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Rezensionen verfasst von
Nordlicht

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Kein Gold. Kein Regenbogen. Koboldtot.: Brighton's Crime Time Band 7
Kein Gold. Kein Regenbogen. Koboldtot.: Brighton's Crime Time Band 7
von Jasmin N. Weidner
  Broschiert
Preis: EUR 9,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Dem Kobold ausgeliefert, 10. Juli 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ein merkwürdiges Buch. Fragmentarisch in seiner Struktur, verstörend in Anbetracht der inhaltlichen Entwicklung. Die Schilderung einer Ankunft in Irland, Beginn des Abenteuers einer jungen Frau aus Deutschland, ihrer Romanze mit einem Landsmann. Erste Vorzeichen drohenden Unheils in Form eines Kobolds, alptraumhafte Visionen. Weiterreise nach London, Job in einer Zeitungsredaktion, Vergewaltigung durch einen Kollegen.
Einstürzendes Weltbild.
Solch eine Erfahrung reißt einen Menschen in Stücke und hinterlässt eine bodenlose Existenzangst. Das Vertrauen in die Beschaffenheit der täglichen Dinge wird abgelöst von der Furcht vor dem Ungewissen. Als würde Bedrohliches hinter jeder Ecke oder hinter jedem Gedanken lauern. Das ohnmächtige Gefühl der Verwundbarkeit hat von der Seele Besitz ergriffen. Fortan sind es die Brüche und Risse im Gefüge ihrer Persönlichkeit, die sie, die Vergewaltigte, zu überdecken sucht. Und mit denen sie gezwungen ist weiterzuleben. Eine Überlebende. Doch die Zerstörung ihres Weltbildes bedingt nicht bloß einen Neuaufbau des eigenen Ichs aus 1000 Trümmern, vielmehr seine völlige Neuorientierung nach dessen Entwurzelung. Daraufhin klaffen allerorts - innen wie außen - Lücken, und dort, wo zuvor Vertrauen bestand, tut sich eine immense Leere auf. Unheilvoll ...
Ein langer Prozess nimmt seinen Anfang, der möglichichweise nie zu einem Abschluss kommen wird.

So interpretiere ich den bruchstückhaften Aufbau der Geschichte als Spiegel dieser Zerrissenheit. Ein Puzzle des Grauens. Als Anliegen der Autorin, sich nicht mit Worten (oder schwachen Worthülsen) ans 'schier Unbeschreibliche' heranzutasten. Vielmehr jene Leere und Verzweiflung stehen zu lassen inmitten der Beschreibungen - im übertragenen Sinne zwischen den Zeilen - und solchermaßen die Empathie des Lesers zu aktivieren. Den Leser oder die Leserin schlichtweg aus der Lethargie des Alltags zu holen.
Getrieben von der Ruhelosigkeit - so scheint es -, wahrt die Autorin anhand der fragmentarischen Erzählform selbst einen emotionalen Abstand zum Geschehen. Denn vor den unausgesprochenen Abgründen kommt der Erzählfluss wiederholt ins Stocken. Vieles bleibt im Verborgenen, bleibt unbenannt, doch in den Zwischenräumen, die auf uns wirken wie klaffende Lücken, hat sich der Schmerz eingenistet. Der Leser spürt dies und versteht die Tragik, begreift Trauma und Dilemma, und ich bin geneigt zu glauben, wohl gerade deswegen.


Weitere psychotische Episoden
Weitere psychotische Episoden
Preis: EUR 2,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schwarz auf Schwarz, 15. Mai 2016
Allein schon bei der Vorstellung, wie das Endresultat solcher Mixtur wohl ausfallen könnte, geht der Leser – eben noch unbedarft – ein mutiges Wagnis ein. Lackschwarze Schimmer untergehender Hoffnung, lichtloser Sog in Richtung Verderben, kohlschwarz gebrannte Seelen, Schatten um Schatten wirbelnd über dem Bodensatz des Grauens. Dazu rabenschwarzer Humor und tropfenweise tintenschwarze Magie – die Palette düsterer Töne scheint unerschöpflich in den Händen eines J. Mertens, der mit alchimistischer Erfindungsgabe abermals eine Substanz aus morbiden Horrorelementen, Schreckensszenarien und gespenstischen Wirkungsmitteln zusammengebraut hat. Eine Substanz demnach, die in seinem aktuellen Werk „Weitere psychotische Episoden“ Zugänge zum Reich der Finsternis in unsere hauchdünne irdische Schutzmembran ätzt und dessen Vorgänger-Band („Psychotische Episoden“) an Wahnsinn und Perfidität sogar noch zu übertreffen vermag.

