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Martin Püsch

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Ein amerikanischer Thriller (Die Underworld-Trilogie, Band 1)
Ein amerikanischer Thriller (Die Underworld-Trilogie, Band 1)
von James Ellroy
  Taschenbuch

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Underworld-Trilogie Band 1, 16. Mai 2013
"Ein amerikanischer Thriller" (Originaltitel: American Tabloid) ist der erste von drei Romanen, die James Ellroys sogenannte Underworld-Trilogie bilden. Diese dreiteilige Saga, die mit "Ein amerikanischer Albtraum" (The Cold Six Thousand) fortgesetzt und mit "Blut will fließen" (Blood Is A Rover) abgeschlossen wurde, schließt in der Zeitachse direkt an Ellroys vierbändigen Los Angeles-Zyklus an.

Dieses berühmte, epische Roman-Quartett über die Stadt der Engel besteht aus "Die schwarze Dahlie" (The Black Dahlia), "Blutschatten" (The Big Nowhere), "Stadt der Teufel" (L.A. Confidential) und "White Jazz".

Mit American Tabloid, erschienen 1995, und seinen Nachfolgern verlässt James Ellroy nun die Stadt seiner Kindheit und Jugend und begibt sich direkt in die Schaltzentrale der Macht, wobei außer Washington D.C. auch noch Las Vegas, Miami, Havanna und andere Orte, zwischen denen ständig gewechselt wird, Schauplätze der diversen komplizierten Handlungsstränge sind.

Ein paar Elemente hat James Ellroy aus seinem Opus Magnum in die neue Trilogie übernommen, so etwa das Magazin Hush-Hush, ein skrupelloses Revolverblatt, das von Howard Hughes kontrolliert wird.

Die Struktur, die sich schon in dem L.A.-Zyklus fand, ist auch in diesem Buch wieder prägend. Die Handlung dieses Bandes kreist im Wesentlichen um drei Männer:

Pete Bondurant, Frankokanadier, brutaler Schläger, ehemaliger Polizist, der nun in Diensten des Milliardärs Howard Hughes steht. Bondurant arbeitet auch als Killer für die Mafia und räumt bei Bedarf potentielle Kronzeugen gegen Jimmy Hoffa aus dem Weg. Gegen Hoffa wird wegen betrügerischem Grundstückshandel sowie des Verdachtes auf Veruntreuung von Gewerkschaftsgeldern ermittelt.

Kemper Boyd, FBI-Agent mit hoher Begabung zum Doppelspiel und Hang zum Luxusleben. Boyd wird von FBI-Chef Hoover als Spitzel gegen die Kennedys eingesetzt, arbeitet aber nebenbei auch für die CIA.

Ward Littell, FBI-Agent mit Alkoholproblemen, Spezialist für Beschattungen und Einbrüche, befreundet mit Boyd, mit dem er vor vielen Jahren gemeinsam Pete Bondurant wegen Totschlages verhaftete.

Die Lebenswege und Schicksale der drei Männer sind miteinander verbunden. Immer wieder kreuzen sich im Laufe der Handlung, die sich über fünf Jahre von November 1958 bis zum Mord an John F. Kennedy im November 1963 erstreckt, ihre Pfade. Jedem der drei Protagonisten ist ein eigenes einführendes Kapitel gewidmet, das den Charakter vorstellt und die wichtigsten Hintergrundinformationen zu dessen Vergangenheit bietet.

Obwohl Ellroy durchgängig in der dritten Person schreibt, schildert er die Ereignisse vornehmlich aus der Perspektive der in den jeweiligen Kapiteln auftretenden Personen. Er bleibt also einerseits immer nahe am Geschehen, schafft durch die erzählerische Perspektive aber zugleich eine gewisse Distanz, so dass das Werk Züge einer Chronik trägt.

Keiner der drei Protagonisten taugt zum Sympathieträger. Sie alle sind gescheiterte Existenzen, innerlich gebrochen. Sie kämpfen nicht nur gegeneinander und zeitweise in wechselnden Koalitionen miteinander, sondern auch mit ihren eigenen inneren Dämonen. Letztlich sind alle drei auf der Suche nach Erlösung, ein gemeinsames Merkmal vieler, wenn nicht aller Protagonisten in Ellroys Romanen.

James Ellroy entwirft in seiner typischen Art ein Panorama vom Amerika der Kennedy-Ära, das den vor allem durch die Medien bis heute gepflegten Mythos, der die Kennedys umgibt, in tausend Scherben zerspringen lässt. Mythen werden demontiert, Legenden zerfallen zu Staub. James Ellroy schildert seine Version der Ereignisse jener Jahre und macht dabei vor nichts und niemandem halt. Ellroy berichtet aus den Hinterzimmern der Macht. Er taucht ein in eine Welt der Schatten und Grauzonen aus Polit-Intrigen, Hollywood-Glamour, dunklen Geschäften, Spionage und dreckigem Enthüllungs-Journalismus, in der, sofern es den eigenen Interessen dient, jegliche Moral über Bord geworfen wird, und die mit der offiziellen Geschichtsschreibung nichts zu tun hat.

Howard Hughes etwa wird als halb irres, machthungriges Faktotum gezeichnet. Hughes, dessen Angst vor Krankheitserregern schon zu seinen Lebzeiten Legende war, träumt davon, Las Vegas von Schwarzen zu säubern und lässt sich Infusionen mit Mormonen-Blut verabreichen...

Immer wieder gibt es im Roman seitenlange Passagen mit Protokollen von Befragungen und Telefonaten. Das Intrigenspiel wird dadurch weiter vorangetrieben und die Geschichte bekommt einen dokumentarischen Anstrich. Er zeichnet die Kennedys als Sippe aus eiskalten Geschäftemachern und gewissenlosen Schürzenjägern. Es sind Machtmenschen, bei denen der Zweck die Mittel heiligt und die, obwohl sie für durchaus edle Ideale stehen, eigentlich nicht besser sind als ihre zahlreichen Feinde und Gegner. Patriarch Joseph Kennedy senior ist in Geschäfte mit der Mafia verstrickt, die seine Söhne bekämpfen. Er hat mit unlauteren Methoden ein riesiges Vermögen angehäuft und hat seine Mafia-Verbindungen dazu benutzt, Jack und Bobby den Weg ins Weiße Haus zu ebnen.

Nach seiner Wahl zum Präsidenten gehen John F. Kennedy und sein Bruder Robert gegen die Mafia und die mächtige, von Jimmy Hoffa angeführte und insgeheim von der Mafia gelenkte Gewerkschaft der Transport-Arbeiter, der "Teamster" vor, in deren geheimen Kassenbüchern Unmengen von Geld erfasst ist, das aus dem organisierten Verbrechen stammt. Auch Kennedy senior hat auf diese Art viele Millionen Dollar seines eigenen Vermögens "waschen" lassen...

Der Präsident und sein Bruder, der Justizminister, sind allerdings noch vielen anderen mächtigen Persönlichkeiten mit ihrer Politik ein Dorn im Auge. Auch die CIA und der intrigante J. Edgar Hoover, Chef der amerikanischen Bundespolizei FBI, sehen ihre Macht durch die Kennedys gefährdet. Die Behörden üben Druck auf den Präsidenten aus, um ihre Position wieder zu festigen. Hoover leugnet immer noch hartnäckig, dass die Mafia überhaupt existiert. Doch als Hoffas Verbindungen zum organisierten Verbrechen nicht mehr zu übersehen sind, gerät auch er in Erklärungsnot...

Hoover, Hoffa und die Mafia eint, obwohl sie auf verschiedenen Seiten stehen, der Hass auf die Kennedys. Alle wollen ihren Hals aus der Schlinge ziehen. Eine zweite Amtszeit John F. Kennedys soll unbedingt verhindert werden. Und dann ist da noch Howard Hughes, der Las Vegas unter seine Kontrolle bringen will und dessen Schützling Richard Nixon bei der Wahl 1960 hauchdünn gegen Kennedy verloren hatte...

Dieser kämpft außerdem noch an einer ganz anderen Front gegen die sogenannte "Rote Bedrohung". Jedoch wird die eigentliche Kuba-Krise, die durch die Entdeckung sowjetischer Raketenstellungen auf dem Inselstaat ausgelöst wurde und die Welt 1962 an den Rand eines nuklearen Krieges brachte, in diesem Roman nur am Rande berührt. Vielmehr konzentriert sich Ellroy auf die Vorbereitungen zur Invasion auf Kuba.

Fidel Castro, erfolgreicher Revolutionär auf Kuba, ist das Schreckgespenst für die US-Geschäftsinteressen in Lateinamerika. "Der Bart" soll beseitigt werden, wenn nötig auch durch illegale Operationen. Von der CIA angeheuerte Söldner sollen Castro mit Hilfe von Exil-Kubanern töten. Finanziert werden soll die Mission unter anderem durch Waffenschiebereien unter den Augen der Geheimdienste und die Gelder aus den Drogen-und Glücksspielgeschäften der Mafia, die um ihre Einnahmen aus den diversen Hotels und Casinos auf Kuba fürchtet. Die Invasion findet tatsächlich statt, endet jedoch, da Präsident Kennedy den Brigaden der Exil-Kubaner die nötige Unterstützung verweigert, in einem blutigen Debakel...

Genial vermischt Ellroy in diesem Roman wieder Fakten und Fiktion, wobei das Ergebnis der Wahrheit vermutlich näher kommt, als viele, vor allem die Kennedy-Enthusiasten, wahrhaben wollen. Paranoia, pure Gier, Lug und Trug. Dreckige Deals auf allen Ebenen, die von allen Beteiligten letztlich ihren Tribut fordern. Eine Geschichte über ein zutiefst korruptes System und die Menschen, die es betreiben.

Die drei bereits beschriebenen Hauptfiguren sind frei erfunden. Sie tragen jedoch Züge von Personen, die es wirklich gibt oder gegeben hat. Dazu kommen zahllose weitere Charaktere, sowohl authentische als auch komplett fiktive Figuren, männliche und weibliche, die nicht selten Züge ihres Autors tragen oder von Personen aus dessen Vergangenheit. James Ellroy versieht seine Figuren auch immer wieder mit Charaktereigenschaften und Spleens, die ihm selbst eigen sind oder in seiner Jugend eigen waren. Zur vertiefenden Lektüre sei hier der wie ein Roman aufgebaute Tatsachenbericht "Die Rothaarige" (My Dark Places) empfohlen, in dem Ellroy über die Hassliebe zu seiner Mutter reflektiert, die ermordet wurde, als er zehn Jahre alt war und deren Mörder nie gefunden wurde. Ellroy vollzieht in diesem Buch einen erschütternden, schonungslosen Seelen-Striptease und versucht viele Jahrzehnte nach der eigentlichen Tat, seinen Frieden mit der Vergangenheit zu machen...

Alle wichtigen Mitglieder der Kennedy-Familie treten in "Ein amerikanischer Thriller" ebenso auf wie Persönlichkeiten aus dem Showgeschäft, etwa Ava Gardner oder Frank Sinatra, echte Mafia-Paten wie Sam Giancana, Carlos Marcello oder Santo Trafficante, der FBI-Chef J.Edgar Hoover, der korrupte Gewerkschaftsführer James Riddle Hoffa, Jack Ruby, Guy Banister oder eben der einflussreiche, milliardenschwere Howard Hughes. Ellroy lässt diese authentischen, historischen Persönlichkeiten historisch erwiesene bzw. nicht beweisbare Dinge tun, er lässt sie foltern, morden, rauben, bestechen, erpressen und intrigieren.

Wirkliche Identifikationsfiguren oder gar echte Helden gibt es bei Ellroy schwerlich. Sein Personal sind korrupte Politiker, zwielichtige Geheimdienstler, Stricher, Huren, Nachtclub-Sängerinnen, Drogensüchtige, Alkoholiker, Homosexuelle, Rassisten und Mörder, Vergewaltiger, eitle Hollywoodstars, Starlets und kleine Ganoven, Dealer, Waffenhändler und Auftragskiller. Sie alle leben auf ihre Art den amerikanischen Traum, der sich vor den Augen des Lesers als Albtraum entpuppt. Sie wandeln durch ihre ganz persönliche Hölle und zahlen für ihre Bestrebungen, selbst ein Stück vom großen Kuchen zu bekommen, einen hohen Preis. Hier erfüllen sich Träume nicht. Sie explodieren.

Ellroys Welt ist eine echte Männerwelt. Die weiblichen Figuren, sofern sie überhaupt signifikant in Erscheinung treten, sind allerdings oft Triebfeder für das Handeln der männlichen Protagonisten, Projektionsfläche für ihre sexuellen Obsessionen und manchmal sogar ihr moralischer Anker, einziges Symbol der Hoffnung auf einen Ausweg aus dieser selbst geschaffenen Hölle, der Silberstreif am Horizont.

Charakteristisch für Ellroy ist sein knapper, stakkatoartiger Schreibstil ohne überflüssige Nebensatz-Konstruktionen, der sich in den beiden Nachfolgebänden noch steigern wird. Dieser Mann verliert kein Wort zuviel. Das Buch besteht aus fünf unerschiedlich großen Blöcken, insgesamt gibt es genau hundert Kapitel, die stets so kurz wie möglich gehalten sind. Ellroy bombardiert den Leser förmlich mit Informationen, so dass man sich bei der Lektüre ungeheuer konzentrieren muss, um nicht den Überblick zu verlieren. Die Story schlägt, auch bedingt durch die ständigen Schauplatzwechsel, einen Haken nach dem anderen. Man weiß nie, was als nächstes kommt und kann nie vorausahnen, was mit einer bestimmten Figur passieren wird.

Obwohl sich Ellroy nach dem L.A.-Zyklus erzählerisch immer mehr vom klassischen Krimi-Autor zum Chronisten einer Epoche wandelt, geht es auch diesmal wieder hart und heftig zur Sache. Extrem derbe Sprache und krasse Gewalt durchziehen das Buch von der ersten bis zur letzten Seite. Die Protagonisten geraten mit fortschreitender Dauer der Ereignisse immer mehr in einen Sog aus Sex, Geld, Gewalt, Korruption und Drogen. Doch stets behält Ellroy seine Hauptfiguren im Fokus, die sich vor dem Hintergrund des Kennedy-Wahlkampfes, der Kuba-Krise, der Schweinebucht-Invasion und dem Kampf der Kennedy-Brüder gegen das organisierte Verbrechen, dessen Existenz und Einfluss auf höchste Stellen noch immer wider besseres Wissen bestritten wird, auf unausweichlichem Kollisionskurs befinden.

Sie alle erliegen auf ihre Weise dem Rausch der Macht. Geschäfte auf eigene Rechnung werden gemacht, Bündnisse werden geschmiedet und wieder gebrochen, ein Ehrenwort ist nichts mehr wert. Seine Protagonisten drohen durch ihre Gier, Intrigen, Doppelspiel, Geheimdienst-Klüngel, persönliche Rache-Phantasien, Sensationsjournalismus (Tabloid) und vielfachen gegenseitigen Verrat in den Mühlen der Macht körperlich wie seelisch zerrieben zu werden. Am Ende wird nichts mehr so sein wie es war...

Schließlich fallen am 22. November 1963 die tödlichen Schüsse von Dallas. Dass, wie die Legende es ausweist, ein gewisser Lee Harvey Oswald den Präsidenten erschoss, wird bezeichnenderweise (noch) mit keinem Wort erwähnt...

Ein ebenso spektakulärer wie spekulativer, stets hochkomplexer Roman, für dessen Verständnis einmaliges Lesen möglicherweise nicht ausreicht. Eine faszinierende, rauschhafte Lektion in US-Geschichte Marke Ellroy. Der King of American Crime Fiction at his best!


Der schwarze Falke [Blu-ray]
Der schwarze Falke [Blu-ray]
DVD ~ John Wayne
Preis: EUR 8,99

15 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen John Fords komplexester und düsterster Western: Ein Jahrhundertfilm!, 18. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der schwarze Falke [Blu-ray] (Blu-ray)
Texas, 1868: Drei Jahre nach Ende des Bürgerkrieges kehrt Ethan Edwards (John Wayne) in seine Heimat zurück und wird von seinem Bruder Aaron (Walter Coy), seiner Schwägerin Martha (Dorothy Jordan) und deren Familie aufgenommen. Bereits in der ersten Szene werden wesentliche Elemente der Geschichte etabliert. Die Familie tritt ins Freie, als sie eine Gestalt, die wie aus der Unendlichkeit zu kommen scheint, auf das Haus zureiten sieht. Es ist Ethan.

Da die Gegend von Indianern unsicher gemacht wird, hat sich unter Führung von Captain Samuel Johnson Clayton (Ward Bond) eine Bürgerwehr formiert. Schon am nächsten Tag muss die Einheit ausrücken, da dem befreundeten Farmer Lars Jorgensen (John Qualen) Vieh abhanden gekommen ist. Ethan kommt mit ihnen. Die daheim gebliebenen Angehörigen sehen den Männern nach, wie sie der Gefahr entgegen reiten. Ein klassisches Motiv aus anderen Filmen John Fords, das der Meister diesmal mit tragischer Ironie umkehrt, denn es sind letztlich die daheim Gebliebenen, denen Gefahr droht. Die Indianer wollten den Trupp nur herauslocken, um eine der Farmen plündern und niederbrennen zu können. Die Farm von Ethans Bruder wird nachts überfallen. Ethan kommt zu spät. Das Haus ist zerstört, sein Bruder, seine Schwägerin und sein Neffe sind tot. Ethans Nichten Lucy (Pippa Scott) und Deborah (Lana Wood) wurden verschleppt. Ein Vergeltungsschlag der Bürgerwehr auf die Indianer schlägt fehl. Ethan ist mehr denn je entschlossen, die Entführten zurückzubringen und sucht auf eigene Faust weiter. Das Halbblut Martin Pawley (Jeffrey Hunter) und Lucys Verlobter Brett Jorgensen (Harry Carey jr.) begleiten ihn.

In einer Schlucht findet Ethan Lucys Leiche. Offenbar ein Racheakt für die Vergeltungsaktion. Der verzweifelte Brett wird nach einem selbstmörderischen Alleingang von den Indianern erschossen. Ethan und Martin setzen die Suche nach Deborah dennoch fort. Sie wird fünf Jahre dauern...

John Fords atemberaubend gefilmtes Meisterwerk spielt vor dem Hintergrund realer, prägender Ereignisse der amerikanischen Geschichte, ein verbindendes Merkmal unzähliger Filme dieses Regisseurs. Der Film steckt trotz seiner Düsternis voller Poesie und zeigt in Ethan Edwards einen der unvergesslichsten Charaktere der Filmgeschichte. Man verabscheut diesen Mann immer wieder für sein Verhalten, gleichzeitig empfindet man aber auch Mitgefühl für ihn, obwohl er ein Rassist ist. Denn die Figur ist so lebensecht gestaltet, dass man sich in ihn hineinversetzen kann. Man versteht ihn und ist gleichermaßen schockiert.

Wenn man diesen Film zum ersten Mal als Kind sieht, stuft man ihn wahrscheinlich als "normalen" Western ein. Cowboys gegen Indianer, ein paar Schießereien und wunderschöne Landschaftsaufnahmen. Sieht man ihn bis ins Erwachsenenalter immer wieder und konzentriert sich mehr auf die Figuren und die Geschichte, deren Zentrum Ethan Edwards ist, wird klar, wie unglaublich vielschichtig dieses Werk ist. Die Figuren sind psychologisch unglaublich ausgefeilt und alle Schauspieler setzen dies grandios um. John Ford hatte einen einmaligen Instinkt, wie ein Schauspieler vor der Kamera am besten wirkt und wie man ein Ensemble führen muss. Dieses Ensemble wird angeführt von einem überragenden Hauptdarsteller.

Wer immer dachte, John Wayne sei kein großer Schauspieler gewesen, wird spätestens nach diesem Film seine Meinung revidieren müssen. Wayne spielt diese monströse Rolle einfach unfassbar gut! Seine Performance ist unglaublich feinfühlig, nuanciert und in jeder Sekunde absolut wahrhaftig. Hier stimmt jede Geste, jeder Blick. Der Duke machte sich mit diesem Auftritt endgültig selbst zur Legende!

