find Hier klicken Sonderangebote PR CR0917 Cloud Drive Photos Alles für die Schule Learn More TDZ HI_PROJECT Mehr dazu Hier Klicken Shop Kindle AmazonMusicUnlimitedEcho AmazonMusicUnlimited Fußball longss17
Profil für Yorick Ruthenus > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Yorick Ruthenus
Top-Rezensenten Rang: 3.352
Hilfreiche Bewertungen: 917

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Yorick Ruthenus "Tristram Shandy"

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9
pixel
Die Urgeschichte Europas (marixwissen)
Die Urgeschichte Europas (marixwissen)
von Reinhard Pohanka
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 6,00

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Für eine wirkliche Einführung fehlen die nonverbalen Hilfen ..., 21. Juli 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ein schöner Überblick auch für alte Hasen wie mich und auch nicht nur schlecht geschrieben. Für Jungstudenten und auch Gymnasiasten wäre dieses Buch tatsächlich als Einstieg ins Fachgebiet geeignet, wenn nicht drei Aspekte zu bemängeln wären:

1. Die Redundanz: Bei einem Buch so geringen Umfangs über eine Zeitspanne von fast einer Million Jahren fällt es mir schwer einzusehen, warum so oft die gleichen Informationen ein paar Absätze später wiederholt werden.
2. Es fehlen Übersichtskarten! Diese müssten nicht detailliert sein, aber zumindest dem Laien eine Orientierung bieten innerhalb Europas.
3. Es fehlen Bilder mit typischen Fundstücken. Die müssen nicht aufwendig sein, da reicht schwarz-weiß, aber ohne ist keine plastische Vorstellung möglich.

Natürlich werden viele mit Blick auf den unverschämt niedrigen Preis von 6 Euro sagen, da könne man nicht mehr erwarten und ich sehe dieses Argument durchaus ein. Aber ich glaube, der Leser würde auch 9,50 Euro oder 11,90 Euro zahlen; wenn man ihm ein paar mehr Handreichungen böte.


Finis Germania (Kaplaken)
Finis Germania (Kaplaken)
von Rolf Peter Sieferle
  Gebundene Ausgabe

150 von 167 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kluges Kleinod ... zum Tode verurteilt ..., 13. Juni 2017
Rezension bezieht sich auf: Finis Germania (Kaplaken) (Gebundene Ausgabe)
Es war zu befürchten: Kluge Zeitkritik, nüchtern und ehrlich, kritisch und provokant, stilistisch brilliant und überhaupt denkerisch und literarisch weit über dem Durchschnitt. Das konnte nicht gutgehen und so haben wir den üblichen medialen Verriss. Der Kulturredakteur des Magazins „Der Spiegel“ Johannes Saltzwedel hatte das Buch auf die Sachbuch-Empfehlungsliste von NDR und „Süddeutscher Zeitung“ gesetzt und sofort gab es Theater. Wer wie die FAZ das vorliegende Buch als rechtsradikalen Hundertseiter abtut, desavouiert sich selbst. Man muss nicht jede Meinung teilen, aber im Ganzen hat Saltzwedel Recht, wenn er meint, er habe „bewusst ein sehr provokantes Buch der Geschichts- und Gegenwartsdeutung zur Diskussion bringen“ wollen, denn Sieferles Aufzeichnungen seien „die eines final Erbitterten, gewollt riskant formuliert in aphoristischer Zuspitzung. Man möchte über jeden Satz mit dem Autor diskutieren, so dicht und wütend schreibt er.“ Eben: Darüber sprechen und nachdenken; nicht aussondern und stigmatisieren. Aber das ist ein frommer Wunsch ...

P.S. Hier empfehle ich nachdrücklich die Rezensionen der Herren Dienstbier und Bosselmann.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 13, 2017 9:39 AM MEST


Das Meer am Morgen - Zweitausendeins Edition Deutscher Film 1/2011
Das Meer am Morgen - Zweitausendeins Edition Deutscher Film 1/2011
DVD ~ Ulrich Matthes
Wird angeboten von Syndikat Buchdienst
Preis: EUR 9,90

