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Rezensionen verfasst von
Beteigeuze

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Die Schwarze Sonne-dem Tode Nah Folge 14
Die Schwarze Sonne-dem Tode Nah Folge 14
Preis: EUR 13,98

5.0 von 5 Sternen Neue Grenzerfahrungen, 12. August 2017
Da ist sie also beantwortet, die große Frage, wie es nach dem Finale bzw. Staffelfinale der Folge 13 weitergeht.

Es geht los mit Mr. Moore, Jack Moore, dem Physiker, der nach dem Anschlag, den wir am Schluss von Folge 13 hörten, ins Krankenhaus gekommen ist. Hier wartet bereits die erste große Offenbarung bzgl. der Geheimnisse der Sonne auf uns.

Dann steigen wir an der Stelle ein, als Nathaniel und Adam auf der Weltausstellung Nikola Tesla treffen. Den bereits bekannten Szenen werden wesentliche Erweiterungen hinzugefügt, die uns auch hier die schwarze Sonne nun etwas erhellt, dabei aber durchaus neue Fragen aufwirft.

Nicht zu vergessen, begegnen wir einem uns bisher unbekannten Briefschreiber, der sich trotz seines Wissens den Atheismus bewahrt hat. Auf diesen Auftritt habe ich mich besonders gefreut und ich bin gespannt, wie es mit unserem Sonderling im Laufe der Handlung weitergeht.

Man sieht hier schon, dass die alten Handlungsbögen keineswegs verworfen sind, sondern vielmehr Erweiterungen erfahren, die in unserer zirkulierenden Erzählform so manchen Kreis hinzufügen oder enger schließen. Günter Merlau hat den Spaß am Geheimnis und der liebgewonnenen Komplexität unseres dunklen Sterns nicht verloren. Wissenschaft, Mythos, Verschwörungen, Esoterik und natürlich das Drama um alte und neue Protagonisten (und Antagonisten?) bleiben uns weiterhin erhalten. Auch musikalisch bleibt es bei den Sonne-Themen, die aber passend zur neuen Staffel variiert und anders arrangiert dargeboten werden.

Und weil die schwarze Sonne schon immer auch als Kunstwerk und nicht bloß als normales Hörspiel zu verstehen ist, sind selbst altgediente Sonnenhörer nicht vor Günter Merlaus Überraschungen sicher. Gab es seinerzeit diverse Hörer, denen dann die immer weitergesponnene kreisende Erzählform auf die Nerven oder an die Grenzen ihrer Fantasiebastelfähigkeiten ging, so scheut sich der Drehbuchautor hier nicht, mitten im Hörspiel einen sehr langen, fast hörbuchartigen Monolog darzubieten. Sarah, die im Jahre 2033 im Institut AWARE inmitten einer Nahtoderfahrung uns einen großen Blick auf einen neuen Weg zur schwarzen Sonne werfen lässt, packt uns mit ihrem Monolog und bereitet dem Geheimnissuchenden, dem Forscher in uns eine wohlige Vorfreude, wohin uns die Reise führen, welche abseitigen Wege sie uns offerieren wird.

Die große Freude über die Weiterführung der Serie bleibt erhalten, da auch die Schauspieler sich wie gewohnt ins Zeug legen und die Klangkulisse ebenfalls weiterhin auf hohem Niveau bleibt.


Der Höllentrip
Der Höllentrip
DVD ~ William Hurt

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was ist Bewusstsein?, 30. Juli 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Höllentrip (DVD)
Damals in den 80ern bin ich beim Gang durch die Videothek zufällig in der Horrorabteilung über diese Filmperle gestolpert. Der deutsche Titel verspricht denn ja auch einen Horrorfilm und mit William Hurt als Hauptdarsteller, dachte ich mir so, kann ja nichts schiefgehen.

Als ich dann den Film anschaute, musste ich mal wieder feststellen, wie bescheuert manchmal deutsche Filmtitel sein können und wie ignorant Filme dann einem Genre zugeordnet werden. Tatsächlich ist „Der Höllentrip“ mit seinem originalen Titel „Altered States“ wesentlich besser betitelt und zudem filmisch viel mehr mit „2001 – Odyssee im Weltraum“ als mit irgendwelchen Horrorstreifen verwandt. Er basiert auf einem Roman von Paddy Chayefsky, der dann hierzu auch das Drehbuch schrieb.

Hier erst einmal der filmische Rahmen:

Der Wissenschaftler Eddie Jessup (William Hurt) experimentiert in den guten alten 60er-Jahren mit sogenannten Isolationstanks. In einem solchen Tank schwebt man in einer Magnesium-Sulfat-Lösung, hört und sieht auch nichts. Wenn der Körper eine Weile seiner Sinne beraubt ist (was durch den Schwebezustand natürlich verstärkt wird), fängt man automatisch und ganz ohne Drogen an zu halluzinieren.

Das ist übrigens nicht erfunden, sondern funktioniert wirklich. Tatsächlich hat man vorzugsweise in den 1960er-Jahren Experimente dieser Art gemacht.

Eddie Jessup ist ein Besessener, er möchte dem Ursprung des Bewusstseins und des Ichs auf den Grund gehen. Für ihn ist Wahnsinn nichts weiter als ein anderer Bewusstseinszustand und über Halluzinationserfahrungen erhofft er sich, tief in uns verborgene Informationen über eben dieses Bewusstsein freizulegen. Sein ihm treu ergebener Kollege Arthur Rosenberg (Bob Balaban) übernimmt die dabei notwendige wissenschaftliche Überwachung.

Die nerdigen Wissenschaftler bekommen weiblichen Zuwachs in Form von Emily (Blair Brown), einer fabelhaften Anthropologin, die sich in den exzentrischen Eddie verliebt. Eddie hingegen, dessen wahnhafte Suche größtenteils durch die Erfahrung mit dem Sterben seines Vaters ausgelöst wurde, hat sich in seinem faustischen Streben stark von seinem Gefühlsleben entfremdet – sozusagen den Verstand von der Emotion getrennt. Nichtsdestotrotz fühlt er sich von Emily angezogen und heiratet sie.

Als Eddie dann von einem Pilz erfährt, den ein Indianischer Stamm die „Urblüte“ nennt und für schamanische Rituale verwendet, dessen rauschhafte Wirkung weit über alles hinausgehen soll, was uns bisher bekannt ist, wird er erneut gepackt. War doch seine Suche zuvor an einem toten Punkt angekommen, sieht er nun die Chance, endlich weiter dem Geheimnis von Bewusstsein und Ich auf die Spur zu kommen.

Diese Reise, die uns Regisseur Ken Russell nun bietet, ist unterlegt von einer dramatischen Bilderflut, an deren Symbolgehalt man beim immer neuen Anschauen jedes Mal Freude haben wird. Die hier aufgeworfenen Fragen erreichen philosophische Höhen, die man in der Art filmisch nicht oft geboten bekommt.

Wenn das Universum anfangs noch aus quasi einer Energiereaktion all das ausgebildet hat, was wir heute vor uns haben, wie verhält sich all das dann zueinander?

Wenn Energie zu Materie und Materie zu Energie werden kann, wie könnte da Materie der Ursprung von allem sein? Ist es dann nicht eher wahrscheinlich, dass Materie letztlich eine andere Form von Bewusstsein (wohlgemerkt: nicht Ich-Bewusstsein) oder Geist (als andere ungenügende Wortschöpfung) ist? Steht nicht gerade mit der Wellenmechanik, der Relativität und der Quantentheorie in Frage, dass Bewusstsein aus Materie entsteht? Und wenn es so wäre, muss dann nicht Materie viel mehr sein als wir bisher in ihr erkannt zu haben glauben?

Dies sind übrigens keine esoterischen Fragen, sondern durchaus über die Erkenntnisse der Physik zulässige und naheliegende Spekulationen. Wenn man hier weiterdenkt: Es ist durchaus möglich, dass in unseren Genen weit mehr Informationen enthalten sind als wir bisher entdeckt haben. Ob diese Informationen dann letztlich die Geschichte des Universums enthalten und ob wir jemals in die Lage kommen könnten, diese abzurufen, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Aber es ist ein interessanter Gedanke. Außerdem muss ja nicht die Menschheit das Ende der Fahnenstange sein, wer weiß, welche Arten von Wesen das Universum noch hervorbringt oder hervorgebracht hat.

