Hier klicken Sale Salew Salem Hier klicken Jetzt informieren studentsignup Cloud Drive Photos Learn More TDZ Matratzen Hier klicken Mehr dazu Mehr dazu Shop Kindle AmazonMusicUnlimitedFamily AmazonMusicUnlimited longss17
Profil für Die Bücherdiebin > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Die Bücherdiebin
Top-Rezensenten Rang: 676.901
Hilfreiche Bewertungen: 107

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Die Bücherdiebin

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3
pixel
Winterkind: Roman
Winterkind: Roman
von Lilach Mer
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,95

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Winterkind" von Lilach Mer, 11. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Winterkind: Roman (Taschenbuch)
"Winterkind" ist die Fortsetzung des berühmten "Schneewittchen"-Märchens der Gebrüder Grimm: Schneewittchen, in diesem Fall Blanka von Rapp, hat ihren Prinzen geheiratet und inzwischen eine eigene Tochter bekommen. Aus ihrem "Und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage" ist bisher jedoch nichts geworden, da der Schatten ihrer grausamen Mutter noch immer über ihr zu liegen scheint. Den Roman nun als reine Märchenadaption zu bezeichnen, würde ihm allerdings nicht gerecht werden. Vielmehr handelt es sich um eine historisch äußerst präzisise und stimmig recherchierte Geschichte mit dem einen oder anderen märchenhaften Einfluss - in meinen Augen eine perfekte Mischung!

Das Geschehen wird abwechselnd aus der Sicht von Blanka von Rapp sowie von Sophie, der Gouvernante von Blankas Tochter, erzählt. Beide Charaktere sind mit viel Leben gefüllt: Sophie kommt äußerst sympathisch herüber und bietet in ihrer nüchternen und intelligenten Art viel Identifikationspotential für den Leser. Blanka dagegegen erscheint als ängstliche und gebrochene Frau, der man von Herzen ihr Happy End wünschen würde. Wenn sie sich mit ihrem "Haltung, Blanka" immer wieder selbst ermahnt und von den gesellschaftlichen Konventionen unter Druck setzen lässt, bekommt man eine Ahnung davon, wie hart das Leben auch für Frauen ihres Standes zu der damaligen Zeit gewesen sein mag.
An jedem Kapitelende wechselt die Perspektive des Romans außerdem kurz in die Kindheit von Blanka von Rapp und hier erkennt man das zugrundeliegende Märchen eindeutig wieder: Geschildert wird Blankas Leben von der Geburt an, wie sich die Eifersucht der Mutter immer weiter auf ihr Leben auswirkt und welche Rolle der geheimnisvolle Spiegel für die Mutter spielt. Die sieben Zwerge sucht man hier allerdings vergeblich, stattdessen wird das Märchen in einen wesentlich realistischeren Kontext gebracht - so wie die Autorin "Schneewittchen" neu erzählt, hätte es tatsächlich stattfinden können.
Zum Ende des Romans vermischen sich die einzelnen Ebenen immer weiter mit den märchenhaften Elementen und es wird sehr spannend und dramatisch. Ich habe regelrecht mit Blanka mitgefiebert, ob sie dem Schrecken ihrer Vergangenheit endlich entfliehen kann!

Das alltägliche Leben der Menschen im ausgehenden 19. Jahrhundert wird sehr gut herübergebracht: Da sind zunächst die gut betuchten Leute wie Blanka von Rapp, ihr Mann und die heranwachsende Tochter, die mit viel Personal auf ihrem eigenen Grundstück leben und denen es - eigentlich - gut gehen sollte. Aber auch das Leben der Arbeiter, die verpassten Chancen der Mägde oder das Schicksal der Gouvernante, die - in einer anderen Zeit geboren - sicherlich zu Höherem bestimmt gewesen wäre, werden aufgegriffen. Sehr gut hat Lilach Mer außerdem verdeutlicht, wie beschwerlich das Leben früher gerade im Winter war, wenn dringend Vorräte benötigt wurden, Ärzte mit Schneemassen zu kämpfen hatten (und daher nicht zu ihren Patienten kommen konnten), und das Geld langsam knapp wurde, weil jegliche Arbeit brachliegen musste.

Der Schreibstil von Lilach Mer ist wieder sehr detailverliebt und bildhaft gestaltet, ohne jedoch ins Kitschige abzudriften. War mir die Sprache bei ihrem Erstlingswerk Der siebte Schwan an manchen Stellen noch zu blumig, so dass ich mich zu sehr in ihr verloren habe und manchmal nicht auf die Geschichte konzentrieren konnte, so hält sich "Winterkind" zurück mit allzu ausschmückenden Beschreibungen. Die Atmosphäre wurde sprachlich sehr gut eingefangen und ich fühlte mich stimmig zurückversetzt in das Jahr 1880.
Sehr spannend empfand ich außerdem, wie Lilach Mer die märchenhaften Elemente immer mal wieder durch die Geschichte durchschimmern lässt - gerade das Geheimnis des unheimlichen Spiegels hat mich sehr fasziniert. Da es am Ende für alles auch eine logische Erklärung zu geben scheint, bleibt es aber jedem Leser selbst überlassen, wie man manche der phantastischen Elemente schlussendlich deuten mag.

Mein Fazit:

Auch das zweite Werk von Lilach Mer hat mich wieder auf ganzer Linie überzeugt! Atmosphärisch sehr dicht spielt sie mit dem bekannten "Schneewittchen"-Mythos und denkt das Märchen konsequent weiter. Wunderbar gefallen haben mir die realistischen Charaktere sowie der Ausflug in die Zeit des 19. Jahrhunderts. Ich freue mich schon auf das nächste Buch von Frau Mer!


Linna singt
Linna singt
von Bettina Belitz
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Linna singt" von Bettina Belitz, 23. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Linna singt (Gebundene Ausgabe)
Bettina Belitz ist spätestens seit ihrer "Splitterherz"-Trilogie bekannt für ihren wunderbaren Schreibstil, der einen sofort gefangen nimmt und es schafft, den Leser an andere Orte zu entführen und ihm die Gefühlslage der Charaktere am eigenen Leib spüren zu lassen. Auch "Linna singt" ist wieder so realistisch geschrieben, dass ich direkt in eine andere Welt abtauchen konnte: An den heißesten Tagen des Jahres las ich von einer eingeschneiten Berghütte, von ausgefallenen Heizungen und der Kälte und Nässe, die den Protagonisten bald durch Mark und Bein geht - und auch mir Zuhause kam eine Gänsehaut!