2.0 von 5 Sternen Wichtiges Thema, schwache Umsetzung ... schade ..., 10. Mai 2017
Zum historischen und ethischen Kontext vorab: Wir alle wissen, dass Kriege grausam sind und in ihnen meist Unschuldige sterben. Wir alle wissen aber auch, dass es Kriege seit Beginn der Menschheit gibt und sie auch jetzt trotz einmütiger Ächtung weltweit stattfinden und aller Voraussicht nach auch in Zukunft ausgefochten werden. Und in einem Krieg gelten ein paar Regeln, auch wenn sie zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich ausgelegt werden. Eine Gemeinsamkeit aller kriegführenden Parteien aber durch die Zeiten hinweg ist die konsequente Bekämpfung kriegerischer oder terroristischer Handlungen inoffizieller Einheiten, die im Rücken der Front oder, schlimmer noch, nach Beendigung des Krieges (mit Waffenstillstand oder Friedensvertrag) im sozusagen zivilen und nur vorübergehend militärisch administrierten Raum stattfinden. Die Wertung der Aktivitäten von Partisanen oder Franc-tireurs ist daher unglaublich schwierig und ethisch ambivalent.

Die meist vorgetragene These, der Besatzer müsse nun einmal solche Akte gewärtigen und habe sie selbst verschuldet durch seinen Krieg; klingt natürlich zunächst plausibel; aber rührt eben auch am Gesamtkonzept unserer Weltordnung. Und wenn wir genauer hinschauen, hätte man viel zu tun, um erst einmal zu entscheiden, welcher Krieg „gerecht“ oder „gerechtfertigt“ ist und welcher nicht und zwar im fernsten Damals wie im nächsten Heute: Sind demnach nicht auch die Anschläge der Einheimischen im Nahen und Ferneren Osten gegen beispielsweise US-amerikanische Truppen gerechtfertigt? Fakt ist, dass in den Zeiten bis 1945; als der Krieg wirklich noch als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln allgemein akzeptiert war, der heimtückische Mord an einem hohen Wehrmachtsoffizier und Chef der Militärverwaltung von der Führung nicht hingenommen werden konnte. Man stelle sich nur mal vor, jemand hätte den Chef der SMAD Schukow hinterrücks erschossen oder einen Chef der drei anderen alliierten Militärregierungen.

Die Haager Landkriegsordnung regelt zwar schon länger die „Militärische Gewalt auf besetztem feindlichen Gebiete“, die Passagen sind aber Auslegungssache: „Nachdem die gesetzmäßige Gewalt tatsächlich in die Hände des Besetzenden übergegangen ist, hat dieser alle von ihm abhängenden Vorkehrungen zu treffen, um nach Möglichkeit die öffentliche Ordnung und das öffentliche Leben wiederherzustellen und aufrechtzuerhalten, und zwar, soweit kein zwingendes Hindernis besteht, unter Beachtung der Landesgesetze.“ Repressalien gegen die Zivilbevölkerung bis hin zur Geiselerschießung gehörten dabei leider zum Kriegsgewohnheitsrecht aller Nationen; die Frage der jeweiligen Verhältnismäßigkeit wird sich immer nur im Einzelfall überprüfen und klären lassen, wie überhaupt der Grat zwischen Bandenbekämpfung und Barbarei sehr schmal ist, zumal bei der Wehrmacht an der Ostfront und auf dem Balkan im 2. Weltkrieg. Festzuhalten bleibt demnach für unseren Film hier, dass den drei Tätern und ihren Auftraggebern durchaus hätte klar sein sollen, dass für ihre Tat Unschuldige würden sterben müssen; und sie hätten sich erst recht stellen müssen, als die natürlich völlig überzogene Vergeltungsmaßnahme der deutschen Führung publik gemacht wurde.

