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Rezensionen verfasst von
Mapambulo "Mapambulo" (München)
(TOP 500 REZENSENT)   

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Advanced Chemistry
Advanced Chemistry
Preis: EUR 14,99

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geschmack und Haltung, 26. August 2016
Rezension bezieht sich auf: Advanced Chemistry (Audio CD)
Natürlich ist das krass. Ganze sechsundzwanzig Jahre nach Startund noch ne Halbzeit nach dem letzten Album kommen Eizi Eiz, Denyo und DJ Mad provozierend locker um die Ecke geschlendert und bringen eine Platte, die den Respekt und die History schon im Namen spazieren trägt. Was es ist: Eine Hommage an die Anfänge des Deutschrap und eine Meßlatte für die Nachgeborenen, die Beginner nach den Beginnern, die nexte Generation, eine Lehrstunde in Sachen Coolness und tighter Lässigkeit. Band mit Geschmack also, und: Haltung. Was es trotzdem nicht ist: Ein politisches Statement. Hätte es werden können. Nach Mölln, Solingen, Lichtenhagen und Hoyerswerda (jawoll, haben sie alles in der Timeline) gäbe es zur Zeit ja wieder genügend Gründe, mal richtig Rabatz zu machen, Mollis werfen, Häuserkampf, solche Sachen. Braucht es aber nicht. Zumindest nicht von ihnen, denn ein jeder weiß um die Seite, auf der sie stehen und für eine plattes Haudrauf sind die drei Reimedrechsler ohnehin nicht zu haben. Da schauen dann wie Worterbsenzähler trübe aus der Wäsche, kaum Agitrap, nicht das erwartete AhEfDe-Bashing, sondern lieber ganz zum Schluß („Zu Hause“) eine düstere Vision für „das Land, das die Depression erfand“, das in grauer Gleichmacherei ein jämmerliches Dasein fristet, migrationsarm und völlig „unterfremdet“.

Lieber und besser feiern die Beginner sich selbst und ihre Rückkehr in die Business Class, wo die schon nicht mehr sitzen, die sie einst noch dissten. „Advanced Chemistry“ kommt mit ganz viel kernigem Drive und fettem Groove daher, hier werden gleich zum dreifachen Einstieg gemeinsam mit Gzuz, Gentleman und Samy Deluxe superlocker Geschichte und Einstellung gekickt. Man kann (jetzt erst recht) über sich lachen, weil die ersten Demos wie die ersten Demos klangen und selbst für Spex-Leser eine Zumutung waren. Egal, auch damals ging es schon um „Texte mit ner Aussage“ und dass die Beginner den Flow über dem Inhalt nie vergessen haben, machte und macht sie auch heute noch so einmalig. Hier und jetzt ganz viele Gäste: Dendemann ganz soulful für „So schön“ und Haftbefehl mit satten Technoraps bei „Macha Macha“, das läuft gut, das funktioniert, klingt frisch, authentisch und immer noch nach Können, nie nach Wollen.

Wer dreizehn Jahre an einem Album arbeitet, der hatte massig Zeit, da kann das schnell mal verkopfen oder überambitioniert kommen. Nicht so hier – den dreien hört man an, daß sie Bock auf das Comeback hatten. Und die Zeit ist gut gewählt, weil es momentan richtig viele gute Sachen zu hören gibt (neben einer ebensogroßen Menge Mist). Wer sich da noch mal an die Spitze setzen kann, verdient jeden Respekt. Nicht mit den krassesten Rhymes, sondern einem Sound, der sich alles einverleibt, was neben „ram pam pam“ und „um chagga lagga“ so alles Spaß bringt. Oldschoolscratches („Rambo No. 5“), LoFi-Adressen an das Bo („Rap und fette Bässe“), Bläsersets und dicken Reggae („Schelle“) – die Mischung passt und ist für drei „Neanderdigitaler“ geradezu up to the top. Textlich ist die Nummer vier Dank Delay und Denyo, auch wenn sie in der Tiefgarage ihre Bobby-Cars geparkt haben, in der Premium-Suite untergebracht, zuweilen kratzen sie mal haarscharf die Correctness-Kurve („mein Körper ist wie Dresden ‘45“/Kater), geht aber alles in Ordnung. Souverän, genau. Und: Grund zum Feiern. Oder mit des Künstlers eigenen Worten: „Wie viele Bands gibt es, die das 25 Jahre machen – und dabei so wenig Sch*** produziert haben?“ mapambulo:blog


