnheiten zurück. Das Stück ist ganz nett, mehr nicht und es fällt schwer zu bestimmen, in welchem Bezug die Klänge hier nun zu den Geschehnissen der Vorlage stehen sollen.
"To be rich" ist bloß ein kleines Intro für das danach folgende Stück, ohne jegliches Eigenstellungsmerkmal.
"A Lifetime of Adventure", das einige sicher aus dem zugehörigen Musikvideo kennen, steht symptomatisch für die überwiegend ruhige und teilweise überkitschte Machart des Albums. Wer von diesem Song begeistert war, kann auch mit dem Longplayer nichts falsch machen. Ich allerdings kann mit den viel zu zuckersüßen Stimmchen der Sängerin(nen) und der ruhigen und unaufgeregten Komposition nicht viel anfangen. Eine nette Hookline, das wars dann auch schon. Wie ein Leben voller Abenteuer klingt das jedenfalls nicht, eher wie ein Wellness-Abend bei A-Hörnchen und B-Hörnchen.
"Go Slowly Now, Sands of Time" bietet einen ebenso seichten Ausklang ohne Höhepunkte. Alan Reid spricht den Dagobert noch einmal ganz ordentlich, aber die Lyrics sind zu sentimental und wirken aufgesetzt. Wann sollte Bertel jemals tiefschürfende Gedanken über schottische Gedichte von sich gegeben haben? Wenn man schon nicht annähernd einen Teil der zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ausschöpft, dann sollte man schon gar nicht stattdessen solche unpassenden Verweise rein aus persönlicher Vorliebe hinzuerfinden.
Als Bonus folgt nochmal die Singleauskopplung in einer Version mit noch weniger Musik. Dadurch fällt der piepsige Gesang hier noch negativer auf.

Ich weiß, viele Hörer sind offenbar zufrieden oder gar begeistert von der Platte. Ich aber finde, mit ein bisschen mehr Mühe hätte diese Scheibe sehr viel besser werden können. Das Album scheint um die beiden Highlights „Cold Heart of Klondike“ und „The last Sled“ herumgebaut worden zu sein. Alles was vorher läuft, ist nur ein mittelmäßiges Intro zu diesen beiden Stücken. Und alles was danach folgt, sind lieblose Platzfüller um das Ende der CD zu erreichen. Gerade "The last Sled" sticht hier als positives Beispiel weit aus der sentimentalen Klimpersuppe des Albums heraus.
Als Fan und/oder Sammler der Vorlage ist man mit dem Album trotzdem gut bedient, zur Not sieht die Scheibe eben neben den Comics im Regal gut aus.
Als Nightwish-Fan oder unbedarfter Impulskäufer sollte man erstmal reinhören und entscheiden, ob dieser Score nicht zu seicht und/oder zu kitschig daherkommt.

Mein letzter Kritikpunkt geht in Richtung Marketing. Klar, es hat sich inzwischen eingebürgert, eine Doppel-CD Version günstig zu produzieren, indem man schlicht die Gesangsspur weglässt und so eine instrumentale Version des Albums schnell mal als Bonus-CD erstellt hat. Aber eine instrumentale Bonus-Version eines Albums, das zu mindestens 90% bereits instrumental IST, grenzt schon an Frechheit.
Das Booklet der Sammleredition reißt es auch nicht raus, hier wäre auf leeren und fast leeren Seiten noch sehr viel Platz für interessante Infos gewesen. Der Aufpreis für die Doppel-CD lohnt sich meiner Ansicht nach nicht.

Fazit:
1 Stern für das interessante "Cold Heart of the Klondyke" und ein ganz starker Stern für das famose "The last Sled". Mehr wäre eigentlich beim besten Willen nicht drin. Einen zusätzlichen Gnadenstern gebe ich aber dennoch für die tapfere und riskante Idee, tatsächlich ein Dagobert-Comic zu vertonen und auf den Markt zu werfen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 28, 2014 2:18 PM CET


Heroes - limited Digibook
Heroes - limited Digibook
Preis: EUR 19,04

17 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Sabatons Kleinkaliber, 16. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Heroes - limited Digibook (Audio CD)
Früher war alles besser? Nicht alles, aber Sabaton zum Beispiel. Nachdem sie mit dem brachial-genialen "Primo Victoria" im Handstreich dem Genre des Weltkriegs-Metal Leben einhauchten, zeigten sie uns auf drei Alben dass man mit wuchtigen Klängen und einer Extraportion Power im Sound anhand epischer Hymnen über Schlachten der Moderne den Begriff "Metal" neu definieren konnte! Kaum eine Band quoll in dieser Hochphase ihres Schaffens so vor innovativen Ideen über, wie Sabaton es auf "Primo Victoria", "Attero Dominatus" und vor allem "Art of War" taten. Die Schweden haben anscheinend dermaßen aus ihrer Kreativität und Innovation geschöpft, dass davon schon seit längerem nichts mehr übrig zu sein scheint.
"BEST! ALBUM! EVER!". Jedes mal wenn mich so ein Sticker von einem Album entgegenstrahlt, denke ich darüber nach, wie verdammt cool es wäre, wenn es tatsächlich mal so wäre. Lange rede, kurzer Sinn, nach mehreren Durchläufen bin ich zu dem Schluss gekommen, mit "Heroes" das bisher schwächste Sabaton-Album vor mir zu haben.

