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Dingo "Dingo"

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Aufs Leben
Aufs Leben
Preis: EUR 9,99

6 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Feuermaul im Abenteuerland, 23. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Aufs Leben (Audio CD)
Zugegeben, auch ich hatte immer ein kleines Problem mit dem Niveau einiger alter Feuerschwanz-Songs. Ein ums andere Mal rutschte doch eine Zote deutlich unter die Gürtellinie. Auf der anderen Seite aber konnte ich mich immer darauf verlassen, dass Feuerschwanz die Sendboten des zügellosen Mittelalterspaßes sind und jedes Album eine unbeschwerte Minne-Party ist, die sich von der ernsthaften Konkurrenz anderer Renaissance-Kapellen positiv abhebt und das spielt, was sich etablierte Bands sonst nicht trauen. Da habe ich auch über den ein oder anderen geschmacklichen Ausrutscher gerne mal hinweggesehen.

Um gleich auf den Punkt zu kommen: Die Entschärfung der Ritterbande um Hauptmann Feuerschwanz, die auf "Wallhalligalli" bereits ihren Anfang nahm wird hier vollendet: Auf dem neuen Album finden sich keine derben Zoten mehr, keine peinlichen Gags und auch das Lieblingsthema der fleischlichen Gelüste hat sich anscheinend ein für alle Mal erledigt. Dieser moralischen Säuberungsaktion fielen allerdings auch jeglicher Witz, jeder Spaß und die Spielfreude zum Opfer, die Feuerschwanz einst ausmachten. Die Stücke der neuen Scheibe sind allesamt zu brav, zu harmlos und zu gesellschaftstauglich, kurz gesagt: einfach sterbenslangweilig! Feuerschwanz spielen nun die Musik, über die sie sich früher mal lustig gemacht haben. Damit ragten sie einst aus der grauen Masse der Konkurrenz heraus. Nun aber treten sie aus ihrer zwar etwas albernen, aber ohne Frage einstmals höchst unterhaltsamen Nische heraus und versinken im Schlick der Mittelmäßigkeit und der gesellschaftlichen Akzeptanz. Ich habe die alten Feuerschwanz beispielsweise dafür geschätzt, dass sie sehr viel näher an den alten Schandmaul dran waren als die neuen Schandmaul. Nun aber klingen die neuen Feuerschwanz genauso wie die neuen Schandmaul! Und die klingen schon mehr nach Abenteuerland, als nach allem anderen, geschweige denn, nach Mittelalterfolk oder nach Spielfreude. "Wir stoßen an auf den Untergang" heißt es im Titelsong des Albumsund leider ist das Programm für das gesamte Album.

Eigentlich wäre hier schon alles gesagt, aber da man sich als unzufriedener Querulant ja immer etwas mehr rechtfertigen muss, als als stoischer Alles-gut-Finder, gehe ich schweren Herzens die Songs noch einmal im Detail durch.

Es beginnt mit dem Titelsong "Auf's Leben!" und die flotte Melodie lässt hier noch gar nix Schlimmes erahnen. Feuerschwanz haben allerdings reichlich bessere Stücke mit ähnlichem Thema im Repertoire. Zudem bremst sich das Stück ziemlich schnell aus. Was bleibt ist eine schöne Hookline, die das Stück aber nicht aus dem Mittelmaß stemmen kann. Stattdessen stemmt dieser Song nur 3/5 halbvollen Humpen.
Es folgt "Herz im Sturm". Positiv hervorzuheben ist die muntere Melodie, die ganz in alter Feuerschwanz-Tradition steht. Das Problem allerdings ist hier ohne Frage der Text! Es ist ein Liebeslied und ein ziemlich kitschiges noch dazu! Die Band hat ja schon früher überwiegend romantisch angehauchte Songs komponiert, aber dann meistens eine Schlusspointe hinzugefügt, die das Stück um Haaresbreite vor einem Schicksal als Kitsch bewahrte. Dieses passiert hier aber nicht, die meinen das todernst! Das Teil könnte ein Rosenberg-Cover oder sonst einem üblen Schlagerfuzzi entsprungen sein! Schade um den Sound, aber das Stück ist einfach zu peinlich, um es zu hören und dabei noch nicht einmal besonders originell. Nur mit sehr viel gutem Willen gebe ich hier 2/5 reanimierte Herzbuben.
Das dritte Lied ist "Mann aus Metall" und erinnert ein bisschen an Metmaschine, ohne jedoch dessen Qualität zu erreichen. Die Selbstbeweihräucherung von Hauptmann Feuerschwanz soll wohl eine Parodie auf den grassierenden Fitness-Wahn sein, kommt aber fast ohne Witz und Selbstironie aus. Nur ein guter Gag in dem Song ist zu wenig, auch der langweilige Sound hauts nicht raus. Nur 2/5 Dosen Drachenfutter.
Es folgt "Zuckerbrot und Peitsche", ein Lied über Beziehungen, in denen die Frau die Hosen an hat. Und auch hier zeigt sich leider: auf jugendfreiem Niveau kriegen Feuerschwanz keinen einzigen originellen Reim zustande. Die Melodie ist zwar flott, nervt jedoch ziemlich schnell. Naja, zumindest meine Kleinen stehen auf den Song, daher noch 3/5 Heldenpantoffeln.
Mit "Hans" folgt der einsame Höhepunkt der Scheibe. Die Ode an den Gitarristen könnte von alten (guten) Feuerschwanz-Alben stammen! Hier gibt es tatsächlich Witz im Text. Wäre das Stück ein wenig munterer gespielt, gäbe es die Höchstnote, aber trotzdem reicht es locker zu 4/5 einsamen Gitarrenhelden.
"Blöde Frage, Saufgelage" thematisiert eben das. Die Absicht, ein Saufgelage zu veranstalten. Der Reim im Titel ist dabei der einzige Gag im Song. Nicht originell, auch kein Ohrwurm, sondern ziemlich langweilig. Nur 1/5 öden Zechtouren.
Auch Feuerschwanz hats erkannt: Shantys stehen im Folkbereich gerade hoch im Kurs. "Seemannsliebe" braucht sich hier hinter Konkurrenz wie "Santiano" nicht zu verstecken, aber mal wieder ist dieser Song total ernst gemeint und kommt ohne Witz oder kreativer Lyrik aus. Die angedeutete Schlusspointe versteckt Feuerschwanz derart zaghaft, dass ich nicht mal weiß, ob sie absichtlich reingeschrieben wurde, oder nicht. Kein Feuerschwanz-Song, aber auch nicht wirklich schlecht, daher noch 3/5 gestandenen Seebären.
Und jetzt kommts knüppeldick! "Auf Wiedersehn" ist eine Ballade. Es geht um Abschied. Genauer gesagt um Tod. Um den Tod von geliebten Menschen. Dieses rührselige Stück ist durchaus ergreifend, aber was hat SO ETWAS auf einem Feuerschwanz Album verloren? Würde ich depressieven Mist hören wollen, der mich nach unten zieht und mir die Laune verdirbt, dann würde ich irgendeinen schwermütigen Schmonsens von Graf Unheimlich oder sonsteinem wehklagenden Jammerlappen hören! Aber Feuerschwanz lege ich doch in den Player, weil ich mich mal vom Elend in der Welt ablenken möchte und nicht, um das nun hier auch noch unter die Nase gerieben zu kriegen! Nein, tut mir leid, auch wenn das Lied gut gemeint ist und durchaus seine bedrückenden Qualitäten hat, so etwas will ich nicht hören und auf diesem Album schon gar nicht. Als Bonustrack auf einer ansonsten guten Scheibe hätte ich diesem Requiem noch eine Daseinsberechtigung aussprechen können, aber so bekommt das Stück 0/5 düsteren Trauerweiden.
Nach diesem Trauerspiel ist es schwer den Hörer aus seinem Tief wieder herauszuholen, daher versucht es der nächste Song erst gar nicht. Das Teil ist ein hübscher, schönklingender Kitsch, wie ihn Schandmaul nicht besser hätte verbrechen können. Total witzlos und unoriginell, nur 1/5 traumtänzelnden Zombies.
"Sündenfrei(zum Sonderpreis)" hätte wirklich gut werden können. Endlich mal ein Stück mit Gesellschaftskritik. Aber leider viel zu harm- und humorlos und obendrein nicht bissig genug. Zudem auch noch ohne nennenswerte Melodie. Für den guten Willen kann ich höchsten 3/5 alkoholfreie Sekten verteilen.
Dem "Der Ohrwurm" könnte man Amtsanmaßung vorwerfen. Ohrwurmqualitäten hat dieses Stück nicht. Und auch ebenfalls keine einzige Pointe. 1/5 platten Regenwürmern.
"Der Druide" hingegen hat einen Rhythmus, der einem im Ohr bleibt. Da der Rest vom Song aber leider wieder recht langweilig geraten ist, wieder nur 3/5 tanzenden Mistelzweigen.
Lieder wie "Frisch gezapft" kennen wir von Feuerschwanz, nur waren die allesamt flotter und origineller. Nur 1/5 kühlen Blonden.
Bei "In Vino Veritas" versucht man, wieder alte Lyrik-Qualitäten zu erreichen. Leider nicht besonders erfolgreich, zudem nervt der Refrain ziemlich. Nur 2/5 weinenden Wahrheiten.
Gegen Ende des Albums ist den Feuerschwänzlern wohl aufgefallen, dass der Song ganz am Anfang doch immer noch etwas zu munter ausgefallen ist, daher schieben sie hier noch schnell eine schwermütige Version hinterher. Warum? 1/5 gesprengten Partys.