Jalousie
Jalousie
Preis: EUR 14,49

14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mögliche Selbstfindung, 19. August 2016
Rezension bezieht sich auf: Jalousie (Audio CD)
Keine Angst, die wollen nur irritieren: Es wäre sicher vollkommen okay gewesen, hätten Messer ein weiteres Mal eine von diesen scheppernden, windschiefen Post-Punk-Platten abgeliefert, mit denen sie seit 2012 für Furore sorgen. Hendrik Otrembas Stimme hätte wieder alles in Fetzen gerissen, klirrende Gitarren, tiefschwarzer Bass, trockenes Schlagzeugwummern, nicht die schlechteste Idee. Dennoch haben sie die bessere gewählt. Messer wollten sich verändern, wollten sich Zeit lassen mit dem Nachfolger von „Im Schwindel“ und „Die Unsichtbaren“, Dinge ausprobieren, umbauen, Neues wagen. Der Umsturz ist es nicht geworden, aber die Richtung ist eine andere – neue Schichten, neue Klänge, neue Perspektiven. Und neues Personal. Der Abschied von Pascal Schaumberg, der Einstieg eines zweiten Drummers und eines neuen Gitarristen lassen sich quasi nachhören, an mancher Stelle des Albums funkt und jazzt es schon mal recht ungewohnt und Pogo McCartneys aktuelles Lieblingsspielzeug, eine Orgel, schiebt sich deutlich in die jetzt facettenreichere Kulisse.

Dunkel und wütend sind sie geblieben, vielleicht haben sich die Schattierungen geändert, gibt es nun in den Arrangements und auch bei Otrembas Gesang mehr Zwischentöne als zuvor. Mit Unterstützung von Jochen Arbeit (Einstürzende Neubauten), mit Micha Achers (The Notwist) wundervoller Trompete und den Gaststimmen von Stella Sommer (Die Heiterkeit) und Katarina Maria Trenk (Sex Jams) sind nunmehr Stücke entstanden, die vieles können: Mal zieht es einen in den düsteren Malstrom hinab, mal schwebt man im fahlen Licht des Planetenstaubs dahin oder spürt das lustvoll fiebrige Zucken der Lust am eigenen Körper. Der Wandel hat Musik und Musiker erfasst und schiebt die Grenzen deutlich auseinander. Wo sich der Zorn vor Jahren noch einzig im Schrei manifestierte, findet die Band nun neue Ausdrucksformen – auf den psychedelischen Taumel folgt die monoton pochende Künstlichkeit programmierter Beats, das wilde Geschredder der Gitarren wird durch feinkörnige, diffuse Soundflächen unter- und aufgebrochen, Stücke wie „So sollte es sein“, „Die Hölle“ und „Schaumbergs Vermächtnis“ als Widmung an den alten Freund zeigen die neuen Wege auf.

Und auch textlich geht es einen weiteren Schritt voran – weg von der Aussichtslosigkeit, der unbedingten Tristesse. Zwar bleibt es dabei, Otremba will und wird dem Zuhörer nichts erklären, er bewegt sich bewusst weiter im Ungefähren seiner Metaphorik, zieht die Zwei- der Eindeutigkeit vor. Aber wenn da ein Licht im Dunkel des Tunnels auftaucht, dann ist es nicht immer der sprichwörtlich entgegenkommende Zug, dann ist das Unsagbare auch mal der Trost, die Schönheit und die Liebe. „Doch diese Welt läßt sich nicht träumen, sie läßt sich leben einfach so, gib mir dein Herz, ich will es hüten, das Flimmern schweigt, chercher les mots“, heißt es an einer Stelle ganz unverstellt, kurze Zeit später schwebt er zweisam unter dem Schaum der Tage dahin und bei „Der Mann, der zweimal lebte“ greift ihn die Leidenschaft und läßt ihn im Wortsinn liebesvoll schwärmen. In seltener Direktheit dagegen die Zeilen für „Schwarzer Qualm“, wo er sich reibt und stößt an der deutschen Identität und allem, was diese tut und auch läßt vor den Grenzen unserer umzäunten Idylle. Es ist wieder ein großer Wurf geworden, auch weil Messer sich nicht auf Gewohntes verlassen wollten. Den Rest wird ein jeder allein suchen müssen und mancher findet dabei vielleicht ein Stück seiner selbst. mapambulo:blog


