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Rezensionen verfasst von
Kai Leuner (Thriller-Autor)

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Can I Keep My Jersey?: 11 Teams, 5 Countries, and 4 Years in My Life as a Basketball Vagabond
Can I Keep My Jersey?: 11 Teams, 5 Countries, and 4 Years in My Life as a Basketball Vagabond
von Paul Shirley
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Ein Geheimtipp!, 17. April 2012
Bei der Besprechung von Dino Reisners (gleichwohl absolut lesenswerter) Biographie Dirk - Die Dirk-Nowitzki-Story vor einigen Tagen hatte ich angemerkt, dass ich mir ein kleines Stück mehr Atmosphäre gewünscht hätte. Zur Verdeutlichung, was damit gemeint ist, sei auf Paul Shirleys wunderbares Buch Can I Keep My Jersey?: 11 Teams, 5 Countries, and 4 Years in My Life as a Basketball Vagabond verwiesen. Denn hier ist der Leser faszinierend dicht am Geschehen. Er "sieht" den überheizten Bus, mit dem Shirleys Minor-League-Team durch die winterlichen Dakotas jagt, die Sitze viel zeng für den großgewachsenen Basketball-Spieler und der Boden colaverklebt, der Leser sieht Shirleys Zimmer im Cedars Inn and Suites in Yakima, Washington ("I don't think my room is one of the suites ... although it does have a microwave and a refrigerator.") und begleitet ihn zu einem deprimierenden Thanksgiving-Buffet weit weg von seiner Familie. Der Leser ist dabei, wenn Shirley nachts übermüdet durch irgendeinen anonymen Flughafen irrt oder am Ende seines ersten Zehn-Tage-Vertrages mit den Atlanta Hawks auf einen neuen Kontrakt hofft, der ihm weitere 30.000 $ bringen würde anstelle einer Rückkehr als Arbeitsloser ins heimatliche Kansas.

Dem 1977 geborenen Paul Shirley blieb der große Durchbruch als Basketballspieler leider versagt. Er spielte als Profi in den Niederungen der Continental Basketball Association, in Griechenland, Spanien, Russland und China und kam als Ersatz für verletzte Spieler zu Kurzzeitverträgen oder zumindest zu Sommercamp-Einladungen bei den Atlanta Hawks, den Chicago Bulls und den Phoenix Suns, ohne jemals den endgültigen Sprung in die NBA zu schaffen. In seinem Buch wird auch deutlich, woran das liegen dürfte: Der intelligente Shirley, in dessen Schilderungen seiner geistig vermeintlich allzu minderbemittelten Mitspieler sich hier und da auch eine Prise Arroganz mischt, verfügte offenbar nicht über den letzten Biss, die nötige Härte und wohl auch nicht die Leidenschaft, um sich in der NBA durchzusetzen. Dafür ist er ein wunderbarer Erzähler. Shirley berichtet über die miese Zahlungsmoral seines griechischen Klubs und die vermeintliche Unfreundlichkeit der Menschen in Russland, seine Suche nach passenden Klamotten in Atlanta, nachdem ihn der Ruf der Hawks während eines Auswärtsspiels mit den Yakima Sun Kings (CBA) ereilte, und einen grauenhaften Business-Class-Flug von Moskau nach New York. Mit großer Distanz und scharfer Zunge beobachtet er den gesamten Profi-Spielbetrieb und auch das Spiel selbst, Mitspieler und Trainer, die Heimatorte oder -länder seiner Klubs. Das Ergebnis ist ein höchst unterhaltsames Buch, lediglich die ständigen Klammerzusätze sind sehr gewöhnungsbedürftig. Interessant ist insbesondere die Perspektive eines noch nicht zum Team gehörenden Spielers, eines Bankdrückers und permanenten Außenseiters in der NBA, die sich von der der Superstars dramatisch und in jeder Hinsicht unterscheidet. Gleichzeitig gewinnt der Leser einen Einblick in den Alltag des Minor League Basketballs und der europäischen Top-Ligen.

Das Cover des Buches zeigt Shirley, wie er an Trikos seiner bisherigen Teams vorbeigeht, mit einem skeptischen Blick zurück - ein durchaus passendes Bild für die Erzählungen eines ewigen Wandervogels, der sich vergeblich um den einen großen NBA-Vertrag bemühte.

Fazit: Für Fans des Profisports in Amerika, aber auch des europäischen Basketballs ein echter Geheimtipp!


My Life in and out of the Rough: The Truth Behind All That Bull**** You Think You Know About Me
My Life in and out of the Rough: The Truth Behind All That Bull**** You Think You Know About Me
von John Daly
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,71

2.0 von 5 Sternen Fanbuch eines ziemlich unsympathischen Rednecks, 17. April 2012
Bei Wikipedia erfährt der geneigte Leser, dass John Daly unter anderem wegen seines "unkonventionellen Lebensstils" einer der beliebtesten Golfspieler in den USA sein soll. Man mag vier teils chaotische Ehen, aggressive Trink- und Spielsucht, das wiederholte Kurz- und Kleinschlagen von Hotelzimmern und Autos, das - sofern man Ex-Frau Nummer vier Sherrie Daly Glauben schenken mag - Urinieren auf eine nicht gemochte Wandfarbe vor den Augen der eigenen Mutter oder - wiederum laut Sherrie Daly - die Misshandlung der eigenen (hochschwangeren) Frau vor den Augen feixender Kumpels als "unkonventionell" bezeichnen. Aber bereits nach der Lektüre von Dalys überaus selbstgefälliger Biografie "My Life In And Out Of The Rough" bleibt nicht viel, was ihn in meinen Augen beliebt machen könnte. Nimmt man dann noch die wenige Jahre später erschienenen (allerdings mit gleicher Vorsicht zu genießenden) Erzählungen Sherrie Dalys (Teed Off: My Life as a Player's Wife on the PGA Tour) über ihre Zeit an der Seite des PGA-Profis hinzu, sieht man einen tumben Redneck aus Arkansas und eine nicht minder tumbe Goldsucherin und fragt sich, warum man eigene Lebenszeit damit verschwenden sollte, den Alltag der beiden kennenzulernen.

Aber der Reihe nach: Zunächst einmal verband ich mit dem Kauf von Dalys Buch die Hoffnung, etwas vom Aufstieg eines amerikanischen Golfprofis bis in den Olymp, die PGA-Tour, zu erfahren. Und diese Hoffnung wurde auch durchaus erfüllt. Daly beleuchtet seinen Weg nach dem College von dem wenig lukrativen Minitour-Circuit und Abstechern zur Sunshine-Tour nach Südafrika über die heutige Nationwide-Tour (damals noch die Hogan-Tour) und über die brutale Q-School bis in die PGA-Tour. Hierbei berichtet er auch recht atmosphärisch über seine (schnellen) Erfolge auf der Tour und seine mitunter finanziell hart bestraften Aussetzer. Er erzählt, warum er lieber mit einem 1,5 Millionen Dollar teuren Bus (45 Fuß lang, innen ausgestattet mit Schlaf- und Wohnzimmer, Küche und Bad, eine Tankfüllung kostet 450 Dollar) von einem Turnier zum nächsten fährt anstatt First Class zu fliegen, und natürlich von seinen ausschweifenden Trink- und Essgewohnheiten. So gab es nach seinen Bekundungen Zeiten, in denen er pro Golf-Runde fünfzehn bis zwanzig Packungen M&M's ("with peanuts, please") verdrückte, er raucht pro Jahr 14.600 Marlboro Light und trinkt pro Tag fünfzehn Büchsen Diet Coke, sofern er nicht einmal gerade wieder eine Bier- oder Whisky-Phase hat.

Schnell wird deutlich, dass es ein Buch in erster Linie für Fans ist, denn Daly inszeniert sich als Kumpel von nebenan, der die Fans liebt, kein Blatt vor den Mund nimmt, das Herz auf dem rechten Fleck hat und natürlich die eine oder andere Schwäche. Freimütig berichtet er über Trinkgelage mit seinem Kumpels und die im Suff angerichteten Zerstörungen, darüber, dass er Pro-Ams nicht mag, wie gern er Fans glücklich macht, indem er ihnen zum Beispiel einen Schläger schenkt, und welch stürmische Zeiten er mit seinen bis dato drei Ex-Frauen erlebte ("All My Exes Wear Rolexes"). Dabei legt er übrigens größten Wert auf die Feststellung, dass er seine zweite Frau Bettye entgegen kolportierten Berichten in den Medien niemals geschlagen habe: "I never hit Bettye. I never hit any woman. I never will. ... I will never hit a woman. Period." Spätestens das ist der Punkt, an dem ich empfehle, sich zur Vervollständigung des Bildes das einige Jahre später erschienene Buch von Sherrie Daly, damals Ehefrau Nummer vier, inzwischen Ex-Frau Nummer vier, zu Gemüte zu führen. Als "My Life In And Out Of The Rough" erschien, schienen die beiden jedenfalls in Johns Augen einer rosaroten Zukunft entgegenzusehen: "Sherrie's the love of my life. I hope we'll stay together forever. ... I think this time it's love forever and evermore." Nicht ganz so rosig klingt, was Sherrie im vergangenen Jahr zu Papier brachte. An dieser Stelle ist zu betonen: So, wie John Dalys Erinnerungen hier und da ... nun ja ... ein wenig beschönigend sein dürften, sind es auch die von Sherrie, die übrigens einige Zeit im Gefängnis und in Hausarrest verbrachte, weil sie in illegale Geschäfte ihres Vaters verwickelt gewesen sein soll. Aber sie beschreibt einige Szenen der chaotischen Ehe mit John Daly, die sich vor etlichen Zuschauern abgespielt haben sollen. Da John Daly offenbar durchaus klagefreudig ist, spricht einiges dafür, dass Sherrie insoweit keine völlig frei erfundenen Geschichten erzählt.