Jedenfalls ist es dieser Gedanke, dass in uns all das Wissen enthalten ist, dass alles mit allem verbunden ist, es wie eine Art übergeordnetes Bewusstsein gibt, dem wir als Ich-Formen daraus abgespalten gegenüberstehen und zugleich Teil davon sind, den diese Geschichte aufgreift und antreibt. So wie das übergeordnete Bewusstsein kein Ich hat, kann es sich nur über seine Schöpfungen selbst erfahren, wohingegen seine Schöpfungen (also auch wir) wiederum nur ihren kleinen perspektivischen Teil des Ganzen zu erfassen in der Lage sind. Ken Russell lässt uns an diesem unfassbaren visuellen Trip in Form von Eddie Jessup teilhaben, und wer sich darauf einlässt, der kann wahrhaftig Angst bekommen. Nichtsdestotrotz finden wir auch Schönheit und Ordnung in allem, und vielleicht hat unsere Vorstellung von Liebe in ihrer nicht-biologischen, sondern spirituellen Form doch eine Bedeutung in diesem großen ich-losen Bewusstsein; eben nämlich deshalb, weil wir als seine Ich-Verkörperungen Teil seiner Erfahrung werden und dadurch überhaupt erst eine Bedeutung des ich-losen Bewusstseins möglich machen. Und wenn man hier den Bogen zu Eddies wahnhafter Suche schlägt, die er mehr verstandesmäßig vollführt und den Zugang zu seinen Emotionen eher schwer findet: Was wäre der Verstand, was wäre die Erfahrung von Bedeutung ohne Emotionen?

Ich mag manche jetzt vielleicht gelangweilt haben mit diesen Ausführungen und man könnte sich fragen, was zur Hölle das in einer Filmrezension zu suchen hat. So sehr ich diese Frage verstehen kann, so möchte ich dagegen halten: Eben das ist es, was in diesem Filmkunstwerk drinsteckt. Es ist kein oberflächlicher Streifen, der mit ein paar visuellen Gags daherkommt, die keine Bedeutung haben. All das, wovon ich hier gesprochen habe, kann man in diesem Film finden. Nur darf man nicht erwarten, dies mit einem Brett auf die Stirn geknallt zu bekommen, vielmehr funktioniert es nur, wenn man sich auf den Trip ein- und sein Bewusstsein erweitern lässt.

Die Bildqualität der DVD ist dabei durchschnittlich berauschend, man darf nicht zuviel erwarten. Extras sind praktisch keine vorhanden. Das liegt wohl daran, dass dieser Film gerade in Deutschland schon immer einen sehr stiefmütterlichen Status hatte. Aber er ist eben auch ein Kultfilm, der doch immer wieder seine Liebhaber finden wird. Für mich hat Ken Russell hier ein Meisterwerk geschaffen, selbst wenn man im Vergleich zu Kubricks „2001 – Odyssee im Weltraum“ natürlich zugeben muss, dass ihm die ganz große handwerkliche Perfektion eines Kubricks hier fehlt.

Nichtsdestotrotz sind das an der ein oder anderen Stelle nur Quantensprünge …
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 4, 2017 6:45 PM MEST


Die Zeitmaschine
Die Zeitmaschine
Preis: EUR 9,29

6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die Zeitmaschine – Adaption eines Klassikers mit Schwächen, 16. Juli 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Zeitmaschine (Audio CD)
Als Titania vor ca. einem Jahr ankündigte, mehrere H.G. Wells Klassiker zu vertonen, war ich unglaublich erfreut. Ich gehöre nämlich nicht zu jenen, die das Gruselkabinett als Bühne für ausschließlich Gruselstücke verstehen, sondern vielmehr als Bühne für all jene Stücke, die den „Horror“ gerne auch mal im weitesten Sinne streifen. Mir wäre z.B. auch Northanger Abbey fünf Sterne wert, weil ich ganz einfach die Geschichte wunderbar umgesetzt finde und sie schließlich von der Autorin Jane Austen als augenzwinkernde Parodie des zu ihrer Zeit so beliebten Genres zu verstehen ist.

Das nur mal als Einstieg, um zu erläutern, dass ich hier nicht etwa deshalb drei Sterne vergebe, weil ich ausdrücken will, die Zeitmaschine hätte nichts im Gruselkabinett verloren.

Als Fan der Geschichte habe ich natürlich das Buch von H.G. Wells auch tatsächlich gelesen, ebenso kenne ich die kultige alte Verfilmung sowie den etwas gescheiterten Neuversuch. Ich erwarte weder von Film- noch von Hörspielumsetzungen, dass sie sich sklavisch an die Vorlage halten, ich darf gerne überrascht werden. Gerade bei der Zeitmaschine gibt es während des Aufenthalts in der Zukunft eigentlich nur Monologe des Zeitreisenden zu lesen. Funktioniert im Buch wunderbar, aber in einem Hörspiel macht sich das nicht besonders gut. So stellt natürlich die Vorlage eine Herausforderung an den Drehbuchschreiber dar, die Essenz der Geschichte zu erhalten, dabei aber auch zu berücksichtigen, was im Medium Hörspiel gut funktioniert und was nicht. Gerade bei solch schwierigen Werken wird der Drehbuchschreiber immer entscheiden müssen, ob er mehr die Bedürfnisse der Puristen berücksichtigt, die möglichst kein Fitzelchen der Originalgeschichte verändert haben wollen oder eben jenen, die einfach nur ein dynamisches Hörspiel hören wollen und vielleicht die Vorlage gar nicht kennen.

Ich persönlich gehöre nicht zu den Puristen, für mich darf ein Drehbuchautor gerne Dinge ändern, wenn sie dem Medium zuträglich sind. Für mich ist nur wichtig, dass die Essenz der Geschichte gut eingefangen wird, dass auch ihre tiefgründigen Aspekte (sofern vorhanden) so gut adaptiert werden, dass sie zumindest weitgehend dem Original gerecht werden. Wenn dabei durch die Veränderungen also ein dynamisches Hörspiel entsteht, welches etwas von der Originalgeschichte abweicht, sie aber im Wesenskern erfasst, zücke ich sofort fünf Sterne.

Hier ist das leider nicht wirklich gelungen. Es mag wahrscheinlich an der Entscheidung gelegen haben, die Geschichte auf knapp eine Stunde herunterzubrechen.

Um das zu erläutern, komme ich zuerst mal zu den guten Aspekten dieser Umsetzung:

Die Anfangssequenz nimmt sich viel Zeit, um die Atmosphäre des Buches wiederzugeben und auch das Zeitkolorit der ausgehenden viktorianischen Epoche schön abzubilden. Es werden zwar einige der Gäste unterschlagen, die im Buch vorkommen, aber das tut nun wirklich keinen Abbruch, denn alles funktioniert trotzdem. Gerade Filby und der Zeitreisende selbst kommen gut zur Geltung, ebenso natürlich die Haushälterin. Das Sprecher-Ensemble macht einen guten Job.

Was man noch als gut herausstellen kann, sind auch die anderen Sprecherleistungen sowie die Geräuschkulisse und die Musik. Da es in der Zukunft keine Tiere mehr gibt, ist es nur logisch, dass man keine hört.

Positiv ist ebenfalls, dass Titania die im Buch nur aus Monolog bestehende Zukunftsreise zumindest teilweise versucht hat, in Spielszenen umzusetzen. Ebenfalls schön, dass auch die Reise in die noch fernere Zukunft am Ende Erwähnung findet.

Insgesamt hat Marc Gruppe als Drehbuchautor im Grunde genommen das Wesentliche der Geschichte zusammengefasst.

Damit kommen wir zu den negativen Aspekten:

Die Länge der Anfangssequenz jedoch (die ich durchaus für angemessen halte) nimmt bei einer Laufzeit von nur 60 Minuten den anderen kommenden und wichtigen Passagen eben jene Zeit, die sie gebraucht hätten, um sich angemessen zu entfalten. Die Zeit (oder das Timing, wenn man so will) nimmt der Titania-Adaption ironischerweise ihre volle Wirkungskraft.