Volition [Vinyl LP]
Volition [Vinyl LP]
Preis: EUR 18,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Projekt mit Tiefenwirkung, 9. August 2016
Rezension bezieht sich auf: Volition [Vinyl LP] (Vinyl)
Wer sich vor Jahren als Fan von (sagen wir mal) Radiohead, Air oder gar Sigur Rós outete, durfte sich noch einer ganzen Reihe übelmeinender Titulierungen erfreuen, von denen Weichei, Warmduscher, Sissy oder Lutscher noch die harmlosesten waren. Männermusik, im speziellen der Rock, mußte in dieser Zeit noch bestimmten Klischees genügen, da gehörte die eine Hand um den Flaschenhals und die andere in den Schritt, röhrendes Balzgehabe inklusive, alles bierernst und beinhart und meistens auch sehr, sehr öde. Zweideutigkeiten waren nicht vorgesehen und wer es dennoch wie die Briten von The Darkness auf die witzige Tour versuchte, brauchte sich um die wachsende Zahl seiner Hater keine großen Sorgen machen. Doch zum Glück hat sich das Männerbild im Zuge des fortschreitenden Feminismus und anhaltender Genderdebatten gehörig gewandelt und mit ihm auch das Musikverständnis. Der moderne RnB wurde von zarten Kehlkopfstimmen wie der von Thomas Krell (How To Dress Well), SOHN, James Blake, Frank Ocean oder Abel Tesfaye (The Weeknd) im Sturm genommen und auch bei Rock und Pop passierte Erstaunliches. Plötzlich waren Bands wie Alt-J, die Broken Bells, Wild Beasts oder Tame Impala die Chart-Topper und keinen störte es mehr.

Ein Grund mehr, warum auch Phoria aus dem englischen Brighton mit ihrem weichgewandeten Synthrock schnell zu einer größeren Anhängerschar finden dürften. Trewin Howard (Gesang), Jeb Hardwick (Gitarre), Ed Sanderson (Keyboards), Tim Douglas (Bass) und Seryn Burden (Schlagzeug) finden offenbar großen Gefallen daran, ihren Sound als vielschichtige Collage aus sphärischer Synthetik, verhalten pochenden Beats, anmutiger Melodik und dem sparsamen Einsatz klassischer Instrumente aufzubauen. Das Debütalbum als Nachfolger dreier EP kommt größtenteil in zurückgenommenem Tempo und mit viel Gefühl daher, selten, dass sich wie bei “Loss” oder “Emanate” mal ein paar harschere, bestimmtere Töne in den Vordergrund drängen. Fast alles hier wirkt sehr feierlich, vorsichtig und ausbalanciert, nicht wenige Stücke erinnern eher an Choräle denn moderne Rockmusik und spätestens mit “Saving Us A Riot” ist die bildhafte und zeitgemäße Verneigung vor Simon And Garfunkel perfekt. Nicht das Schlechteste für eine Zeit, da alles laut, grell und wichtig sein will – Phoria setzen eher auf Tiefenwirkung. mapambulo:blog


Boy King [Explicit]
Boy King [Explicit]
Preis: EUR 9,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Champions League, 5. August 2016
Rezension bezieht sich auf: Boy King [Explicit] (MP3-Download)
Da haben wir sie wieder, die Parallelität zwischen Ballsport und Populärmusik: Nur wenigen Vereinen gelingt bekanntlich der dauerhafte Aufstieg aus der Dritt- oder Zweitklassigkeit ins Oberhaus, wenn das dann einmal geschafft ist, reichen Mittel und Kräfte selten aus, um das Niveau zu halten, von höheren Weihen wie dem internationalen Wettbewerb ganz zu schweigen. Bei den Wild Beasts könnte es sich allerdings um eines jener raren Beispiele handeln, wo sich Genie und Ambition zu Großem paaren und denen es zudem gelingt, sich im Kreise der Etablierten festzusetzen. Den Durchmarsch markiert quasi ihr letztes Album „Present Tense“, zu dem einem nicht viel mehr einfiel als eine Aneinanderreihung von Superlativen, denn solch blitzeblanken und hochintelligenten Dancepop hatte vor ihnen schon lang keiner mehr zum Verzehr angeboten.

