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Rezensionen verfasst von
"clhuth"

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Chichester Psalms für Orgel
Chichester Psalms für Orgel
Preis: EUR 18,99

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Englische Chortradition trifft amerikanische Komponisten, 21. September 2003
Rezension bezieht sich auf: Chichester Psalms für Orgel (Audio CD)
Wer sich gerne auch einmal hörend in abgelegeneres Repertoire begibt, wird an dieser CD große Freude haben.
Bernsteins "Chichester Psalms" mögen noch eine gewissen Bekanntheit haben, aber doch eher in der Fassung mit Orchester als in der hier eingespielten Erstfassung für Knabensopran, Chor, Orgel, Harfe und Percussion. Die auf den ersten Blick eigentümlich anmutende Instrumentalbesetzung ermöglicht eine Menge ausgeklügelter Klang-und Kontrastmöglichkeiten, die vor allem im 2. Satz ausgenutzt werden. Matthew Best leitet seinen Chor, die Corydon Singers in einer Aufführung, der vielleicht der Überschwang von Bernsteins eigenen Aufnahmen (allerdings nur mit Orchester) etwas abgeht, die aber das Stück sehr gut trifft. Vor allem die weitgeschwungenen Linien im Schlusssatz profitieren von der eher nüchternen, kontemplativen Herangehensweise des Dirigenten. Auch der zweite Satz, der mit Knabensopran, Damenchor und Harfe anhebt, erscheint nie kitschig, sondern auf eine sympathische Art tief empfunden.
Das folgende Stück - Barbers "Agnus Dei" für Chor a cappella - dürfte manchen Hörer erstaunt zum Beiheft greifen lassen: Und in der Tat, es handelt sich hier um eine Bearbeitung des ausgesprochen populären "Adagio for strings". Und in dieser Form kann man das Stück auch dann ganz neu hören, wenn man der Streicherfassung schon überflüssig ist....
Höhepunkt der CD - und alleine schon den Kauf der CD wert! - sind aber die hier eingespielten Chorwerke von Aaron Copland, einem Komponisten, den man landläufig eher mit seinen "folkloristischen" Balletten wie "Billy the Kid" oder "Appalachian Spring" in Verbindung bringt - weniger mit geistlicher Chormusik. Zu Studienzeiten bei Nadia Boulanger in Paris schrieb er Vier Motetten für Chor, von denen hier leider nur drei eingespielt sind (warum die vierte fehlt, bleibt unergründlich) - Stücke, in denen man zwar noch deutlich merkt, dass hier ein junger Komponist seinen eigenen Stil sucht (das "Sing ye praises" wirkt doch noch etwas hölzern), die aber durchaus von viel Talent zeugen - insbesondere das intensive "Have merci on us".
Jahre später, 1947, schrieb Copland ein etwa viertelstündiges Chorstück über den Schöpfungsbericht des Buches Genesis - "In the beginning". Wirkt es auf den ersten Moment sperrig, ja ungewohnt unbequem, wenn man eben Coplands Ballette kennt, so erschliesst sich mit der Zeit diese wunderbare, konzise, am Text orientierte Musik immer mehr. Auf Mezzosopran und den unbegleiteten Chor werden die Worte des Schöpfungsbericht aufgeteilt, häufig arbeitet Copland mit rhythmischen "Patterns", die immer wiederkehren. Best und seinen Corydon Singers (mit Mezzosopranistin Catherine Denley) gelingt eine Aufführung, die dem Stück mit all seinen Schwierigkeiten zu aller Ehre gereicht. Es lohnt sich doch, bisweilen über den Tellerrand des Altbekannten zu schauen!