Hier nur zwei Beispiele: Während das Ehepaar Daly zu den BMW International Open nach München flog, waren Dekorateure damit beschäftigt, Johns in Sherries Augen allzu heruntergekommenes Haus in Arkansas ("dirty metal miniblinds ... the Berber carpet had stains") ein wenig auf Vordermann zu bringen. Nach ihrer Rückkehr aus München betraten die Dalys das Haus gemeinsam mit Johns Mutter und einigen Nachbarn, um das Ergebnis der Neudekoration zu bewundern. Leider hatten die Dekorateure für die Küche versehentlich eine falsche Wandfarbe (hellgrün statt erdbraun) verwendet. Sherrie zufolge reagierte ihr Ehemann auf eigenwillige Weise: "So, in front of everyone, in front of his own mother, John wipped it out and started peeing all over the wall. "'This is what I think about this color', he said." Nun mögen seine Fans noch einwenden, dass sich sein übles Benehmen insoweit ja allenfalls indirekt gegen seine Ehefrau richtete. Das lässt sich allerdings nicht mehr bei einer anderen Begebenheit sagen: Nach einem Golf-Turnier hatte sich Daly offenbar mit einer Horde Männer und Frauen - darunter indes nicht die gerade hochschwangere Sherrie - zu einer feuchtfröhlichen Party in seinen Bus zurückgezogen. Sein Fahrer und allzu enger Buddy Donnie, der nach Sherries Angaben 100.000 $ im Jahr verdiente und damit nicht zufrieden war, wollte gerade wegfahren, als Sherrie mit einem Golf Cart zum Bus gebracht wurde und Einlass begehrte. Daly ("big and drunk and heated") wollte sie hinauswerfen, sie aber nicht gehen ("You're not leaving me here. I don't even have a way home."). Wieder einmal kam es zu einem der berüchtigten Daly-Ausraster: "He reached behind him and picked up this fruitcake that was sitting on the kitchen counter. He came after me with it, ... and smushed the whole cake in my face and all over my hair. He was so much bigger than me that, as he did it, he knocked me down on the floor with how hard he was pressing that cake into my face. Now, mind you, I was pregnant, and there were all of these grown men standing there. But no one defended me ... then [John] started smacking me in the back of the head." Soviel zum Thema "I will never hit a woman".

Während Sherries Buch über weitere Passagen eine ermüdende Abfolge von "Er demütigte mich, dafür ging ich anschließend für 30.000 $ shoppen."- und "Er rastete betrunken aus, aber wir versöhnten uns dann doch wieder."-Begebenheiten ist, relativiert es so auch so manche selbstlobende Darstellung des Golfprofis. Während er zum Beispiel das Kapitel über die Auseinandersetzung seiner Frau mit der Justiz und ihren Haftaufenthalt mit einem selbstgefälligen "Stand By Your Woman" überschreibt, berichtet sie, dass sie ihn während ihrer 150 Tage Haft und der folgenden 150 Tage Hausarrest praktisch nur für zwei Tage und zwei Stunden zu Gesicht bekommen habe. Die restliche Zeit, so Sherries durchaus substantiierte Vermutungen, hat sich John mit diversen Ex-Frauen, Ex-Freundinnen und Groupies vertrieben. Der Leser erfährt, wie Sherrie mitsamt ihren zwei Kindern nach einem allzu rührseligen Anruf ihres Mannes ("...how sweet he'd been on the phone") ins Auto stieg, um ihn in seinem Tour-Bus zu überraschen. Alle drei betraten das Schlafzimmer des Busses, sahen einen großen Fleischberg unter weißen Laken ("John was pretty thick at the time") und versuchten behutsam, ihn zu wecken. Ein dummer Einfall. Denn "all of a sudden, this girl's head popped up out of the covers ... Well, there they were. No pants on. There was her big fat butt, and she was wearing some stupid Arkansas Razorbacks Jersey of his...". Unfreiwillig komisch sind dann die anschließenden Schilderungen, wie Sherrie aus dem Bus stürmt, kurzerhand das Handy der Fremden mitnimmt und deren allzu freizügigen Fotos an die im Handy gespeicherten Kontakte verschickt, wie die Polizei bei Sherrie auftaucht, um das Handy wieder mitzunehmen und so weiter und so fort.

Bemerkenswert sind übrigens die Fotos auf und in beiden Büchern. John Daly zeigt sich auf dem Cover seiner Biographie lässig mit Zigarette im Mund, Goldkettchen und allzu protziger Uhr und mit einem Golfschläger in der Hand, dabei allerdings leider einem dümmlichen Gesichtsausdruck, der mehr über ihn verrät, als er ahnt. Sherrie wird auf dem Golfplatz auf einem Golfcart sitzend gezeigt, in Aussehen, Pose und Kleidung ganz das, was sie sein dürfte: Eine einfach gestrickte Goldsucherin, die in diesem Fall ziemlich daneben gegriffen hat. Zwar betont sie, dass sie auch schon vor John Daly vermögende Männer kannte und im Alter von 21 einen Freund mit Learjet hatte und Daly natürlich keineswegs wegen seines Geldes anziehend fand (John Daly zufolge sagte sie zu ihm: "I don't like blondes, and I don't particularly like golfers, but I do like fat boys."), aber an keiner Stelle ihres Buches blitzt der Ehrgeiz auf, so etwas wie ein eigenes Leben zu führen. Sherrie definiert sich ganz und gar über ihren Mann, und das ist unter dem Strich dann doch ziemlich wenig. Auch die Fotos in den Büchern, mutmaßlich von den Autoren ausgesucht, sind ziemlich verräterisch, zeigen sie doch mehr als manche rührselige Textpassage, wie sich beide selbst sehen.

Fazit: John Dalys Biographie gibt durchaus Einblicke in den Alltag eines PGA-Profis. Wer sich aber für ihn selbst interessiert, sollte zur Vervollständigung des Bildes auch die Erinnerungen seiner vierten Ex-Frau lesen.


Das bin ich - Mein Leben
Das bin ich - Mein Leben
von John Daly
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,90

2.0 von 5 Sternen Fanbuch eines von sich selbst begeisterten Rednecks, 17. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Das bin ich - Mein Leben (Gebundene Ausgabe)
Die nachfolgende Bewertung bezieht sich auf die englische Originalausgabe, gilt aber natürlich in gleicher Weise für die deutsche Übersetzung.

Bei Wikipedia erfährt der geneigte Leser, dass John Daly unter anderem wegen seines "unkonventionellen Lebensstils" einer der beliebtesten Golfspieler in den USA sein soll. Man mag vier teils chaotische Ehen, aggressive Trink- und Spielsucht, das wiederholte Kurz- und Kleinschlagen von Hotelzimmern und Autos, das - sofern man Ex-Frau Nummer vier Sherrie Daly Glauben schenken mag - Urinieren auf eine nicht gemochte Wandfarbe vor den Augen der eigenen Mutter oder - wiederum laut Sherrie Daly - die Misshandlung der eigenen (hochschwangeren) Frau vor den Augen feixender Kumpels als "unkonventionell" bezeichnen. Aber bereits nach der Lektüre von Dalys überaus selbstgefälliger Biografie bleibt nicht viel, was ihn in meinen Augen beliebt machen könnte. Nimmt man dann noch die wenige Jahre später erschienenen (allerdings mit gleicher Vorsicht zu genießenden) Erzählungen Sherrie Dalys (Teed Off: My Life as a Player's Wife on the PGA Tour) über ihre Zeit an der Seite des PGA-Profis hinzu, sieht man einen tumben Redneck aus Arkansas und eine nicht minder tumbe Goldsucherin und fragt sich, warum man eigene Lebenszeit damit verschwenden sollte, den Alltag der beiden kennenzulernen.

Aber der Reihe nach: Zunächst einmal verband ich mit dem Kauf von Dalys Buch die Hoffnung, etwas vom Aufstieg eines amerikanischen Golfprofis bis in den Olymp, die PGA-Tour, zu erfahren. Und diese Hoffnung wurde auch durchaus erfüllt. Daly beleuchtet seinen Weg nach dem College von dem wenig lukrativen Minitour-Circuit und Abstechern zur Sunshine-Tour nach Südafrika über die heutige Nationwide-Tour (damals noch die Hogan-Tour) und über die brutale Q-School bis in die PGA-Tour. Hierbei berichtet er auch recht atmosphärisch über seine (schnellen) Erfolge auf der Tour und seine mitunter finanziell hart bestraften Aussetzer. Er erzählt, warum er lieber mit einem 1,5 Millionen Dollar teuren Bus (45 Fuß lang, innen ausgestattet mit Schlaf- und Wohnzimmer, Küche und Bad, eine Tankfüllung kostet 450 Dollar) von einem Turnier zum nächsten fährt anstatt First Class zu fliegen, und natürlich von seinen ausschweifenden Trink- und Essgewohnheiten. So gab es nach seinen Bekundungen Zeiten, in denen er pro Golf-Runde fünfzehn bis zwanzig Packungen M&M's ("with peanuts, please") verdrückte, er raucht pro Jahr 14.600 Marlboro Light und trinkt pro Tag fünfzehn Büchsen Diet Coke, sofern er nicht einmal gerade wieder eine Bier- oder Whisky-Phase hat.

Schnell wird deutlich, dass es ein Buch in erster Linie für Fans ist, denn Daly inszeniert sich als Kumpel von nebenan, der die Fans liebt, kein Blatt vor den Mund nimmt, das Herz auf dem rechten Fleck hat und natürlich die eine oder andere Schwäche. Freimütig berichtet er über Trinkgelage mit seinem Kumpels und die im Suff angerichteten Zerstörungen, darüber, dass er Pro-Ams nicht mag, wie gern er Fans glücklich macht, indem er ihnen zum Beispiel einen Schläger schenkt, und welch stürmische Zeiten er mit seinen bis dato drei Ex-Frauen erlebte ("All My Exes Wear Rolexes"). Dabei legt er übrigens größten Wert auf die Feststellung, dass er seine zweite Frau Bettye entgegen kolportierten Berichten in den Medien niemals geschlagen habe: "I never hit Bettye. I never hit any woman. I never will. ... I will never hit a woman. Period." Spätestens das ist der Punkt, an dem ich empfehle, sich zur Vervollständigung des Bildes das einige Jahre später erschienene Buch von Sherrie Daly, damals Ehefrau Nummer vier, inzwischen Ex-Frau Nummer vier, zu Gemüte zu führen. Als Dalys Biographie erschien, schienen die beiden jedenfalls in Johns Augen einer rosaroten Zukunft entgegenzusehen: "Sherrie's the love of my life. I hope we'll stay together forever. ... I think this time it's love forever and evermore." Nicht ganz so rosig klingt, was Sherrie im vergangenen Jahr zu Papier brachte. An dieser Stelle ist zu betonen: So, wie John Dalys Erinnerungen hier und da ... nun ja ... ein wenig beschönigend sein dürften, sind es auch die von Sherrie, die übrigens einige Zeit im Gefängnis und in Hausarrest verbrachte, weil sie in illegale Geschäfte ihres Vaters verwickelt gewesen sein soll. Aber sie beschreibt einige Szenen der chaotischen Ehe mit John Daly, die sich vor etlichen Zuschauern abgespielt haben sollen. Da John Daly offenbar durchaus klagefreudig ist, spricht einiges dafür, dass Sherrie insoweit keine völlig frei erfundenen Geschichten erzählt.

