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Rezensionen verfasst von
Dr. M.
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   

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DuMont Bildatlas Prag
DuMont Bildatlas Prag
von Jochen Müssig
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

5.0 von 5 Sternen "Prag verführt mich" (M. Forman), 29. April 2017
Rezension bezieht sich auf: DuMont Bildatlas Prag (Taschenbuch)
Wie jedes Heft dieser Reihe ist auch dieses selbstverständlich ein Reiseführer, aber eben ein etwas ungewöhnlicher: sehr bildlastig und mit viel Text, der gelegentlich auch den Charakter von Reiseliteratur besitzt. Doch es gibt auch die praktischen Hinweise wie in jedem stinknormalen Reiseführer und Karten, die hilfreich genug sind, um sich gut zurechtzufinden. So bleibt einzig das unpraktische Format, das jedoch den Bildern und ihrer Wirkung geschuldet ist. Und mit Bildern beginnen diese Hefte immer. Sie sollen den potentiellen Besucher einstimmen, was in der Regel auch sehr gut funktioniert.

Bereits auf Seite 7 findet man 12 "Topziele", geordnet nach Erleben, Ausflügen und Kultur. Die entsprechenden Orte sind auf der anderen Hälfte dieser Doppelseite in zwei Karten eingetragen. Eine dokumentiert die Innenstadt (Altstadt, Josefstadt und Kleinseite), die andere die nähere Umgebung, weil drei der sogenannten Topziele außerhalb von Prag liegen (Kutna Hora, Cesky Krumlov, Karlstein). Natürlich kann man von Prag aus auch andere Ziele ansteuern, etwa das Böhmische Bäderdreieck.

Nachdem man die für diese Reihe immer wieder typischen stimmungsvollen Fotografien betrachtet hat, folgt eine Doppelseite mit dem Titel "Der beste Blick", auf der gute Standorte für schöne und typische Erinnerungsfotos empfohlen werden. Später folgen ähnliche Vorschläge zu "Prag und der Jugendstil" und zu den böhmischen Küchenklassikern.

Zwischen den Informationen über die klassischen Teile des Prager Zentrums (Altstadt, Josefstadt und Kleinseite) wurden vom Autor besondere Themen eingestreut, hier die Prager Cafes und ihre Kultur sowie Spuren aus Kafkas Leben. Im Kapitel "Unterhaltung", in dem auch das Prager Nachtleben beleuchtet wird, gibt es dann auch einen Abschnitt über das Thema Bier und die entsprechende Kultur. Wer man sich in Prag unbedingt sportlich betätigen möchte, bekommt bei "Dumont aktiv" entsprechende Tipps (allerdings im Text verstreut).

Zwar kann man mit dem Serviceteil in diesem Reiseführer eine Menge anfangen, doch er besitzt auch Mängel. Beispielsweise enthält er keine wirklich nutzbaren Hinweise über die Prager Metro, die die schnellste Möglichkeit ist, in dieser Stadt von einem Ort zum anderen zu gelangen. So wird man dieses Heft wohl eher zur Planung einer Reise benutzen und zur Einstimmung. Dafür nämlich eignet es sich hervorragend.

Wozu sollte man entscheiden, ob Prag tatsächlich "cooler als Berlin" ist? Solche unsinnigen Vergleiche besitzen keinen Wert, auch wenn sie in diesem Heft aufgemacht werden. Prag ist Prag, und Berlin ist Berlin. Den gegenwärtigen Präsidenten der Tschechischen Republik als "Stammtisch-Populisten" zu bezeichnen, mag man als überflüssige und reichlich dumme Bemerkung abtun, die sich ein Autor eines Reiseführers aus den verschiedensten Gründen besser verkneifen sollte. Das kann man überlesen, weil es die eigentlich gute Qualität dieses Heftes nicht wesentlich beeinträchtigt.