Charpentier / Te Deum / Messe
Charpentier / Te Deum / Messe
Preis: EUR 14,99

12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alle Jahre wieder...., 30. November 2002
Rezension bezieht sich auf: Charpentier / Te Deum / Messe (Audio CD)
Alle Jahre wieder steht plötzlich Weihnachten vor unserer Tür, und es erschallt allenthalben "Jauchzet, frohlocket!". Muss es immer Bach sein? Warum nicht einmal nach Frankreich schauen und sich bei - ja - Charpentier umschauen. Hier liegt eine "Messe de minuit" vor, eine Mitternachtsmesse also, die Charpentier Satz für Satz auf alten französischen Weihnachtsliedern aufgebaut hat. Besetzt mit zwei Flöten, Streichern und Continuo-Orgel (der bisweilen auch solistische Ritornelle zufallen) samt vierstimmigem Chor und Soli kommt in den knapp 25 Minuten Dauer auch hinreichend pastorale Stimmung auf, die man mit Weihnachten wohl auch assoziieren mag.
Eingeleitet wird dieses weihnachtliche (aber auch sonst sehr gut goutierbare) Kleinod von einem Streichersatz auch Charpentiers Weihnachtsgeschichte. Er ist "Nuit" - Nacht - betitelt und kommt fast nur mit Harmonien und einem ganz sanft wiegenden Grundrhythmus aus - eine herrliche fünfminütige Meditation, die weit über ihre Entstehungszeit hinausweist.
Und schliesslich braucht es doch auch festliche Klänge, "tönet ihr Pauken, erschallet, Trompeten!". Bitte sehr: Als erstes Stück enthält die CD Charpentiers prächtiges "Te Deum", von dem die meisten den Anfang als Eurovisionshymne kennen dürften und dessen Rest viel zu unbekannt ist. Hier greift Charpentier in die Vollen der damaligen Möglichkeiten, fährt prachtvolle Trompeten auf, einen klanggewaltigen Chor und (in dieser Aufnahme) gleich sechs Solisten. Damit es nicht ganz unfestlich wird, sozusagen.
Es dürfte in der jüngeren Generation kaum einen Dirigenten geben, der es so glänzend versteht, diese Musik zu prallem Leben zu erwecken wie Marc Minkowski. Er dirigiert ein vor Leben berstendes "Te Deum", dessen schier rhythmische Energie beinahe zum Mittanzen einlädt, und eine herrlich unbeschwert-fröhliche "Messe de minuit", in der er bei aller Geschwindigkeit doch immer Zeit zum Atmen findet (man höre nur einmal das wunderbar phrasierte Kyrie). Schade, dass diese CD schon nach 48 Minuten ein Ende findet - da hätte man sicher noch etwas draufpacken können, um die Spielzeit auch auszunutzen.


Orchesterwerke Vol. 1
Orchesterwerke Vol. 1
Wird angeboten von ReNew Entertainment
Preis: EUR 7,92

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unbekannter Barber, 29. November 2002
Rezension bezieht sich auf: Orchesterwerke Vol. 1 (Audio CD)
Hierzulande ist eigentlich nur ein Werk des Amerikaners Samuel Barber (1910-1981) wirklich bekannt: Das Adagio für Streicher dudelt dafür so oft über alle Klassikkanäle, dass man es bisweilen nicht mehr hören mag. Barber kann allerdings herzlich wenig dafür - und hat auch anderes geschaffen, wie diese CD vorzüglich demonstriert. Sie ist die erste Tranche einer anscheinend auf 3 oder 4 CDs angelegten Einspielung der gesamten Orchesterwerke (da wird früher oder später das Adagio auch nicht fehlen....) der Firma Naxos - es ist ein Höhepunkt des jüngeren Katalogs dieser Firma geworden.
Die amerikanische Dirigentin (!) Marin Alsop hat sich mit dem Royal Scottish National Orchestra vor allem Barbers zwei Sinfonien angenommen - von denen mich die zweite, die Barber selbst lieber vernichtet hätte (es wäre ihm fast gelungen), eher anspricht. Es ist ein Werk, dass deutliche Züge von Barbers Kriegserfahrung trägt, kraftvoll instrumentiert und doch auch mit wehmütig-lyrischen Passagen ausgestattet (der Mittelsatz kann zu Tränen rühren). Es ist sicher auch eins der modernsten Werke Barbers, der Zeit seines Lebens der Tonalität treu blieb, aber nicht in einem diffusen Spätromantikverständnis komponierte. Bisweilen erinnert die Musik an Sibelius, und an ihren stärksten Stellen an Schostakowitsch - ohne dass sie ganz die Qualität des Russen erreichen würde. Dennoch, gerade zwischen den bisweilen verzweifelten Versuchen der Repertoireerweiterung ist diese Musik das Anhören wert.
Das Orchester agiert unter Alsop auf höchstem Niveau, allein an der ein oder anderen Stelle hätte man sich mehr Biss gewünscht, mehr Sarkasmus auch - was aber auch in Hinblick auf das Preis-Leistungs-Verhältnis nur ein kleiner Einwand ist, der den grandiosen Gesamteindruck nicht schmälern kann. Besonders gelungen ist der Beginn des "First Essay für Orchestra" mit seinem fast bardenhaft erzählenden Tonfall. Aufnahmetechnisch dürfte diese CD höchsten Ansprüchen ebenfalls genügen, bisweilen erscheint mir das Klangbild allerdings fast zu direkt. Die Aufnahme lässt für die folgenden der Reihe allerdings hervorragendes hoffen - und den Namen der Dirigentin sollte man sich sicher merken!