Konfrontiert mit dieser allgegenwärtigen Verfinsterung stellt sich jedoch unweigerlich die Frage, ob denn der Autor auf seiner Reise, oder eigentlich: seiner Irrfahrt durch die Abgründe menschlicher Existenz überhaupt noch Lichtblicke in Gestalt von aufwärts steigenden Rettungsbojen zulässt? Von der ersten Zeile an erahnt der Leser, dass sich aus den Einzelschicksalen, diesen vom Menschen selbst geschaffenen Vorhöllen schwerlich ein Entkommen bieten wird. Und dennoch – hin und wieder (als alle Hoffnung längst vertan zu sein scheint) – die Erlösung sich offenbaren kann mit dem Empfinden von allergrößtem Glück! Diese Erfahrung macht etwa jener Alkoholiker im Vollrausch, der sich spät abends plötzlich auf seiner vermeintlich „letzten Fahrt“ befindet und sich beim Ausspeien seines Mageninhalts doppelt erlöst und auch den Bann (er)bricht, der ihn ansonsten geradewegs durchs brennende Höllentor bugsiert hätte; und zwar gemeinsam mit einer Busladung unseliger Gestalten. Ganz nebenbei bemerkt, manch einer kennt es ja selbst: auch ein Sodbrennen nach dem x-ten Glas kann zur schieren Hölle werden ...

Zwölf infernale Kurzgeschichten füllen 274 Seiten mit den unterschiedlichsten Begebenheiten, während der Erzählstrang sich immer wieder durch die Nischen unserer kollektiven Ängste windet. Gemäß des jeweiligen „Horror-Shorts“ entweder in klassischen Wendungen oder in raubeinigen Ausdrucksweisen. Die Mischung all dieser Komponenten wird Genre-Fans begeistern, zumindest all jene, die sich trotz der Warnung auf die Spuren des Horror-Experten J. Mertens begeben und schließlich, hoffentlich, wohlbehalten die letzte Seite erreichen. Schwarz auf Schwarz, sozusagen.


Sir Davey Jones: Die Reise zur Regenbogenbrücke
Sir Davey Jones: Die Reise zur Regenbogenbrücke
von Sonju DiCarmen
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen So einer wie Sir Davey!, 26. März 2016
Ungeachtet dessen, wie viele Bücher ein Literaturliebhaber im Laufe seines Lebens aufgeschlagen haben mag, letztendlich wird er lediglich auf wenige Werke verweisen wollen, die etwas in ihm auslösten, einen gewissen Zauber, welchem er sich nicht entziehen konnte. Besondere Inhalte erweitern die Vorstellungswelt der Menschen, aber in jenen Büchern entdeckt der Leser zudem eine poetische Botschaft, ein unmissverständliches Zeichen der Liebe zum Dasein an und für sich. Und so hat er (oder sie) eines Tages möglicherweise auch Sonju DiCarmens "Die Reise zur Regenbogenbrücke" aus dem großen Meer der Geschichten geborgen. Ein von Sabrina Kuhls einfühlsam und entwaffnend illustriertes Werk, eine Hommage an die verstorbene Castlebull-Bulldogge Sir Davey Jones. (So einer war das.) Ein Kinderbuch demnach, das hervorging aus einer unerschöpflichen Zuneigung diesem Tier gegenüber, eine Charakterdarstellung, die den Lebensweg des Davey Jones aus der Perspektive der Autorin nachzeichnet. Ihrem kindlichen Gemüt vertraut sonju DiCarmen ihre literarische Stimme an, um den einzigartigen Werdegang des Hundes darzustellen. Eines Wesens mit ganz spezifischen Zügen, von dessen Existenz ansonsten nur sehr wenige Menschen erfahren hätten. Hinter dem Anliegen verbirgt sich auch der Wunsch, den Tod des innig geliebten Wegbegleiters begreifbarer und somit erträglicher zu machen. Neben Sonju DiCarmen trug eine weitere Brighton Autorin, Jasmin N. Weidner, mit Ideen zur Entstehung des Gesamtwerks bei. Die bebilderte Geschichte "Sir Davey Jones: Die Reise zur Regenbogenbrücke" ist indes nicht verwirklicht worden zur Benennung einer längeren Krankheit oder des daraus resultierenden Prozesses des Dahinscheidens. Obwohl dergleichen selten so bewegend und auf derart einprägsame Weise beschrieben wurde. Stattdessen liegt dem Buch das Bedürfnis zugrunde, das Leben an der Seite Davey Jones' nachhaltig wertzuschätzen und die ehemaligen Empfindungen in seinem Beisein weiterzuvermitteln. Es ist, wie zuvor erwähnt, eine bemerkenswerte Huldigung an das Dasein als solches, eine unvergessliche Hommage an diese Welt.