Top 10 Reiseführer Prag: mit Extrakarte und kulinarischem Sprachführer zum Herausnehmen
Top 10 Reiseführer Prag: mit Extrakarte und kulinarischem Sprachführer zum Herausnehmen
Preis: EUR 12,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Das Flair dieser Stadt ist einzigartig", 28. April 2017
Gibt man bei Amazon "Reiseführer Prag" in die Suchzeile ein, dann findet man viele Hinweise. Dieser Reiseführer erscheint leider erst auf der zweiten Seite. Ich würde ihn ganz nach oben setzen, weil seine klare und einfache Struktur bei einer übersichtlichen Größe und Dicke ebenso überzeugt wie die unerwartete Menge an interessanten, hilfreichen und leicht auffindbaren Informationen.

Wenn man in eine unbekannte Stadt fährt und sie entdecken möchte, dann interessiert man sich zuerst einmal für die wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Und genau das ist das Konzept hinter dieser Reihe. Nach einer sehr kurzen Einleitung und zwei Besichtigungsvorschlägen für zwei bzw. vier Tage geht der Autor sofort auf die übersichtlich vorher auf einer Doppelseite aufgelisteten zehn wichtigsten "Highlights" dieser Stadt ein, die danach ausführlicher einzeln abgearbeitet werden. Man kann tatsächlich mit diesem Buch in der Hand dorthin gehen und dann die sehr kurzen, aber prägnanten und vor allem übersichtlichen Informationen zu den Details der einzelnen Sehenswürdigkeiten nachlesen. Meistens sind das nur ein paar präzise Sätze nach einer Überschrift, sodass man nicht minutenlang dastehen und lesen muss. Da man - wenn man ehrlich ist - meistens hinterher auch nach einer Führung nicht mehr behält, reicht das völlig aus. Schließlich hat man dann noch Zeit zum Schauen, und diese Eindrücke sind nachhaltiger.

Nach diesen knapp 40 sehr hilfreichen Seiten folgen auf etwa der gleichen Länge "Themen". Dort handelt der Autor von der Geschichte über historische Persönlichkeiten, Parks, Theater und Konzerte bis hin zu Essen, Trinken und Einkaufen alle möglichen Einzelheiten ab, die man in dieser Stadt wissen sollte, wenn man sie als Tourist besucht.

Wieder auf ungefähr im Umfang von 40 Seiten erhält man danach spezielle Informationen für die für Touristen interessanten Stadtteile im Zentrum (Altstadt, Kleinseite und Burg, Josefstadt und Neustadt) sowie für interessante Einzelobjekte außerhalb des Zentrums. Die auch sehr interessante Umgebung von Prag wird ausgespart. Am Ende dieses Führers stehen dann die üblichen praktischen Informationen. Die Buchdeckel sind aufklappbar und enthalten sehr gute Übersichtskarten. Außerdem steckt hinten im Buch eine Extrakarte zum Herausnehmen. Vorne findet man einen visuellen Sprachführer, also Bilder mit den tschechischen Bezeichnungen darunter. Den kleinen Sprachführer mit Standardsätzen und Fragen finde ich dagegen in solchen Führern immer wieder lustig. Vielleicht kapieren die Angesprochenen, was man will, nur leider wird man selbst, wenn man der Landessprache nicht mächtig ist, die Antworten nicht verstehen. Was also soll das?

Alles in allem ist diese Reihe mit das Beste, was man an kurzen, aber sehr informativen Reiseführer findet. Auch die Prag-Ausgabe hat mich überzeugt, sieht man einmal von den merkwürdig kitschigen größeren Fotos ab, die offenbar farblich nachbearbeitet wurden.