Mit „Boy King“, das darf man nun mutmaßen, stößt die Band in die Championsleague der EDM vor, spielt also auf Augenhöhe mit Künstlern wie Hot Chip, den Maccabees, Caribou, !!! oder Django Django. Und zwar nicht mit den bisherigen Bordmitteln, sondern durchaus neuen Tönen. Hatten sich die Wild Beasts bislang auf den Anmut ihrer Kompositionen und die betörende Stimme ihres Sängers und Bandleaders Hayden Thorpe verlassen, so lassen sie nun für „Boy King“ die Synths mal richtig spotzen und schnurpsen – gleich im zweiten Track „Tough Guy“ wird der Dream- zum Fuzz-Pop umgewidmet, um im Folgenden auch bei „Alpha Female“, „Get My Bang“ und „He The Colossus“ für schiefe Töne und Abwechslung zu sorgen. Dabei könnte es gut sein, dass die vier einfach nur die Grenzen zwischen Elektronik und Gitarre gekonnt verwischen, schließlich führen sie ja mit Ben Little einen waschechten Gitarristen auf der Payroll, der sicher auch mal Lust hat, den schillernden Hooks ein paar dreckige Riffs hinzuzufügen.

Das jedenfalls funktioniert prächtig, auch Thorpe fügt seinem Gesang ein paar neue Facetten hinzu, neben dem gewohnten Falsett darf es jetzt auch gern mal etwas drängender, dunkler und hintergründiger klingen. Der Sound erinnert, unterstützt vom Covermotiv des Albums, ein wenig an die futuristischen Comicstrips von Alan Moore und Dave Gibbons (The Watchmen) oder Steven Lisbergers legendäre CPU-Animation „TRON“, allesamt in Achtzigern entstanden. Das pocht, flackert und bleept gewaltig und ist mit einer Unmenge an spannenden Verzierungen versehen – derartiger Ideenreichtum verhilft dem Album, wenigstens in diesem Jahr, zu einem Spitzenplatz in der Endabrechnung. mapambulo:blog


Give a Glimpse of What Yer Not
Give a Glimpse of What Yer Not
Preis: EUR 11,99

29 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Quantum Trost, 5. August 2016
Rezension bezieht sich auf: Give a Glimpse of What Yer Not (Audio CD)
Allzu laut darf man das nicht sagen, aber ist es nicht fast schon egal, was J Mascis gemeinsam mit seinem Langzeit-Buddies auf die Platten tut, solange diese nur regelmäßig erscheinen? Denn sind das nicht die eigentlichen Trostpflaster für all jene Menschen, die das ernsthafte Bemühen aufgegeben haben, den Anschluss an eine Welt zu halten, die nur noch zu erreichen scheint, wer kein Hirn, kein Herz und keine Scham hat oder am allerbesten gleich ohne alle drei auskommt? Natürlich ist das maßlos überspitzte Schwarzmalerei und natürlich ist es schon auch wichtig, dass Mascis mit Mühe und Spaß bei der Arbeit ist. Dennoch: Eine Befriedigung dabei zu empfinden, wenn ein Mann über eine knappe Stunde hinweg seine Gitarre quält, ihr wieder und wieder dieselben, wunderbaren Gniedelgeräusche entlockt und dazu mit schiefer und brüchiger Stimme seinen Gedanken freien Lauf läßt, das kommt einem so urzeitlich vor wie Schreibmaschinen, VHS-Kassetten oder der Rubik-Würfel. Und doch gibt es sie noch.

Zum Glück, will man gleich hinterherrufen, denn wo wären wir denn ohne den silberhaarigen Grummler und seine Songs mit dem Charme einer hilfsbedürftig zusammengenagelten und verwilderten Bretterbude, die allen Unwettern seit Jahren trotzt und bei Sonnenschein Sehnsüchte hervorzurufen vermag, die man gar nicht mehr kannte. Da ist er also, der Romantizismus neuerer Prägung, der einen ab der ersten Minute des aktuellen Albums befällt und noch minutenlang nachschwingt, wenn die letzte Zeile von Lou Barlow gesungen und Mascis’ Schlußakkord verklungen ist. Alles ist wieder schön laut hier, es gibt ein paar satte Breaks obendrauf, auf die Spitze getrieben bei “Goin Down” und dem feinen “I Walk For Miles”. Darüberhinaus auch mit “Be A Part” den Herzschmerz in seltener Zartheit und mit ungewohnt süßer Melodie und das obercoole Skatervideo zu “Tiny”. Genug also, um restlos glücklich zu sein. Ach ja, eins noch: Wenn jetzt jemand Dadrock sagt, dann gibt’s ’n paar auf die Fresse! mapambulo:blog