Müsste ich ein FAZIT verfassen, würde ich zusammenfassend sagen, dass Feuerschwanz alles verloren haben, was sie einst zu dem gemacht hat, was sie waren. Sie waren originell, kreativ, frech, selbstironisch und manchmal ein bisschen (zu) obszön. Das neue Album ist NICHTS davon. Haben Feuerschwanz etwa ihre Seele an denselben Dämon verhökert, der bereits die Spielfreude von Schandmaul in die Hölle verbannt hat? Wo sind die tollen Geschichten geblieben, die uns Feuerschwanz sonst in ihrer ehemals einzigartigen Weise dargeboten haben? Wo ist "Ferdinand"? Wo ist "Der Henker"? Was ist aus der Pest (Hurra!) geworden? Sogar "Albrecht" war munterer als alles andere auf "Auf's Leben!"! Und wo zur Hölle ist eigentlich das Mittelalter hin? Auf diesem Album ist es jedenfalls nicht!

Also, diesmal kurz und knapp: Wer Schandmaul heute noch toll findet, der kann diesem Album vermutlich sehr, sehr, sehr viel mehr anfangen als ich. Ich allerdings fand Feuerschwanz gut, so wie sie mal waren und die neue Scheibe lege ich ein, höre den Titeltrack zu Hälfte, springe dann vor bis "Hans" und kann die CD danach auch gleich wieder ausmachen. Und das ist einfach zu wenig. Ein Stern ist dabei eigentlich noch zu viel, um meiner Enttäuschung hier Ausdruck zu verleihen.
Naja.
Was solls.
Dann stoße ich eben ein letztes Mal auf euch an.
"Auf euern Untergang" (Wie ihr ja passenderweise selber textetet)
und ein wehmütiges "Auf Wiedersehen".
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 11, 2015 10:58 AM MEST


Sunset on the Golden Age (Limited Mediabook)
Sunset on the Golden Age (Limited Mediabook)

30 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die unglaubliche Kaperfahrt im total verrückten Piratenschiff, 12. August 2014
Ahoy, hisst mir die Spanten und all dies nautische Zeug!!!
Drei Jahre ist es nun also her, seit Captain Bowes schottischer Piratenhaufen das letzte Mal auf Beutefahrt durch die Gewässer des Metals kreuzte.
Zeit also, die Buddel Rum zur Seite zu legen, die Kanonen abzustauben, den rostigen Anker zu lichten, Kurs auf die karibische See zu nehmen und mit Salzwasser unterm muschelübersäten Kiel und einer anständigen Brise Westwind in den Rahsegeln der schwermetallischen Konkurrenz zu zeigen, wo der Bootsmann den Grogg holt!

DIE BRIGG - Die erste Beute der neuen Kapertour ist "Walk the Plank", ein wuchtiges, semi-episches Stück über des Piraten liebstes Exekutionsklischee. Als Opener ist der Song ganz gut, das Album kommt hier bereits schnell in Fahrt und der Refrain macht Laune. Nicht die dickste Beute, aber ein recht guter Einstand, hier gehen 4/5 Landratten über die Planke.

DIE FREGATTE - Der zweite Track auf der Beuteliste ist das bereits berüchtigte "Drink!". Hier spielen Alestorm ihre Stärken voll aus und bieten eines der besten Sauflieder aller Zeiten. Der Song ist flott, eingängig und für das ausgereizte Thema sogar noch recht originell geraten. Dem augenzwinkernden Stil der Band ist es zu verdanken, dass sich der Song von ähnlich arrangierten Trinkhymnen anderer Bands positiv abhebt. Das handelsübliche Proll-Image platt hingegrölter (Be)trinklieder wird durch den Spaßfaktor des Liedes restlos negiert. 5/5 Buddeln voll Rum!

DIE GALEONE - Arrrr!!! Gleich am dritten Tag bringt die Crew ein Schatzschiff der spanischen Silberflotte auf! "Magnetic North" ist eines der ungewöhnlichsten und besten Songs Alestorms und ein besonderes Juwel in deren Schatzkiste. Der abwechslungsreiche Song thematisiert eine verhängnisvolle Fahrt zum magnetischen Nordpol und überrascht und begeistert dabei mit allerlei Stilwechseln und knackigen Melodien. Macht unterm Strich 5/5 verschollene Seemänner.

DER SCHONER - Nicht ganz so wertvoll, aber auf jeden Fall größer ist "1741", Kaperobjekt Nummer 4. In dem epischen Stück wird die Belagerung von Cartaghena durch die Briten im Jahr 1741 besungen. Das Stück gefällt um Längen besser als das ähnlich gelagerte "Death Throes..." vom letzten Album. Eine schöne Hookline lässt einem die lange Spielzeit des Tracks kurzweiliger vorkommen, als sie ist. Wenn man dem Text folgt, könnte man übrigens meinen, dass der Überfall besser für die britische Flotte ausging, als er es tatsächlich tat. Nach mehreren Wochen Belagerung traten diese nämlich den Rückzug an, nachdem schleppende Versorgung und grassierende Tropenseuchen (und natürlich die Spanier) der Streitmacht übel zugesetzt hatten. Nichtsdestotrotz, Alestorm erobern 4/5 spanische Stützpunkte im Sturm.

DER KLIPPER - Der rasante Folgesong "Mead from Hell" will uns weismachen, dass ein Typ namens Fred auf dem Meeresboden aus dem Honig submariner Bienen den Met aus der Hölle braut. Da der Freibeuter-Triathlon (Saufen, Seefahren, Plündern) themenmäßig abgearbeitet scheint, beginnt ab hier unverkennbar der Bereich des einschlägigen Seemannsgarns. Der Sound hingegen ist nicht so kreativ und originell wie das Thema. Eine typische, schnelle Alestormnummer, vielleicht am ehesten vergleichbar mit "Midget Saw" und immer noch 4/5 Flaschen Höllenmet wert.

DER WINDJAMMER - Noch ein Stück mit ein paar Knoten mehr in den Takten. Hier geht es nun um untote Weltraumkraken aus der Zukunft. Klingt lustiger, als es in "Surf Squid Warfare" umgesetzt wurde, dafür hat die Band bei der Komposition alle Register gezogen. Schon fast ein bisschen zu albern kommt dieser Song daher, der mehr als andere Stücke mehr in die Party- als in die Pirate-Metal-Sparte gehört. Laune macht er beim Hören trotzdem. Erinnert mich seltsamerweise ebenfalls irgendwie an das altehrwürdige "Midget Saw". Wie auch immer, Alestorm surfen hier erfolgreich 4/5 Riesenwellen.

DIE KARAVELLE - Ein anständiges Schiff, aber kaum Ausbeute. Der Song "Quest for Ships" dümpelt melodisch im Mittelfeld und auch die Lyrics reißen hier nicht besonders viel raus. Da ist also jemand, der zur See fahren möchte, aber kein eigenes Schiff hat. Unglaublich, mit wie viel Text man diesen Sachverhalt in einem Lied umschreiben kann. Nicht schlecht, aber lange nicht die hellste Fackel auf dem Kanonendeck. Die Suche ergibt leider nur 3/5 seetauglichen Schiffen.

DAS FLOSS - Was für eine Beute, bloß weg damit! Ein morsches Floß mit pestkranken Schiffbrüchigen hat die Mannschaft hier aufgebracht! Wer sich an das letzte Album erinnert, dem laufenden beim Gedanken an "Buckfast Powersmash" möglicherweise noch immer kalte Schauer über das Achterdeck. Wer hingegen Gefallen am hektischen, debilen und nervtötenden Geschrammel damals fand, der mag sicherlich auch "Wooden Leg". Für alle anderen ist dieser Song, der zu 90% aus dem Songtitel besteht, wohl eher ein größeres Ärgernis als ein Fass mit verschimmeltem Schiffszwieback. Ich jedenfalls bekomme hier Skorbut vom Zuhören und vergebe nur 1/5 wurmstichigen Holzbeinen.

DAS LINIENSCHIFF - Volltreffer! Mit der Coverversion "Hangover" hat Alestorm einen der größten Glückstreffer ihrer Freibeuterkarriere gelandet! Das ursprünglich britische Linienschiff wurde überrumpelt und gekapert, alle rythmischen sowie blauen Besatzungsmitglieder über Bord geworfen und der lahme Kahn in eine von Rum und Grogg durchnässte Piratenparty verwandelt! Meine Lieblingsbeute dieser Fahrt! Volle 5/5 Promille Restalkohol!

DER RAHSCHONER - Das größte unter allen jemals aufgebrachten Schiffen, aber auch eines der seltsamsten. "Sunset on the Golden Age" präsentiert sich im Refrain wie erwartet als Abgesang auf die goldene Zeit der karibischen Piraterie, in den Strophen hingegen beschleicht einem das Gefühl, in einen Poetry Slam verrückter Wissenschaftler geraten zu sein! Hier wird ausschließlich mit dubiosen wie deplatzierten Fachausdrücken wie "Entropie", "Carbonic" oder "Luminescence" jongliert. Da das über 11 Minutenlange Stück mit seiner Hookline durchaus das Zeug zum epischen Piraten-Evergreen gehabt hätte, finde ich es relativ schade, dass die Texte hier offenbar einem dadaistischen Deliriums Stephen Hawkings entsprungen zu sein scheinen. Aufgrund des Umfangs drängt sich auch hier ziemlich unverfroren der Vergleich zu den "Death Throes..." auf, gegenüber denen der "Sunset..." immer noch eine Bugsprietlänge vorraus ist, was mit 4/5 verwirrten Piraten zu Logbuche schlägt.