Linna macht es dem Leser wieder nicht einfach, sie gern zu haben - und erinnert damit sicherlich viele Leser noch an Ellie aus "Splitterherz". Sie reagiert abweisend auf Menschen, die es eigentlich gut mit ihr meinen, und verletzt damit unweigerlich und permanent jeden, der ihr zu nahe kommt. Ihre direkte Art machte sie zwar schon sympathisch, doch manchmal reagierte sie auch so sprunghaft, dass ich sie nie ganz einzuschätzen vermochte.
Auch die anderen Charaktere sind nicht gerade einfach gestrickt. Hier hat ein jeder sein Päckchen zu tragen, schleppt Enttäuschungen mit sich herum und Geheimnisse, die besser nie ans Licht kommen sollten. Für den Leser ist es nun sehr spannend mitzuerleben, wie diese unterschiedlichen, vom Leben gezeichneten Charaktere auf kleinstem Raume miteinander agieren. Dass dabei bald ordentlich die Fetzen fliegen, liegt auf der Hand!

Psychologisch ist der Roman wirklich perfekt herausgearbeitet: Zwischendurch wusste ich oft nicht mehr, wem ich überhaupt noch vertrauen konnte. Auch wie ich die Gedanken der Ich-Erzählerin Linna einschätzen sollte, war mir nicht immer klar - was ich als besonders verwirrend, aber auch intensiv empfunden habe: Wenn man so sehr in die Gefühlswelt einer Person abtauchen, ihr aber doch nicht hundertprozentig vertrauen kann, fängt man an, sich als Leser selbst zu hinterfragen und jede noch so kleine Andeutung sehr genau zu analysieren. Richtig schlau geworden bin ich aus Linna und ihren alten Bandkollegen trotzdem lange Zeit nicht - doch ihre Geheimnisse langsam zu entlarven erhöhte für mich den Reiz an der Geschichte nur umso mehr!

Die Psychospielchen der einzelnen Personen gingen mir sehr nahe. Manchmal schwirrte mir wirklich der Kopf, so grausam gingen die Protagonisten teils miteinander um. Und so kam es auch, dass ich das Buch mehrmals etwas zur Seite legen musste, um ein bisschen "Luft zu schnappen" und wieder einen klaren Gedanken fassen zu können. "Linna singt" ist sicherlich kein Buch, was man mal eben nebenbei lesen kann, sondern verlangt viel Konzentration - dessen sollte man sich bewusst sein, bevor man mit dem Lesen beginnt. Doch wenn man sich auf Linna und ihre Vergangenheit einlässt, erwartet einen als Leser ein unglaublich intensives Leseerlebnis, das einen hautnah an sämtlichen Stimmungsschwankungen seiner Protagonisten teilhaben lässt.

So intensiv die Psychospielchen der Charaktere allerdings waren, hätte ich mir ein noch furioseres Finale gewünscht. Ein, zwei Auflösungen gegen Ende des Buches kamen mir etwas zu banal vor, als dass sie ein Motiv für die teils wirklich beängstigenden Wendungen geliefert hätten. Meinen absolut positiven Gesamteindruck von "Linna singt" konnte dies jedoch nicht trüben und das sehr stimmige Ende hat mich vollends mit der Geschichte versöhnt.

Besonders gut hat mir außerdem gefallen, welch wichtige Rolle die Musik in dem Buch spielt: Sicherlich geht es um eine ehemalige Band, für deren Mitglieder Musik ein zentraler Bestandteil ihres Lebens darstellt(e). Doch wie wichtig die Musik wirklich für sie ist, spürt man hier förmlich auf jeder Seite: Das Buch ist gespickt mit den verschiedensten Songzitaten, die eine Rolle in Linnas Leben spielen, und die Kapitelanfänge bestehen allesamt aus Songtiteln von Mike Oldfield. Und selbst wenn mir nicht jedes dieser Lieder etwas gesagt hat, so vermittelen sie doch eine besondere Atmosphäre und zeigen, welchen Stellenwert die Musik im Leben von Linna einnimmt - und wie schwer ihr damit erst die Entscheidung fallen musste, nicht mehr zu singen.

Mein Fazit:

Ein psychologisch wahnsinnig dichter Roman - im Bereich Young Adult habe ich bisher kaum etwas vergleichbares gelesen. Ich war gleichzeitig gefesselt und mitgenommen von diesem Buch, so dass ich es öfter aus der Hand legen musste, es mich in Gedanken aber ständig weiterverfolgt. hat. Die Atmosphäre wurde von Bettina Belitz wunderbar beschrieben und die Charaktere absolut stimmig herausgearbeitet!


Schattenspieler
Schattenspieler
von Michael Römling
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Schattenspieler" von Michael Römling, 2. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Schattenspieler (Gebundene Ausgabe)
Historische Fakten in einem Roman unterzubringen kann mitunter eine ziemlich undankbare Aufgabe sein. Die Zeit des Zweiten Weltkrieges dürfte noch dazu vielen Lesern aus der Schulzeit äußerst präsent sein, so dass manch einer freiwillig gar nicht mehr zu einem Buch greifen möchte, das in dieser Zeit spielt ... Mit solchen Voruteilen sollte man an "Schattenspieler" allerdings nicht herangehen! Denn Michael Römling ist es gelungen, eine ideale Mischung aus Realität und Fiktion zu finden und Geschichte direkt und spannend zu vermitteln!