Vitamin B12: Die unterschätzte, aber lebenswichtige Funktion des »Wohlfühl-Vitamins«
Vitamin B12: Die unterschätzte, aber lebenswichtige Funktion des »Wohlfühl-Vitamins«
von Eberhard J. Wormer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ist Demenz vermeidbar?, 27. April 2017
Das ist nur eine der Fragen, mit der sich dieses Buch beschäftigt. Der Vitamin B-Gruppe und dabei insbesondere den Vitaminen B6, B9 und B12 widmet der Autor einen sehr umfangreichen, manchmal vielleicht zu wissenschaftlichen Text. Aber er macht sich dadurch weniger angreifbar, denn das Thema ist umstritten. Für Schlaganfälle und Herzinfarkte machen viele Mediziner und die Pharmaindustrie andere Ursachen verantwortlich als die, die der Autor in diesem Buch beschreibt. Auch für Demenzerkrankungen werden in der Regel andere Ursachen genannt als ein B12-Mangel.

Untersuchungen über die Funktionsweise und die Rolle von B12 im menschlichen Körper, die in diesem Buch zitiert und erläutert werden, lassen jedoch sehr eindeutig den Schluss zu, dass diesem Vitamin eine grundsätzliche Bedeutung für die Entstehung der oben genannten Krankheiten zukommt. Vitamin B12 ist für den Eiweißstoffwechsel im Körper zwingend notwendig. Ohne B12 versagen das Gehirn und das Nervensystem sehr bald ihren Dienst. Entsprechend drastische Fallbeispiele findet man im Text verstreut. B6, B9 und B12 verwandeln die für unseren Körper sehr giftige Aminosäure Homocystein in ungiftiges Methionin. Ein zu hoher Homocystein-Spiegel im Blut löst Arterienverkalkung aus und schadet dem Nervensystem und dem Gehirn. All das wird im Buch ausführlich erläutert.

Leider kennen wir in der Regel unseren Homocystein-Spiegel nicht, weil er kaum ein Objekt irgendeines medizinischen Interesses ist. Und schlimmer noch: Erst wenn es zu ernsthaften Problemen kommt, merken wir den B12-Mangel dadurch überhaupt erst. Meistens ist es dann zu spät, selbst wenn die Ursache erkannt werden sollte. Die Schäden können bereits erheblich und irreversibel sein. Da B12 nur in tierischer Nahrung (vor allem in der Leber) vorkommt, sind Vegetarier und besonders Veganer stark gefährdet. Ebenso ältere Menschen, bei denen die Aufnahme dieses Vitamins nicht mehr ausreichend funktioniert.

Nachdem der Autor dies ausreichend ausführlich erklärt hat, kommt er auch zu Methoden, wie man selbst oder durch einen Blut- oder Urintest im Labor seinen B12-Status relativ gut messen kann. Das erschien mir jedenfalls sehr hilfreich. Anschließend erklärt er die möglichen Ursachen für die Entstehung eines Vitamin B12-Mangels. Nachdem danach die Folgen eines solchen Mangels aufgezählt und erklärt wurden, erhält man Hinweise, wie man solchen Erkrankungen vorbeugen kann und welche Präparate man eventuell wählen sollte.

Wie sich bei Tests herausstellte, ist bei einem großen Teil der Bevölkerung ein durchaus kritischer B12-Mangel feststellbar. Es fehlt auf der anderen Seite das Bewusstsein für die Folgen, weil sie kaum bekannt sind und meist auch falsch zugeordnet werden. Dieses Buch versucht dies zu ändern.


Sonst knallt´s!: Warum wir Wirtschaft und Politik radikal neu denken müssen
Sonst knallt´s!: Warum wir Wirtschaft und Politik radikal neu denken müssen
von Matthias Weik
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 10,00

31 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Warum man an diesem Buch bedingungslos scheitern kann, 24. April 2017
Als mich einer der Autoren bat, dieses Buch zu rezensieren, habe ich ihn gewarnt, dass das vielleicht auch nicht gut ausgehen könnte. Leider ist es nun so gekommen, allerdings aus einem Grund, den ich vorher nicht vermutet hatte. Ich habe große Teile des Textes trotz meines aufrichtigen Bemühens einfach nicht verstanden. Das mag an meinen mangelnden intellektuellen Fähigkeiten liegen, am fehlenden Vermögen oder Willen der Autoren, den Sachverhalt richtig zu erklären, oder an beidem.  