In praktisch allen Filmen, die John Wayne und John Ford zusammen gedreht haben, enthält die von Wayne gespielte Figur nicht nur Charakterzüge seiner selbst, sondern auch des Regisseurs, was ihren gemeinsamen Arbeiten eine sehr persönliche Note verleiht. Auch Ford war ein Kriegsveteran wie Ethan Edwards. Als Admiral diente er den USA im Zweiten Weltkrieg. Mutter und Vater emigrierten unabhängig voneinander aus Irland in die USA. Irische Auswanderer, die seinerzeit in großer Zahl nach Amerika kamen, um im Gelobten Land neu zu beginnen, sahen sich dort meist offener Ablehnung ausgesetzt. John Ford muss also von Kindesbeinen an gewusst haben, was es heißt, ein Außenseiter zu sein. Obwohl er selbst in Amerika geboren wurde und aufwuchs, blieb die Grüne Insel, die er oft besuchte, daher immer die Heimat seines Herzens. Davon zeugt vor allem sein wohl persönlichster Film "Der Sieger" (The Quiet Man, 1952).

Der Regisseur galt als verschlossen, mürrisch, zu Wutanfällen neigend und wie John Wayne als politisch sehr konservativ und patriotisch. Wayne und Ford sahen sich im Laufe ihrer jahrelangen Zusammenarbeit vor allem wegen der Darstellung der Indianer und Mexikaner in ihren Western mehrfach mit dem Vorwurf konfrontiert, sie seien Rassisten. Allein die Tatsache, dass Regisseur und Star sich in "The Searchers" mit einem so komplexen Thema wie Rassismus Mitte der 1950er Jahre so differenziert auseinandersetzen, zeigt, wie mutig die beiden waren und dass ihnen unglaublich viel an diesem Film lag. Davon zeugen auch die Änderungen, die der Film im Vergleich zu Alan LeMays Buchvorlage vollzieht.

Der Film zeigt zudem, wie sehr sich John Ford im Vergleich zu seinen früheren Western in der Behandlung für ihn typischer zentraler Themen und Motive im Laufe der Jahre gewandelt hat. 17 Jahre zuvor, als seine Zusammenarbeit mit seinem Lieblings-Star John Wayne begann, hätte er einen Western niemals so düster, realistisch und ambivalent in der Charakterisierung der Figuren gestaltet, obwohl natürlich auch dieser erste gemeinsame Film, "Stagecoach" (1939), ein nicht nur für das Western-Genre wegweisendes Werk war, das bis heute beeindruckt und unzählige Nachahmer gefunden hat.

Ethan Edwards ist kein von Grund auf böser Mensch, doch er ist innerlich zerrissen, zornig, verzweifelt. Er hat im Bürgerkrieg gekämpft. Die furchtbaren Erlebnisse haben ihn sicher seelisch gezeichnet. Nun wirkt er wie ein Fremdling in der eigenen Heimat. Dies wird bereits in der allerersten Szene deutlich. Die Begrüßung bei seiner Ankunft verläuft fast wortlos. Ethan drückt seinem Bruder nur kurz die Hand und küsst seine Schwägerin sanft auf die Stirn. Ethans Einsamkeit, seinen Status als Außenseiter, macht Ford immer wieder spürbar. Zum Beispiel sitzt er nach dem Abendessen allein in der Dämmerung vor dem Haus und krault den Hund, während sein Bruder hinter ihm die Tür des Schlafzimmers schließt. Wo er sich in den drei Jahren seit Ende des Krieges aufgehalten hat, wird nicht näher erläutert. Er führt mehrere Beutel mit frisch geprägten, noch unbenutzten Goldmünzen mit sich. Möglicherweise hat er das Geld gestohlen oder sogar einen Mord dafür begangen und ist auf der Flucht.

Dass er ein Rassist ist, wird schon in seinen abschätzigen Bemerkungen gegenüber dem Halbblut Martin zu Beginn des Filmes angedeutet. Die genauen Ursachen für seinen Rassismus werden zwar nicht explizit genannt, eine mögliche Erklärung für seinen Hass auf Indianer gibt aber einer der beiden Grabsteine vor der Edwards-Farm. In der Szene, als die kleine Deborah von den Komantschen entdeckt wird, ist die Inschrift kurz zu erkennen: Sie gilt einer Mary Jane Edwards, liebende Ehefrau und Mutter, die von Komantschen ermordet wurde. Vielleicht, wahrscheinlich sogar, handelt es sich bei dieser Frau um seine Mutter. Spätestens als die Indianer auch noch seinen Bruder und dessen Familie ermorden, sind sie für ihn dann nur noch Bestien.

Martin Pawley ist, im Gegensatz zum Roman, im Film teilweise indianischer Abstammung. Nachdem seine Eltern von Komantschen ermordet wurden, wurde der Junge von Ethan gefunden und von der Edwards-Familie adoptiert. Die Beziehung zwischen ihm und Ethan während der Suche nach Deborah wird zu einem der zentralen Elemente des Filmes. Nichts hat John Ford dem Zufall überlassen.

John Ford war ein zutiefst katholischer Filmemacher. Seine Filme setzen sich mit Moral, mit dem, was richtig und was falsch ist, sehr eindringlich auseinander. Dass Religion auch ein zweischneidiges Schwert sein kann, zeigt er uns in der Figur des Samuel Clayton, der nicht nur ein Hauptmann, sondern auch ein Prediger ist.

Ethan Edwards ist sowohl mit der eigenen religiösen Kultur vertraut, als auch mit den Bräuchen der Indianer. Seine eigene Einstellung zu religiösen Themen zeigt die Szene, in der er einem toten Indianer die Augen ausschießt, damit dessen Seele ewig umherirren und nie mehr ihren Frieden finden möge. Der körperliche Tod des Indianers genügt ihm nicht. Er soll auch spirituell sterben. Ethan selbst fühlt sich keiner Religion, keinem Glauben verbunden, beendet sogar die Beerdigung seiner Angehörigen abrupt mit den Worten: "Put an Amen to it!", findet also auch bei diesem Ford-typischen christlichen Ritus keinen rechten Halt in der Gemeinschaft. Er erscheint wie Gottes einsamster Krieger.

Die fünfjährige zermürbende, entbehrungsreiche und von ständigen Rückschlägen geprägte Suche nach Deborah lässt ihn immer besessener werden. Ethan wird mehr und mehr zur furchteinflößendsten Figur des Filmes. Er will Deborah finden, aber vor allem will er Rache. Einmal feuert er voller Wut wahllos in eine Büffelherde, nur damit seine Feinde weniger zu essen haben...
In seiner Besessenheit und seinem Verlangen, sich an dem Indianerhäuptling zu rächen, der seine Angehörigen massakrieren ließ, erinnert Ethan Edwards durchaus an Kapitän Ahab aus Herman Melvilles Roman "Moby Dick". Ahab will mit allen Mitteln Rache an dem weißen Wal, der ihn an Leib und Seele zum Krüppel machte.

Die großen Filme John Fords, speziell "The Searchers", gelten für viele Regisseure bis heute als Referenzwerke. George Lucas hat sich vor diesem Klassiker in "Star Wars" (1977) ebenso verbeugt wie Steven Spielberg in "Unheimliche Begegnung der dritten Art" (1978) oder Wim Wenders in "Paris-Texas" (1985). Und Peter Bogdanovichs bittersüßes Meisterwerk "Die letzte Vorstellung" (The Last Picture Show, 1971) huldigt eindeutig dem Inszenierungs-Stil John Fords. Martin Scorsese ist auch einer dieser Filmschaffenden, die immer wieder auf Ford Bezug nehmen. Travis Bickle, die Hauptfigur in Scorseses "Taxi Driver"(1974) steht klar in der Tradition eines Ethan Edwards. Und das bei Ford so oft wiederkehrende Motiv der Familie und Gemeinschaft findet sein Echo in Filmen wie "Goodfellas"(1990).

Martin Pawley entwickelt ein immer feineres Gespür dafür, wie es wirklich seelisch um Ethan Edwards steht. Während ihrer gemeinsamen Suche reift Martin zu einem echten Mann mit klaren moralischen Prinzipien heran, und als die beiden Deborah (jetzt: Nathalie Wood) nach fünf Jahren schließlich im Dorf des Schwarzen Falken finden, ist er es, der Ethan vom Äußersten abhält. Deborah ist mittlerweile eine der Ehefrauen des Häuptlings geworden. In Ethans Augen wurde sie also auch sexuell korrumpiert und hat es demnach nicht verdient, weiter zu leben.

Bereits die Nahaufnahme von John Waynes Gesicht beim Anblick der psychisch gebrochenen, halb wahnsinnigen weißen Frauen, die die Armee nach langer Gefangenschaft aus den Händen der Indianer befreien konnte, spricht Bände. Nach der Bemerkung eines Soldaten: "It`s hard to believe they are white", antwortet Ethan: "They ain`t white any more. They are Comanches". Darauf wendet er sich zur Tür, dreht sich aber kurz vor dem Hinausgehen noch einmal um. Die Bewegung der Kamera verstärkt den Effekt. Obwohl Ethans Augen praktisch im Dunkeln liegen, kann man aus der Miene all die Kälte und den Hass ablesen, der ihn umtreibt. In diesem Moment will er Deborah nicht mehr nur finden. Er will sie töten!

Dieser Film ist vom ersten bis zum letzten Bild perfekt durchkomponiert. Jede Einstellung, die Höhe der Kamera und jeder Schnitt sind genau so beabsichtigt. "The Searchers" (Die Suchenden), so der viel passendere Originaltitel, wurde 1956 im Vista Vision-Format gedreht. In diesem Verfahren war das Negativ des Filmes fast zweimal so groß wie bei einen "normalen" Kinofilm. Zu der bestechenden Klarheit des Vista Vision- Bildes kommt hier noch der Einsatz von satten Technicolor-Farben.

John Ford war ein echter Filmpionier, dessen Karriere als Regisseur in der Stummfilm-Zeit begann. Diese Ausbildung prägte seine Inszenierungen auch nach dem Wechsel zum Tonfilm. Ford nutzt seine Möglichkeiten bis zur absoluten Perfektion. Eines seiner obersten Prinzipien lautet: Weniger ist mehr! Um eine oder mehrere Figuren in die Handlung einzuführen, genügen wenige Momente, oft nur eine einzige Einstellung. Andere Regisseure hätten dafür minutenlange Sequenzen gebraucht. Das Vista Vision Format kommt seiner Art zu inszenieren besonders entgegen. Mehr als jeder andere amerikanische Filmemacher gestaltet Ford visuell. Seine Bildkompositionen wirken vor allem bei Außenaufnahmen wie die Werke eines großen Malers. Er schreckt auch nicht davor zurück, Dialoge auf das Notwendigste zu reduzieren oder sogar ganz zu streichen und gerade dadurch die Wirkung einer Szene zu maximieren. Er lässt Blicke und Gesten sprechen. John Wayne schaut in einer der berühmtesten Einstellungen über den Rücken seiner Pferdes hinweg in die Ferne. Sein Gesichtsausdruck sagt alles. Ethan Edwards ahnt, dass seinen Angehörigen etwas Furchtbares zustoßen wird. Es handelt sich um eine der wenigen Nahaufnahmen, die John Ford seinem Star zugesteht. Die Kamera bewegt Ford wie eigentlich immer nur in ganz besonderen Momenten. Das hier genutzte Filmformat ermöglicht es ihm besonders, sowohl einzelne Figuren als auch auch hektisches Treiben vieler Personen in einer einzigen oder nur sehr wenigen Einstellungen zu zeigen, in Totalen oder Halbtotalen ohne die Effekthascherei vieler Großaufnahmen von Gesichtern oder Schwenks der Kamera und mit einem Minimum an Schnitten, etwa beim Frühstück im Haus der Edwards. Als später draußen alle zum Aufbruch bereit sind, steht Reverend Clayton noch am Frühstückstisch. Er trinkt Kaffee und sieht Martha Edwards, die allein im Nebenzimmer voller Zärtlichkeit Ethans Kleider umsorgt. Während Clayton geradeaus schauend noch darüber nachdenkt, was er da gerade gesehen hat, verabschieden sich hinter ihm Ethan und Martha voneinander. All das geschieht ohne Worte. Der Regisseur schafft, indem er die Vorteile des Filmformats nutzt, ein viel wirkungsvolleres Medium der Kunst des Schauspielers. Man hat bei Vista Vision, gepaart mit John Fords typischem Stil der Inszenierung den Eindruck, die Schauspieler würden sich auf einer Bühne bewegen.

Nur wenige Filme sind überhaupt in diesem Format gedreht worden, manche gelten heute als Klassiker. Unter anderem haben damals Regie-Größen wie William Wyler (An einem Tag wie jeder andere, 1955), Cecil B. de Mille (Die zehn Gebote, 1956) und Alfred Hitchcock (Vertigo, 1958, Der unsichtbare Dritte, 1959, Über den Dächern von Nizza, 1955) ein paar ihrer besten Filme in Vista Vision gedreht.

Vieles wird in "The Searchers" nur angedeutet. John Ford hat diese ausgeklügelte, subtile Bildsprache, die Informationen über Charaktereigenschaften von Figuren oder Handlungselemente knapp und effizient vermittelt, maßgeblich entwickelt und geprägt. Zum Beispiel impliziert er durch einen einfachen Kuss auf die Stirn, dass Ethan Edwards in die Frau seines Bruders verliebt ist. Oder Martin Pawleys erstes Erscheinen im Film: Als er beim Haus der Edwards zum Abendessen ankommt, springt er von seinem Pferd, wie ein Indianer es tun würde.

Dass dieser Western hauptsächlich in und um Monument Valley gedreht wurde, ist natürlich auch ein Markenzeichen John Fords. Die Landschaftsaufnahmen des Monument Valley, das Ford als Kulisse für insgesamt neun Filme diente, wirken hier besonders beeindruckend. Die Weitläufigkeit des Gebietes betont zusätzlich die unglaublichen Entfernungen, die bei dieser an Homers Odyssee erinnernden Suche zurückgelegt werden. Die Landschaft wird in Fords Werken zu einem tragenden Element. Die Natur und das Wetter sind hier eigene Charaktere, die er dazu nutzt, die Geschichte zu erzählen.

Und wie in praktisch jedem großen Ford-Film gibt es rituelle Sequenzen, in denen, vornehmlich beim gemeinsamen Tanzen und Feiern, der enge Zusammenhalt der Gemeinschaft und der Familie beschworen wird. Ford huldigt solchen Bräuchen sowohl im Kontext des Militärs und der indianischen Kultur, etwa in seiner berühmten Trilogie über die US-Kavallerie, als auch in Zusammenhang mit festlichen Anlässen im eigenen Heim. Dass die Familie davon bedroht ist, von innen heraus zu zerfallen, wie etwa in "How Green Was My Valley"(1941) oder, wie hier, das Idyll durch äußere Gewalteinwirkung zerstört wird, ist ein Motiv, das uns in John Fords filmischem Schaffen immer wieder begegnet. "The Searchers" zeigt außerdem die Störung eines so typischen festlichen familiären Ritus durch eine handfeste Rauferei. Eines Abends platzen Ethan und Martin unvermittelt in die Hochzeitsfeierlichkeiten im Hause Jorgensen. Laurie (Vera Miles), eigentlich in Martin verliebt, hat durch dessen jahrelange Abwesenheit bestärkt, halb aus Trotz den Entschluss gefasst, Martins Rivalen Charlie McCory (Ken Curtis) zu heiraten...

Ken Curtis, später berühmt geworden als Festus in der TV-Serie "Rauchende Colts", trat wie John Qualen, Olive Carey, Ward Bond und andere in mehreren Filmen John Fords als Nebendarsteller auf. Hier spricht er im Original mit einem breiten Colorado-Akzent, was sicher schon beim damaligen Kino-Publikum manchen Lacher hervorgebracht hat. Und natürlich fehlt auch ein sehr kauziger, verschrobener Charakter nicht. Moses Harper (Hank Worden) verkörpert diese Figur, eine Art Narr mit gelegentlichen lichten Momenten, der Ethan und Martin letztlich auf die richtige Spur bringt.

Ford erweist sich zudem als unglaublich präziser Erzähler im Umgang mit Zeit. Laurie Jorgensen erhält eines Tages einen Brief von Martin Pawley, auf dessen Rückkehr sie sehnsüchtig wartet. Die in dem Brief geschilderten Ereignisse decken viele Monate ab. Während Laurie den Brief vorliest, zeigt Ford mit direkten Schnitten ohne Überblendungen, was Ethan und Martin erlebt haben. Er verdichtet die zeitlichen Abläufe und schafft gleichzeitig einen optischen Kontrast zwischen der eher gedrängten Situation im Haus und der immer noch andauernden Suche unter freiem Himmel. Lauries Stimme und später Martins Stimme sind das akustische erzählende Instrument in dieser Sequenz. In den 1950er Jahren war eine solche Erzähl-und Montagetechnik, insbesondere in einem großen Hollywood-Epos, noch nicht angewandt worden. Gerade diese Sequenz zeigt besonders eindrucksvoll, wie meisterhaft John Ford es verstanden hat, die erzählerischen Mittel des Mediums Kino zu nutzen und, wenn möglich, weiter zu entwickeln.

Der Film transportiert, obwohl nicht frei von Humor, durchgehend eine unheilvolle, bedrohliche Stimmung. Der Humor leitet sofort wieder zu einem Moment über, der einen pessimistischen Grundton hat. Ford unterfüttert in seiner typischen Art häufig eine Szene mit amüsanten Momenten, um zu vermeiden, dass die Szene insgesamt zu ernst, bleischwer oder zu sentimental wirkt. Andererseits versteht er es gerade in einem Film wie "The Searchers", eine auf den ersten Blick etwas lächerlich wirkende Szene später wieder auf den Kopf zu stellen und das Publikum zum Nachdenken zu bringen: Als Martin Pawley nach einem Tauschgeschäft in einer Indianer-Siedlung ungewollt eine etwas pummelige Indianerin zur Frau bekommt, wirkt dies auf den Zuschauer zunächst amüsant. Später finden Ethan und Martin die Frau tot unter den Resten eines von der US-Kavallerie zerstörten Dorfes. Mit Menschen zu handeln und sie einem ungewissen Schicksal zu überlassen ist mindestens so barbarisch wie der Akt des Tötens selbst. Da sich in den 1950er Jahren die Restriktionen durch die Filmzensur in Hollywood allmählich zu lockern begannen, konnte Ford auch solche Begebenheiten erstmals ungeschönt in einem großen Spielfilm zeigen, wobei er die Armee, in vielen seiner früheren Western die strahlenden Retter der stets von Indianern Bedrängten und Unterdrückten, hier in ein besonders schlechtes Licht rückt.

Die Figur des Ethan Edwards macht den Film zudem zeitlos. Die Themen sind bis heute brennend aktuell. In diesem Mann werden Rassismus und Bigotterie auch heutiger Gesellschaften reflektiert. Den Zuschauer befällt daher immer wieder ein bedrückendes Gefühl, da man sich in Ethan Edwards ein Stück weit selbst wiedererkennt.

Bestechend subtil, fast unmerklich, nimmt John Ford in "The Searchers" Bezug auf die politischen und gesellschaftlichen Befindlichkeiten der USA zur Entstehungszeit des Filmes und den immerwährenden, allgemeinen Hang der Gesellschaft zur Gewalt, der sich über Generationen hinweg bis heute fortpflanzt. Bezeichnend ist der Dialog zwischen Ethan und den Jorgensens. Mrs. Jorgensen (Olive Carey), früher Lehrerin, und auch aufgrund dieser Eigenschaft eine im Ford-Kosmos klassische Vertreterin der Pionier-Frau, macht folgende Bemerkung: "Vielleicht müssen auch unsere Knochen erst unter der Erde liegen, damit man in diesem Land endlich in Frieden leben kann." Und ihr Gatte wird noch deutlicher, als Ethan auf Bretts Tod zu sprechen kommt: "This country killed my boy!"

Rassismus ist ein schleichendes Gift, gegen das niemand wirklich immun ist. Als Laurie Jorgensen am Abend ihrer Hochzeit mit Martin über Deborah spricht, erkennt man plötzlich, dass auch sie eine Rassistin ist. Nicht nur, dass sie Martin, einem Habblut, sagt, Ethan würde Deborah töten. Schlimmer noch: Martha hätte es so gewollt! Der Hass reicht so tief, dass eine Mutter den gewaltsamen Tod ihrer eigenen Tochter gebilligt hätte, nur weil diese seit Jahren unter Indianern lebt.

