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FiniWini

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Die Rückkehr der Templer: Roman
Die Rückkehr der Templer: Roman
von Martina André
  Broschiert

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Endzeit- und historischer Roman zugleich mit grandiosem Schreibstil, 15. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Rückkehr der Templer: Roman (Broschiert)
Gero von Breydenbach hat es, zusammen mit einigen anderen Templern, und deren Frauen, mittels eines Timeservers aus dem 14. Jahrhundert mitten in die Welt des 21. Jahrhunderts verschlagen. Dort hat er Hannah Schreyber, die Frau, die er liebt, geheiratet. Doch ihr Glück wird von amerikanischen Forschern getrübt, die die Templer gefangen halten um sie wie Laborratten allerhand Tests zu unterziehen.
Als diese Wissenschaftler erfahren, dass die ehemaligen Besitzer des Timeservers im 12. Jahrhundert in Jerusalem festsitzen und, dass die Vereinigten Staaten vor dem Untergang stehen, werden Gero und die anderen Templer dazu genötigt, eine weitere Zeitreise an zu treten. Sie sollen Lyn und Rona, die beiden Frauen, die in Besitz des Timeservers sind, aus der Vergangenheit retten und ins 21. Jahrhundert bringen, damit die bevorstehende Apokalypse verhindert werden kann. Doch diese Mission entpuppt sich als gefährlicher als gedacht.

Bei dem Roman handelt es sich um den zweiten Teil einer Reihe rund um Gero und die anderen Tempelritter. Den ersten Teil "Das Rätsel der Templer" habe ich allerdings NOCH nicht gelesen :)!

Zunächst möchte ich Euch darauf hinweisen, dass dieser Roman mit Sicherheit keine leichte Kost ist. Mit seinen knapp 800 Seiten, ist es kein Buch, dass man mal eben so abends entspannt herunterlesen kann. Man sollte sich definitiv die Zeit nehmen, um sich ganz auf dieses Buch einzulassen und sich in den verschiedenen Parallelwelten zurecht zufinden. Allerdings muss ich sagen: Es lohnt sich!
Wer anfangs von solchen "dicken Schinken" abgeschreckt ist, dem soll gesagt sein, dass die "Rückkehr der Templer" sich trotzdem sehr schnell lesen lässt, da das Thema zu interessant, der Schreibstil zu rasant und die einzelnen Charaktere zu spannend sind, als dass man den Roman lange aus den Fingern legen könnte.
Ich kann interessierten Lesern daher nur raten: Nehmt euch die Zeit und lasst euch auf dieses Abenteuer ein!

Der Roman entpuppt sich gleich zu Beginn als ungeheuer anspruchsvoll (im positiven Sinne). Drei Parallelwelten werden hier aufgeführt. Die Welt Jerusalem im 12. Jahrhundert, die heutige Gegenwart um 2005 und die Zukunft, so wie die Autorin sie sieht, um 2151. Diese drei Welten werden zunächst ausführlich beschrieben, sodass sich der Leser ein klares Bild von der Zeit, in der sich die Protagonisten jeweils befinden, machen kann.
Besonders spannend ist hier natürlich die Zukunftsvision von Frau André. Auch wenn sie mir teilweise ein wenig konstruiert und einige Dinge recht weit hergeholt vorkam (technische Geräte alleine Kraft der Gedanken steuern...), muss ich doch sagen, dass ich sie sehr erschreckend finde und mir einige Dinge doch recht realistisch erscheinen. So haben alle Menschen im 22 Jahrhundert Chips implantiert, die sie emotionslos werden lassen, Kinder werden nur noch in Reagenzgläsern gezeugt, damit man ihnen bestimmte Gene untermischen kann (Katzengen - um im Dunklen sehen zu können) und Essen gibt es nur noch in Form von Tabletten, angereichert mit allerhand lebensnotwendigen Nährstoffen.
Wollen wir mal hoffen, dass unsere Gesellschaft nicht auf so eine Zukunft zusteuert!

Die Zusammenführung der einzelnen Welten gelingt sehr gut, in dem immer mehr Beteiligte sich in die Vergangenheit, ins Jerusalem des 12. Jahrhunderts, begeben. Das Zusammentreffen der verschiedenen Welten gestaltet sich hierbei natürlich als recht schwierig, da Dinge wie ein blau leuchtender Timeserver erst einmal als "Hexenwerk" bezeichnet werden. Dennoch schließen Rona und Lyn, die beiden Schwestern aus der Zukunft, in der Vergangenheit recht schnell Freundschaft mit einem muslimischen Assasine, Khaled. Natürlich kommt auch in diesem Roman die Liebe nicht zu kurz, so viel darf verraten werden ;)!

Die Charaktere lassen mich mit geteilter Meinung zurück. Einige, so wie beispielsweise Khaled und Gero, habe ich richtig gerne gewonnen, da sie verschiedene charakterliche Facetten aufweisen und nicht immer komplett stereotyp handeln. Für andere, sowie Hannah, habe ich eine regelrechte Antipathie entwickelt, da sie mir oft wie ein trotziges Kleinkind vorkam. Außerdem waren ihre Taten für mich schlecht nachvollziehbar.
Andere Charaktere blieben für mich zu klischeehaft, bzw. zu extrem und stereotyp. Sie handelten zu einseitig und zeigten überhaupt keine Tiefe in ihren Taten und Worten.
Alles in allem konnte man aufgrund der Bandbreite der Charaktere trotzdem mit dem einen oder anderen sympathisieren und sich mit ihm identifizieren!

Der Schreibstil der Autorin macht alle kleinen Kritikpunkte die ich gerade genannt habe allerdings wieder wett. Er ist so unglaublich bildgewaltig, dass ich mir als Leser jede noch so kleine Einzelheit sehr gut vorstellen konnte. Das half natürlich ungemein, um sich so richtig in die Romanwelt fallen zu lassen. Teilweise habe ich dank des spannenden Erzählstils alles um mich herum und vorallem die Zeit komplett vergessen, da ich so in diese ferne Welt eingetaucht bin.
Der Roman beginnt schon unglaublich spannend und actionreich, nimmt aber mit jeder Seite an Fahrt auf. Die Spannungskurve wächst immer weiter an und entlädt sich zwischenzeitlich in blutigen Schlachten oder Folterszenen, die wahrlich nichts für Zartbesaitete sind.

Das Ende lässt mich nun leider etwas unbefriedigt zurück! Nicht nur, da einige Fragen ungeklärt bleiben, das erweist sich als nicht so schlimm, da es ziemlich sicher noch einen Folgeband geben wird, sonder eher, da alles in einem regelrecht hollywoodmäßigem Happy End endet. Jede einzelne Hauptperson und sogar eher unwichtige Nebenrollen sehen sich am Ziel ihrer Träume angelangt. Eigentlich finde ich Happy Ends wirklich sehr schön, nur bei diesem Roman kommt es mir so vor, als wolle die Autorin nach 700 Seiten endlich zum Ende kommen und alles in einem Friede-Freude-Eierkuchen-Szenario enden lassen.

Trotzdem war der Roman ein wahres Erlebnis, dass ich wirklich jedem nur weiterempfehlen kann. Ich glaube nicht, dass ich mich schon jemals bei einem Buch so in die Handlung habe fallen lassen können. Noch nie zuvor habe ich mich so sehr auf das Abenteuer, das unsere Protagonisten bestreiten müssen, eingelassen und mich selbst so nahe, so mitten im Geschehen gefühlt. Hier möchte ich nochmals betonen, dass dies höchstwahrscheinlich auf den genialen Schreibstil von Frau André zurückzuführen ist. Daher vergebe ich an "Die Rückkehr der Templer" 5 Sterne.

Ich verneige mein Haupt vor Martina André, da der Roman sicherlich mit einer Menge Arbeit verbunden war. Die Recherchen wirkt so detailliert (nicht zuletzt durch die Tempelkunde am Schluss des Romans) und ihr Wissen scheint so breit gefächert zu sein, dass diese Frau ein wahrlich kluger Kopf sein muss. Wissen um Physik, Glauben und Geschichte zu gekonnt zu vereinen bzw. sich ersteinmal an zueignen, können sicherlich nur die Wenigsten! "Die Rückkehr der Templer" ist ein Roman auf höchstem Niveau.
Wer also Lust auf einen bildgewaltigen Roman, irgendwo zwischen Endzeit- und historische Roman hat, der sollte sich dieses Meisterwerk nicht entgehen lassen


Divergent
Divergent
von Veronica Roth
  Broschiert

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Was ist deine Bestimmung?, 1. Januar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Divergent (Broschiert)
Als Beatrice 16 Jahre alt wird, muss sie sich, wie alle Sechzehnjährigen, für eine der fünf existierenden Fraktionen entscheiden. Sie selbst wurde in der Fraktion Altruan geboren. Dort leben die "Selbstlosen". Doch Beatrice merkt schnell, dass sie so nicht leben kann und auch nicht will. Sie ist nicht die Person, die sich für das Wohl der andere aufopfert, auch wenn sie oft selbstlos handelt.
Als ihr Eignungstest, der über ihre innere Bestimmung Auskunft geben soll, kein eindeutiges Ergebnis aufweist, bekommt Beatrice mitgeteilt, dass sie eine "Unbestimmte" ist. Sie trägt mehrere widerstreitende Begabungen in sich und gilt daher als Gefahr für die Gemeinschaft. Daher darf sie niemandem erzählen, dass ihr Test nicht aufschlussreich war, nicht einmal ihrer Familie.
Am Entscheidungstag muss sie sich für eine Fraktion entscheiden. Neben Altruan kann sie noch Candor - die Freimütigen, Ken - die Wissenden, Amite - die Friedfertigen und Ferox - die Furchtlosen, wählen.
Obwohl sich die meisten dafür entscheiden, in der Fraktion der Familie zu bleiben, schließt Beatrice sich den Ferox an. Doch sie weiß nicht, dass sie auch dort einen Test bestehen muss, der entscheidet, ob sie furchtlos genug ist, um ein Mitglied der Ferox werden zu dürfen. Während Tris, wie sich Beatrice bei den Ferox nennt, um einen Platz unter den besten zehn kämpft, gerät sie, ohne es zu ahnen in das Zentrum eins Konflikts, der nicht nur ihr Leben, sondern das aller derer, die sie liebt, bedroht...