Was mir dabei besonders gut gefallen hat, ist, dass er sich weniger auf den Krieg als auf die direkten Nachkriegstage bezieht, über die man in der heutigen Literatur im Verhältnis zu Judenverfolgung, Kriegserklärungen und Bombenangriffen eher wenig findet. Von der Kapitulation Hitlers, dem besetzen Berlin und dem ersten Wiederaufbau der Stadt wird hier so lebendig erzählt, als wäre man selbst dabei gewesen. Dabei beschönigt Michael Römling die Kriegsereignisse keineswegs, doch er bereitet sie so auf, dass sie auch für ein junges Publikum zugänglich sind. So wirken sie zwar nachdenklich, aber keinesfalls verstörend.
Ein spannendes Element der Geschichte sind dabei die Kunsträuber, die es wirklich gegeben hat und die die Wirren der Nachkriegszeit zu ihrem Vorteil genutzt haben, um wertvolle Schätze zu stehlen. Rund um einen solchen Kunstraub hat der Autor eine rasante Geschichte samt Verfolgungsjagden, Mord, Spionen und geheimen Verstecken gewoben.
Im Anhang des Buches gibt es dazu übrigens ein interessantes Nachwort sowie ein sehr hilfreiches Glossar mit allerlei Informationen zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Hier wird noch einmal erklärt, welche Begebenheiten des Romans tatsächlich passiert sind und was es mit den sagenumwobenen Kunstdiebstählen während der Nachkriegszeit auf sich hat.

Der Schreibstil ließ sich sehr angenehm lesen und konnte bildhaft die Atmosphäre des zerstörten Berlins einfangen. Trotzdem fiel es mir zunächst etwas schwer, richtig in die Geschichte einzutauchen. Am Anfang beschreibt Michael Römling vielmehr Situationen, als dass er erklärt, mit wem genau wir es hier zu tun haben. Durch einen schnellen Perspektivwechsel lernt man die Charaktere so nur langsam kennen und muss sich innerhalb der Geschichte erst einmal orientieren.
Was mich am Anfang noch verwirrt hat, erweist sich später aber als echter Spannungsträger: Denn als Leser erfährt man nicht nur von den Ermittlungen durch Friedrich und Leo, sondern darf sich z.B. auch in die Perspektive der russischen Offiziere sowie der Kunsträuber hineinversetzen. Durch das Wissen, das man so erlangt, spitzen sich die Ereignisse gegen Ende immer mehr zu - und der Autor versteht es, mit einigen spannenden Wendungen und einem furiosen Finale auf den Leser zu warten!

Mit Leo, der als Jude in Deutschland Jahre des Versteckens hinter sich hat, und Friedrich, der verarbeiten muss, dass sein Vater ein bekennender Nationalsozialist war, hat Michael Römling zwei sehr unterschiedliche und zugleich sympathische Charaktere geschaffen. Ich habe sehr gerne mit ihnen mitfiebert - denn sie müssen nicht nur die schlimmen Kriegserlebnisse verdauen, sondern auch mit persönlichen Verlusten kämpfen.

Mein Fazit:

Geschichtsunterricht einmal spannend verpackt - wer mehr über die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs und der direkten Nachkriegszeit lesen, dabei aber nicht auf eine spannende Geschichte verzichten möchte, der ist bei "Schattenspieler" goldrichtig aufgehoben! Zwei sympathische Protagonisten, realistisch gezeichnete Schauplätze und ein fieser Bösewicht runden das ganze ab zu einem Abenteuer, auf das man gerne mitgenommen wird.


Rückenwind - Eine Liebesgeschichte: Roman
Rückenwind - Eine Liebesgeschichte: Roman
von Max Urlacher
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Rückenwind" von Max Urlacher, 18. August 2012
Max Urlachers Roman trägt den Untertitel "Eine Liebesgeschichte", doch das ist meiner Meinung nach nicht ganz richtig. Denn der Autor erzählt uns von so vielen "Lieben", dass sein Roman einer ganzen Ode an die Liebe gleichkommt. Vor allem geht es in "Rückenwind" um eine große Freundschaft, die einer Liebe in vielen Punkten ähnlich ist. Im Kindergartenalter treffen Anton und Tobias aufeinander und werden schnell zu besten Freunden. Viele Jahre lang begleitet der Leser nun die beiden auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden: Über die Schulzeit, erste Verliebtheiten, den gemeinsamen Urlaub auf Korfu, Ausbildung und Studium bis hin zu den ersten großen Herausforderungen und Schicksalsschlägen ihres Lebens bleiben sich Anton und Tobias doch immer treu.
Und es gibt noch mehr Liebe in diesem Buch: die bedingungslose Liebe eines Großvaters zu seinem Enkel, die schwierige Liebe einer Mutter zu ihrem Sohn, die sexuelle Liebe, die verflossene Liebe eines alten Ehepaars, die Liebe zum Fußball (Tobias) bzw. zum Theater (Anton), die Trauer um eine vergangene Liebe und - natürlich - die einzig wahre Liebe (die aber leider auch von vielen Komplikationen begleitet wird).

Die Handlung fasziniert vor allem aufgrund ihrer Schlichtheit: In kleinen alltäglichen und doch besonderen Situationen erfährt man mehr über das Leben der beiden Protagonisten. Der Roman spannt einen Bogen über mehr als 25 Jahre, und während man Anton und Tobias auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden begleitet, macht die Geschichte auch Halt an einigen historischen Situationen, z. B. dem Fall der Berliner Mauer und dem deutschen Fußball-Sommer 2006 - oder eher banalen Ereignissen wie der ersten Fernsehausstrahlung von Winnetous Tod. Dies füllte die Geschichte gleich mit noch mehr Leben, da ich sie teilweise mit eigenen Erinnerungen in Verbindung bringen konnte.

Anton und Tobias sind zwei absolut greifbare Charaktere, die man über die Seiten hinweg sehr gut kennenlernen darf und mit denen man gerne mitfült. Die vielen Episoden aus ihrem Leben haben mich abwechselnd mit ihnen lachen und weinen, bangen und hoffen lassen. Doch auch die Nebencharaktere konnten mich von sich überzeugen: Ganz vorne stand für mich dabei Antons Opa Fitz, der den beiden Jungs die Vaterfigur ersetzt und sie liebevoll durch alle Fahrwasser des Erwachsenwerdens lenkt. Da er selbst seinem einst besten Freund hinterhertrauert, macht er den beiden schon früh klar, wie wichtig es ist, eine Freundschaft zu pflegen. Doch auch die Großmutter wirkt still aus dem Hintergrund immer wieder auf das Geschehen ein, die Schulfreundin Emilie hat Lacher und Sympathien schnell auf ihrer Seite, der schwule Barbesitzer Röbi, der das Herz am rechten Fleck trägt, bringt den Jungs seine Lebensweisheiten und schweizer Schokolade näher und die unabhängige Samar - Antons große Liebe - ist (wie sie mit eigenen Worten sagen würde) schlicht "zauberhaft".