Die Gewalt, die diesen Film durchzieht, wirkt sehr effektiv auf den Zuschauer. Dass John Ford sie nicht im Detail zeigt, vieles nur andeutet, etwa durch ein zerrissenes, mit Blutflecken bedecktes Kleid und andere subtile Bilder, macht alles erst so schockierend. Fritz Lang hat dies einmal so bezeichnet: "Der Regisseur macht den Zuschauer zu seinem Komplizen". Damit ist gemeint, dass der Horror sich im Kopf des Zuschauers formt und durch die raffinierte Bildsprache und die Schauspieler transparent wird. Zum Beispiel als Ethan seinen Bruder, seine Schwägerin und seinen Neffen in dem noch brennenden Haus findet. Die Leichen sieht man nicht. Statt das Feuer zu löschen und die Toten zu bergen lässt Ethan das Haus einfach abbrennen und hindert Martin mit Gewalt daran, hineinzugehen, so sehr hat der Anblick ihn schockiert. Ähnlich verfährt John Ford später in der Szene, als Ethan aus dem Canyon zurückkehrt. Was er dort gesehen hat, kann man nur erahnen. Sein Verhalten macht deutlich, dass etwas nicht in Ordnung ist. Erst später erzählt er Martin und Brett die schreckliche Wahrheit: Lucy ist tot. Er hat sie im Canyon begraben. Weitere Einzelheiten bringt er nicht über die Lippen.

John Ford geht es nicht darum, Grausamkeiten möglichst graphisch darzustellen. Er will zeigen, was Gewalt aus Menschen macht, welche Auswirkungen sie auf die Psyche hat. Er zeigt den Indianerhäuptling Schwarzer Falke (Henry Brandon), der im Original "Scar" (Narbe) heißt, als Alter Ego des Protagonisten Ethan Edwards. Der Häuptling trägt auf seiner Seele mindestens so viele Narben wie Ethan, seit zwei seiner Söhne von Weißen ermordet wurden. Wie zahlreich die Gemeinsamkeiten zwischen den Feinden Ethan und Scar sind, zeigt besonders der kurze Dialog vor dem Zelt des Häuptlings über die Sprachkenntnisse des jeweils anderen. Da ist unverhohlener Hass, aber auch ein Funken Respekt.

Das Aufeinanderprallen zweier Kulturen. Die drohende Auslöschung einer Kultur durch eine andere mündet in eine Spirale der Gewalt, die nur auf eine Weise durchbrochen werden kann: Indem man bereit ist, zu vergeben!

Niemand wird in diesem Film als strahlender, edler Held oder seelenloser Schurke porträtiert. Beide Seiten, Indianer wie Weiße, werden als Antipoden einer Gesellschaft gezeigt, die einander unsagbares Leid zugefügt haben. Die dunklen Seiten der menschlichen Natur werden dabei schonungslos offen gelegt. Als Ethan den von Martin Pawley in Notwehr erschossenen Häuptling beim Sturm auf das indianische Dorf in seinem Zelt findet, skalpiert er ihn und verfolgt danach Deborah, die in eine Höhle zu fliehen versucht.

Anders als die Buchvorlage hat der Film aber ein etwas optimistischeres Ende. Ethan bringt Deborah lebend zurück. John Ford geht hier den entscheidenden Schritt weiter. Martin Pawley hilft Ethan Edwards, seine Mission zu erfüllen. John Ford lässt seinen Protagonisten absichtlich genau diese Entwicklung durchlaufen. Er tötet das Mädchen nicht, sondern gibt mit Martins Unterstützung seinem eigenen Leben wieder einen Sinn. Indem er sich nicht vom Hass überwältigen lässt, sondern den einzigen Menschen rettet, der ihm von seiner Familie noch geblieben ist, zeigt sich im entscheidenden Moment seine wahre Menschlichkeit. Ethan nimmt Deborah auf seine Arme, wie er es am Beginn des Filmes getan hat als er auf der Farm seines Bruders ankam. "Lets go home, Debbie" sind die letzten Worte, die Ethan Edwards spricht. Die letzte Szene, die eigentliche Rückkehr, enthält wiederum keinerlei Dialog. John Ford lässt den Zuschauer mit den Bildern und Emotionen allein.

Am Ende schließt sich eine Tür, wie sich am Anfang eine Tür geöffnet hat. Es ist aber kein typisches Hollywood Happy End. Anstatt in Kitsch zu versinken, trifft Ford auch hier genau den richtigen Ton. Ethan Edwards betritt das Haus nicht. Er gehört nicht wirklich zu diesen Leuten. Ein echtes Zuhause hat er nicht mehr. Er gleicht der Seele jenes toten Indianers, die zwischen den Winden umhergetrieben wird. Und doch bleibt der Eindruck, dass er zumindest mit gewissen Dingen seinen Frieden gemacht hat oder auf dem Weg dazu ist.

In der berühmten letzten Einstellung, bevor er sich umwendet und voller Würde dem Horizont entgegengeht, steht Ethan Edwards dem Publikum zugewandt im Türrahmen und verschränkt die Arme, indem er mit einer Hand seinen Ellenbogen umfasst. John Wayne verbeugt sich hier vor seinem Idol Harry Carey senior, der in der Stummfilm-Ära ein gefeierter Western-Held war und mehr als zwei Dutzend Filme mit John Ford drehte. Carey wandte diese Armbewegung in seinen Filmen oft an. John Wayne empfand dies stets als die Geste eines zutiefst einsamen Mannes...

Das Ende ist typisch für Ford. Oft wandert sein Protagonist am Ende scheinbar ziellos in die Ferne oder als winzige Silhouette am Horizont entlang, wie der von Henry Fonda gespielte Tom Joad in "Früchte des Zorns" (1940) oder der ebenfalls von Fonda verkörperte Abraham Lincoln in "Der junge Mr. Lincoln" (1939).

"The Searchers" ist unter anderem deshalb ein Klassiker, weil er bis heute zum Nachdenken anregt und Anstöße für Diskussionen liefert. Etwa die subtil angedeutete, mögliche Liebesbeziehung zwischen Ethan Edwards und seiner Schwägerin Martha. Könnte Deborah aus einem solchen Verhältnis hervorgegangen sein und hat Ethan sie am Ende vielleicht auch deshalb verschont, weil sie seine Tochter ist und nicht bloß seine Nichte? Ein paar kleine Indizien lassen diese Interpretation zu, etwa Deborahs Haarfarbe, aber wirklich beweisen kann man es natürlich nicht. Nach einigem Nachdenken habe ich für mich die Entscheidung getroffen, dass Deborah Ethans Nichte ist und bin damit bei meiner ursprünglichen Einschätzung geblieben. Doch auch die andere Auffassung ist natürlich absolut vertretbar.

Die Extras der Bluray sind identisch mit den Extras der alten Doppel-DVD, die ebenfalls die restaurierte Fassung enthielt.

- Einführung durch Patrick Wayne, der im Film als Soldat Lt. Greenhill auftritt
- Würdigung des Films durch Martin Scorsese, Curtis Hanson und John Milius
- "Turning of the Earth": Making-Of, in dem auch auf die wahren Ereignisse eingegangen wird, die Buch und Film zugrunde
liegen
- Original-Einblicke hinter die Kulissen, Interviews mit Jeffrey Hunter und Nathalie Wood, Trailer
- Audio-Kommentar über die gesamte Filmlänge von Filmemacher und John Ford-Experte Peter Bogdanovich

Auf der HD-Scheibe wird erst deutlich, wie gut die Restaurierung gelungen ist. Das Bild hat absoluten Referenzwert, auch der Ton klingt hervorragend. Auf einem großen Flachbild-Fernseher bekommt man einen erstklassigen Eindruck davon, wie der Film damals in Original Vista Vision im Kino gewirkt haben muss.

Das Bildformat liegt anamorph in 16:9 Widescreen vor, erscheint auf einem entsprechend kompatiblen Fernseher auch im Format 1.1:85, also wie im Kino ohne Balken oben und unten. Es gibt mehrere Tonspuren und entsprechende Untertitel.

Die amerikanische Original-Version von "The Searchers" ist der deutschen Synchronisation klar vorzuziehen. Der eigentliche tiefere Sinn vieler Dialoge wird im Original erst richtig klar. Außerdem erkennt man viel besser, wie vor allem John Wayne Sprache und ihren Rhythmus nutzt, seine Figur zu gestalten. Ein wunderbares Beispiel ist die berühmte "Turning of the Earth"-Szene im Schnee. Gerade das, was nicht ausgesprochen wird und wegen der Zensur wohl auch nicht ausgesprochen werden durfte, macht diese Szene unglaublich beklemmend und lässt erschaudern. Er ist ein Poet, dieser Ethan Edwards. Ein Poet des Hasses!

Wiederholt spricht John Wayne im Original den Satz "That will be the day". Dieser zum geflügelten Wort gewordene Ausspruch wird in besonderen Situationen im Film immer wieder eingeflochten... Bedenkt man Waynes eigentliches Helden-Image,und seinen Status als größter männlicher Star Hollywoods seinerzeit, beeindruckt dieses schockierende Psychogramm eines Rassisten und Atheisten umso mehr.

Nicht wenige halten "The Searchers" für John Fords bestes Werk überhaupt. John Wayne sprach nur sehr selten über den Film, nannte ihn aber mehrfach seinen persönlichen Favoriten und Ethan Edwards die beste Rolle, die er je gespielt habe.

Dieser Film war bei seinerzeit im Kino zwar kein Flop, aber auch kein Riesenerfolg. Vermutlich wollten die meisten John Wayne-Fans ihren Liebling einfach nicht in einer solchen Rolle sehen. Für die anderen war es einfach nur ein weiterer Ford/Wayne-Western. Auch die Filmkritiker schlossen ihn nicht gerade ins Herz. Bei den großen Preisverleihungen wurde er nicht berücksichtigt. Es gab keine einzige Oscar-Nominierung. Der Academy war dieses Werk wohl einfach zu unbequem und zu düster. Als Meisterwerk wurde der Film erst viele Jahre später gefeiert, was mal wieder zeigt: Zeit ist der beste Kritiker!

In der aktuellsten Liste der 100 besten amerikanischen Filme aller Zeiten, herausgegeben 2008 vom American Film Institute, belegt "The Searchers" Rang 12. Dass die Mitglieder des AFI ihn in der Kategorie Western sogar noch vor dem Über-Klassiker "High Noon" auf Platz 1 wählten, sagt über seinen heutigen Status eigentlich alles.

The Searchers: John Ford nimmt uns mit auf eine Reise in das dunkle Herz Amerikas. Unvergesslich, überragend inszeniert unglaublich aufwühlend, mit einer Jahrhundert-Performance von John Wayne. Unbedingt (wieder) sehen!
Kommentar Kommentare (7) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 13, 2013 2:23 PM CET


Get Carter [UK Import]
Get Carter [UK Import]
DVD ~ Michael Caine
Wird angeboten von ZOverstocksDE
Preis: EUR 2,54

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Cool, cooler, Caine, 17. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Get Carter [UK Import] (DVD)
"Get Carter", in Deutschland auch unter dem Titel "Jack rechnet ab" bekannt, ist ein britischer Gangsterfilm aus dem Jahre 1971.

Jack Carter (Michael Caine) ist ein Auftragskiller eines mächtigen Londoner Gangstersyndikats. Als ihn die Nachricht erreicht, sein Bruder Frank sei unter Alkoholeinfluss tödlich verunglückt, reist er zurück in seine Heimatstadt Newcastle, nicht nur, um der Beerdigung beizuwohnen, sondern auch um eigene Nachforschungen anzustellen, denn Jack wittert Mord. Der kreuzbrave Frank hätte sich nämlich nie freiwillig betrunken oder sich alkoholisiert ans Steuer gesetzt.

Tatsächlich kommt Jack bald einem Geflecht aus Korruption, Sex und Intrigen auf die Spur, in das viele seiner "alten Bekannten" verwickelt sind. Jack findet auch die Bestätigung dafür, dass sein Bruder ermordet wurde. Als er die schockierenden Hintergründe herausfindet und sich auch noch herausstellt, dass auch seine Nichte Doreen, die einzige Person außer Frank, an der Jack wirklich etwas liegt, in dem Sumpf aus Macht und Missbrauch steckt, räumt Jack gnadenlos auf.

Als Jack Carter jedoch bestimmten Leuten zu heftig auf die Füße tritt und damit Geschäfte des Londoner Syndikats zu torpedieren droht, setzen seine eigenen Brötchengeber einen Killer auf ihn an.

"Get Carter" gehört zu den ganz großen Erfolgen des britischen Kinos und zementierte Michael Caines Status als Weltstar. Es ist nicht leicht, für eine Figur wie Jack Carter, wahrlich ein schwarzes Schaf, Sympathien zu entwickeln, aber Caine schafft es durch sein subtiles Spiel, den Zuschauer auf seine Seite zu ziehen, indem er immer wieder den Menschen hinter der coolen Gangsterfassade durchschimmern läßt.

Der Film ist hart, fies, kompromisslos, zynisch und auch in Sachen Erotik gewagt. Michael Caine als coole Sau auf Rachefeldzug ist schon mehr als die halbe Miete. Mit seinem ungeheuren Charisma ist er in der Lage, einen Film allein zu tragen. Die Sache rund machen überzeugende Nebenfiguren, eine grimmig erzählte Story und die atmosphärisch perfekt eingebauten Ansichten der tristen Arbeiterstadt Newcastle.

Bei dieser DVD handelt es sich um einen UK-Import mit der ungeschnittenen Originaversion ohne deutsche Tonspur. In Deutschland gibt es ihn (noch) nicht ungeschnitten fürs Heimkino. Er ist in bei uns ungekürzt ab 18 Jahren freigegeben und läuft, da es keine vollständige deutsche Synchronisation gibt, im deutschen TV immer in einer stark gekürzten Fassung, meist im Nachtprogramm.

Die Disc bietet eine Einführung von Michael Caine, Trailer, eine isolierte Tonspur für die von Jazzklängen bestimmte Filmmusik, sowie englische Untertitel und einen Audio-Kommentar von Regisseur Mike Hodges, Michael Caine und Kameramann Wolfgang Suschitzky.

Das Bild liegt anamorph im Widescreen-Format vor und kann auf einem kompatiblen Fernseher im Format 1.1:78 angesehen werden. Der Ton liegt lediglich in Mono vor.

Das Bild ist, gemessen am Alter des Filmes, wirklich gut. Es wirkt etwas grobkörnig, aber dieser "dreckige" Look könnte von den Machern auch so gewollt gewesen sein und passt sehr gut zur Atmosphäre des Filmes.

Das ungelenke Remake mit Stallone sieht, obwohl in den 2000er Jahren gedreht, gegen diesen über 40 Jahre zählenden Klassiker einfach nur alt aus.

Ein Muss für Gangsterfilm-Liebhaber, für Caine-Fans sowieso absolut unverzichtbar!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 16, 2016 7:49 PM CET


Chinatown [Blu-ray]
Chinatown [Blu-ray]
DVD ~ Jack Nicholson
Preis: EUR 8,79

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schlafende Hunde sollte man nicht wecken..., 7. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Chinatown [Blu-ray] (Blu-ray)
Roman Polanskis Meisterwerk "Chinatown" gehört ohne Zweifel zu den Highlights des "New Hollywood". In den 1970er Jahren brachte die Traumfabrik ihre besten Filme hervor, ihre Schöpfer wie Coppola, Scorsese oder eben Polanski haben sich mit ihren Werken dieser Ära, die eigentlich 1967/68 mit Arthur Penns "Bonnie and Clyde" begann, für immer in der Ruhmeshalle der Filmschaffenden verewigt.

"Chinatown" ist Roman Polanskis geniale Hommage an den Film Noir, den Detektivfilm der 1940er Jahre, ein Genre, das John Huston einst mit "The Maltese Falcon"(1941) begründete.

Dieses Werk ist eine Klasse für sich. In Farbe gedreht von dem 2001 verstorbenen Kameramann John A. Alonzo, einem begnadeten Lichtkünstler, der später auch mit Brian de Palma das Gangster-Epos "Scarface"(1983) drehte, arbeitet der Film visuell weit weniger mit asymetrischen Bildkompositionen als seine Schwarz-Weiß-Vorbilder und spielt genial mit den Figuren-Stereotypen und Klischees des Genres. Er wird von Film-Experten daher oft als Neo-Noir-Krimi bezeichnet.

Obwohl der Film in den 1930er Jahren spielt und 1974 gedreht wurde, werden Themen behandelt, die heute so aktuell sind wie seinerzeit: Wasser und Energieversorgung, Macht und Korruption.

Meisterhaft reflektiert der Film damit auch das politische und vor allem gesellschaftliche Klima seiner Entstehungszeit. Im Zuge des Watergate-Skandals kamen nach und nach immer mehr schockierende Details über die Machenschaften der Nixon-Regierung ans Licht, was 1974 zum Rücktritt des Präsidenten führte. Nach dem militärischen Desaster in Vietnam war der Glaube der Bevölkerung an eine volksnahe, saubere Politik damit um so nachhaltiger erschüttert. Die Mächtigen hatten das in sie gesetzte Vertrauen verspielt.

Immer wieder bemerkenswert ist die Ruhe, mit der Polanski hier inszeniert. Der Regisseur nimmt sich die Zeit, die Geschichte angemessen zu entwickeln. Das damalige Kino verzichtet wohltuend auf die heute gängigen Spielereien mit wackeliger Kamera oder schnellen Schnitten.

"Chinatown" verzichtet nicht nur auf übertriebene stilistische Mittel, sondern auch auf das in diesem Genre zum Klischee gewordene Voiceover, die Erzählstimme des Detektivs in der ersten Person.

Um die Geschichte trotzdem stets mit dem höchstmöglichen Grad an Subjektivität zu erzählen, zeigt Polanski die Ereignisse stets aus der Sicht des Detektivs, der in jeder Szene des Filmes auftritt. So nimmt die Kamera die Ich-Perspektive ein und wird damit zum erzählerischen Instrument in bester Raymond-Chandler-Tradition.

Robert Townes Drehbuch gehört zu den besten, die jemals geschrieben wurden. Wie Towne, der seinem langjährigen Kumpel Jack Nicholson die Hauptrolle praktisch auf den Leib schrieb, die Handlungselemente bis zum konsequent pessimistischen Ende Stück für Stück zur griechischen Tragödie verdichtet, hat eine Qualität, die dem Zuschauer den Atem raubt.

Ein wirklich gutes Drehbuch muss in jedem Moment die Handlung, den Plot vorantreiben und dazu relevante Informationen bieten, so dass keine einzige Szene überflüssig ist. Idealerweise verschmelzen die Plot-Elemente dabei stets mit der Charakterisierung der involvierten Figuren.

J.J.Gittes (Jack Nicholson) betreibt im Los Angeles der Vorkriegsjahre mit zwei Assistenten eine gut gehende Privatdetektei. Bevor er Privatdetektiv wurde, arbeitete er für die Polizei in Chinatown.

Auf die Frage, was er denn jahrelang in Chinatown als Polizist getan habe, antwortet Gittes: "So wenig wie möglich". Aufgrund der dortigen Kultur und der zahllosen unterschiedlichen Sprachen und Dialekte wisse man als Polizist sonst irgendwann nicht mehr, ob man gerade dabei ist, ein Verbrechen zu verhindern oder selber an einem beteiligt ist.

Was genau ihn dazu brachte, den Dienst zu quittieren, bleibt absichtlich nebulös, so dass der titelgebende Stadtteil von Los Angeles, in dem auch das tragische Finale des Filmes spielt, als Metapher verstanden werden muss.

Als er wieder einmal für eine Klientin, eine gewisse Mrs. Mulwray, (Diane Ladd), ihren angeblich untreuen Gatten beschattet, ahnt er nicht, dass er hereingelegt wurde. Bald geht es bei dem scheinbaren Routinefall um Mord. Der Tote ist eben jener Hollis Mulwray, Chef der Wasserwerke von Los Angeles County, auf den Gittes angesetzt war.

Seine Witwe, die echte Evelyn Mulwray, (Faye Dunaway), beauftragt Gittes nun offiziell mit den Ermittlungen zum Tode ihres Mannes. Gittes willigt ein, da in diesem Fall auch sein guter Ruf auf dem Spiel steht.

In dem gigantischen Komplott, das der Detektiv nun Zug um Zug aufdeckt, spielen Evelyn und ihr Vater Noah Cross (John Huston) eine Schlüsselrolle...

Wie einst für Humphrey Bogart in "Die Spur des Falken" bedeutete die Rolle des Detektivs für Nicholson den endgültigen Durchbruch. Dieser verkörpert den stets elegant gekleideten, stilbewussten Schnüffler mit der ihm eigenen entwaffnenden Lässigkeit, sein berühmtes Haifisch-Grinsen deutet er auch nur sporadisch an.