Schon beim Lesen der Einleitung kam ich mir vor wie in einer Talkshow. Es wird viel und heftig geredet, aber wenig Substanzielles gesagt,   fast alles wird nur angerissen, in Halbsätzen oder flapsigen Bemerkungen abgehandelt oder schwammig und nicht wirklich fassbar erläutert. Entsprechend schwer fällt es, eine wirkliche Kritik zu formulieren, denn man weiß gar nicht, wo man anfangen soll oder ob es sich wirklich lohnt, auf Einzelheiten einzugehen, weil es einfach zu viele sind und die meisten von ihnen für die Hauptaussagen wenig Bedeutung besitzen. Andererseits will man aber auch nicht alles einfach so stehen lassen.   Es ist irgendwie verwirrend. So wie der Text auch. 

Meine Vermutung ist, dass sich Weik und Friedrich irgendwann mit Herrn Werner getroffen haben und dann in der Folge die Idee entstand, dieses Buch zu schreiben. Nur hatten beide Seiten nicht wirklich Zeit dafür. Und so ist ein Text entstanden, der unausgegoren wirkt und auch komische Widersprüche enthält. Ich komme darauf noch zurück. 

"Warum wir Wirtschaft und Politik neu denken müssen", heißt es bedeutungsschwanger im Untertitel. Weil es sonst knallt, lautet die Drohung im Buchtitel. Mit Knallen meinen die Autoren eine Revolution, denn am Ende warnen sie mit Jahreszahlen: 1789, 1848, 1989. Sie wollen also, dass man etwas anders macht, weil es sonst zur Revolution kommt. Das wiederum klingt so, als stünden sie auf der Seite des Establishments, das natürlich an revolutionären Veränderungen kein Interesse besitzt. Und tatsächlich bedienen die Autoren dann auch dieselben Feindbilder in ihrer Einleitung: Orban, Putin, Le Pen etc. Tatsächlich aber geht es in diesem Buch um erstens das "bedingungslose Grundeinkommen" (BGE), eine Idee von Götz W. Werner und zweitens um die nicht gelöste, sondern nur verschleppte Finanzkrise, das Thema der beiden anderen Autoren. Nun hat man noch nichts davon gehört, dass revolutionäre Umschwünge drohen, weil den aufbegehrenden Volksmassen das bedingungslose Grundeinkommen fehlen würde. Und was die tatsächlich unter der Decke weiter heftig schwelende Finanzkrise anbelangt, wählen die Deutschen immer noch mit großen Mehrheiten diejenigen, die dafür politisch verantwortlich sind. Auf die sogenannte Flüchtlingskrise gehen die Autoren zwar mit wenigen Sätzen zu Beginn dieses Buches ein, doch auch da wählen sie die offizielle Linie. 

Den Hauptteil des Textes nehmen Erläuterungen zum BGE ein. In der Hoffnung, endlich einmal verstehen zu können, was damit tatsächlich gemeint ist, habe ich dieses Buch überhaupt gelesen. Der Grundgedanke hinter dem BGE mag richtig sein, denn es leuchtet ein, dass es besser wäre, nicht die ökonomische Leistung zu besteuern, sondern eine Entnahme derselben. Soll heißen: Nicht das Einkommen, sondern ausschließlich der Konsum sollte vom Fiskus belangt werden. Folglich gäbe es nur noch eine einzige Steuer, nämlich die Mehrwertsteuer, die dann wahrscheinlich drastisch steigen würde. 