Die gesamte Geschichte wird aus einer allwissenden Erzählperspektive heraus geschildert. Finde ich es sonst in Büchern oft abschreckend, wenn der Autor sich zu sehr ins Geschehen einmischt, so passte dieser Erzählstil hier perfekt zu der Lebensgeschichte der beiden Protagonisten: Gerade in der ersten Hälfte des Buches wurden oft Hinweise gegeben, wie sich eine bestimmte Begebenheit auf die Zukunft auswirkt - und was sich im ersten Moment noch nach einer witzigen Anekdote anhörte, verkehrte sich manchmal ins Gegenteil und ließ mir nicht selten das Lachen im Halse stecken bleiben. Wurde dann in der zweiten Hälfte des Buches die Geschichte auf eines dieser Ereignisse zurückgelenkt, erhöhte sich die Spannung nur umso mehr, da man in etwa schon wusste, was passieren würde, die richtigen Zusammenhänge aber erst jetzt greifen und verstehen konnte.
Dadurch, dass man in verschiedene Charaktere hineinschlüpfen und die Geschichte so aus verschiedenen Blickwinkeln wahrnehmen konnte, wurden manche Zusammenhänge - und viele Missverständnisse zwischen den einzelnen Personen - erst so richtig deutlich. Auf diese Art verlor ich beim Lesen nie den Überblick über das "große Ganze" der Geschichte: die Liebe.

Mein Fazit:

"Rückenwind" erzählt eine bezaubernde Geschichte über Freundschaft und über Liebe, die mich tief berührt hat. Durch authentische Charaktere und einen bewegenden Schreibstil hat mich das Buch schnell für sich eingenommen - und als ich den Buchdeckel zugeklappt hatte, wollte ich eigentlich direkt wieder von vorne beginnen, so ungern habe ich die beiden Protagonisten ziehen lassen. Der Roman ist gespickt mit vielen kleinen Weisheiten; witzige Episoden stehen neben sehr ernsthaften Themen und lassen es zu keinem Zeitpunkt in Kitsch abgleiten. Für mich DAS Sommerbuch schlechthin!


Engelsflammen (Engelsromane, Band 3)
Engelsflammen (Engelsromane, Band 3)
von Lauren Kate
  Gebundene Ausgabe

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Engelsflammen" von Lauren Kate, 18. August 2012
Lauren Kates Reihe rund um den Engel Daniel und seine unsterbliche Liebe zu Luce übt schon eine merkwürdige Faszination auf mich aus: Einerseits weiß ich, dass hier keine besonders innovative oder spektakuläre Geschichte erzählt wird, andererseits habe ich die beiden Protagonisten so lieb gewonnen, dass ich sie nicht mehr in meinen Bücherregal missen möchte! Und so habe ich auch dem dritten Band wieder entgegengefiebert und mich gefreut, endlich das Geheimnis ihres schrecklichen Fluchs zu entdecken. Die Zeitreisen, die im Vorgängerband schon angedeutet wurden, nehmen dabei den Großteil von "Engelsflammen" ein: Luce begibt sich auf ihren Weg quer durch die Jahrhunderte und macht dabei an vielen Stationen Halt, an denen sie auf ihre früheren Leben trifft - und natürlich auf die früheren Versionen Daniels.

Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, Luce auf diesem Weg zu begleiten und zu sehen, welche Schwierigkeiten sie und Daniel in der Vergangenheit bereits gemeistert haben. Die Epochen, die Luce dabei zurücklegt, könnten unterschiedlicher nicht sein: Sie macht Station in beiden Weltkriegen, am Hof von Versailles, trifft William Shakespeare in London und reist bis hin zu den Zeiten der Maya und der alten Ägypter. Beobachtet Luce diese Szenen zu Anfang nur aus der Ferne, so lernt sie später sogar - mittels "3D" - in ihre früheren Ichs hineinzuschlüpfen und wie sie zu denken und zu fühlen. Leider wiederholt sich auf diesen Zeitreisen auch einiges und - so spannend ich die Erzählungen aus den verschiedenen Epochen auch fand - man hätte diese sicherlich um einiges kürzer fassen können, da manche kaum neue Erkenntnisse mit sich bringen.
Das Ende bringt dagegen ein furioses Finale mit sich - und klärt uns endlich über den mysteriösen Fluch auf, der auf Luce und Daniel lastet. Damit ist auch das Ziel des letzten Bandes eindeutig definiert: Der Fluch muss endlich gebrochen werden!

Neuen Schwung in die Geschichte bringt außerdem Gargoyle Bill, der Luce auf ihrer Zeitreise begleitet und sie mit allerhand Tipps und Wissen über die alten Zeiten versorgt. Wenn er wie die Fantasy-Variante eines Bruce Darnell um Luce herumschwebt und verzweifelt versucht, sie in die Kleidung des aktuellen Jahrhunderts zu stecken, sorgt dies für einige Lacher. Doch natürlich birgt auch er noch ein Geheimnis und handelt nicht aus purer Freundlichkeit ...

Der Schreibstil von Lauren Kate liest sich, wie von den Vorgängerbänden gewohnt, sehr flüssig und erzeugt eine stimmige Atmosphäre. Gerade die Beschreibungen der verschiedenen Umgebungen, die sich durch die Zeitreise ergeben, sind ihr sehr gut gelungen und ich konnte mir die jeweiligen historischen Ereignisse sehr gut bildlich vorstellen.
Das Geschehen wird wieder hauptsächlich mit Blick auf Luce erzählt, doch nach jeder Zeitreise schwenkt die Perspektive kurz um und berichtet von Daniel, der Luce stets auf den Fersen bleibt und verzweifelt versucht, sie auf ihrer Reise aufzuhalten und vor Schlimmeren zu bewahren.

Viele Nebendarsteller aus "Engelsnacht" und "Engelsmorgen" verschwinden in "Engelsflammen" fast vollständig von der Bildfläche, so dass sich das Geschehen hauptsächlich um Luce und Daniel dreht. Ich fand diese Begrenzung auf das "Wesentliche" gut gewählt, doch blieben so natürlich viele Fragen offen: Zum Beispiel ist man Cams Geheimnis und seinem Interesse an Luce und Daniel bisher kein Stück näher gekommen. Ich hoffe, dass sich Lauren Kate im Abschlussband genügend Zeit für diese offenen Fragen lassen und die Reihe zu einem würdigen Abschluss bringen wird.