Memu
Memu
von Sonju DiCarmen
  Broschiert
Preis: EUR 9,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Große Gefühle auf kleinem Raum, 10. Januar 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Memu (Broschiert)
Wenn der Winter, kalt und grau, den Puls des Lebens herabsenkt, sitzen die meisten Literaturbegeisterte am liebsten mit einer Tasse Tee und einem guten Buch vor dem Holzofen und lassen sich anhand des jeweiligen Textes in eine Parallelwelt versetzen. Ein Buch wie "Memu", verfasst von der Autorin Sonju DiCarmen, ist allerdings jederzeit dazu geeignet, Abstand von den derzeit chaotischen weltpolitischen und kulturbedingten Spannungen auf Erden zu gewinnen. In eine anheimelnd intime Sphäre versetzt DiCarmen ihre Leserschaft mit der Beschreibung von der Begegnung zweier homosexueller Männer, zweier Menschen, die sich je nach Stimmungslage und Situationsmoment mal abstoßen wie gleichgepolte Magnete ...
... und mal unwiderstehlich anziehen, sobald die Begebenheiten eine Wendung hin zu Vertrauen und Zuversicht erfahren. Denn sie beide leiden unter der Angst vor Zurückweisung und der dadurch bedingten Unfähigkeit, sich und dem anderen ihre Gefühle und Begierden einzugestehen. Zu gleichen Teilen unbeholfen, schmerzlich, geradezu aberwitzig umkreisen sie lange Zeit ein Tabu, ohne es beim Namen nennen zu können, ohne akzeptieren zu wollen, was in Wahrheit längst zwischen ihnen entstanden ist. William, Spross einer aristokratischen englischen Familie, wehrt die Annäherungsversuche des anderen mit aufgesetzter Ruppigkeit ab, und er legt sich weitaus stärkere Zügel an als der Inder Nilam, dessen exotische Herkunft wesentliche Nuancen in Liebesdingen zuzulassen scheint.
William dahingegen kämpft mit der Vergangenheit: einst sah er sich mit dem Entzug der väterlichen Liebe und aller gesellschaftlichen Privilegien gestraft, weil er seine gleichgeschlechtliche Gesinnung und seine sexuellen Bedürfnisse im familiären Umfeld darzulegen gewagt hatte. Der alte Patriarch, selbst den Zwängen männlichen Rollenspiels unterworfen, wusste Williams Auftreten insgeheim zu respektieren, entließ den Sohn dennoch mit einem unauslöschlichen Schamgefühl in sein weiteres Geschick. Dieses beinhaltete alsdann die Eheschließung Williams mit seiner großen Liebe Neal, eine Beziehung, die auf tragische Weise ein abruptes (und für Wills nachfolgenden Gemütszustand ausschlaggebendes) Ende fand.