An einer viel einfacheren Steuerreform ist schon einmal eine ambitionierte Partei gescheitert, denn sie hatte zwei mächtige Feinde, die auch beim BGE sofort losschlagen werden: alle diejenigen, die an der Komplexität und Undurchschaubarkeit des deutschen Steuersystems verdienen und auf der anderen Seite die unermüdlichen Kämpfer für soziale Gerechtigkeit, die es nicht hinnehmen werden können, dass Reiche dieselben Steuersätze zahlen sollen wie alle anderen. Den Kampf gegen diese beiden Titanen wird keine Regierung aufnehmen wollen, weshalb wir es beim BGE wahrscheinlich nur mit einem Phantom zu tun haben werden, zumal eine entsprechende Steuerreform in nur einem Land zu unzähligen Problemen mit der Außenwelt führen würde. Ach ja, fast hätte ich es vergessen: Alleine nur mit der Mehrwertsteuer kann man nichts mehr steuern, was Politiker doch so gerne machen. Auch deshalb ist es fraglich, ob sie auf all ihre gewohnten Lieblingsspielzeuge einfach so verzichten werden wollen. 

Die Autoren begründen zunächst die Höhe des BGE sehr interessant. Im jetzigen Steuersystem würde es einen Freibetrag, nämlich das Existenzminimum, geben, der nicht besteuert wird. Folglich müsse man das auch bei nur einer verbleibenden Steuer tun und diesen Freibetrag jedem Bürger aufs Konto überweisen. Das wäre dann das BGE. Bei mir sammeln sich damit aber sofort unzählige Fragen. Wer bekommt das BGE? Jeder Bürger mit deutschem Pass, jeder, der mal auch nur einen Fuß auf deutschen Boden gesetzt hat und Ansprüche anmeldet? Jeder, der in Deutschland einkauft und Mehrwertsteuer bezahlt? Und wenn ja, ab welchem Alter? Darauf gibt der Text keine wirkliche Antwort. 

Wenn man nun hofft, dass die Autoren wenigstens einmal auch nur an einem Beispiel erklären, wie sich dann die Einkommen ändern würden, der sieht sich enttäuscht. Mitten drin steht dann auch noch eine Bemerkung, dass sich für die meisten gar nichts ändern würde. Das hat mich dann völlig verblüfft. Kurzum: Die Autoren drücken sich um jede Art von Konkretheit, was sie allerdings auch schwer fassbar macht. Es gibt zahlreiche Gegner des BGE, deren Argumente irgendwie nachvollziehbar sind. Die Autoren versuchen, diese Argumentationsketten zu durchbrechen. Doch leider bleiben ihre Gegenargumente seltsam vage und dünn. Nichts ist wirklich fassbar oder konkret. 

Ideen, die davon ausgehen, in einem komplexen System irgendwo eine Schraube drehen zu können, die etwas Gewünschtes erzeugt, aber alles andere so belassen soll wie vorher, scheitern in der Regel bei ihrer Durchführung an Konsequenzen, die bei ihrer Geburt im Kopf eines Menschen nicht auftraten. Kann man eigentlich mit 1000 Euro noch auskommen, wenn die Mehrwertsteuer nicht 19, sondern einheitlich 50 oder 70% beträgt? Nur mal so nebenbei praktisch gefragt. Sollte man dann noch hinzuverdienen müssen, dann wird die Arbeitskraft für Drogeriekettenbesitzer viel billiger als im alten System, weil die Sozialabgaben entfallen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Komisch wird es dann am Ende. Im letzten Kapitel wiederholen Weik und Friedrich den Inhalt ihres letzten Buches in einer Kurzfassung. Das ist sicher ihr gutes Recht. Nur fordern sie dort (und somit auch hier) die Einführung einer Finanztransaktionssteuer (S. 146). Oben hatten wir doch gelernt, dass es nur noch eine Steuer geben soll. Und weiter vorne im Text (S. 54 und 60) steht eine einfache Erkenntnis, nämlich dass "ausnahmslos alle Steuern und Sozialabgaben in den Endpreisen landen". Beim Volk also. Weik und Friedrich vergessen also offenbar Erkenntnisse aus diesem Buch, denn auch eine Finanztransaktionssteuer erreicht nicht ihr angebliches Ziel. Sie dient lediglich dazu, dass der Staat an dem, was er vorgibt kritisieren und umsteuern zu müssen, heftig mitverdient. Und zwar nur formal bei den Finanzakteuren, die das selbstverständlich ans Ende der Kette weitergeben, wo der Bankkunde wartet. Eine Heuchelei der ganz besonderen Art, die Weik und Friedrich gerne mitmachen. Den sogenannten Hochfrequenzhandel, den die Autoren zu recht kritisieren, da er schon deshalb kriminell ist, weil gewissen Marktteilnehmern von den Börsen Zeitvorteile eingeräumt werden, kann man viel einfacher direkt verhindern. Beispielsweise indem man eine Mindesthaltedauer von Positionen vorschreibt.

