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Rezensionen verfasst von
bartgesang

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Am Sonntag bist du tot
Am Sonntag bist du tot
DVD ~ Brendan Gleeson
Preis: EUR 6,79

2 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Katholischer Imagefilm, 28. Juli 2015
Rezension bezieht sich auf: Am Sonntag bist du tot (DVD)
Ich mache es kurz - dieser Film wird falsch beworben. Ich lasse dahingestellt, ob mit Absicht oder nicht. Dieser Film ist keine schwarze Komödie, sondern eine Abarbeitung an den Missbrauchsskandalen, die seit einige Zeit die katholische Kirche Irlands erschüttern und ihr auf der Insel ein massives Imageproblem eingetragen haben. Und zwar eine Abarbeitung aus Sicht der betroffenen Kirche, die nun um die Zahl ihrer Schäfchen bangen muss. Die Geschichte folgt dann der Hiob-Parabel: ein in Amtsführung und Menschenumgang vorbildlicher Priester in der westirischen, von diversen schwarzen Schafen bevölkerten Provinz wird angesichts der Kirchenkrise zum Opferlamm. Das ist in einigen Figuren geglückt, in anderen hoffnungslos überzeichnet und klischeebeladen. Gute Laune hat nach diesem Film garantiert niemand. Ob es für katholische Katarsis genügt, ist vom Zuschauer abhängig.


YYY ACA
YYY ACA
Preis: EUR 11,99

5.0 von 5 Sternen Charme heißt auf Norwegisch: Sjarm, 8. August 2014
Rezension bezieht sich auf: YYY ACA (Audio CD)
Ich hatte das Vergnügen, Yoyoyo Acapulco vor einigen Tagen live im hochsommerlichen Berlin erleben zu dürfen. Und mir danach gleich ihre feine aktuelle CD gekauft. Beides empfehle ich hiermit auch allen anderen aufs Allerherzlichste. Ukululen und den Menschen, die sie zupfen, haftet ja an sich bereits ein irgendwie charmantes Wesen an. Hier treten dann noch eine fröhlich vor sich hin hüpfende Bassgitarre, ein kleiner Korg-Synthesizer, ein paar einfache Percussions und ab und an eine dezent 80er Jahre mäßig wavende Stromgitarre hinzu. Dazu gibt es schönen Frauen-Sommer-Pop-Gesang einerseits und windschiefen Neil-Young-Gedächtnis-Männergesang andererseits. Das ausgesprochen feine Descendents-Cover "Silly Girl" will man immer und immer wieder hören. Aber auch die Eigengewächse wie "Summer Fling" oder "Blissed Out" sind ganz wunderbar.

Yoyoyo Acapulco machen norwegische Post-Klimawandel-Musik. Gemütlich liegen wir am Fjord im warmen Atlantik-Föhn. Die Lachse schwitzen. Die Palmen wachsen. Es ist nicht alles schlecht.


Grand Budapest Hotel
Grand Budapest Hotel
DVD ~ Ralph Fiennes
Preis: EUR 6,97

100 von 113 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Im Kulissen-Traumland, 3. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Grand Budapest Hotel (DVD)
„Hier waren wir glücklich – für eine kleine Weile.“ Im vorletzten Satz findet Wes Andersons neuester Film seinen Kern. Zuvor geht es im Höchsttempo durch eine Handlung voller surrealer Wendungen, Situationskomik, Wortwitz und großartigem schauspielerischen Klamauk. Man fühlt sich immer wieder an das Tempo klassischer Filmkomödien von Lubitsch und Wilder erinnert. Ein großer Spaß! Perserkatzen werden aus Fenstern geworfen. Sehr alte Damen geben sich der körperlichen Liebe hin. Gefängnisausbrüche werden geplant. Informanten werden in Beichtstühlen erdrosselt. Verfolgungsjagden führen über Skisprungschanzen. Schießereien in Hotellobbys. Erbschleicherei. Erste Liebe. Bedrohliche Grenzkontrollen. Die Filme des US-Amerikaners wirken an ihrer Oberfläche oft wie ein großer, bunter, ironischer Kindergeburtstag für Erwachsene. Schauspieler können hier alles geben. Deswegen kommen sie auch alle, wenn Anderson ruft. Trotz kleiner Gage, denn Kassenerfolge im herkömmlichen Sinn dreht er nicht (obwohl Grand Budapest Hotel auch in diesem Belang Anderson-Neuland ist: bis dato reichlich 130 Mio Dollar Umsatz!). Vielmehr erzählt er uns tragikomische Filmmärchen, auf deren Grund sich die Ahnung des Vergänglichen und eine feine Melancholie finden.