Sein Jake Gittes ist ein Zyniker, erzählt gerne mal einen schmutzigen Witz und neigt zu Wutausbrüchen, jedoch ist er stets absolut integer und vertrauenswürdig, man ist während des gesamten Filmes auf seiner Seite.

Dass J.J. Gittes den Zuschauer so für sich einzunehmen vermag, liegt natürlich auch an dem Schauspieler, der ihn darstellt. Vielen Kritikern gilt Jack Nicholsons Darstellung als seine beste.

Gittes steht allerdings bei weitem nicht so über den Dingen wie Bogarts viel zwielichtigerer Sam Spade, der kein Problem damit hat, zu lügen und zu stehlen, wenn es ihm nützt, und sogar mit der Ehefrau seines Partners ein Verhältnis hat.

Gittes holt sich bei seinen Ermittlungen mehr als nur eine blutige Nase und seine Widersacher, die auch vor Mord nicht zurückschrecken, sind ihm im Grunde stets einen Schritt voraus. So sehr Gittes sich auch müht, das Geflecht aus Lügen, Missbrauch und Korruption zu entwirren, seinen eigenen guten Ruf wieder herzustellen und für Gerechtigkeit zu sorgen, letztlich hat er keine Chance. Das Böse scheint allgegenwärtig, Korruption ist alles. Das Sagen haben letztlich diejenigen, die das nötige Geld haben, denn Geld bedeutet Macht.

Am Ende sieht Gittes sich von seiten der Polizei sogar mit dem Vorwurf konfrontiert, an der ganzen Sache beteiligt gewesen zu sein und ihm droht die Verhaftung durch seinen alten Weggefährten Lou Escobar (Perry Lopez), doch dieser läßt ihn gehen, damit er zumindest seine Lizenz behalten kann.

Bezeichnend für Gittes Situation steht der letzte Satz des Filmes, der zu den berühmtesten Filmzitaten überhaupt gehört: "Forget it, Jake, its Chinatown."

Faye Dunaways Evelyn Mulwray ist viel mehr als nur eine herkömmliche Femme Fatale. Sie erscheint mysteriös und weiß mehr, als sie zugibt, aber was sie tut, tut sie aus letztlich klar nachvollziebaren, guten Motiven heraus. Evelyn ist seelisch zutiefst deformiert, will eigentlich auspacken, steht allerdings Todesängste aus.

Ihre Figur erweist sich am Ende als die wahre, wenn auch komplett tragische, Heldin der Geschichte, und Huston brilliert als ihr teuflischer Über-Vater, ein Mann, der zu allem fähig ist.

Die Szene, in der Gittes Evelyn eine Ohrfeige nach der anderen verpasst und sie damit endlich zum Reden bringt, ist einer der ganz großen Momente des amerikanischen Kinos. Dunaway etabliert Hollywoods klassische Leading Lady hier endgültig als große Tragödin von Shakespeare-Format.

In die Filmgeschichte ist natürlich auch jener Moment eingegangen, als Nicholsons Nase aufgeschlitzt wird. Der schmierige Messerstecher wird von Regisseur Roman Polanski höchstpersönlich gespielt.

Fast noch legendärer als die Schlitzer-Szene selbst ist das Nasenpflaster geworden, das den Schnüffler Gittes fast über den gesamten Rest des Filmes ziert. Als man den Verband zum ersten Mal sieht, sitzt Gittes mit dem Rücken zur Kamera in seinem Büro. Daraufhin schneidet Polanski direkt zu einer Großaufnahme von Jack Nicholsons Gesicht...

Vielfach imitiert -und auch parodiert- wurde außerdem die Szene im Katasteramt von Los Angeles.

Vor allem wegen seines tiefen Pessimismus, der komplizierten Handlung und der damit einhergehenden langsamen, bedächtigen Inszenierung könnte Polanski den Film heute so wohl nicht mehr drehen, zu sehr sind die Studios heute auf leicht verdauliche Wohlfühlstoffe fixiert.

An "Chinatown" stimmt einfach alles. Schauspieler, Regie, Story, Kamera und Ausstattung, bis hin zu Jerry Goldsmiths zum Markenzeichen gewordenen, von melancholischen Trompetenklängen getragenen Musik.

Die Bluray bietet noch einmal eine deutliche Verbesserung zur bereits hervorragenden DVD-Neuauflage in der Bild-und Tonqualität. Die Extras dieser DVD fehlen leider komplett, genau wie die weiteren Sonder-Features der US-Bluray, darunter ein eigenes Featurette zum Motiv "Water and Power" im Film, sowie der eigens für die HD-Disc zusammengestellte Audio-Kommentar.

So eine Veröffentlichungs-Politik gerade des Mediums Bluray und insbesondere bei einem solchen Ausnahme-Film ist ausgesprochen ärgerlich! Aufgrund der Qualität des Filmes und des wirklich exzellenten HD-Transfers in Bild und Ton vergebe ich trotzdem die vollen fünf Sterne

Das Bild liegt im korrekten anamorphen Widescreen-Format vor. Der Ton ist mehrsprachig in Dolby Digital 5.1. verfügbar. Dazu gibt es entsprechende Untertitel.

Mein Tipp: Den Film mit seinen genialen Dialogen unbedingt im englischen Original genießen. Vor allem Nicholsons Sprüche sind der Knaller! Meine persönliche Lieblingsszene spielt im Gebäude der Wasserwerksverwaltung. Gittes trifft dort vor dem Fahrstuhl auf Claude Mulvehill (Roy Jenson), einen alten Rivalen aus seiner Zeit bei der Polizei, dem wie so vielen Bürgern wegen der Hitze aus Gründen der Rationierung das Wasser abgedreht wurde.

Auf Gittes Frage, ob er Mulvehill kenne, antwortet Resort-Chef Ross Yelburton (John Hillerman), dieser arbeite für das Depatment und helfe dabei, die Wasser-Reserven zu bewachen. Darauf antwortet Gittes: "Well, you are in luck, Mr. Yellburton. When Mulvehill was Sherriff of Ventura County, the rumrunners landed hundreds of tons of booze on the beach, and never lost a drop."

Bei den Oscars 1975 war "Chinatown" in elf Kategorien nominiert, unterlag aber letztlich Coppolas meisterlichem Mafia-Epos "Der Pate II", der vielleicht besten Fortsetzung der Filmgeschichte. Lediglich Robert Towne konnte den Goldjungen für sein Originaldrehbuch mit nach Hause nehmen.

Auf der deutschen Tonspur sind Hansjörg Felmy (Gittes) und Judy Winter (Evelyn Mulwray) zu hören. Und Synchron-Legende Arnold Marquis, (John Wayne, Kirk Douglas, Robert Mitchum etc.) leiht John Huston sein unverwechselbares Reibeisen-Organ. Die Synchronisation ist gut gelungen, vor allem Judy Winter leistet am Mikrofon wieder einmal herausragende Arbeit.

Ein genialer Film von bestechender Komplexität und Eleganz, der bis heute nichts von seiner Faszination verloren hat, der so frisch wirkt, als sei er gerade erst gedreht worden, und der in keiner Sammlung fehlen darf!

"Chinatown" ist der Beweis, dass man auch ohne Action-Getöse und die sonst üblichen Hollywood-Mätzchen großes, unsterbliches Kino hervorbringen kann. Für mich der beste Detektivfilm überhaupt. Gab es je einen besseren Krimi? Ein wahrer Klassiker!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 13, 2013 7:53 PM MEST


L.A. Confidential [Blu-ray]
L.A. Confidential [Blu-ray]
DVD ~ Kevin Spacey
Preis: EUR 10,90

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Essenz eines labyrinthischen Romans, 19. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: L.A. Confidential [Blu-ray] (Blu-ray)
Curtis Hansons Verfilmung des James-Ellroy-Romans L.A. Confidential, in Deutschland auch unter dem Titel "Stadt der Teufel" bekannt, ist aus mehreren Gründen ein Geniestreich. Er gehört nicht nur zu den besten Filmen seines Genres, sondern ist ein absolutes Highlight der 1990er Jahre und wurde innerhalb kürzester Zeit von Kritikern zu Recht als moderner Klassiker eingestuft. Sogar Vergleiche mit Polanskis "Chinatown"(1975) wurden bemüht.

Ellroys 1990 erschienener Roman ist der dritte Band eines vierbändigen Zyklus über das Los Angeles der 1940er und 1950er Jahre. Zu dieser Tetralogie gehören außerdem Die schwarze Dahlie, Blutschatten und White Jazz. Obwohl jeder Band auf eigenen Füßen steht, bilden die vier Bücher dennoch eine Einheit. Manche Figur, die in einem Band nur ein Nebencharakter ist, wird im Folgenden zu einer tragenden Säule, oder umgekehrt.

Aufgrund der inneren Kohärenz der vier Romane, der Komplexität der Handlung und der unzähligen Figuren galt speziell "Stadt der Teufel" als eigentlich unverfilmbar.

In typischer Film-Noir-Tradition geht es um Geld, Sex, Macht, Korruption, Hollywood und den ganzen Rest, alles verschmolzen zu einem faszinierenden Amalgam, einem Porträt der Stadt der Engel aus der Kindheit und Jugend des Autors.

Der Film konzentriert sich auf die drei Hauptfiguren des Romans, Officer Bud White (Russell Crowe), Sgt. Jack Vincennes (Kevin Spacey) und Sgt. Ed Exley (Guy Pearce), so dass Ellroys Drei-Mann-Struktur grundsätzlich erhalten bleibt. Den Kern des Plots bildet der Mord an sechs Menschen im Nite-Owl-Coffeeshop. Es treten nur die Figuren auf, die für dieses ohnehin schon komplexe Konstrukt absolut unverzichtbar sind.

Die wichtigsten Nebenfiguren, die es in den Film geschafft haben, sind Lynn Bracken (Kim Basinger), Captain Dudley Smith (James Cromwell), der aalglatte Geschäftsmann Pierce Patchett (David Strathairn) und der schmierige Sensationsreporter Sid Hudgens (Danny de Vito).

Insgesamt agieren in dem Film rund 80 Darsteller mit Sprechrollen und jede einzelne Figur hat in dieser Geschichte ihren festen Platz. Dass in Handlungsabläufen und Figurenzeichnung im Vergleich zur Vorlage einige signifikante Änderungen vorgenommen werden müssen, damit der Film funktionieren kann, versteht sich von selbst.

Dutzende Figuren, die im Handlungsgeflecht des Romans eine wichtige Rolle spielen, kommen gar nicht vor, ganze Handlungsstränge wurden komplett weggelassen. Auch erscheinen die übrig gebliebenen Charaktere im Roman noch abgründiger und unsympathischer, die Sprache ist noch derber, die Gewalt viel krasser.

Der Film wurde mit einem heute fast lächerlich anmutenden Budget von 15 Millionen Dollar gedreht, ohne große Stars, aber mit ganz viel Liebe zum Detail. Schauspieler, Ausstattung, Kamera, Kostüme, Schnitt, Musik: alles vom Feinsten. Alles geht fließend ineinander über, exzellent geführt von Regisseur Curtis Hanson.

Wenn dieser Film überhaupt einen Star hat, dann ist es das geniale Drehbuch, das Hanson zusammen mit Brian Helgeland verfasst hat. Es zeigt uns ein Destillat des Romans und erzählt die Geschichte um die drei unterschiedlichen Cops, die wider Willen zusammenarbeiten müssen, und dabei ein riesiges Komplott aufdecken doch so, dass es nie Verrat an Ellroys Werk begeht.

Bei den Oscars 1998 gab es bei 10 Nominierungen hochverdiente Auszeichnungen für das beste adaptierte Drehbuch und für die grandiose Kim Basinger als beste Nebendarstellerin, außerdem wurde das Werk von Kritikern mit Preisen überschüttet.

Basinger zeigt als Edelhure Lynn Bracken ihr ganzes, sträflich unterschätztes Können. Sie ist Herz und Seele des Filmes, da sie in einem Geflecht aus Lügen, Intrigen und Selbstverleugnung stets zu dem steht, was sie ist und genau weiß, wer sie ist.

Die Bluray enthält dieselbe Ausstattung wie die Doppel-DVD, die vorzüglichen Extras beleuchten zum zehnjährigen Jubiläum alle Aspekte zur Entstehung dieses Klassikers. In mehreren Dokus, an denen sich ebenfalls James Ellroy, Autor des Romans, beteiligt, äußern sich die Macher ausführlich auch über den Widerstand seitens des Studios, das sich ursprünglich weigerte, das Projekt zu unterstützen. Außerdem gibt es über die gesamte Filmlänge einen informativen Audio-Kommentar. Auch die Extras der ersten DVD-Ausgabe wurden übernommen. Der Pilotfilm zur geplanten werkgetreuen TV-Verfilmung aus dem Jahr 2000, die nie realisiert wurde, rundet die Specials ab.

Bildschärfe, Ton usw. sind dem Medium absolut angemessen. Das Bild liegt im anamorphen 16:9 Widescteen vor, der Ton ist mehrsprachig in Dolby Digital 5.1. verfügbar. Dazu gibt es passende Untertitel.

Dieser Film ist einer der ganz wenigen, an denen man nicht herumpfuschen kann. Hätte das Studio im Nachhinein eingegriffen, ihn umgeschnitten oder sonstwie verändert, würde er nicht mehr funktionieren. Schon diese Integrität macht ihn zu einem Meisterwerk.

Wenn man Film und Roman vergleichen möchte, den Roman aber noch nicht kennt, empfiehlt es sich vielleicht, zuerst den Film ein paar Mal zu sehen, um bei der Lektüre des monströsen Buches nicht völlig den Überblick zu verlieren.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 7, 2013 9:03 AM MEST


Batman Begins [Blu-ray]
Batman Begins [Blu-ray]
DVD ~ Christian Bale
Preis: EUR 8,97

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bruce Wayne : ein moderner Teddy Roosevelt, 22. August 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Batman Begins [Blu-ray] (Blu-ray)
Endlich wird die amerikanische Comic- Ikone Batman in einem Film so dargestellt, wie sie es verdient hat. Der Dunkle Ritter wird in Christopher Nolans Werk mit der angemessenen Komplexität behandelt.

Bis zu diesem Film war ich kein großer Fan irgendwelcher Comicverfilmungen. Als ich ihn dann aus reiner Langeweile sah, war ich begeistert. Der Film hatte, besonders in Deutschland, tolle Kritiken bekommen und ich habe mich im Nachhinein geärgert, ihn mir nicht im Kino angesehen zu haben.

Batman wurde ursprünglich von Bob Kane erfunden und gab sein Debüt im Jahre 1939 in der Ausgabe Nr. 27 in der Reihe Detective Comics. Vorbild für die Figur war unter anderem Zorro, eine Art spanischer Robin Hood, stets in Schwarz gekleidet, maskiert und in der Regel nachts unterwegs. Batman selbst wird bis heute gern als Mitternachts-Detektiv bezeichnet.

Dass die Figur rasch sehr populär wurde, liegt natürlich auch in dem Umstand begründet, dass sie ein Kind ihrer Zeit ist. Die Düsternis der Batman-Geschichten reflektierten das gesellschaftliche Klima jener Jahre. Die Welt stand an der Schwelle zu einem weiteren großen Krieg, in den die USA knapp zwei Jahre später, nachdem die Japaner Pearl Harbour bombardiert hatten, ebenfalls eintraten.

In jener Zeit wuchs bei den Amerikanern mehr und mehr das Verlangen nach Unterhaltung. Etwa zur selben Zeit, als der Comicstrip begann, sich als eigenständige literarische Kunstform zu etablieren, wurde mit Filmen wie "The Maltese Falcon"(1941) auch der Film Noir geboren, in dem erwachsene, deprimierende Geschichten ohne falsches Heldenpathos oder aufgesetztes Happy End erzählt wurden. Diese Film-Noir Qualität findet sich auch in der ursprünglichen Konzeption von Batmans Welt.

Nachdem die Filmreihe durch desaströse Umsetzungen in den 1990er Jahren am Ende zu sein schien, gelang ausgerechnet dem britischen Independent- Filmemacher Christopher Nolan, der 2001 mit dem genial rückwärts erzählten Krimi "Memento" der Durchbruch in Hollywood geschafft hatte, im Jahre 2005 dieser faszinierende Neustart mit einem stimmigen Drehbuch und starken Schauspielern.

Sam Raimis "Spiderman", Ang Lees unterschätzter "Hulk" und Bryan Singers "X-Men" hatten bereits gezeigt, dass man die Geschichte eines Comic-Superhelden auch im Medium Film mit dem gebotenen Ernst erzählen und den Figuren gerecht werden kann, in denen so viel mehr Potenzial steckt, als nur der Aufhänger für bloßes Popcorn-Entertainment zu sein.

Christopher Nolan hebt mit seiner Batman-Interpretation dies alles auf eine noch viel höhere Ebene, was ihm in diesem Leben wohl niemand mehr wird nachmachen können.

Nolans Batman ist viel mehr als die Geschichte eines Superhelden. Der Regisseur wirft in seiner mittlerweile als Trilogie vollendeten Saga einen wenig schmeichelhaften Blick auf das Amerika unserer Tage, den Kapitalismus im Allgemeinen, und er reflektiert über den Zustand einer solchen Gesellschaft.

Der Bruce Wayne aus Christopher Nolans Dark Knight Trilogie ist ein Protagonist, wie er in praktisch allen bisherigen Filmen dieses genialen Regisseurs zu finden ist, von "Following"(1998), "Memento"(2001), "Insomnia"(2003), über die drei Batman-Filme und "The Prestige"(2006) bis hin zu "Inception"(2010)

Nolans Bruce Wayne ist ein Getriebener, eine gequälte Seele, ein Mann, der seinen inneren Frieden sucht. Keine andere Leinwand-Darstellung des Milliardärs im Fledermauskostüm kam der von Bob Kane entwickelten Comicfigur je näher als diese.

Dass Christopher Nolan selbst Brite ist, den Mythos Batman und im Besonderen Amerika also von außen unter die Lupe nehmen konnte, mag mancher als Randnotiz abtun, jedoch halte ich es für ausgeschlossen, dass ein amerikanischer Regisseur mit Batman so weit gegangen wäre, wie Nolan es in seiner Trilogie getan hat.

Unter Bezug vor allem auf die Comics und Graphic Novels von Autoren wie Frank Miller, Alan Moore und anderen, die ab den 1980er und 1990er Jahren die zwischenzeitlich reichlich verwässerte Figur inklusive ihrer zahlreichen Feinde neu erfanden und sie gleichsam zu ihren Wurzeln zurückführten, erzählt Christopher Nolan eine glaubhafte, atmosphärisch dichte Version der Geschichte des Dunklen Ritters.

Die nötige Portion Realismus erhält der Film neben der ambivalenten, glaubhaften Darstellung der Charaktere auch durch die authentischen Drehorte. Auch dies ist ganz im Sinne Bob Kanes. Das reale äußere Vorbild für Gotham City waren echte amerikanische Großstädte wie Los Angeles, Chicago oder New York.

Millers bahnbrechende Graphic Novel "Batman: Year One" bildet die wichtigste literarische Inspiration für Batman Begins.

Bei der Auswahl der Schauspieler wurde auch auf eine gewisse äußere Ähnlichkeit mit den Vorbildern aus den zugrunde liegenden Comics geachtet. So ist James Gordon in "Batman: Year One" kein übergewichtiger, kurz vor der Pensionierung stehender Mann wie in so vielen früheren Comic-Generationen, sondern deutlich jünger, und erinnert mit seiner hageren Gestalt, dem zerfurchten Gesicht, dem Schnauzbart und der Brille tatsächlich stark an Gary Oldman, der ihn in Nolans Filmen spielt.

Erstmals wird im Medium Kino schlüssig erzählt, wie Bruce Wayne zu Batman wurde. Frühere filmische Umsetzungen hatten diesen Teil der Biografie der Hauptfigur fast vollständig ignoriert und kaum Hintergrundinformationen enthüllt.

Batman ist der beliebteste, vor allem aber der menschlichste aller Superhelden. Anders als seine "Kollegen" Superman, Thor, Hulk, die Mutanten aus X-Men und weitere Heroen besitzt der Mann im Fledermaus-Kostüm keinerlei übernatürliche Kräfte. Bruce Wayne kann nur auf modernste Technik bauen, sowie auf seine körperliche Fitness und seine Intelligenz. Dass er selbst über ein riesiges finanzielles Vermögen verfügen kann, ist ebenfalls von Vorteil.