Hier nur zwei Beispiele: Während das Ehepaar Daly zu den BMW International Open nach München flog, waren Dekorateure damit beschäftigt, Johns in Sherries Augen allzu heruntergekommenes Haus in Arkansas ("dirty metal miniblinds ... the Berber carpet had stains") ein wenig auf Vordermann zu bringen. Nach ihrer Rückkehr aus München betraten die Dalys das Haus gemeinsam mit Johns Mutter und einigen Nachbarn, um das Ergebnis der Neudekoration zu bewundern. Leider hatten die Dekorateure für die Küche versehentlich eine falsche Wandfarbe (hellgrün statt erdbraun) verwendet. Sherrie zufolge reagierte ihr Ehemann auf eigenwillige Weise: "So, in front of everyone, in front of his own mother, John wipped it out and started peeing all over the wall. "'This is what I think about this color', he said." Nun mögen seine Fans noch einwenden, dass sich sein übles Benehmen insoweit ja allenfalls indirekt gegen seine Ehefrau richtete. Das lässt sich allerdings nicht mehr bei einer anderen Begebenheit sagen: Nach einem Golf-Turnier hatte sich Daly offenbar mit einer Horde Männer und Frauen - darunter indes nicht die gerade hochschwangere Sherrie - zu einer feuchtfröhlichen Party in seinen Bus zurückgezogen. Sein Fahrer und allzu enger Buddy Donnie, der nach Sherries Angaben 100.000 $ im Jahr verdiente und damit nicht zufrieden war, wollte gerade wegfahren, als Sherrie mit einem Golf Cart zum Bus gebracht wurde und Einlass begehrte. Daly ("big and drunk and heated") wollte sie hinauswerfen, sie aber nicht gehen ("You're not leaving me here. I don't even have a way home."). Wieder einmal kam es zu einem der berüchtigten Daly-Ausraster: "He reached behind him and picked up this fruitcake that was sitting on the kitchen counter. He came after me with it, ... and smushed the whole cake in my face and all over my hair. He was so much bigger than me that, as he did it, he knocked me down on the floor with how hard he was pressing that cake into my face. Now, mind you, I was pregnant, and there were all of these grown men standing there. But no one defended me ... then [John] started smacking me in the back of the head." Soviel zum Thema "I will never hit a woman".

Während Sherries Buch über weitere Passagen eine ermüdende Abfolge von "Er demütigte mich, dafür ging ich anschließend für 30.000 $ shoppen."- und "Er rastete betrunken aus, aber wir versöhnten uns dann doch wieder."-Begebenheiten ist, relativiert es so auch so manche selbstlobende Darstellung des Golfprofis. Während er zum Beispiel das Kapitel über die Auseinandersetzung seiner Frau mit der Justiz und ihren Haftaufenthalt mit einem selbstgefälligen "Stand By Your Woman" überschreibt, berichtet sie, dass sie ihn während ihrer 150 Tage Haft und der folgenden 150 Tage Hausarrest praktisch nur für zwei Tage und zwei Stunden zu Gesicht bekommen habe. Die restliche Zeit, so Sherries durchaus substantiierte Vermutungen, hat sich John mit diversen Ex-Frauen, Ex-Freundinnen und Groupies vertrieben. Der Leser erfährt, wie Sherrie mitsamt ihren zwei Kindern nach einem allzu rührseligen Anruf ihres Mannes ("...how sweet he'd been on the phone") ins Auto stieg, um ihn in seinem Tour-Bus zu überraschen. Alle drei betraten das Schlafzimmer des Busses, sahen einen großen Fleischberg unter weißen Laken ("John was pretty thick at the time") und versuchten behutsam, ihn zu wecken. Ein dummer Einfall. Denn "all of a sudden, this girl's head popped up out of the covers ... Well, there they were. No pants on. There was her big fat butt, and she was wearing some stupid Arkansas Razorbacks Jersey of his...". Unfreiwillig komisch sind dann die anschließenden Schilderungen, wie Sherrie aus dem Bus stürmt, kurzerhand das Handy der Fremden mitnimmt und deren allzu freizügigen Fotos an die im Handy gespeicherten Kontakte verschickt, wie die Polizei bei Sherrie auftaucht, um das Handy wieder mitzunehmen und so weiter und so fort.

Bemerkenswert sind übrigens die Cover der beiden Bücher. John Daly zeigt sich lässig mit Zigarette im Mund, Goldkettchen und allzu protziger Uhr und mit einem Golfschläger in der Hand, dabei allerdings leider einem dümmlichen Gesichtsausdruck, der mehr über ihn verrät, als er ahnt. Sherrie wird auf dem Golfplatz auf einem Golfcart sitzend gezeigt, in Aussehen, Pose und Kleidung ganz das, was sie sein dürfte: Eine einfach gestrickte Goldsucherin, die in diesem Fall ziemlich daneben gegriffen hat. Zwar betont sie, dass sie auch schon vor John Daly vermögende Männer kannte und im Alter von 21 einen Freund mit Learjet hatte und Daly natürlich keineswegs wegen seines Geldes anziehend fand (John Daly zufolge sagte sie zu ihm: "I don't like blondes, and I don't particularly like golfers, but I do like fat boys."), aber an keiner Stelle ihres Buches blitzt der Ehrgeiz auf, so etwas wie ein eigenes Leben zu führen. Sherrie definiert sich ganz und gar über ihren Mann, und das ist unter dem Strich dann doch ziemlich wenig.

Fazit: John Dalys Biographie gibt durchaus Einblicke in den Alltag eines PGA-Profis. Wer sich aber für ihn selbst interessiert, sollte zur Vervollständigung des Bildes auch die Erinnerungen seiner vierten Ex-Frau lesen.


Teed Off: My Life as a Player's Wife on the PGA Tour
Teed Off: My Life as a Player's Wife on the PGA Tour
von Sherrie Daly
  Gebundene Ausgabe

2.0 von 5 Sternen Eine Goldsucherin greift daneben, 15. April 2012
Bei Wikipedia erfährt der geneigte Leser, dass John Daly unter anderem wegen seines "unkonventionellen Lebensstils" einer der beliebtesten Golfspieler in den USA sein soll. Man mag vier teils chaotische Ehen, aggressive Trink- und Spielsucht, das wiederholte Kurz- und Kleinschlagen von Hotelzimmern und Autos, das - sofern man Ex-Frau Nummer vier Sherrie Daly Glauben schenken mag - Urinieren auf eine nicht gemochte Wandfarbe vor den Augen der eigenen Mutter oder - wiederum laut Sherrie Daly - die Misshandlung der eigenen (hochschwangeren) Frau vor den Augen feixender Kumpels als "unkonventionell" bezeichnen. Aber bereits nach der Lektüre von Dalys überaus selbstgefälliger Biografie John Daly: My Life In and Out of the Rough bleibt nicht viel, was ihn in meinen Augen beliebt machen könnte. Nimmt man dann noch die wenige Jahre später erschienenen (allerdings mit gleicher Vorsicht zu genießenden) Erzählungen Sherrie Dalys (Teed Off: My Life as a Player's Wife on the PGA Tour) über ihre Zeit an der Seite des PGA-Profis hinzu, sieht man einen tumben Redneck aus Arkansas und eine nicht minder tumbe Goldsucherin und fragt sich, warum man eigene Lebenszeit damit verschwenden sollte, den Alltag der beiden kennenzulernen.

John Daly berichtet in seiner Biographie über Trinkgelage mit seinem Kumpels und die im Suff angerichteten Zerstörungen, darüber, dass er Pro-Ams nicht mag, wie gern er Fans glücklich macht, indem er ihnen zum Beispiel einen Schläger schenkt, und welch stürmische Zeiten er mit seinen bis dato drei Ex-Frauen erlebte ("All My Exes Wear Rolexes"). Dabei legt er übrigens größten Wert auf die Feststellung, dass er seine zweite Frau Bettye entgegen kolportierten Berichten in den Medien niemals geschlagen habe: "I never hit Bettye. I never hit any woman. I never will. ... I will never hit a woman. Period." Spätestens das ist der Punkt, an dem ich empfehle, sich zur Vervollständigung des Bildes das einige Jahre später erschienene Buch von Sherrie Daly, damals Ehefrau Nummer vier, inzwischen Ex-Frau Nummer vier, zu Gemüte zu führen. Als "My Life In And Out Of The Rough" erschien, schienen die beiden jedenfalls in Johns Augen einer rosaroten Zukunft entgegenzusehen: "Sherrie's the love of my life. I hope we'll stay together forever. ... I think this time it's love forever and evermore." Nicht ganz so rosig klingt, was Sherrie im vergangenen Jahr zu Papier brachte. An dieser Stelle ist zu betonen: So, wie John Dalys Erinnerungen hier und da ... nun ja ... ein wenig beschönigend sein dürften, sind es auch die von Sherrie, die übrigens einige Zeit im Gefängnis und in Hausarrest verbrachte, weil sie in illegale Geschäfte ihres Vaters verwickelt gewesen sein soll. Aber sie beschreibt einige Szenen der chaotischen Ehe mit John Daly, die sich vor etlichen Zuschauern abgespielt haben sollen. Da John Daly offenbar durchaus klagefreudig ist, spricht einiges dafür, dass Sherrie insoweit keine völlig frei erfundenen Geschichten erzählt.