Diesmal geht es in den zentraleuropäischen Fantasiestaat Zubrowka (natürlich!), den man sich vielleicht wie die Tschechoslowakei der Zwischenkriegsjahre vorstellen kann, die jemand über Nacht in die Alpen versetzt hat. Anderson sagt zu seinem Werk, dass er es als europäischen Film anlegen wollte. Doch die Welten des Wes Anderson sind nie real im historischen Sinn. Sie liegen immer knapp neben der Realität in einem Grenzland aus Traum und Wirklichkeit. Das zeigt schon die großartige Musik des Films, die Roma-Melodien mit Balalaika-Klängen und Alphörnern charmant vermischt. Zum Kronzeugen hat sich der Regisseur Stefan Zweig mit dessen bittersüßen Lebenserinnerungen an die bürgerliche Welt der versunkenen Habsburger Monarchie erwählt. Man kann sich aber auch an die Geschichten und Figuren von Bohumil Hrabal erinnert fühlen.

Insgesamt vier Erzählebenen schichtet Anderson mit leichter Hand für seinen Film aufeinander. Ein Buch wird aufgeschlagen. In ihm erzählt sein amerikanischer Autor von einem lange zurückliegenden Gespräch mit einem alten Herrn in einem ebenso alten, inzwischen abgerissenen Hotel in Mitteleuropa. Es ist die Welt dieses Gesprächs, in die wir nun hinabtauchen. Der zeitliche Vorhang hebt sich – und wir sind im Zubrowka der 1930er Jahre, auf dessen Vielvölkergemisch bereits der Faschismus seinen dunklen Schatten wirft. Das „Grand Budapest Hotel“ erlebt gerade seine Glanzzeit. Und im Zentrum des Glanzes strahlt Monsieur Gustave H., sein Concierge. Als unangefochtener Herrscher führt er das edle Hotel mit einer Mischung aus eitler Selbstherrlichkeit, Perfektionismus und Hingabe. Letztere bezieht sich auch auf die im Hotel logierenden sehr reifen Damen der Gesellschaft, deren Liebhaber er für die Dauer ihres Aufenthalts ist. Eben verlässt mit Madame D. eine von ihnen wieder das Hotel. Im gleichen Moment beginnt der junge Zero Moustafa seine Laufbahn als Lobby Boy. Wenig später ist Madame D. tot, Gustave erbt ein wertvolles Gemälde und hat daraufhin die Familie der Verstorbenen im Nacken. Allen voran den finsteren Dmitri, der den psychopatischen Mörder Jopling auf die Fährte des Erben setzt. Wie Gustave mit Zeros Hilfe versucht, den Hals aus der Schlinge zu bekommen, erzählt der Film nun als wilde, vor Ideen sprühende, urkomische Räuberpistole. Allein wegen des Spiels der beiden Hauptdarsteller muss man diesen Film sehen. Ralph Fiennes als selbstverliebter Concierge und Tony Revolori als aufgeweckter und loyaler Lobby Boy sind als Paarung das Witzigste, was es seit langer Zeit im Kino zu sehen gab. Dazu liefert der schier unfassbar prominent besetzte Cast am laufenden Band darstellerische Glanzleistungen bis in kleinste Nebenrollen. Wes Anderson liebt seine Schauspieler. Und sie zahlen ihm die Liebe überschwänglich zurück. Es geht in einem unglaublichen Tempo hin und her, jede Geste, jeder Gesichtausdruck ist auf den Punkt genau gesetzt. Und wie stets bei Wes Anderson bewahren auch diesmal die Figuren noch in den absurdesten Szenen und Übertreibungen der Regie ihren heiligen Ernst. Für Liebhaber ironischen Humors, der stark auf dem körperlichen Aspekt des Schauspielens beruht, ist dieser Film ein Pflichttermin.