DIE JOLLEN - Auf der Rückfahrt in den Hafen werden hier und da noch eine Handvoll kleine, unbewaffnete Schiffe aufgebracht, die man als Pirat zwar gerne mitnimmt, auf die man als Hörer aber auch hätte verzichten können. Die Rum-plugged Versionen klassischer Alestormsongs sind inklusive des abschließenden Neulings mal ganz interessant zu hören, aber die Originalgeschütze haben nach wie vor das größere Kaliber. Die Bonus-CD kommt im Kehlenschnitt auf nur 2/5 trockengelegte Shantys.

Wirft man abschließend einen Blick auf die Ausbeute, kann sich sich "Sunset on the Golden Age" durchaus sehen lassen. Nach einer starken Brise zu Beginn lässt die Windstärke zwar deutlich nach, aber gleich nach einer kurzen Flaute zieht das Album dann gegen Ende nochmal ordentlich an.
Leider ist kein neues "Captain Morgans Revenge", keine neue "Nancy..." und auch kein neuer "Pirate Song" mit dabei. Aber als Veteran ist man ja eh immer der Meinung, dass früher alles besser war. Und was mich auch ein bisschen wehmütig auf die alten Seeräuberzeiten Alestorms blicken lässt, ist der Umstand, dass das Thema "Piraterie" in den neuen Songs eher eine untergeordnete Rolle spielt. "Walk the Plank" beschäftigt sich als einziger Song mit den geliebten Klischees der Freibeuterei. "1741" fährt immerhin die britische Navy auf und zwei Trinklieder gehören eben zum Pflichtrepertoire. Aber der Rest der Songs hat doch eher Abstraktes bis Absurdes zum Thema. Melodisch bieten Alestorm mit dem neuen Longplayer eine ihrer Bestleistungen, thematisch aber habe ich zu oft das Gefühl, es statt mit Piratemetal mit Clownmetal zu tun zu haben, der sogar mir manchmal etwas zu albern ist. Klar, darf man als Mannschaft auch mal aus seiner Bucht heraussegeln, aber man sollte trotzdem darauf achten, mit dem Schiff in der eigenen Flotte zu bleiben. Gerade als Pirat kann man sich ein paar Faxen hier und da erlauben, aber man sollte auch mit beiden Füßen fest auf den Planken stehen. Man kann auch durchaus ein paar Schlenker zu abgelegenen Atollen segeln, solange man dabei den ursprünglichen Kurs nicht aus den Augen verliert. Und statt noch mehr sinnlosen Allegorien folgt nun das...

FAZIT:
Überdurchschnittliches Album mit starkem Bug, solidem Heck und einem Durchhänger Mittschiffs.(Gut, diese eine noch...)
Unbedingte Empfehlung für alle Alestormfans und jeden, der spaßigem Genre-Metal mit Party-Attitüde etwas abgewinnen kann.
Dogmatikern eines "wichtigen und ernsthaften" Metals und anderen Landratten sei von einer Heuer eher abgeraten.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 21, 2015 4:29 PM CET


Return of the Reaper (Limited Edition, Mediabook)
Return of the Reaper (Limited Edition, Mediabook)
Wird angeboten von plattenguru, Preise incl. Mwst.
Preis: EUR 16,99

8 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nostalgische Spazierfahrt durch morbide Kulisse, 16. Juli 2014
Ok, bleiben wir mal auf dem Boden der Tatsachen. Grave Digger hat sich in der Blütezeit des teutonischen Metals einen Namen gemacht, als das Zielpublikum noch so überschaubar wie dankbar und ernstzunehmende Konkurrenz gering war. In dieser musikalisch fruchtbaren Nische der Evolution der Rockmusik konnte man als Metalband hervorragend florieren, in dem man einfach nur etwas härter als die üblichen (Pseudo-)Rockbands dieser Zeit war und sich dabei zudem nicht völlig stümperhaft anstellte.
Mit den drei später als Middle Age-Trilogy betitelten Alben gelang der Combo um Frontgröhler Boltendahl danach berechtigterweise der große Durchbruch und der Einstieg in die Oberklasse des stetig wachsenden Metal-Marktes. An diese großen Erfolge konnte die Band danach zwar durchaus kommerziell, aber leider künstlerisch nicht mehr so richtig anknüpfen. Auf das legendäre Langeweile-Album "The Grave Digger" folgten sechs weitere Studioalben, die weitestgehend nach einem identischen Muster gestrickt waren. Überwiegend vergeblich versuchte man hier, das Erfolgsgeheimnis der Mittelalterplatten nachzuahmen. Konnte jede dieser Scheiben zwar regelmäßig einen oder gar mehrere Songs vorweisen, die durchaus das Zeug zum Klassiker besaßen, tummelten sich leider auch oft mehr als nur eine musikalische Gurke in den Tracklisten, von der man heute noch nicht weiß, was sich die Grabgräber seinerzeit dabei wohl gedacht haben mögen. Der Rest der Spielzeit jedes Silberlings wurde standardmäßig mit nicht zu beanstandenden Songs aufgefüllt, die zwar alle irgendwie nach Grave Digger klangen, aber nach ein paar Durchläufen schon keinen Sensenmann mehr hinterm Ofen hervorlockten.
Manchmal war auf den Alben das Verhältnis von Krachern zu Lachern überraschend gut, wie beispielsweise beim vorletzten "The Clans will Rise again", manchmal war es allerdings auch ziemlich übel, wie beim letzten "Clash of the Gods". Trotzdem: mindestens einen wirklich guten Hammer-Song konnten die Diggers auf jedem noch so schwachen Album immer garantieren! (Die selbstbetitelte Poe-Hommage „The Grave Digger“ sei hier die Ausnahme, die die Regel bestätigt.) Als Folge dieser Strategie, gingen etwaige Qualitätseinbrüche nie zu Lasten des jeweiligen Folgealbums. Nun aber scheint man erkannt zu haben, dass der Zahn der Zeit unaufhörlich am Erfolgskonzept genagt hat und dass es, während man bereits am Bodensatz seines kreativen Repertoires kratzt, immer schwerer wird, jedes Mal die dringend benötigten Hits zu komponieren, die gut genug sind, den Rest eines Albums ins obere Mittelfeld und idealerweise noch ein bisschen weiter zu stemmen.

Darum probt man jetzt mit "The Return of the Reaper" den Befreiungsschlag und versucht erst gar nicht mehr, irgendwelchen individuellen Schnickschnack in den Songs unterzubringen. Was ich schon etwas schade finde, denn meiner Meinung nach hatten Grave Digger immer dann ihre besten Momente, wenn sie es schafften, diesen Schnickschnack richtig einzusetzen. Der aktuelle Langspieler ist das, was Metalpuristen wohl gerne mit "Straight" oder "True" betiteln, ich hingegen mit "auf die Dauer ziemlich langweilig" umschreiben möchte. 100% Metal aus einer entspannteren Zeit, in der man sich noch nicht genötigt sah, fürs nächste Album die immer neuere, bessere, epischere Metalhymne erfinden zu müssen. Ein Revival des `93er-Album „The Reaper“ sollte man trotz des Titels hier nicht erwarten, denn in die schlechten Gewohnheiten des hysterischen Kreischgesangs, der vor zwanzig Jahren noch Markenzeichen der Band war, fällt man beim neuen Silberling beispielsweise nicht wieder zurück. Statt ans altehrwürdige „The Reaper“ erinnert die momentane Reaper-Rückkehr vielmehr der 2001er Scheibe „The Grave Digger“.
Ein großer Vorteil der aktuellen Scheibe ist, dass man seine Schwächen erkannt hat und erst gar nicht mehr krampfhaft versucht, alte Erfolge zu kopieren. Das hebt die oft gepriesene Spielfreude ungemein, die überforderte Originalität der letzten Jahre allerdings verabschiedet sich damit endgültig in die wohlverdiente Rente. Das Resultat fährt nun kein einziges Stück mehr auf, dass im Ohr hängenbleibt, auf der anderen Seite wird man aber auch nicht mehr mit Stücken belästigt, die so peinlich klingen, dass man sich kopfschüttelnd die Ohren zuhalten muss. Stattdessen schafft man hier eine solide Songauswahl, die niemanden verschreckt, aber im Gegenzug auch zu keinen Begeisterungsstürmen hinreißt. Alles ordentlich eingespieltes Füllmaterial ohne nervtötende Experimente, aber eben auch ohne herausragende Höhepunkte. Alle Songs finden sich irgendwie innerhalb der Schnittmenge von „Schon in Ordnung“ und „Ganz okay“.
Stücke, wie die x-te verklärte Romantisierung der Biker-Subkultur „Tattooed Rider“ oder die Totentanz-Ode „Dia de los Muertos“ tendieren dabei eher zum oberen Rand des Mittelfeldes, andere wie die gesungene Hexen-Apokalypse „Season of the Witch“ oder der Nekromantie-Schlager „Resurrection Day“ hingehen mehr zum unteren. Im Endeffekt hat die Scheibe aber keinen einzigen schlechten Song (wobei sich die abschließende Ballade “Nothing to Believe“ hier bereits gefährlich weit aus dem Fenster lehnt) und man kann sie durchaus ein paar Mal hören, bevor sie im Regal verschwindet. Aber dafür hat dieser Longplayer eben auch keine Tracks von dem Kaliber, die man in seine Lieblingsrotationen packt, oder wegen der man die CD die nächsten Jahre dann doch immer mal wieder hervorkramen würde.