Nolan und sein Co-Autor David Goyer, der wie Nolans Bruder Jonathan auch an den beiden Fortsetzungen mitgearbeitet hat, setzen die Comic-Vorlagen so ernsthaft und grimmig um, dass manchen Fan zunächst die Befürchtung befällt, der Mythos Batman werde vollständig demontiert. Doch genau das geschieht nicht.

Die realistische Herangehensweise verleiht der Figur eine ungeheure Dynamik und endlich auch auf der Kinoleinwand die notwendige Tiefe und psychologische Komplexität. Das Publikum lernt, Bruce Wayne und seine Motivation zu begreifen. Doch dieser Mann muss sich nicht nur seinen Feinden stellen. Er kämpft auch mit sich selbst. All das ermöglicht es dem Zuschauer, eine emotionale Bindung zu dieser Figur aufzubauen.

Als Batman quälen ihn immer auch Ängste und Zweifel. Er fürchtet, dass den Menschen, die ihm am Herzen liegen, durch seine Feinde ein Leid geschehen könnte. Daher hat sich Bruce Wayne in den Comics auch über all die Jahrzehnte konsequent einer festen romantischen Beziehung verweigert. Die Fledermaus-Maske soll vielmehr diejenige schützen, die er liebt.

In Christopher Nolans filmischer Umsetzung schlägt sich dies vor allem in Bruces Umgang mit Rachel Dawes nieder. Im Grunde führt seine geheime Tätigkeit als Dunkler Ritter Bruce Wayne irgendwann an einen Punkt, an dem er sich nichts sehnlicher wüscht, als sein Alter Ego ein für allemal begraben zu können.

Das Sequel The Dark Knight greift dieses Thema wieder auf. Dort, wie auch im abschließenden dritten Teil The Dark Knight Rises, wird deutlich, welch hohen persönlichen Preis ein solches Doppelleben fordert. Es ist im besten Falle ein zweischneidiges Schwert, und jeder Triumph, sofern er von Dauer sein soll, fordert seinen Tribut.

Der Schlüssel dafür, dass Nolans Batman funktioniert, liegt auch in der Besetzung der Hauptfigur. Christian Bale war damals noch kein großer Star. Doch er war bereits bekannt für seine Fähigkeit, komplexe Charaktere mit seelischen Abgründen zu verkörpern.

Alle anderen Rollen sind ebenfalls vorzüglich besetzt, sowohl mit bekannten als auch mit weniger bekannten Gesichtern und häufig gegen den Strich. Alle Beteiligten sind mit Herzblut bei der Sache, besonders Dauer-Bösewicht Gary Oldman genießt es sichtlich, endlich mal den Guten spielen zu dürfen.

Dass Batman einen Sonderstatus unter den Superhelden genießt, mag auch daran liegen, dass die Figur des Bruce Wayne einige faszinierende Parallelen zu einem Mann aufweist, der wirklich gelebt hat und als amerikanische Ikone gilt: dem ehemaligen Präsidenten der USA, Theodore "Teddy" Roosevelt.

Teddy Roosevelt war wie Bruce Wayne ein Sohn aus reichem Hause. Sein Vater war, wie Bruces Vater Thomas Wayne, hochgeachtet und ein großer Wohltäter, der immense Summen aus seinem Vermögen dazu nutzte, soziale Ungerechtigkeit zu bekämpfen und Menschen in Not zu helfen.

Als junger Mann suchte Teddy Roosevelt von Schicksalsschlägen und Enttäuschungen zermürbt wie Bruce Wayne eine ganze Weile ein Leben in Einsamkeit. Später kehrte er in seine Heimat zurück und machte als Gerechtigkeitsfanatiker einige Zeit auch nachts Jagd auf Kriminelle.

Diese Phase aus Teddys Leben bildet den Ansatz für Nolans Interpretation der Figur. Die beiden Sequels The Dark Knight und The Dark Knight Rises bieten weitere Anknüpfungspunkte zu Roosevelts Biografie.

In spektakulären, düster-dreckigen Bildern und mit virtuosem Schnitt, der die Handlung nicht durchgehend linear, sondern zum Teil in drei sich abwechselnden Zeit-Ebenen spielen lässt, sowie einer genialen Filmmusik und edler Ausstattung zeigt er die Millionenstadt Gotham City als postkapitalistische Hölle. Gotham ist ein von Verbrechen und Korruption beherrschter Moloch, in dem die wenigen Aufrechten auf verlorenem Posten stehen. Der Einzige, der wirklich helfen kann, ist jemand wie Batman, da er außerhalb des Systems operiert.

Die Action kommt natürlich nicht zu kurz, doch ist sie in der sorgfältig strukturierten, vielschichtigen Story nie Mittel zum Selbstzweck, sondern wird wohldosiert eingesetzt und ist immer auch themen-und charakterbezogen.

Die verschachtelte Erzählweise und die Zeitsprünge, die Nolan mit harten Schnitten vollzieht, sind für einen Hollywood-Sommerblockbuster untypisch und fordern vom Publikum ein hohes Maß an Konzentration.

Christopher Nolan geht es vor allem darum, eine packende Geschichte zu erzählen. Die Figuren liegen ihm am Herzen und im Zentrum steht immer der Charakter des Bruce Wayne.

Alles wirkt in diesem Gotham City so echt wie möglich. Der Bezug zur realen Welt wird, indem die Macher auf digitalen Schnickschnack und Computereffekte so oft wie möglich verzichten, gesteigert.

Es geht in Batman Begins auch und vor allem um die zum Teil verheerenden Konsequenzen, die das Handeln eines Einzelnen nicht nur für die Person selbst, sondern auch für die Menschen haben kann, die ihm am nächsten stehen, ein Thema, das sich wie ein roter Faden auch durch die beiden Fortsetzungen zieht. Dass diese Konsequenzen einem kindlichen Akt der Verspieltheit und des Übermuts entspringen, verleiht allem eine besonders tragische Note.

Beim Versteckspielen mit seiner besten Freundin Rachel stürzt der kleine Bruce in einen unzureichend gesicherten alten Brunnenschacht. Das Kind wird von einem Schwarm Fledermäuse angegriffen, ein Trauma, das Bruce noch als Erwachsenen verfolgen wird.

Dieses Trauma wird den Jungen wenig später veranlassen, seine Eltern zum vorzeitigen Verlassen einer Oper zu überreden. Kurz danach werden die Waynes in der nächtlichen Allee überfallen und ausgeraubt. In einer Kurzschlussreaktion schießt der Räuber Bruces Eltern nieder und entkommt, wird aber wenig später gefasst.

Bruce, der sich die Schuld an allem gibt, wird nun praktisch von Alfred Pennyworth (wunderbar: Michael Caine), dem britischen Butler der Waynes großgezogen, vereinsamt aber immer mehr. Auch sein späteres Studium an einer rennomierten Universität ist ihm eher eine Last.

Der große Michael Caine spielt den treuen Butler Alfred als warmherzige Vaterfigur und Bruce Waynes moralischen Kompass. Zwar unterstützt er Bruces Kampf gegen das Verbrechen, doch sorgt er sich stets um seinen Ziehsohn, für den er sich eigentlich ein anderes Leben wünscht. Alfred ist gewissermaßen das emotionale Herz der Dark Knight-Trilogie. Er repräsentiert das Publikum, das um Bruce Waynes Wohlergehen bangt, sobald er als Batman wieder in die Schlacht zieht.

Rachegedanken beherrschen Bruce bis weit in sein erwachsenes Leben. Eines Tages, viele Jahre nach jener verhängnisvollen Nacht, wohnt er einer gerichtlichen Anhörung bei und hat einen Revolver bei sich, mit dem er den Mörder seiner Eltern, Joe Chill, vor dem Gerichtsgebäude töten will. Jedoch sträubt sich etwas in ihm gegen diese Tat.

Als bereits Erwachsener (Christian Bale) kehrt er seiner Heimat für Jahre den Rücken um auf Reisen einen Sinn in seinem Leben zu finden. Er stiehlt sogar, um überleben zu können und landet am anderen Ende der Welt im Gefängnis.

Hier begegnet er dem geheimnisvollen Henri Ducard (Liam Neeson), der Mitglieder für seine Geheimorganisation rekrutieren will.

Liam Neeson spielt Ducard mit tragischer Noblesse. Der Verlust seiner geliebten Frau verbindet ihn auf emotionaler Ebene mit Bruce Wayne.

Ducard gehört der Liga der Schatten an, die es sich unter Führung Ras al Ghuls zur Aufgabe gemacht hat, das Verbrechen in allen seinen Formen zu bekämpfen und auszurotten. Er wird Bruces Mentor und bildet ihn aus.

Henri Ducard ist eine Gestalt, die erst recht spät Teil des Batman-Universums wurde. Dass der unsterblich scheinende spätere Erzfeind Batmans namens Ras al Ghul in den Comics in wechselnden Identitäten auftritt, erlaubt den Drehbuchautoren bei Batman Begins, der Story eine ganz spezielle Wendung zu geben.

Von der radikalen Agenda der Liga der Schatten sagt sich Bruce jedoch los. Kaltblütiges Töten oder gar Selbstjustiz kommen für ihn nicht in Frage. Er kehrt nach Gotham City zurück, um dort als Symbol etwas zu bewirken wie Ducard es ihm ursprünglich geraten hatte.

Bei ihrer letzten Konfrontation hatte Bruce Ducard noch vor einem tödlichen Sturz von einer Klippe bewahrt. Auch dies wird weitreichende Folgen haben...

Gotham hat sich während Bruces Abwesenheit sehr verändert. Eine schwere Wirtschaftskrise hat unzählige Menschen in Armut gestürzt oder in die Kriminalität getrieben, viele karitative Projekte sind seit dem Tod von Thomas und Martha Wayne zum Erliegen gekommen, die Firma Wayne Enterprises wird durch eine Riege von Managern treuhänderisch verwaltet.

Die Mafia hat die Stadt fest im Griff. Die Korruption reicht bis in höchste Kreise. Besonders die mächtige Falcone-Familie kontrolliert Gotham City.

Rachel Dawes (Katie Holmes), Bruce Waynes Jugendfreundin und große Liebe, arbeitet mittlerweile bei der Staatsanwaltschaft. Sie will Anklage gegen Carmine Falcone (Tom Wilkinson) erheben, doch fehlen die entscheidenden Beweise. Der Mafia-Boss macht zudem dubiose Geschäfte mit dem undurchsichtigen, sadistischen Irrenarzt Jonathan Crane (genial fies: Cillian Murphy).

Crane treibt in den Comics seit 1941 als Scarecrow sein Unwesen. In Batman Begins bleibt von seiner Verkleidung als Vogelscheuche nur die Gesichtsmaske übrig. Dass Crane es liebt, mit Nervengas und ähnlichen Utensilien Experimente nicht nur an seinen eigenen Patienten durchzuführen, bleibt im Plot des Filmes enthalten.

Bruce Wayne wird als Batman zu einem unkorrumpierbaren Symbol. Auf einem seiner nächtlichen Einsätze wird er von einem kleinen Jungen angesprochen. Als Beweis, dass er ihm wirklich begegnet ist, überlässt Batman dem Jungen eines seiner Markenzeichen: ein eisernes Wurfgeschoss in Form einer Fledermaus.

Hier begegnet uns erstmals ein Motiv, das im Laufe der drei Filme konsequent immer wieder in die Handlung eingewoben wird: Kinder, die Batman bewundern und deren Glaube an die Aufrichtigkeit seines Handelns unerschütterlich ist.

Als Kämpfer im Fledermauskostüm lernt Bruce Wayne gemäß der Psychologie Jungs, sein Kindheitstrauma zu kanalisieren. Eingeweiht in seine Aktivitäten sind zunächst nur Alfred und Lucius Fox (Morgan Freeman), der bei Wayne Enterprises das nötige technische Equipment entwickelt hatte.

Fox taucht erst in den 1970er Jahren in den Comics auf. Er ist dort ein hochrangiger Funktionär, der sich vor allem um die Finanzen der Wayne-Foundation kümmert. Die Comics vermitteln den Eindruck, dass Fox möglicherweise weiß, wer Batman wirklich ist, sein Wissen aber für sich behält und Bruce Wayne insgeheim unterstützt.

Auch in Nolans Filmen ist Fox, den Morgan Freeman wunderbar lässig und mit einem für ihn typischen Augenzwinkern spielt, höchst integer und diskret. Hier wird kein Zweifel daran gelassen, dass Fox die wahre Identität des Dunklen Ritters kennt.

Dessen einziger echter Verbündeter auf Seiten der Polizei wird Sergeant James Gordon (Gary Oldman), jener Mann, der sich in der Mordnacht des kleinen Bruce angenommen hatte. Gordon kennt Batmans wahre Identität nicht und stellt auch keine Fragen.

Als er vollständig in die Handlung eingeführt wird, sitzt Gordon in seinem Dienstwagen und sieht angewidert seinem Partner Flass dabei zu, wie dieser an einem Imbiss Schutzgeld für die Mafia eintreibt. In der ersten Einstellung hält die Kamera einfach für einige Sekunden auf Gordons Gesicht. Man sieht einen Mann, der jegliche Illusionen verloren zu haben scheint und der die Arbeit mit Batman als letzte Chance begreift.

Es sind Momente wie dieser, die Christopher Nolans Batman-Interpretation so besonders machen. Ein Moment der Stille kann mehr sagen als viele Worte.

Gordon nimmt zwar kein Schmiergeld an, verrät aber auch keinen Kollegen an die Dienstaufsicht. Er selbst erklärt dies wie folgt: Diese Stadt ist so kaputt, wen könnte man da noch verpfeifen?

Bruce begibt sich auf seinen nächtlichen Streifzügen immer wieder in Lebensgefahr. Rachel, die noch nicht ahnt, wer Batman wirklich ist, gerät auf die Abschussliste der Mafia sowie des wahnsinnigen Crane und kann erst in letzter Sekunde gerettet werden.

Die größte Gefahr droht jedoch durch die Liga der Schatten. Ras al Ghul will die Stadt dem Erdboden gleichmachen. Dazu bedient er sich ausgerechnet einer Maschine, die Wayne Enterprises für militärische Zwecke entworfen hatte.

Batman kann mit Gordons Hilfe das Schlimmste verhindern. In einer rasenden Hochbahn kommt es zum Endkampf. Bruce gelingt es, Ducard, der sich mittlerweile als der wahre Ras al Ghul zu erkennen gegeben hat, zu überwältigen, er tötet ihn jedoch auch diesmal nicht, rettet ihn aber auch nicht, sondern überläßt ihn seinem Schicksal. Sein einstiger Mentor kommt in dem entgleisenden Zug ums Leben.

Der Film endet mi einem genialen Epilog, der durchaus auch als Cliffhanger verstanden werden kann und gewissermaßen eine Überleitung zu The Dark Knight bildet, dessen Handlung ein Jahr später einsetzt.

Christopher Nolan liefert hier die wohl bis dahin beste Comicverfilmung überhaupt ab. Seine Inszenierung ist nicht nur unglaublich dicht und kraftvoll, sie steckt auch voller Anklänge an berühmte Vorbilder.

Die verregneten Bilder aus den Armenvierteln von Gotham scheinen direkt einer Graphic Novel entsprungen und lassen an Ridley Scotts Science Fiction- Meisterwerk "Blade Runner" denken, und einer der Stars dieses Klassikers, Rutger Hauer, spielt William Earle, einen der Manager von Wayne Enterprises.

Überhaupt ist "Blade Runner" für die in Batman Begins vermittelte Atmosphäre wohl die wichtigste cineastische Referenz. Aber auch Anspielungen auf andere Filmklassiker wie Fritz Langs Stummfilm "Metropolis" (1927) sind klar zu erkennen.

Batman Begins ist die Charakterstudie eines Suchenden, eines durch den Mord an seinen Eltern traumatisierten Mannes. Auch, wenn man eigentlich keine Comic-Action mag, sollte man diesem faszinierenden Werk eine Chance geben.

Der Film bietet erstklassige Unterhaltung und erlaubt dem Zuschauer die Identifikation mit Figuren, die uns etwas zu sagen haben. Eine Kombination, die im von purem Krawall dominierten Hollywood-Kino eine Seltenheit ist.

Kameramann Wally Pfister erhielt für seine Arbeit eine Oscar-Nominierung. Und die geniale Filmmusik von Hans Zimmer und James Newton Howard hat neue Standards für Hollywoods Blockbuster gesetzt.

Auf Bluray umgesetzt ist der Film durch das gestochen scharfe Bild und den kristallklaren Ton ein besonderes Erlebnis, vor allem auf einem großen Flachbild-Fernseher. Dazu kommen sehenswerte Extras, inklusive einer Parodie auf Batman.

Ein ausführliches Making-of beleuchtet alle wesentlichen Aspekte von der Entwicklung des Drehbuchs bis zur Fertigstellung. Nolans Arbeitsweise, die Auswahl der Schauspieler, und die technischen Herausforderungen, vor allem bei den Actionszenen, kommen zur Sprache.

Die deutsche Synchronisation ist zwar gelungen, jedoch wirken die starken Dialoge im englischen Original einfach noch besser und eingängiger.

Einzig die Altersfreigabe ab 12 Jahren ist viel zu niedrig. Zwar sieht man praktisch kein Blut fließen, doch ist der Film insgesamt extrem düster und bietet zum Teil verstörende Bilder, die wirklich nicht für Kinder geeignet sind.

Mit den beiden Nachfolgern "The Dark Knight"(2008) und "The Dark Knight Rises"(2012) hat Nolan dieses Epos mittlerweile zu einer der besten Filmtrilogien aller Zeiten veredelt. Diese dreiteilige Saga wird auf unabsehbare Zeit DAS Referenzwerk für ein ganzes Genre bleiben und genießt schon jetzt zu Recht den Status eines Klassikers. Man sollte die drei Teile unbedingt kompakt und im Zusammenhang sehen, denn die unglaublich zahlreichen Verknüpfungen und Querverweise machen die drei Filme zu einem einzigartigen Kunstwerk!


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14 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Willst du wissen, woher diese Narben stammen...?, 22. August 2012
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...fragt der von Heath Ledger gespielte Joker im Verlauf des Filmes immer wieder, wobei er jedes Mal eine andere Geschichte auftischt.

Der viel zu früh verstorbene australische Ausnahmeschauspieler verschwindet völlig in der Figur dieses modernen Mephistopheles und tritt so scheinbar mühelos aus dem Schatten Jack Nicholsons, der die Figur unter der Regie Tim Burtons als eine Art soziopathischen Clown angelegt hatte, furchteinflößend zwar, aber doch in erster Linie amüsant. Eben Jack Nicholson in Reinkultur.

Ausserdem statteten die Drehbuchautoren des Burton-Filmes den Joker mit einer Biographie aus. Jack Napier, so sein ursprünglicher Name in dieser Filmversion, ist ein gefürchteter Gangster, der nach einem Zweikampf mit Batman in einen Säurekessel fällt und gewissermaßen in der Gestalt des Jokers wieder aufersteht.

Der Mörder-Clown bleibt in Christopher Nolans Umsetzung ohne konkret fassbare Vergangenheit oder Identität. Eine Verbindung zum Mord an Bruce Waynes Eltern, wie sie in Burtons Film konstruiert wurde, gibt es nicht.

Christopher Nolan, sein Bruder Jonathan und Co-Autor David Goyer wollten den Joker in ihrem Drehbuch unbedingt als absolut darstellen. Damit bleiben sie der Figurenkonzeption der maßgeblichen Comics treu.

Als wichtigste Inspirationen für die Geschichte, die in The Dark Knight erzählt wird, dienten die Comics Batman#1 von 1940, in welchem der Joker seinen ersten Auftritt hat, "The Long Halloween", in dem Harvey Dent eine wichtige Rolle spielt, und "The Killing Joke", der bereits Tim Burton für seinen ersten Batman-Film als Vorlage diente.

Die Haupthandlung von The Dark Knight setzt etwa ein Jahr nach Batman Begins ein. Bruce Waynes heimlicher Kampf gegen Verbrechen und Korruption in Gotham trägt erste Früchte, da Lieutenant James Gordon inoffiziell mit dem Dunklen Ritter kooperiert. Die Unterwelt ist in Aufruhr. Doch die Herausforderung, die nun auf Batman wartet, hat nicht nur dieser unterschätzt.

Seit einiger Zeit hält eine Serie spektakulärer Banküberfälle die Polizei von Gotham City in Atem. Am Tatort finden die Beamten außer leergeräumten Tresoren stets nur die Leichen von ein paar Handlangern und eine Visitenkarte...