Fuck Yeah [Vinyl LP]
Fuck Yeah [Vinyl LP]
Preis: EUR 23,12

4.0 von 5 Sternen Alles muss raus!, 22. Juli 2016
Rezension bezieht sich auf: Fuck Yeah [Vinyl LP] (Vinyl)
Auf den ersten Blick nimmt sich das natürlich schon recht mutig aus, was sich die vier Herren, angeblich bei einem angeregten Plausch zu später Stunde auf der Münchner Wiesn, da überlegt haben: Neue Band und Albumdebüt zu einer Zeit, da andere Kollegen schon im Geldspeicher zum Kopfsprung ansetzen, dazu einen Namen gewählt, den man besser nicht leichtfertig auf Arbeit oder im Beisein der Ehefrau googelt. Man darf allerdings unterstellen, daß Markus Naegele, Rainer Germann, Michael Metzger und Kevin Ippisch, allesamt erfahrene Musiker und Szenekenner, mit Bedacht gewählt haben. Berufsjugendliches Rangekumpel kann man ihnen sicher nicht unterstellen, dafür ist Sound ihrer ersten gemeinsamen Platte zu sehr mit der Historie des gutes alten Indierock verbandelt, sie haben erst gar nicht versucht, einem Trend hinterherzuspringen oder die zwölf Stücke übermäßig aufzupimpen – gut abgehangene Schmirgelriffs, dreckig und laut genug, damit sie nicht in den Ruf der vorgezogenen Altersmilde kommen.

Natürlich werden bei all jenen, deren musikalische Sozialisation ähnlich verortet ist, liebgewonnene Erinnerungen wach – Pixies, Afghan Whigs, die "Replacements" sowieso, das darf und will man sich gern anhören. Von Vorteil ist, daß jeder der vier mittlerweile weiß, wie eine ordentlich Platte zu klingen hat, die Produktion ist satt und klar, Songs wie “C’mon”, “Lack Of Sleep” oder der fein dahingeschrammelte Titeltrack können so mühelos überzeugen. Daß Naegeles Stimme den Mangel an Volumen öfters durch Kraft wettzumachen sucht und das eine oder andere Lied auch mal etwas arg betagt oder breitbeinig daherkommt, wird man verschmerzen können, es geht schließlich nicht mehr um einen Podestplatz beim Talentewettbewerb. Die Botschaft der vier ist eine denkbar einfache, erst kürzlich durfte man sie wieder in der Zeitung (auch so eine alte Bekannte) lesen: “Rock 'n' Roll muss raus!” hieß es da – jetzt ist er dort und kann gern noch eine Weile bleiben. mapambulo:blog


Galactica
Galactica
Preis: EUR 14,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Rausch der Nacht, 21. Juli 2016
Rezension bezieht sich auf: Galactica (Audio CD)
Dass das alpenländische Nachbarland nach landläufiger Meinung ausschließlich von schlechtgelaunten Misanthropen und vergrübelten Melancholikern bevölkert ist, die ihre morbide Denkungsart wie eine Monstranz vor sich hertragen, passt nur allzu fein ins Klischee der allgegenwärtigen Vereinfacher. Grund genug zum Klagen hätten sie ja, denkt man an all die flügellahmen Skispringer, erfolglosen Fußballer oder die jämmerliche Panne bei der Präsidentenwahl. Wenn man sich dann noch vergegenwärtigt, dass ein Mörtel Lugner (noch immer) als größte charismatische Lichtgestalt seit Arnold Schwarzenegger gehandelt wird – man wollte ihnen nicht verübeln, wenn sie in einen großen und allumfassenden Trauergesang verfielen.