On the Town
On the Town
Wird angeboten von jazzfred1975
Preis: EUR 10,50

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mein Klassiker, 12. November 2002
Rezension bezieht sich auf: On the Town (Audio CD)
Nanu? Ein Klassiker? Ein Musical? Von Bernstein? Von 1944? Blasphemie! Geht das zusammen?
Es geht - danke dieser Aufnahme. Bernsteins Musical, dessen Textbuch Betty Comden und Adolphe Green nach dem Ballett "Fany Free" schrieben, das Bernstein kurz zuvor mit Jerome Robbins verwirklicht hatte, wurde im Juni 1992 in der Londoner Barbican Hall anlässlich einiger halbszenischer Aufführungen mitgeschnitten. Um was geht es? Vor allem um die Stadt des Titels, um New York: Drei - höchst unterschiedliche - Marinesoldaten stürzen sich anlässlich eines 24-stündigen Landgangs ins pralle Leben der Metropole. Ihnen begegnen eine wildgewordene Taxifahrerin, eine schrille Gesangslehrerin mit ihrer Schülerin, eine hyperromantische Anthropologin, der Nachtclubstar Diana Dream, ein marktschreierischer Inder und jede Menge anderer skuriler Gestalten. Zugegeben, das ist kein Textbuch mit Anspruch - ausser dem Anspruch, gut zu unterhalten. Und das tut es, gibt es doch nicht nur Gelegenheit zu fulminanten Tanzeinlagen ("That Prokoffief stuff" soll der Regisseur der Uraufführung in Anbetracht der Tanznummern ausgerufen haben), sondern auch für jede Menge Gesangsnummern zwischen Broadway-Kitsch und Anspruch. Bernstein ganz in seinem Element - wenn er etwa eine Taxifahrt höchst drastisch beschreibt, wunderbar die Melodie in "I'm so lucky to be me" fliessen lässt, die Gesanglehrerin Madame Dilly und ihre Schülerinnen einmal quer durch die Music-Hall schickt, Gershwins Porgy and Bess parodiert, einen bittersüssen, aber lakonisch-unkitschigen Ton für das Ensemble "Some other time" findet usw....
Und was für eine Aufführung. Hier gelingt das, was Bernstein selbst in seiner West-Side-Story-Aufnahme für das selbe Label einfach nicht gelingen wollte: Die Besetzung aus Musicaldarstellern und gestandenen Opernsolisten zu mischen, ohne dass er Brüche gäbe oder letztere das Idiom, dass diese Musik so dringend braucht, nicht fänden. Allen voran Thomas Hampson, der die Party das Gabey nachgerade rührend ausfüllt. Samuel Ramey, der sich nicht zu schade ist, hier drei sehr kleine Rollen zum Leben zu erwecken (First Workman, Pitkin, Announcer). Frederica van Stade, Mary McLaughlin, David Garrison, alle ganz wunderbar in ihren Rollen. Daneben Tyne Daly als Taxifahrerin Hildy (mit einem ungeheuren und köstlich zweideutig-eindeutigen "Oh I can cook too"), Cleo Laine, Kurt Ollmann.
Und schliesslich das London Symphony Orchestra unter seinem damaligen Chef Michael Tilson Thomas. Man schaut beim ersten mal ungläubig auf den Besetzungszettel - denn die Orchesterprofis klingen hier so, als hätten sie ihr Leben lang Jazz gespielt. Eine riesige Big-Band. Unglaublich genial und alleine schon die Aufnahme wert.
Höhepunkt der Aufnahme ist für mich aber der Song "Ain't got no tears left" geworden, den Michael Tilson Thomas für diese Aufnahme in ein Trioarrangement gebracht hat, für dass er sich selbst ans Klavier setzt (dessen prominenter Part sonst höchst zuverlässig von Michael Barret gespielt wird), und den Cleo Laine sehr ausdrucksstark singt. Man kann sich dem kaum entziehen.
Schliesslich ist diese Aufnahme auch eine Verbeugung vor und Erinnerung an den kürzlich verstorbenen Autor und Broadwaydarsteller Adolphe Green - der hier in der kleinen, aber effektvollen Rolle als Rajah Bimmy zu hören ist.
Wie schliesst der Chor (die London Voices unter Terry Edwards) in der bisher stets gestrichenen Pausennummer "The intermission's great" diese Aufnahme: "What do you think of the show? - We snoozed! - Enthused! - Confused!" Was auch immer man nach dem Anhören dieser Aufnahme sein mag - sie ist ein Klassiker.