Zum filmkünstlerischen Aspekt: Der Inhalt – viele vergessen das leider immer wieder – ist nur EIN Aspekt von dreien; denn erst die Einheit von Inhalt, Aufbau und Form macht das Kunstwerk, so schulmeisterlich das auch klingen mag. Natürlich gibt hier die brisante ethische Fragestellung viel her; das jahrhundertlang belastete deutsch-französische Verhältnis und wie stets der Blick auf das (grundlos) Böse in der Geschichte; überdies wird dem Film prinzipiell die sozusagen abendländisch-philosophische Dimension Schuld und Sühne eingebunden und durch die Perspektive des Schriftstellers und deutschen Offiziers Ernst Jünger auch noch Arthouse. Dennoch oder gerade deswegen ist der Film nicht einmal durchschnittlich, sondern tatsächlich eher als schlecht einzuschätzen, weil er als Filmkunst versagt. Das hat nichts oder wenig mit der Tat der drei Kommunisten von der Résistance zu tun, diese bringt die Handlung natürlich erst in Gang, aber es hat fast den Anschein, als habe der Regisseur Mühe, einen anderthalbstündigem Spielfilmen aus dem Material zu zimmern. Und das, obwohl Gelegenheit genug gewesen wäre, beispielsweise die Charaktere plastisch zu zeichnen und dem Zuschauer näher zu bringen. Sehr schön noch und fast ein wenig übertrieben zu Beginn die enthusiastischen idealischen Jünglinge im Lager, kaum der Schule entwachsen, schon viel Unbill erlitten und aber noch nie geküsst und geliebt; dafür aber reichlich Poesie zitierend und emphatisch Lebensfreude postulierend. Natürlich soll hier dramaturgisch die Fallhöhe zur späteren, quälend lang zelebrierten Erschießungsszene so hoch als möglich angesetzt werden und das kann man auch durchgehen lassen. Nicht hingegen die hölzerne, schablonenhafte und letztlich so emotionslose Schilderung der anderen Figuren in den nächsten 80 Minuten, die vor allem eines verrät, das völlige Desinteresse an einer ausgewogenen, interessanten und ambivalenten Figurenzeichnung, weil alles auf die von Beginn an feststehende Untat der Deutschen hinauszulaufen hat. Überhaupt fehlt hier überall die Tiefe, auch in der Story, die versäumt, wirklich Chancen und Grenzen der Befehlshaber vor Ort auszuloten; aber vor allem bei den anderen wichtigen Charakteren, die man ja eigens deshalb eingeführt hat, sonst hätte man ja jeden beliebigen anderen nehmen können.

Aber was ist mit dem Militärbefehlshaber in Frankreich, er jammert und schimpft; aber sonst? Möglich, dass das historisch korrekt ist; dem Film hilft das nicht weiter, weil der ja suggeriert, Otto von Stülpnagel habe sich für „seine“ Franzosen einsetzen wollen. Dessen Bitte um Entlassung ist da ein schwacher Trost. Und was soll der junge Wehrmachtssoldat, natürlich großbebrillt wie der künftige Schriftsteller, der von den Gräueln im Krieg angewidert und mahnend berichtet. Soll das der „Gute Deutsche“ sein, das Gegengewicht gegen die Schergen? Ein aufsässiger, widerborstiger Landser mit Hang zum Widerspruch und schlechten Nerven; der weiteren Erschießungen durch Psychonervenknacks entgeht? Ein Schütze Arsch im letzten Glied als letzte moralische Instanz, die den Geiseln adäquat entsetzt ins Auge blickt?! Ganz ehrlich, dieser Strang wirkt aufgesetzt und funktioniert nicht. Genauso wenig wie der ganz und gar nicht funktionierende rund um den Dichter Ernst Jünger, jene Gestalt, die in Deutschland nach wie vor so berüchtigt ist wie umstritten, wenngleich literarisch zweifelsfrei geadelt. Der von mir hochgeschätzte Ulrich Matthes mit seinem kantigen, immer auch ein wenig kränklich ausgezehrt wirkenden Äußeren mit dem stechenden Blick und der aus zu vielen Hörbüchern markanten Stimme passt zunächst einmal überhaupt nicht zum Konterfei seines Vorbildes und zum anderen werden die Klischees der Lebensweise zwischen Front und Schreibpult, Dame von Welt und Bordell, derart primitiv ausgestellt, dass man die Figur nicht ernst nehmen kann. Umso mehr, als sie wirklich wenig ethisch provoziertes Mitgefühl zeigt und sich in platten Attitüden billigster Denke ergeht, wie sie sich nie und nimmer irgendwo in den Büchern Jüngers offenbaren. Die Gespräche wirken stellenweise so deplatziert und peinlich, dass man sich die Ohren zuhalten möchte und Jünger in den feingeistigen Hintern treten. Nein, holzschnittartige oder blass konturierte Charaktere helfen hier nicht weiter; die guten Franzosen auf der einen Seite und die hässlichen auf jener der Kollaboration des Pétain-Regimes; selbst die Deutschen kommen da besser weg; so dass mir wohler wäre, ein Franzose hätte das gedreht. Immerhin hat man es mit der Figur des Unterpräfekten versucht und vielleicht ist es auch gar nicht möglich, derart heikle Situationen und Herausforderungen filmisch einzufangen. Auch die Ersteller und Absegner der Opfer-Listen sind partiell ihrerseits Opfer.