Hier nur zwei Beispiele: Während das Ehepaar Daly zu den BMW International Open nach München flog, waren Dekorateure damit beschäftigt, Johns in Sherries Augen allzu heruntergekommenes Haus in Arkansas ("dirty metal miniblinds ... the Berber carpet had stains") ein wenig auf Vordermann zu bringen. Nach ihrer Rückkehr aus München betraten die Dalys das Haus gemeinsam mit Johns Mutter und einigen Nachbarn, um das Ergebnis der Neudekoration zu bewundern. Leider hatten die Dekorateure für die Küche versehentlich eine falsche Wandfarbe (hellgrün statt erdbraun) verwendet. Sherrie zufolge reagierte ihr Ehemann auf eigenwillige Weise: "So, in front of everyone, in front of his own mother, John wipped it out and started peeing all over the wall. "'This is what I think about this color', he said." Nun mögen seine Fans noch einwenden, dass sich sein übles Benehmen insoweit ja allenfalls indirekt gegen seine Ehefrau richtete. Das lässt sich allerdings nicht mehr bei einer anderen Begebenheit sagen: Nach einem Golf-Turnier hatte sich Daly offenbar mit einer Horde Männer und Frauen - darunter indes nicht die gerade hochschwangere Sherrie - zu einer feuchtfröhlichen Party in seinen Bus zurückgezogen. Sein Fahrer und allzu enger Buddy Donnie, der nach Sherries Angaben 100.000 $ im Jahr verdiente und damit nicht zufrieden war, wollte gerade wegfahren, als Sherrie mit einem Golf Cart zum Bus gebracht wurde und Einlass begehrte. Daly ("big and drunk and heated") wollte sie hinauswerfen, sie aber nicht gehen ("You're not leaving me here. I don't even have a way home."). Wieder einmal kam es zu einem der berüchtigten Daly-Ausraster: "He reached behind him and picked up this fruitcake that was sitting on the kitchen counter. He came after me with it, ... and smushed the whole cake in my face and all over my hair. He was so much bigger than me that, as he did it, he knocked me down on the floor with how hard he was pressing that cake into my face. Now, mind you, I was pregnant, and there were all of these grown men standing there. But no one defended me ... then [John] started smacking me in the back of the head." Soviel zum Thema "I will never hit a woman".

Während Sherries Buch über weitere Passagen eine ermüdende Abfolge von "Er demütigte mich, dafür ging ich anschließend für 30.000 $ shoppen."- und "Er rastete betrunken aus, aber wir versöhnten uns dann doch wieder."-Begebenheiten ist, relativiert es so auch so manche selbstlobende Darstellung des Golfprofis. Während er zum Beispiel das Kapitel über die Auseinandersetzung seiner Frau mit der Justiz und ihren Haftaufenthalt mit einem selbstgefälligen "Stand By Your Woman" überschreibt, berichtet sie, dass sie ihn während ihrer 150 Tage Haft und der folgenden 150 Tage Hausarrest praktisch nur für zwei Tage und zwei Stunden zu Gesicht bekommen habe. Die restliche Zeit, so Sherries durchaus substantiierte Vermutungen, hat sich John mit diversen Ex-Frauen, Ex-Freundinnen und Groupies vertrieben. Der Leser erfährt, wie Sherrie mitsamt ihren zwei Kindern nach einem allzu rührseligen Anruf ihres Mannes ("...how sweet he'd been on the phone") ins Auto stieg, um ihn in seinem Tour-Bus zu überraschen. Alle drei betraten das Schlafzimmer des Busses, sahen einen großen Fleischberg unter weißen Laken ("John was pretty thick at the time") und versuchten behutsam, ihn zu wecken. Ein dummer Einfall. Denn "all of a sudden, this girl's head popped up out of the covers ... Well, there they were. No pants on. There was her big fat butt, and she was wearing some stupid Arkansas Razorbacks Jersey of his...". Unfreiwillig komisch sind dann die anschließenden Schilderungen, wie Sherrie aus dem Bus stürmt, kurzerhand das Handy der Fremden mitnimmt und deren allzu freizügigen Fotos an die im Handy gespeicherten Kontakte verschickt, wie die Polizei bei Sherrie auftaucht, um das Handy wieder mitzunehmen und so weiter und so fort.

Bemerkenswert sind übrigens die Fotos auf und in beiden Büchern. John Daly zeigt sich auf dem Cover seiner Biographie lässig mit Zigarette im Mund, Goldkettchen und allzu protziger Uhr und mit einem Golfschläger in der Hand, dabei allerdings leider einem dümmlichen Gesichtsausdruck, der mehr über ihn verrät, als er ahnt. Sherrie wird auf dem Golfplatz auf einem Golfcart sitzend gezeigt, in Aussehen, Pose und Kleidung ganz das, was sie sein dürfte: Eine einfach gestrickte Goldsucherin, die in diesem Fall ziemlich daneben gegriffen hat. Zwar betont sie, dass sie auch schon vor John Daly vermögende Männer kannte und im Alter von 21 einen Freund mit Learjet hatte und Daly natürlich keineswegs wegen seines Geldes anziehend fand (John Daly zufolge sagte sie zu ihm: "I don't like blondes, and I don't particularly like golfers, but I do like fat boys."), aber an keiner Stelle ihres Buches blitzt der Ehrgeiz auf, so etwas wie ein eigenes Leben zu führen. Sherrie definiert sich ganz und gar über ihren Mann, und das ist unter dem Strich dann doch ziemlich wenig. Auch die Fotos in den Büchern, mutmaßlich von den Autoren ausgesucht, sind ziemlich verräterisch, zeigen sie doch mehr als manche rührselige Textpassage, wie sich beide selbst sehen.

Fazit: John Dalys Biographie gibt durchaus Einblicke in den Alltag eines PGA-Profis. Wer sich aber für ihn selbst interessiert, sollte zur Vervollständigung des Bildes auch die Erinnerungen seiner vierten Ex-Frau lesen.


John Daly: My Life In and Out of the Rough
John Daly: My Life In and Out of the Rough
von John Daly
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,26

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2.0 von 5 Sternen Fanbuch eines unsympathischen Rednecks, 15. April 2012
Bei Wikipedia erfährt der geneigte Leser, dass John Daly unter anderem wegen seines "unkonventionellen Lebensstils" einer der beliebtesten Golfspieler in den USA sein soll. Man mag vier teils chaotische Ehen, aggressive Trink- und Spielsucht, das wiederholte Kurz- und Kleinschlagen von Hotelzimmern und Autos, das - sofern man Ex-Frau Nummer vier Sherrie Daly Glauben schenken mag - Urinieren auf eine nicht gemochte Wandfarbe vor den Augen der eigenen Mutter oder - wiederum laut Sherrie Daly - die Misshandlung der eigenen (hochschwangeren) Frau vor den Augen feixender Kumpels als "unkonventionell" bezeichnen. Aber bereits nach der Lektüre von Dalys überaus selbstgefälliger Biografie "My Life In And Out Of The Rough" bleibt nicht viel, was ihn in meinen Augen beliebt machen könnte. Nimmt man dann noch die wenige Jahre später erschienenen (allerdings mit gleicher Vorsicht zu genießenden) Erzählungen Sherrie Dalys (Teed Off: My Life as a Player's Wife on the PGA Tour) über ihre Zeit an der Seite des PGA-Profis hinzu, sieht man einen tumben Redneck aus Arkansas und eine nicht minder tumbe Goldsucherin und fragt sich, warum man eigene Lebenszeit damit verschwenden sollte, den Alltag der beiden kennenzulernen.

Aber der Reihe nach: Zunächst einmal verband ich mit dem Kauf von Dalys Buch die Hoffnung, etwas vom Aufstieg eines amerikanischen Golfprofis bis in den Olymp, die PGA-Tour, zu erfahren. Und diese Hoffnung wurde auch durchaus erfüllt. Daly beleuchtet seinen Weg nach dem College von dem wenig lukrativen Minitour-Circuit und Abstechern zur Sunshine-Tour nach Südafrika über die heutige Nationwide-Tour (damals noch die Hogan-Tour) und über die brutale Q-School bis in die PGA-Tour. Hierbei berichtet er auch recht atmosphärisch über seine (schnellen) Erfolge auf der Tour und seine mitunter finanziell hart bestraften Aussetzer. Er erzählt, warum er lieber mit einem 1,5 Millionen Dollar teuren Bus (45 Fuß lang, innen ausgestattet mit Schlaf- und Wohnzimmer, Küche und Bad, eine Tankfüllung kostet 450 Dollar) von einem Turnier zum nächsten fährt anstatt First Class zu fliegen, und natürlich von seinen ausschweifenden Trink- und Essgewohnheiten. So gab es nach seinen Bekundungen Zeiten, in denen er pro Golf-Runde fünfzehn bis zwanzig Packungen M&M's ("with peanuts, please") verdrückte, er raucht pro Jahr 14.600 Marlboro Light und trinkt pro Tag fünfzehn Büchsen Diet Coke, sofern er nicht einmal gerade wieder eine Bier- oder Whisky-Phase hat.

Schnell wird deutlich, dass es ein Buch in erster Linie für Fans ist, denn Daly inszeniert sich als Kumpel von nebenan, der die Fans liebt, kein Blatt vor den Mund nimmt, das Herz auf dem rechten Fleck hat und natürlich die eine oder andere Schwäche. Freimütig berichtet er über Trinkgelage mit seinem Kumpels und die im Suff angerichteten Zerstörungen, darüber, dass er Pro-Ams nicht mag, wie gern er Fans glücklich macht, indem er ihnen zum Beispiel einen Schläger schenkt, und welch stürmische Zeiten er mit seinen bis dato drei Ex-Frauen erlebte ("All My Exes Wear Rolexes"). Dabei legt er übrigens größten Wert auf die Feststellung, dass er seine zweite Frau Bettye entgegen kolportierten Berichten in den Medien niemals geschlagen habe: "I never hit Bettye. I never hit any woman. I never will. ... I will never hit a woman. Period." Spätestens das ist der Punkt, an dem ich empfehle, sich zur Vervollständigung des Bildes das einige Jahre später erschienene Buch von Sherrie Daly, damals Ehefrau Nummer vier, inzwischen Ex-Frau Nummer vier, zu Gemüte zu führen. Als "My Life In And Out Of The Rough" erschien, schienen die beiden jedenfalls in Johns Augen einer rosaroten Zukunft entgegenzusehen: "Sherrie's the love of my life. I hope we'll stay together forever. ... I think this time it's love forever and evermore." Nicht ganz so rosig klingt, was Sherrie im vergangenen Jahr zu Papier brachte. An dieser Stelle ist zu betonen: So, wie John Dalys Erinnerungen hier und da ... nun ja ... ein wenig beschönigend sein dürften, sind es auch die von Sherrie, die übrigens einige Zeit im Gefängnis und in Hausarrest verbrachte, weil sie in illegale Geschäfte ihres Vaters verwickelt gewesen sein soll. Aber sie beschreibt einige Szenen der chaotischen Ehe mit John Daly, die sich vor etlichen Zuschauern abgespielt haben sollen. Da John Daly offenbar durchaus klagefreudig ist, spricht einiges dafür, dass Sherrie insoweit keine völlig frei erfundenen Geschichten erzählt.