Gielen-Edition (Schönberg/Berg/Webern/Steuermann/Gielen)
Gielen-Edition (Schönberg/Berg/Webern/Steuermann/Gielen)
Preis: EUR 17,07

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hörtheater, 28. Oktober 2002
Aus Anlass des 75. Geburtstags von Michael Gielen haben hännsler-classic und der SWR in ihrer gemeinsamen Reihe "Faszination Musik" eine fünf CDs umfassende Box mit Aufnahmen des Dirigenten mit dem SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg vorgelegt, die mit dieser CD beschlossen wird. Enthalten sind zunächst Werke der sog. "Zweiten Wiener Schule" - Schönbergs "Die glückliche Hand", Bergs Konzertarie "Der Wein" und Weberns Orchesterstücke op.10 und die erste Kantate op.29. Schliesslich findet sich ein Orchesterwerk von Gielens Onkel Eduard Steuermann und ein Werk des Dirigenten selbst.
Schönbergs "Glückliche Hand", ein Stück, dass nur sehr schwer szenisch darzustellen ist, gerät als Auftakt zu einem fulminanten Hörabenteuer. Das vorbildliche Orchester, der geradezu ungeheure Berliner Rundfunkchor und der Bariton-Solist John Bröcheler machen Schönbergs bisweilen synaesthetische Musik (der zentrale Orchesterteil trägt die Überschrift "Lichtsturm") zu wundervoll durchhörbaren, spannend inszenierten 20 Minuten, die die Bühne nicht vermissen lassen. Durchhörbarkeit zeichnet auch die Interpretation von Bergs "Der Wein" aus - aber Gielens Ansatz ist nie nur analytisch, sondern stellt die Spezifika des selten gehörten Stückes ganz uneitel in den Vordergrund und lässt das schwer zugängliche Stück ganz durch sich selbst wirken. Nicht zuletzt die phänomenale Melanie Diener, die den schweren Gesangspart übernommen hat, macht es zu einem Vergnügen, Bergs Konzertarie, die unter anderem mit einem veritablen Tango aufwartet, zu lauschen.
Weberns Orchesterstücke op.5 sind für eine sehr kleine Besetzung geschrieben. Aber bei aller Kürze (in dieser Interpretation dauert der längste Satz 1:45 min!) sind sie ungeheuer dicht und ausdrucksreich. Auch hier lässt Gielen vor allem das Werk wirken, was auch der wiederum selten zu hörenden ersten Kantate op.29 sehr gut kommt, in der neben Christiane Oelze auch der Anton-Webern-Chor Freiburg seine Stärken ausspielen kann. Erstaunlich, wie wortverständlich und präzise der Chor Weberns Vorgaben erfüllt. Auch wenn man sonst mit Webern wenig anfangen kann, sollte man diese beiden Interpretationen Gielens vielleicht einmal versuchen!
Steuermanns Orchestervariationen sind eine interessante Entdeckung, die stilistisch gut zu den vorhergehenden Stücken passt - man wünschte sich, dass Gielen vielleicht das ein oder andere Werk seines Onkels auch noch aufnimmt....Gielens eigener Beitrag - "Pflicht und Neigung" für Ensemble - rundet die CD ab, und auch wenn das Stück qualitativ vielleicht nicht ganz an die restliche Musik auf dieser CD heranreicht, macht es doch Spass zuzuhören.
Alles in allem sei diese CD wärmstens empfohlen, nicht zuletzt auch, wenn man mit modernerer Musik bisher eher wenig anfangen kann. Unvoreingenommen dem ein oder anderen Stück dieser Platte zu begegnen kann sicher Horizonte öffnen - Gielens Interpretationskunst sei dank!