Aber nichts da, zumindest die jungen unter ihnen zeigen den arroganten Piefkes gerade wieder einmal, wie man Krisen wegtanzt und legen dafür drei verschiedene Modelle vor: Wenn Wanda der kalkulierte Totalabsturz sind und Bilderbuch die verschrobene Poolparty, dann stehen Einhorn, der neueste Export in Sachen Austria-Coolness, für den Rausch der durchtanzten Clubnacht. Glamourös, anmaßend, sehr charmant und manchmal auch ein wenig pubertär, so präsentieren sich die vier Wiener auf ihrem Debütalbum. Wenn man über die nötigen Skills verfügt und also keinen Stock im Arsch hat, kann man getrost alle zwölf Stücke der Platte durchtanzen, verhandelt wird die zutiefst subjektive Sicht enttäuschter Liebhaber, leidenschaftlicher Kinogänger, überzeugter Großstadtflaneure und Nachtwandler.

Wer „Galactica“ nur laut und lange genug hört, der glaubt am Ende tatsächlich daran, dass die wirkliche Herausforderung nur darin besteht, zur richtigen Zeit das richtige Mädchen an der Hand zu haben, für den sind Einhörner fernab vom Kitschdiktat gottgleiche Fabelwesen und die Ray Ban der einzig wirksame, intergalaktischen Schutzschild gegen alles Böse der Nacht. Hier wummert und wippt und vibiert alles für den einen Moment unter der allmächtigen Glitzerkugel, wird der Todesstern zum Dancefloor, auf dem es nichts zu fürchten gibt außer dem Morgengrauen. Viel schönere Songs als „Tuxedo Mask“, „Lara Croft“ oder „Spring auf“ hat man in diesem Sommer nicht gehört, passender als in „Das Lied das sonst keiner kennt“ wurde spinnertes Außenseiterdasein kaum besungen und daß Wien „Schöner als Berlin“ ist, wird jede/r bestätigen, der sich ständig nicht am Mittelpunkt der Welt wähnt. Sonst eher eine abgedroschene Floskel – hier paßt sie wie keine zweite: Hoffnungsvolle Hauptdarsteller, großes Kino! mapambulo:blog


Over There That Way [Vinyl LP]
Over There That Way [Vinyl LP]
Preis: EUR 28,85

4.0 von 5 Sternen Zeitarbeit, 16. Juli 2016
Rezension bezieht sich auf: Over There That Way [Vinyl LP] (Vinyl)
Dass eine Band nicht den Fans gehört, realisieren viele von ihnen erst, wenn sich die Idole nicht an das zu halten gedenken, was die getreue Anhängerschar für ihre Gunstbezeugung erhofft, erwartet oder gar einfordert – da kann es schon mal ungemütlich werden im Netz oder gleich in der Front Row. Verständlicherweise scheuen nicht wenige Musiker deshalb die Veränderung und geben Mut und Willen für die andauernde ‘Nummer sicher’ dran. Bemerkenswert wird es dann, wenn selbst der bzw. die Künstler/in merkt, wie wenig sich derartige Umbrüche steuern oder planen lassen und wie groß die Chance auf einen kreativen Neubeginn dadurch ist. So zum Beispiel Jessica Numsuwankijkul, Sängerin der New Yorker Kapelle Heliotropes. Gestartet als All-Girl-Projekt, hat die Gruppe in den Jahren nach dem Erfolg des Debüts “A Constant Sea” nahezu das komplette Line-Up getauscht, Nya Abudu, Cici Harrison und Amber Myers sind, dem Geist des unsteten und teuren Stadtteils Brooklyn folgend, weitergezogen und so haben nun die Herren Giuffre, Thomas und Swift ihren Platz eingenommen. Und natürlich auch die Spielidee des Quartetts ganz im Sinne ihrer Cheffin umgekrempelt. Numsuwankijkul hatte ganz offenkundig keine große Lust mehr, den Leuten weiter mit Brachialriffs den Schädel weichzuklopfen, beschäftigte sich stattdessen lieber mit dem klassischem Rock von Paul McCartney, George Harrison, Lee Hazlewood und nebenbei mit der Historie des ersten und zweiten Weltkrieges.