Wie ihr bestimmt schon gemerkt habt, handelt es sich bei "Die Bestimmung" um ein dystopischen Jugendroman. Viele handeln ihn als den Nachfolger der "Panem"-Trilogie. Allerdings möchte ich gleich sagen, dass das leider nicht ganz gerechtfertigt ist, wie ich finde. Die Geschichten weisen zwar Parallelen auf, so gibt es auch hier verschiedene Fraktionen, die man mit den unterschiedlichen Distrikten in Panem vergleichen könnte, zudem eine Liebesgeschichte mit ungewisser Zukunft und viele actionreiche und blutige Kämpfe, allerdings kann "Die Bestimmung" leider nicht ganz mit der "Panem"-Trilogie mithalten.
"Die Bestimmung" ist zwar ein durchaus lesenwerter Roman, allerdings war er für meinen Geschmack einfach nicht emotional genug. Er hat mich einfach nicht genug berührt, so wie es bei "Panem" der Fall war.

Der Schreibstil ist jedoch sehr angenehm. Der Roman lässt sich sehr schnell lesen, da die Autorin Spannung aufbaut und ihn so zu einem richtigen Pageturner werden lässt. Dennoch hatte ich anfangs Schwierigkeiten, in die Geschichte hineinzufinden. Zum einen, da ich mich mit Beatrice nicht wirklich identifizieren konnte und zum anderen, da ich das Grundgerüst der Geschichte ziemlich konstruiert und weit hergeholt finde. Zum einen erfährt man nie wirklich, wieso sich die Fraktionen eigentlich gebildet haben und zum anderen finde ich diese Zukunftsvision recht unrealistisch. Ich habe schon viele Dystopien gelesen, die in einer Zukunftswelt spielten, von der ich glaube, dass sie unserer zukünftigen Welt entsprechen könnte, als die in "Die Bestimmung". Ich erkenne den Sinn hinter diesen Fraktionen leider nicht wirklich, da ich es ziemlich oberflächlich finde, Menschen in eine solche Schublade zu stecken, wie es in dem Roman gemacht wird. Jeder Mensch weißt mehrere Facetten auf. So gibt es eigentlich niemanden, der tatsächlich ausschließlich selbstlos, furchtlos, friedfertig etc. ist.

Hiermit komme ich zu meinem nächsten Kritikpunkt. Wenn man das so sieht, wie ich, nämlich, das Menschen mehrere Facetten aufweisen, macht die Tatsache, dass es "Unbestimmte" gibt, keinen Sinn mehr, da doch jeder Mensch unbestimmt sein sollte? Ich für meinen Teil kenne niemanden, der sich ausschließlich einer dieser Fraktionen zuordnen lassen würde und auch die Hauptpersonen des Roman, die eigentlich nicht unbestimmt sind, handeln teilweise nicht ihrer Fraktion entsprechend. Wären sie dann nicht eigentlich auch unbestimmt? Abgesehen von ihren anderen Fähigkeiten, die Unbestimmte ausmachen, verhält sich Beatrice nicht anders, als die anderen Personen im Roman. Man merkt ihr meiner Meinung nach ihre "Gespaltenheit" gar nicht großartig an.

Abgesehen von diesen Ungereimtheiten, die ich leider sehr unlogisch und wenig durchdacht finde, fand ich den Roman trotzdem sehr spannend. Nachdem man sich erstmal in diese merkwürdige Welt eingefunden hat, kann man den Roman nicht mehr aus der Hand legen! Besonders spannend fand ich den Konkurrenzkampf zwischen den einzelnen Initianten. Er wird sehr spannend dargestellt und die einzelnen Aufgaben, die die Rivalen bewältigen müssen sind doch sehr einfallsreich. So müssen sie sich beispielsweise in einer Simulation ihren schlimmsten Ängsten Stellen. Darin sehe ich einen der besten Aspekte dieses Buches, denn Veronica Roth beschäftigt sich sehr sehr eingehend mit den Ängsten der Jugend und beleuchtet sie von allen Seiten. Sie kratzt sie nicht nur oberflächlich an, sondern beschäftigt sie wirklich tiefgründig damit!

Auch die einzelnen Charaktere fand ich sehr interessant. Auch wenn ich zu Beatrice nie eine wirkliche Verbindung herstellen konnte, so finde ich ihre Entwicklung, die sie im Laufe des Romans durchmacht, doch sehr überraschend und erstaunlich. Von einem unsicheren Mädchen wird sie zu einer starken und selbstbewussten, aber vorallem beinahe furchtlosen jungen Frau.
Dennoch waren es die Nebencharaktere, die es mir besonders angetan haben. Four war natürlich mal wieder der weiße Ritter in strahlender Rüstung. Doch anders als in den üblichen Jugendromanen wird hier nicht ständig auf seinem tollen Aussehen herumgeritten, was ich äußerst erfrischend finde, da sich der Hauptaugenmerkt nicht auf die Liebesgeschichte sondern die Grundgeschichte des Romans an sich legt. Dadurch wirkt die Liebesgeschichte auch nicht kitschig oder übertrieben.
Beatrice Mitstreiter im Kampf um die Mitgliedschaft sind auch alle sehr facettenreich gezeichnet. Sie waren nicht schwarz weiß, d.h. gut und böse, sondern enthielten viele Grauschattierungen. So sympathisierte ich zum Beispiel mit einem Jungen, der eigentlich nicht unbedingt zu den typischen Sympathieträgern zählen würde. Diese Art der Darstellung der Nebencharaktere finde ich ganz erstaunlich, da keiner klischeehaft wirkt oder nur oberflächlich beleuchtet wird.

Dennoch muss ich sagen, dass ich den Schluss nicht ganz so gelungen finde. Auf den letzten 50 Seiten ereignet sich das eigentlich Schreckliche, auf das die Geschichte hinarbeitet. Da der Roman aber 480 Seiten hat, finde ich, dass das ganze Drumherum dann ein wenig zu langatmig beschrieben wurde, wenn das "Hauptereignis", wie ich es jetzt einmal nennen möchte, nur in 50 Seiten erwähnt und abgehandelt wird.

Dennoch hat mir "Die Bestimmung" wirklich gut gefallen! Auch wenn ich die Zukunftsvision der Autorin unrealistisch und unlogisch finde, hat mich die Geschichte an sich doch auf ungewöhnlich starke Weise gefesselt und in seinen Bann gezogen. Daher vergebe ich vier Sterne an einen Roman, der außergewöhnlich abwechslungsreiche Nebencharaktere, eine spannende Grundgeschichte, ein tiefes Verständnis für die Ängste der Jugend und eine erfrischend unkitschige Liebesgeschichte enthält. Für Fans von Dystopien ist der Roman sicherlich etwas ganz Besonderes, da er nicht nur versucht, auf den Erfolgszug der Dystopien aufzuspringen, sondern frischen Wind mithinein bringt. Daher gibts von mir auf jeden Fall eine Leseempfehlung!