Und dann ist da ja noch Görlitz, und damit das Märchen im Märchen. Die Geschichte geht so: Wes Anderson kam zur Drehortbesichtigung für ein paar Szenen an die Neiße. Er verliebte sich in die Stadt und ihre Atmosphäre. Woraufhin der Film größtenteils in ihr gedreht wurde und sich über den langen Winter 2012/13 hinweg Hollywoodstars der allerersten Kategorie hier die Klinke in die Hand gaben. Einmal mehr hat der Zauber von Görlitz gewirkt: Wes Anderson suchte nach einem versunkenen Europa, nach Orten einer „guten alten Zeit“. In Görlitz stehen sie auf kleinem Raum beieinander. Anderswo holt man die Kulissenbauer. Hier warten ein leer stehender Theatersaal, ein verwaistes Jugendstilkaufhaus oder ein pittoresk verfallenes Wannenbad darauf, für kurze Zeit aus ihrem Schlaf erweckt zu werden. Ein Traum für jeden Regisseur (mit ernstem Hintergrund für die Einheimischen)!

Ob irgendwann die Filmteams auch einmal wegen des realen Görlitz kommen? Um Geschichten aus der Gegenwart zu erzählen? Das wäre schön. Bis dahin wird die Lausitz vorerst Kulisse für Träumer bleiben. Zum Beispiel für Menschen wie Wes Anderson, der auf der Suche nach den atmosphärischen Spuren eines vom Nationalitätenhass noch nicht entzweiten Kontinents und seiner Kultur in unserer kleinen Gegend fündig geworden ist (Dampflok ist er auch gefahren!). Hier erzählt er nun für die ganze Welt das alte, schöne Märchen vom grenzenlosen, kulturell bunt gemischten, unüberschaubaren Europa. Diese Geschichte hat gerade politisch einen schweren Stand, ihr droht die Romantik abhanden zu kommen. Es ist wie so oft – ein Fremder muss kommen, um mit seiner Begeisterung einmal wieder den Blick zu weiten. Ein schönes Kompliment, dies gerade in der Lausitz zu tun. Ob es verdient ist – nun ja. Manchmal vielleicht. Danke für den Besuch, Herr Anderson und Auf Wiedersehen! Von Ihnen lassen wir uns gern zur Kulisse machen.
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 20, 2017 9:43 PM CET


Nebraska
Nebraska
Preis: EUR 19,51

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wo sich Strohvioline und Trompete "Gute Nacht" sagen, 9. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Nebraska (Audio CD)
Mark Orton hat für Alexander Paynes wunderbaren neuen Film "Nebraska" einen ebenso wunderbaren Soundtrack geschrieben. Etwas vergleichbar Schönes ist mir lang nicht mehr zu Ohren gekommen.

"Nebraska" ist als Road Movie draußen in den verlebten Weiten des amerikanischen Mittleren Westens unterwegs - und Orton folgt den Akteuren des Filmes bei ihrer melancholischen Abschiedstour durch die Stationen eines sich dem Ende zuneigenden Lebens musikalisch nach. Wir haben hier herzergreifenden American Folk vor uns. Manchmal dringt wie durch eine dünne Membran zusätzlich eine Ahnung von Blue Grass zu uns durch. Die Platte wird von einem leicht verstolperten Dreiviertel-Takt-Motiv getragen, das sich, immer wieder durch andere Instrumente aufgenommen, in leichten Variationen wie ein Ausatmen durch die 17 Tracks zieht. Ich habe seit dem Walzer-Gipsi-Soundtrack der 17 Hippies zu Dresens "Halber Treppe" mit einem Folkscore unter einem Film nicht mehr soviel Sentiment und Hörgenuss erlebt.

Kunst-Folk, ohne verkopft zu wirken. Ergreifend, großartig und magisch!


Die Gedanken sind frei: Meine Kindheit im Elsass
Die Gedanken sind frei: Meine Kindheit im Elsass
von Tomi Ungerer
  Taschenbuch

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zeitgeschichte für alle, 3. Februar 2014
Die mit diesem kleinen Büchlein vorliegenden Kindheitserinnerungen von Tomi Ungerer an ein Elsaß in den Zeiten des "Dritten Reiches" und sein Aufwachsen in einer Vielvölker-Region, in die der nationalistische Kulturkampf seitens der deutschen Besatzer Einzug hält ist ebenso lehrreich wie charmant und doppelbödig. Sie gehört in jede wohlsortierte Bibliothek und eignet sich besonders auch als Geschenk an die hoffnungsvolle Jugend, um sie zu möglichst viel freiem Denken, Unbotmäßigkeit und selbstbewussten Individualismus zu erziehen. Nebenher wird hier auf fröhliche Weise dem Kulturen-Wirrwarr gehuldigt, das Europa im eigentlichen Kern ausmacht. Und dem mit Ungerers Werk Vertrauten erschließt sich mit seinen hier vorliegenden ersten zeichnerischen Gehversuchen schließlich eine faszinierende Spur in das Werden dieses großen Künstlers.
Absolute Empfehlung!