Bach: Transcriptions
Bach: Transcriptions
Preis: EUR 3,99

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bach sinfonisch, 27. Oktober 2002
Rezension bezieht sich auf: Bach: Transcriptions (Audio CD)
Nein, diese Platte ist kein unbedingtes Must in einer Sammlung. Wenn man allerdings Bach einmal anders hören will, schadet es sicher auch nicht, sie im Regal stehen zu haben: Esa-Pekka Salonen und sein Los Angeles Philharmonic Orchestra haben sich fünf verschiedene Instrumentationen von Bach-Werken auf die Pulte gelegt und geben zum Abschluss noch Mahlers Bearbeitungen einiger Sätze aus den Orchestersuiten Nrs.2 und 3.
Diese letzte "Suite für Orgel, Cembalo und Orchester" ist auch das Stück, dass den Repertoirewert der Platte hebt: Meines Wissens ist es sonst nicht eingespielt. Mahler erarbeitete diese Fassung als Chefdirigent des New York Philharmonic, und spielte bei der ersten Aufführung auch den Cembalopart selbst (ganz im Stile der Alten, wie er selber in einem Brief meinte). Ein Dokument der Bach-Rezeption ist das, dass Originalklangpuristen sicher die Tränen in die Augen treiben kann, denn da wird mit Vibrato, Pizzikato und einer eher grossen Besetzung Bachs Original gegeben, dazu werden noch Sätze aus zwei verschiedenen Bach-Suiten zu einer neuen Suite gefügt - man kann sich heute kaum mehr vorstellen, dass diese Bearbeitung ein Meilenstein war und es dem Publikum überhaupt weitgehend erst ermöglichte, diese Musik einmal im Konzertsaal zu hören.
Die fünf anderen Orchestrationen sind sehr unterschiedlich, das Spektrum reicht von Weberns zarter Bearbeitung des Riccercare Nr.2 aus dem Musikalischen Opfer über Schönbergs deutlich an der Orgel orientierter Fassung von BWV 552 hin zu Bearbeitungen von Stokowski (natürlich die berühmte Toccata und Fuge in d-moll, aber auch die "kleine" Fuge BWV 578) und der wahrhaft monströs-scheusslichen "Pomp-and-Circumstance"-Version von BWV 537, in der Edward Elgar allerlei Schlagwerk auffährt, um Bach (in der Fuge) gleichsam für die Imperialmacht Englands marschieren zu lassen (immerhin kann man bisweilen darüber schmunzeln)....
Die Interpretationen sind gut gelungen, allein bei den beiden Bearbeitungen von Schönberg und Webern bleiben Salonen und die seinen hinter Konkurrenzaufnahmen zurück: Die Webern-Bearbeitung ist Boulez und den Berliner Philharmonikern ungleich stringenter gelungen (Salonen setzt eher auf das impressionistische), und die Schönberg-Fassung hat Gielen mit dem SWF-Sinfonieorchester detail- und farbenfreudiger eingespielt (Salonen bleibt auch in der Rhythmik hier erstaunlich ungenau).
Wirklich kein Schaden, wenn man diese Aufnahme besitzt....
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 25, 2014 11:32 PM MEST