Sternenschimmer (Sternen-Trilogie, Band 1)
Sternenschimmer (Sternen-Trilogie, Band 1)
von Kim Winter
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Außergewöhnlich tiefgründiger Roman, der zum Ende hin leider immer schwächer wird..., 27. Dezember 2011
Als viele Jahre in der Zukunft, Flüchtlinge von dem fremden Planeten Loduun Zuflucht auf unserer Erde suchen, warten die Irden unter der Glaskuppel, die vor zu hoher UV-Bestrahlung schützen soll, gespannt auf deren Ankunft. Die siebzehnjährige, sozial engagierte Mia will helfen und meldet sich mit einem Freund, Frank, freiwillig, um in einem der Flüchtlingshäuser für Kinder zu helfen. Dort lernt sie Iason kennen. Sofort ist sie von seinen blau schimmernden Augen verzaubert. Doch Iason scheint ziemlich eingebildet zu sein. Außerdem hat seine Vergangenheit auf einem vom Krieg zerrütteten Planeten ihn verschlossen werden lassen.
Doch je näher Mia Iason kommt, desto mehr knackt sie seine harte Schale und stößt auf einen verunsicherten, weichen und liebevollen Kern. Doch ihre Ansichten sind grundverschieden und es ist eine Liebe auf Zeit. Denn alle Loduuner haben einen bestimmten Sinn. Wenn sie diesen erfüllt haben, sterben sie. Und Iasons Sinn ist zudem ein ganz besonderer. Doch da Mia sehr emotional ist, lässt sie sich von ihren Gefühlen lenken und gibt nicht auf. Doch schon bald haben Mia und Iason ganz andere Probleme. Den die Beauftragten des loduunischen Drahtziehers hinter dem Krieg haben sich auf die Erde verirrt und dulden keinen Widerstand.

Auf den ersten Blick könnte man annehmen, dass Sterneschimmer ein ganz gewöhnlicher Young-adult Fiction Roman ist, denn Inhaltsangabe und Cover, so schön es auch ist, erwecken nicht gerade den Eindruck eines tiefgründigen Romans. Doch lasst euch davon nicht täuschen! Kim Winter spricht in "Sternenschimmer" unglaublich wichtige Themen an, die in vielen Jugendromanen, in denen sich alles um die Liebe dreht, meist auf der Strecke bleiben. So handelt der Roman auch von Klimaschutz, Tierrettungsaktionen, Rassismus, vom Krieg traumatisierten Kindern und extrem tiefgründigen Emotionen. Und hiermit meine ich nicht nur Liebe, sondern auch ein ganz besonderes Verständnis der Autorin für das Selbstverständnis von Menschen und deren Ängsten und Sorgen, die wohl jeder von uns schonmal hatte.
An dieser Stelle möchte ich gerne eine Textstelle zitieren, die mich besonders bewegt hat, da sie unglaublich ehrlich ist. Hier merkt man sofort, dass die Autorin sich wirklich mit der Psyche der Menschen beschäftigt hat und nicht darauf aus war, einen weiter oberflächlichen Roman zu schreiben, von denen es ohnehin schon genug gibt:

"Heute war es schlichtweg die Gesinnung, die die Menschheit spaltete. Ihre Überzeugung, die häufig keinen Raum für Andersdenkende ließ; keinen Platz für das, was die Welt eigentlich so bunt machte. Und wenn ich ehrlich zu mir selbst war - ich dachte oft genauso. Vielleicht war es ein Urinstinkt des Menschen, Neues und Unverständliches erst einmal abzulehnen." (S. 19)

Nachdem ich dieses Zitat gelesen hatte, wusste ich, dass "Sternenschimmer" ganz besonders werden würde.
Und tatsächlich haben mir die ersten zwei Drittel des Romans sehr sehr gut gefallen. Der Schreibstil der Autorin ist locker und versprüht eine Leichtigkeit, selbst wenn sie auf die eher ernsten Themen zu sprechen kommt. Die Liebesgeschichte zwischen Mia und Iason bahnt sich zart und leise an und wirkt nicht aufdringlich. Im Vordergrund stehen die loduunischen Kinder und deren Probleme. Die Kinder lassen einem wirklich das Herz aufgehen, so liebevoll und lebendig werden sie beschrieben. Jedes einzelne ist etwas ganz Besonderes und hat seine kleinen Eigenheiten, die es besonders liebenswert machen. Ihre Probleme haben mich selbst extrem betroffen gemacht, da sie oft auf Rassismus begründet waren und man sie leicht in unsere Zeit und auf Kinder, die mit ihren Familien in ein fremdes Land emigrieren müssen, übertragen könnte.

Auch Mia hat mir in den ersten beiden Dritteln sehr gut gefallen, da ich sie als ziemlich außergewöhnliche Protagonistin empfand. Sie ist nicht zu wehleidig und verweichlicht, aber auch keine Superfrau, die alles kann und die jeder liebt. Sie hat ihre Fehler, die sie besonders liebenswert machen.
Genauso ist es bei Iason. Er sieht zwar gut aus, genauso, wie wir es von den Helden dieses Genres gewohnt sind, hat allerdings auch seine Fehler und ist eigentlich ein ziemlich verletzlicher und unsicherer junger Mann.

Die Nebencharaktere haben mir auch unglaublich gut gefallen, sie entsprachen nicht den gängigen Klischees, sondern waren allesamt authentisch und eigen. Außerdem wurde ihr Charakter sehr gut beleuchtet, sodass man sich sogar in sie gut hineinversetzen konnte. Besonders gelungen finde ich Greta, die jeden Mann als Chauvinisten bezeichnet und eine bekennende Frauenrechtlerin ist und ihren Bruder Frank, der einfach unglaublich liebenswert, warmherzig und loyal ist. Beide muss man einfach lieben und ins Herz schließen. Ich jedenfalls mochte sie viel lieber als Mia und Iason.
Nun möchte ich auch noch einmal auf die besondere Tiefgründigkeit des Romans zu sprechen kommen, da es mich überrascht hat, eine solche Tiefe in einem Jugendroman vorzufinden, dessen Hauptthema eigentlich ja die Liebe ist.

Leider muss ich sagen, dass ich finde, das "Sterneschimmer" sein hohes Niveau nicht bis zum Schluss halten konnte. Die Liebe zwischen Mia und Iason wurde mir einfach zu gewöhnlich. Sie unterschied sich kaum noch zu anderen Liebesgeschichten aus dem gleichen Genre, was ich sehr schade fand, da ich durchaus Potential in dieser Liebesgeschichte gesehen habe. Auch Mia hat mir immer und immer weniger gefallen. Ihr Handeln wurde für mich gänzlich unnachvollziehbar. Sie wurde mir zu kindisch und handelte für meinen Geschmack zu impulsiv und unbedacht. Klar ist das eine Charaktereigenschaft, die sie ausmacht, allerdings waren mir ihre Handlungen dann doch ein wenig zu dick aufgetragen.
Die Dialoge zwischen Mia und Iason wurden mir mit der Zeit viel zu kitschig. Das ständige Gequatsche über die Zukunft der beiden hat mich irgendwann nur noch genervt und ich ertappte mich dabei, wie ich völlig entnervt den Kopf schüttelte.
Auch diese TiefgründigkeitMia und Iason schien wichtiger zu sein und überschattete den Aspekt, der mir am meisten gefallen hat. Schade!

Dennoch gebe ich "Sternenschimmer" gerne 4 Sterne, da es mich einfach zu sehr überrascht hat, mit wieviel Tiefe Kim Winter an die Sache heranging. Vorallem das erste Drittel hat mich regelrecht sprachlos gemacht, so gut und tiefgründig war es geschrieben. Außerdem haben mich die Kinder, Greta und Frank so für sich eingenommen, dass ich das Buch trotzdem als wirklich gelungen empfinde. Schade, dass das letzte Drittel so viel an Tiefe eingebüßt hat. Dennoch freue ich mich sehr auf den zweiten Teil, den ich unbedingt lesen muss.
Ich kann "Sternenschimmer" jedem empfehlen, der den Roman nicht unbedingt wegen der Liebesgeschichte lesen möchte, sondern außerordentliche Tiefe und authentische Charaktere zu schätzen weiß.


Die Alchemie der Nacht: Roman
Die Alchemie der Nacht: Roman
von Heike Koschyk
  Gebundene Ausgabe

25 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der beste historische Roman den ich bisher gelesen habe!, 27. Dezember 2011
Christoph Hufeland, ein junger aber ehrgeiziger und aufgeschlossener Medizinstudent, wird in Jena Zeuge eines Mordes an einem seiner Kommilitonen. Die Umstände des Mordes kommen ihm gleich seltsam vor und seine Vermutung bewahrheitet sich: Die Leiche verschwindet unter mysteriösen Umständen und er befindet sich mitten in einem Netz aus Verschwörungen und blutigen Ritualen, die alle auf eine Freimaurerloge zurück zuführen sind. Hals über Kopf flieht er zu seiner Familie um sein Studium dort in Sicherheit vor der Bedrohung seines Lebens, der er sich ausgesetzt sieht, zu beenden.
Zeitgleich erreicht die Schwester des Verschwundenen Jena und stößt ebenfalls auf die Machenschaften der Freimaurerloge.
Jahre später treffen beide aufeinander und versuchen die Vorkommnisse zu klären. Alles scheint sich um ein allmächtiges Heilmittel, Menschenversuche an jungen Mädchen und veraltete Rituale zu drehen.
Begleitet von Samuel Hahnemann, einem Arzt, der für die damalige Zeit zu moderne Praktiken vertritt und dafür oft geschmäht wird, begeben sie sich auf die Fährte einer geheimnisvollen Rezeptur, die ewiges Leben verheißt.