Wie auch immer, der Film versteht sich sicher nicht als historisches Doku-Drama und er hat auch nicht vor, die ethische Dimension und die Frage nach Rechtmäßigkeit und Angemessenheit der Geiselerschießung zu klären; auch wenn ein kritischer Blick auf die Rolle der KP (PCF) im französischen Widerstand und der mehr oder weniger eilfertigen Kollobateure nicht unbeabsichtigt war. Aber er vermag eben rein künstlerisch auch nicht ansatzweise über plakative Verfahren hinaus die so vielschichtige Problematik zu gestalten. Letztlich fehlen auch dem Script die Einfälle und alles taumelt ideenlos der Exekution zu, die mit der Figur des befehlshabenden Offiziers in ihrer grotesken Überzeichnung den ganzen Film an sich als gescheitert denunziert, obwohl gerade die Zitation der Dienstvorschriften so viel Raum gelassen hätte, die Absurdität der Vorgänge zwischen Gesetz und Irrsinn zu illustrieren. Und ob nun die minutenlange Sequenz der Hinrichtung mit den pathetischen Einlagen als voyeuristisch einzustufen ist, muss jeder für sich selbst entscheiden; mir persönlich war das einfach zu viel. Der Film endet so als ein sehr schlechter, was mich angesichts der Bedeutung seines Themas umso mehr ärgert.


Apple iPod Classic MP3-Player silber 160 GB (aktuellstes Modell)
Apple iPod Classic MP3-Player silber 160 GB (aktuellstes Modell)
Wird angeboten von CMG GmbH

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Mogelpackung ..., 17. März 2017
Vor wenigen Jahren gekauft, ein tolles Gerät mit viel Speicherplatz; ich konnte tausende Alben mitnehmen. ABER: Seit ein paar Monaten ist es kaputt und selbst im Werk will man es angeblich nicht reparieren können. Neu kann man es nicht mehr kaufen, weil es nicht mehr produziert wird; die jetzigen Preise hier sind um das Zweieinhalbfache höher als beim Neukauf. Unglaublich!


Liszt: Faust Sinfonie (Live-Aufnahme)
Liszt: Faust Sinfonie (Live-Aufnahme)
Preis: EUR 19,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Erster "historisch korrekter" Faust ..., 4. März 2017
Von Experten für die historische Aufführungspraxis empfohlen und nach anfänglichem Widerwillen begreife ich Haselböcks Deutung schon als Chance, die eigenen Hörgewohnheiten zu hinterfragen, wozu jener im Gegensatz etwa zu Bernstein oder Thielemann reichlich Gelegenheit bietet. Es ist natürlich prinzipiell erst einmal so, dass hier das Gesamterscheinungsbild von Wagner oder Bruckner oder Dvorak (Sinfonsche Dichtungen) heruntergebrochen wird über das Klangbild in Richtung Vorbilder aus der Mitte des 19. Jahrhunderts; also planer gesprochen Schumann und FMB eher Pate stehen.

Was die Durcharbeitung der Unmenge an Material gerade im 1. Satz angeht, bin ich noch reichlich unentschieden, das kenne ich bislang einfach anders. Auch im 2. Satz gewährt die volle omi-Dröhnung á la Bernstein natürlich ein ganz anderes Volumen als hier möglich; wirklicher Gradmesser aber ist nun mal der 3. und an dem müssen sich alle möglichen verschiedenen Ansätze messen lassen; an der Frage, wie man es schafft, die revolutionären Antizipationen Mahlers oder der 2. Wiener Schule konturiert herauszuarbeiten, ohne Liszt zu desavouieren. Und hier wagt Haselböck meines Erachtens zu wenig. Aber das nur ein erster Eindruck.


Sinfonie 1
Sinfonie 1
Preis: EUR 2,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dresdner Philharmonie, Herbert Kegel, 1979, 17. Februar 2017
Rezension bezieht sich auf: Sinfonie 1 (Audio CD)
1. Satz: Langsam. Schleppend. Wie ein Naturlaut – Im Anfang sehr gemächlich 15:06
2. Satz: Kräftig bewegt, doch nicht zu schnell 08:41
3. Satz: Feierlich und gemessen, ohne zu schleppen 11:47
4. Satz: Stürmisch bewegt 20.08

Kennt ihr das seltene Gefühl, dass ihr bei einer Aufnahme glaubt, hier sei alles im Gleichgewicht, alles im Lot; nichts scheint übertrieben und nichts unterhalb musiziert? Mahlers erste ist ja genau schon wie alle späteren Sinfonien anfällig für jede Art von vor allem Über- und seltener Untertreibung. Kegels nun doch schon ältere Einspielung besticht zunächst mit einem sogar auf einfachen Stereoanlagen exzellenten Klangbild, das vor flächigem Hintergrund jedes Detail hörbar werden lässt.