Es gäbe noch vieles mehr an diesem nicht sehr umfangreichen Buch zu kritisieren. Mir jedenfalls hat es nicht geholfen. Es wirft viele Fragen auf und gibt leider insbesondere beim BGE nur wenig wirklich praktisch nachvollziehbare Antworten. 
Kommentar Kommentare (18) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 20, 2017 2:54 PM MEST


The Namib Desert, Art. Structure. Colors
The Namib Desert, Art. Structure. Colors
von Jürgen Wettke
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 59,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Faszinierend. Jedenfalls aus der Ferne, 23. April 2017
Nur wenige Europäer werden sich aufmachen, die Namib-Wüste zu bereisen. Was soll man auch an einem Ort des Todes? Direkt am Atlantik beginnt diese Wüste, und sie ist eine der extremsten Gegenden dieses Planeten. In diesem Bildband kann man sie gefahrlos bewundern. Jürgen Wettke hat die Namib bereist und ist über sie geflogen. Seine Fotos dokumentieren zwar auch die Natur, aber vor allem sind sie wunderschön. Man vergisst bei dieser Ästhetik leicht den Hintergrund, denn wenn man nie dort gewesen ist, kann man sich die Hitze und die Trockenheit sowieso kaum vorstellen.

Art. Structures. Colors. So steht es im Untertitel. Und das ist ernst gemeint. Nun kann man sicher darüber streiten, ob die Natur Kunst produziert, oder ob wir Menschen das nur in unserer etwas überhöhten Wahrnehmung so sehen wollen. Völlig überwältigend sind die Dimensionen dieser Wüste, die jeder menschlichen Überheblichkeit sofort den Boden entziehen. In diesem Teil der Welt ist der Mensch klein und hilflos. Er hat keine Überlebenschance. Aus der Ferne dagegen faszinieren die Strukturen dieser Welt. Besonders die Luftaufnahmen sind ein ästhetischer Genuss. Wenn man nicht wüsste, was Jürgen Wettke aufgenommen hat oder wenn man noch nie geflogen wäre, dann könnte man einige dieser Bilder auch glatt für abstrakte Kunst halten. Und vielleicht wollte der Autor auch genau diesen Eindruck weitergeben.

Es ist kein Zufall, dass Michael Poliza das Vorwort zu diesem Band geschrieben hat, denn die Ähnlichkeiten im Stil und im Anliegen dieser beiden Männer sind unverkennbar: "Jürgen Wettkes Fotografien lassen uns über die Mysterien und die schiere Schönheit der Natur staunen und führen uns gleichzeitig vor Augen, was an unserem Planeten so schützenswert ist." Damit ist alles gesagt.