Beides, so unterschiedlich es im Ansatz klingen mag, bekommt Platz auf dem neuen Album – der Sound der neuformierten Band ist konventioneller, melodischer, weniger wild und hart und die Texte suchen sich im metaphorischen Sinn viele Anknüpfungspunkte (bis hin zum Namen und Cover der Platte) in länger vergangenen Krisenzeiten. „Normandy“, „War Isn’t Over“, „Goodnight Soldier“ – man muß nicht alles wörtlich nehmen, was die Überschriften titeln, denn eigentlich geht es wie oft um nicht mehr als den Kampf, die Eroberung und den Neubeginn. Man darf die reduzierte Schärfe der Arrangements dabei durchaus bedauern, auch wenn das Harsche, Rohe bei einigen Stücken noch durchblitzt („War Isn’t Over“/Dardanelles Part I“) – der Großteil allerdings begnügt sich mit entspanntem, psychedelischen Gitarrenspiel, gern auch mal akustisch, ein paar angedunkelte Tarantino-Momente werden eingestreut und selbst das Saxophon bekommt einen Auftritt („Wherever You Live“). Es wird sicher einige Zeit brauchen, den neuen Stil mit dem Erwarteten übereinander zu bringen, vielleicht fängt man am besten mit „Easy“ an, mit derlei lässiger Rockness fällt die Versöhnung vermutlich am leichtesten. mapambulo:blog


Grande [Ltd. Digipack]
Grande [Ltd. Digipack]
Preis: EUR 24,22

23 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aber nicht nur, 15. Juli 2016
Rezension bezieht sich auf: Grande [Ltd. Digipack] (Audio CD)
Ist es denn tatsächlich so, dass ein schlechtes, gesamtgesellschaftliches Umfeld (bei Lippenstiften und Rocklängen sollen die wirtschaftlichen Zusammenhänge ja erwiesen sein) der Kunst einen kreativen Schub verleiht? Wenn ja, man traut es sich kaum zu segen, dann dürfen die Zeiten wohl gern so schlimm bleiben, wie sie von vielen herbeigejammert werden. Denn es ist unbestritten, dass gerade in Sachen Rock- und Popmusik hierzulande im Moment ein lobenswert vielfältiges und noch dazu interessantes Angebot vorliegt. Und auch wenn die sympathische Berliner Jungenskombo Von wegen Lisbeth von wütendem Punk um Lichtjahre entfernt und selbst mit verkopftem Diskurspop nur sehr mangelhaft umschrieben ist – Matthias Rohde und Kollegen wissen sehr wohl, wo und wie sie ihre winzigen Nadelstiche setzen müssen, um nicht als beliebig, harmlos oder gar langweilig zu gelten.

Erstes großes Plus: Das Songwriting. Von wegen Lisbeth machen wirklich feine Musik. Nun möchte man meinen, das sei ja selbstverständlich, aber über die Spiellänge von vierzehn Stücken schaffen es ganz sicher nicht viele Bands, die Spannung und Inspiration hoch zu halten, irgendwann kommt unweigerlich ein Hänger – hier nicht. Dabei haben sie die Bandbreite ihres Sounds im Vergleich zu den ersten Veröffentlichungen noch einmal deutlich erweitert, so hört man neben zackigem Gitarrenpop und manch hektischem Rockriff auch hübsche Verweise auf Air oder Arcade Fire, rückt der Brass zum Reggae an und keiner schämt sich, wenn’s mal etwas cheesy oder albern wird, warum auch? Merci, Chérie! Rohdes Stimme tut ein Übriges, den Laden zusammenzuhalten und erklingt dabei in so vielen Facetten, wie es dem Charakter der Musik eben zuträglich ist.

Ganz dick auf der Haben-Seite: Ihr Charme. Selbst wenn sie bissig sind, bleiben die Herren höflich genug, um niemanden allzu sehr vor den Kopf zu stoßen. Getreu dem Motto: Mach doch was du willst, und wenn es uns nicht gefällt, so lass uns bitteschön damit in Ruhe. Foodporn, falsche Freunde, Trendgelaber und Blingbling, Alternativen, die keine sind und sein dürfen – hier wird alles und jede/r auf die Schippe genommen, der Streber mit dem Spermapulli, die Hauptstadt-Hipster, Smartphoner und Besserwisser. Einen Spitzenplatz nimmt dabei, neben den bekannten Singles, natürlich „Der Untergang des Abendlandes“ ein, viel schöner kann man die Stimmungslage im Lande kaum vertonen, herbeigeredet von Schwarzmalern, Facebook-Hatern und selbsternannten Anstandshütern. Ein trauriges Kapitel in hellen Farben gemalt.