Hier nur zwei Beispiele: Während das Ehepaar Daly zu den BMW International Open nach München flog, waren Dekorateure damit beschäftigt, Johns in Sherries Augen allzu heruntergekommenes Haus in Arkansas ("dirty metal miniblinds ... the Berber carpet had stains") ein wenig auf Vordermann zu bringen. Nach ihrer Rückkehr aus München betraten die Dalys das Haus gemeinsam mit Johns Mutter und einigen Nachbarn, um das Ergebnis der Neudekoration zu bewundern. Leider hatten die Dekorateure für die Küche versehentlich eine falsche Wandfarbe (hellgrün statt erdbraun) verwendet. Sherrie zufolge reagierte ihr Ehemann auf eigenwillige Weise: "So, in front of everyone, in front of his own mother, John wipped it out and started peeing all over the wall. "'This is what I think about this color', he said." Nun mögen seine Fans noch einwenden, dass sich sein übles Benehmen insoweit ja allenfalls indirekt gegen seine Ehefrau richtete. Das lässt sich allerdings nicht mehr bei einer anderen Begebenheit sagen: Nach einem Golf-Turnier hatte sich Daly offenbar mit einer Horde Männer und Frauen - darunter indes nicht die gerade hochschwangere Sherrie - zu einer feuchtfröhlichen Party in seinen Bus zurückgezogen. Sein Fahrer und allzu enger Buddy Donnie, der nach Sherries Angaben 100.000 $ im Jahr verdiente und damit nicht zufrieden war, wollte gerade wegfahren, als Sherrie mit einem Golf Cart zum Bus gebracht wurde und Einlass begehrte. Daly ("big and drunk and heated") wollte sie hinauswerfen, sie aber nicht gehen ("You're not leaving me here. I don't even have a way home."). Wieder einmal kam es zu einem der berüchtigten Daly-Ausraster: "He reached behind him and picked up this fruitcake that was sitting on the kitchen counter. He came after me with it, ... and smushed the whole cake in my face and all over my hair. He was so much bigger than me that, as he did it, he knocked me down on the floor with how hard he was pressing that cake into my face. Now, mind you, I was pregnant, and there were all of these grown men standing there. But no one defended me ... then [John] started smacking me in the back of the head." Soviel zum Thema "I will never hit a woman".

Während Sherries Buch über weitere Passagen eine ermüdende Abfolge von "Er demütigte mich, dafür ging ich anschließend für 30.000 $ shoppen."- und "Er rastete betrunken aus, aber wir versöhnten uns dann doch wieder."-Begebenheiten ist, relativiert es so auch so manche selbstlobende Darstellung des Golfprofis. Während er zum Beispiel das Kapitel über die Auseinandersetzung seiner Frau mit der Justiz und ihren Haftaufenthalt mit einem selbstgefälligen "Stand By Your Woman" überschreibt, berichtet sie, dass sie ihn während ihrer 150 Tage Haft und der folgenden 150 Tage Hausarrest praktisch nur für zwei Tage und zwei Stunden zu Gesicht bekommen habe. Die restliche Zeit, so Sherries durchaus substantiierte Vermutungen, hat sich John mit diversen Ex-Frauen, Ex-Freundinnen und Groupies vertrieben. Der Leser erfährt, wie Sherrie mitsamt ihren zwei Kindern nach einem allzu rührseligen Anruf ihres Mannes ("...how sweet he'd been on the phone") ins Auto stieg, um ihn in seinem Tour-Bus zu überraschen. Alle drei betraten das Schlafzimmer des Busses, sahen einen großen Fleischberg unter weißen Laken ("John was pretty thick at the time") und versuchten behutsam, ihn zu wecken. Ein dummer Einfall. Denn "all of a sudden, this girl's head popped up out of the covers ... Well, there they were. No pants on. There was her big fat butt, and she was wearing some stupid Arkansas Razorbacks Jersey of his...". Unfreiwillig komisch sind dann die anschließenden Schilderungen, wie Sherrie aus dem Bus stürmt, kurzerhand das Handy der Fremden mitnimmt und deren allzu freizügigen Fotos an die im Handy gespeicherten Kontakte verschickt, wie die Polizei bei Sherrie auftaucht, um das Handy wieder mitzunehmen und so weiter und so fort.

Bemerkenswert sind übrigens die Fotos auf und in beiden Büchern. John Daly zeigt sich auf dem Cover seiner Biographie lässig mit Zigarette im Mund, Goldkettchen und allzu protziger Uhr und mit einem Golfschläger in der Hand, dabei allerdings leider einem dümmlichen Gesichtsausdruck, der mehr über ihn verrät, als er ahnt. Sherrie wird auf dem Golfplatz auf einem Golfcart sitzend gezeigt, in Aussehen, Pose und Kleidung ganz das, was sie sein dürfte: Eine einfach gestrickte Goldsucherin, die in diesem Fall ziemlich daneben gegriffen hat. Zwar betont sie, dass sie auch schon vor John Daly vermögende Männer kannte und im Alter von 21 einen Freund mit Learjet hatte und Daly natürlich keineswegs wegen seines Geldes anziehend fand (John Daly zufolge sagte sie zu ihm: "I don't like blondes, and I don't particularly like golfers, but I do like fat boys."), aber an keiner Stelle ihres Buches blitzt der Ehrgeiz auf, so etwas wie ein eigenes Leben zu führen. Sherrie definiert sich ganz und gar über ihren Mann, und das ist unter dem Strich dann doch ziemlich wenig. Auch die Fotos in den Büchern, mutmaßlich von den Autoren ausgesucht, sind ziemlich verräterisch, zeigen sie doch mehr als manche rührselige Textpassage, wie sich beide selbst sehen.

Fazit: John Dalys Biographie gibt durchaus Einblicke in den Alltag eines PGA-Profis. Wer sich aber für ihn selbst interessiert, sollte zur Vervollständigung des Bildes auch die Erinnerungen seiner vierten Ex-Frau lesen.
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Dirk - Die Dirk-Nowitzki-Story
Dirk - Die Dirk-Nowitzki-Story
von Dino Reisner
  Broschiert
Preis: EUR 19,90

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lesenswerte Vorstellung eines sympathischen Amerika-"Legionärs", 12. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Dirk - Die Dirk-Nowitzki-Story (Broschiert)
Autor Dino Reisner wird den größten sportlichen Erfolg Dirk Nowitzkis, den Gewinn der NBA-Meisterschaft 2011 mit den Dallas Mavericks gegen Miami Heat, wohl mit einem weinenden Auge verfolgt haben. Sechs Jahre hat er für eine (erweiterte) Neuauflage seines Buches Dirk Nowitzki - german wunderkind: Die Story des Basketball-Superstars über einen der erfolgreichsten und sympathischsten deutschen Sportler gewartet. Sechs Jahre, in denen Nowitzki mit seinem Team ein ums andere Mal einen vergeblichen Versuch nahm, den Basketball-Olymp zu erobern und die NBA-Play-offs zu gewinnen. Sechs Jahre, in denen Nowitzki vorgeworfen wurde, zu weich zu sein für den ganz großen Erfolg, nicht über genügend Leader-Qualitäten zu verfügen, um die Mavericks bis ganz an die Spitze zu führen, sich stets mit zu wenig zufrieden zu geben. Doch kaum hatte Reisner, möglicherweise mit seiner Geduld am Ende, seine Neuauflage auf den Markt gebracht, krönte Nowitzki endlich seine Karriere: Im Juni 2011 peitschte er als überragender Spieler der Finalserie die Mavericks zum Sieg gegen das vermeintliche "Dream-Team" aus Miami. Der Erfolg war nicht nur deshalb süß, weil Dallas sich für das trotz eines 2:0-Vorsprungs noch verlorene Finale 2006 rächen konnte, sondern auch, weil sich Nowitzki, der von einer schlimmen Erkältung geplagt wurde, von den Heat-Stars LeBron James und Dwyane Wade verhöhnen lassen musste ("Cough-Gate"). Wer damals gesehen hat, wie er sich mit seinem Husten gequält hat, kann erahnen, welche Anstrengung es ihn gekostet hat, in den entscheidenden Finalspielen der härtesten und besten Liga der Welt trotz der Erkrankung und des auf ihm lastenden Erfolgsdrucks Top-Leistungen zu bringen. Im Buch findet dieser grandiose Erfolg Nowitzkis nun naturgemäß keine Berücksichtigung, was es - gänzlich unverschuldet - in ähnlicher Weise unvollendet wirken lässt, wie es Nowitzkis Karriere wohl ohne die NBA-Meisterschaft geblieben wäre. Indes ändert dies nichts daran, dass "Dirk - Die Dirk-Nowitzki-Story" ein überaus informatives, sehr lesenswertes Buch ist.

Reisner widmet sich zunächst Nowitzkis Jugendzeit in Würzburg und den ersten Kontakten nach Amerika, ehe der größte Block folgt, nämlich Nowitzkis Jahre in der NBA mit einem alles andere als glatten Start, anfänglichen Erfolgen und der baldigen Stabilisierung auf hohem Niveau, schmerzhaften Rückschlägen und der Jahr für Jahr vergeblichen Titeljagd unter drei verschiedenen Trainern. Anschließend folgen Abhandlungen über Nowitzkis Karriere in der Nationalelf (sehr ausführlich) und über den "Menschen Dirk Nowitzki" (eher knapp). Geprägt sind die einzelnen Kapitel dadurch, dass neben dem Fließtext in gesonderten Rahmen nicht nur statistische Angaben (Roster, Tabellen, Gehaltsübersicht etc.), sondern auch Porträts etwa von Holger Geschwindner, Trainer Don Nelson, NBA-Vorgänger Detlef Schrempf oder (deutlich knapper) verschiedenen Familienmitgliedern und Wegbegleitern eingefügt worden sind. Ich bin mir noch immer etwas unschlüssig, ob mich diese Art der Einbeziehung eher stört, weil der Lesefluss immer wieder unterbrochen wird, oder ob es letztlich nicht doch die vorzugwürdige Variante ist, weil eine Einfügung derartiger vorstellender Porträts in den Fließtext zwar möglich ist, diese dann aber schnell irgendwie "hineingeboxt" wirken.