Einen kleinen Bonus erfährt die CD aber doch noch durch die Bonus-Scheibe. Hier findet sich nach zwei weiteren Vertretern des mediokren Mittelstands-Metals ein ganzer Haufen akustisch eingespielter Songs in pfiffigen Swing-Varianten. Das hat den Stücken von Gamma Ray vor 3 Jahren auch schon ganz gut gestanden und obwohl die Songauswahl nicht durchgehend glücklich ist, sind diese Stücke das Highlight der aktuellen Veröffentlichung. (Bis auf den All-Time-Murks "Yesterday", also wirklich, ich bitte euch!)

FAZIT:
Grave Digger haben sich mit ihrem neuen Longplayer die Latte selbst so niedrig gelegt, dass sie sie nicht ein einziges Mal reißen.
Dem Hörer wird somit zwar eine perfekte Vorstellung geboten, aber eben auch keine großen Kunststücke.
Wer seinerzeit "The Grave Digger" mochte, aus welchen Gründen auch immer, wird daher auch an "Return of the Reaper" Gefallen finden.
Wer auf den ein oder anderen Song gehofft hat, der aus der Masse hervorsticht, wird eher enttäuscht sein.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 22, 2014 8:06 AM MEST


The Life And Times Of Scrooge
The Life And Times Of Scrooge
Wird angeboten von Nuclear Blast GmbH
Preis: EUR 16,99

16 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein musikalisches Straußenei-Nugget...aus Katzengold, 4. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: The Life And Times Of Scrooge (Audio CD)
Dass die musikalische Inszenierung des kongenialen Epos um die reichste Ente der Welt letztlich die unverkennbare Handschrift des obersten Nachtwünschlers tragen würde, war soweit abzusehen. Als großer Fan der Comicvorlage(n) sah ich der Veröffentlichung dabei ohne große Erwartungen entgegen. Weder kann man erwarten, die facettenreiche Charakterzeichnung der Protagonisten, oder den Detailreichtum der Illustrationen, noch die intelligenten Plotmischungen aus Phantasie und Historie in einem Soundtrack adäquat repräsentiert wiederzufinden. Aber allein die Tatsache, dass jemand ernsthaft einen Soundtrack zu Don Rosas Dagobert-Zyklus produziert, rechtfertigt für einen Fan schon den Kauf. Da Herr Holopainen grundsätzlich ein begabtes Händchen für Stimmungsmusik besitzt und zudem als Vorsitzender der derzeit führenden Gothic-Metal-Manufaktur auch heute noch hin und wieder mal einen Volltreffer landet, habe ich im schlimmsten Fall mit einer soliden Komposition gerechnet, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten versucht, vermehrt Bezug auf eine der großartigsten Comicserien aller Zeiten zu nehmen.

Nach dem ersten Hören kam dann die Ernüchterung und nach einigen weiteren Durchläufen die Erkenntnis, dass das Projekt "Life & Times of Scrooge McDuck" nicht ganz meine im Vorfeld bereits heruntergeschraubten Erwartungen erfüllen kann.
Größter Kritikpunkt ist hier von meiner Seite aus der Mangel an Lyrics. Dass ein Soundtrack üblicherweise keinen umfangreichen Gesang auffährt ist selbstverständlich. Aber seine wenigen Stärken spielt das Album eben dort aus, wo ein Bezug auf die Vorlage nachvollziehbar wird und der Hörer die Melodie ansatzweise mit den Stories um den Aufstieg der berühmt-berüchtigten Zylinderente verbinden kann. Da der Komponist sich während der Produktion entschied, das ursprünglich rein instrumentale Werk doch noch um Gesangspassagen zu bereichern, scheint ihm dieser Aspekt wohl ebenso bewusst gewesen zu sein.
Diese Gesangspassagen bilden aber leider trotzdem nur einen sehr kleinen Teil des ganzen Albums. Die überwiegenden, rein instrumentalen oder nur spärlich mit Satzfragmenten gespickten Stücke klingen dadurch zu beliebig, sodass es ihnen schwer fällt, eine Verbindung irgendeiner Art zu den Vorgängen innerhalb der jeweiligen Vorlage herzustellen.

Der Opener "Glasgow 1877" ist herfür ein gutes Beispiel. Außer dem gesprochenen Intro klingt nichts dieses Allerwelts-Folklore-Standards annähernd nach Bertels Kindheit. Ein bisschen mehr Pepp und aus dem Stück wäre wenigstens noch ein schmissiger Opener geworden.
Etwas besser wird es beim folgendem "Into the West". Die Schlafzimmerstimme der Sängerin zu Beginn des Stückes hebt sich positiv von dem Gefiepse noch folgender Stücke ab und das Banjo bringt zudem ein wenig Abwechslung in den Song. Tragen kann aber beides den Song nicht über die ganze Länge.
Das durchaus interessante "Duel & Cloudscapes" beginnt wuchtig und kann nach einem entspannenden Mittelteil gegen Ende auch nochmal ein wenig Druck aufbauen.
"Dreamtime" allerdings schießt das Schnabeltier ab, der Track ist als Skip-Song prädestiniert und ein reines Ärgernis auf dieser eh schon schwach mit hörbarem Material bestückten Scheibe! Außer ein wenig Didgeridoo hat er lediglich minutenlanges, monotones Gedängel zu bieten, das schon beim ersten Durchlauf die Geduld strapaziert, bei jedem folgenden dann zwingend übersprungen wird.
Mit "Cold Heart of the Klondyke" nimmt das Album erstmals richtig Fahrt auf. Die Goldgräberzeit wird hier zwar hauptsächlich sentimental thematisiert und ich vermisse die typischen Goldgräbersounds, die man hier hätte besser als stattdessen in "Into the West" platzieren können, unterm Strich macht hier aber erstmals ein Song des Albums richtig Spaß zu hören.
Und mit dem gelinde gesagt, brillianten "The last Sled" zeigt das Album, was es hätte sein können. Hier stimmt fast alles: Die Komposition ist phänomenal und mitreißend, die ergreifenden Lyrics präsentieren Thema und Atmosphäre der Vorlage fast besser als diese selbst und der Song schafft es tatsächlich, eine Gänsehaut beim Hören hervorzurufen. Auch wenn die Eichhörnchenstimme der Sängerin etwas nervt und der Song leider im letzten Viertel in zu vielen La-La-Las versumpft, von Stücken dieses Kalibers hätte ich mir noch 2 oder 3 mehr auf dieser Platte gewünscht, dann wäre das Album tatsächlich ein wahres Meisterwerk werden können!
Mit "Goodbye, Papa" fällt der Longplayer allerdings in seine schlechten Gewohnheiten zurück. Das Stück ist ganz nett, mehr nicht und es fällt schwer zu bestimmen, in welchem Bezug die Klänge hier nun zu den Geschehnissen der Vorlage stehen sollen.
"To be rich" ist bloß ein kleines Intro für das danach folgende Stück, ohne jegliches Eigenstellungsmerkmal.
"A Lifetime of Adventure", das einige sicher aus dem zugehörigen Musikvideo kennen, steht symptomatisch für die überwiegend ruhige und teilweise überkitschte Machart des Albums. Wer von diesem Song begeistert war, kann auch mit dem Longplayer nichts falsch machen. Ich allerdings kann mit den viel zu zuckersüßen Stimmchen der Sängerin(nen) und der ruhigen und unaufgeregten Komposition nicht viel anfangen. Eine nette Hookline, das wars dann auch schon. Wie ein Leben voller Abenteuer klingt das jedenfalls nicht, eher wie ein Wellness-Abend bei A-Hörnchen und B-Hörnchen.
"Go Slowly Now, Sands of Time" bietet einen ebenso seichten Ausklang ohne Höhepunkte. Alan Reid spricht den Dagobert noch einmal ganz ordentlich, aber die Lyrics sind zu sentimental und wirken aufgesetzt. Wann sollte Bertel jemals tiefschürfende Gedanken über schottische Gedichte von sich gegeben haben? Wenn man schon nicht annähernd einen Teil der zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ausschöpft, dann sollte man schon gar nicht stattdessen solche unpassenden Verweise rein aus persönlicher Vorliebe hinzuerfinden.
Als Bonus folgt nochmal die Singleauskopplung in einer Version mit noch weniger Musik. Dadurch fällt der piepsige Gesang hier noch negativer auf.

Ich weiß, viele Hörer sind offenbar zufrieden oder gar begeistert von der Platte. Ich aber finde, mit ein bisschen mehr Mühe hätte diese Scheibe sehr viel besser werden können. Das Album scheint um die beiden Highlights „Cold Heart of Klondike“ und „The last Sled“ herumgebaut worden zu sein. Alles was vorher läuft, ist nur ein mittelmäßiges Intro zu diesen beiden Stücken. Und alles was danach folgt, sind lieblose Platzfüller um das Ende der CD zu erreichen. Gerade "The last Sled" sticht hier als positives Beispiel weit aus der sentimentalen Klimpersuppe des Albums heraus.
Als Fan und/oder Sammler der Vorlage ist man mit dem Album trotzdem gut bedient, zur Not sieht die Scheibe eben neben den Comics im Regal gut aus.
Als Nightwish-Fan oder unbedarfter Impulskäufer sollte man erstmal reinhören und entscheiden, ob dieser Score nicht zu seicht und/oder zu kitschig daherkommt.