Denn obwohl das Wesentliche zwar zusammengefasst wurde, so wirkt es denn auch eben lediglich zusammengefasst. Der Besuch im Reich der Morlocks fällt z.B. sehr spärlich aus. Auch die darauffolgende Flucht vor den Morlocks wird direkt im Keim erstickt (selbst wenn sie im Buch auch kurz war), obwohl hier eine Gelegenheit für Dynamik gewesen wäre.

Wer die Originalgeschichte kennt, fragt sich auch, wieso die Erkundung der Zukunftswelt durch den Zeitreisenden fehlt, bei der er Relikte vergangener Epochen untersucht, um sich so einen Reim darauf zu machen, wieso die Welt zu der geworden ist, die er nun vorfindet. Hierbei hätte man z.B. wesentlich besser auf die Sozialkritik Wells eingehen, sie für den Hörer spürbarer darstellen können, als sie, so wie im vorliegenden Hörspiel geschehen, mit zwei, drei Sätzen abzuhaken. Trotzdem schön, dass sie überhaupt erwähnt wurde.

Ebenso entfällt die dramatische Verfolgung des Zeitreisenden und Weenas durch die Morlocks im Wald bei Nacht, nachdem die beiden von der Erkundungstour wieder nach Hause wollen. Gerade hier war es gruselig, aufregend und durchaus einer der großen Höhepunkte im Buch. Auch wieder eine verpasste Gelegenheit für einen absoluten Spannungsmoment.

So ist es eben jene fehlende Dynamik, die, trotz vorhandener Spielszenen, die anderen großen Erzählparts etwas unglücklich erscheinen lassen. Ich denke, es hätte eine längere Laufzeit (vielleicht 80 Minuten) hier definitiv Abhilfe geschaffen, um der Hörspieldynamik gerecht zu werden und sich gegenüber von Buch- und Filmversion herausstellen zu können.

Bei dem Stellenwert, den „Die Zeitmaschine“ in der Scifi-Literatur hat, hätte man sich hierbei durchaus mehr Mühe geben dürfen. Das Wesentliche zusammenzufassen mag für einige Hörer vielleicht genug sein. Für jene aber, die gerne eine adäquate Umsetzung des großen Klassikers gehört hätten, die vielleicht eine neue Perspektive auf die Story geboten und so eine Daseinsberechtigung gegenüber den Filmumsetzungen gefordert hätte, kann diese Version nicht zufriedenstellend sein. Sie geht mit dem Stoff von Wells leider viel zu oberflächlich um, produziert aber zumindest ein brauchbares Hörspiel in dem Sinne, wenn man gerne was zum unangestrengten Hören nebenbei haben möchte, was ein wenig Atmosphäre bietet.

Abschließend bleibt noch zu sagen:

Ich denke, dass manche der besonders kritischen Beurteilungen hier vielleicht auf die von mir genannten Kritikpunkte zurückzuführen sind. Ein solcher Klassiker weckt nun mal große Erwartungen, das kann auch für Titania keine Überraschung darstellen. Auch wenn ich persönlich denke, dass hier nur einen Stern zu vergeben etwas harsch ist, so muss den Machern wie erwähnt klar gewesen sein, dass man bei einer solchen Vorlage etwas umsichtiger zu Werke gehen sollte als getan, ansonsten programmiert man die Verrisse eben vor. Hinzu kommt noch, dass es bei Titania mittlerweile immer öfter mal vorkommt, die Fehler, die in der Umsetzung der Zeitmaschine gemacht wurden, immer wieder neu zu machen. Von den Wells-Adaptionen abgesehen muss man sich dazu nur mal die von „20.000 Meilen unter dem Meer“ anhören, deren Problematik der hier von mir vorgebrachten nicht unähnlich ist.

Für die andere Gruppe Hörer, die ich erwähnte (und die ich deshalb nicht schlecht machen oder gar herabsetzen will), ist dies wohl ein annehmbares Hörspiel. Und auch wenn diesen Hörern unverständlich scheint, wieso es gerade hier solche Kritik gehagelt hat, so hoffe ich doch, dass sie diese nun etwas besser nachvollziehen können. Die eigene Meinung soll davon natürlich völlig unbelastet bleiben, ich und auch kein anderer hier möchte jemandem etwas schlechtreden, was sie oder er gut findet. Aber für ein bisschen mehr Akzeptanz und Verständnis für andere Sichtweisen darf ich an dieser Stelle hoffentlich plädieren.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 21, 2017 12:58 AM MEST


Gruselkabinett, Folge 20: Der Werwolf
Gruselkabinett, Folge 20: Der Werwolf
Wird angeboten von zoreno-deutschland
Preis: EUR 7,32

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Werwolf – ein Glanzstück der Reihe, 10. Juli 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Lange ist es her, als ich dies Hörspiel das erste Mal in den Player legte. Dennoch gehört es nach wie vor für mich zu den Großtaten des Gruselkabinetts. Die Geschichte von Alexandre Dumas ist wirklich gut in ein Hörspiel adaptiert worden.

Es beginnt im Jahre 1779 in Frankreich, als der mit seinem Leben unzufriedene Holzschuhmacher Thibaut eine schicksalhafte Begegnung mit einem Werwolf hat, der ihm ein Angebot macht, was der junge, mit seiner Existenz hadernde Mann nicht ablehnen kann. Und so beginnt für ihn eine Reise, die seinen Charakter Stück für Stück auf die Probe stellt, in der Glück und Unglück immer dicht beieinander liegen und unabdingbar mit durch Neid zerfressener Ethik bestimmt werden.

Dumas hat hier sehr deutlich die Ideale der Aufklärung einfließen lassen, jene Gedanken, die zur französischen Revolution geführt haben. Das Hadern Thibauts mit der gesellschaftlichen Ordnung und der Ungerechtigkeit der Lebensbedingungen sind für uns heute absolut nachvollziehbar. Doch Dumas geht in seiner Geschichte noch weiter. Thibaut wird so sehr von seinem Neid und seiner Geltungssucht getrieben, dass er jene genannten Ideale ad absurdum führt. Er wird mehr und mehr zu dem, was er eigentlich verachtet. Damit wird die Geschichte zu einem moralischen Lehrstück darüber, ob wir tatsächlich die höheren Klassen der Gerechtigkeit wegen verachten oder nicht etwa deshalb, weil sie so leben und sein können wie wir es für uns selbst gerne hätten.

Demut ist ein zentrales Element der Geschichte, und nicht zuletzt scheitert unser etwas unsympathischer Held immer wieder an ihr. Man könnte zunächst vielleicht meinen, Dumas möchte uns sagen, wir sollen doch einfach unseren Platz in der natürlichen Ordnung kennen und uns unserem Schicksal fügen anstatt gegen die herrschende Klasse mit Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit aufzubegehren. Ich persönlich denke, Dumas wollte hier einfach eine andere Perspektive zeigen, eine, die uns daran erinnert, dass wir unser Glück selbst in der Hand haben und es weit besser formen können als mit Neid und Missgunst, als mit denselben Mitteln, wie jene, die wir vorgeben zu verachten.

Diese moralischen Fragen, die unsere Werwolf-Geschichte hier aufwirft, werden auch abschließend nicht so leicht zu beantworten sein. Eben deshalb aber haben wir, so meine ich, eine herausragende Gruselkabinett-Folge vor uns, weil Titania es wunderbar geschafft hat, all dies im Hörspiel unterzubringen. Das mag jene verwundern, die Werwölfe nur aus Filmen von Ende der 70er oder den 80er Jahren kennen. Die früheren Vorstellungen von Werwölfen sahen erheblich anders aus, was uns dieses Werk sehr verdeutlicht. Hier geht es stark um die Auseinandersetzung des Menschen mit seinen dunklen Trieben, der Werwolf somit eher in seiner menschlichen Tragik ein Monster denn als reißende Bestie.