Vermutlich ist es unmöglich, eine Biographie über einen Basketballspieler im statistikverrückten Amerika zu schreiben, ohne den Leser mit jeder Menge an Statistik zu konfrontieren. So quillt auch Reisners Buch über vor Angaben zu Punkten und Rebounds, Assists und Wurfquoten, Saison- und Karriererekorden. Dadurch wird das Buch sicherlich umso wertvoller für eingefleischte Basketball-Fans, aber etwas weniger spannend für Leser, die sich mehr für das Leben eines deutschen Profis in der texanischen Ölmetropole Dallas interessieren. Ich muss gestehen, dass ich mit Basketball jenes Problem habe, das die Amerikaner umgekehrt mit dem Soccer haben: Die allzu hohe Trefferquote sorgt ähnlich wie so manches torlose Remis beim Fußball schnell für Langeweile. Ich habe es in Washington, D.C. mit den Wizards (NBA) und den Mystics (WNBA) versucht und in Orlando mit Magic (NBA) - aber wirklich gepackt hat mich Basketball trotz der perfekten Show, die in Amerika geboten wird, nie. Vielleicht ist das der Grund, weshalb mir bei Reisners Buch das letzte Quentchen an Atmosphäre fehlt. Der sportliche Teil wird souverän, wirklich umfassend und mit großer Sachkunde und statistischer Detailfreude beleuchtet. Aber dem Nicht-Basketballenthusiasten könnte es als eine zu lange, gleichförmige Aneinanderreihung von wechselnden "Dallas spielt schlecht, Dirk aber gut", "Mavericks gut, Dirk hält sich zurück", "Dallas mit Nowitzki schwach", "Dirk führt Mavericks zum Sieg", "Dirk verletzt, Dallas geschockt" und "Nowitzki passt sich der Formschwäche seines Teams an"-Schilderungen erscheinen. Ich hätte mir ein wenig mehr Einblick in Dirk Nowitzkis Leben in Dallas gewünscht. Ja, man erfährt, dass er zunächst in einem Apartment lebte und später ein Haus kaufte. Aber wie sieht sein Alltag an Spieltagen und an spielfreien Tagen aus? In welchen Hotels übernachten die Mavericks? Was tun die Spieler in der (durchaus reichlichen) Freizeit bei mehrtägigen Auswärtstrips in anderen Teilen Amerikas? Gibt es Meal Money oder gemeinsame Mahlzeiten? Ähnlich geht es mir bei der Betrachtung der (ja wirklich wichtigen) Beziehung zwischen Dirk Nowitzki und seinem Mentor Holger Geschwindner. Sie wird natürlich im Buch thematisiert, ohne dass insoweit jedoch der "äußere" Bereich verlassen wird. Dies mag daran liegen, dass die beiden Beteiligten "innere" Einblicke nicht gewähren konnten oder wollten - jedenfalls fällt auf, dass der Autor am Ende einer Reihe von Personen dankt, nicht jedoch Holger Geschwindner.

Die aus den Medien bekannten außersportlichen "Tiefpunkte" in Nowitzkis Karriere, einmal die Verhaftung Geschwindners im Jahr 2005 und zum anderen die Verhaftung von Dirks früherer Lebensgefährtin Cristal Taylor im Frühsommer 2009, werden kurz und sachlich behandelt, wobei deutlich wird, dass Reisner überhaupt nicht erpicht war, allzu tief in den privaten Bereich Nowitzkis einzudringen, was ja durchaus nachvollziehbar und sympathisch ist. So erfährt der Leser nicht viel mehr, als aus dem Medien bereits bekannt war, aber es fragt sich, ob man auch unbedingt mehr wissen möchte. Aufgrund der "thematischen" anstatt chronologischen Gliederung des Buches (Anfänge - NBA - Nationalelf - Privatleben) kommt Reisner nicht umhin, mitunter nach hinten zu verweisen ("siehe Seit XX"), was den Lesefluss ein klein wenig stört. Insoweit wäre es mir vermutlich lieber gewesen, die Informationen wäre bei Betrachtung der einzelnen Saisons an zeitlich passender Stelle eingeflossen, aber das bleibt letztlich Geschmacksfrage.

Das Cover zeigt Nowitzki übrigens (augenscheinlich bei einer Pressekonferenz) mit verschränkten Armen und zusammengekniffenen Lippen, also jener zurückhaltenden und tendenziell skeptischen Attitüde, mit der er dem ganzen Rummel um seine Person begegnen dürfte.

Fazit: Dino Reisner präsentiert in einer erweiterten Neuauflage seines 2004er Buches ein umfassendes, unterhaltsam geschriebenes und sehr faktenreiches Porträt über den besten deutschen Basketballprofi, der sein Geld seit 1999 bei den Dallas Mavericks in der amerikanischen NBA verdient. Für Basketball-Fans ist das Buch meines Erachtens ein absolutes Muss, für andere eine lesenswerte Vorstellung eines sehr sympathischen Amerika-"Legionärs".


Double Tap: The Lost Coast and Paris Is A Bitch (English Edition)
Double Tap: The Lost Coast and Paris Is A Bitch (English Edition)

4.0 von 5 Sternen Düsterer Doppelpack, 11. Februar 2012
In diesem Kindle-Dokument werden Barry Eislers Kurzgeschichten "Paris Is A Bitch" (John Rain) und "The Lost Coast" (Daniel Larison) im Doppelpack angeboten.

1. Paris Is A Bitch

Thriller-Autor Barry Eisler, Erschaffer des sympathischen Auftragskillers John Rain (erstmals in Tokio Killer), hat vor einigen Monaten mit seinem Kollegen Joe Konrath ein sehr ausführliches und ebenso provokantes Gespräch über die Zukunft des E-Books, der Verlage und des Selfpublishings geführt. Beide gehen davon aus, dass das klassische Papier-Buch der Vergangenheit angehört und Autoren künftig den durch E-Books dramatisch erleichterten Weg der Selbstvermarktung gehen werden, weil dies finanziell deutlich lukrativer sei. Eisler hat seinen Worten auch Taten folgen lassen und ein 500.000-$-Angebot seines bisherigen Verlages abgelehnt, um sein neues Buch in Eigenregie herauszubringen. Konrath, der mit seinen Jack-Daniels-Thrillern in Printform zuvor mit sinkenden Auflagen zu kämpfen hatte, feierte als reiner E-Book-Autor ein spektakuläres Comeback mit über 250.000 verkauften E-Books (Stand: April 2011), der Großteil davon eigenen Angaben zufolge binnen weniger Monate.

Anders als in Amerika hat das E-Book in Deutschland - zur Erleichterung vieler - noch keinen durchschlagenden Erfolg. Einmal abgesehen davon, dass zumindest jene, die ohnehin tagtäglich im Büro auf einen Bildschirm starren, vielleicht nicht unbedingt auch in ihrer Freizeit noch am elektronischen Papier kleben wollen, sind E-Books auch mit weiteren Nachteilen verbunden. So schön die bei Amazon oder Smashwords zu sehenden Cover oft sind, das Buch selbst kommt jedenfalls bislang als schnödes Schwarz-Weiß-Dokument daher. Und Risse, Knicke, Weinflecke - sprich: Patina - oder überbordende Regale unterschiedlich großer, eigenwillig aneinandergereihter Bücher sind im Zeitalter des E-Books nur noch eine schöne Erinnerung.

Aber auch all diese nostalgische Überlegungen ändern leider nichts daran, dass verschiedene Werke - etwa bestimmte Kurzgeschichten - nur noch in E-Form bzw. bestenfalls im ausdruckbaren PDF-Format erhältlich sind. Hierzu zählt auch "Paris Is A Bitch", eine neuere Kurzgeschichte Barry Eislers, die zu einem weiteren Zusammentreffen John Rains und der israelischen Spionin Delilah führt, die in Der Verrat. Tokio Killer - Der dritte Auftrag ihren ersten Auftritt hatte. Zum Inhalt nur soviel: Rain und Delilah haben nichts weiter im Sinn als ein romantisches Abendessen in Paris, als der stets vorsichtige Profikiller außerhalb des Restaurants verdächtige Gestalten bemerkt, die es offenbar auf ihn und/oder seine Begleiterin abgesehen haben. Schon bald ist er sich sicher: Die Männer warten auf ihn und Delilah. Aber wieso? Ein Anschlag? Eine Entführung? Und wie nun weiter? Sie sitzen in der Falle...

Die Idee ist reizvoll, aber ihre Umsetzung hat mich unter dem Strich ein wenig enttäuscht. Denn ihr fehlt die Leichtigkeit, die Unbeschwertheit, die Eislers Bücher sonst gerade auszeichnet. Es ist ja gar nicht so einfach, einen Profikiller zu einer sympathischen Figur zu machen, dessen Unternehmungen der Leser letztlich sogar Erfolg wünscht. Eisler gelingt dies auf höchst beeindruckende Weise. Umso mehr fällt auf, wenn sich eine Geschichte dann relativ schwer daherschleppt und nach dem Lesen ein etwas bitterer Nachgeschmack bleibt.

Noch ein Wort zum Design und zum Umfang. Das Cover hat mich - anders als das zu Eislers Kurzgeschichte "The Lost Coast" (siehe unten) - ebenfalls nicht ganz überzeugt. Die Farben zu düster und zu wenig aufeinander abgestimmt, die Schrift zu sperrig, zu viele verschiedene Schriftarten - irgendwie passt es nicht. Das E-Book selbst hat - als PDF-Dokument - dreißig Seiten, die meines Erachtens ebenfalls ein wenig zu lieblos gestaltet sind. Die Kurzgeschichte selbst umfasst etwa dreizehn Seiten, der Rest sind Buchtipps und - diese Idee fand ich sehr gelungen - persönliche Sicherheitshinweise von Barry Eisler, der früher immerhin für die CIA arbeitete.

Fazit: Barry Eisler unternimmt einen interessanten, wenngleich nicht ganz überzeugenden Ausflug in die Welt der ausschließlich elektronisch vertriebenen Kurzgeschichten.