Das Aufeinandertreffen der zwei unterschiedlichen Charaktere, des quirligen Inders Nilam und des verletzlichen Rebellen, siedelt die Autorin im modernen London an, wo beide durch das Zutun von Sir Eric Draven (ein Freund von Williams Mutter) eine zweiköpfige Wohngemeinschaft bilden. Oder anders formuliert: "notgedrungen" bilden müssen. Ein Auf und Ab der Gefühle ist die Folge, ein Hin und Her zwischen natürlichen Empfindungen und eingefleischten Verhaltensweisen, Abwehrmechanismen und Anziehungskräften.
Sonju DiCarmen, dies sei an dieser Stelle hervorgehoben, stellt unter dem Aspekt der narrativen Entwicklung auch die Geduld des Lesers wiederholt auf die Probe, manchmal bis an die Grenze des Erträglichen. Im positiven Sinne, wohl gemerkt, denn zu keinem Zeitpunkt überschlagen sich die Ereignisse, die Geschichte ist mit großem Bedacht und erzählerischem Esprit zu Papier gebracht.
Wer sich weder ablenken noch anderweitig beirren lässt, wird mit den Antworten auf die elementaren Fragen belohnt werden. Können die Akteure alle Widerstände überwinden und ihre Widersprüche vereinen? Wird die Kraft der Liebe letztendlich siegen und eine Zeit der Romantik einläuten? Raum schaffen für eine Oase inmitten tosenden Weltgeschehens, wo ansonsten die Vereinsamung das menschliche Sein überschatten würde.


Sir Davey Jones - Herbsterlebnisse: Impressionen aus dem Leben einer Castlebull-Bulldogge
Sir Davey Jones - Herbsterlebnisse: Impressionen aus dem Leben einer Castlebull-Bulldogge
von Sonju DiCarmen
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 9,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Impressionen im Beisein eines Hundes, 15. Oktober 2015
Je mehr Persönlichkeit einem dahingeschiedenen Haustier innewohnte, desto größer die Trauer eines jahrelangen Weggefährten, wenn der Tag des Abschieds gekommen ist. Mit den Worten des Lyrikers Erich Fried gab die Hinterbliebene, Sonju DiCarmen, jüngst im Internet den Tod ihres Hundes bekannt: "Für die Welt bist du irgend jemand. Für irgend jemanden bist du die Welt."
Allein schon der aristokratische Name, welcher ihm seinerzeit zugedacht worden war, verlieh dem Hund Charakter. Sir Davey Jones! Bulldogge und Hauptfigur von vier Bildbänden, in denen die Autorin Sonju DiCarmen gemeinsam mit dem Fotografen Berthold Barth dessen Ausflüge zur jeweiligen Jahreszeit festgehalten haben.
Erich Frieds Satz wiederum hat mich dazu veranlasst, Sir Davey besser kennen lernen zu wollen und gemäß der aktuellen Jahreszeit dem Bildband "Herbsterlebnisse" meine Aufmerksamkeit zu widmen. Gewissermaßen sind es Zeugnisse eines sehr persönlichen Anliegens, und doch aufgenommen durch das Auge einer Kamera, die dem Betrachter das Gewahrsein angesichts unserer Welt, angesichts der Natur auf sehr unmittelbare Art aufzeigt. Denn im steten Beisein Sir Davey Jones', dessen Sinne einzig und allein auf eben diesen einen Augenblick ausgerichtet sind, erhält jedes einzelne Bild die Qualität einer universellen Momentaufnahme. Als befinde sich im Großen und Ganzen nicht nur jedes noch so kleinste Teil, sondern in jedem noch so kleinen Teil wären sämtliche Andeutungen des Ganzen. Und so gilt, stellvertretend für all die Menschen auf diesem Planeten, die jemals einen treuen Weggefährten an ihrer Seite wussten, dass solche Augenblicke nie verloren gehen.
Kannst du die Feuchtigkeit des Grases spüren?
Den Geruch verwelkenden Laubes erschnuppern? Und das Rascheln hören?
Den Herzschlag in der Brust beim Anblick eines empor fliegenden Vogels?
Die Impressionen in Berthold Barths und Sonju DiCarmens Bildband zeigen mehr noch als jene überraschende Gegenwärtigkeit ein Zusammenspiel zwischen dem Menschen und seinem geliebten Tier inmitten einer uns umgebenden Natur, deren Schönheit wohl auch ein Spiegel unserer Sehnsüchte ist. Die Sehnsucht nach diesem einen immerwährenden Moment.