Titania hat ein herausragendes Drehbuch abgeliefert, die Dramaturgie der Geschichte exzellent herausgearbeitet und so wie immer eine hervorragende Geräuschkulisse mit stimmiger Musik geschaffen. Auch die Sprecher begeistern in ihren Rollen und hauchen ihnen echtes Leben ein. Allen voran unser unsympathischer Held, den man zwar nicht bemitleiden kann, aber dennoch Anteil an seinem Schicksal nimmt, hoffend und mitfiebernd, dass er sich besinnen möge und sein doch eigentlich gutes Herz wiederfinde.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 18, 2017 9:15 PM MEST


Das Schloss der Schlange (01)
Das Schloss der Schlange (01)
Wird angeboten von popde
Preis: EUR 3,14

5.0 von 5 Sternen Die schwarze Sonne – ein Gesamtkunstwerk, 8. Juni 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Schloss der Schlange (01) (Audio CD)
Diese Rezi habe ich eigentlich zu Folge 13 geschrieben und sie umfasst die Serie als Gesamtwerk. Daher dachte ich, es könnte für Interessierte, die "Die schwarze Sonne" noch gar nicht kennen und hier bei Folge 1 reinschneien, vielleicht nützlich sein. Wichtig: Die Rezi enthält keinerlei Spoiler.

Wenn man Günter Merlaus Hörspielserie „Die schwarze Sonne“ beurteilen will, geht das meiner Ansicht nach nur als Gesamtpaket. Deshalb rezensiere ich an dieser Stelle auch nicht die einzelnen Folgen, denn ich sehe alles als Bausteine eines Gebäudes oder einer Kathedrale – wenn man so will.

Alles beginnt mit einer Adaption der Bram Stoker Geschichte „Das Schloss des weißen Lindwurms“ (bzw. hier: Das Schloss der Schlange). Meint man anfangs noch, eine bloße Hörspielversion dieser Geschichte zu hören, so wird schon im Verlauf der Folge klar, dass man hier doch mehr und anderes zu hören bekommt. Nicht nur, dass es wesentlich düsterer als bei Bram Stoker zugeht, nein, hier werden auch Details aus Geschichte und Mythos aufgerollt, die so in der Ursprungsstory nicht vorhanden sind. Stoker wird quasi lediglich genutzt, um das Setting des ausgehenden 19. Jahrhunderts sowie die Charaktere und deren Kennenlernen festzulegen. Bis zum Ende der Folge hin offenbaren sich dem Hörer Zeichen, die auf ein weit größeres als das zuvor geglaubte Geheimnis hinweisen. Stilistisch sind hier schon viele Elemente vorhanden, welche die Erzählweise der gesamten Reihe ausmachen:

- Protagonisten sind zugleich Erzähler, deren innere Monologe während der laufenden Handlung stattfinden, was jedoch nicht störend, sondern sehr harmonisch aufeinander abgestimmt ist.
- Ein fast durchgängiger Musikteppich, der das Geschehen entweder sehr gut unterstreicht oder auch gerne kontrastiert.
- Assoziatives Wechseln von Erzählebenen, das den Montagerhythmen beim Film ähnelt (Pacing, Timing etc.) und dadurch im Hörer sehr suggestiv wirkt.
- Hervorragend agierende Schauspieler, die wirklich und äußerst lebendig miteinander zu spielen scheinen (was ja nicht in allen Hörspielen auf diesem Niveau gegeben ist).
- Ausgefeilte Dialoge und Monologe, die nicht unnütz und schwatzhaft daherkommen.

Ein typisches Erzählelement der schwarzen Sonne kommt in dieser ersten Folge jedoch noch nicht vor: die kreisende Erzählstruktur, in der man als Hörer quasi durch Raum und Zeit geführt wird, um die dargebotenen Handlungspuzzle zu einem Bild zusammenzusetzen. Immerhin aber wird sie bereits angedeutet.

Durch dieses fehlende und für die Sonne so typische Element, können Hörer der ersten Folge auf eine falsche Fährte geführt werden, wenn es darum geht, wo die Reise mit der Sonne hingeht. Denn ab Folge 2 und mehr noch in Folge 3 wird eben dieses Erzählelement das Hörerlebnis grundlegend verändern. So werden vielleicht manche, die auf eine ähnlich stringente Handlung wie noch in der ersten Folge hofften, enttäuscht werden. Und diejenigen, die immer so viel von der Komplexität und Tiefgründigkeit der Sonne gehört haben und eben darauf hofften, könnten das vielleicht noch nicht erkennen.

Günter Merlau sagte dazu in einem Interview, er würde dies heutzutage anders machen und eben gleich in Folge 1 mit der kreisenden Erzählstruktur beginnen. Damals hätte er sich selbst noch hineinfinden müssen. Ich verstehe das künstlerische Anliegen, aber ich bin dennoch auf der anderen Seite froh, dass alles so gekommen ist, wie es gekommen ist. Denn man kann es auch so sehen, dass eben in dieser ersten Folge durch die „herkömmlichere“ Erzählstruktur eine gute Bindung zu den Hauptprotagonisten entstanden ist und der Hörer langsam an das anspruchsvollere Erzählen gewöhnt wird. Eben ganz so, wie Merlau sich als Erzähler daran gewöhnt hat.

Was für eine Geschichte erwartet einen aber nach der ersten Folge?

Diese Frage ohne Spoiler zu beantworten, ist fast unmöglich. Auf jeden Fall wird der Handlungsbogen, der anfangs lediglich um die Protagonisten Adam Salton und Nathaniel de Salis kreist, wesentlich erweitert. Die Reise geht in die Vergangenheit zu Adams Vater, in die Zukunft zu dem BND-Agenten Berger, die Nazis sind mit von der Partie usw. Die verschiedenen Zeitebenen bilden alle Collagen der Handlung, die im Hörer ein Ganzes bilden sollen. Man trifft bekannte Personen wie Jules Verne, Aleister Crowley, Jack the Ripper und auch Bram Stoker (der ja lustigerweise „Das Schloss des weißen Lindwurms“ schrieb) oder Nikola Tesla.

Hierbei wird schnell klar, dass das große, in Folge 1 angedeutete Geheimnis, jenes ist, was Philosophen, Naturwissenschaftler, Theologen und Esoteriker von Anbeginn der Zeiten beschäftigt: Was zur Hölle steckt hinter all dem? Womit begann alles?

Und wenn man weiter fragen möchte und dabei die kreisende Erzählstruktur im Sinn hat: Gibt es einen Anfang und ein Ende oder ist dies ein und dasselbe?

Weiterhin werden alle, die Freude an Philosophie, Geschichte, Mythologie, Okkultismus, Musik, Mathematik, Physik und Verschwörungstheorien haben, ja eben an allem, was man im Leben und in der Welt entdecken kann, bestens bedient. Günter Merlau scheinen diese Dinge jedenfalls große Freude zu bereiten und so webt er all das in seine große Geschichte mit ein. Es ist also gar nicht so einfach zu beantworten, worum sich die Handlung der Sonne dreht, weil man mit so vielen Zeit- und Erlebnisebenen konfrontiert wird, die aber zumindest alle verknüpft sind.

Vorranging, so könnte man sagen, wenn man es darauf herunterbrechen will, geht es um die Erlebnisse von Adam Salton und Nathaniel de Salis. Die beiden treffen sich 1885 bei Adams Rückkehr nach England, der nach dem Tod seiner Eltern aus Australien in die Heimat zu seinem Onkel nach Lesser Hill zurückkehrt. Die beiden werden in einen Sog grauenhafter Ereignisse gezogen und für Adam wird langsam klar, dass sein Vater mit gutem Grund ausgewandert ist und dass die Vergangenheit viele dunkle Geheimnisse birgt. Nathaniel wird dabei für ihn eine Art Mentor und Ersatzvater, den neben seiner Weisheit ebenfalls ein Geheimnis zu umgeben scheint.

Hier noch weiter auf die Handlung einzugehen – so schön es wäre – würde meiner Ansicht nach den Spaß verderben, sie selbst zu erfahren. Im Verlauf der Serie wird man auf einiges an Dramatik, unerwartete Wendungen und aufgedeckte sowie neue Geheimnisse stoßen.

Die Sonne musste ja leider von 2010 bis 2016 eine Zwangspause nehmen, ausgerechnet, als nur noch zwei der zwölf geplanten Folgen fehlten. Maritim und Günter Merlau sei Dank wurde sie nun doch mit sogar 13 Folgen abgeschlossen. Ich denke, alle fragten sich, so wie ich, ob es Günter Merlau gelingt, nach einer so langen Pause, das richtige Händchen für eine Fortsetzung zu finden, die nicht wie ein Bruch mit dem Vorangegangenen wirkt. Und natürlich auch, ob das Ende der vielschichtigen Erzählung zufriedenstellend sein würde.