Auf dem Buchrücken heißt es: "Ein spannender historischer Roman zwischen Mystik und Wissenschaft, Liebe und Wahnsinn."
Wow, was für eine Konstellation, dachte ich mir, als ich den Roman zum ersten Mal in meinen Händen hielt und diese Worte las. Doch meist steckt hinter großen Worten, die auf Buchrücken gedruckt werden, nichts als heiße Luft! Daher ging ich nicht mit der Erwartung an den Roman heran, dass diese großen Worte tatsächlich in die Realität umgesetzt werden würden.
Weit gefehlt! Hätte ich den Worten auf dem Buchrücken Glauben geschenkt, so wäre ich vielleicht nicht ganz so atemlos durch den Roman gehetzt, denn ich wäre auf das Ausmaß des Wahnsinns, der von dem Roman ausgeht gefasst gewesen. So muss ich allerdings sagen, dass ich ihn absolut sprachlos zugeklappt habe und mich tatsächlich fragen musste, ob ich jemals einen vergleichbar guten historischen Roman gelesen habe. Die Antwort ist vermutlich: NEIN!

Heike Koschyks Schreibstil ist unvergleichlich. Zum einen wirkt er der damaligen Zeit durchaus angepasst und daher ein wenig altertümlich, dennoch ist er unglaublich leicht lesbar und verständlich. Sie versteht es, so fesselnd zu schreiben, dass man den Roman kaum aus den Händen legen kann. Die Spannungskurve steigt tatsächlich exponentiell an und der Roman endet mit einem gewaltigen Knall, den so vermutlich niemand erwartet hätte. Dennoch wirkt der Schluss keines Falls weit hergeholt, sondern durchaus authentisch.
Diese Authentizität erhält Frau Koschyk bis zum Ende aufrecht, indem sie ihre Charaktere realistisch und bedacht handeln lässt. Zu keinem Zeitpunkt fällen diese irgendwelche undurchdachten oder naiven Entschlüsse, die sie ins Verderben stürzen könnten.
Das ist es auch, was mich an den einzelnen Charakteren so fasziniert hat. Sie bleiben durchweg authentisch und sind vor allem alle sehr tiefgründig gezeichnet. Selbst eher unwichtige Nebenrollen haben einen ganz eigenen Charaktere und werden gut beleuchtet, sodass sie nicht seicht und gänzlich unwichtig erscheinen.

Mir ist während des Lesens besonders aufgefallen, wie leicht es mir viel, mit der Geschichte mitzuhalten und mir die einzelnen Szenen bildlich vorzustellen. Das ist für mich immer sehr wichtig, da ich sonst rasch mit meinen Gedanken abschweife, wenn mich der Roman nicht zu fesseln vermag. Allerdings hat mich "Die Alchemie der Nacht" regelrecht in seinen Bann gezogen.

Ebenfalls richtig gut gelungen finde ich die Zusammenführung der einzelnen Handlungsstränge. Am Anfang weiß man noch nicht so genau, wie das alles zusammenhängen soll und wie sich die Geschichte wohl weiter entwickeln wird. Doch rasch verweben sich einzelne Stränge miteinander, bis letztendlich alle Handlungsstränge zu einem großen Ganzen zusammenlaufen und man schließlich begreift, wie alles zusammenhängt.

Besonders Eindrucksvoll ist allerdings die Schilderung der damaligen Verhältnisse und Weltanschauungen. Das ist es im Besonderen, was mich an historischen Romanen reizt. In diesem Roman lernt man erstaunlich viel über die Ärzte der damaligen Zeit und wie unterschiedlich diese doch waren. Da gab es die "Quacksalber" die jede Erkrankung auf einem Wurmbefall zurückführten und den Patienten die Haare abschnitten um die Auswüchse der Würmer abzutöten. Und dann gab es noch Ärzte wie Hahnemann, die nicht jede unerklärliche Heilung auf ein Wunder zurückführten, sondern rational dachten und nur wirklich erprobte und wirksame Heilmethoden praktizierten. Erstaunlich, dass ausgerechnet diese Ärzte geschmäht wurden...

Abschließend möchte ich euch einfach nur mitgeben, dass dies der bisher beste historische Roman ist, den ich gelesen habe. Er hält tatsächlich alles, was er verspricht, auch wenn das eine ganze Menge ist. Mir persönlich hat die ganz eigene Note des Wahnsinns, die Heike Koschyk in den Roman mit eingebracht hat, zusammen mit den Schilderungen der damaligen Zeit am besten gefallen. Da ist es nur logisch, dass ich diesem Roman gerne 5 Sterne geben möchte. Ich kann ihn wirklich jedem Fan historischer Romane empfehlen, der beim Lesen eines Buch auf absolut nichts verzichten will. Denn "Die Alchemie der Nacht" beinhaltet alles: Spannung, Liebe, Mystik, blutige und grausame Szenen und Rituale, lehrreiche und gut recherchierte historische und wissenschaftliche Fakten und eine Prise Wahnsinn, der man sich als Leser einfach nicht entziehen kann!


Traumsplitter: Roman
Traumsplitter: Roman
von Tanja Heitmann
  Gebundene Ausgabe

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Tolle Atmosphäre, aber viel zu oberflächlich!, 18. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: Traumsplitter: Roman (Gebundene Ausgabe)
Als Ella Johansen nach 10 Jahren in Australien in ihre Heimatstadt Sandfern zurückkehrt, traut sie ihren Augen kaum. Die alte, einst prächtige Villa ihrer verstorbenen Tante, in die sie einziehen wollte, ist völlig heruntergekommen und der daran anschließende Garten, den sie als traumhaft und verzaubert in Erinnerung hatte, völlig verwildert. Doch Ella ist fest entschlossen, sich davon nicht unterkriegen zu lassen. Sie wird in diese Villa einziehen und als Fotografin Fuß fassen.
Zu ihrer Überraschung zeigt sich ihr Neffe Kimi, der sich in den letzten Jahren zu einem düsteren Punk entwickelt hat, bereit, ihr bei der Renovierung zu helfen und zieht kurzerhand bei ihr ein. Und noch ein anderer junger Mann zeigt sich bereit, bei der Renovierung zu helfen, sofern er ein Zimmer der geräumigen Villa für sich beanspruchen darf. Gabriel ist umwerfend schön und ebenso charmant und Ella fühlt sich sogleich auf sonderbare Weise zu ihm hingezogen. Schon bald beginnt sie in den glühend heißen Sommernächten von ihm zu träumen. Doch sie muss herausfinden, dass Gabriel den Weg in ihre Träume tatsächlich kennt. Er kann in den Träumen anderer Menschen wandeln - doch diese Gabe verlangt nach einem hohen Preis. Und sobald er diesen nicht zahlt, droht er sich in den dunklen Tiefen der Traumwelt zu verlieren.
Meine Erwartungen an "Traumsplitter" waren zugegebenermaßen ziemlich hoch. Das Thema interessierte mich brennend und auch das Cover lies mich einen traumhaften und bezaubernden Roman erwarten. Leider muss ich sagen, dass ich ziemlich enttäuscht wurde. Der Roman bleibt unheimlich oberflächlich. Man kann sich gar nicht in ihm verlieren, da die dazu nötige Tiefe fehlt. Immerwieder wird man durch klischeehafte oder kitschige Aussagen auf dem Lesefluss geworfen und muss mitunter den Kopf schütteln, aufgrund von so viel Oberflächlichkeit und Naivität.

Doch ersteinmal möchte ich mich den positiven Aspekten des Romans zuwenden. Hierbei gibt es einen Aspekt, der mir besonders gut in Erinnerung geblieben ist und zwar ist das die Schilderung der Umgebung bzw. die Stimmung, in die diese den Leser versetzt. Hiermit meine ich die Schilderung des Städtchens Sandfern an sich und die Beschreibung der alten Villa im Besonderen. Durch beide wird eine verzauberte beinahe mystische Atmosphäre heraufbeschworen, die den Leser bis zum Ende des Buches gefangen nimmt. Als Leser hat man sofort einen lebendigen Eindruck von den einzelnen, heruntergekommenen und dennoch atmosphärischen Räumen der Villa, von dem verzauberten, verwilderten Garten mit Seerosenteich und von dem ruhigen, verträumten Hafenstädtchen Sandfern.
Die Atmosphäre ist also alles in allem sehr stimmig und tatsächlich so verträumt und mystisch, wie ich es mir erhofft hatte.