Mein Fazit:

Luces und Daniels ewige Liebe hat mich mal wieder überzeugt! Auch wenn die Geschichte ein paar kleine Längen aufweist, so habe ich das ungewöhnliche Liebespaar doch gerne auf seiner Reise durch die Jahrhunderte begleitet. Das spektakuläre Ende von "Engelsflammen" lässt noch viel Potential für den Abschlussband und ich freue mich schon darauf, Luce und Daniel ein letztes Mal zu begegnen und (hoffentlich) mit ihnen den Fluch zu brechen!


Die Auserwählten - In der Brandwüste: Maze Runner 2 (Die Auserwählten - Maze Runner)
Die Auserwählten - In der Brandwüste: Maze Runner 2 (Die Auserwählten - Maze Runner)
von James Dashner
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,99

15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Die Auserwählten II: In der Brandwüste" von James Dashner, 26. Juni 2012
Mit zweiten Teilen von Trilogien habe ich mich in letzter Zeit eher schwer getan. Da gab es zum Beispiel Ally Condies "Die Flucht", das kaum an seinen Vorgänger "Die Auswahl" heranreichen konnte, oder Robin Wassermans "Crashed", das mich mit seiner langatmigen Handlung wenig überzeugte. Da beides zusätzlich Vertreter aus dem aktuellen Genre der Dystopien waren, bin ich entsprechend skeptisch auch an den zweiten Teil von James Dashners "Auserwählten" herangegangen - doch wurde ich diesmal alles andere als enttäuscht!

Der erste Teil "Im Labyrinth" konnte mich im vergangenen Sommer - trotz einiger Kritikpunkte - aufgrund seiner sogartigen Spannung schnell überzeugen. Das Ende lieferte nur bedingt Antworten und machte mit seiner Aufbruchsstimmung viel Lust auf den zweiten Teil. Und tatsächlich: "In der Brandwüste" knüpft genau da an, wo "Im Labyrinth" endete und es geht sogar noch spannender weiter!
Nur eine Nacht ist vergangen, seit die "Lichter" dem todbringenden Labyrinth entkommen sind, doch Zeit zum Durchatmen wird ihnen kaum gegeben: Es stehen neue Prüfungen an, die noch härter erscheinen als z.B. die schrecklichen Griewer aus dem ersten Band. Auf ihrem Weg durch die verbrannte Wüste spürt der Leser förmlich die sengende Hitze und die Qualen, denen die Jugendlichen ausgesetzt sind. Hinzu kommen auch hier wieder einige tödliche Fallen und - noch schlimmer als jede greifbare Gefahr - ein todbringender Virus, der vor niemandem Halt zu machen scheint...

Was mir im Gegensatz zu Band eins hier noch deutlich besser gefallen hat, ist, dass es nun erste Antworten darauf gibt, wozu Thomas und seine Kameraden die ganzen Prüfungen überhaupt bestehen müssen und welcher "große Plan" dahinter steckt. In Träumen, in denen Thomas langsam seine Erinnerung wiedererlangt (die ihm "Im Labyrinth" komplett ausgelöscht vorkam), erfährt man außerdem einiges über seine und Theresas Vergangenheit, wodurch weitere Geheimnisse enthüllt werden - aber natürlich auch neue Fragen aufgeworfen werden. Geklärt ist nach diesem Band nämlich längst noch nicht alles, und auch, wenn ich nun eine etwas genauere Vorstellung als nach dem Lesen von "Im Labyrinth" habe, in welche Richtung es gehen wird, so bin ich doch neugierig, wie sich die Jungs im letzten Teil noch machen werden.

Was ich außerdem sehr interessant fand, ist, dass es noch eine weitere Gruppe gibt, die komplett aus Mädchen besteht und die bisher genau das Gleiche durchmachen musste wie Thomas und seine Kameraden. Diese zwei Gruppen treffen nun erstmals aufeinander, was einiges an Konfliktpotential, aber auch neue spannende Erkenntnisse mit sich bringt. Die Idee dahinter, das ganze langangelegte Konzept der Prüfungen, mit denen die Jugendlichen hier "trainiert" werden, fand ich einerseits unfassbar grausam, andererseits genial durchdacht. Diese Skrupellosigkeit der Organisation ANGST, den Erfindern der tödlichen Prüfungen, ließ mich beim Lesen oft erschaudern.

Etwas schade fand ich, dass viele Charaktere eher schwach gezeichnet blieben. Im ersten Teil wohnten auf der Lichtung noch 50 Jungs, die ich mir sicherlich nicht alle mit Namen merken wollte, aber da nur circa 20 von ihnen überlebt haben, hätte ich doch gerne mehr über die einzelnen Helden erfahren. Selbst Thomas konnte einige von ihnen noch nicht einmal mit Namen ansprechen, so dass es manchmal nur um einen unbestimmten Jungen aus der Gruppe ging oder - wenn einer der Jungen mit Namen angesprochen wurde - ich mir oft kein genaues Bild davon machen konnte, um wen es gerade geht. Mehr Mitgefühl hätte ich auf jeden Fall beim Lesen gehabt, wenn ich die Jungen noch besser kennengelernt hätte.
Da "In der Brandwüste" den Fokus jedoch eindeutig auf die Handlung legt - und mich diese mit ihrer Spannung komplett überzeugen konnte - fielen die eher schwach gezeichneten Nebencharaktere nicht so sehr ins Gewicht. Thomas ist in jedem Fall wieder ein sehr sympathischer Held - und auch wenn ich noch immer der Meinung bin, dass er als Stärkster der Gruppe etwas zu sehr heraussticht, so gab es doch auch für diese Eigenschaft eine erste Erklärung...

Mein Fazit:

Wer schon den ersten Band gelesen hat, sollte sich "In der Brandwüste" auf keinen Fall entgehen lassen! Spannung, Gefahren, Verleumdungen und ein ungewöhnliches Setting machen ihn zu einem Pageturner erster Klasse, der mich jetzt schon gebannt auf das Finale der Reihe warten lässt! Allen, die die Trilogie noch nicht kennen, rate ich daher, sie dringend genauer unter die Lupe zu nehmen.