So sieht es halt aus, wenn eine Band plötzlich alle zwei Jahre eine Platte auf den Tisch zu legen hat. Es gibt insgesamt nur 3 Songs die besondere Aufmerksamkeit verdienen. Da ist zum einen "Inmate 4859", ein Stück in der Tradition langsamer Sabatonstampfer. Der Track ist mMn das Highlight des Albums und der einzige Ohrwurm der Scheibe. Der zweite Song der Erwähnung verdient ist das folgende "To Hell and Back", angeblich ein Lied über DEN Supersoldaten des WW2 schlechthin. Da dieser Supertyp aus Texas stammt wird dieser Song reichlich von Western-typischen Klängen begleitet. Wirklich kurios wird das Stück aber erst durch den fragwürdigen Missbrauch des Keybords, dessen Klänge den Track in eine Art ABBA-Tribute-Song zu verwandeln versuchen. Also ehrlich, hört es euch an, der Sound ist so absurd, ich sehe vor meinem geistigen Auge jedes mal Madonna mit Cowboyhut durch Schützengräben hupfen. Der dritte Song, der aus der Menge hervorsticht ist "The Ballad of Bull", die wohl peinlichste und langweiligste Ballade die je zu einem Kriegsthema geschrieben wurde. Das Stück stößt "Final Solution" vom Thron der Worst Sabaton Songs Ever.
Die anderen Stücke kann man alle zusammen mit zwei Worten beschreiben. Ganz nett. Sie klingen alle irgendwie ähnlich und besitzen kaum eigene Alleinstellungsmerkmale an die man sich erinnern würde. Den Songs fehlt vor allem die gewohnte Härte oder wenigstens die Epik, die beispielsweise die Songs von "Carolus Rex" stattdessen aufweisen konnten. Zudem sind die Stücke alle relativ kurz geraten. Man bemüht sich, das jeweils für den Song angepeilte Thema möglichst ausführlich in der kurzen Zeit runterzusingen, dazwischen gibt es dann Standard-Refrains, wie man sie von Sabaton gewohnt ist, auf allen anderen Alben der Schweden aber schon mitreißender gehört hat.

Unterm Strich bekommt man ein solides Metal-Album ohne wirkliche Höhepunkte. Wenn das Wort "Auftragsarbeit" für nur ein Album erfunden worden wäre, es wäre "Heroes" von Sabaton. Man vermisst beim Hören die Begeisterung, die bei alten Scheiben in jedem Stück mitschwang. Wir erinnern uns an Songs wie das brilliante "Metal Crüe" oder das epische "Price of a Mile" oder dutzende andere von Sabaton. Vielleicht liegt es aber auch an der Thematik die die Schweden sich dieses mal zum Ziel gesetzt haben. Nicht berühmte Kriegsschauplätze werden thematisiert, sondern einzelne Personen, die durch diverse erwähnenswerte Leistungen aus der kriegsüblichen Rolle des Kanonenfutters herausstachen. Möglicherweise erschwert diese Irrelevanz den Zugang zu den Songs zusätzlich.

Vergleicht man "Heroes" aber fairerweise mal nicht mit Sabatons Back Katalog sondern mit dem, was der Bereich des Powermetal in den letzten Monaten/Jahren auf die Beine gestellt hat, stehen die Schweden zugegebenerweise nicht ganz so schlecht dar. Auch wenn Sabaton es definitiv mal besser konnten, auch ein schwächelndes Sabaton-Album ist immer noch ein Sabaton-Album und bislang schafft es der unverkennbare Stil der nordischen Battle-Barden immer noch, jedes noch so langweilige Album mühelos bis knapp über den Durchschnitt und noch ein Stückchen weiter zu heben.

Ein letzter Kritipunkt: Papierschuber sind für CDs sowieso schon eher suboptimal. Kratzer und Fingerabdrücke am Rand sind da vorprogrammiert. Aber wenn man die CD zu erstem Mal aus dem Schuber holt und dann erstmal den angeklebten Fetzen Pappe vom Rand kratzen darf, dann sollte das Label beim nächsten mal vielleicht doch 10 Cent mehr für eine anständige CD-Aufnahme investieren.
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 22, 2014 7:29 AM MEST


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