Mein letzter Kritikpunkt geht in Richtung Marketing. Klar, es hat sich inzwischen eingebürgert, eine Doppel-CD Version günstig zu produzieren, indem man schlicht die Gesangsspur weglässt und so eine instrumentale Version des Albums schnell mal als Bonus-CD erstellt hat. Aber eine instrumentale Bonus-Version eines Albums, das zu mindestens 90% bereits instrumental IST, grenzt schon an Frechheit.
Das Booklet der Sammleredition reißt es auch nicht raus, hier wäre auf leeren und fast leeren Seiten noch sehr viel Platz für interessante Infos gewesen. Der Aufpreis für die Doppel-CD lohnt sich meiner Ansicht nach nicht.

Fazit:
1 Stern für das interessante "Cold Heart of the Klondyke" und ein ganz starker Stern für das famose "The last Sled". Mehr wäre eigentlich beim besten Willen nicht drin. Einen zusätzlichen Gnadenstern gebe ich aber dennoch für die tapfere und riskante Idee, tatsächlich ein Dagobert-Comic zu vertonen und auf den Markt zu werfen.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 22, 2016 6:13 PM MEST


Heroes - limited Digibook
Heroes - limited Digibook
Wird angeboten von Fulfillment Express
Preis: EUR 22,90

18 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Sabatons Kleinkaliber, 16. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Heroes - limited Digibook (Audio CD)
Früher war alles besser? Nicht alles, aber Sabaton zum Beispiel. Nachdem sie mit dem brachial-genialen "Primo Victoria" im Handstreich dem Genre des Weltkriegs-Metal Leben einhauchten, zeigten sie uns auf drei Alben dass man mit wuchtigen Klängen und einer Extraportion Power im Sound anhand epischer Hymnen über Schlachten der Moderne den Begriff "Metal" neu definieren konnte! Kaum eine Band quoll in dieser Hochphase ihres Schaffens so vor innovativen Ideen über, wie Sabaton es auf "Primo Victoria", "Attero Dominatus" und vor allem "Art of War" taten. Die Schweden haben anscheinend dermaßen aus ihrer Kreativität und Innovation geschöpft, dass davon schon seit längerem nichts mehr übrig zu sein scheint.
"BEST! ALBUM! EVER!". Jedes mal wenn mich so ein Sticker von einem Album entgegenstrahlt, denke ich darüber nach, wie verdammt cool es wäre, wenn es tatsächlich mal so wäre. Lange rede, kurzer Sinn, nach mehreren Durchläufen bin ich zu dem Schluss gekommen, mit "Heroes" das bisher schwächste Sabaton-Album vor mir zu haben.

So sieht es halt aus, wenn eine Band plötzlich alle zwei Jahre eine Platte auf den Tisch zu legen hat. Es gibt insgesamt nur 3 Songs die besondere Aufmerksamkeit verdienen. Da ist zum einen "Inmate 4859", ein Stück in der Tradition langsamer Sabatonstampfer. Der Track ist mMn das Highlight des Albums und der einzige Ohrwurm der Scheibe. Der zweite Song der Erwähnung verdient ist das folgende "To Hell and Back", angeblich ein Lied über DEN Supersoldaten des WW2 schlechthin. Da dieser Supertyp aus Texas stammt wird dieser Song reichlich von Western-typischen Klängen begleitet. Wirklich kurios wird das Stück aber erst durch den fragwürdigen Missbrauch des Keybords, dessen Klänge den Track in eine Art ABBA-Tribute-Song zu verwandeln versuchen. Also ehrlich, hört es euch an, der Sound ist so absurd, ich sehe vor meinem geistigen Auge jedes mal Madonna mit Cowboyhut durch Schützengräben hupfen. Der dritte Song, der aus der Menge hervorsticht ist "The Ballad of Bull", die wohl peinlichste und langweiligste Ballade die je zu einem Kriegsthema geschrieben wurde. Das Stück stößt "Final Solution" vom Thron der Worst Sabaton Songs Ever.
Die anderen Stücke kann man alle zusammen mit zwei Worten beschreiben. Ganz nett. Sie klingen alle irgendwie ähnlich und besitzen kaum eigene Alleinstellungsmerkmale an die man sich erinnern würde. Den Songs fehlt vor allem die gewohnte Härte oder wenigstens die Epik, die beispielsweise die Songs von "Carolus Rex" stattdessen aufweisen konnten. Zudem sind die Stücke alle relativ kurz geraten. Man bemüht sich, das jeweils für den Song angepeilte Thema möglichst ausführlich in der kurzen Zeit runterzusingen, dazwischen gibt es dann Standard-Refrains, wie man sie von Sabaton gewohnt ist, auf allen anderen Alben der Schweden aber schon mitreißender gehört hat.

Unterm Strich bekommt man ein solides Metal-Album ohne wirkliche Höhepunkte. Wenn das Wort "Auftragsarbeit" für nur ein Album erfunden worden wäre, es wäre "Heroes" von Sabaton. Man vermisst beim Hören die Begeisterung, die bei alten Scheiben in jedem Stück mitschwang. Wir erinnern uns an Songs wie das brilliante "Metal Crüe" oder das epische "Price of a Mile" oder dutzende andere von Sabaton. Vielleicht liegt es aber auch an der Thematik die die Schweden sich dieses mal zum Ziel gesetzt haben. Nicht berühmte Kriegsschauplätze werden thematisiert, sondern einzelne Personen, die durch diverse erwähnenswerte Leistungen aus der kriegsüblichen Rolle des Kanonenfutters herausstachen. Möglicherweise erschwert diese Irrelevanz den Zugang zu den Songs zusätzlich.

Vergleicht man "Heroes" aber fairerweise mal nicht mit Sabatons Back Katalog sondern mit dem, was der Bereich des Powermetal in den letzten Monaten/Jahren auf die Beine gestellt hat, stehen die Schweden zugegebenerweise nicht ganz so schlecht dar. Auch wenn Sabaton es definitiv mal besser konnten, auch ein schwächelndes Sabaton-Album ist immer noch ein Sabaton-Album und bislang schafft es der unverkennbare Stil der nordischen Battle-Barden immer noch, jedes noch so langweilige Album mühelos bis knapp über den Durchschnitt und noch ein Stückchen weiter zu heben.

Ein letzter Kritipunkt: Papierschuber sind für CDs sowieso schon eher suboptimal. Kratzer und Fingerabdrücke am Rand sind da vorprogrammiert. Aber wenn man die CD zu erstem Mal aus dem Schuber holt und dann erstmal den angeklebten Fetzen Pappe vom Rand kratzen darf, dann sollte das Label beim nächsten mal vielleicht doch 10 Cent mehr für eine anständige CD-Aufnahme investieren.
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 22, 2014 7:29 AM MEST


Resilient (Ltd.Ed.)
Resilient (Ltd.Ed.)
Preis: EUR 20,12

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Quanten-Rolf und die Rache des Schrödinger, 8. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Resilient (Ltd.Ed.) (Audio CD)
Den meisten ist der Begriff Quantentheorie sicher ein Begriff.
Leute mit großen Füßen schwimmen besser? Ja schon, aber ich meine stattdessen die Sache mit der Katze. Schrödinger, der verrückte Professor, sperrte seinerzeit eine hypothetische Katze in eine Schachtel mit einer Todesfalle, die eine 50%ige Chance besaß, den Streuner zu massakrieren. Er ließ die Schachtel geschlossen und erschuf somit eine Katze, die lebendig und tot als gleichwertige Quantenzustände besaß. Solange niemand in den Kasten schaute (oder ihn kräftig schüttelte!) war die Katze also gleichzeitig lebendig wie tot.
Was hochphysikalische Tierquälerei mit dem neuen Running Wild Album zu tun hat? Leicht erklärt: Quanten-Rolf, der ebenfalls verrückte Quasi-Professor, hat mit "Resilient" ein Album geschaffen, das einerseits ein Glanzstück, gleichzeitig aber auch ziemlicher Mist ist!
Klingt seltsam? Ist es auch, weshalb es diesmal besonders schwerfällt, mir ein faires Urteil zu bilden.

Letztes Jahr schickte Dr. Rolfenstein seine Shadowmaker-Kreatur in den Metal Markt, um zu testen, auf welche Resonanz ein künstliches Running Wild Album bei den Fans stoßen würde. Die unbemannte Sonde war wohl ein Erfolg, denn das Album stieß zwar auf heftige Kritik, verkaufte sich aber scheinbar besser als die gleichzeitig ins Leben gerufene Re-Release-Kampagne der alten RW-Klassiker.
Also barg Käptn Rolf den leblosen Leichnam des origialen Running Wild Maskottchens mit dem putzigen Namen Adrian aus seinem kalten Seemannsgrab, jagte ihm ein paar Hochstromblitze durch die kupierten Öhrchen (zu sehen auf dem Cover), gab ihm ein paar Songs mit und schickte den reanimierten Klassiker auf die Spuren des Schattenmachers.