Leider wird dieser wirklich sehr gut herausgearbeitete Aspekt von vielen, meiner Meinung nach negativen, Aspekten überschattet. Da sind zum einen die Charaktere. Zu keiner Zeit erlangt man einen wirklich tiefen Einblick in deren Gefühlsleben. Zu schnell driften die Charaktere ins Oberflächliche und Seichte ab. Ein Beispiel hierfür ist die Tatsache, dass Ella Gabriels Charme einfach viel zu leicht erliegt. Sie kennt diesen Mann kaum ein paar Wochen und glaubt, sich schon in ihn Verliebt zu haben. Die Gefühle, die sie hierbei für ihn hat, werden ziemlich klischeehaft und mit gängigen Redewendungen beschrieben, sodass man nicht wirklich den Eindruck hat, sich in Ella hineinversetzen und ihre Gefühle wirklich verstehen zu können.
Außerdem wirken die einzelnen Personen wenig glaubhaft. Jede einzele Person verkörperte den einen oder anderen Stereotypen. Ella war die liebenswerte, aber naive, kumpelhafte junge Frau. Sie ist stark und zeigt kaum Schwächen und, der für mich am schlimmsten zu ertragende Aspekt: Jeder liebt sie! Wie soll man sich als Leser mit einem Mädchen identifizieren, dass von jedem geliebt wird und dass immer das richtig sagt und tut. So viel Perfektionismus ist wirklich schwer zu ertragen!
Und dann kommt Gabriel. Wie oft muss man als Leser eigentlich lesen müssen, wie gut er aussieht? Ich würde meinen es sollte reichen, diesen Aspekt einmal zu erwähnen. Und ja, nach dem xten Mal weiß man dann auch, dass er extrem ausgebildete Muskeln hat. Kurz und bündig: Gabriel sieht eben einfach perfekt aus. Hat er dafür charakterliche Schwächen? Mal davon abgesehen, dass er durch seine Gabe auf bestimmte Dinge angewiesen ist und daher einige Dinge tut, die man ansonsten verwerflich finden würde: NEIN!
Als Leser empfindet man diese Ideale als übertrieben und sie lassen einem keinen Spielraum für die eigene Identifikation.

Diese Oberflächlichkeit lässt sich leider auch an einem anderen Aspekt sehen: Sex. Ständig dreht sich alles um dieses eine Thema. Sex als "Bezahlung" für Wissen, welches Gabriel dringend braucht; Geschlechtsverkehr in den Träumen von Ella und Kimi; Kimis sexuelle Wünsche, Vorlieben, Verwirrtheit; Ellas Wunsch, mit Gabriel zu schlafen... Die Liste ließe sich noch weiterführen, aber ich glaube, ihr wisst, worauf ich hinauswill. "Traumsplitter" ist zum einen sicherlich kein Jugendroman und zum anderen wurde mit diesem Thema einfach maßlos übertrieben, ohne, dass dadurch irgendein bestimmtes Ziel verfolgt wurde.
Dann ist da noch die ganze Geschichte mit dem Inkubus und dem "Zersplittern" wenn Gabriel zu lange in fremden Träumen wandelt. Auch hier kriegt man meiner Meinung nach nicht genügend Erklärungen für all diese Dinge. Die Thematik wäre so spannend gewesen, hätte man den Roman mit einigen geschichtlichen Anekdoten zum Inkubus gefüllt oder wenigstens genauer erklärt, was es mit ihm und vorallem dem "Zersplittern" auf sich hat. Ich für meinen Teil fühlte mich ständig, als würde mir eine entscheidende, alles erklärende Hintergrundinformation fehlen.

Auf den Schluss möchte ich eigentlich schon gar nicht mehr eingehen, da ich ihn leider komplett misslungen finde. Auf einmal scheint alles so einfach zu sein. Wie das ganz überhaupt so einfach ging? Darauf weiß der Roman auch keine Antwort. Und wieder einmal werden Ellas Gefühle richtig schlecht beschreiben. Ella Verzweiflung und ihre Sehnsucht kommt gar nicht zum Ausdruck, als es schließlich doch noch zum Happy EndGabriel ihre Gefühle denn nicht?!
Alles in allem war mir der Roman in jeglicher Hinsicht viel zu oberflächlich und seicht. Selten habe ich einen Roman gelesen, der so wenig in die Tiefe geht, weder hinsichtlich der Charaktere noch hinsichtlich der Thematik an sich. Die zwei Sterne, die ich "Traumsplitter" dennoch gebe, beruhen lediglich auf der Atmosphäre, die die Beschreibung der Umgebung verursacht.
Wer einfach abschalten möchte, der kann "Traumsplitter" sicherlich ganz gut einfach runterlesen, aber im Gedächtnis wir der Roman sicherlich nicht bleiben.
Ich habe ihn nach dem Lesen tatsächlich verärgert und kopfschüttelnd zugeklappt!


Ich bin ein Mörder: Ein Frankfurt-Krimi
Ich bin ein Mörder: Ein Frankfurt-Krimi
von Brigitte Pons
  Broschiert

4.0 von 5 Sternen Ein Kriminalroman mit psychologischem Tiefgang, 18. Dezember 2011
Alexandra, eine Frankfurter Streifenpolizistin besucht zusammen mit ihrem Kollegen Mischa eine Lesung des Schriftstellers Tobias Stockmann auf der Frankfurter Buchmesse. Das Publikum ist völlig von seiner Ausstrahlung und seinem Charisma fasziniert und hält Stockmann lediglich für einen genialen Autor, als dieser behauptet, ein Mörder zu sein, und all die Morde, über die er so detailliert schreibt, selbst begannen zu haben. Auch Alexandra verfällt Stockmanns Charme und ist mehr als nur angenehm überrascht, als dieser sich mit ihr verabreden will.
Als beide sich näher kommen, wundert sich Alexandra allerdings schon, wieso er auch privat nicht mit seiner Show aufhört. Seine Behauptung, ein Mörder zu sein, ist ein wahnsinnig guter PR-Gag, aber wieso kann er nicht einfach zugeben, dass es nicht mehr als das ist? Und wieso gönnen Alexandra Kollegen ihr ihr neu gefundenes Glück nicht? Allen voran Mischa, der Stockmann schon von der ersten Sekunde an nicht leiden konnte. Und dann geschieht ein Mord. Zu genau den selben Umständen und an genau dem selben Ort wie in Stockmanns Roman. Alles nur Zufall? Oder ist Stockmann am Ende doch ein Mörder?

Seit langem habe ich mich nun mal wieder an einen Krimi herangewagt, da ich die Thematik unglaublich spannend fand. Ein Schriftsteller, der behauptet, die Morde, über die er schreibt, selbst begangen zu haben? Das klingt nach einem spannenden und neuartigen Leseerlebnis, dachte ich und habe mich sogleich mit Begeisterung in den Kriminalroman gestürzt. Und ich wurde keines Falls enttäuscht. Der Roman hält, was er verspricht: eine nervenaufreibende Kriminalgeschichte, spannende Ermittlungen, Liebe, tiefgründige Charaktere, witzige und intelligente Dialoge und einen Hauch von psychologischem Tiefgang.

Zur Kriminalgeschichte und den Ermittlungen muss ich sagen, dass sie wirklich sehr raffiniert eingefädelt wurden. Zu Beginn des Romans wird der Hauptaugenmerk auf die Charaktere gelegt. Natürlich muss man diese eben erst einmal kennen lernen, bevor man sich mitten ins Geschehen stürzen kann. Doch schon bald nimmt die Geschichte Fahrt auf. Seltsame Ereignisse geschehen und Stockmann gerät mehr und mehr in den Mittelpunkt der Ermittlungen. Mit voranschreitender Handlung geraten die Ermittlungen immer mehr ins Rollen, bis sie dann zum Ende hin in einem explosionsartigen Höhepunkt enden, den so wohl niemand erwartet hätte. Grauenvoll, gut durchdacht und alles erklärend. Auch wenn ich mir am Ende ein paar Seiten mehr zu Aufklärung gewünscht hätte, wurde doch alles gesagt und man kann mit dem Ausgang hoch zufrieden sein.

Über die Charaktere bin ich geteilter Meinung. Mischa war für mich der absolute Sympathieträger. Er ist ein wundervoller Mann, der zu seinen Gefühlen steht und absolut loyal ist. Für Alexandra würde er durchs Feuer gehen und vermutlich noch viel viel mehr tun. Er steht immer zu seinen Freunden und verteidigt sie, wo es nur geht. Außerdem ist er ein Mann, den viele unterschätzen. Denn hinter seinem kräftigen Körper verbirgt sich ein intelligenter und abwägender Kern. Er tut nichts Unüberlegtes und weiß in jeder Situation Rat.
Mit Alexandra hingegen konnte ich nie wirklich warm werden. Sie war mir zu impulsiv und achtete meiner Meinung nach zu wenig auf die Gefühle der Mitmenschen. So schläft sie beispielsweise mit einem verheirateten Familienvater, einfach nur, weil sie Lust darauf hat. Nicht etwa, weil Gefühle im Spiel wären, dann könnte man es ja wenigstens noch einigermaßen verstehen, sondern eben einfach so aus einer Laune heraus. Außerdem wirkte ihr Verhalten auf mich teilweise richtig kindisch und unüberlegt. Wirklich sympathisch wurde sie mir während des Lesens leider nie. Die Szenen aus Mischas Sicht haben allerdings einiges wieder gut gemacht ;)!