Alois Nebel
Alois Nebel
von Jaroslav Rudis
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Vergangene ist nicht tot. Es ist nicht einmal vergangen., 1. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Alois Nebel (Gebundene Ausgabe)
Alois Nebel hütet in den 1980ern eine dieser kleinen tschechischen Bahnstationen am Rande eines Streckennetzes, in dessen Verästelungen es sich prima verlieren gehen lässt und auf dem das vorgeblich überschaubare Land plötzlich an Weite gewinnt. Diese Bahnstation liegt oben im Altvatergebirge. Und immer wieder fallen den rundlichen Mann mit dem freundlichen Gesicht hier die Gespenster des 20. Jahrhunderts an. Dann halten Züge mit deportierten Juden vor seiner Station oder Wagons voller Sudetendeutscher bei ihrer Abschiebung. Alois wird darüber krank, kommt in die Psychiatrie, wo er den Stummen kennen lernt, den eine finstere Vergangenheit plagt, die gesühnt zu werden verlangt. Draußen vor den Mauern der Anstalt vollzieht sich derweil der Umbruch. Alois wird in ihm verloren gehen, er wird im Hauptbahnhof von Prag stranden, der von oben wie ein gebrochenes Herz aussieht. Auch hier wird ihn der Nebel einholen. Aber er wird auch die Liebe finden. Und am Ende, wieder im Altvatergebirge, während des schlimmsten Hochwassers seit Jahrzehnten, werden alle Fäden in einem dramatischen Finale miteinander verwoben.

Jaroslav Rudiš wagt sich mit mit seinem Roman hinaus in das einstige tschechisch-deutsche Grenzland, in die Sudeten, wo 1945 eine über Jahrhunderte gewachsene und zuletzt durch den Nationalsozialismus desavouierte Nachbarschaft am nationalen Hass zerbrach. Über diese Katastrophe, während der auch Tschechen an ihren einstigen Nachbarn zu Tätern wurden, war in der tschechischen Gesellschaft lange der Mantel des Schweigens gehüllt. Bohumil Hrabal hatte als einer der wenigen in „Ich habe den englischen König bedient“ bereits vor 1989 unter ihn gelugt. Seit 1990 kehrt Jáchym Topol immer wieder zu diesem dunklen Punkt und seinen Gebirgslandschaften zurück. Mit Rudiš ist nun ein Vertreter der 1970er Generation hier angelangt, und es ist interessant die Unbefangenheit aber auch harte Konsequenz zu beobachten, mit der er sich des Sujets annimmt.

„Alois Nebel“ ist dabei ein sehr lesenswerter Roman geworden, der selbstbewusst an die Vorbilder anschließt und diese zitiert, ohne dabei aber befangen zu wirken oder zu verkrampfen. Mit großer erzählerischer Reife werden hier sprachliche und historische Bilder behandelt und auf die Protagonisten losgelassen, die ihrer Wucht kaum stand zu halten wissen.

Natürlich muss noch ein Wort darüber fallen gelassen werden, dass all dies in der Form einer Graphic Novel geschieht. Ihr Zeichner Jaromír 99 schafft hier eine sehr prägnante, oft magische Bildsprache, die vor allem in ihren Handlungsübergängen und bei der Wahl des Blickwinkels immer wieder zu verblüffen und zu gefallen weiß, die das Leseerlebnis in ihren szenischen Sprüngen aber auch recht anspruchsvoll macht und daher Konzentration verlangt. Außerdem wählt er als Grundsprache ein strenges Schwarz-Weiß mit extremem Hell-Dunkel Kontrasten und großer Flächigkeit, das in einigen Frames für den Geschmack des Rezensenten zu sehr ins Scherenschnitthafte kippt. Hinzu kommt verlagsseitig ein mitunter bei den Sprechtexten nicht gut gelöster Zeilenumbruch, der den Lesefluss ab und an stocken lässt.