Großspurigkeit sind wir ja von Kasparek dem Seebären gewohnt. So hieß es , die Songs auf Resilient könnten 1:1 von alten Klassikern wie "Masquerade" stammen. Zu seiner Verteidigung muss ich ihm aber diesmal zustimmen. Ein zweites "Black Hand Inn" erwartet wohl niemand ernsthaft mehr, aber gegenüber anderen Oldies wie "Under Jolly Roger" oder "The Rivalry" machen die Songs des unverwüstlichen Neulings gar keine so schlechte Figur.
Auch wenn Rock'n'ROlf noch immer das Piratenimage Running Wilds pflegt, die Freibeutersongs sind schon seit Jahren nur noch eine Randerscheinung des Projekts. Trotzdem sind es auch hier mal wieder die nautisch angehauchten Songs "The Drift" und "Bloody Island", die die Höhepunkte des Albums bieten. Aber auch der Rest kann sich hören lassen, Stücke wie "Fireheart", "Resilient" oder "Adventure Highway" lassen sich gut hören, selbst "Desert Rose" oder "Crystal Gold" haben ihre Momente, einzig "Down to the Wire" geht einem etwas auf die Zwiebel, aber ein Aussetzer sei dieser Scheibe verziehen.

Die Songs also sind tatsächlich diesmal wieder eine Glanzleistung, kommen wir aber nun zum zuvor angündigten ziemlichen Mist: Der Sound.
Wer die Geschichte Running Wilds kennt, weiß was ich meine. Je mehr sich die wilde Rennerei von einer echten Band hin zu einem Soloprojekt entwickelte, umso mehr musste der Sound darunter leiden. Und das hört man auch der lebensecht reanimierten, aber dennoch leblosen "Resilient" an. Die Gitarren schnarren wie ein Schwarm verirrter Honigbienen, das Schlagzeug klingt wie die Menüs von Windows beim Aufklappen und Rolf selbst hört sich an, als hätte er durch ein Dosenmikrofon ins Mikro gesungen. Als Laie würde ich es mal so ausdrücken: Der substanzlosen Soundkulisse fehlt einfach ein greifbarer Korpus! Opti meist vor Ei Pott, würd ick ma sajen. Die kleinen Ohstecker kriegen halt eh keine anständigen Bässe hin, aber auf einer Anlage oder im Auto hätte ich gerne ein paar Tiefen in den Klang drehen können. Leider Fehlanzeige, fette Riffs wie noch bei "Soulless" gehören nunmehr vollständig ins Reich des Seemansgarns.

Somit erklärt sich auch der zu Beginn erwähnte QUantenzustand dieses Albums. Ein Haufen echt toller Songs, die leider alle bescheibenkleistert klingen. Die Songs hätten tatsächlich auf "Masquerade" ihre Berechtigung gehabt, der Sound allerdings stammt direkt von "Rouges en Vogue". Wer also mit den letzten Machwerken ab "Victory" nicht glücklich wurde, dem bietet auch "Resilient" nicht mehr als einen Stern in der Bewertung.
Wer sich allerdings mit dem synthetischen Sound abgefunden und akzeptiert hat, dass dieser sich bei Running Wild nun unwiderriflich vom Makel zum Markenzeichen gewandelt hat, dem mag die Scheibe wie ein 5-Sterne-Meisterwerk erscheinen.
Ich persönlich schwebe bei "Resilient" leider weiterhin im Fegefeuer der dreisternigen Unentschlossenheit. Trotzdem lege ich als Geste des guten Willens noch ein Fleißsternchen für die eigentlich schönen Songs obendrauf.

FAZIT: Die Songs von Running Wild hat Rock'n'Rolf tatsächlich wiedergefunden. Jetzt muss er nur noch den Sound wieder auftreiben, dann stände einem echten Revival von Running Wild nichts mehr im Weg!
Die nächste Scheibe von Running Wild werde ich am Besten ungehört in eine Schachtel stecken, dann weiß ich zu 50%, es könnte ein Meisterwerk gewesen sein.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 11, 2013 7:13 PM MEST


Starwolf (Ltd.Digipak)
Starwolf (Ltd.Digipak)
Preis: EUR 16,49

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beam me up, Morgan!, 18. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Starwolf (Ltd.Digipak) (Audio CD)
Die Band mit dem unspektakulären Namen "Messenger" war mir bisher überhaupt kein Begriff. Das Cover-Artwork allerdings erregte meine
Aufmerksamkeit und als ich beim googeln auf die Begriffe "Konzeptalbum" und "Weltraumpiraten" stieß, war das Ding schon so gut wie gekauft.
"Teutonen-Metal" auch noch? Na, dann kann man damit ja nix falsch machen!

Der erste Durchlauf ließ mich allerdings erstmal etwas zwiespältig zurück. Der Grund ist, dass ich heutzutage so etwas, das Metal-Puristen
wohl als "schnörkellos" bezeichnen würden, einfach nicht mehr gewöhnt bin. Im Vordergrund des Sounds stehen tatsächlich Schlagzeug, Gitarren und natürlich die Vocals. Keine Spielereien, keine überflüssige Elektronik, nur die wirklichen Grundpfeiler des Metal. Als Vergleich
fielen mir spontan die ganz alten "Running Wild" oder die aktuelleren "Airborne" ein, alte Metalhasen fänden da aber sicher dutzende passendere Bands. Machte mich die Eintönigkeit, die zugegebenermaßen durch den Purismus in den Songs entsteht, anfangs noch etwas skeptisch, habe ich mich nach einigen Durchläufen mit den meisten Tracks angefreundet, meine ursprüngliche Erwartungshaltung über Bord geworfen und weiß die Qualitäten des Albums nun durchaus zu schätzen. Inzwischen lehne ich mich sogar so weit aus dem Fenster, zu behaupten, dass ich mit "Starwolf Pt1: The Messengers" eines, wenn nicht sogar das
Metal-Highlight des Jahres vor mir habe. Normalerweise sage ich so etwas nicht leichtfertig, aber in den letzten Monaten haben mich zahlreiche Major- sowie Minor-Acts der Metalsparte mit ihren Outputs dermaßen enttäuscht, dagegen ist diese Metallperle einfach eine wahre Offenbahrung!

"Raiders of Galaxy", "Pirates of Space", "Chosen One", "Reign of the Righteous" und "Born to face the Wind" sind alles ordentliche Songs, denen man im Grunde nichts vorwerfen kann, denen aber zum Hit noch der letzte Schliff fehlt. Die Tracks sind gut, könnten aber alleine dieses Album nicht tragen. "The Spectre", "Salvation", "Earth, ater and Power", "Thousands Suns of Eternity" und "The Path of Science" sind die Highlights der Scheibe. Geniale Hooklines, eingängige Refrains und melodische Chöre zeigen die Stärken der Messengers. Einzig "Starwolf" will bei mir noch immer nicht zünden. Der Song ist einfach zu zäh, um aus dem Mittelfeld herauszuragen. Als Bonustracks findet man zum einen "Port Royal", eine Coverversion des Running Wild-Klassikers, die auf jeden Fall eine Bereicherung für das ALbum ist. Zum anderen den "Blackbone Song", eine Coverversion einer mir bis dato unbekannten Band. Ich muss sagen, dieser SOng ist "anders". Zwar gefällt mir die atonale, leiernde Stimme der Gastsängerin so gar nicht, andererseits bringt gerade dieser Song etwas dringend nötige Abwechslung in das ALbum.

Das Artwork des Albums ist wie bereits angedeutet erste Sahne, die ganze Aufmachung setzt sich auch so im Booklet fort. Das Konzept der Sci-Fi-Story wurde konsequent umgesetzt. Die Band selbst nimmt hierbei die Rollen der Mannschaft ein und jedes Mitglied bekommt auf dem Album einen eigenen Song zur Vorstellung spendiert. Bis auf die beiden Bonustracks werfen die übrigen Songs etwas Licht auf die Hintergrundstory. Leider nicht genug, dass ich wirklich mit allen Texten etwas anfangen könnte. Aber dafür gibt es ja den entsprechenden, parallel zum Album veröffentlichten, Roman "Sternenwolf 1: Die Boten"! Leider nur als Print on Demand...

Mein Fazit: Wer auf schnörkellosen Teutonen-Metal steht, kann blind bei den Messengers anheuern. Allen anderen empfehle ich zumindest eine Probefahrt mit den Weltraum-Piraten. Was mich betrifft, ist "Starwolf Pt.2" gekauft!


Turisas2013
Turisas2013
Preis: EUR 8,97

33 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Freak-Metal mit Gaga-Texten, 2. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Turisas2013 (Audio CD)
Mit einem bombastischen Mix aus allen möglichen Metal-Genres hatte sich Turisas seinerzeit einen Namen machen können und sich einen festen Platz unter den Leading Metal Acts gesichert. Seit den ersten beiden Alben gehörte die finnische Truppe zu meinen absoluten Favoriten und auch das etwas schwächelnde, aber dennoch weit überdurchschnittliche, letzte Album konnte die Band nicht von ihrem uneigeschränkten Triple-A Rating abbringen.
Dementsprechend war es natürlich erfreulich, dass die Truppe um "Warlord" Nygard diesmal nicht wieder eine halbe Ewigkeit bis zum neuen Longplayer verstreichen ließ. Bedenklich stimmte mich alerdings die Vorankündigung, die Band wolle mit ihrer Musik einen "organischeren" Sound anpeilen. Solche Aussagen fasse ich immer erstmal skeptisch auf. Denn üblicher weise bedeutet es, wenn eine Band im Vorfeld versucht, eine neue Richtung zu rechtfertigen, dass sie nun mit weniger Geld als vorher auskommen muss, oder dass ein Major-Label ihr die Zügel aus der Hand genommen hat. Beides bekommt dem Schaffen des jeweiligen Künstlers in der Regel weniger gut. Aber "organisch" klingt für mich nach "biologisch abbaubar" und was das für Metal bedeuten sollte, hätte ich mir in meinen schlimmsten Fieberträumen nicht ausmalen können. Nicht weniger bedenklich stimmte mich auch im Vorfeld das untypische und merkwürdige Cover sowie der seltsam dümmliche Albumtitel.
Koste ich also mal, was einem die finnischen Schlachtenbummler hier auftischen.