Am Beeindruckendsten jedoch war, wie gekonnte die Autorin die psychologischen Aspekte mit in den Krimi verwoben hat. Stockmann ist in dieser Hinsicht ein unglaublich spannender Charakter, der viel Platz für tiefenpsychologische Analysen lässt. Und diesen Platz nutzt Brigitte Pons geschickte aus, indem sie ihn mit allerlei interessanten Ansätzen über Stockmanns Kindheit, seine Schulfreunde und seine Entwicklung zu dem Mann, der aus ihm geworden ist, füllt. Am Ende erweist sich sein Charakter als insgesamt schlüssig, da Frau Pons seine Taten alle durch Ereignisse in seiner Vergangenheit erklären kann und seinen Werdegang, bzw. wie er zu seinem seltsam kranken Charakter kam, gut durchleuchtet und detaillierte Ansätze zur psychologischen Sichtweise dieses Mannes liefert.

Alles in allem gebe ich "Ich bin ein Mörder" 4 Sterne. Einen Abzug gibt es leider wegen Alexandras Charakter, der mir wirklich gar nicht zugesagt hat und mich mehrere Male sogar richtig ärgerlich stimmte. Ansonsten ist dieser Kriminalroman allerdings ein überaus gelungenes Werk, dass es sich allemal zu lesen lohnt. Wer also gerne Krimis liest, die sich nicht nur stumpfsinnig mit den Ermittlungen in Mordfällen auseinandersetzen, sondern eine tiefe Einsicht in das psychologische Profil der Menschen liefern, der sollte sich den Roman wirklich nicht entgehen lassen.


Weiße Nana: Mein Leben für Afrika
Weiße Nana: Mein Leben für Afrika
von Bettina Landgrafe
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unglaublich eindrucksvoll!, 6. Dezember 2011
»Immer wieder werde ich gefragt, warum ich mein Leben den Menschen in Afrika widme. Man muss ihnen nur einmal in die Augen sehen ' das ist es, was ich darauf antworte.«
Kinderarbeit, Menschenhandel, Hygieneverhältnisse, die bei uns einem Alptraum gleichen, hochschwangere Frauen, die von medizinischer Versorgung nur träumen können, und Leprakranke, die von ihren Familien verstoßen werden. Als die deutsche Kinderkrankenschwester Bettina Landgrafe zum ersten Mal nach Ghana kam, ließ sie das Schicksal der Menschen dort nicht mehr los. Sie nahm sich vor, etwas gegen die Missstände zu unternehmen und nicht, wie die meisten anderen einfach tatenlos zu zusehen. Bettina entschloss sich für ein Leben, zwischen zwei Ländern. Auf der einen Seite: Deutschland, mit ihren Verwandten und Freunden. Auf der anderen Seite: Ghana, mit Menschen, die viel mehr als nur Freunde für sie geworden sind. Für Bettina Landgrafe war klar: Die Ghanaer werden sie so schnell nicht mehr los! Ghana wurde für sie zur zweiten Heimat ' und sie selbst zur Weißen Nana, einer Königin der Ashanti.

Erst einmal möchte ich meinen imaginären Hut vor dieser Frau ziehen! Ihre Entschlossenheit ist einfach bewundernswert. Immerwieder spricht sie selbst davon, dass viele mit denen sie in Deutschland über ihr Projekt "Madamfo Ghana" sprach, meinten, was sie tue sei doch "nur ein Tropfen auf dem heißen Stein". Doch davon ließ sich Bettina nicht einschüchtern. Sie kämpft immer weiter für das Wohl der Ghanaer.
Dennoch blieb mir dieses Zitat wahrscheinlich am besten im Kopf. Denn ich finde, dass ist es, was viele hier in Deutschland tatsächlich denken, mich teilweise miteingeschlossen! Dabei bedenkt man gar nicht, was dieser Tropfen für die Menschen bedeutet. Das das heißen könnte, zum ersten Mal laufen zu können, nicht an Lepra zu sterben, aus der Kinderarbeit befreit zu werden... .
Und genau das schafft Bettina Landgrafe zu ändern! Durch ihr Buch öffnet sie ihren Lesern die Augen dafür, wie groß und bedeutend etwas, was wir als "Kleinigkeit" bezeichnen würden, in den Augen der Menschen ist, denen man dadurch zu einem besseren Leben verhilft!

Den Aufbau des Buches finde ich ganz besonders gelungen. Es handelt sich hierbei nämlich nicht um eine strukturlose und trockene Beschreibung ihrer Tätigkeiten bzw. ihres Vereins, sondern um eine chronologische Aufzählung der Ereignisse, die Bettina Landgrafe dazu bewegt haben, Madamfo Ghana zu gründen und ihr Leben Afrika zu widmen. Es handelt sich bei diesen Ereignissen allerdings nicht ausschließlich um besonders grausame oder bewegende Ereignisse, sonder vielmehr um solche, von denen man merkt, dass die Frau Landgrafe besonders im Gedächtnis geblieben sind. So schildert sie nicht nur, wie sie eines Tages zu einem Mann kam, der einsam und verlassen auf eine Mauer saß, verstoßen von seiner Familie, und dessen Bein vollkommen verfault war, sondern auch von dem Moment, in dem sie einem der ältesten und ehrwürdigsten Männern des Dorfes begegnet.
Diese Aufmachung finde ich besonders eindrucksvoll, da man hierdurch sehr gut nachvollziehen kann, wieso sich Bettina Landgrafe in diese Land und vorallem in seine Einwohner verliebt hat.

Zudem werden diese für Frau Landgrafe so tief prägenden Ereignisse nicht etwa einfach erzählt, sondern durch ihre Art zu beschreiben mit Leben gefüllt. Ihre Gefühle werden durch ihren Schreibstil so klar deutlich, dass die Ereignisse auf mich als Leser noch eindrucksvoller wirkten. Als Leser hat man ein klares Bild von der Situation und der Landschaft Ghanas vor Augen und muss sich gar nicht erst fragen, wie sich Bettina wohl in diesem und jenem Augenblick gefühlt haben mochte, da man alles automatisch am eigenen Leibe mitfühlt.

Nun muss ich allerdings sagen, dass Frau Landgrafe natürlich von Beruf keine Schriftstellerin ist und das merkt man auch! So eindrucksvoll und emotional sie auch schildern mag, ihr Schreibstil hat mir an manchen Stellen dennoch gar nicht gefallen. Es werden unglaublich viele Floskeln und Redewendungen eingebracht, die den Text wohl auflockern sollen, ihn aber leider ganz im Gegenteil eher hölzern erscheinen lassen. Dadurch verliert das Buch ein wenig an seiner Echtheit. Außerdem wiederholen sich einige Aussagen immer und immer wieder. Leider wirkte das auf mich nicht, wie vermutlich gewünscht, besonders einprägsam sonder eher nervig. Nachdem man zum sechsten Mal gelesen hat, dass Bettina auf die Menschen dort wie eine "Erscheinung" gewirkt haben muss, hat man es dann langsam auch verstanden!

Allerdings geht es hier ja auch gar nicht darum, dass Bettina Landgrafe ihr schriftstellerisches Können zur Schau stellen möchte! Mit diesem Buch verfolgte sie ganz andere Ziele. Die Menschen wachrütteln, Klischees aufdecken, den Lesern die teilweise auswegslose Lage der Ghanaer vor Augen führen und ihnen trotzdem Mut machen, etwas gegen diese Missstände zu unternehmen, da schon die kleinste Geste Leben retten kann. Und das gelingt ihr hervorragend! Daher möchte ich den Schreibstil gar nicht zu sehr in meine Beurteilung miteinfließen lassen.

Trotz des Schreibstils, der meine Meinung nach teilweise tatsächlich gar nicht gelungen ist, gebe ich dem Buch 4,5 Sterne. Denn was Bettina da in Ghana leistet ist einfach unglaublich. Genauso unglaublich ist, wie sie diese Ereignisse in dem Buch niederschreibt. Wenn auch manchmal etwas hölzern, dafür aber umso eindrücklicher und emotionaler! Dieses Buch wird mich noch sehr lange im Gedächtnis bleiben, das es mich wirklich tief bewegt und meine Einstellung, vorallem was den "Tropfen auf den heißen Stein" angeht, grundlegend geändert hat!