Der tägliche Stoiker: 366 nachdenkliche Betrachtungen über Weisheit, Beharrlichkeit und Lebensstil
Der tägliche Stoiker: 366 nachdenkliche Betrachtungen über Weisheit, Beharrlichkeit und Lebensstil
von Ryan Holiday
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Was auch immer es ist, ..., was du durchmachst, die Stoiker halten Weisheiten parat, die dir helfen können", 22. April 2017
Der Stoizismus entstand vor mehr als 2000 Jahren in der Antike als eine handlungsorientierte Lebensphilosophie, die inzwischen weitestgehend in Vergessenheit geraten ist. Schlimmer noch - stoisch gilt als Synonym für emotionslos, was den Kern dieser Lebenshaltung völlig verkennt. Unter den modernen Kennern findet man weniger akademische Philosophen, sondern eher Pragmatiker, für die der Stoizismus eine Lehre darstellt, die ihnen Stärke und Ausdauer verleiht. Der Autor bringt es in seiner Einleitung auf den Punkt: "Der Stoizismus lehrt, dass wir nichts beherrschen und uns auf nichts verlassen können, was außerhalb dessen liegt, was Epiktet unsere 'Entscheidungsgewalt' nennt - unsere Fähigkeit, den Verstand zu nutzen, um zu entscheiden, wie wir die Ereignisse von außen einordnen, auf sie reagieren oder uns in der Folge neu orientieren."

In diesem Buch findet man für jeden Tag ein Zitat eines der klassischen Stoiker, das danach vom Autor erläutert und kommentiert wird. Dabei handelt es sich keineswegs um irgendwelche abstrakten oder schwer verständlichen Aussagen. Ganz im Gegenteil - sie sind sehr plausibel und zeitlos. Man kann es auch anders ausdrücken: Es ist nicht nur so, dass man glaubt, diese Hinweise entstammen aus einem modernen Selbsthilfebuch, sondern sie zeigen auch, dass sich die Menschen selbst und die Probleme des gesellschaftlichen Zusammenlebens niemals wirklich geändert haben.

Die stoische Lebenshaltung erweist sich also keineswegs als ein statisches Ertragen unveränderbarer Umstände, sondern als eine Anleitung für ein dynamisches Leben, das sich an der Realität und den eigenen Fähigkeiten ausrichtet. Sie ist also wie geschaffen für Menschen, die Dinge im Rahmen des Möglichen verändern wollen. Dieses Buch bietet dabei eine große Hilfe, denn man muss sich nicht durch die Werke der Schöpfer des Stoizismus hindurcharbeiten, sondern bekommt seine tägliche Dosis, über die man nachdenken kann, um sie zu nutzen oder es zu lassen.


Die Kanzler und ihre Familien: Wie das Privatleben die deutsche Politik prägt
Die Kanzler und ihre Familien: Wie das Privatleben die deutsche Politik prägt
von Holger Schmale
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,00

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Das Private ist politisch und das Politische ist privat", 19. April 2017
Diese Kampfparole stellen die beiden Autoren in den Mittelpunkt ihres in der Summe etwas unscharfen Buches. Der erste Teil dieser aggressiven Aussage stammt von Feministinnen der 68'er-Bewegung, der zweite soll wohl der Leitspruch dieses Buches sein. Wer im Sozialismus gelebt hat, der kennt sich mit solchen Parolen und ihren möglichen Folgen gut aus. Wenn das Private nämlich politisch wird, dann bedeutet das am Ende nichts anderes, als dass der Staat sich ins Private nach seinen Vorstellungen einmischen kann und natürlich auch wird. Dann schreibt er vor, was richtig und falsch zu sein hat. Man muss nur bei bestimmten Parteien richtig hinsehen oder zuhören, dann findet man schnell Ansätze dieser Art. Dass die Autoren sich auf eine solche Aussage ausdrücklich beziehen, lässt also tief blicken.

Vordergründig geben die beiden Autoren an, sich mit dem Einfluss der Kanzlerfamilien oder der Herkunft der Bundeskanzler auf die jeweilige Politik befassen zu wollen. Dabei sparen sie die Kanzler Erhard und Kiesinger völlig aus. Sigmar Gabriels Babypause bekommt dagegen im Nachwort eine spezielle Würdigung.