ERSTE DOSIS:
Der erste Track fängt vielversprechend an, der Turisas typische Sound ist unverkennbar. "Its all for your own good" kommt allerdings nicht so richtig un die Pötte. Der Song bleibt auf der Bremse, die Vocals sind mehr gesprochen, als gesungen und die Choräle erreichen nicht den gewohnten Bombast. Extrem bedenklich sind allerding die Texte! In den Lyrics wird die Lebensberater-Marotte des letzten Albums weitergeführt. Warlord Nygard motiviert uns hier dazu, unsere inneren mentalen Mauern einzureißen um uns endlich den Herausforderungen des Alltags zu stellen. Und wie der Titel schon sagt, er möchte dabei nur unser Bestes. Das tut doch mal richtig gut, die volle Dosis "Chakkaa!" in einem Metal-Song, das hat die Welt (mal wieder) gebraucht. Und wer könnte einem besser Selbstbewusstsein mit dem Zaunpfahl einprügeln als
Wikinger-begeisterte Rock-Finnen?

ZWEITE DOSIS:
Und damit wir uns richtig wohlfühlen, geht der Life-Coaching-Kurs hier gleich weiter. Auch hier geht es ums Ausbrechen aus gewohnten Bahnen und darum, dass man lieber seine spontanen Entscheidungen schnell treffen sollte, denn "Ten more Miles" weiter könnten wir es schon bereuen. Die Melodie und der Sound würden eigentlich in Ordnung gehen, wenn der Song selber nicht wieder so ein Kind-geh-doch-mal-an-die-frische-Luft-Gesabbel wäre. Damit wir uns aber gut fühlen, versichert uns Turisas, dass sie immer für uns da sind, uns beistehen und uns durch die schweren Zeiten helfen. "Turisas! You can count on us!", ein Selbstbeweiräucherungssong der Seelentröster Turisas. Dazu präsentiert
uns die Band in den Strophen Beispiele von Loosern die ihren Hintern nicht hochkriegen und sich in Ausflüchten und Ausreden verkriechen. Wenn man nicht zuhört, geht der Song durchaus in Ordnung. Aber wenn nur diese unnötigen Aufrappelpredigten nicht wären...

VERDAUUNGSPAUSE:
Nach so zwei harten Dosen an gutgemeinter Lebensberatung können wir hier erst mal friedlich wegknacken. "Piece by Piece" ist überraschenderweise ein Song über "Peace". Es rattert also sinnlose und unzusammenhängende Phrasen und Worthülsen über Frieden/Bedrohung/Freiheit oder sonstwas am laufenden Band. Melodisch im Mittelfeld, präsentiert das Stück Dadaismus im Reinformat!
Was uns der Warlord hier mitteilen möchte wird wohl immer sein Geheimnis bleiben.

DIE BESSERUNG:
Die Pillen und die Ruhephase haben anscheinend gewirkt. Mit "Into the Free" geht es jetzt tatsächlich endlich so los, wie man es von Turisas gewohnt ist. Der Song über einen Inhaftierten der seinen Weg zurück in die Freiheit findet fährt Turisas' alte Tugenden auf. Starke Melodien und kräftige Chöre. Ein klein wenig Westernfeeling zwischendurch schadet dem Song nicht. Obwohl er nicht zu den Glanzleistungen der Band zählt, greife ich mal soweit vor, ihn bereits als den einsamen Höhepunkt dieses Albums zu bezeichnen.

DIE NEBENWIRKUNGEN:
Jetzt schlägts Dreizehn. Dachten wir eben noch, die Turisas-Kur würde endlich zu alter Größe zurückfindet, trifft uns nun das totale Delirium in Form von "Run, Bhang-Eater, Run!"! Quasi-Instrumetals wie dieses haben die Finnen schon auf ihren Vorgänger-Scheiben gehabt. Flotte Melodien, ein wenig Humpa und Folklore, hier und da eine einsam eingeworfene Textzeile, abgerundet mit den üblichen Fanfaren. Dieses orientalische Gedudel hat allerdings eher was von einem Stummfilm auf Speed. Anscheinend handelt diese Drogenvision irgendwie von einem Typen der von den Wachen des Sultans verfolgt wird, offenbar hat es was mit dessen Harem zu tun. Fragt nicht.
Das Ganze klingt wie "Marx Brothers im Orient", ist so grotesk wie absonderlich und hört sich eher nach einem netten Scherz an, der leider nach hinten losgegangen ist.

DIE SCHLIMMEN NEBENWIRKUNGEN:
Wenn das jetzt mal ein Ausrutscher gewesen wäre, oder ein Experiment, aber nein, mit "Greek Fire" wird alles noch viel schlimmer. Nach reiflicher Überlegung bin ich sicher, hier nicht nur den schlechtesten Turisas-Song überhaupt vor mir zu haben, sondern einen der nervtötendsten Songs in der Geschichte des Metal schlechthin.Er besteht ausschließlich aus langsamen Passagen die abwechselnd
entweder
abgehackte
Wortfetzen
bieten
oder
gaaaaaaaaaaaaaanz, laaaaaaaaaaaaangezooooooooogeneeeeeeeeeeee,
Wööööööööörteeeeeeeeeeer.
Das Geschrammel dazu kann zudem nicht den Hauch einer Melodie aufweisen.
Das ging mir beim ersten Hören schon tierisch auf den Zeiger, danach wurds nur noch schlimmer.

DAS AUSKLINGEN:
Eine kurze Pause vom Wahnsinn bietet uns "The Days passed". Ein bisschen Herzschmerz, ein wenig Wehmut, ein langweiliger Song über belanglose Themen. Nach den beiden Tracks zuvor geradezu eine Wohltat.

DER RÜCKFALL:
EIn munteres Sauflied sollte es wohl werden, aber das Ding ist nur peinlich. Hier werden anscheinend die Ereignisse thematisiert, an die sich der Texter mal nach einem durchsoffenen Abend erinnert. Alkohol, Schlägerei, Frau ohne Schuhe. Soweit, so gut oder? Irgendwie schräg, nett gemeint, aber andere Bands wissen 100mal mehr, wie man Saufhymnen schreibt. Und singt. Turisas, lass die Finger vom Schnaps! "No good Story ever starts with drinking tea", aber Promille ist anscheinend auch kein Garant für mitreißende Partysongs.

DAS ERWACHEN:
Der Horrortrip nähert sich seinem Ende, der Schrecken verzieht mit einer vagen Erinnerung an den Western von Gestern. Worum es in diesem Song genau geht, weiß niemand. Aber er klingt nach Spaghetti und jemand reitet zusammen. Denn Rest dazwischen hat man auch noch mit Satzschnipseln irgendwie gefüllt bekommen und mit diesem mittelmäßigen, möchte-gern-epischem Track habe ich die schwer verdauliche Rosskur endlich hinter mir.

DIE DIAGNOSE:
Ich finde noch immer die ersten beiden Alben genial, auch das dritte ist noch sehr gut, aber das hier ist gelinde gesagt, himmelschreiender Blödsinn. Ganz ehrlich Nygard, was hast DU da geraucht?!? So einen Unfug singt man doch nicht noch wirklich?! Gut, anscheinend wollte man sich ein wenig von der Vergangenheit lösen, schließlich taucht hier erstmals nicht ein einziger Wikinger auf dem Album auf. Aber das heißt doch nicht, dass man gleich so einen Mumpitz vermusizieren muss! Bei den Texten hab ich im besten Fall keine Ahnung worum es eigentlich genau gehen soll und im Regelfall schlage ich die Hände überm Kopf zusammen. Manchmal hilft gar nur ein Hechtsprung zu Skiptaste. Zugegeben, Metaller waren noch nie die hochtrabenden Lyriker, aber was dabei rauskommt, wenn sie glauben, sie wärens doch, hört man hier.
Auch der Sound hat die personellen Umwandlungen nicht gut verkraftet. Der Original Turisas Sound kommt zugegebenermaßen hier und da mal durch, aber die Songs pendeln zwischen Geht so, Erträglich und Katastrophe.
Ein einziges gutes Stück, 4 mal Mittelmaß und ganze 4 Rohrkrepierer sind unterm Strich einfach zu wenig für eine Band wie Turisas.

DIE AUSSICHT:
Kleiner Tip: Über Harald III gibts noch mehr zu besingen, nur so am Rande.
Sollte das nächste Turisas Album wieder so ein Freak-Metal sein, lasse ich in Zukunft lieber die Finger davon. Es muss nicht immer Mittelalter und es muss auch nicht immer der tausendste Wikinger sein. Aber eine ganze CD mit sinnfreien und zusammenhanglosen Liedtexten die sich wie eine schlechte Browserübersetzung lesen, benötigt zumindest wieder etwas mehr Wumms im Sound. Mal ganz ehrlich, würde Turisas der finnische Kriegsgott wirklich existieren, was würde er von diesem Album halten?
Frag dich das mal Nygard und bis dahin legst du deinen Warlord Titel mal zur Seite in das Kästchen mit den Homöopathiewässerchen und den Hare-Krishna-Büchern und nennst dich fortan erstmal ausschließlich Wellness-Coach.