Das Mädchen mit dem zweiten Gesicht
Das Mädchen mit dem zweiten Gesicht
von Claudia Ziegler
  Gebundene Ausgabe

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mehr als "nur" ein historischer Roman, 4. Dezember 2011
Frankreich 1567: Ein neuer Krieg zwischen Protestanten und Katholiken steht in einem großen Teil Europas bevor. Die Stimmung der Bevölkerung ist aufgepeitscht, Angst breitet sich aus und Vertrauen und Nächstenliebe wird den Menschen sehr bald fremd.
Mitten in diesem blutigen Konflikt befindet sich die 19-jährige Madeleine. Vor Jahren ist sie mir ihrer Mutter nach dem Tod ihres Vaters aus Gründen, die sie nie erfahren hat, aus Deutschland nach Frankreich getürmt. Doch nicht nur die Tatsache, dass sie für die Franzosen als "Ausländerin" gilt, erschwert Madeleines Leben. Denn sie hat die Gabe, die Zukunft zu sehen! Von ihrer Mutter eingeschärft bekommen, niemals auch nur ein Wort über diese Gabe zu verlieren, spricht Madeleine mit niemandem darüber. Sie lebt in ständiger Furcht, ihr Geheimnis könnte aufgedeckt und sie als Hexe verbrannt werden. Doch es kommt anders: Während eines Botengangs, für das Kloster, indem sie nach dem Tode ihrer Mutter lebt, trifft Madeleine auf zwei Hugenottenführer und sieht einen blutigen Anschlag auf beide vorher. Sie warnt sie und begibt sich dabei in allergrößte Gefahr. Den in den Augen der Katholiken, hätten beide sterben müssen.
Madeleine findet bei den Hugenotten, Unterschlupf, doch es gelingt den Katholiken, sie gefangen zu nehmen und zu foltern. Ausgerechnet Catherine de Medici, die Königinmutter, befreit sie aus dem Kerker. Denn sie hat einen ganz besonderen Auftragt für Madeleine. Um diesen auszuführen, muss sie nicht nur die Protestanten, die sie so liebevoll aufgenommen haben verraten, sondern allen voran Nikolas de Vardes, den Mann, in den sie sich verliebt hat!

Da mich der Glaubenskrieg zwischen Katholiken und Protestanten nun schon seit geraumer Zeit brennend interessiert, hatte ich hohe Erwartungen an "Das Mädchen mit dem zweiten Gesicht". Ich versprach mir eine gut recherchierte Handlung, die von der ersten bis zur letzten Seite spannend ist und mich in die Welt des 16. Jahrhunderts entführt. Zusammen mit der Liebesgeschichte zwischen Madeleine und Nikolas konnte eigentlich nichts mehr schief gehen, dachte ich. Was soll ich sagen? Ich wurde nicht enttäuscht! Im Gegenteil: Der Roman hat meine Erwartungen sogar noch übertroffen!

Der Einstieg in den Roman fiel mir sehr leicht. Die bildhafte Darstellung der Gedanken und Gefühle Madeleines lies die Geschichte vor meinen Augen lebendig werden und ich konnte mich voll und ganz in ihrer Welt fallen lassen. Nicht zu letzt lag das auch an dem Schreibstil der Autorin allgemein. Dieser ist unheimlich dicht und trumpft durch ein hohes Erzähltempo auf. Dennoch macht die Sprache den Eindruck, als könne sie der, der damaligen Zeit durchaus gerecht werden. Allerdings wirkt sie nicht altertümlich und hält den Lesefluss daher in keinster Weise auf.

Ich war ziemlich überrascht, dass der Roman so viel Spannung aufweisen konnte. Ein aufregendes Ereignis jagte das andere. Zu keinem Zeitpunkt empfand ich Passagen des Roman als langatmig oder gar unnötig. Neben diesen spannenden Elementen, die nicht minder oft einen bedeutsamen Wendepunkt in Madeleines Schicksal darstellen, kommen auch die romantischen und zärtlichen Aspekte der Geschichte nicht zu kurz. Die Liebesgeschichte zwischen Nikolas und Madeleine entspinnt sich ganz zart, sodass man die Gefühle der beiden, sie sie für einander hegen wunderbar nachempfinden kann. Die Liebesszenen zwischen den beiden werden sehr gefühlvoll und umsichtig beschrieben, sodass man vorallem Nikolas mit der Zeit immer mehr ins Herz schließt.

Dennoch muss ich sagen, dass alle Charaktere des Romans sehr tiefgründig sind. Vorallem natürlich Madeleine, denn über ihren familiären Hintergrund erfährt man im Laufe der Geschichte so einiges. Sie wirkt zu keinem Zeitpunkt oberflächlich, da man ihr Handeln meist sehr gut nachempfinden kann und ihre Persönlichkeit nicht seicht oder oberflächlich bleibt. Dadurch, dass einige Kapitel auch aus Nikolas Sicht geschrieben sind, wird auch er für den Leser immer greifbarer und dadurch sympathischer. Selbst die Nebencharaktere erschienen mir, dank der detaillierten Beschreibung, sehr farbenfroh und keinesfalls oberflächlich. Ein großes Kompliment an die Autorin. Dadurch wurde der Roman nämlich richtig authentisch.

Authentisch geschildert waren auch die "Visionen" von Madeleine. Sie wirkten nicht übertrieben und nahmen auch nicht allzu viel Platz im Roman ein. Natürlich bilden sie trotzdem Schlüsselereignisse des Romans und waren maßgeblich an dem Verlauf der Handlung beteiligt. Sie lassen den Roman allerdings nicht unecht wirken.

Besonders eindrucksvoll sind auch die Schilderungen der Gewaltszenen. Diese sind zwar nicht allzu makaber, dennoch haben sie bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen, da die Athmosphäre in diesen Szenen ganz besonders dicht und greifbar wirkte. Als Leser fühlte ich mich wie mitten ins Geschehen hineingezogen.

Positiv in Erinnerung geblieben ist mir auch die gute Recherche. Durch die Verweise im Nachwort wird diese umso deutlicher. Denn dort finden wissbegierige Leser viele Hintergrundinformationen zu damaligen Zeit. Außerdem wird auch deutlich, inwiefern der Roman auf wahren Begebenheiten beruht. Natürlich sind nicht alle Geschehnisse historisch fundiert (allen voran Madeleines Visionen) allerdings basiert der Roman ansonsten sehr stark auf historischen Tatsachen.

Abschließend kann ich nur sagen, dass ich diesen Roman jedem empfehlen kann, auch wenn er sich nicht wirklich für den Glaubenskrieg interessiert. Denn "Das Mädchen mit dem zweiten Gesicht" hat so viel mehr zu bieten als knallharte historische Fakten. Wer zudem allerdings auch noch Interesse an den Geschehnissen der Bartholomäusnacht hat, der darf sich diesen Roman keinesfalls entgehen lassen!
Von mir gibt es daher ganz klar 5 Sterne. Ich werde mich zudem auch nach weiteren Romanen der Autorin umsehen, da mich der Schreibstil wirklich begeistert hat.


Anatomie einer Affäre: Roman
Anatomie einer Affäre: Roman
von Anne Enright
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Nüchtern, trostlos, kalt..., 2. Dezember 2011
Das sind die drei Adjektive mit denen sich Anne Enrights Roman "Anatomie einer Affäre" meiner Meinung nach am Besten beschreiben lassen.
Die Geschichte ist schnell erzählt:
Gina ist zwar verheiratete, in ihrer Ehe aber recht unzufriedene und unglücklich. Denn der Alltag hat sich in die Beziehung eingeschlichen. Auf einer Gartenparty ihrer Schwester wechselt sie einen kurzen Blick mit dem Familienvater Séan. Mehr nicht! Doch schon ist der Grundstein zu einer aufregenden Affäre gelegt. Mit der Zeit sehen sie sich immer öfter. Anfangs nur im Freundeskreis oder geschäftlich. Doch daraus wird rasch mehr und schon bald landen beide immer und immer wieder in ein und demselben Bett.
Die Sache gestaltet sich jedoch als schwieriger, als ursprünglich geplant. Schließlich gibt es da ja auch noch ein Kind in Séans Leben.
Zudem schleicht mit voranschreitender Zeit der Alltag immer mehr in die Beziehung zwischen Gina und Séan ein. Und was soll man bitte tun, wenn selbst eine Affäre alltäglich wird?

Wer sich nun fragt, wieso diese Inhaltsangabe ganz untypischer Weise so kurz ausgefallen ist, dem soll gesagt sein, dass es meiner Meinung nach einfach nicht mehr zur Geschichte zu sagen gibt. Um ehrlich zu sein, passiert während des ganzen Romans eigentlich nichts. Klar, hier und da mal ein Streit, ein Todesfall usw. jedoch wurden diese Ereignisse, die den Roman eigentlich hätten spannend machen KÖNNEN, sehr schnell wieder abgetan, als sei nichts gewesen. Sie werden einfach beschrieben, ohne wirklich auf die Emotionen der Beteiligten einzugehen. Und was bitteschön soll das für ein Roman sein, wenn man nicht mal mir den Hauptpersonen mitfühlen kann, da gar nicht wirklich zum Ausdruck gebracht wird, WAS sie fühlen? Jedenfalls ging es mir beim Lesen so, dass ich mir dachte, jetzt wird zwar erklärt, wie sich Gina gerade fühlt, die Gefühle werden aber durch ihr Handeln oder ihre Gedanken einfach nicht deutlich. Sie werden erwähnt und dann einfach im Raum stehen gelassen.