Im 1. Satz höre ich da keine nervtötenden Naturlaute und auch nicht die depressive Zynik anderer Aufnahmen, sondern glasklare Soundstrukturen vor positivem staatstragenden Background, sozusagen sozialistischen Realismus, nüchternen Plattenbau inmitten von herrlichen, nicht zu überladenen Grünanlagen. Hier wispert nichts und raunt, hier wird Klartext gesprochen; aber im hohen Stil; wie wenn Zonen-Baurülpse goethisch parlieren. Dieses Gefühl der absoluten Ausgewogenheit, ja mittigster Mitte stellt sich besonders dann im 2. Satz ein, wenn die Ländler von ostmitteldeutschen Werktätigen heiter und beschwinkt in den sachlich bearbeiteten sächischen Boden nicht gestampft, sondern ehrlich getreten werden; manch einem aus anderem Kulturkreis und mit anderer Sozialisation mag das vielleicht zu verhalten anmuten.

Und im 3. gelingt ebenfalls wieder die Synthese dessen, was ich hier zu schildern versuchte; ein sich mählich steigernder Sog, der die typischen Mahler-Formaila Verfremdung, Ironie, Groteske, jähe Stimmungswechsel, extreme Kontraste; viel Nebeneinander statt organischer Einheit, vertikale Schichtungen, Selbstzitate - Rückgriff auf Eigenes (Lindenbaum, Fahrender Geselle) und Fremdes (Klezmer?) vereint, ohne sie wirklich zu vermischen; um dann ebenso mählich zu verklingen, zu verscheiden. So scheint es nur logisch, dass Kegel derart apollinisch im Gleichgewicht und Gleichmaß auch dem problematischen 4. Satz nicht die Spitze bricht, wohl aber die Apotheose des späteren Mahler, dessen kreischende Fleischwerdung noch nur andeutet. Großartig!


Nachtwache - Musik und Poesie der deutschen Romantik
Nachtwache - Musik und Poesie der deutschen Romantik
Preis: EUR 4,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Tontechnisch völlig absurd ..., 22. Januar 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Vorab: Das Programm der CD ist großartig, die Musik samt Interpretation überzeugt wie desgleichen die einfühlsame Rezitation. Aber es ist mir schlicht und einfach unbegreiflich, wie die Tonmeister so eine Aufnahme durchgehen lassen! Wenn man die Gedichte verstehen will, muss man sehr laut drehen; dann fällt man aber beim Einsatz der Musik mit Hörsturz vom Stuhl. Dreht man die Musik normal, versteht man von den Gedichten nicht ein einziges Wort. Will man also das herrliche Programm dieser Scheibe genießen, muss man die Fernbedienung in Händen halten und alle drei Minuten rauf- und runterregeln; während man eigentlich entspannt mit geschlossenen Augen auf dem Sofa lauschen sollte. Das kann doch einfach nicht wahr sein!


Klavierkonzerte 1+2/Totentanz
Klavierkonzerte 1+2/Totentanz
Preis: EUR 7,99

4.0 von 5 Sternen Eldar Nebolsin, Royal Liverpool Philharmonic Orchestra, Vasily Petrenko, 2007, 3. Januar 2017
Rezension bezieht sich auf: Klavierkonzerte 1+2/Totentanz (Audio CD)
Klavierkonzert Nr. 1 in Es-Dur
1. Allegro maestoso 5:11
2. Quasi adagio 4:43
3. Allegretto vivace – allegro animato - 4:03
4. Allegro marziale animato 4:16

Klavierkonzert Nr. 2 in A-Dur
1-2 Adagio sostenuto assai - Allegro agitato assai - 7:04
3. Allegro moderato - 5:05
4-5 Allegro deciso - Marziale un poco meno allegro 6:48
6. Allegro animato 1:49