DIE AUSBEUTE:
Eins von fünf schwindeligen Drachenbooten für "Into the Free". Mehr ist beim bestem Willen nicht drin für eine CD die ich eigentlich gar nicht mehr hören mag.
Kommentar Kommentare (8) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 6, 2013 11:18 AM MEST


Ein Wispern unter Baker Street: Roman (Die Flüsse-von-London-Reihe (Peter Grant))
Ein Wispern unter Baker Street: Roman (Die Flüsse-von-London-Reihe (Peter Grant))
von Ben Aaronovitch
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,95

7 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Fades Intermezzo, 24. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
"So viele offene Fragen, noch so viele Handlungstränge, die ich mal weiterführen müsste, so viele angebrochene Nebenplots, die mal der ein oder anderen Erklärung bedürften...achjeh, achjeh.
Jetzt habe ich zwei Bücher so vollgepackt mit grotesken Ideen und skurillen Einfällen, da ist gar nix mehr übriggeblieben für Buch Nummer Drei. Eigentlich bräuchte ich noch ein bisschen Zeit um mir zu überlegen, was ich mir bei den ganzen losen Handlungssträngen bisher eigentlich gedacht habe. Aber blöderweise ist nächsten Monat schon Abgabetermin.
Naja. Die neue Nebenhandlung, die ich eigentlich einführen wollte, muss ich dann halt eben irgendwie zum Hauptplot umstricken. Passt schon, hat ja auch irgendwie was mit Magie zu tun. Glaube ich zumindest, das kläre ich dann auf, sobald ich mir ganz sicher bin.
Na, das passt doch schon mal. Ein mysteriöser Mord ist schließlich bereits die halbe Miete. Das bisschen Aufklärung strecke ich noch irgendwie auf die ganze Buchlänge. Dazwischen packe ich noch ein, zwei neue Figuren, die einen größeren Part bekommen als geplant, damit niemandem auffällt, wie unwichtig sie eigentlich sind. Dann lege ich noch ein paar falsche Spuren, damit habe ich dann auch wieder ein paar Seiten gerettet. Nur nicht zuviel verraten und immer den EIndruck erwecken, das wäre Absicht. Fehlende Informationen wirken mysteriös, außerdem vermeide ich damit, Fragen beantworten zu müssen, die den Lesern seit dem ersten Band unter den Fingern brennen. Und so ganz nebenbei habe ich damit neue Nebenfiguren geschaffen, deren Hintergrund ich im nächsten Buch auflösen könnte. Oder irgendwann mal.
Mal sehen...So, mein Protagonist ist also bereits mit der Ermittlung befasst. Jetzt mal von A nach B...von B nach C...hmmm, mal wieder zurück nach A, dann wieder nach C und, Überraschung! noch mal nach B! Wenn ich jetzt noch ein paar Figuren aus den alten Büchern hier und da platziert, dann liest sich das alles auch gar nicht so langweilig, wie es ist. Und so langsam nähern wir uns auch schon dem Ende, da brauche ich ne Auflösung...irgendweiner muss ja der Täter sein. Ich denke ich nehme.....ja, den da! Da kommt wahrscheinlich niemand drauf. Oder doch? Na, egal. Ich könnte noch ein paar rote Heringe einbauen, aber da habe ich keine Lust zu. Zwischendurch erwähne ich immer mal wieder ein paar meiner erfundenen Fachbegriffe aus dem Bereich der Magie und hier und da mache ich eine vage Andeutung über die ganzen offenen Hauptplots, damit die Leute trotzdem noch neugierig auf Buch Nummer Vier bleiben. Und für die Nerds noch eine Handvoll lustige Andeutungen einstreuen, die nur sie verstehen, über so was freuen die sich immer so schön.
Dafür lasse ich den ganzen Sex&Crime Kram diesmal weg, diese Brutalität und diese Anzüglichkeiten müssen ja nicht immer sein. Mein Agent hat gesagt, wenn meine Bücher mal verfilmt werden, ist das immer so ein Aufwand, alles rauszuschreiben, was das junge Publikum verschrecken könnte, da lasse ich das ab jetzt lieber gleich weg.
Et Viola, da habe ich Kapitel Nummer 1 schon aufgeblasen auf Romanlänge. Und beim nächsten Mal schreibe ich die Geschichte dann tatsächlich weiter...vielleicht...auch nicht."


The Killer Angels
The Killer Angels
Preis: EUR 16,99

23 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ansturm der Schwermetall-Separatisten, 17. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Killer Angels (Audio CD)
Es herrscht Sezession! Große Teile der USA (Ursprüngliche "Sabaton"-Armee) haben sich abgespalten und die CSA ("Cicvil War"-Schwermetall-Alternative) gegründet. Und mit ihrer ersten großen "The Killer Angels"-Offensive haben die abtrünnigen Bürgerkriegsler den ersten Erfolg ihres Feldzugs durch den Powermetal verbuchen können!
Die 11 Geschütze, die Civil War hier auffährt, können ein verhältnismäßig großes Kaliber aufweisen. Zugegeben, nicht jeder Rekrut in der Schützenreihe trifft gleich genau Schwarze, aber trotzdem hört man den Tracks an, dass man es hier mit durchschlagskräftigen Veteranen zu tun hat.

Der Longplayer beginnt fulminant mit dem excellenten "King of the Sun". Und der knackige Song über den Aztekenkönig Moctezuma II(?) gibt auch gleich die Marschrichtung vor, die man von "Civil War" erwarten kann: Melodische Metal-Hymnen mit solider Komposition, einem stimmgewaltigen General an vorderster Front und Ohrwurm-Refrains in allen Magazinen. Im folgenden "First to Fight" schalten die namensgebenden Killer Angels zwar erstmal wieder einen Gang zurück, aber darauf folgt mit "Saint Patrick's Day" gleich das Glanzstück des Albums. In derselben Liga spielt dann auch das nächste Sück "Rome is falling", welches Fans eventuell schon von der Civil War EP kennen dürften.
MIt "Sons of Avalon" folgt etwas Metal von der Stange, doch im grandiosen "I will rule the Universe" darf sich Napoleon auf den Weg zur Weltherrschaft machen. Im letzten Drittel sackt das Niveau dann leider etwas ein. "Lucifers Court" will nicht so recht zünden. "Brother Judas" tut sich danach schwer, die Reihen wieder zu schließen und "My own worst Enemy" fällt sich quasi selber in den Rücken. Erst "Gettysburg" schafft es wieder, gegen Ende der Schlacht nochmal zum Angriff zu blasen. Die Nachhut "Children of the Grave" hat das glorreiche in der Schlacht leider verpasst und schleicht gegen Ende unbeholfen und unbeachtet über das Schlachtfeld.

Eine Analyse der Offensive ergibt, dass "Civil War"s Truppenkontingent zu einem guten Drittel aus kampferprobten Veteranen besteht und zu einem weiteren Drittel sogar aus hervorragenden Elitekriegern. Komplettiert wird das Batallion zwar durch ein letztes Drittel an gutausgebildeten aber kampfunerfahrenen Reservetruppen, aber unterm Strich erweist sich "Civil War" trotzdem als eine der schlagkräftigsten Truppen, denen der geneigte Powermetalhörer momentan gegenüber stehen kann.

Die abschließende Manöverkritik offenbart nur marginale Schwächen in der Strategie. Im direkten Vergleich zu der EP kommt es mir so vor, als wenn "Rome is Falling" auf dem Longplayer mit etwas weniger Wumms abgemischt wurde. Ein etwas kräftigerer Sound hätte den Killer Angels ganz gut getan. Ich könnte schwören, auf der EP hatte derselbe Track mehr Schmackes in den Bässen.
Kritikpunkt Nummer 2 ist die spartanische Aufmachung. Gut, die Labels sparen inzwischen wo sie können u nd den Songs hört man letztendlich nicht an, ob sie in einer Luxuslimited-Sammelgedöns-Box oder im Digipack gekauft wurden. Aber etwas mehr, als einen billigen Papp-Klapp-Schuber erwarte ich schon, wenn ich mir ein Album zum Vollpreis im Handel kaufe, anstatt mir das Ding billig aus dem Netz zu laden.
Thema Bonustracks: Nicht die Stärke der Truppe. Begibt sich die Band auf Feindesland, ist sie ohrenscheinlich aufgeschmissen. War das Furtado-Cover "Say it right" ein grauenhaftes Gemetzel, ist auch das Black Sabbath-Reenactment "Children of the Grave" ist ein einziges Desaster.
Ein rein kosmetischer Punkt betrifft die Track-Infos. So nach und nach werden die Dateien ja Standard, schön zu sehen, dass die offiziellen Labels so nach und nach an den Qualitätsstandard asiatischer Raubkopierer anschließen. Trotzdem hat sich hier ein Fehler eigeschlichen und St. Patrick, der dritte Track muss im Gegensatz zu allen anderen Songs ohne Infodatei auskommen. Nicht weiter tragisch, aber man merkt, dass im Kleinen manchmal immer noch ein bisschen geschlampt wird.

Für die nächste Offensive der "Civil War"-Truppe würde ich mir lediglich wünschen, dass sie ein wenig mehr Abwechslung in ihre Songstrukturen bringen. "The Killer Angels" wurde in strenger Formation ausgeführt, eine Strategie, die zwar durchaus zum Sieg geführt hat. Aber in Zukunft wäre es wichtig, etwas weniger vorherrsehbar zu sein, aus der starren Formation auszubrechen und den Hörer mit ein paar unerwarteten Manövern zu überraschen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 27, 2016 1:33 PM MEST


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