Nie wurde der Joker so verstörend auf der Leinwand porträtiert und kam dabei der ursprünglichen Comicfigur näher als in diesem gut zweieinhalb Stunden langen Meisterwerk von Christopher Nolan, der damit die Fortsetzung zu Batman Begins (2005) liefert.

Als wichtigstes äußeres Vorbild für die Figur des Jokers in den frühen Comics gilt der von Conrad Veidt gespielte Gutsherr Gwynplaine aus dem expressionistischen Stummfilm "Der Mann, der lacht"(1924).

Nolan war, nachdem er Heath Ledgers großartige Leistung als Ennis del Mar in Brokeback Mountain gesehen hatte, absolut überzeugt, den richtigen Schauspieler für die Rolle des Jokers gefunden zu haben.

Es muss ihn eine Menge Zeit und Nerven gekostet haben, auch die Produzenten von seiner Wahl zu überzeugen, denn der Joker war völlig anders als alle Charaktere, die der oft als Leinwand-Schönling abgestempelte Mädchenschwarm Ledger bis dahin gespielt hatte, vor allem ein totaler Gegenpol zu dem verdrucksten, eigenbrötlerischen Ennis del Mar.

All dies beweist nicht nur eine Menge Mut, es zeigt vielmehr, dass Christopher Nolan genau weiß, was er tut.

Gleiches gilt für seine Besetzung einer weiteren Schlüsselfigur. Harvey Dent wird von dem bis dahin noch wenig bekannten Aaron Eckhart gespielt, der diese Rolle seinem Golden Globe-nominierten Auftritt als redegewandter Tabak-Lobbyist in der Satire "Thank You For Smoking"(2006) verdankt.

Heath Ledger spielt den Joker als das personifizierte Böse. Äußerlich wirkt diese Figur im geschmacklosen lila Anzug mit dem eher nachlässig aufgetragenen Clowns-Makeup, den langen, grünen, strähnigen Haaren und dem schlurfenden Gang mit leicht vorgebeugter Körperhaltung wie ein Punk, ein Freak, eine Mischung aus Goethes Teufelsfigur, Alex de Large aus "Clockwork Orange" und Sid Vicious.

Die Figur mit einem so jungen Schauspieler zu besetzen mag auf den ersten Blick vielleicht etwas befremdlich erscheinen, jedoch ist dies weniger dem Jugendwahn Hollywoods geschuldet als vielmehr dem Gedanken, dass jede junge Generation irgendwann von dem Impuls getrieben wird, Althergebrachtes zu negieren, verkrustete Strukturen niederzureißen.

In diesem Kontext wird der Joker in The Dark Knight als nihilistische, anarchische Urgewalt dargestellt, die vor allem eines will: Zerstörung, und das im wörtlichsten, negativsten Sinne.

Sein ständiges widerliches Schmatzen, verbunden mit dem Spielen der Zunge an den Mundwinkeln verleihen ihm Züge eines Reptils. Die schneidende Stimme unterstreicht seine Bedrohlichkeit weiter.

Dass hinter der Maske noch ein winziger Rest Verletzlichkeit und damit ein menschlicher Zug durchschimmert, ist Heath Ledgers grandioser Schauspielkunst zu verdanken. Sieht man sein Porträt des Jokers, so beschleicht einen unwillkürlich die Frage, was uns denn eigentlich zu menschlichen Wesen macht und inwiefern das Böse Teil unserer Natur ist.

The Dark Knight ist wie sein Vorgänger kein Superheldenfilm im gewohnten Sinne, sondern ein vielschichtiges, psychologisch stimmiges, Krimi-und Actiondrama, das an Genreklassiker wie "Heat"(1995) oder "The Departed"(2006) erinnert.

Der düstere Realismus, der schon "Batman Begins" entscheidend prägte, erreicht hier eine für das Superhelden-Genre ganz neue Stufe, inklusive eines Terrorszenarios, das mehr als nur einmal mulmige Gefühle beim Zuschauer weckt.

Christopher Nolans zweiter Batman-Streich ist sein erster Film mit einer durchgehend linearen Erzählstruktur, was den Meister jedoch nicht davon abhält, mit harten Schnitten Zeitsprünge zu vollziehen.

Zusammenhänge erschließen sich nicht zwingend nur durch Dialoge, sondern auch durch ruhige Momente, in denen die Kamera als alleiniges erzählerisches Instrument fungiert, was vom Zuschauer verlangt, sich zu konzentrieren und sich eigene Gedanken zu machen.

Konzentrierte sich Batman Begins noch fast ausschließlich auf Bruce Wayne, bildet hier der Joker das Epizentrum einer Story, in der im Grunde nur er gewinnen kann. Meisterhaft diabolisch zieht er die Fäden, spielt die selbsternannten Retter von Gotham City- Batman, Lieutenant Gordon und den neuen Staatsanwalt Harvey Dent- gegeneinander aus.

War das übergeordnete Thema von Batman Begins Furcht, so behandelt The Dark Knight das durch den Joker repräsentierte Chaos, nicht ohne auch der inneren Wut Bruce Waynes genügend Raum zu geben.

Dieser wird von Christian Bale wieder hervorragend verkörpert. Sein Spiel ist der Figur Bruce Wayne gemäß viel subtiler angelegt und bildet einen genau so beabsichtigten Kontrast zu Heath Ledgers raumgreifender Darstellung des Jokers. Bales Leistung wurde und wird nicht ausreichend gewürdigt. Er verblasst neben Ledger keineswegs.

Überhaupt ist Christian Bale der mit Abstand beste Darsteller des Bruce Wayne/Batman aller Zeiten.

Batman liefert sich mit dem Joker ein auf physischer wie psychischer Ebene furioses Duell. Im Laufe des Filmes wird immer deutlicher, dass beide einander bedingen und demzufolge einander nie töten würden.

In dieser Geschichte gibt es keine echten Helden, was The Dark Knight Züge eines Film Noir verleiht. Jeder der drei Verteidiger Gothams muss am Ende einen schrecklichen Preis zahlen, besonders der idealistische Eiferer Dent wird gnadenlos zu Fall gebracht.

In einem großartigen Ensemble, zu dem auch wieder die wunderbaren Michael Caine als Alfred und Morgan Freeman als Lucius Fox gehören, stiehlt Ledger allen die Show. Er ist nicht nur furchteinflößend sondern auf ganz eigene Art auch witzig.

Doch ist Harvey Dents tragische Geschichte das eigentliche emotionale Rückgrat des Films. Der hervorragende Aaron Eckhart, dessen Ausstrahlung an Robert Redford oder Kirk Douglas in jungen Jahren erinnert, holt aus seiner wesentlich undankbareren Rolle das Maximum heraus und stellt Dents Abstieg in jeder Phase glaubhaft dar. Aaron Eckharts Porträt des Harvey Dent fügt sich nahtlos in Nolans Vision der Welt Batmans ein und kommt gleichzeitig dem Kern der Comicfigur so nahe wie keine Darstellung zuvor.

Dent gehört als Two-Face zu Batmans Erzfeinden und tritt in dieser Gestalt erstmals im Jahre 1942 in den Comics auf. Die unter anderem von Bill Finger entwickelte Figur ist zweifellos von Stevensons "Jeckyll and Hyde"-Charakter beeinflusst und dessen Darstellung durch Frederic March in der legendären Verfilmung der 1930er Jahre.

Harvey Dent hieß bei seinem ersten Auftritt in den Comics noch Harvey Kent. Der junge, aufstrebende Staatsanwalt war ein guter Freund Bruce Waynes. Seine Wandlung zu Two-Face, einem Mann mit gespaltener Persönlichkeit, in der die guten Eigenschaften Harvey Dents immer wieder mit seiner psychotischen Seite ringen, wird in mehreren Geschichten dargestellt, allerdings weichen diese Darstellungen zum Teil stark voneinander ab.

In einer Version zerbricht Dent mental am Verlust seiner großen Liebe, eine Parallele zu Christopher Nolans Film. Auch zur Entstellung seines Gesichtes gibt es keine einheitliche Schilderung. In Fankreisen am populärsten ist die Version, dass Dent durch Säure verunstaltet wird, die ihm mit einer Pistole ins Gesicht gespritzt wird. Der Joker hat dabei, genau wie in Nolans Film, seine Hände im Spiel.

In The Dark Knight wird kurz auf die Episode mit der Säurepistole angespielt. Auch hier ereignet sich der Zwischenfall mit der Pistole während einer Gerichtsverhandlung, allerdings kann Dent den Täter rechtzeitig entwaffnen.

Dent ist in dieselbe Frau verliebt wie Bruce Wayne, der nur auf den Moment wartet, das Fledermauskostüm an den Nagel hängen zu können. Bruce (Christian Bale) sehnt sich nach einem normalen Leben mit seiner Jugendliebe Rachel Dawes (Maggie Gyllenhall), er glaubt in Dent den Mann gefunden zu haben, der sicherstellen kann, dass Gotham den Dunklen Ritter nicht mehr braucht.

Um der Mafia, die Gotham bis in höchste Kreise infiltriert hat, das Handwerk zu legen, arbeitet Dent zunächst mit Batman zusammen, ohne dessen wahre Identität zu kennen. Gordon (Gary Oldman) komplettiert die an ein römisches Triumvirat erinnernde Allianz, jedoch muss dieser der Tatsache Rechnung tragen, dass, wenn nicht alle, so doch die meisten Cops in seiner Spezialeinheit von der Mafia geschmiert werden. Auch er weiß nach wie vor nicht, wer sich hinter der Fledermausmaske verbirgt.

Dent, der früher für die Dienstaufsicht gearbeitet hat und bereits gegen viele Polizisten intern ermitteln musste, hat zu Gordon ein gespanntes Verhältnis. Dieser weiß um die Mißstände in der Major Crimes Unit, jedoch bleibt auch ihm letztlich nichts anderes übrig, als zu versuchen, das Beste aus der Situation zu machen.

Gary Oldman spielt Jim Gordon einfach grandios. Er porträtiert ihn als aufrechten, loyalen Streiter für das Recht, der eine ungeheuere Last auf seinen Schultern trägt, selbst nicht frei von Fehlern ist und folglich mehr als einmal im Hader mit seinen eigenen Prinzipien als Gesetzeshüter liegt.

Gordon hat, da das System, in dem er arbeitet, zutiefst korrupt ist, gar keine andere Wahl, als mit jemandem wie Batman zusammenzuarbeiten, will er tatsächlich etwas bewirken. In dieser Stadt kann ein einzelner aufrechter Cop nichts ausrichten, es sei denn, er hat Hilfe von außen.

Durch den chinesischen Unternehmer Lau (Chin Han), der ausgerechnet Geschäfte mit Wayne Enterprises machen will, um unter dem Deckmantel der Seriosität Mafiagelder zu waschen, bekommen Batman, Dent und Gordon endlich die nötigen Informationen, um entscheidend gegen die Mafia vorzugehen. Erstmals operiert Batman dabei auch außerhalb von Gotham.

Doch die ehrenwerten Herren haben sich längst an den Joker gewandt, den sie anfangs noch tot sehen wollten, nachdem er eine ihrer Banken ausgeraubt hatte...

In einer Szene flieht der Joker in einem Polizeiwagen, streckt dabei seinen Kopf aus dem Fenster und genießt im Triumph mit geschlossenen Augen den Fahrtwind. Solche Momente stehen stellvertretend dafür, dass es oft keine Worte braucht, um einen Charakter zusammenzufassen. Christopher Nolan beherrscht dies meisterhaft.

Die Geschichte verblüfft mit immer neuen Wendungen und steuert auf Höhepunkte zu, die der Zuschauer nicht erwarten würde, dank des völlig unberechenbaren Jokers. Das voller genialer Dialoge steckende, vielschichtige Drehbuch ist quasi um ihn herum aufgebaut.

Der Mörder-Clown ist nicht nur völlig skrupellos, er hat auch keinerlei Angst vor dem Tod, was ihn seinen Gegnern zusätzlich überlegen macht.

Insgesamt ist der Joker nur für etwa ein Drittel des Filmes auf der Leinwand zu sehen und doch spürt man seine Präsenz in jeder Sekunde, selbst wenn er nicht auftritt.

Dazu liefern Hans Zimmer und James Newton Howard erneut einen phantastischen Soundtrack. Das musikalische Hauptmotiv des Jokers besteht dabei aus nur einem einzigen Akkord, der aus zwei Tönen zusammengesetzt ist und, auf einem Streichinstrument gespielt, einen nervenzerrenden, metallischen Klang bekommt. Durch die gesamte Filmmusik ziehen sich Elemente, deren Klangfarbe an Messer und Rasierklingen erinnert.

Auch wenn man den Film schon mehrmals gesehen hat, bleibt er mitreißend bis zuletzt. Es macht außerdem viel Spaß, die zahlreichen Anspielungen und Verweise auf Klassiker der Filmgeschichte unter die Lupe zu nehmen. Als Beispiele seien hier nur "Star Wars: The Empire Strikes Back"(1980) und "Apocalypse Now"(1979) genannt.

Die spektakuären, im hochauflösenden IMAX-Format gefilmten Actionszenen haben ein perfektes Timing und sind so effektiv eingesetzt, dass sie den Film niemals überlagern. Vielmehr sind sie ein integraler Teil der Story und vertiefen außerdem die Charaktere.

Die Tragik eines Superhelden wurde noch nie so hervorragend in einer Comicverfilmung herausgearbeitet. Das größte Plus von The Dark Knight ist aber, dass er auf seinem Vorgänger aufbaut und Batman Begins dadurch sogar noch vertieft.

Als Bruce Wayne sich entschließt, als Batman die Straßen von Gotham zu säubern, hat er zwar zunächst damit Erfolg, erschafft aber ein Umfeld, das nicht nur Nachahmer, sondern auch Charaktere wie den Joker magisch anzuziehen scheint.

Batman findet seine Nemesis, die ihr ganz eigenes Spiel spielt. Am Ende wird dem Dunklen Ritter wie dem Zuschauer das markerschütternde Lachen des Jokers entgegenhallen...

Mit herkömmlichen Mitteln ist diesem Gegner nicht beizukommen. Der Joker will weder Geld, noch verfolgt er eine konkrete politische Agenda. Die eigentliche Triebfeder seines Handelns ist Batman selbst, der ihn erst vollkommen macht.

Batman befolgt in seinem Kampf gegen das Unrecht strikte Regeln, zum Beispiel, nie einen Menschen, auch keinen Feind, kaltblütig zu töten und sich so nie ganz auf das Niveau seiner Gegner zu begeben.

Der Joker fordert ihn diesbezüglich ganz gezielt heraus, Er steht für pure Anarchie und kennt keine Regeln. Vielmehr will er seine Gegner an einen Punkt treiben, an dem sie ihre eigenen Regeln brechen. Alfred, über dessen Vergangenheit wir einiges erfahren, erkennt als Erster, dass dieser Mann die Welt einfach nur brennen sehen will.

Der Dunkle Ritter gerät immer mehr ins Abseits, die verängstigten Bürger fordern seinen Kopf. Der unerschütterliche Glaube an Batman als Beschützer einer zunehmend dem Terror ausgelieferten Stadt wird in The Dark Knight besonders durch ein Kind personifiziert: Commissioner Gordons kleinen Sohn James.

Das Motiv, dass Batman für Kinder ein Held ist findet sich bereits in Batman Begins. Dieses Motiv wird im abschließenden dritten Film The Dark Knight Rises noch entscheidend ausgebaut.

Der Joker aber mordet weiter. Er bleibt seinen Gegnern immer einen Schritt voraus und stürzt Gotham mit gezielten Terrorakten ins Chaos. Auf seiner Todesliste steht auch Rachel Dawes.

Harvey Dent überlebt zwar, wie der Joker es vorgesehen hatte, jedoch ist seine linke Gesichtshälfte grausam entstellt.

Als Batman versucht, Rachel und Harvey aus der Gewalt des Jokers zu befreien, erreicht dessen psychologische Perfidie ihren Höhepunkt. Zugleich macht diese Sequenz überdeutlich, dass Bruce Wayne nur ein normaler Mensch ohne Superkräfte ist. Jedem anderen Superhelden wäre es wohl irgendwie gelungen, beide zu retten. Batman gelingt dies trotz Gordons Hilfe nicht.

Batman kann keine Wunder vollbringen. Inmitten all des Chaos bleibt dem Dunklen Ritter nichts anderes übrig, als weiterzukämpfen.

Auf Bruces Frage, was er tun solle, da Menschen seinetwegen sterben, antwortet Alfred: "Es ertragen. Auch wenn alle Sie dafür hassen. Das ist Batmans Vorteil. Er kann der Ausgestoßene sein. Er hat die Wahl, die sonst niemand hat. Die richtige Wahl."

Dents äußerliche Deformation macht letztlich die dunkle Seite seiner eigenen Psyche optisch greifbar, die sich nach Rachels Tod endgültig ihre Bahn bricht. Angedeutet wird eine solche Entwicklung der Figur auf visuelle Weise bereits lange vorher. Nolan setzt Aaron Eckhart so ins Bild, das die beiden Hälften von Harvey Dents Gesicht unterschiedlich ausgeleuchtet sind, wann immer die Figur einen weiteren Schritt in diese Richtung vollzieht. Sobald Dent weiß, dass der Joker auch Rachel umbringen will, schreitet dieser Prozess unaufhaltsam voran.

Mit dem Wahnsinn, so formuliert es der Joker, ist es wie mit der Schwerkraft. Oft genügt schon ein kleiner Schubser...

Als weiteres Symbol steht das Werfen einer Münze, ein Bild für die Macht des Zufalls als einziger moralischer Größe in einer unmoralischen Welt, die jedem dieselbe Überlebenschance zugesteht: Fifty-Fifty.

Dem Joker geht es nur um das Spiel selbst mit all den Elementen der Gesellschaft, die ihn hevorgebracht hat. Er bezeichnet sich selbst als einen Hund, der Autos nachjagt. Moralische Grenzen existieren für ihn nicht. Er tötet Menschen zum Spaß oder einfach nur, weil sie ihm widersprochen haben, oder führt mit ihnen perverse "soziale Experimente" durch.

Er hält ganz Gotham City, und damit auch Batman, den Spiegel vor. Indem er Harvey Dent, den Weißen Ritter und größten Sympathieträger, zu Fall bringt und ihn letztlich zu seinem Werkzeug macht, trifft er das Publikum ins Mark. Er reißt den besten Mann von Gotham in den Abgrund und erbringt damit den Beweis für eine perfide Theorie: Auch jemand, der so gut ist, wie Harvey Dent, kann scheitern.

Die Schlüsselsequenz in The Dark Knight, die nicht zufällig in der Mitte des Filmes liegt, ist Batmans Zweikampf mit dem Joker in den nächtlichen Straßenschluchten von Gotham, gefolgt von der ungeheuer intensiven Verhörszene im Polizeihauptquartier. Jedoch bildet die spätere Geiselnahme zweier voll besetzter Fährschiffe den eigentlichen Höhepunkt...

Die Verhörszene und die Ereignisse, die um sie herum stattfinden, ist die Kulmination all dessen, was bis zu diesem Zeitpunkt in The Dark Knight geschehen ist. Es erscheint rückblickend sogar so, als hätten bereits die Ereignisse in Batman Begins genau darauf hingearbeitet.

Die Festnahme des Jokers, der Ausgang des Verhörs und seine spätere Flucht aus dem Untersuchungsgefängnis der Major Crimes Unit beeinflussen nicht nur die gesamte zweite Hälfte von The Dark Knight, sondern wirken sich weitreichend auch auf das aus, was in The Dark Knight Rises geschehen wird, dessen Handlung acht Jahre später einsetzt.

Somit kann man The Dark Knight mit Recht als das Herzstück von Christopher Nolans Batman-Trilogie bezeichnen.

Harvey Dents Rachefeldzug gegen diejenigen, denen er die Schuld an Rachels Tod gibt, gipfelt in mehreren Morden. Erst als er auch Gordons Frau und Kinder töten will, kann Batman ihn stellen. Dent stürzt in die Tiefe und bricht sich sein Genick. Das Triumvirat ist endgültig gescheitert.

Um den Frieden in Gotham City wiederherstellen und bewahren zu können, müssen Batman und der mittlerweile zum Polizeichef beförderte Gordon einen Pakt schließen. Batman nimmt die von Harvey Dent/Two-Face begangenen Verbrechen auf sich.

Er ist nun endgültig ein Ausgestoßener und verschwindet, schwer verletzt und gejagt von Gordons Männern, in der Nacht.