Klangtechnisch eine wunderbare Aufnahme, man sitzt von der ersten Note an direkt am Klavier und das Orchester vernimmt man räumlich-klar dicht gestaffelt und transparent. Der Vergleich mit Zimerman trifft den Kern und darin liegt für mich persönlich und meine Interpretationsauffassung das Problem. Beide spielen lyrisch und wunderschön, mit Gespür für die Klangfarben, romantische Schwelgerei und poetische Nuancen. Beide aber wagen meines Erachtens auch zu wenig, der martialische Aspekt, der ja auch vorhanden, wirkt glattgebügelt und geschönt; es fehlen mir die Härten, die Ecken und Kanten und die herrische Zurschaustellung beinharter Virtuosität. Daher glückt beiden das Zweite besser und im Ersten sehe ich die Reserven. Aber das ist wie stets natürlich Geschmackssache und auch eine Frage der Sozialisation, wenn man wie ich mit Richter großgeworden ist.


From the Archives
From the Archives
Preis: EUR 35,20

5.0 von 5 Sternen Nur D960: Swjatoslaw Richter, Klavier, 1957 - Existenzkampf, 2. Januar 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: From the Archives (Audio CD)
Hier zelebriert Richter eine solche allumfassende und endgültige Trostlosigkeit, dass man dann hernach das Freie gewinnen muss, um sich das Hemd aufzureißen und die Brust der frostklaren Nacht zu bieten und ganz tief und heftig einzuatmen. Die ersten beiden Sätze, die zusammen schon eine halbe Stunde ausmachen, vermitteln ohne jeden Ansatz von Trost diese jenseitige Todesahnung, die so gar nichts gemein hat mit romantischer Verklärtheit. Romantik, wo sie möglich, wird nicht einmal angedeutet, sondern stets nivelliert. Richter überschreitet hier ein ums andere Mal die rote Linie, die man zwischen Kunst und existenzialistischer Erfahrung sinnvoller Weise gezogen hat; damit sich Kunst und Leben nicht so vermengen, dass kein Platz mehr bleibt für ästhetische Erfahrung. Und selbst, als man im 3. Satz glaubt, im Rahmen der konventionelleren Gestaltung würde Richter in die Spur zurückfinden; setzt im 4. statt Keckheit und "Es ist doch alles gar nicht so schlimm und halb so wild" infernalisches Gelächter ein und diabolische Heiterkeit - so muss es bei den Teufeln in der Hölle zugehen. Das ist Kafka in Töne gesetzt, wilde Verzweiflung und endloser Jammer; eines der ganz großen Konzerte des 20. Jahrhunderts, wenn auch klanglich in miserabler Qualität mit Tonchwankungen eingefangen.


The Originals - Klaviersonaten D 958, 959, 960
The Originals - Klaviersonaten D 958, 959, 960
Preis: EUR 11,49

5.0 von 5 Sternen Maurizio Pollini (Klavier), 1986: Nur D960, 27. Dezember 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Molto moderato 18:57
Andante sostenuto 09:42
Scherzo: Allegro vivace con delicatezza 3:53
Allegro, ma non troppo 7:27

Irgendwo las ich:

"Auch Pollini (1986) verweigert uns eine Interpretation und spielt im wesentlichen nur sehr schön die Noten. Man erinnert sich an Richters Urteil, daß Pollini Schubert wie Prokofiev oder andere Komponisten des 20. Jahrhunderts spiele."

Ein spektakuläres Fehlurteil, wie ich finde; denn Pollinis Interpretation gehört für mich zu den absoluten Favoriten, eben weil er "nur" die Noten spielt und in geradezu exemplarischer Weise dartut, wie man den Geist eines Werkes illuminieren kann, ohne sich in vordergründigen Affekten und Deutungen zu ergehen. Pollini ist flott unterwegs, aber nicht, weil er nicht anders kann; sondern weil er es genau so will. Denn trotz des Tempos modellieren sich im Kopfsatz die Strukturen wie bei einem Basrelief heraus und verdeutlichen ohne jeden Verlust an zärtlicher Romantik das Mehr an Architektur und Plastik, das Schubert hier seiner ewigen Melodie als Gegengewicht beimisst. Das mag dem einen oder anderen zunächst hart, streng, ruppig in den Ohren klingen; aber je öfter man die Scheibe einlegt, deso klarer werden die elektrisierende Wirkung und die unglaubliche Dynamik, die dem Stück wohl anstehen. Spannung von der ersten bis zur letzten Minute ohne Verlust an Sentiment, groß!


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9