Violinkonzert Op. 61 u.a.
Violinkonzert Op. 61 u.a.
Wird angeboten von ReNew Entertainment
Preis: EUR 22,22

22 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beethovens Geist, 10. Oktober 2002
Rezension bezieht sich auf: Violinkonzert Op. 61 u.a. (Audio CD)
Diese vorliegende Aufnahme ist sicher einer der bewegendsten Aufnahmen des Beethovenschen Violinkonzerts. Und zugleich dürfte es eine Aufnahme sein, die zu Kontroversen hinreisst: Denn Gidon Kremer bezieht sich in den Kadenzen des ersten und dritten Satzes auf Beethovens Kadenzen für die Klavierfassung des Violinkonzerts. Soweit, so gut, das hat Schneiderhahn auch gemacht, aber Kremer geht weiter: Bei ihm spielt in den Kadenzen gleich auch noch ein Klavier mit - auf der Aufnahme bedient von Vadim Sacharov. Das erst ermöglicht es, die vollständige Beethoven-Kadenz zu spielen, die so fast fünf Minuten dauert. Das mag manchen beim ersten Hören erschrecken, ja, man mag einwenden, dass es deplaziert wirkt, wenn zur Kadenz plötzlich das Klavier einsetzt. Ich halte die Idee für durchaus gut und ein gelungenes Experiment - fast wirkt es so, als würde sozusagen Beethovens Geist mit dem Violinsolisten dialogisieren (in Aufführungen ist das Klavier hinter der Bühne platziert), und es entstehen in den Kadenzen ganz erstaunliche Wirkungen durch das Zusammenspiel von Violine, Klavier und Pauke.
Diese eröffnet ja bekanntlich auch auf höchst unkonventionelle Weise das Konzert, und was dann folgt, ist ein Musterbild an Orchestereinleitung. Das Chamber Orchestra of Europe übertrifft sich hier geradezu selbst und legt den Grundschein für eine Interpretation, die sich durch enorme Klarheit, Sinn für die Dramatik des Stückes (vor allem im ersten Satz, der für meine Begriffe oft etwas zu lyrisch angegangen wird) und Klangfarbenreichtum. Vor allem im zweiten Satz sind die Klangwirkungen erstaunlich.
Kremers Geigenton ist mit seiner charakteristischen Schärfe und Rauheit wohl auch nicht unbedingt jedermanns Sache, aber zu dieser Interpretation, die das Konzert ganz ernst nimmt und nicht verklärt, passt er ausgezeichnet. Wie Kremer und Harnoncourt sich die Bälle zuspielen, im letzten Satz Scherze machen, das zeugt von grosser Einigkeit der Interpreten. Und was kann man sich für die Interpretation dieses Violinkonzertes eigentlich mehr wünschen??