Mondo Criminale
Mondo Criminale
von J. Mertens
  Taschenbuch

5.0 von 5 Sternen Die Anomalie und 22 Botschafter des Untergangs, 8. Juni 2015
Rezension bezieht sich auf: Mondo Criminale (Taschenbuch)
Sollte der Leser etwaige Hinweise suchen, Antworten gar, um den Ursprung des Bösen auf Erden zu orten (und sei es nur in der Gedankenwelt des Autors), wird er/sie wohl vergebens dieses Buch zur Hand nehmen. Seine Horrorvisionen siedelt J. Mertens gewissermaßen innerhalb eines Negativ-Gebildes an, projiziert auf die Nachtseite des provinziellen und ihm aus Jugendzeiten bekannten Lüdenscheid. Dessen ungeachtet entfaltet Mertens kein reines Paralleluniversum vor unseren Augen. Viele der beschriebenen Episoden und Handlungen orientieren sich sowohl an authentischen Ereignissen als auch an der archetypischen Glaubensvorstellung, zwischen Himmel und Erde existiere eine rechtschaffene Macht, die dereinst mit unausweichlicher Konsequenz die Apokalypse – oder auch das Fegefeuer – über uns ausschütten wird. Als stünden die Akteure dieses parapsychologischen Thrillers längst unter dem fatalen Einfluss dessen, was uns Menschen laut eigener Ansicht eigentlich blühen müsste in Anbetracht unserer Egomanie und Profitsucht, liegt den einzelnen Verhaltensweisen kaum ein Gran Logik zugrunde. Auf dem Nährboden der Verirrungen laufen infolgedessen alle sprichwörtlichen Fäden zusammen, jedoch entwickelt sich daraus weder eine Auflösung noch eine Form der Erlösung, am Ende verweist die Geschichte einmal mehr auf die Nahrungskette, deren Bestandteil wir seit Anbeginn des Lebens sind. Um es mit den Worten des Autors zu beschreiben: „ … aber eine nachvollziehbare Chronik der Nacht, in der sich eine derart flächendeckende Gewaltwelle über die Stadt gezogen hatte, blieb aus.“
Das Aufeinandertreffen zahlreicher Krimineller zeitigt in jenen nächtlichen Stunden einen Sog der Gewalt, dem sich keiner der Beteiligten zu entziehen vermag – eine Singularität in Gestalt eines Jungen mit außergewöhnlichen psychischen Fähigkeiten. Alldieweil im Hintergrund des Geschehens ein Greis in zerschlissenem Nachthemd (diese ebenso zielstrebige wie diffuse Figur), einen Weg einschlägt, an dessen Ende er nicht vertilgt wird wie die kriminelle Zunft, sondern mit dem Jungen zu einem einzigen Wesen verschmilzt. Die hinterlassenen Spuren führen nicht zum Bösen, genauso wenig in die entgegengesetzte Richtung, ein Happyend andeutend. Auch nicht auf ein metaphysisches Tor zu, hinter dem sich ein übergeordneter Sinn verbergen könnte. Es ist ein Alptraum, will mir scheinen, der Einzug gehalten hat in unsere Welt, gleichzeitig diese Welt, die Einzug gehalten hat in einen Alptraum. Verschmolzen miteinander wie die beiden Individuen, um in der Metamorphose etwas Andersartiges entstehen zu lassen. Aber was ist tatsächlich aus dieser Vereinigung hervorgegangen? „Mondo Criminale“ liefert – wie eingangs erwähnt – keine Antwort auf diese Frage; eine Ahnung dahingegen, die im abgründigsten Inneren unseres Seins sich regt, wird vorsichtshalber von der Vernunft übertönt.