Ich persönlich kann nur alle Fragen mit einem Ja beantworten. Die Geschichte wurde zu einem großartigen Ende geführt, was sowohl viele Fragen beantwortet, aber auch genügend offen lässt, um das Mysterium eben nicht zu zerstören, und das Schicksal der Figuren emotional befriedigend abschließt. Es mag zwar nicht ganz zu verhehlen sein, dass Günter Merlau sich in den letzten Jahren anscheinend intensiv mit gewissen Dingen beschäftigt hat, die er stark in die Abschlussfolgen miteinfließen und sie somit ein klein wenig anders als die vorangegangenen wirken lässt, dennoch ist das Ergebnis dabei nicht unrund. Man kann also wirklich mit allem zufrieden sein und den Hut ziehen vor diesem Kunststück.

Und wer dabei – so wie ich – noch nicht genug hat, der darf sich tatsächlich auf eine zweite Staffel von „Die schwarze Sonne“ freuen, die bald mit Folge 14 „Dem Tode nah“ erscheint.

Chapeau für diese Hörspielserie, diese einzigartige Erzählung! Wäre dies eine Fernsehserie geworden, so bin ich sicher, sie hätte hier Kultstatus erlangt und wäre weit bekannter als es eine Hörspielserie je sein wird.


Nedr Gwind, Folge 13: Die schwarze Sonne
Nedr Gwind, Folge 13: Die schwarze Sonne
Preis: EUR 7,29

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die schwarze Sonne – ein Gesamtkunstwerk, 8. Juni 2017
Wenn man Günter Merlaus Hörspielserie „Die schwarze Sonne“ beurteilen will, geht das meiner Ansicht nach nur als Gesamtpaket. Deshalb rezensiere ich an dieser Stelle auch nicht die einzelnen Folgen, denn ich sehe alles als Bausteine eines Gebäudes oder einer Kathedrale – wenn man so will.

Alles beginnt mit einer Adaption der Bram Stoker Geschichte „Das Schloss des weißen Lindwurms“ (bzw. hier: Das Schloss der Schlange). Meint man anfangs noch, eine bloße Hörspielversion dieser Geschichte zu hören, so wird schon im Verlauf der Folge klar, dass man hier doch mehr und anderes zu hören bekommt. Nicht nur, dass es wesentlich düsterer als bei Bram Stoker zugeht, nein, hier werden auch Details aus Geschichte und Mythos aufgerollt, die so in der Ursprungsstory nicht vorhanden sind. Stoker wird quasi lediglich genutzt, um das Setting des ausgehenden 19. Jahrhunderts sowie die Charaktere und deren Kennenlernen festzulegen. Bis zum Ende der Folge hin offenbaren sich dem Hörer Zeichen, die auf ein weit größeres als das zuvor geglaubte Geheimnis hinweisen. Stilistisch sind hier schon viele Elemente vorhanden, welche die Erzählweise der gesamten Reihe ausmachen:

- Protagonisten sind zugleich Erzähler, deren innere Monologe während der laufenden Handlung stattfinden, was jedoch nicht störend, sondern sehr harmonisch aufeinander abgestimmt ist.
- Ein fast durchgängiger Musikteppich, der das Geschehen entweder sehr gut unterstreicht oder auch gerne kontrastiert.
- Assoziatives Wechseln von Erzählebenen, das den Montagerhythmen beim Film ähnelt (Pacing, Timing etc.) und dadurch im Hörer sehr suggestiv wirkt.
- Hervorragend agierende Schauspieler, die wirklich und äußerst lebendig miteinander zu spielen scheinen (was ja nicht in allen Hörspielen auf diesem Niveau gegeben ist).
- Ausgefeilte Dialoge und Monologe, die nicht unnütz und schwatzhaft daherkommen.

Ein typisches Erzählelement der schwarzen Sonne kommt in dieser ersten Folge jedoch noch nicht vor: die kreisende Erzählstruktur, in der man als Hörer quasi durch Raum und Zeit geführt wird, um die dargebotenen Handlungspuzzle zu einem Bild zusammenzusetzen. Immerhin aber wird sie bereits angedeutet.

Durch dieses fehlende und für die Sonne so typische Element, können Hörer der ersten Folge auf eine falsche Fährte geführt werden, wenn es darum geht, wo die Reise mit der Sonne hingeht. Denn ab Folge 2 und mehr noch in Folge 3 wird eben dieses Erzählelement das Hörerlebnis grundlegend verändern. So werden vielleicht manche, die auf eine ähnlich stringente Handlung wie noch in der ersten Folge hofften, enttäuscht werden. Und diejenigen, die immer so viel von der Komplexität und Tiefgründigkeit der Sonne gehört haben und eben darauf hofften, könnten das vielleicht noch nicht erkennen.

Günter Merlau sagte dazu in einem Interview, er würde dies heutzutage anders machen und eben gleich in Folge 1 mit der kreisenden Erzählstruktur beginnen. Damals hätte er sich selbst noch hineinfinden müssen. Ich verstehe das künstlerische Anliegen, aber ich bin dennoch auf der anderen Seite froh, dass alles so gekommen ist, wie es gekommen ist. Denn man kann es auch so sehen, dass eben in dieser ersten Folge durch die „herkömmlichere“ Erzählstruktur eine gute Bindung zu den Hauptprotagonisten entstanden ist und der Hörer langsam an das anspruchsvollere Erzählen gewöhnt wird. Eben ganz so, wie Merlau sich als Erzähler daran gewöhnt hat.

Was für eine Geschichte erwartet einen aber nach der ersten Folge?

Diese Frage ohne Spoiler zu beantworten, ist fast unmöglich. Auf jeden Fall wird der Handlungsbogen, der anfangs lediglich um die Protagonisten Adam Salton und Nathaniel de Salis kreist, wesentlich erweitert. Die Reise geht in die Vergangenheit zu Adams Vater, in die Zukunft zu dem BND-Agenten Berger, die Nazis sind mit von der Partie usw. Die verschiedenen Zeitebenen bilden alle Collagen der Handlung, die im Hörer ein Ganzes bilden sollen. Man trifft bekannte Personen wie Jules Verne, Aleister Crowley, Jack the Ripper und auch Bram Stoker (der ja lustigerweise „Das Schloss des weißen Lindwurms“ schrieb) oder Nikola Tesla.

Hierbei wird schnell klar, dass das große, in Folge 1 angedeutete Geheimnis, jenes ist, was Philosophen, Naturwissenschaftler, Theologen und Esoteriker von Anbeginn der Zeiten beschäftigt: Was zur Hölle steckt hinter all dem? Womit begann alles?

Und wenn man weiter fragen möchte und dabei die kreisende Erzählstruktur im Sinn hat: Gibt es einen Anfang und ein Ende oder ist dies ein und dasselbe?

Weiterhin werden alle, die Freude an Philosophie, Geschichte, Mythologie, Okkultismus, Musik, Mathematik, Physik und Verschwörungstheorien haben, ja eben an allem, was man im Leben und in der Welt entdecken kann, bestens bedient. Günter Merlau scheinen diese Dinge jedenfalls große Freude zu bereiten und so webt er all das in seine große Geschichte mit ein. Es ist also gar nicht so einfach zu beantworten, worum sich die Handlung der Sonne dreht, weil man mit so vielen Zeit- und Erlebnisebenen konfrontiert wird, die aber zumindest alle verknüpft sind.

Vorranging, so könnte man sagen, wenn man es darauf herunterbrechen will, geht es um die Erlebnisse von Adam Salton und Nathaniel de Salis. Die beiden treffen sich 1885 bei Adams Rückkehr nach England, der nach dem Tod seiner Eltern aus Australien in die Heimat zu seinem Onkel nach Lesser Hill zurückkehrt. Die beiden werden in einen Sog grauenhafter Ereignisse gezogen und für Adam wird langsam klar, dass sein Vater mit gutem Grund ausgewandert ist und dass die Vergangenheit viele dunkle Geheimnisse birgt. Nathaniel wird dabei für ihn eine Art Mentor und Ersatzvater, den neben seiner Weisheit ebenfalls ein Geheimnis zu umgeben scheint.