„Alois Nebel“ ist eine inhaltlich wie grafisch dunkle, gewaltige Geschichte, deren Erwerb dem mit Graphic Novels vertrauten und an mitteleuropäischer Zeitgeschichte interessierten Leser hier zum Abschluss unbedingt ans Herz gelegt werden soll.


Anti Gurtwarner Piepton Ersatz
Anti Gurtwarner Piepton Ersatz

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Technik und Technik zum Umgehen der Technik, 26. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Anti Gurtwarner Piepton Ersatz
So ist der Mensch. Da lässt er sich eine Lösung für das "Vergessen" des Anschnallens beim Platz nehmen hinterm Steuer einfallen und installiert in Autos einen nervtötenden Alarmton, der ertönt wenn dieses Anschnallen unterbleibt. Und prompt finden sich ein paar Schlauberger und erfinden ein kleines Dingelchen, das den Ton austrickst.

Das vorliegende Exemplar wählt dazu noch einen erfrischend punkrockigen Ansatz und bietet im Griff gleich noch einen Kronkorkenöffner. Das ist doch mal konsequent!


Deadly Premonition: The Director’s Cut - [PlayStation 3]
Deadly Premonition: The Director’s Cut - [PlayStation 3]

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Call me York, that's what everyone does, 22. Dezember 2013
Man muss etwas ausholen. Jede Generation kann sich auf Kunstwerke einigen, die für sie prägend waren. Sei es ein bestimmter Song, ein Film, ein Buch. Oder eine Fernsehserie. Für Menschen, die in den 1970er Jahren das Licht der Welt erblickten, gehört zu diesem kleinsten gemeinsamen Nenner Twin Peaks. Coopers letzter Blick in den Spiegel, Bob im Haus von Laura Palmer, die Log Lady. Der Eisvogel und die Wasserfälle aus dem Vorspann. Irgendwann in der Zukunft wird man eine Liste von Künstlern aufstellen, in deren Schaffen sich Spuren von David Lynchs epochaler Murder-Mystery-Show finden lassen. Und ziemlich weit oben auf ihr wird der Name von Suehiro Hidetaka aka SWERY 65 auftauchen. Jahrgang 1973. Mastermind hinter einem der besten Videospiele der jüngeren Vergangenheit.

Deadly Premonition eine Hommage an Twin Peaks zu nennen, ist geboten - auch wenn Hidetaka selbst sich hierzu immer bedeckt gehalten hat. Zu offensichtlich sind die zahllosen Anlehnungen an Figuren, Geschehnisse und Orte bei Lynch. Selbst die Musik bildet hier stellenweise Brücken zwischen Spiel und Serie. Mit Silent Hill gibt es zwar noch ein anderes offensichtliches Vorbild. Trotzdem bleibt im nordamerikanische Städtchen Greenvale und den umgebenden Wäldern die Erinnerung an Twin Peaks omnipräsent und das Spiel damit weitaus treuer am Vorbild als Bright Falls, in welchem Alan Wake im Frühjahr 2010 beinahe zeitgleich eher auf den Spuren Stephen Kings unterwegs war als auf denen David Lynchs.

Auftritt Francis York Morgan. FBI Ermittler mit besonders ausgeprägten Profiler-Fähigkeiten und sperrigem Sozialverhalten. Anzugträger. Starker Raucher. Kaffeesüchtig. Filmfan mit Faible für die 1980er. Intensiver Träumer. Schizophren. Der brutale Mord an einer jungen Frau bringt ihn ins abgelegene Greenvale. Es wird nicht der einzige bleiben. York wird in Lebensgefahr geraten. Er wird Menschen emotional sehr nahe kommen. Er wird Siege davon tragen und Verluste erleben, die Narben zurücklassen werden. Andere Narben werden in Greenvale heilen. Und er wird einmal mehr erfahren müssen, dass das Böse nie endgültig besiegt ist. Manchmal schläft es nur für eine Weile.