Aber nun zurück zur Frage, wie es bitte sein kann, dass eine Affäre zu etwas Alltäglichem wird. Genau das ist nämlich die Frage, die ich mir stellte, nachdem ich die Inhaltsangabe zu diesem Roman gelesen habe. Wie kann es denn sein, dass sich in etwas so Leidenschaftliches wie eine Affäre der Alltag einschleicht? Und sind Affären nicht meist so kurzlebig, dass so etwas gar nicht möglich ist?
Nun scheint in der Affäre von Gina und Séan allerdings irgendwie alles möglich zu sein. Ihre Beziehung ist unglaublich schwer greifbar. Als Leser kann man sie einfach nicht richtig einordnen. Man kann nicht so recht entscheiden, ob sich beide nun wirklich lieben, oder nicht, da die Gefühle der Protagonisten in diesem Roman ganz schön auf der Strecke bleiben. Mir ist der Erzählstil einfach viel zu nüchtern. Ich habe mich so auf Gefühle gefreut, auf einen Roman, der mich tief berührt und bei dem ich mal wieder so richtig mitfühlen kann. Die Thematik bietet ja auch eine gute Grundlage für genau so eine Story, aber leider wurde ich wirklich enttäuscht. Vorallem für Séan habe ich eine starke Antipathie entwickelt. Er zeigt einfach gar keine Gefühlsregung. Er kam mir sehr feige vor, da er sich nicht für oder gegen Gina entscheiden kann, sondern seine Tochter immer als Ausrede vorschiebt.

Jetzt könnte man natürlich denken, dass die Affäre daher wenigstens von allen Seiten beleuchtet wird und mit sehr viel Tiefgang an die Sache herangegangen wird, wenn die Autorin schon nicht auf die Gefühle eingeht. Dem ist leider auch nicht so. Mir war der Roman definitiv zu oberflächlich. Fragen wie, wieso Gina die Affäre überhaupt eingegangen ist, oder wieso sie sich nicht daraus befreit, werden nicht angesprochen. Die Sachen passieren eben. Wieso? Das wird Ihnen der Roman auch nicht beantworten können!

Alles in allem waren mir die Charaktere zu kalt und gefühllos, die Atmosphäre und die Stimmung, die sich während des Lesens in mir breit machte, zu trostlos und der Schreibstil einfach zu nüchtern.
Mir hat der Roman leider gar nicht gefallen, obwohl ich mit sehr viel Freude und Erwartungen an die Geschichte heran gegangen bin.
Der Roman machte eher den Anschein, ein Sachbuch zu sein, bei dem es tatsächlich nur um diese eine spezielle Affäre geht. Ein schöner Roman sieht für mich jedenfalls anders aus.
Leider gibt es von mir daher nicht mehr als 2 Sterne!


Der Henker von Lemgo (Historischer Kriminalroman)
Der Henker von Lemgo (Historischer Kriminalroman)
von Bettina Szrama
  Taschenbuch

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Erschütternde Darstellung einer unvorstellbaren Willkür, 27. November 2011
Maria, die Tochter des reichen Dechen und Ratsherren in Lemgo, Cordt Rampendahl, wird als Einzige von achtzehn Schülern verschont, als ihr Lehrer als Hexer verbrannt und ihre Mitschüler fortgeschickt werden. Doch seitdem folgt Maria der Ruf als Hexe und die meisten Bewohner des Dorfes meiden sie und ihre Familie.
Zu allem Unglück verliebt sich Maria auch noch in den Henker des Dorfes, David. Dieser ist jedoch um einiges älter als sie, verheiratet, Familienvater und verantwortlich für den Tod zahlreicher unschuldiger Männer und Frauen.
Nachdem Maria für einige Morde in der Dorfgemeinschaft verantwortlich gemacht wird, liegt ihr Schicksal in den Händen des Bürgermeisters und unerbittlichen Hexenverfolger Hermann Cothmann. Dieser bietet ihr an, sie zu verschonen, wenn sie ihm, wann immer er Lust auf sie hat, zu willen ist. Doch Marias weist ihn zurück und verweigert sich ihm. Damit sollte ihr Tod durch den Scheiterhaufen eigentlich feststehen, doch was passiert, wenn der Henker, in Liebe entbrannt, nicht willens ist, seinen Beruf auszuführen? Ein Kampf um Leben und Liebe beginnt...

Mehr möchte ich zum Inhalt des Romans auf keinen Fall sagen, da ich finde, dass der Geschichte dadurch einfach zu viel vorweg genommen werden würde. Daher empfehle ich euch, falls ihr den Roman lesen möchtet, das Personenverzeichnis gleich zu Beginn des Buches nicht zu lesen. Die Beschreibungen, die in diesem Verzeichnis zu den einzelnen Personen verfasst worden sind, geben meiner Meinung nach schon viel zu viel von der Geschichte preis!

Über die Geschichte an sich muss ich allerdings sagen, dass sie mir unglaublich gut gefallen hat. Zum einen überzeugt mich die Recherche, die Bettina Szrama betrieben hat, um diesen Roman zu verfassen, sehr. Als Leser fühlt man sich mitten in das Geschehen hineingezogen und kann sich nur allzu gut vorstellen, dass die Grausamkeiten, die die Autorin schildert, sich genauso zugetragen haben könnten. Aber nicht nur die fortwährenden Ermordungen werden äußerst authentisch beschrieben, sondern auch die Persönlichkeiten der Protagonisten. Man erfährt sehr viel über die Vergangenheit eines Jeden, was ich persönlich immer sehr wichtig finde, um zu verhindern, dass die Charaktere ins Oberflächliche oder Seichte abdriften. Sogar Nebencharaktere wie Marias Mutter oder Maria Vieregge werden sehr detailliert beschrieben, so dass sie vor dem inneren Auge des Leser lebendig werden.

Desweiteren haben mir vorallem die Beschreibungen der Emotionen der einzelnen Charaktere sehr gut gefallen. Ich habe es mir äußerst schwierig vorgestellt, einen Henker, der tagtäglich viele unschuldige Menschenleben beendet, als Sympathieträger darzustellen. Doch Frau Szrama gelingt dies, indem sie David unglaublich menschlich und fehlerhaft erscheinen lässt. In meinen Augen ist David zwar skrupellos und kaltherzig, wenn er Menschen tötet, von denen er weiß, dass sie unschuldig sind, allerdings wird bald deutlich, dass er ebenso zu aufrichtigen und tiefen Gefühlen fähig ist, wie andere Menschen. Er ist genauso in der Lage, Liebe zu empfinden, sich seine Fehler einzugestehen und Reue zu verspüren.
Diese Art und Weise, die einzelnen Charaktere lebendig und vorallem tiefgründig und dadurch authentisch darzustellen, ist eine Kunst, die nicht viele Autoren beherrschen. Bettina Szrama allerdings schon!

Generell wirkte das Werk auf mich sehr echt und real. Dies bewirkte vorallem der Schreibstil. Dieser scheint der damaligen Zeit unglaublich gut zu entsprechen. Die Sprache wirkt tatsächlich altertümlich, ohne den Lesefluss zu beeinträchtigen. Auch die Schilderungen der einzelnen Geschehnisse werden sehr authentisch dargestellt. So wird nicht beschönigt oder nichtig geredet. Außerdem wird die Mächtekonstellation der damaligen Zeit gut hervorgehoben. Wer Geld hat, hat Macht. Teilweise ist es hier sogar egal, ob sich einst eine Hexe oder ein Hexer in der Familie befand.
Sehr gut von der Autorin herausgearbeitet ist auch die Tatsache, dass Menschen damals beinahe willkürlich der Hexerei beschuldigt werden konnten, nur weil jemand anderes eifersüchtig auf sie war oder sie schlichtweg nicht leiden konnte.

Das einzige was mich ein wenig verwirrt hat, ist, dass ich einige Handlungen und Taten der Protagonisten nicht wirklich nachvollziehen konnte. Da ist zum einen die Tatsache, dass Maria sich in den Henker David verliebt. Ich finde es äußerst fragwürdig, dass sich ein junges Mädchen, damals gerade knapp über zehn Jahre alt, in einen viel älteren Mann verliebt, der noch dazu täglich Menschen tötet. Ich denke, dass ein junges Mädchen vor so einem Mann wohl eher Angst hätte, als zu ihm aufzuschauen und ihn anzuhimmeln! Aber gut, wo die Liebe hinfällt...
Im Verlauf der Geschichte gibt es noch einige Taten, die sich mir nicht ganz erschließen, aber auf diese gehe ich jetzt nicht näher ein, da ich so zu viel von dem Roman preisgeben würde.
Teilweise hat der Roman auch einige Längen, in denen nicht wirklich etwas passiert und die in meinen Augen nur aus Lückenfüller dienten, ansonten konnte die Spannung allerdings sehr gut aufrecht erhalten werden.

Alles in allem ist "Der Henker vom Lemgo" mal wieder ein überaus gelungener historischer Roman, der durch Authentizität und tiefgründige Charaktere besticht! Trotz einiger Dinge, die ich ein wenig fragwürdig finde, ist der Roman in meinen Augen dennoch sehr echt und realistisch. Daher vergebe ich an dieser Stelle vier Sterne für einen gut recherchierten Roman, den ich jedem empfehlen kann, der gerne historische Romane liest, die nicht nur der reinen Unterhaltung diesen, sondern auch nachdenklich stimmen, in dem sie den Leser auf die unmöglichen Lebensbedingungen einer anderen Zeit hinweisen.


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