Hier noch weiter auf die Handlung einzugehen – so schön es wäre – würde meiner Ansicht nach den Spaß verderben, sie selbst zu erfahren. Im Verlauf der Serie wird man auf einiges an Dramatik, unerwartete Wendungen und aufgedeckte sowie neue Geheimnisse stoßen.

Die Sonne musste ja leider von 2010 bis 2016 eine Zwangspause nehmen, ausgerechnet, als nur noch zwei der zwölf geplanten Folgen fehlten. Maritim und Günter Merlau sei Dank wurde sie nun doch mit sogar 13 Folgen abgeschlossen. Ich denke, alle fragten sich, so wie ich, ob es Günter Merlau gelingt, nach einer so langen Pause, das richtige Händchen für eine Fortsetzung zu finden, die nicht wie ein Bruch mit dem Vorangegangenen wirkt. Und natürlich auch, ob das Ende der vielschichtigen Erzählung zufriedenstellend sein würde.

Ich persönlich kann nur alle Fragen mit einem Ja beantworten. Die Geschichte wurde zu einem großartigen Ende geführt, was sowohl viele Fragen beantwortet, aber auch genügend offen lässt, um das Mysterium eben nicht zu zerstören, und das Schicksal der Figuren emotional befriedigend abschließt. Es mag zwar nicht ganz zu verhehlen sein, dass Günter Merlau sich in den letzten Jahren anscheinend intensiv mit gewissen Dingen beschäftigt hat, die er stark in die Abschlussfolgen miteinfließen und sie somit ein klein wenig anders als die vorangegangenen wirken lässt, dennoch ist das Ergebnis dabei nicht unrund. Man kann also wirklich mit allem zufrieden sein und den Hut ziehen vor diesem Kunststück.

Und wer dabei – so wie ich – noch nicht genug hat, der darf sich tatsächlich auf eine zweite Staffel von „Die schwarze Sonne“ freuen, die bald mit Folge 14 „Dem Tode nah“ erscheint.

Chapeau für diese Hörspielserie, diese einzigartige Erzählung! Wäre dies eine Fernsehserie geworden, so bin ich sicher, sie hätte hier Kultstatus erlangt und wäre weit bekannter als es eine Hörspielserie je sein wird.


auna Graceland-XXL Jukebox Musikbox (USB-Port, SD-Slot, MP3-fähig, Bluetooth, AUX-Eingang, CD-Player, UKW/MW-Tuner) pink
auna Graceland-XXL Jukebox Musikbox (USB-Port, SD-Slot, MP3-fähig, Bluetooth, AUX-Eingang, CD-Player, UKW/MW-Tuner) pink
Wird angeboten von Elektronik-Star
Preis: EUR 599,99

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Jukebox auna Graceland XXL mit Bluetooth, 10. März 2017
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Länge:: 1:01 Minuten

Diese Jukebox ist eine Anschaffung, die sich lohnt. Ich habe einige Zeit suchen müssen, bis ich eine JB gefunden habe, die wirklich alles kann, was mir wichtig ist. Denn leider sind die technischen Details bei Jukeboxen oft nur sehr spärlich bis gar nicht erwähnt. Um zumindest den Interessenten, die hier reinschauen, es etwas einfacher zu machen als es für mich war, hier also die Details:

- sie ist komplett MP3-fähig
- also mit CDs
- USB-Sticks
- SD-Cards
- über Player, Handy etc.
- mit Kabel (AUX-Eingang) oder Bluetooth (nur Eingang)
- Musikausgangsleistung ca. 40-60 Watt (diese wird nirgendwo angegeben, aber ich habe mit meiner 70 Watt Mini-Anlage verglichen)
- Radio mit manuellem Frequenzregler
- Wurfantenne
- man kann bei Titeln in Einzel- oder in 10er-Schritten vor- und zurückspringen
- sehr einfacheTitelprogrammierung (bei 60 Titeln habe ich aufgehört, es gehen also noch mehr)
- kein CD-Wechsler (was aber durch die einfache Programmierbarkeit und die Vielzahl von programmierbaren Titeln nicht stört)
- Wiederholfunktion (Alben und Einzeltitel)
- Bass- und Höhenregler
- separate Ein-/Aus-Schalter für Musik und Licht
- Möglichkeit, die Lichteffekte im Zufallsmodus laufen zu lassen
- durch mehrfaches Drücken der Flashtaste kann man auch das Licht auf nur eine bestimmte Farbe stellen
- Cinch-Ausgang: so kann man die Box z.B. an einen Verstärker etc anschließen
- Cinch-Kabel mit enthalten
- eine Halterung, die man an der Rückseite anbringen kann, um z.B. ein Kabel, Handy etc. unterzubringen, ist ebenfalls enthalten
- die Zufallswiedergabe (die ja angegeben ist) habe ich nirgends entdecken können
- die enthaltene Fernbedienung kann alles, außer die Lautstärke regeln, das geht nur über den Regler an der Box

Alles in allem ist die Jukebox für mich die absolut richtige Wahl gewesen und ein Kracher. Auf Parties sorgt sie definitiv für Gesprächsstoff und dafür, dass jeder so ein Ding haben will. Und da die Musikausgangsleistung – inklusive Bass – doch ganz ordentlich ist, ist sie auch wirklich partytauglich.

Jemand hat bei den beantworteten Fragen geschrieben, dass die Box ca. 20 Watt Musikausgangsleistung hätte, aber, wie oben schon geschrieben, muss sie definitiv mehr haben. Ich habe ein Gerät, das 20 Watt hat und das ist bei unseren Parties stets untergegangen, die Jukebox jedoch ist immer noch ordentlich laut zu hören. Sie kommt tatsächlich eher an meine 70 Watt Mini-Anlage ran (nicht ganz, aber immerhin). Auch der Klang selbst ist ganz ordentlich. Klar, das mag alles subjektiv sein, aber ich finde, wenn bei einer Party gleich mehrere Leute sagen, dass sie das Ding auch gerne hätten, kann der Klang so schlecht nicht sein.

In dieser Preisklasse wird man kaum eine bessere Jukebox finden. Selbst in manch höherer Preisklasse kann es schwierig werden.

Wer sich ein Bild von der Jukebox im Einsatz machen möchte, kann sich das beigefügte Video ansehen. Die Musik ist nicht verstärkt, sondern kommt direkt aus der Jukebox. Und obwohl ich das Video lediglich mit meinem Handy gemacht habe, kann man schon hier gut merken, dass Wumms im Sound steckt.

Das Material ist Holz, Plastik (teilweise chromverziert), Gummifüße und die Rückwand ist ungefähr so wie bei einem Kleiderschrank. Insgesamt sieht es sehr schick aus, die Bilder hier lügen also nicht.

Zusatzinfo:

Einen eigenen zusätzlichen Stand, der speziell für die auna Graceland XXL hergestellt wurde, gibt es leider nicht. Aber ich habe einen alternativen Stand gefunden, der quasi wie für die auna Graceland gemacht ist (von der Passform her, die Holzfarbe ist etwas dunkler, was aber für mich nicht störend ist):

Lacoon JS-40 Standsockel mit CD-Fach für GA-40 Jukebox (mit Schublade, Erhöht die Jukebox um ca. 20 cm, Abmessungen H x B x T 22 x 58,5 x 30 cm)

Für mich persönlich wertet der Stand die gesamte Optik nochmal erheblich auf, zumal die Jukebox so auch höher steht (siehe beigefügtes Foto).

Sollte ich eine Info vergessen haben, die jemandem wichtig ist, einfach fragen.
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Der Ruf des Cthulhu
Der Ruf des Cthulhu
Preis: EUR 16,04

13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großartige Umsetzung, 15. September 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Ruf des Cthulhu (Audio CD)
Bevor ich mit der Rezi selbst loslege: Ich liebe Lovecrafts Geschichten und verehre seinen Schreibstil. Außerdem bin ich ein großer Liebhaber phantastischer Literatur, besonders E. A. Poe, Clark Ashton Smith, Robert E. Howard, Arthur Machen, Algernon Blackwood, W. H. Hodgson und Arthur Conan Doyle reizen mich dabei (in punkto Kurzgeschichten, kurze Erzählungen). Das nur, damit man einordnen kann, wo ich diesbezüglich literarisch zu Hause bin.

