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Rezensionen verfasst von
Brigitte W.-Picot

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Physik ohne Realität: Tiefsinn oder Wahnsinn?
Physik ohne Realität: Tiefsinn oder Wahnsinn?
von H. Dieter Zeh
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,95

85 von 89 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von "Vielen Welten" zur Quanten-Dekohärenz, 9. Februar 2012
Das neue Buch von Dieter Zeh, bei dem es sich um eine Aufsatzsammlung handelt, dürfte für deutschsprachige Leser ein besonderes Interesse haben, da Herr Zeh zum Dekohärenz- und Zeitbegriff wichtige Beiträge geleistet hat. Das Buch umfasst drei Abschnitte, mit jeweils 7-8 Aufsätzen.
Es arbeitet im ersten und zweiten Teil sehr einleuchtend den Zusammenhang zwischen Dekohärenz, Schrödinger-Gleichung und Viele-Welten-Theorie heraus und dabei auch den Gegensatz zu anderen gängigen Interpretationen der Quantentheorie. Insbesondere kommt dabei die Kopenhagener Interpretation unter Beschuss, deren Mängel Herr Zeh deutlich hervorhebt. Ein weiterer Aspekt ist, dass Herr Zeh bei dieser Erörterung auch andere fundamentale Begriffe der Quantentheorie (Superposition, Verschränkung, Nichtlokalität, Messprozess, Bellsche Ungleichung) klar im Zusammenhang erklärt. Seine bevorzugte Position ist die Viele-Welten-Theorie, was natürlich zu Diskussionen darüber führt, was man unter diesen ''vielen Welten'' zu verstehen hat.
Der erste Teil enthält noch weitere philosophische Erörterungen zum Begriff der Realität in der Physik, bei denen Herr Zeh in die Nähe von Einstein rückt, nach dem wissenschaftliche Theorien hypothetische 'Bilder' der externen Welt darstellen. Diese Erörterungen erklären auch den Buchtitel.
Seine Ausführungen im dritten Teil zum Zeitbegriff und Zeitpfleil, im Zusammenhang von Relativitätstheorie, Kosmologie und Thermodynamik sind ebenfalls sehr aufschlussreich, denn Herr Zeh erklärt hier die Ansätze der Quantenkosmologie und die Bedeutung der Wheeler-de Witt-Gleichung. Der Zeitbegriff erweist sich dabei als emergente Erscheinung aus einer fundamentalen Quantenwelt, aufgrund des Dekohärenz-Mechanismus. Philosophisch geschulte Leser werden den Einfluss von G. Leibniz und E. Mach erkennen, also ein Plädoyer für den Relationismus (im Gegensatz zu Newtons Absolutismus). Danach ist die (physikalische) Zeit die Ordnung der Abfolge von materiellen Ereignissen.
Viele Begriffe, die dem Rezensenten nur aus dem Englischen bekannt sind, erscheinen in diesen Aufsätzen in deutscher Fassung.
Obwohl das Buch in einem sehr schönen Stil geschrieben ist, setzen die verschiedenen Aufsätze doch eine gewisse Fachkenntnis voraus, wobei der dritte Teil (über Zeit und Raumzeit) technischer ausfällt als der erste (über Wellenfunktion und Realität) und zweite Teil (über Dekohärenz und Quantenmessprozess). Dagegen erhält der Leser eine gute Begründung der Quantenkosmologie.
Bei einer eventuellen zweiten Auflage wären eine schärfere Fassung des Realitätsbegriffs in der Physik sowie ein Sachwörterverzeichnis hilfreich.
Für ihre Bemühungen werden die Leser mit der Versicherung belohnt, dass sie durch die Lektüre auf den neuesten Stand der Forschung gebracht werden, denn sowohl vom Dekohärenzbegriff, als auch von der Quantenkosmologie sind noch wichtige Forschungsergebnisse zu erwarten.


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