Mina
Mina
von David Almond
  Gebundene Ausgabe

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Mina" von David Almond, 14. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Mina (Gebundene Ausgabe)
Das (Kinder-)Buch "Mina" hat mich von der ersten Seite an tief bewegt. Dieses sicherlich etwas verrückte Mädchen, das im Mittelpunkt der Geschichte steht, besitzt einen ganz außergewöhnlichen Blick auf die Welt, an dem sie uns in ihrem Tagebuch teilhaben lässt. Dabei schreibt sie nie einfach nur über die erlebten Dinge, sondern lässt uns anhand "Außergewöhnlicher Aktivitäten", "Erstaunlicher Tatsachen" und vieler kleiner Randgeschichten an all ihren wirren Gedankengängen teilhaben. Mina ist stets nachdenklich und stellt sich sehr viele Fragen, die den Erwachsenen - vor allem ihren Lehrern, die stets zu wissen meinen, was sich gehört und was nicht - zu unbequem erscheinen. Selten erhält Mina Antworten auf ihre oft philosophisch angehauchte Neugier; einzig von ihrer Mutter bekommt sie den nötigen Rückhalt und ein offenes Ohr für ihre vielen Fragen.

Dass das neugierige Mädchen auch bei den gleichaltrigen Schulkameraden auf wenig Verständnis stößt, liegt auf der Hand - will sich doch keiner mit einer "Verrückten" sehen lassen. Daher lebt sie relativ zurückgezogen, was ihre Fantasie nur noch mehr zum Blühen bringt... sehr zur Freude des Lesers! So ist "Mina" vor allem auch ein Buch zum Nachdenken. Zunächst geht es darum: Wie ist mein Blick auf die Welt? Wie würde ich die vielen Fragen, die Mina sich stellt, beantworten? Dann fragt man sich aber auch: Wie würde ich auf so ein "verrücktes" Mädchen wie Mina reagieren? Würde ich sie vielleicht auch komisch finden und Abstand von ihr halten, eben weil sie anders ist?

Minas ungewöhnlicher Blick auf die Welt spiegelt sich gleichzeitig auch in einer sehr besonderen Schreibweise in ihrem Tagebuch wider. Obwohl das Buch in vielen Passagen erzählende Texte (und somit auch eine vollständige Geschichte) enthält, werden diese immer wieder gebrochen von Minas Gedanken, die im Buch durch ganz unterschiedliche Schriftbilder umgesetzt werden. Mir hat diese episodenartige Schreibweise ganz wunderbar gefallen - fühlt es sich doch so an, als könnte man direkt in das Wirrwarr in Minas Kopf hineinschauen...

So ist "Mina" ein Buch, das aufgrund des kindlichen Tagebuchstils und des durchaus tiefsinnigen Hintergrunds sicher ganz unterschiedlichen Lesern gefallen wird. Empfohlen wird es für Kinder ab 10 Jahren, doch kann auch jeder Erwachsene noch etwas von Minas aufgeschlossener und neugieriger Weltsicht lernen! Wenn man sich einmal auf die ungewohnte Schreibweise eingelassen hat, kann man sehr viel Weisheit aus diesem Buch ziehen: über die Sprache, über das Leben und natürlich über das "Anderssein". Und sicher werde ich demnächst mal die ein oder andere "Außergewöhnliche Aktivität" ausprobieren und wieder etwas Neugier fühlen ;-)

Fazit: Ein ganz besonderes Buch, das nicht nur Kindern Spaß machen wird und gleichzeitig wunderbar zum Nachdenken über die eigene "Merkwürdigkeit" anregt.


Nicht jetzt, niemals
Nicht jetzt, niemals
von Ursula Dubosarsky
  Gebundene Ausgabe

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Nicht jetzt, niemals" von Ursula Dubosarsky, 14. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Nicht jetzt, niemals (Gebundene Ausgabe)
Zunächst einmal muss ich gestehen, dass ich mit etwas falschen Erwartungen an das Buch herangegangen bin, die wohl der Klappentext in mir ausgelöst hat: Es geht in "Nicht jetzt, niemals" keineswegs um eine Hinrichtung, generell Meinungen zur Todesstrafe oder wie damit umgegangen werden kann. Der Tag dieser Hinrichtung wird von der Lehrerin Miss Renshaw zu ganz eigenen Zwecken genutzt, die eine unabhängige Geschichte erzählen. Erst dadurch, dass sie ihren Schülerinnen das Versprechen abnimmt, für immer über diesen Tag zu schweigen, nimmt die Katastrophe schließlich ihren Lauf...

Lange Zeit wird man darüber im Unklaren gelassen, was nun wirklich auf diesem Schulausflug passiert ist, und man kommt als Leser nicht umhin, seine eigenen Vermutungen anzustellen. Wenn man die "kleinen Mädchen" auf den letzten Seiten des Buches schließlich acht Jahre später wiedertrifft, erhält das Buch nochmal eine neue Wendung, die aber auch nicht bei der Klärung des tatsächlichen Geschehens hilft. Einerseits finde ich es schade, dass so wenig im Buch erklärt wurde, andererseits macht aber auch gerade dies einen besonderen Reiz für den Leser aus - zwingt es doch dazu, noch lange über das Gelesene nachzudenken. Doch irgendwie nagt an mir auch die Frage, ob ich evtl. einen kleinen Hinweis, der zur besseren Auflösung beigetragen hätte, übersehen habe - und vielleicht werde ich es aus genau diesem Grund irgendwann nochmal lesen. Denn überzeugt hat mich die Geschichte und das bedrückende Schweigen der Schülerinnen auf jeden Fall!

Zu den Schülerinnen selbst bleibt immer ein gewisser Abstand bestehen, da sie oft mehr durch ihr Aussehen oder andere Auffälligkeiten als durch ihr Verhalten und ihre Empfindungen charakterisiert werden (die große und die kleine Elisabeth, die stille Deidre, die ständig weinende Bethany...). Dies passt aber meiner Meinung nach gut zum Stil des Buches, in dem über die Schülerinnen oft nur verallgemeinernd mit "die kleinen Mädchen" gesprochen wird, und die so wirklich wie eine in sich geschlossene Gemeinschaft daherkommen. Vielmehr geht es ja auch darum zu zeigen, wie sich die Klasse verändert, wie alle unter dem bedrückenden Schweigen leiden und wie die Erwachsenen nun mit der Situation umgehen. Und von dieser 'Verhaltensstudie' hat Ursula Dubosarsky eine ganze Menge auf den gerade mal 143 Seiten untergebracht!