Seelen im Feuer von Sonja S. Rabaza: Novelle
Seelen im Feuer von Sonja S. Rabaza: Novelle
von Sonja Sophia Rabaza
  Taschenbuch

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine kurze, poetische Geschichte, 12. April 2014
... über den Sinn des Lebens.

Der Endpunkt, dunkel und diffus, liegt für jeden von uns irgendwo voraus; eine Wirklichkeit, die wir kraft gedanklicher Ausweichmanöver zu verdrängen verstehen. Zum Tragen kommen indes der Glaube an eine übergeordnete Bestimmung und die Hoffnung auf eine beglückende Alternative – jenseits unseres Auffassungsvermögens. Diese Vorstellungen, obschon ausgekleidet auf vielfältige Weise, zielen GEWISSERmaßen ins Unbestimmbare, denn seit wir auf ihrer Fährte sind, eilt die Gewissheit von uns fort.
In ihrer Novelle „Seelen im Feuer“, eine Geschichte mit Hinblick auf den Tod und die Wiedergeburt, vereint die Dichterin Sonja S. Rabaza dramatische Episoden mit lyrischen Versen und buddhistischen Anschauungen. Sensibilität und große Gefühle klingen in ihrer Erzählstimme an, einen grundsätzlichen Daseinssinn und im Besonderen die Bedeutung von Schicksalsschlägen erörternd. Mit der tröstlichen Botschaft vor Augen, dass im Leben nichts völlig willkürlich und ohne jeglichen Grund geschieht, bringt die Autorin eine beachtliche Ereignisfolge zu Papier. Eine Form von „Butterfly effect“ (die weitreichenden Folgen des Flügelschlags eines Schmetterlings) auf psychologischer und emotionaler Ebene. Die Autorin knüpft Verbindungen zwischen einem Jahrhunderte währenden Fluch und den nicht immer segensreichen „Schöpfungsakten“ moderner Genforschung, zwischen dem buddhistischen Glauben in Gestalt eines tibetanischen Mönchs und der Notwendigkeit des Abschiednehmens am Ende eines Lebenszyklus'.
Ein immenses Anliegen auf kleinstem Raum (48 Buchseiten), von sensitiven bis sentimentalen Worten und von zarten Gefühlsregungen bestimmt. Sonja Rabaza hat ihre Antwort auf die existentiellen Fragen „Warum leben wir?“ und „Wohin gehen wir?“ in der nachfolgenden Weisheit entdeckt:
„Wir alle kommen aus dieser göttlichen Energie und werden nach unserem irdischen Leben wieder mit ihr verbunden“, gibt der buddhistische Mönch namens Yamiyang zu verstehen.
Dies klingt ebenso wahrhaftig wie es schleierhaft verbleibt, und dennoch, bei intensiver Betrachtung mutet selbst unser bloßes Vorhandensein nicht weniger verwunderlich an. Umso erschreckender wiederum sein diametrales Gegenteil: das Nichts. Unmöglich, sich dieses Nichts annähernd vorstellen zu wollen, völlig ausgeschlossen. Nichts außer das Nichts?
Ein Gedanke, der unvereinbar ist mit unserem Dasein. „Es werde Licht.“


Ronar - Drei Ähren
Ronar - Drei Ähren
von Anke Höhl-Kayser
  Broschiert
Preis: EUR 18,50