Das Eintauchen in diese Welt ist nicht unbedingt einfach. Einige Stunden bleibt man hier im Unklaren, ob das alles nur ein großer, verschrobener Scherz sein soll. Oder ob hier jemand an den Tücken des Objekts grandios gescheitert ist. Zu Beginn, das muss so gesagt werden, wirkt Deadly Premonition wie reiner, großartiger Trash. Klobig zu steuernde Kampfabschnitte ohne jeden Anspruch (besonders schlimm in der PC-Umsetzung), gekrönt von nervtötenden Quick Time Events, in denen ein Axtmörder im Regenmantel seinen Auftritt hat. Ungelenk wirkende Charakteranimationen mit sich immer wieder wiederholenden Gesten, unpassend wirkenden Gesichtsausdrücken und abgehackten Bewegungen. Fahrabschnitte bar jeden Reizes. Eine Stadtlandschaft, in der man sich ob ihrer Eintönigkeit immer wieder verfährt. Eine völlig unbrauchbare Kartenfunktion. Das Ganze übertönt von einem merkwürdigen Soundtrack, der mehr als einmal schlicht nicht zum Erlebten passen will. Und da hat man noch nicht von der Handlung selbst gesprochen, die in ihrer Verschrobenheit scheinbar da anzuschließen beabsichtigt, wo bei Lynch 1990 noch Schluss war. Japaner eben.

Nicht jeder wird über diese Anfangsschwelle hinaus kommen. Deadly Premonition ist ein langes Spiel. Es gibt viel Ablenkung neben der Hauptgeschichte, der man sich jederzeit hingeben kann. Man kann mit York angeln gehen und zur lokalen Dartlegende aufsteigen. Für den Sammeltrieb sind in der Spiellandschaft Karten verteilt. Und in Greenvale tummeln sich mehr als dreißig NPC's mit eigenem Tagesablauf, die man beschatten kann und die im richtigen Moment abgepasst, kleine Nebenmissionen für einen bereit halten. Einige von diesen sind absolut gamy und bringen uns beispielsweise Spezialwaffen als Belohnung ein. Andere eröffnen kleine Seitenstränge der Geschichte. Mit all dem vergeht der Tag, während dem man York Essen besorgen und Erholungspausen einräumen muss. Der Wagen will regelmäßig getankt und der Anzug gereinigt und gewechselt werden. Auf den Fahrten durch Greenvale unterhält sich York mit Zach, seinem omnipräsenten imaginären Partner (oder sind wir es sogar selbst?) über Spielberg-Filme und die hübsche blonde Deputy. Draußen wechselt das Wetter und die Landschaft und Roaming Sigourney am Straßenrand wartet mal wieder ungeduldig auf eine Mitfahrgelegenheit. Und allmählich, ohne dass man richtig merkt wie, wird man hier heimisch. Swery 65 hat uns am Haken. Und das ist der Punkt, wo er in der Mitte des Spieles die Regie immer mehr anzieht.

Als es dann im 26. Kapitel nach dem großen, erschütternden Finale vorbei ist, ertappen wir uns dabei, wie wir schwermütig-elegisch durch Greenvale fahren und Abschied nehmen. Mir ging es jedenfalls so. Die großen Geschichten, die noch sehr lange bei uns bleiben und die wir nie so richtig vergessen werden sind immer die, in denen auch ein Verlust geschieht. Ich habe am Ende dieses Spieles geweint und ich schäme mich meiner Tränen nicht. Ich hatte Abschiedsschmerz, ich wollte von diesen Figuren nicht mehr weg. Ich wollte aus dieser Stadt nicht mehr fort und aus der Tiefe der sie umgebenden Wälder, in denen nun auch ein Stück von mir selbst lebte. Es gibt Kunstwerke, die machen etwas mit uns. Die entlassen uns verändert, weil sie uns etwas vom Menschsein erzählen und von den Hoffnungen und Schmerzen, die unsere Existenz mit sich bringt. Deadly Premonition, dieses großartige, charmante, unbeholfene, unmögliche Spiel - es geht dahin, wo nur ganz wenige Spiele bisher hingegangen sind. In unser Herz. Und dort schlägt es Wunden. Und Wurzeln.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 16, 2015 7:43 AM MEST


Am Ende der Milchstraße
Am Ende der Milchstraße
DVD ~ Börres Weiffenbach
Wird angeboten von the-dvd-house
Preis: EUR 7,12

13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lasst den Fischotter nicht links liegen!, 7. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Am Ende der Milchstraße (DVD)
"Damit ich eine vernünftige Rente bekomme, müsste ich vierhundert Jahre lang Hartz IV beziehen."