Sinfonia,Eindrücke
Sinfonia,Eindrücke
Preis: EUR 3,99

13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Thank you, Mister Boulez, 16. September 2002
Rezension bezieht sich auf: Sinfonia,Eindrücke (Audio CD)
Dass ein zentrales Stück der Musik des letzten - des 20. - Jahrhunderts wie Berios "Sinfonia" im Niedrigpreissegment zugänglich gemacht wird, ist unbedingt zu begrüssen. Umso mehr, wenn es sich um eine so hervorragende Aufnahme handelt wie die hier vorliegende mit den Swingle Singers und dem Orchestre National de France unter Pierre Boulez.
Das Werk verlangt einen grossen orchestralen und elektronischen Aufwand, letzteren vor allem zur Verstärkung der Gesangsstimmen. Nur zwei der fünf Sätze tragen neben der Satznummer überhaupt eine Bezeichnung: Der zweite in Erinnerung an Martin Luther King "O King" und der dritte, "in ruhig fliessender Bewegung". Das ist die Tempobezeichnung des dritten Satzes von Gustav Mahlers zweiter Sinfonie - und den hat Berio als "Untergrund" für diesen Satz seiner "Sinfonia" gewählt. Wie ein Fluss, der durch eine Landschaft fliesse, dann und wann verschwinde und hinter dem nächsten Hügel wieder auftauche, so der Komponist, habe er den Mahlerschen Sinfoniesatz genommen. Dazu kommt vor allem ein Text von Beckett und eine reiche musikalische Bezugswelt, von Bach bis Schönberg, Stravinsky, Mahler (auch die 4. Sinfonie klingt an), Ravel und vielen anderen. Das lässt sich ungemein spannend hören, auch wenn man sonst "neuer" Musik unbedarft gegenübersteht. Urkomisch etwa, wie sich der Sänger, der den ganzen Satz über mit dem Beckett-Text beschäftigt ist, am Ende bei dem Dirigenten der Aufführung bedankt (dafür, dass er ihn hat reden lassen).
Pierre Boulez manövriert das grosse Ensemble mit den herausragenden Swingle-Singers sicher, gespannt und aufmerksam durch das komlizierte Geflecht von Berios - übrigens Leonard Bernstein gewidmeter - Partitur, einer "Sinfonia" weniger im Sinne der klassischen Sinfonieform als im ursprünglichen Sinne von "zusammen klingen". Das zugegebene Orchesterstück "Eindrücke" ist ein sehr dichtes, aber auch etwas monotones Orchesterstück, dass bei aller Könnerschaft in Bezug auf die Orchesterbehandlung nicht so überzeugend geraten ist wie die "Sinfonia", aber auch nicht so wenig gelungen ist, dass das Anhören nicht lohnt. Eine rundum empfehlenswerte Aufnahme, auch und gerade, wenn man sich einmal intensiver mit einem grossen neueren Werk auseinandersetzen will.