Sehr interessant fand ich darüber hinaus, dass alle 20 Kapitelüberschriften die Namen von Bildern des australischen Künstlers Charles Blackman tragen. In diesen Bildern aus der "school girls"-Serie, die allesamt sehr bedrückend auf mich wirken, kann man gut die triste Atmosphäre des Buches wiedererkennen und sieht, woher Frau Dubosarsky einen Teil ihrer Inspiration genommen hat. Toll wäre es natürlich gewesen, wenn man diese Bilder direkt in das Buch integriert hätte. (aber wofür gibt es Google?)

Mein Fazit: Ein interessantes Büchlein über die Frage, ob und wann man ein Versprechen auch brechen darf. Vor allem die bedrückende Grundstimmung des Buches hat mich überzeugt, aber ein paar mehr Hinweise zum Ausgang der Geschichte hätte es geben dürfen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 10, 2012 9:29 PM MEST


Der siebte Schwan: Roman
Der siebte Schwan: Roman
von Lilach Mer
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Der siebte Schwan" von Lilach Mer, 14. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Der siebte Schwan: Roman (Taschenbuch)
Zu Beginn des Romans treffen wir auf die alte Dame Mina, die uns von ihrer - im wahrsten Sinne des Wortes - magischen Kindheit berichtet: Im Jahre 1913 ist Mina ein ruhiges 14jähriges Mädchen, dessen liebste Beschäftigung es ist, stundenlang allein auf dem Dachboden zu spielen, zu träumen und zur Melodie einer alten Spieluhr zu tanzen. Vom Leid der Welt hat sie noch nicht viel mitbekommen, als sie eines Tages den Arzt der Familie belauscht, der sie aufgrund ihrer zurückgezogenen und verträumten Art in seine Irrenanstalt einweisen will. Kurzentschlossen reißt Mina von zuhause aus; sie folgt einem geheimnisvollen Drehorgelspieler, der sie zu den Tatern bringt, einem Volk, das ähnlich den Zigeunern frei durch die Lande zieht und im Einklang mit der Natur lebt. Auf der Suche nach ihren Brüdern, an die sie sich kaum noch erinnern kann, die sie aber ebenfalls in der Anstalt des Doktor vermutet, muss Mina viele Gefahren meistern - so trifft sie unter anderem auf einen grausamen Schlangenkönig, hilft einem verbitterten Pug, muss mit dem Teufel persönlich tanzen und schließlich das Geheimnis der Schwäne ergründen. Doch der Doktor ist ihr ständig einen Schritt voraus und verfolgt ihren Weg, auf dem Mina langsam erwachsen wird...

Lilach Mer entführt uns in "Der siebte Schwan" in eine fantasievolle Welt, in der Märchen und Sagen auf geschickte Art mit der Realität des frühen 20. Jahrhunderts verknüpft werden. Anschaulich wird uns sowohl die gutbürgerliche Welt präsentiert als auch das Leben der Zigeuner. In dieser normalen Welt existieren aber auch einige magische Elemente, die z.B. durch den sprechenden Kater Tausendschön (der mir übrigens sehr ans Herz gewachsen ist und für einige lustige Szenen sorgt) oder die magische Kraft des Waldes vertreten sind. Die Autorin selbst nennt das Genre ihres Buches "magischen Realismus" und das beschreibt "Den siebten Schwan" vielleicht am besten: Gezeigt wird das tägliche Leben zu Beginn des 20. Jahrhunderts, kurz bevor die Weltkriege über Deutschland hereinbrechen; dieses reale Leben wird aber immer wieder mit den magischen Elementen aus alten nordischen Sagen und Märchen vermischt, die ganz natürlich ebenfalls in Minas Welt auftauchen. Die Geschichte um das Mädchen auf der Suche nach den verschwundenen Brüdern ist dabei traurig, mitreissend, herzergreifend und besticht durch ihre wunderschöne Melancholie. Immer lässt sich das märchenhafte an ihr erkennen (die Geschichte basiert lose auf dem Grimmschen Märchen "Die sieben Schwäne"), mischen sich typische Ansichten von Gut und Böse, zeigen sich mitunter auch brutale und traurige Stellen, wie sie nun einmal in allen Märchen vorkommen. Doch Mina beweist, dass sie mehr ist als nur das schwache kleine Mädchen und durchbricht diese Märchenstruktur, indem sie sich und allen anderen ihren Mut und ihren starken Willen beweist.

Was aus dem Buch besonders positiv herausragt, ist die poetische Sprache. Selten habe ich ein Buch gelesen, dass so sehr mit Worten spielt, eine so dichte Atmosphäre erzeugt und den Leser so glaubhaft in eine vergangene Welt entführt. Als ein besonderes Beispiel für Lilach Mers mitreissenden Schreibstil sei etwa eine Szene erwähnt, in der die kleine Mina mit dem Teufel persönlich tanzt: Die Autorin schafft es hier allein mit ihrer Sprache, ein unheimliches Tempo aufzubauen, das den Leser diesen Tanz förmlich spüren lässt - fast wäre mir selbst schwindelig dabei geworden, so ein Sog wird hier erzeugt.
In der Sprache liegt aber auch ein kleiner - übrigens mein einziger - Kritikpunkt an dem Buch: Manchmal ist sie so ausschweifend formuliert, dass man sich etwas in ihr verliert, dabei aber nur noch wenig vom Inhalt mitbekommt und sich zwingen muss, wieder "aufzupassen". Mir ist auf diese Weise die Charakterisierung zweier nicht ganz unwichtiger Personen entgangen, weswegen ich sie leider bis zum Ende nicht ganz "greifen" konnte. Da das Buch seinen Leser aber - hat man einmal die feste Erzählstruktur durchblickt - sonst gut an die Hand nimmt, war dies nicht so schlimm und ich wurde jedesmal auch wieder vom Buch eingefangen, wenn ich mal wieder zu sehr über die Sprache ins Staunen geraten bin.