2. The Lost Coast

Eine Bar in einer verschlafenen Kleinstadt an der amerikanischen Westküste: Ein Unbekannter auf der Durchreise, der eigentlich nur etwas trinken und anschließend in sein trostloses Hotelzimmer zurückkehren will. Doch dann fällt sein Blick auf einen der Pooltische. Was er sieht, lässt seinen Puls schneller schlagen. Das Objekt seiner Begierde hat kurze braune Haare, weiche Haut und wunderbar volle Lippen. Erst werden verheißungsvolle Blicke gewechselt, dann schüchterne Worte, und kurz darauf verlässt der Mann mit seiner unverhofften Eroberung die Bar. Alles deutet auf eine aufregende Nacht hin. Aber die Vorfreude verfliegt jäh: Als die beiden eine enge dunkle Gasse passieren, taucht vor ihnen plötzlich ein Schläger auf, grinsend und mit einem Eisenrohr in der Hand. Und hinter ihnen ein zweiter. Sie sitzen in der Falle...

Barry Eisler hat seinen neuen Helden Daniel Larison, der noch weitaus düsterer daherkommt als der japanisch-amerikanische Auftragskiller John Rain, erstmals in seinem grandiosen Thriller Inside Out: A Novel auftreten lassen. In der sich zeitlich daran anschließenden Kurzgeschichte The Lost Coast -- A Larison Short Story - Eislers erster Short-Story, der später Paris Is A Bitch -- A Rain/Delilah Short Story folgte - hat es Larison an die amerikanische Westküste verschlagen. Noch immer ist er auf der Flucht, nicht nur vor seinen Verfolgern, sondern auch von den Alpträumen, die ihn regelmäßig heimsuchen. Vor einer weiteren schlaflosen Nacht will er einfach nur ein Bier trinken gehen. Kurz darauf nimmt das Unheil seinen Lauf.

Auf seiner Homepage hat Eisler übrigens vermerkt:

Warning: this story is intended for mature audiences, and contains depictions of sexual activity, though perhaps not in the way you're expecting.

Der Hinweis ist berechtigt, obgleich der mit Larison durch Inside Out: A Novel bereits vertraute Leser nicht unbedingt überrascht sein wird. Die Story ist in sich abgeschlossen, aber ich empfehle dennoch, sich zuvor den Thriller Inside Out: A Novel zu Gemüte zu führen, weil Larisons Attitüde so nachvollziehbarer wird. Das Buch ist in vielerlei Hinsicht härter und düsterer als die John-Rain-Reihe, und das gilt auch für die anschließende Kurzgeschichte. Ähnlich wie Paris Is A Bitch -- A Rain/Delilah Short Story ist sie mir eigentlich schon zu düster. Das Grundszenario ist an sich ein typisches Eisler-Szenario, wie man es aus vielen Rain-Büchern kennt, aber die verschiedenen Dämonen Larisons sorgen für einen schalen Beigeschmack. Nichtsdestotrotz ist The Lost Coast -- A Larison Short Story ein lohnender Appetithappen für zwischendurch.

Der Titel der Kurzgeschichte geht übrigens auf die Bezeichnung einer Region in Nordkalifornien zurück. Das sehr schön gestaltete Cover passt perfekt dazu, obgleich es ein wenig irreführend ist. Denn das Geschehen spielt sich ausschließlich in einer miefigen Kleinstadt ab, die überall in Amerika liegen könnte. Die wilde, unberührte Küste des Covers bleibt für Larison ebenso unerreichbar wie eine Nacht ohne Dämonen. Als Ergänzung zu der Kurzgeschichte gibt es ein Interview Barry Eislers mit seinem Kollegen Joe Konrath und einen Auszug von Eislers neuestem Thriller The Detachment (John Rain Thrillers).

Fazit: Hart, düster, brutal, aber für Eisler-Fans dennoch lesenswert!


The Lost Coast -- A Larison Short Story (English Edition)
The Lost Coast -- A Larison Short Story (English Edition)
Preis: EUR 1,02

4.0 von 5 Sternen Düster und ziemlich hart: Larison in Kalifornien, 11. Februar 2012
Eine Bar in einer verschlafenen Kleinstadt an der amerikanischen Westküste: Ein Unbekannter auf der Durchreise, der eigentlich nur etwas trinken und anschließend in sein trostloses Hotelzimmer zurückkehren will. Doch dann fällt sein Blick auf einen der Pooltische. Was er sieht, lässt seinen Puls schneller schlagen. Das Objekt seiner Begierde hat kurze braune Haare, weiche Haut und wunderbar volle Lippen. Erst werden verheißungsvolle Blicke gewechselt, dann schüchterne Worte, und kurz darauf verlässt der Mann mit seiner unverhofften Eroberung die Bar. Alles deutet auf eine aufregende Nacht hin. Aber die Vorfreude verfliegt jäh: Als die beiden eine enge dunkle Gasse passieren, taucht vor ihnen plötzlich ein Schläger auf, grinsend und mit einem Eisenrohr in der Hand. Und hinter ihnen ein zweiter. Sie sitzen in der Falle...

Barry Eisler hat seinen neuen Helden Daniel Larison, der noch weitaus düsterer daherkommt als der japanisch-amerikanische Auftragskiller John Rain, erstmals in seinem grandiosen Thriller Inside Out: A Novel auftreten lassen. In der sich zeitlich daran anschließenden Kurzgeschichte The Lost Coast -- A Larison Short Story - Eislers erster Short-Story, der später Paris Is A Bitch -- A Rain/Delilah Short Story folgte - hat es Larison an die amerikanische Westküste verschlagen. Noch immer ist er auf der Flucht, nicht nur vor seinen Verfolgern, sondern auch von den Alpträumen, die ihn regelmäßig heimsuchen. Vor einer weiteren schlaflosen Nacht will er einfach nur ein Bier trinken gehen. Kurz darauf nimmt das Unheil seinen Lauf.

Auf seiner Homepage hat Eisler übrigens vermerkt:

Warning: this story is intended for mature audiences, and contains depictions of sexual activity, though perhaps not in the way you're expecting.

Der Hinweis ist berechtigt, obgleich der mit Larison durch Inside Out: A Novel bereits vertraute Leser nicht unbedingt überrascht sein wird. Die Story ist in sich abgeschlossen, aber ich empfehle dennoch, sich zuvor den Thriller Inside Out: A Novel zu Gemüte zu führen, weil Larisons Attitüde so nachvollziehbarer wird. Das Buch ist in vielerlei Hinsicht härter und düsterer als die John-Rain-Reihe, und das gilt auch für die anschließende Kurzgeschichte. Ähnlich wie Paris Is A Bitch -- A Rain/Delilah Short Story ist sie mir eigentlich schon zu düster. Das Grundszenario ist an sich ein typisches Eisler-Szenario, wie man es aus vielen Rain-Büchern kennt, aber die verschiedenen Dämonen Larisons sorgen für einen schalen Beigeschmack. Nichtsdestotrotz ist The Lost Coast -- A Larison Short Story ein lohnender Appetithappen für zwischendurch.

Der Titel der Kurzgeschichte geht übrigens auf die Bezeichnung einer Region in Nordkalifornien zurück. Das sehr schön gestaltete Cover passt perfekt dazu, obgleich es ein wenig irreführend ist. Denn das Geschehen spielt sich ausschließlich in einer miefigen Kleinstadt ab, die überall in Amerika liegen könnte. Die wilde, unberührte Küste des Covers bleibt für Larison ebenso unerreichbar wie eine Nacht ohne Dämonen. Als Ergänzung zu der Kurzgeschichte gibt es ein Interview Barry Eislers mit seinem Kollegen Joe Konrath und einen Auszug von Eislers neuestem Thriller The Detachment (John Rain Thrillers).

Fazit: Hart, düster, brutal, aber für Eisler-Fans dennoch lesenswert!


Paris Is A Bitch -- A Rain/Delilah Short Story (A John Rain Novel) (English Edition)
Paris Is A Bitch -- A Rain/Delilah Short Story (A John Rain Novel) (English Edition)
Preis: EUR 0,99

2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Leider ohne die gewohnte Leichtigkeit: John Rain in Paris, 1. Dezember 2011
Thriller-Autor Barry Eisler, Erschaffer des sympathischen Auftragskillers John Rain (erstmals in Tokio Killer: Der erste Auftrag), hat vor einigen Monaten mit seinem Kollegen Joe Konrath ein sehr ausführliches und ebenso provokantes Gespräch über die Zukunft des E-Books, der Verlage und des Selfpublishings geführt. Beide gehen davon aus, dass das klassische Papier-Buch der Vergangenheit angehört und Autoren künftig den durch E-Books dramatisch erleichterten Weg der Selbstvermarktung gehen werden, weil dies finanziell deutlich lukrativer sei. Eisler hat seinen Worten auch Taten folgen lassen und ein 500.000-$-Angebot seines bisherigen Verlages abgelehnt, um sein neues Buch in Eigenregie herauszubringen. Konrath, der mit seinen Jack-Daniels-Thrillern (etwa Whiskey Sour (Jack Daniels Mysteries))in Printform zuvor mit sinkenden Auflagen zu kämpfen hatte, feierte als reiner E-Book-Autor ein spektakuläres Comeback mit über 250.000 verkauften E-Books (Stand: April 2011), der Großteil davon eigenen Angaben zufolge binnen weniger Monate.

Anders als in Amerika hat das E-Book in Deutschland - zur Erleichterung vieler - noch keinen durchschlagenden Erfolg. Einmal abgesehen davon, dass zumindest jene, die ohnehin tagtäglich im Büro auf einen Bildschirm starren, vielleicht nicht unbedingt auch in ihrer Freizeit noch am elektronischen Papier kleben wollen, sind E-Books auch mit weiteren Nachteilen verbunden. So schön die bei Amazon oder Smashwords zu sehenden Cover oft sind, das Buch selbst kommt jedenfalls bislang als schnödes Schwarz-Weiß-Dokument daher. Und Risse, Knicke, Weinflecke - sprich: Patina - oder überbordende Regale unterschiedlich großer, eigenwillig aneinandergereihter Bücher sind im Zeitalter des E-Books nur noch eine schöne Erinnerung.

Aber auch all diese nostalgische Überlegungen ändern leider nichts daran, dass verschiedene Werke - etwa bestimmte Kurzgeschichten - nur noch in E-Form bzw. bestenfalls im ausdruckbaren PDF-Format erhältlich sind. Hierzu zählt auch "Paris Is A Bitch", eine neuere Kurzgeschichte Barry Eislers, die zu einem weiteren Zusammentreffen John Rains und der israelischen Spionin Delilah führt, die in Der Verrat. Tokio Killer - Der dritte Auftrag ihren ersten Auftritt hatte. Zum Inhalt nur soviel: Rain und Delilah haben nichts weiter im Sinn als ein romantisches Abendessen in Paris, als der stets vorsichtige Profikiller außerhalb des Restaurants verdächtige Gestalten bemerkt, die es offenbar auf ihn und/oder seine Begleiterin abgesehen haben. Schon bald ist er sich sicher: Die Männer warten auf ihn und Delilah. Aber wieso? Ein Anschlag? Eine Entführung? Und wie nun weiter? Sie sitzen in der Falle...