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ronar ... und die Frage „Was wäre wenn?“, 5. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Ronar - Drei Ähren (Broschiert)
Gleich seinen Vorgängern präsentiert sich der abschließende Teil der Ronar-Trilogie mit einem Einband voller Symbolkraft. Die Zeichnerin Noëlle-Magali Wörheide hat die mystische Anziehungskraft des Mondes erneut als zentrales Element ihrer Darstellung gewählt. Ein Himmelsobjekt auf schwarz glänzendem Grund. „In der Nacht erscheinen die Wahrheiten aus den Tiefen unserer Gedanken und treten ins Mondlicht“, schreibt die Autorin, Schöpferin des jungen Ronar. Ihr Werk trägt die Züge eines Gleichnisses, eine Allegorie auf unsere oftmals allzu gegenwärtige Welt der Täuschungen und Manipulationen. Und auf die Schrecken der Unterdrückung. Gewiss ist: die kleinste Drehung am Rad des Schicksals ZEITIGT unermessliche Folgen. Die Erforschung dessen, welche tiefenpsychologische Auswirkungen sich aus der Frage „Was wäre wenn?“ ergeben, sprengt zwangsläufig den Rahmen konventioneller Erzählweise. Etwa ein „Naturgesetz“ der Personifizierung zu unterziehen und dieses in Interaktionen und Dialoge mit den Akteuren selbst einzubinden. Die Zeit, einst Verbündete, nun mächtigste aller Widersacherinnen in einem Spiel, dessen Regeln im Dunkeln verbleiben und in welchem alle Figuren letztlich aus dem Urhebergeist des Geschehens ihr Vertrauen schöpfen. Autorin Anke Höhl-Kayser scheint eine Gratwanderung zwischen zielstrebig ausgerichteter Handlung und intuitiv gesetzten Überraschungsmomenten auszuführen. Einen Balanceakt, der wiederum die Komplexität der durch- und ineinander wirkenden Zusammenhänge eines Daseins, eines Menschenlebens aufzeigt, und nicht nur „das Zerrbild einer kurzfristig unterbrochenen Wirklichkeit“. Anhand eines verunsicherten, mitunter gar „verhinderten“ Helden, der sich ganz plötzlich (und vorübergehend ohne bewusstes Verständnis für seine eigene Bedeutung), nochmals dort wiederfindet, wo die große Saga einst ihren Anfang nahm. Und auch jene sind nicht weit entfernt – in der ein oder anderen Form –, die den Willen der anderen, insbesondere eines magischen Naturells zu brechen suchen: es sind die Tyrannen.
Jähe Zeitsprünge und Täuschungsmanöver führen ebenso wie persönliche Verwicklungen und schicksalhafte Konfrontationen auf Umwegen zu einer wichtigen Erkenntnis. Im Epilog ihrer Trilogie lässt die Autorin Ronar ein lebensbejahendes Resümee ziehen: „Ich bin die Summer der Ereignisse meiner Vergangenheit.“
Kann es einen trefflicheren Abschluss als diese Auffassung (von Zeit) geben, die doch jeden von uns früher oder später ereilt beziehungsweise ereilen sollte? Wie tröstlich – und irgendwie auch MAGISCH – mutet es an, dereinst das eigene Selbst wahrnehmen zu können mit den Worten: Ich bin eins mit mir, eins mit allem um mich herum.