Melancholie können die natürlich auch, da stehen sie dann ganz kurz und ganz nah bei den anderen Durchstartern des Sommers, bei Isolation Berlin. Auch die berufen sich gern auf den Dunkeldeuter Sven Regener und seine Element Of Crime und vermutlich findet sich, hört man sich „Penny“ und „Unterm Schrank“ an, auch bei Von wegen Lisbeth die eine oder andere traurige Platte im Schrank. Die Liste der verklärten, provinziellen Sehnsuchtsorte (Schlachtensee, Jenfeld, Jarmen, Delmenhorst, tbc.) wird um den „Bärwaldpark“ erweitert und wieder einmal haben sie einen irritiert. Eine Band für Zwischentöne: Leichte Unterhaltung – aber nicht nur, beschwingte Humoristen – aber nicht nur, lieber Mittel- als Zeigefinger – aber nicht nur, gern nett und nice – aber nicht nur, besser ohne Politik – aber nicht nur. Und bei allem darf man nicht vergessen (gerade hat’s wer geflüstert), dass die Jungs zu alledem auch noch ganz süß aussehen. Stimmt, aber? Eben: Nicht nur. mapambulo:blog
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 26, 2016 8:59 PM CET


Nothing'S Real
Nothing'S Real
Preis: EUR 17,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Liebes Tagebuch, 11. Juli 2016
Rezension bezieht sich auf: Nothing'S Real (Audio CD)
Wer das aus eigener Erfahrung kennt, sollte sich natürlich zuallererst einmal schämen: Der Blick in die Tagebucheinträge Heranwachsender (und seien es auch die der eigenen) ist ja grundsätzlich ein verbotener, schließlich werden hier Dinge niedergeschrieben, die für neugierige Erwachsenenaugen überhaupt nicht gedacht sind, sondern der Vergegenwärtigung, dem Trost, der wehmütigen Erinnerung und der Bewältigung von Wut, Angst und Enttäuschung dienen. Nun ist diese altehrwürdige Tradition in Zeiten der fragwürdigen Zurschaustellung intimster Details in gierigen Online-Netzwerken vor allem bei jungen Menschen gerade nicht mehr so en vogue, um so mehr rührt einen die unverstellte Sicht auf die Gefühlswelt derselben. Und auch wenn Aleksandra Lilah Denton aka. Shura dem Teenager-Alter schon entwachsen ist ' ihr Debütalbum gibt einem dennoch das Gefühl, beim Durchblättern sehr persönlicher Notizen ertappt worden zu sein.

Die Tochter einer russischen Schauspielerin und eines britischen Filmemachers hatte ja zunächst andere Ziele im Blick und liebäugelte mit einer hoffnungsvollen Fußballkarriere bei einem namhaften Klub in ihrer Heimatstadt Manchester. Dass Shura dennoch dem musikalischen Talent den Vorzug gab, sollte sich in den kommenden Jahren als gute Wahl erweisen, das aktuelle Album folgt einer großen Zahl verheißungsvoller Singles und kann mit seinem beschwingten Synthpop mühelos einen gleichberechtigten Platz zwischen den Chvrches, La Roux, Robyn und Purity Ring behaupten.

Von entwaffnender Einfachheit wie erwähnt die Texte. Denton meidet bewusst alles Verkopfte, Verklausulierte, Metaphern findet man bei ihr ebensowenig wie den großen, gesellschaftlichen Kontext. Es geht hier tatsächlich um nichts anderes als die Niederschrift der (was man unterstellt) eigenen Erfahrungen des alltäglichen Lebens und Liebens, sie dokumentiert Trennungen und Enttäuschungen in all ihren Facetten, singt über die Sprachlosigkeit angesichts auseinanderklaffender Vorstellungen und Wünsche ('Tongue Tied'), macht hier dem Gegenüber Mut ('Indecision') und will dort das Unausweichliche nicht sehen ('What It's Gonna Be?'). Es ist der innere Widerstreit aller, die merken, dass die kindliche Sorglosigkeit nicht mehr lange zu haben sein wird ('No, I'm no child but I don't feel grown up'/What Happened To Us?), es kann also nicht schaden, etwas länger und genauer hinhören. Vor allem, wenn es so gut klingt wie hier. mapambulo:blog


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