Warum ich die Umsetzung dieser Story so gut finde, hängt damit zusammen, dass ich gerade bei Lovecraft und Poe es für fast unmöglich halte, gescheite Hörspieladaptionen ihrer Geschichten zu erstellen. Beide leben nämlich sehr von ihrem besonderen Erzählstil, von den Techniken, derer sie sich bedienen und die sehr unterschwellig funktionieren. Gerade heutzutage, wo viele wahrscheinlich für derartig subtile Spannungserzeugung nicht mehr sehr empfänglich sind, kann ich mir gut vorstellen, dass bereits die Lektüre beider auf diese Leute unspannend wirkt. Besonders bei Lovecraft lebt die Spannung seiner Geschichten von seinem einzigartigen Stil, der oftmals sehr wissenschaftlich beschreibend, ohne Dialoge oder aus Zusammenstellungen in der Vergangenheit liegender Berichte daherkommt.

Für mich persönlich funktioniert diese Art von subtilem Aufbau ganz hervorragend. Vielleicht muss man dafür, so wie ich, selbst in archäologischen Berichten, historischen Fakten etc. Spannung erkennen, weil man einfach ein Mensch ist, der aufgrund dessen eine Reihe von Kinofilmen in seinem Kopf zum Laufen bringt. Ist man kein solcher Mensch, findet man das wahrscheinlich eher langweilig. Titania hat es hier tatsächlich geschafft, diese Schwierigkeiten, die gerade bei „Der Ruf des Cthulhu“ vorzufinden sind, mehr als adäquat in ein Hörspiel umzusetzen – auch wenn natürlich nichts über das geschriebene Wort geht.

Es gab hingegen vorher einige Umsetzungen, die etwas weniger gelungen waren, die ich aber trotzdem nicht für so misslungen halte, dass ich sie nicht gerne höre. Für mich dient dazu als Beispiel „Schatten über Innsmouth“, eine Geschichte, die ich beim Lesen extrem gut finde, wo mir aber das Hörspiel zu wenig als Hörspiel und zu sehr als Hörbuch umgesetzt wurde. Das war dann zwar relativ getreu der Vorlage, aber zeigte auch deutlich, wo die Unterschiede im Spannungsempfinden liegen, wenn man etwas liest oder es als Hörspiel wahrnimmt. Oder als anderes Beispiel hat man in „Berge des Wahnsinns“ hingegen einen besseren Versuch unternommen, aber durch das Weglassen vieler, in meinen Augen wichtiger Details, die erzählerische Wucht genommen. Dabei habe ich noch nicht einmal etwas gegen die hinzugedichteten Dinge, die fand ich sogar eher gut. Es muss ja schließlich als Hörspiel funktionieren.

Herausragend gut gelungen waren hingegen „Der Tempel“, „Die Farbe aus dem All“ und „Pickmans Modell“. Die restlichen Adaptionen lagen irgendwo dazwischen.

Und mit „Der Ruf des Cthulhu“ ist für mein Empfinden wieder etwas gelungen, was ich vorher nicht für möglich gehalten hätte: Man hat eine eigentlich unmöglich für ein Hörspiel fassbare Vorlage tatsächlich in ein Hörspiel verwandelt. Alles, was als Monolog und zusammengetragene Berichte des Protagonisten der Vorlage erstellt wurde, hat Titania in Dialoge und Handlungsstränge umgesetzt. Das ist wirklich eine sehr gute und gelungene Arbeit, vor allem, weil dabei alles trotzdem ziemlich originalgetreu geblieben ist.

Hier könnte dann für manche die Crux liegen. Denn wer, wie ich weiter oben schon schrieb, bei solchen Dingen keinen eigenen Kinofilm im Kopf erzeugt, kann eventuell mit dieser Geschichte nicht viel anfangen. Titania kann man da nichts zur Last legen, denn dazu ist die Umsetzung zu gut. Auch Lovecraft kann man dabei nichts zur Last legen, denn für unterschiedliche Geschmäcker kann er zum Glück auch nichts. Das ist einer der Gründe, warum er niemals Mainstream sein wird, weil er schon immer viel zu speziell war und dementsprechend auch nur spezielle Leute anspricht.

Ansonsten bleibt noch zusagen, dass die akustische Untermalung, sowohl was die Musik als auch sonstige Soundeffekte angeht, wirklich gut gelungen ist. Die Sprecher haben ebenfalls einen sehr guten Job gemacht.

Für mich also ein wunderbar und rundum gelungenes Lovecraft-Sorglospaket, das ich all denen empfehlen kann, die so wie ich empfinden. Alle anderen müssen bei den negativen Rezensionen schauen und sich im Vergleich mit den positiven ein eigenes Bild davon machen, ob sie das Hörspiel kaufen möchten oder nicht.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 18, 2016 2:17 PM MEST


Gruselkabinett - Folge 90: Die Farbe aus dem All
Gruselkabinett - Folge 90: Die Farbe aus dem All
Preis: EUR 7,91

13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kongeniale Hörspielumsetzung, 17. September 2014
"Die Farbe aus dem All" gehört für mich persönlich zu Lovecrafts besten Geschichten. Sie bleibt seinem fiktiven Pantheon treu, ohne dass man für sie irgendeine andere Lovecraft-Geschichte lesen muss, um alles erfassen zu können. Außerdem lebt sie von einer atmosphärischen Dichte und lauernden Bedrohung, wie nur Lovecraft wusste sie zu erzeugen.

Und darin bestand schon immer die Krux bei Umsetzungen von Geschichten des Einsiedlers aus Providence: Wie zaubert man die Magie des geschriebenen Wortes in ein lebendiges Hörspiel (oder Film). Denn wie auch bei Poe leben Lovecrafts Geschichten über seine Erzählkunst. Nimmt man diese weg bzw. verändert man sie, weil es das Medium erfordert, geht ein wichtiger Teil dieser Magie verloren. So war es auch bei fast allen bisherigen Umsetzungen seiner Stoffe hier im Gruselkabinett. Nicht falsch verstehen, mir haben die Folgen allesamt gut gefallen. Jedoch fand ich immer schade, dass man sich entweder zu sklavisch an die erzählte Form der Story gehalten und sie somit fast hörbuchartig vorgetragen hat (Schatten über Innsmouth), oder sie um dem Medium Hörspiel gerecht zu werden so verwandelt hat, dass sie etwas ins seichte Fahrwasser geriet (Berge des Wahnsinns). Dazwischen gab es natürlich viel gelungenere Varianten. Man merkte immer, das Team von Titania sucht nach einem guten Weg, die Probleme bei Lovecraft-Geschichten, die bei einer Hörspielumsetzung auftreten, zu lösen. Bisher ist dies am besten bei "Der Tempel" gelungen.

Bis zu dieser Folge hier, wie ich persönlich finde.

Die Originalstory lebt von der Lovecraft-typischen Erzählkunst, die viel mit Rückblicken arbeitet. Das wurde hier auch umgesetzt, aber eben nicht allein über jemanden, der die Geschichte erzählt, sondern die Handlungsstränge wurden auch hörspielartig umgesetzt. Dies ist hier in meinen Augen sehr gut gelungen und erzeugt genau die richtige Stimmung.

Das Grundgerüst der Handlung ist erst einmal sehr einfach: Ein kleinerer Meteorit stürzt in einem bewaldeten Siedlungsgebiet ab und es verändern sich Natur und Menschen. Mehr sei hier nicht verraten. Kleine Nerd-Info am Rande: Wer Teil 1 der Verfilmung der Creepshow-Comics kennt, wird in der Kurzgeschichte von Stephen King, in der King selbst mitspielt und als doofes Latzhosen-Landei einen kleinen abgestürzten Meteoriten mit nach Hause nimmt, sofort erkennen, wo King sich die Inspiration für seine Story hernahm.

Was die Soundkulisse und die Sprecher betrifft, gab es da bei Titania niemals Anlass zur Klage, so auch hier nicht. Was mir noch besonders gefällt, ist die Musik in dieser Folge. Wie ich finde, ist sie hier ein wichtiger Bestandteil, der das gute Bild, das diese Folge abgibt, nochmal besonders unterstreicht.