Konzertstück, Overtures
Konzertstück, Overtures

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Berg- und Talbahn, 16. September 2002
Rezension bezieht sich auf: Konzertstück, Overtures (Audio CD)
Man weiss gar nicht so recht, was man zu dieser Einspielung sagen soll. Sie beginnt jedenfalls fulminant: Pletnev und sein im Ganzen hervorragendes Russian National Orchestra stürzen sich mit Verve und Einfühlungsvermögen in das (von Weber selbst mit programmatischem Hintergrund versehene) Konzertstück f-moll. Hier kann Pletnev als Pianist mit virtuosen Kunststückchen auftrumpfen (Weber schrieb das Stück denn auch zum Eigengebrauch), und das Orchester kann seine Qualitäten zur Schau stellen: Eine einheitliche Streichergruppe und vor allem die wunderbaren Holzbläser (Beginn des "Tempo di Marcia!"). Da sollte nichts mehr schiefgehen - denkt man.
Aber wie man sich dann schon auf der sicheren Seite wähnt, beginnt die Freischütz-Ouvertüre: Zunächst noch sehr eindrucksvoll die Einleitung, aber schon die Hörner haben Probleme, ihr Thema in einem so langsamen Tempo zu retten, wie es Pletnev vorgibt. Leider geht es so weiter - bei aller Achtung vor der Leistung des Orchesters, die gesamte Tempowahl ist zu langsam, und dadurch zerfällt das ganze Stück. Die Sturmmusik (die immerhin die Wolfsschlucht antizipiert) ist ebenso undramatisch wie die Vorschau auf Max' Verzweiflung verzweifelt wäre, der Schlussjubel klingt eher nach Bauerntrampel als nach Erlösung, kurzum: Vertan. Der Hörer ist wieder auf dem Boden der Tatsachen.
Dann funktioniert aber die folgende "Abu Hassan"-Ouvertüre mit ihrer Janitscharenmusik und der eigenwilligen harmonischen Disposition wieder gut, und hier wie im Schluss der folgenden Ouvertüre zu "Oberon" stimmen auch die Tempi. "Es geht doch!" sagt man sich und freut sich, dass spätestens mit Oberon die Welt wieder in Ordnung ist und der Dirigent nicht weiter gegen Stück und Orchester arbeitet.
Auch "Der Beherrscher der Geister" gelingt, hier besonders fallen die Holzbläser wieder auf - und dann: Aufforderung zum Tanz. Denkt man. Gut, die Einleitung gelingt bezaubernd, aber dann, als die Partner zusammentreten und der Tanz - von Hector Berlioz instrumentiert - beginnen soll, greift die lähmende Stimmung um sich, die schon die "Freischütz"-Ouvertüre verhindert hatte. Der Schwung wird gebremst, zwar sind die Klangfarben inklusive Harfen delikat abgeschmeckt, doch französischer Esprit, wie er aus Berlioz' Fassung eigentlich sprüht, fehlt völlig. Wieder ein Tiefpunkt.
"Die drei Pintos" - hörbar nicht von Weber selbst, sondern von Gustav Mahler instrumentiert - gerät dann wieder besser, und die abschliessende "Euryanthe"-Ouvertüre hat wieder die Qualität der Interpretation, die man in "Aufforderung zum Tanz" schmerzlich vermisste.
So beginnt und endet die CD mit Höhepunkten - dazwischen aber findet eine interpretatorische Berg- und Talbahnfahrt statt, die im Endeffekt verhindert, dass man für diese CD eine klare Empfehlung aussprechen könnte. Schade drum.


Mozart - Requiem, KV 626 · Ave verum corpus, KV 618
Mozart - Requiem, KV 626 · Ave verum corpus, KV 618
Preis: EUR 8,97

21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nicht nur ein Weg, 11. September 2002
Christies Auseinandersetzung mit Mozarts Requiem ist hierzulande zu unrecht kaum beachtet worden. Woran das liegen mag, kann man sich beim Anhören der Aufnahme kaum vorstellen. Da agiert ein hervorragendes Orchester, ein in allen Stimmen ausgewogener Chor (Herreweghes Konkurrenzaufnahme leidet daran, dass die Chortenöre zu schwach sind) und ein wunderbares Solistenensemble mit durchaus sehr charakteristischen Beiträgen (v.a. Pregardien und Stutzmann).
Vielleicht liegt es ja daran, dass Christie, obwohl er auf historischen Instrumenten musizieren lässt, nichts "schockierend Neues" bietet. Seine Aufnahme folgt Süßmayrs Fassung (im Beiheft wird sie von Christoph Wolff eindrucksvoll verteidigt), die Tempi neigen nicht zum extrem und sind im Vergleich sogar eher langsam und innig, Chro und Orchester sind weder besonders klein noch besonders gross besetzt. Für mich ist diese relative Zurückhaltung eigentlich die Stärke dieser Aufnahme. Hier wird Mozarts Requiem ganz in den Mittelpunkt gerückt, die Interpreten treten alle dahinter zurück und lassen das Stück dennoch zu seinem Recht kommen.
Als Zugabe gibt es das bekannte "Ave verum corpus", in einer erstaunlich romantischen Auffassung, die möglicherweise manchen Anhänger historischer Aufführungspraxis erschrecken lässt. Aber Christie zeigt, dass es bei aller historischen Korrektheit nicht nur einen wahren Weg gibt, Mozart aufzuführen. Und irgendwie bin ich ihm dankbar dafür.


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