Die Idee ist reizvoll, aber ihre Umsetzung hat mich unter dem Strich ein wenig enttäuscht. Denn ihr fehlt die Leichtigkeit, die Unbeschwertheit, die Eislers Bücher sonst gerade auszeichnet. Es ist ja gar nicht so einfach, einen Profikiller zu einer sympathischen Figur zu machen, dessen Unternehmungen der Leser letztlich sogar Erfolg wünscht. Eisler gelingt dies auf höchst beeindruckende Weise. Umso mehr fällt auf, wenn sich eine Geschichte dann relativ schwer daherschleppt und nach dem Lesen ein etwas bitterer Nachgeschmack bleibt.

Noch ein Wort zum Design und zum Umfang. Das Cover hat mich - anders als das zu Eislers Kurzgeschichte The Lost Coast -- A Larison Short Story - ebenfalls nicht ganz überzeugt. Die Farben zu düster und zu wenig aufeinander abgestimmt, die Schrift zu sperrig, zu viele verschiedene Schriftarten - irgendwie passt es nicht. Das E-Book selbst hat - als PDF-Dokument - dreißig Seiten, die meines Erachtens ebenfalls ein wenig zu lieblos gestaltet sind. Die Kurzgeschichte selbst umfasst etwa dreizehn Seiten, der Rest sind Buchtipps und - diese Idee fand ich sehr gelungen - persönliche Sicherheitshinweise von Barry Eisler, der früher immerhin für die CIA arbeitete.

Fazit: Barry Eisler unternimmt einen interessanten, wenngleich nicht ganz überzeugenden Ausflug in die Welt der ausschließlich elektronisch vertriebenen Kurzgeschichten.


Football Dynamo: Modern Russia and the People's Game
Football Dynamo: Modern Russia and the People's Game
von Marc Bennetts
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,50

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Informativ, aber leider ein wenig zu steril, 11. Oktober 2011
Spätestens mit dem spektakulären Wechsel Kevin Kurányis zu Dynamo Moskau im Sommer 2010 geriet die russische Premier League auch hierzulande etwas mehr in den Blickpunkt. Die Sowjetunion brachte zwar Ausnahmekönner wie Lew Jaschin und Oleg Blochin hervor, aber die Weltsportart Nummer eins hatte und hat es dennoch schwer im Riesenreich zwischen Wolga und Ural. Die sechzehn Vereine der Premier League können im Schnitt gerade einmal acht- bis zwanzigtausend Zuschauer begrüßen. Ähnlich wie die amerikanische Major League Soccer sieht sich auch die russische Premier League mit Herausforderungen wie extrem langen Reisen zu Auswärtsspielen in verschiedenen Klima- und bis zu acht Zeitzonen konfrontiert, erstreckt sie sich doch von Kaliningrad bis nach Chabarowsk. Genau wie in Amerika lief auch die Saison in Russland bislang von Frühjahr bis Herbst. Dies soll sich mit der Übergangssaison 2011/12 hin zu einem europäischen Modus indes ändern.

Erfreulicherweise kommt der ehemalige Schalker Nationalstürmer Kevin Kurányi in Moskau außerordentlich gut zurecht: 2010 wurde er bei Dynamo zum Spieler der Saison gewählt, und in der laufenden Serie - sein Team steht derzeit auf Platz drei - war er bereits an sechzehn Toren als Vollstrecker oder Vorbereiter beteiligt. Neben Kuranyi spielen übrigens auch andere Stars wie Samuel Eto'o, Welliton oder Emmanuel Emenike in der Russian Premier League. Ermöglicht wird dies durch die hinter den Vereinen stehenden Großkonzerne und Oligarchen. Kevin Kurányi soll in Moskau angeblich 5,7 Millionen Euro pro Jahr verdienen. Bereits etliche Jahre vor seiner Verpflichtung versuchte Dynamo, vor allem gestützt auf einen Sponsorenvertrag mit Xerox, den Erfolg zu kaufen: Für über 100 Millionen Dollar wurden neun portugiesische Topspieler, unter ihnen Maniche und Costinha, an die Moskwa geholt. Der vom mächtigen Konzern Gazprom unterstützte Klub Zenit Sankt Petersburg investierte 2006 über 50 Millionen Dollar in neue Spieler. Angesichts derartiger Zahlen gilt die Liga einigen inzwischen als das neue Eldorado. Grund genug, sich ein wenig intensiver mit dem russischen Fußball zu befassen.

Einen ersten Einstieg bietet hier der britische Journalist Marc Bennetts mit seinem 2008 erschienen Buch "Football Dynamo - Modern Russia And The Peoples Game", das die Entwicklung der Premier League nach dem Zerfall der Sowjetunion und die Rolle der russischen Nationalelf beleuchtet. Bennetts beginnt mit der Hauptstadt Moskau, in der unter anderem die Traditionsklubs Spartak, Dynamo, ZSKA, Lokomotive und Torpedo beheimatet sind. Dann zieht er weiter nach St. Petersburg und schließlich in die Provinz und berichtet gleichzeitig, wie sich der russische Fußballverband nach etlichen Misserfolgen im Sommer 2006 schweren Herzens zur Verpflichtung eines Ausländers - Guus Hiddink - durchrang und erste Anfangserfolge bei der Europameisterschaft 2008 feierte. Er spricht über Eintrittsgelder und die Eingewöhnungsschwierigkeiten ausländischer Spieler, lässt Fans zu Wort kommen und nimmt sich auch so brisanter Themen wie etwa dem "Match-fixing" an. Bis heute wird der russische Fußball immer wieder von tatsächlichen und vermeintlichen Bestechungsskandalen und Ergebnisabsprachen erschüttert. Allerdings widmet Bennetts dieser Problematik so viel Raum, dass man nahezu die Lust verliert, sich noch weiter mit der Liga zu beschäftigen.

Der Leser erhält durch das Buch nicht nur einen Überblick über den aktuellen Stand des Fußballs, sondern erfährt auch viel über die "russische Seele" und das Lebensgefühl der Menschen. Bennetts, der selbst mit einer Russin verheiratet ist und seit über zehn Jahren in Moskau lebt, schildert seine (oft schwierigen) Recherchen - Treffen mit Klubpräsidenten und Spielern, Besuche in gut bewachten Trainingskomplexen, die oft wiederholten und mitunter vergeblichen Interviewanfragen. Teilweise erhielt er von seinen Gesprächspartnern auch "wohlmeinende" Ratschläge wie jenen, sich doch lieber auf den Fußball an sich zu beschränken und die Skandale unbeachtet zu lassen. Seine stärksten Momente hat das Buch bei der Schilderung dieser und ähnlicher Situationen. Etwa, wenn der Leser erfährt, dass der neuverpflichtete Nationaltrainer Guus Hiddink an seinem ersten Arbeitstag im "Schlabberloook" und in Sandalen erschien - für viele ein Unding, denn, so Bennetts, "Russians are sticklers for dress codes". Oder bei der Schilderung, wie Präsident Putin das Team von ZSKA Moskau nach dem UEFA-Cup-Sieg 2005 in seiner Datscha empfing. Obgleich er sich bekanntlich bei jeder Gelegenheit als "sportlicher" Staatsmann geriert (gern mit freiem Oberkörper), ist Putin überraschenderweise kein Fußballfan. In seinen ersten Jahren als Präsident, so Bennetts, habe er zwar gelegentlich einige Spiele besucht, inzwischen aber längst darauf verzichtet, irgendein echtes Interesse an dem Sport zu heucheln. Als er die Kicker von ZSKA empfing, hielt er zunächst eine kurze Rede, um dann ein wenig mit einem ihm gereichten Ball herumzujonglieren. Obwohl er ihn nur einige wenige Male in der Luft halten konnte, applaudierten die Spieler höflich - und die Brasilianer im Team grinsten betreten, "als der Führer des größten Landes der Welt Fußballfertigkeiten zeigte, mit denen sich jedes fünfjährige Mädchen an den Stränden daheim blamieren würde".

Mein Problem mit derartigen Passagen ist: Es sind ihrer zu wenige. Über weite Strecken bleibt Bennetts' Buch zu distanziert, zu wenig atmosphärisch, zu "steril". Ich sehe die supermodernen Trainingszentren nicht, in denen die Spieler vor den Partien kaserniert werden. Ich sehe nicht, wie die Legionäre in Moskau oder in der Provinz leben. Stattdessen finden sich, mitunter ein wenig wahllos aneinander gereiht, kurze geschichtliche Abrisse, schematische Schilderungen von Spielen, etwas bemüht anmutende Verweise auf die russische Literatur und Ausflüge in die Politik, die häufig überhaupt keinen oder bestenfalls einen entfernten Bezug zum Sujet haben. So erfährt der Leser en passant, dass der frühere sowjetische Geheimdienstchef Berija auf Moskauer Straßen von seinen Schergen ihm gefallende Frauen aufsammeln ließ, die er später in seiner Wohnung vergewaltigte, und dass viele Jahre später bei der Renovierung seiner Residenz überall Skelette gefunden wurden. Der Leser wird auch darüber informiert, dass in der russischen Armee Rekrutenmisshandlungen gang und gäbe sind und in einem besonders schlimmen Fall Ende 2005 die Amputation beider Beine und der Genitalien eines Soldaten erfolgen musste. Das alles ist schlimm und grausam, hat aber in einem Buch über den russischen Fußball nichts zu suchen. Ohnehin gelingt dem Autor die notwendige Selbstbeschränkung nicht. Zu viel will er in die dreihundert Seiten hineinpacken, zu sehr will er dem Leser "sein" Russland zeigen, als dass wirkliche Dichte oder gar Spannung erzeugt werden könnten. Dennoch lohnt die Lektüre, weil es - leider - ein vergleichbares Konkurrenzwerk zum russischen Fußball nicht gibt.

Fazit: Eine interessante, wenngleich nicht vollumfänglich überzeugende Einsteigerlektüre.


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