Rundum gelungen und für mich direkt zu einem Gruselkabinett-Klassiker avanciert.


Die Grabgewölbe von Yoh-Vombis: Gesammelte Erzählungen. Band 2 (H. P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens)
Die Grabgewölbe von Yoh-Vombis: Gesammelte Erzählungen. Band 2 (H. P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens)
von Clark Ashton Smith
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 28,00

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klarkash-Ton II., 27. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Hierbei handelt es sich um Band 2 der geplanten 6-bändigen Reihe, die alle Erzählungen Clark Ashton Smiths umfasst. Wer also hier gelandet ist und von Band 1 weder gehört noch gelesen hat oder wem vielleicht der Autor noch unbekannt ist, dem sei meine Rezension zum 1. Band empfohlen, da ich hier nicht alles wiederholen, sondern nur auf diesen Band eingehen sowie voraussetzen werde, dass der Autor bereits bekannt ist.

Link zur 1. Rezi:
http://www.amazon.de/review/R2FW3VWFZ338CR/

War ich nach dem ersten Band bereits restlos von Smith überzeugt, so bin ich es nach der Lektüre dieses Bandes umso mehr. Es ist schier unglaublich, wie vielseitig der Mann war, sowohl vom Inhalt seiner Geschichten her als auch von deren stilistischem Aufbau. Versammelten sich im vorigen Band in der Hauptsache Geschichten, die mehr auf ihre poetische Wirkung ausgelegt und fast durchweg von feiner aber doch deutlicher Ironie durchzogen waren, liegt der Schwerpunkt der Geschichten dieses Bandes mehr in der Handlung, in denen die Ironie wesentlich versteckter ist (manchem Leser mag sie vielleicht gar nicht auffallen). Natürlich heißt das alles nicht, Smith hätte hier keinerlei poetische Wirkung oder sein typisches Sprachornament nicht hineingepackt, es ist alles bloß weniger offensichtlich.

Dieses Mal sind die Science-Fiction Anteile in den Geschichten deutlich höher. Wobei man dazusagen muss, dass Smith niemals reine Science-Fiction geschrieben, sondern sie stark mit Phantastik gemischt und sie damit mehr als Vehikel für seine Ideen und Ironie verwendet hat. Hier spielen gleich drei Geschichten auf dem Mars (Smiths Mars-Zyklus), eine auf dem Merkur, im Antares-System und es geht einmal quer durchs Universum bzw. durch die Zeit. Gerade dieser Gedanke Smiths zeigt schon ein sehr fortschrittliches und vorausschauendes Denken. Machte H.G. Wells in seiner „Zeitmaschine“ schon mit bestechender Logik deutlich, dass man sich ausschließlich durch die Zeit, aber nicht durch den Raum bewegt, so wird er hier von Smith in seine Schranken verwiesen. Denn Smith vollzieht den nächsten Gedankenschritt, der eigentlich jedem klar sein muss: Das Universum ist in ständiger Bewegung, somit auch seine Sonnensysteme und Galaxien. Reist man also mit einer Zeitmaschine und verbleibt logischerweise an derselben Stelle, wird man nicht etwa auf der Erde an derselben Stelle in einem anderen Zeitalter landen, sondern an derselben Stelle im Raum. Da kann man durchaus mitten im Weltraum oder gerne mal auf einem anderen Planeten landen (je nachdem, wie weit man in der Zeit reist). Andernfalls müsste man ja bei einer Zeitreise an die Gravitation gebunden sein, was wohl kaum der Fall sein dürfte. Auf diese Weise hat Smith wunderbare weiterführende Gedanken eingebracht, aber eben auch ironische Kritik an den damals (und wohl heute auch noch) gängigen Ideen und vor allem strikten Genreregeln der Science-Fiction geübt. Auf die Art ist überhaupt in diesem Band seine Ironie zu verstehen, deshalb auch weit weniger offenbar als noch in den Geschichten der ersten Geschichtensammlung des Festa Verlags.

Außerdem findet der Leser hier noch Geschichten, die wesentlich deutlicher der Phantastik, wie man sie erwartet, zuzuordnen sind, da sie thematisch Richtung Horror gehen. Eine Geschichte ist sogar Lovecraft selbst gewidmet, nämlich „Die Epiphanie des Todes“. Lovecraft-Kenner werden in der Charakterisierung des Tomeron deutlich den Meister erkennen – natürlich in ironisierter Form (auch Lovecraft selbst war von dieser Widmung sehr angetan). Ebenso bekommt man es in einer anderen Geschichte mit einem Ghul zu tun, welche von einem Textauszug aus dem Necronomicon eingeleitet wird (den sich Smith übrigens selbst ausgedacht hat). Die meiner Ansicht nach beste Geschichte dieser Art ist „Die Knospen des Grauens“; einfach, weil sie auf einer originellen Grundidee basiert, die zudem sprachlich und stilistisch so ausgefeilt erzählt wird, dass Ekel und Grauen mehr als spürbar werden.

Die Geschichten dieses Bandes sind also:

Die unentdeckte Insel
Das Ungeheuer aus der Prophezeiung
Der Brief aus Mohaun Los
Das Gorgonenhaupt
Die Epiphanie des Todes
Eine nekromantische Geschichte
Die Unsterblichen des Merkur
Ein Leichnam zuviel
Die namenlose Ausgeburt
Die Knospen des Grauens
Die Grabgewölbe von Yoh-Vombis (Mars-Zyklus)
Der Herrscher der Tiefe (Mars-Zyklus)
Vulthoom (Mars-Zyklus)

An dieser Stelle ist noch erwähnenswert, dass die Geschichten des Mars-Zyklus‘ keine aufeinanderfolgende Handlung haben, also in sich selbst abgeschlossen sind. Nichtsdestotrotz bauen sie durch ihr Szenario sowie durch die geschaffene Welt und Kultur der Marsianer aufeinander auf. Ich dachte noch so beim Lesen, dass sich John Carpenter für seinen „Ghosts Of Mars“ bei Smith inspirieren ließ. Wobei diese Bemerkung nicht den Anschein erwecken soll, dass Carpenters Werk von der Handlung her ähnlich wäre. Das ist es weder qualitativ noch erzählerisch, aber eben gewisse Ideen von Smith dürften eingeflossen sein. Das aber nur am Rande.

Zu schade jedenfalls, dass Smith den Zyklus nicht weitergesponnen hat, weil die Verleger die Geschichten als zu eklig oder grauenhaft und somit als dem gemeinen Leser nicht zumutbar einstuften. Aus heutiger Sicht natürlich ein Witz.

Damit sind wir wieder bei den großartigen Hintergrundinformationen, die der Verlag bei dieser Buchreihe bietet. Hier nicht mehr ganz so umfangreich vorhanden wie noch im ersten Band, aber absolut ausreichend.

Der Mars-Zyklus wird durch Will Murrays Text „Der Mars-Zyklus von Clark Ashton Smith“ eingeleitet und gibt hervorragende Hintergrundinfos über die Entstehung, das Anliegen und was es sonst noch dazu zu wissen gibt.

Außerdem hat man noch „Erinnerungen an Klarkash-Ton“ von E. Hoffman Price beigefügt, einem Schriftstellerkollegen und Freund von Smith. Hier erfährt man einiges an Privatem über Clark Ashton Smith aus der Sicht eines Freundes. Ein wirklich liebevoller Bericht, der einem zumindest ein bisschen den Menschen hinter den Geschichten nahebringt.

Abschließend findet der Leser (wie schon im ersten Band) Anmerkungen zu den Erzählungen, die ebenfalls sehr erhellend sind und lohnenswerte Informationen in allen Bereichen enthalten.

Bleibt wieder nur etwas über das Material und die Buchbindung zu sagen. Hier gibt es nichts zu meckern, denn wie schon beim Vorgänger ist all das ordentlich und mit einem lederartigen Papierumschlag ummantelt sowie mit einem Lesebändchen versehen.

Wem also bereits Band 1 gefallen hat, der kann hier bedenkenlos zugreifen. Ich freue mich jedenfalls auf folgende Bände, da ich sehr gespannt bin, wie weit die Vielseitigkeit und vor allem überbordende Phantasie von Klarkash-Ton noch reichen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 8, 2013 12:23 PM MEST


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