Batman trifft letztendlich genau die Wahl, die außer ihm kein anderer treffen könnte: "Ich bin, was immer für Gotham nötig ist."

Harvey Dent wird als Held zu Grabe getragen. Gotham bekommt, was es braucht: ein strahlendes Symbol der Hoffnung. Mit diesem Ausgang der Ereignisse wird dem Schlüsselsatz dieses Filmes noch einmal besonderes Gewicht verliehen: Man stirbt als Held, oder lebt so lange, bis man selbst zum Schurken wird.

Was letztendlich aus dem Joker wird, bleibt offen. Auch im Nachfolger The Dark Knight Rises wird kein Wort darüber verloren.

Heath Ledgers plötzlicher Tod machte einen weiteren Auftritt, den sich sicher viele Fans gewünscht hätten, unmöglich. Doch so tragisch das Ganze auch ist: Mit seiner letzten Szene in The Dark Knight ist diese Figur komplett.

Seine finale Konfrontation mit Batman, gekrönt von seinem durchdringenden, höhnischen Lachen, fasst den enigmatischen Charakter noch einmal perfekt zusammen.

Die virtuos eingesetzte Parallelmontage der Schlußsequenz sorgt, untermalt von der wuchtigen Musik, garantiert auch beim x-ten Mal für eine Gänsehaut.

Dass es auf die eingangs formulierte Frage keine konkrete Antwort gibt, macht das Ganze um so verstörender. Der Zuschauer kann nicht anders, als sich einzugestehen, dass die Narben, die der Clownsfratze des Jokers ein ewiges Lächeln beschert haben, wohl schon immer da waren.

The Dark Knight ist die bis dahin tiefgründigste und düsterste Comic-Verfilmung, ein grimmiger, brisanter, von der ersten bis zur letzten Szene perfekt durchkomponierter Meilenstein, der Maßstäbe setzt und unbequeme ethische Fragen aufwirft, auf die es keine einfachen Antworten gibt.

Der Film zeigt, wie der Joker es selbst ausdrückt, was passiert, wenn eine unaufhaltsame Kraft auf ein unbewegliches Objekt trifft. Wie weit darf eine Gesellschaft, ein sogenannter Rechtsstaat gehen, um einer solchen Kraft Einhalt zu gebieten?

Das Duell zwischen Batman und dem Joker kann durchaus auch als Allegorie auf Amerikas "Krieg gegen den Terror" verstanden werden, ein Krieg, ausgefochten mit höchst fragwürdigen Methoden und letztlich vollkommen aussichtslos.

Zudem werden nebenbei noch einige ebenso subtile wie treffende Kommentare über den Kapitalismus und die laschen amerikanischen Waffengesetze eingeflochten.

The Dark Knight wurde für insgesamt acht Oscars nominiert, wurde in den Hauptkategorien Bester Film, Beste Regie und Bestes Drehbuch aber unverständlicherweise nicht berücksichtigt, was zu heftigen Diskussionen auch innerhalb der Academy führte und einen Reformprozess bezüglich der Nominierungskriterien in Gang setzte.

Immerhin erhielt Heath Ledger posthum völlig zu Recht die Auszeichnung als bester Nebendarsteller und wurde somit zum ersten Schauspieler, der für eine Comic-Verfilmung einen Oscar gewann. Außerdem wurde noch die Tongestaltung prämiert.

Ledger gewann außerdem noch den Golden Globe, den BAFTA-Award und den Screen Actors Guild Award, sowie rund dreißig weitere internationale Auszeichnungen, inklusive sämtlicher wichtiger Preise der amerikanischen Filmkritiker.

Die Bluray bietet eine hervorragende Bild-und Tonqualität, dazu sehenswerte Extras, allerdings sollte man, um dem Kinoerlebnis zumindest nahezukommen, einen möglichst großen Fernseher haben.

Neben einem ausführlichen Making-of und mehreren Featurettes sollte man sich besondes die Doku "Batman Unmasked" zu Gemüte führen. Nicht nur Batmans Psychologie wird dort von Experten eingehend analysiert, auch seine Feinde werden unter die Lupe genommen. Man lernt dadurch Christopher Nolans tiefgründige filmische Interpretation noch mehr zu schätzen.

Die deutsche Synchronfassung ist zwar gelungen, die brillanten Dialoge sind aber im englischen Original unschlagbar!

Der Film ist ab 16 Jahren freigegeben. Richtig so, denn auch wenn man praktisch kein Blut zu sehen bekommt, bietet er sehr verstörende Bilder und ist daher absolut nichts für Kinder.

Die Stimme des Jokers ist in der englischen Fassung ein besonderer Leckerbissen. Heath Ledger imitiert gewissermaßen den Akzent von Chicago, wo der Film zum größten Teil gedreht wurde.

Und Michael Caines Cockney-Dialekt ist sowieso immer wieder ein Genuss.

Die unvergleichliche Mischung aus Superhelden-Action, Polit-Thriller und großem menschlichem Drama mit durchweg glaubhaften Figuren machen diesen Film zu einem modernen Klassiker, den man gesehen haben sollte. Ein Referenzwerk für ein ganzes Genre. Besser geht es einfach nicht! Aber vor allem ist The Dark Knight das Vermächtnis des wohl besten Schauspielers seiner Generation.

Heath Ledger ist tot. Seine Legende lebt. R.I.P.


The Dark Knight Rises [Blu-ray]
The Dark Knight Rises [Blu-ray]
DVD ~ Christian Bale
Preis: EUR 8,97

23 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Endlich eine Trilogie, die diesen Namen verdient, 13. August 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Dark Knight Rises [Blu-ray] (Blu-ray)
"There is a storm coming", flüstert Selina Kyle Bruce Wayne zu. Damit ist die Saat gelegt für das apokalyptische Finale der Dark Knight-Trilogie, das alle prägenden Themen und Motive aus Batman Begins und The Dark Knight wieder aufgreift, weiterentwickelt und zu einem hochemotionalen, befriedigenden Ende führt.

Alle etablierten Figuren wurden im Verlauf der ersten beiden Filme mit Ereignissen konfrontiert, in deren Kontext sie richtungsweisende Entscheidungen treffen mussten. Dieser dritte Teil, für dessen tieferes Verständnis die Kenntnis von Teil eins und zwei unverzichtbar ist, befasst sich mit den Konsequenzen.

The Dark Knight Rises (TDKR) ist ein Meisterwerk voller Zitate und Querverweise, gekleidet in eine grandiose Bildsprache, die oft an die expressionistischen Stummfilme der 1920er Jahre wie Fritz Langs "Metropolis"(1927) erinnert. Der Film ist noch düsterer und verstörender als seine Vorgänger. Vor allem ist er noch ambitionierter und komplexer, aber bestimmt keinen Deut schlechter!

Christopher Nolan erhebt Hollywood-Blockbusterkino zur Kunst und vollendet hier eine geniale Trilogie, die diesen Titel als eine der wenigen absolut zurecht trägt. Nolans Batman-Saga ist ein unglaublich dichtes, vielschichtiges Gesamtkunstwerk. Die drei Filme muss man mehrfach sehen, so zahlreich sind die Fäden, die sie miteinander verknüpfen.

Mal greift TDKR visuelle Komponenten der Vorgänger auf, die thematisch eingewoben werden, dann sind wiederum Dialogzeilen, die plötzlich in einem anderen Licht erscheinen.

Bei einer echten Trilogie müssen die drei Filme- Anfang, Mittelteil und Schluss- eine Einheit bilden, so dass man einen XXL-Kinofilm in drei Teilen sieht, und genau das ist hier der Fall. Alles andere wären nur lose Episoden wie bei einer TV-Serie, die man beliebig fortsetzen könnte.

Jeder Film hat ein übergeordnetes Thema: Batman Begins handelt von Furcht, The Dark Knight von Chaos und The Dark Knight Rises von Schmerz.

Eine vergleichbare Kohärenz haben eigentlich nur die drei Jason Bourne-Filme, die erste Star Wars-Trilogie, Der Pate und Der Herr der Ringe, wobei Peter Jacksons phantastische Tolkien-Verfilmung wie die Romanvorlage ein geschlossenes Mammutwerk ist.

Christopher Nolan schafft es, einen perfekten dritten Teil vorzulegen, da er die nötige innere Geschlossenheit seines Batman- Gesamtwerkes nie aus den Augen verliert. Anstatt den Fehler vieler anderer Kinoserien zu machen, die Vorgängerfilme unbedingt mit pausenloser Action auf Kosten der Logik toppen zu wollen, hat er erneut eine Geschichte mit psychologischer Tiefe und ausgefeilten Figuren entwickelt.

Nolan bietet natürlich spektakuläre Action und bahnbrechende Schauwerte. Alles Spektakel ist aber nie purer Selbstzweck. Krawallkino Marke "Transformers" ist seine Sache nicht. Er nimmt sein Publikum absolut ernst. Dieser "Batman" verlangt viel vom Zuschauer. Die erzählerische Finesse und die Tiefe der Charaktere machen die Dark Knight-Trilogie zu einer Ausnahmeerscheinung.

Grimmiger Realismus kennzeichnet Nolans epische Trilogie, die ein ganzes Genre auf eine neue Stufe gehoben hat und nun zu Recht als absolutes Referenzwerk gilt.

Neben "Metropolis"(1927) haben auch Klassiker des Tonfilms Christopher Nolans dritten Batman Film beeinflusst, darunter David Leans "Doktor Schiwago"(1965), Gillo Pontecorvos "Die Schlacht um Algier"(1969) und Sidney Lumets "Prince of the City"(1981).

Natürlich hat Nolan auch wieder Anspielungen an Star Wars eingebaut. Banes Maske, inklusive Atemgeräusch, lässt an Darth Vader denken, und Batmans halsbrecherischer Flug durch Gothams Häuserschluchten erinnert an Luke Skywalker beim Kampf um den Todesstern.

Acht Jahre sind seit den Ereignissen aus Teil zwei vergangen. Nach Harvey Dents Tod wurden dessen Reformen zur Bekämpfung organisierter Krimimalität konsequent umgesetzt. Gotham ist sicherer denn je, doch dieser Frieden basiert auf einer Lüge. Und alsbald zieht ein Sturm auf...

Nolan tut zu Beginn von TDKR etwas sehr Ungewöhnliches, indem er das Ende des Vorgängerfilmes praktisch unter dem Mikroskop betrachtet. Batman ist untergetaucht und wird anscheinend nicht mehr gebraucht.

Mehr denn je erscheint Bruce Wayne/Batman als normaler Sterblicher. Er hat seit Jahren das Haus nicht verlassen, wirkt wie in der Zeit eingefroren, was an den legendären Milliardär Howard Hughes erinnert.

Seine Erfahrungen als Batman haben ihn körperlich wie seelisch gezeichnet. Besonders den Tod seiner großen Liebe Rachel, für den er indirekt mitverantwortlich war, hat er nie verwunden, wollte er doch mit seiner Maske eigentlich diejenigen schützen, die ihm etwas bedeuten. Der treue Butler Alfred ist sein einziger Kontakt zur Außenwelt.

Christian Bale spielt Bruce Wayne großartig als geschundene, von Depressionen und Todessehnsucht geplagte Kreatur. Die musikalischen Akkorde, die bislang das Batman-Thema bildeten, erklingen zu Beginn ätherisch, fast geisterhaft.

Nicht nur er ist sinnbildlich angeschlagen. Seiner Firma droht die Insolvenz, da er ein Projekt für regenerative Energiegewinnung aus Angst vor feindlichem Missbrauch auf Eis gelegt hat: "Des Einen Werkzeug ist des Anderen Waffe..."

Durch mehrere Ereignisse und Personen, die anscheinend nichts miteinander zu tun haben, wird Bruce gezwungen, sein Exil aufzugeben. Er muss nicht nur seine Firma retten, sondern wird mit der Hilfe von Lucius Fox auch als Batman wieder aktiv, der immer noch als Harvey Dents Mörder gilt.

Alfred erkennt, dass Bruce in diesem Kampf unterlegen ist. Er liebt ihn wie einen Sohn. Bruce, getrieben von dem Impuls, Gotham vor weiterem Unheil zu bewahren, ignoriert sämtliche Warnungen...

Der Zeitsprung von acht Jahren ist bewusst gewählt und sinnvoll. In der Graphic Novel "The Dark Knight Returns" taucht Batman sogar erst nach zehn Jahren wieder auf. Der komplexe Plot, dessen Szenario an Charles Dickens Roman "Eine Geschichte von zwei Städten" angelehnt ist, bedingt die Länge des Filmes. Die Handlung erstreckt sich über mehrere Monate. Langeweile kommt aber nie auf.

"The Dark Knight Returns", der einen stark gealterten Bruce Wayne zeigt, "No Mans Land", in dem Gotham von der Außenwelt abgeschnitten ist, und die dreiteilige "Knightfall"-Saga, in der Batman sich ein folgenschweres Duell mit Bane liefert, sind die wichtigsten Inspirationen für diesen krönenden Schlussakkord.

Expositionen von Szenen auf das Wesentliche zu reduzieren, überflüssige Informationen wegzulassen und mit radikalen Schnitten Zeitsprünge zu vollziehen gehört fest zu Christopher Nolans stilistischem Repertoire. Seit "Memento" (2001) steht dieser Regisseur für ein Kino, das Konzentration fordert und zum festen Lehrmaterial jeder Filmhochschule gehören sollte.

Auch diesmal liefert Nolan nur das absolut Nötigste, um Zusammenhänge herzustellen. Seine Filme haben keine Logikfehler! Anstatt Handlungsabläufe minutiös zu schildern und haarklein zu erklären, woher Personen ihr Wissen haben, muss man genau hinsehen, hinhören und mitdenken.

Die gesamte Trilogie zeigt zudem alle Varianten, wie man filmisch Zeit erzählen kann. Im dritten Teil tickt am Ende schließlich gnadenlos die Uhr.

Diese Ästhetik wirkt im heutigen Hollywood-Mainstreamkino absolut brachial, schließlich ist der Zuschauer doch daran gewöhnt, alles doppelt erklärt zu bekommen und sich von stupiden Action-Orgien berieseln zu lassen.

Bane, dessen Name "Fluch" oder "Verderben" bedeutet, ist ein würdiger Gegenspieler und unterscheidet sich absichtlich vom Joker, der sich bei der Fangemeinde, nicht zuletzt seit Heath Ledgers grandioser Performance, besonderer Beliebtheit erfreut.

Vergleiche zwischen Bane und dem Joker verbieten sich. Ras al Ghul und Scarecrow waren die perfekten Schurken für Batman Begins, der Joker war wie geschaffen für The Dark Knight und Bane passt wunderbar in das Szenario von The Dark Knight Rises.

Bane will vollenden, was sein Ausbilder Ras al Ghul nicht schaffte. Gotham, für ihn ein Symbol kapitalistischer Dekadenz und Korruption, soll um jeden Preis zerstört werden. Sein Fanatismus wird durch das wuchtige musikalische Motiv noch unterstrichen. Für Batman findet Hans Zimmer Akkorde, die an ein Requiem erinnern.

Über das Schicksal des Jokers wird im gesamten Film kein Wort verloren, auch aus Respekt gegenüber dem verstorbenen Heath Ledger.

Den Joker mit einem anderen Schauspieler zu besetzen, um ihn in TDKR wieder auftreten zu lassen war ohnehin keine Option. Denn dies hätte nicht nur diesen Film ruiniert, sondern auch der Reputation des betreffenden Darstellers durch die ständigen Vergleiche mit Ledger massiv geschadet. Eine Neubesetzung hätte zudem das Vermächtnis eines großartigen Künstlers zu einer cineastischen Fußnote degradiert.

Der Joker war aufgrund seiner Unberechenbarkeit schon immer der beliebteste Schurke im Batman-Universum. Selbst die ebenfalls kultisch verehrte, ambivalente Catwoman kam an die Popularität des Jokers nie ganz heran. Eine extreme Hypothek für den Muskelmann Bane, der erst seit 1993 in den Comics auftritt.

Nolans Bane ist ein Söldner. Dass er in Gefangenschaft aufwuchs und über ungeheuere körperliche Kraft verfügt, entspricht den Comicvorlagen. In TDKR atmet Bane durch eine Spezialmaske ein Gas, das seine chronischen Schmerzen lindert. Er ist hochintelligent und geht militärisch präzise vor.

Catwoman, seit 1940 in den Comics präsent als Batmans Widersacherin, zeitweise Verbündete und gelegentliche Geliebte, wird übrigens im gesamten Film nie so genannt. Lediglich einmal nennt Bruce Wayne Selina Kyle "Cat Burglar", womit er ihre kriminellen Aktivitäten meint.

Tom Hardy leistet Aussergewöhnliches, muss er doch wegen der Bane-Maske mimisch praktisch alles über seine Augen und seine Körpersprache ausdrücken.

Anne Hathaway glänzt besonders in den intimeren, leiseren Szenen. Die Ambivalenz der Figur scheint ihr ebensowenig Probleme zu bereiten wie der lange Schatten Michelle Pfeiffers, deren Catwoman seinerzeit zur Kino-Ikone wurde. Mit ihrer famosen Darbietung dürfte sie ihr Prinzessinnen-Image endgültig abgestreift haben.

Selina Kyle ist in TDKR eine junge, attraktive, bereits vom Leben hart geprüfte Frau, die gelernt hat, sich durchzuschlagen. Sie begeht Einbrüche und stiehlt Gothams High Society vorzugsweise teueren Schmuck. Eines ihrer Opfer, gleich zu Beginn, ist ausgerechnet Bruce Wayne, auf dessen Grundstück die Feierlichkeiten zum alljährlichen Harvey-Dent-Day stattfinden.

Die Meisterdiebin trägt Züge einer klassischen Femme Fatale. Sie ist, getreu den Comics, keine reine Schurkin, sondern eine Soziopathin mit eigenem Moralkodex, aber noch mehr eine Getriebene, deren sehnlichster Wunsch es ist, noch einmal neu anzufangen, was den Zuschauer schnell auf ihre Seite zieht.

Wenn sie in Bedrängnis gerät, kommen ihre dunklen Charakterzüge besonders zur Geltung. Batmans Kodex "Keine Schusswaffen, keine Toten" kontert Catwoman mit "Wo bleibt dabei der Spaß?"

Eine kleine Szene zeigt die Facetten ihres Charakters besonders kompakt. Sie steht exemplarisch dafür, wie genial das Drehbuch Themen und Charakterzeichnung kombiniert:

Selina hilft einem Jungen, der vor Hunger einen Apfel gestohlen hat. Da sie selbst nur zu gut weiß, was es heißt, Not zu leiden, schaltet sie die Verfolger aus, gibt dem Jungen den Apfel zurück und lässt ihn laufen, nicht ohne vorher ein Stück abzubeißen.

Anne Hathaway und Tom Hardy porträtieren ihre Charaktere absolut faszinierend und glaubhaft. Die Figuren funktionieren in dem realistisch dargestellten Gotham City hervorragend und lassen keinen Vergleich mehr mit den Inszenierungen der 1990er Jahre zu.

Tim Burton hat immerhin den Weg für die angemessen düstere Grundathmosphäre geebnet und die Tragik der Hauptfigur als Erster herausgearbeitet. Bei ihm lag der Fokus in der Umsetzung der Vorlagen allerdings auf den Comic-Elementen.

Das Problem der Batman-Version dieses eigentlich absolut genialen Regisseurs besteht darin, dass er Motive und Versatzstücke aus dem Genre des Film Noir eingebaut hat, die mit Burtons barocker Comicwelt, all ihrer durchaus gewollten Künstlichkeit und den oft bis ins Groteske überzeichneten Figuren nicht recht zusammenpassen.

Joel Schumacher machte daraus dann leider eine quietschbunte Pop-Oper. Anstatt auf Tim Burtons wegweisender Pionierarbeit, die auch die exzellente Batman-Zeichentrickserie der 1990er Jahre ermöglichte, aufzubauen und die Figur weiterzuentwickeln, bedeuteten "Batman Forever" und "Batman und Robin" einen Rückschritt.

Burtons Batman trägt nicht nur bereits Ansätze dessen in sich, was später Christopher Nolans Filme auszeichnen wird, er atmet auch den Geist jener frühen Comics, bevor Robin Batmans Gefährte wurde.

Schumacher hat, wohl auch auf Druck der Studiobosse, eine verspieltere, massentauglichere Version geschaffen. Seine Filme erinnern stark an die Comics der 1960er Jahre als die Verkaufszahlen einbrachen. Batmans Welt wurde immer kindgerechter und familientauglicher. Damit verprellten die Schreiber und Zeichner bald auch die treuesten Fans.