Was lässt uns weiter machen? Was hält eine Gemeinschaft zusammen, in der wirtschaftlich alle ihre Mitglieder mehr oder weniger am Boden angekommen sind? Was passiert in den Nischen, deren Existenz für den Fortgang des Kapitalismus unerheblich geworden sind weil sich in ihnen nichts mehr verdienen und holen lässt? Und was hält die Menschen dort?

Erst war das Gut. Dann war die LPG. Die gibt es jetzt bald 25 Jahre nicht mehr. Nun ist der Haufen Häuser inmitten der Felder und Wiesen weitestgehend funktionslos geworden. Ein bisschen Landwirtschaft ist noch, man zehrt von den Modernisierungsleistungen der untergegangenen DDR-Betriebe, obwohl die Ställe schon bröckeln. Die nächste Traktorengeneration wird vermutlich vollautomatisiert die Flächen bearbeiten. Für Flecken wie diesen hier planen sie ein paar gesellschaftliche Etagen weiter oben bereits die Exitstrategie. Die nächste Generation wird wahrscheinlich beim Landrat eine Verzichterklärung auf die staatliche Aufrechterhaltung der Infrastruktur unterzeichnen müssen, wenn sie weiter hier draußen leben möchte. Schon heute würde man im Zentrum ja nicht mitbekommen, wenn hier über Nacht alle wegzögen.

Aber man zieht ja nicht weg. Stattdessen rückt man zusammen. Es ist jetzt wieder wie bei Oma und Opa in den Geschichten - nur ohne Gutsbesitzer. Und mit ein paar Plasteschüsseln und abgewetzten Jeans. Schweineschlachten. Grützwurst einkochen. Pferde vorm Pflug. Möglichst nicht krank werden. Beim Heizen sparen. Sich untereinander aushelfen wo es eben geht. Sich lieben wenn dafür die Kraft reicht. Existenzkampf. Und über all dem die Fähigkeit zum Träumen nicht verlieren. Zum Beispiel, es irgendwie bis zur Rente zu schaffen wenn die Gesundheit und das Geschinde auf dem Hof es zulassen und der Alkohol nicht schneller ist. Und dann mit dem Schwein an der Leine die Dorfstraße hinunter zu spazieren.

"Am Ende der Milchstraße" ist ein beeindruckender Film. Er ist wunderschön fotografiert. Er führt seine Protagonisten nicht vor. Und er lässt uns mitfühlen und hoffen und bangen. Man ahnt das Damoklesschwert über dieser fragilen Welt und ihren schutzlosen Bewohnern. Und man hofft, dass der Faden an dem es hängt noch lange hält.


Kein Titel verfügbar

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen My boots are gonna walk all over you, 27. November 2013
Meine Rossis und ich mussten uns erst aneinander gewöhnen. Wahrscheinlich haben sie gespürt, dass sie (aus bekannten Gründen ...) meine heiß geliebten Blundstones ersetzten mussten, die nach sieben Jahren Dauernutzung in den Boots-Himmel gegangen waren, wo sie mit all den anderen teuren Verblichenen nun auf die Gegenwart ihrer Firma herabschauen und dabei ganz traurig sind.

Ersatz ist niemand gern, vor allem nicht jemand so eigensinniges wie ein Paar Rossis. Sie sind ein bisschen hartleibiger als die Blunnies, etwas schwerer und steifer. Muss man erst ordentlich einlaufen. Außerdem habe ich mir in ihnen beim Gehen zu Beginn unserer Beziehung im Fersenbereich mehrere (allerdings dünnere) Socken durchgescheuert, was erst durch den Besuch beim Schuster meines Vertrauens mit etwas zusätzlichem weichen Leder im Innenschaft behoben wurde.

Nun ist aber alles gut. Die luftgepolsterte Zwischensohle ist große Klasse und macht das Gehen weitaus schöner als in den Blunnies. Und der Unterbau ist derartig robust, dass man mit ihm auch Nägel in die Wand schlagen kann. Ein kompromissloses Paar Stiefel erhält man also hier, das man erst mal bändigen muss wie ein störrisches Pony.

Aber wer sich darauf einlässt, gewinnt nach etwas Eingewöhnung im Gegenzug sehr treue Gefährten. Und dafür kauft man sich schließlich australische Boots.


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