Die Geschichte ist es definitiv wert, mehr als einmal gelesen zu werden. Lilach Mer hat so viele (kleinere und größere) Anspielungen auf nordische Sagen und alte Märchen versteckt, die man bei einem ersten Lesen gar nicht alle entdecken kann. Auch aufgrund seiner Sprache, in die man sicherlich gerne wieder versinken wird, lohnt sich ein zweiter Blick in den "Siebten Schwan". Im Übrigen darf man gespannt sein, was man von der jungen Autorin, die hier ihren Debütroman veröffentlicht hat, noch hören wird - ich bin fest davon überzeugt, dass es nicht ihr letztes (gutes!) Buch war!

Fazit: Ein wunderbar poetisches Buch mit einer verzaubernden Sprache!


Die verborgene Sprache der Blumen: Roman
Die verborgene Sprache der Blumen: Roman
von Vanessa Diffenbaugh
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Die verborgene Sprache der Blumen" von Vanessa Diffenbaugh, 14. Mai 2012
Mit "Die verborgene Sprache der Blumen" hat Vanessa Diffenbaugh eine melancholische und tieftraurige Erzählung geschrieben, die mich noch lange nach dem Lesen beschäftigt hat. Die junge Victoria ist eine sehr eigensinnige und verstörte Protagonistin, die es einem schwer macht, sie gern zu haben. Da man jedoch ihren Leidensweg durch Waisenhäuser und Pflegefamilien direkt mitbekommt, liegt auch der Grund für ihr Verhalten auf der Hand - und man hofft gleichzeitig, dass sie nun, da sie erwachsen ist und ihre Passion in der Sprache der Blumen gefunden hat, sich von der Vergangenheit lösen kann ... Dass dies jedoch leichter gesagt als getan ist, stellt man schon auf den ersten Seiten dieser besonderen Lektüre fest.

Erzählt wird die Geschichte in zwei Zeitebenen, die sich miteinander abwechseln. Zunächst lernen wir Victoria am Tag ihres 18. Geburtstags (und somit dem Tag der endgültigen Entlassung aus dem Waisenheim) kennen. Auf sich allein gestellt wird sie quasi auf die Straße gesetzt und muss von nun an alleine klarkommen - da trifft es sich nur zu gut, dass Renata, die Besitzerin eines kleinen Blumenladens, gerade viel Arbeit hat, wenig Fragen stellt und Victoria schnell unter ihre Fittiche nimmt.
Aber wir treffen Victoria auch schon knapp 10 Jahre vor dieser Zeit, als die Behörden ein letztes Mal versuchen, sie bei einer Pflegemutter unterzubringen. Schon deutlich gezeichnet von einer wahren Odyssee durch Pflegefamilien zeigt sie sich in diesem Alter nicht weniger kratzbürstig und lässt keinen Menschen mehr an sich heran. Als sie nun bei Elisabeth, einer alleinstehenden und fürsorglichen Dame, unterkommt, trifft sie tatsächlich auf einen Menschen, der es gut mit ihr meint und ihr Raum und Zeit lässt, ihre Gefühle auszuleben. Doch da man als Leser ja schon weiß, dass sie früher oder später ihren Weg zurück ins Waisenhaus (aus dem sie ja dann 10 Jahre später entlassen wird) antreten muss, spürt man unweigerlich die Tragödie hinter dieser Idylle auf Victoria zukommen.
Beim Lesen hatte ich sehr oft Mitleid mit diesem Mädchen, das in seinen jungen achtzehn Jahren schon so viele Enttäuschungen wegstecken musste und nie seine leibliche Mutter kennen lernen durfte. Doch oft war ich auch richtig wütend auf sie, weil sie immer wieder die Menschen, die es gut mit ihr meinen, verletzt und von sich wegstößt. Da das Buch mich emotional so mitgenommen hat, musste ich es beim Lesen öfter mal zur Seite legen und das Gelesene erst einmal "verdauen".

Die Sprache der Blumen nimmt einen großen Teil des Buches ein. Nur durch Blumen scheint sich die sonst so wortkarge Victoria richtig ausdrücken zu können. Leider bleiben ihre Botschaften, die sie so übermittelt, oft unverstanden - auch ich wusste vor dem Lesen dieses Buches nicht, dass neben dem typischen "eine rote Rose steht für Liebe" im Grunde jeder Blume eine Bedeutung zugeordnet werden kann. Damit der Leser besser in Victorias Gedanken eintauchen kann, gibt es am Ende des Buches ein sehr hilfreiches Lexikon, dass die verschiedenen Bedeutungen sämtlicher Blumen "übersetzt". Victorias eigenwillige "blumige" Ausdrucksweise verleiht dem Buch eine besondere Poesie, die mir sehr gefallen hat, sowie einen ständigen Subtext, den man selbst interpretieren muss. Wer hätte etwa gewusst, dass z.B. eine Akazie für "Heimliche Liebe" steht?

Als Victoria auf dem Blumenmarkt Grant kennenlernt, scheint sie endlich jemanden gefunden zu haben, der ebenfalls ihre Sprache der Blumen beherrscht. Doch ein Happy End ist dadurch natürlich längst nicht in Sicht - vielmehr fangen die Probleme erst richtig an, als sich die beiden näher kommen - denn Nähe hat Victoria bisher nie zugelassen und kann sie auch jetzt nur schwer ertragen. Über 400 Seiten fiebert man mit ihr mit, ob sie endlich die Schrecken ihrer Vergangenheit vergessen und ihr selbstzerstörerisches Verhalten ablegen kann - und ob sie es endlich schafft, einer Person Vertrauen entgegenzubringen. Und man möchte sie auch verfluchen für ihr oftmals egoistisches Verhalten und sie anschreien, dass sie ihr Leben endlich in die Hand nehmen soll.
Damit ist "Die verborgene Sprache der Blumen" beileibe kein einfaches Buch: Über weite Strecken wird man konfrontiert mit Victorias tiefer Traurigkeit und fühlt sich als Leser machtlos. Doch was mir besonders gefallen hat, ist, dass es auf diesen trüben Seiten auch immer wieder Lichtblicke gibt und die Hoffnung nie ganz verloren scheint!

Fazit:
Ein poetisches und emotionales Buch mit einer besonderen Sprache - für mich ein wahrer Schatz im Bücherregal.


Seite: 1 | 2 | 3