Tu felix Austria: Die andere Seite der Alpenrepublik
Tu felix Austria: Die andere Seite der Alpenrepublik
von Robert Brettschneider
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Austria obscura, 2. Dezember 2013
Tu felix Austria, ein Buch, das provozieren will und polarisieren wird. Nicht zuletzt für die österreichische Beamtenriege stellt sich der brisante Inhalt zwangsläufig als dreistes Pamphlet oder Schmähschrift dar - ihre Ehre stünde auf dem Spiel, falls sie eine hätte. Mittels bestechender Wortwahl, klarer Aussagen garniert mit einem gehörigen Schuss Ironie zerrt Robert Brettschneider gesellschaftliche, bürokratische und rechtsstaatliche Missstände des Alpenlands ans Licht: Eine Art willkürliche Widrigkeit, die Österreichs Bürgern frei nach dem Motto "Serviere die abgestandene Suppe mit einem Wiener Lächeln" zugemutet wird.
Es liegt in der Natur der Sache, dass der Autor im Bemühen, jenen verinnerlichten Wahnwitz aufzudecken - welcher sich hinter den polierten Fassaden zu verbergen sucht -, hin und wieder recht pauschale Schlüsse zieht. Brettschneider hat die Nase voll, voll von diesen grotesken Zuständen ... und wie etwa ein Michael Moore dem amerikanischen Way of Life gnadenlos auf die Finger schaut, so öffnet 'Tu felix Austria' eine eitrige Wunde nach der anderen und gießt ätzende Säure hinein. Wer doch lieber Erfreuliches oder dem Tourismus Dienliches über Land und Leute erfahren möchte, sollte sich an einen bunten Reiseführer wenden, oder dick gepolstert und mit halb beschlagener Brille eine Skipiste hinunter schlingern.
Zwar unterlaufen dem ansonsten hervorragend agierenden und spitzfindigen Autor im Eifer des Gefechts ein, zwei kleinere Widersprüche, auch wünscht man sich bezogen auf besonders heikle Fälle der dunklen Alpenseele (ausgerechnet die Sache "Haider" kommt kaum zur Sprache) eine umfangreichere Stellungnahme. Nichtsdestoweniger möchte ich die Lektüre dieses Augen öffnenden Werks all jenen, die an unbequemen Hintergründen ein Interesse haben, ohne Vorbehalte ans Herz legen.
Denn: was macht es schon, dass viele der angeführten Missstände kein österreichisches "Privileg" symbolisieren, sondern im Großen und Ganzen auch auf andere Länder wie etwa Dänemark übertragbar sind, womit dessen Vorbildfunktion (laut Verfasser) arg ins Wanken gerät. Oder man denke bloß an das von Korruption und Sexismus durchdrungene italienische Staatswesen. Um nur zwei Beispiele anzuführen, die mir selbst bestens geläufig sind.
Mit anderen Worten: Auch ein aufgeklärter Nicht-Österreicher wird beim Lesen dieses Buches immer wieder zustimmend nicken müssen; bei aller Schwarzseherei gibt es dank der spitzen Feder des Autoren häufig genug der Gründe herzhaft zu lachen, und man kann schließlich gar nicht mehr umhin, vor Robert Brettschneider den Hut zu ziehen: "Gnäd'ger Herr!"


Jede Menge Erben: 22 Nachlassgeschichten
Jede Menge Erben: 22 Nachlassgeschichten
von Siegfried Dierker
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,90

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wechselbäder, 1. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Weder Tod noch Teufel scheuend, habe ich ein Buch mit dem Titel "Jede Menge Erben" zur Hand genommen und die darin enthaltenen Nachlassgeschichten von 22 Autoren aus der BoD-Szene auf mich wirken lassen. Unter dem schlicht gestalteten Buchdeckel verbergen sich Ausdrücke eines Ideenreichtums, kreisend um das Thema "Erbe", denen allemal eine eingehende Betrachtung zuteil werden sollte. Wegen ihrer vielfältigen Überraschungsmomente, humoristischen Einschläge, absurden Situationskomik inmitten der zumeist dunkel und morbide angehauchten Beschreibungen von "Nachlässen" in jedweder Form, reagiert der Leser auf die unterschiedlichen Szenarien keinesfalls mit Befangenheit oder einem Anflug von Tristesse. Er taucht vielmehr, geradewegs und kopfüber, von einem Gefühlsbad ins nächste, denn der Autorenpool hat mit seiner Anthologie eine sprudelnde Mischung angerichtet, manchmal unter einem Dunstschleier aus reiner Gier gen Abfluss strömend, manches Mal überschäumend vor dramatischen Schwingungen und narrativen Entwicklungen. Oder gar als poetisch-mythologische Metapher auf den Grund unseres Seins sinkend, woraufhin ein kurzer Moment der Stille folgt und ein Erstaunen an die Oberfläche entlässt. Dann wieder reißerisch der Sog dieser oder jener Pointe, um die Gunst des Lesers ringend, ihn bei den Schultern packend und in kaltes, unwirtliches Wasser schubsend. Solcherart bieten die Kurzgeschichten vor allem ein Benetzen des Geistes mit teils höchst glaubwürdigen, teils hanebüchenen Einfällen von Erzählern, die allesamt nichtsdestotrotz eines gemeinsam haben: sie hinterlassen neben den Inhalten von makaberer bis eher unbeschwerter Thematik ein Zeugnis für die Buntheit der literarischen Welt.


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