Christopher Nolan gelingt in seiner Interpretation der Welt des Dunklen Ritters perfekt die Fusion der Comics mit den Elementen des Film Noir, indem er als Basismaterial konsequent nur Geschichten verwendet, die dem Batman-Universum seit den 1980er Jahren wieder realistischere Züge verliehen haben.

In der Tradition der Schwarzen Serie, deren Quintessenz darin besteht, dass es keine strahlenden Helden gibt, erscheint Batman in der Dark Knight-Trilogie nun auch im Kino als tragischer Anti-Held mit stimmigem psychologischem Profil. Diese Aura umweht auch seine treuesten Verbündeten.

Gary Oldman, Michael Caine und Morgan Freeman sind in diesen kleinen, aber feinen Nebenrollen eine sichere Bank.

Besonders Oldmans Darstellung des stets konfliktbeladenen James Gordon verdient mehr Anerkennung. In TDKR scheint Gordon sein Wissen um die Wahrheit innerlich zu verzehren. Seine Frau hat ihn verlassen und die Kinder mitgenommen, die Politik sägt an seinem Stuhl.

Gary Oldmans Porträt des desillusionierten aber aufrechten und loyalen Gordon in den drei Filmen fasziniert immer wieder, um so mehr, da man diesen Ausnahmeschauspieler zuvor hauptsächlich als Bösewicht kannte (Leon, der Profi, etc.)

Michael Caine, wie immer grandios, hat als Alfred wenige, aber besonders eindringliche Szenen, die wirklich zu Tränen rühren.

Morgan Freeman spielt Lucius Fox auch diesmal wieder herrlich lässig mit sanfter Ironie und heimlichem Stolz eines genialen Tüftlers.

Joseph-Gordon Levitt spielt den jungen, idealistischen Polizisten John Blake. Er ist sich sicher, dass Batman kein Mörder ist und glaubt zu wissen, wer der Dunkle Ritter wirklich ist, behält dies aber für sich, da er keine Beweise hat. Blake wuchs in einem Waisenhaus auf und hat Bruce Wayne als Kind einmal flüchtig kennengelernt. Er ist, bedenkt man das Ende, der eigentliche Star in diesem Ensemble.

Blake steht, wie der Waisenjunge Mark, dessen Bruder tot in einem Abwasserkanal gefunden wird, stellvertretend für ein Motiv, das sich durch alle drei Filme zieht: Kinder, für die Batman ein Held ist und immer bleiben wird.

Marion Cotillard ist als schöne Philantropin Miranda Tate ein weiterer Neuzugang mit einer Schlüsselrolle.

Als Sahnehäubchen bietet dieser dritte Teil noch ein paar Kurzauftritte alter Bekannter, die es wirklich in sich haben.

Batman ist der einzige Superheld ohne Superkräfte, auch seine Gegner in dieser Trilogie wirken stets wie Menschen aus Fleisch und Blut. Selbst der Joker, der als absolute Größe ohne konkrete Vergangenheit daherkam, verströmte noch die Aura eines menschlichen Wesens. Für den Zuschauer bleibt so stets, nachvollziehbar, wodurch Batmans Feinde zu dem wurden, was sie sind.

In der Dark Knight Trilogie treten die Feinde Batmans auf, die den Dunklen Ritter im Laufe all der Comic-Generationen am meisten herausgefordert haben. In den drei Filmen wird Batman so konsequent an einen Punkt gebracht, an dem er sein eigenes Tun in Frage stellt.

Bruce Waynes Entscheidung, zu Batman zu werden, geht auf die psychologischen Modelle Carl Gustav Jungs zurück. Er erschafft ein Symbol, das seine innersten Ängste abbildet. Als Kreatur der Nacht überwindet er sein Kindheitstrauma. Allerdings kann er ohne sein Alter Ego bald nicht mehr existieren. Sein Doppelleben wird für ihn zu einer Sucht, was zu weiteren Tragödien in seinem Leben beiträgt.

Alle Feinde Batmans enthalten Aspekte seiner eigenen Persönlichkeit. Im Grunde sind seine Gegner verzerrte Spiegelbilder seiner selbst. Während Bruce Wayne andere Menschen vor dem Leid bewahren will, das ihm geschah, sind Batmans Feinde Psychopathen und Fanatiker geworden, die wollen, dass die Welt leidet, wie sie leiden mussten. Wie Bruce existieren sie vor allem durch ihre Masken.

Um sich nicht völlig in der von ihm geschaffenen Kreatur zu verlieren, ist Bruce Wayne auf einen moralischen Kompass angewiesen, repräsentiert durch Verbündete wie Alfred, Lucius Fox und Commissioner Gordon.

Helden werden immer auch durch die schillernde Galerie ihrer Feinde definiert. Der Dunkle Ritter und seine Gegner gewähren Einblicke in die finstersten Winkel der menschlichen Psyche.

Während Superman für ein Amerika steht, das sich als strahlende Supermacht begreift, die überall auf der Welt für Recht und Ordnung sorgt, ist Batman eher ein Sinnbild dafür, wie die USA vom Rest der Welt wahrgenommen werden.

Zu diesem Kern ist auch der Brite Christopher Nolan in seinen Filmen vorgedrungen. Ein amerikanischer Filmemacher wäre mit einer US-Ikone wie Batman wohl kaum so weit gegangen.

Bruce Wayne wurde weder von Göttern gezeugt, noch von genmanipulierten Spinnen gebissen. Nolans Gotham City ist nicht mehr der in sich geschlossene Mikrokosmos früherer Verfilmungen, sondern eine weltoffene amerikanische Metropole. Die Drehorte wie Chicago, Pittsburgh oder New York sind absichtlich klar erkennbar.

Nolan nutzt dies für seine Inszenierungen, erdet die Figuren und ihre Konflikte und erschafft bei aller Bombastik eine in der modernen (amerikanischen) Realität verankerte Welt, wobei er thematisch den Finger immer am Puls der Zeit behält und, getragen von tollen Schauspielern mit vielschichtigen, dialogstarken Drehbüchern voller unerwarteter Wendungen die Psyche seiner Charaktere auslotet.

In diesem Gotham braucht der Held, will er seinen Gegnern auf Augenhöhe begegnen, neben unglaublich viel Selbstdisziplin und körperlicher Fitness vor allem Intelligenz, Technik auf der Höhe der Zeit und: Jede Menge Geld!

Die beiden Vorgänger sind in allen diesen Punkten nicht minder meisterhaft, aber jedes große Drama braucht einen dritten Akt, und das Ganze kann nur funktionieren, wenn dieser dritte Akt auf den beiden ersten aufbaut, genau wie The Dark Knight ohne Batman Begins nicht richtig funktioniert hätte.

Was die vielen negativen Rezensionen zur Dark-Knight-Trilogie angeht: Man muss Christopher Nolans Umsetzungen nicht mögen. Sowohl Tim Burtons als auch Joel Schumachers Filme haben genau wie die Fernsehserien eine treue Fangemeinde. Das ist absolut in Ordnung.

Welche Verfilmung man selbst bevorzugt hängt sicherlich auch damit zusammen, mit welcher Phase der Comics man groß geworden ist und wann man überhaupt zum ersten Mal Batmans Welt kennengelernt hat.

Aber diejenigen, die Batman Begins und The Dark Knight mochten und The Dark Knight Rises nun abwertend beurteilen, sollten ihn sich erst recht mehrmals anschauen, oder besser gleich alle drei Filme am Stück. Bei einigen negativen Rezensionen muss man sich ernsthaft fragen, ob die Verfasser den Film überhaupt richtig angesehen, geschweige denn ihn verstanden haben.

Vielfach wurde bemängelt, der Film habe einen holperigen Plot mit zu vielen neuen Figuren, biete zu wenig Humor und Batman trete zu selten auf.

Über den Plot habe ich schon das Notwendige gesagt. Und ganz im Ernst: Es geht doch nicht darum, dem Titelhelden möglichst viel Leinwandzeit im Kostüm zu verschaffen! Bruce Wayne ist Batman und umgekehrt. Basta!

Und eine Prise Humor streut Nolan gelegentlich ein. Natürlich in angemessen sparsamer Dosis. Die dem Superhelden-Genre eigene Selbstironie kommt in der Dark Knight Trilogie leise und unaufdringlich daher. Man muss sie nur erkennen und verstehen. Beispielhaft sei in TDKR der Wohltätigkeitsball erwähnt, auf dem Bruce mit Selina tanzt. Alle Gäste haben sich auf diesem gesellschaftlichen Event maskiert. Nur einer nicht: Bruce Wayne!

Und die Szene in Selinas Wohnung, als Bruce sie wegen Bane aufsucht, gehört zu den schönsten Momenten des Films. Sie zeigt zwei geschundene Seelen.

Bruce Wayne und Selina Kyle haben mehr gemeinsam als beiden zu diesem Zeitpunkt bewusst ist. Beide sind auf ihre Art Soziopathen. Beide wurden in unterschiedlicher Weise durch schlimme Erlebnisse geprägt und gewissermaßen ihrer Kindheit beraubt. Während Bruce dennoch behütet und in finanzieller Sicherheit aufwuchs, stammt Selina aus ärmlichen, zerrütteten Verhältnissen und landete bereits als Jugendliche im Erziehungsheim.

Besonders in den USA wurde über die politische Ebene des Films viel diskutiert. Negative Rezensionen entsprangen sicherlich oft der Tatsache, dass die USA seit 2001 schwer traumatisiert sind. Mit den in der Trilogie gezeigten Szenarien legt Nolan den Finger in kaum verheilte Wunden. Teil drei treibt dies auf die Spitze.

Der Film ist aber niemals reaktionär, sondern thematisch aktuell und brisant, und er bezieht klar Stellung!

Der Kapitalismus, in dem die Schere zwischen Armen und Reichen immer weiter auseinanderklafft, und der bei immer größer werdender sozialer Ungerechtigkeit fast zwangsläufig eine Revolution heraufbeschwört, wird ebenso thematisiert wie der fatale Irrglaube, man könnte die Probleme einer Gesellschaft im Handumdrehen lösen, indem man das etablierte System einfach zu Fall bringt.

Wohin solch blinder, linksradikaler Aktionismus führen kann, wird höchst anschaulich dargestellt. Er zeigt die tiefe Sehnsucht einer Gesellschaft nach Sicherheit und Frieden und wie brüchig ein Frieden ist, der nur unter größtmöglichen persönlichen Opfern erkauft werden kann.

Die Mobilisierung der Massen zur grundlegenden Veränderung des gesellschaftlichen Status quo auf radikalste Weise kann nur eine Konsequenz haben: Das Versinken einer Gesellschaft in Terror und Anarchie!

Und jemand wie Batman kann weder als alleiniger Verantwortlicher für grundlegende Probleme gelten, noch als deren Patentlösung taugen. Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft und der Mut, diese zu gestalten, können nicht auf den Schultern des Einzelnen ruhen. Vielmehr ist die Gesellschaft als Ganzes gefordert.

"It is an unfriendly masterpiece", schrieb ein Kritiker. Besser kann man diesen Film, wie die gesamte Trilogie, kaum in einem Satz zusammenfassen. Und Amerika, augerechnet in der Nacht der Kinopremiere wieder von einem bewaffneten Amoklauf erschüttert, wird auf unabsehbare Zeit vor allem eines bleiben: ein Land in Angst.

Ein anderer Kritiker urteilte: "This is a beast of a film", womit nicht nur seine Länge von 165 Minuten gemeint ist. Das komplexe Konsrukt mit den zahlreichen, nicht leicht zu durchschauenden Handlungssträngen, gereicht einer griechischen Tragödie zur Ehre.

Schon der spektakuläre Prolog, in dem Bane vorgestellt wird, sorgt für erhöhtes Adrenalin. Des weiteren wird das Publikum durch eine straffe Inszenierung gefesselt, in der nichts dem Zufall überlassen wurde. Alles hat seinen Platz in dieser Geschichte.

Christopher Nolans "Batman" hat sich soweit wie möglich von seinen Comic-Ursprüngen entfernt. Seine Inszenierungen sind Charakterstudie, Krimidrama und Action-Blockbuster in einem und liegen mit ihrem weitgehend ungeschönten Blick auf eine von Korruption und Elend gebeutelte Gesellschaft weit näher am Genre des Politthrillers oder des Katastrophenfilms als an der Fantasy.

Entscheidend ist, dass Nolan nie Verrat an den Figuren begeht, die Bob Kane, Bill Finger, Jerry Robinson und Co. vor vielen Jahrzehnten erschaffen haben. Gerade seine realitätsbezogene Inszenierung erlaubt es ihm, diesen ursprünglichen Charakteren treu zu bleiben.

Nolan, der seine Drehbücher selbst schreibt und meist mit seinem Bruder Jonathan zusammenarbeitet, legt größten Wert auf Authentizität und verzichtet wenn möglich auf digitale Computereffekte. Er setzt aus Überzeugung auf ursprüngliches Filmmaterial, handgemachte Action im IMAX-Format und erteilt 3D eine klare Absage.

Wenn er eine Straßenschlacht mit tausenden Beteiligten zeigt, sind wirklich Tausende zu sehen, nicht nur ein paar Dutzend, die durch CGI-Tricks vervielfältigt wurden.

Somit bilden seine Batman-Filme innerhalb des Genres auch eine Art Gegenentwurf zu Werken wie "The Avengers", bei denen ein Computereffekt den nächsten jagt und die vor allem eines sind: Laut!

Stattdessen arbeitet Nolan immer wieder mit Stille, wenn man eigentlich das Gegenteil erwartet: Wie einst Stanley Kubrick oder Akira Kurosawa lenkt Nolan inmitten des größten Spektakels die Aufmerksamkeit des Zuschauers gezielt auf die Bewegung auf der Leinwand und verbeugt sich so vor den Ursprüngen der Filmkunst.

Dass der Abschluss dieser Trilogie im tiefsten Winter spielt, gehört zu den vielen visuellen Stilmitteln. Die verschneite Millionenstadt erinnert an die kältesten Regionen der ehemaligen Sowjetunion. Bane trägt als Anführer des revolutionären Umsturzes klare stalinistische Züge.

Christopher Nolan versteht es meisterhaft, nicht einfach nur spektakuläre Bilder zu liefern. Vielmehr nutzt er die Kamera als das, was sie im Kino sein sollte: ein erzählerisches Instrument. Der virtuose Schnitt, der Einsatz oder das Weglassen von Ton und Musik und die detaillierte Ausstattung sorgen ebenfalls für Momente, die haften bleiben.

So kommt der mit archaischer Wucht inszenierte Faustkampf zwischen Bane und Batman unter Tage ganz ohne Musik aus. Nolan läßt diese Sequenz wie einen Film im Film wirken. Die Gewalt wird so für das Publikum spürbar.

Die eigentliche Stärke der Dark Knight Trilogie liegt aber darin, dass der Zuschauer nie die emotionale Bindung zu den Figuren verliert. Speziell Bruce Wayne bleibt stets der Fokus der Geschichte. Das Publikum leidet mit diesem Mann, der etwas Hochgefährliches und Illegales tut, um Gutes zu bewirken.

In ihm vereinen sich drei Persönlichkeiten: der zurückgezogene, sich nach einem normalen Leben sehnende Einzelgänger, der arrogante Playboy und der Gerechtigkeitsfanatiker im Fledermauskostüm. Ist der Playboy nur eine Maske für sein öffentliches Leben, so ist der Dunkle Ritter sein wahres Ich, durch das er seine Wut und seine Schuldgefühle am Tod seiner Eltern kanalisiert.

Nur ein Ausnahmeschauspieler wie Christian Bale konnte diese Figur angemessen darstellen.

Stellvertretend für Bruce Wayne im Zentrum der Trilogie steht in TDKR die Szene im Footballstadion von Gotham. Ein Junge, kaum älter als Bruce beim Tode seiner Eltern und ihm äußerlich nicht unähnlich, intoniert mitten auf dem Spielfeld die amerikanische Nationalhymne. Wenig später ist das Stadion zerstört. Die Überlebenden, auch der Junge, werden Zeugen einer öffentlichen Exekution.

Bane übernimmt, nachdem er die Brücken gesprengt, die inhaftierten Kriminellen befreit und den größten Teil der Polizei in den Kanalisationsschächten festgesetzt hat, vor den Augen der Welt die Kontrolle über Gotham. Bruce Wayne muss weit entfernt gefangen per TV mit ansehen, wie seine Stadt im Chaos versinkt. Während Gordon und Blake versuchen, die Lage von innen in den Griff zu bekommen, operiert an ihrer Seite unerkannt ein Saboteur...

In Gotham herrschen bald bürgerkriegsähnliche Zustände. Bane hat sich zum Warlord erhoben und die Wahrheit über Harvey Dent enthüllt. Von Batman keine Spur. Und Bruce Wayne gilt als vermisst...

Die Szene im Stadion schlägt sowohl die Brücke hin zum Ende der Trilogie, als Bruce/Batman hinaus aufs Meer fliegt und jene Kinderstimme in Hans Zimmers Musik erklingt, als auch zurück zu der Szene in Batman Begins, als der kleine Bruce völlig verängstigt und allein neben seinen toten Eltern kniet.

Bruce Waynes Reise in dieser Filmtrilogie wird in emotionaler Hinsicht durch das Motiv der Angst und inneren Wut des Helden besonders deutlich. Dieser Mann, der innerlich eigentlich immer jener kleine Junge blieb, muss sich am Ende entscheiden, ob er leben oder sterben will. Bruce muss lernen, sich nicht länger von Wut und Schmerz beherrschen zu lassen, der Angst Raum zu geben, die zum Menschsein dazugehört, und Gotham und Batman für immer hinter sich zu lassen.

Der Dunkle Ritter erhebt sich ein letztes Mal...

Nolan lässt diesen sensationellen Showdown in Echtzeit ablaufen. Dabei versäumt er es nicht, die Trilogie mit einer zutiefst menschlichen Note enden zu lassen. Ein ganz besonderer Moment, wohl der emotional befriedigendste aller drei Filme, wird Commissioner Gordon zuteil. Batman gibt ihm zu verstehen: "Darum tue ich, was ich tue!"

Zum ersten und einzigen Mal in der Trilogie agiert Batman hier bei Tageslicht. Eine spezielle Note erhält die Sequenz durch die Art der Bildmontage. Das Ende ist typisch für Nolan, der virtuos die Sehgewohnheiten des Zuschauers unterläuft.

Der geniale Epilog rundet Bruce Waynes Geschichte ab. Nolan gesteht dem Zuschauer eine eigene Interpretation dieses Epilogs zu und bringt gleichzeitig noch einmal das Wesentliche der Hauptfigur auf den Punkt: Batman ist ein Symbol und ein Symbol kann niemals wirklich sterben!

Außerdem werden einige Zeilen aus dem bereits erwähnten Dickens-Roman eingeflochten. Der Held hat seine Mission erfüllt: "Ich sehe eine wunderschöne Stadt und ein prächtiges Volk aus diesem Abgrunde sich erheben..."

Wer mit all der Düsternis nichts anfangen kann und lieber auf reines Popcorn-Kino abfährt, sollte den Marvel-Helden treu bleiben oder sich frühere Batman-Verfilmungen anschauen. Und wer auf echten Trash mit Satire-Potenzial steht, ist bei der Fernsehserie oder dem Kinofilm "Batman hält die Welt in Atem" aus den 1960er Jahren bestens aufgehoben.

Kritisieren muss man die viel zu niedrige Altersfreigabe ab 12 Jahren. Aufgrund der verstörenden Bilder ist TDKR absolut nichts für Kinder!

Nachtrag: Bild und Ton der Bluray sind exzellent. Extras: Making-of, Featurettes über die Figuren, die Musik, etc, Interviews, Storyboards, sowie eine Doku, die Bruces Reise beleuchtet und auf die gesamte Trilogie zuückblickt. Die englische Originalfassung des Hauptfilmes ist der deutschen Synchro klar vorzuziehen!

TDKR ist ein Paradebeispiel für einen perfekten Blockbuster. Der Film bietet nicht nur erstklassige Unterhaltung und furios choreographierte Action, sondern auch eine Menge Tiefgang, der zum Nachdenken anregt. Leider hat das in der Oscar-Akademie wieder mal niemand realisiert.

Keine Neuinterpretation der Batman-Reihe wird je die Klasse der Nolan-Filme erreichen, egal wer sie inszeniert.
Kommentar Kommentare (11) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 22, 2013 11:44 PM MEST


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