Die Autoren teilen ihr Buch in drei Teile: (I) Erste Familien, (II) Herkunft, (III) Das Private und das Politische. In jedem dieser Teile werden unter diesen Gesichtspunkten, die man jedoch nicht wirklich klar erkennen kann, die sechs noch verbliebenen Kanzler abgearbeitet. Dabei entsteht ein merkwürdiges Gemisch aus Biografie und dem Versuch, aus der Herkunft und den jeweiligen Familien gewisse Entscheidungen dieser Kanzler abzuleiten. Das muss schon deswegen schiefgehen, weil eine solch eindimensionale Erklärung politischer Entscheidungen naiv oder gar absurd ist, zumal man aus dem Text der Autoren deutlich herauslesen kann, dass nur die wenigsten Kanzler sich tatsächlich von ihren Frauen, Männern oder gar Kindern grundsätzlich beeinflussen ließen. Und im Übrigen - so erfährt man aus diesem Buch - scheint es um die Partnerschaften von Kanzlern nicht immer besonders gut bestellt gewesen zu sein. Brandt und Kohl waren nach den Aussagen ihrer Kinder nur Gast in ihren Familien.

Durch die Dreiteilung bringen die Autoren eine unnötige Unruhe in ihr Buch, weil sich die Berichte über das Familienleben der Kanzler und die von den Autoren daraus abgeleiteten Schlüsse sich nicht in einem Guss lesen lassen, sondern ohne erkennbaren Nutzen für den Leser zerrissen werden. Man kann sicher über viele Aussagen im Text streiten, was jedoch im Rahmen einer Rezension zu weit gehen würde. Doch leider findet man an einigen Stellen auch regelrechten Unsinn. So steht zum Beispiel auf Seite 17: "Gleichwohl bleiben die Kohls lange Zeit Vorbilder der Mehrheitsgesellschaft, wie auch die viermalige Wiederwahl dieses Kanzlers zeigt." Der Mehrheitsgesellschaft (?) hat sich bei der Wahl Kohls sicher nicht von seinem Familienleben inspirieren lassen. Im Nachwort behaupten die Autoren am Beispiel von Merkel und ihrem Gatten, dass die Ostdeutschen sich in der kurzen Nachwendezeit nicht mit dem Kinderkriegen befassen wollten, weil sie "eine zweite Chance für ihre Lebensplanung hatten". Das ist eine nette Umschreibung für eine Situation, in der die ganze bisher gekannte Welt der meisten Ostdeutschen sich in vollständige Unsicherheit auflöste, oft verbunden mit dem Verlust der Arbeit, der gesellschaftlichen Stellung und der Perspektive. Es ließen sich noch einige andere Beispiele dieser Art finden.

Was bringt es, dieses Buch zu lesen? Man erfährt Einiges über die sechs Kanzler, ihre Lebensläufe und ihr Familienleben. Daneben lernt man auch etwas über die Geschichte der alten Bundesrepublik. Alles immer aus der Sicht der Autoren. "Die Kanzler und ihre Familien" erweist sich dabei als treffender Buchtitel. Darunter steht allerdings "Wie das Privatleben die deutsche Politik prägt", was wiederum nur schwer verständlich ist. Das Privatleben der Kanzler hat natürlich in gewisser Weise zu ihren politischen Entscheidungen beigetragen. Wie das ablief, wissen wahrscheinlich noch nicht einmal die Betroffenen selbst. Die Autoren können es bestenfalls vermuten. Aber im Untertitel steht eben nicht "Wie das Privatleben der Kanzler die deutsche Politik prägte", sondern eine ganz andere implizite Behauptung, die so einfach Blödsinn ist, weil man gar nicht weiß, wessen Privatleben eigentlich gemeint ist. Das ist leider sinnbildlich für viele Passagen dieses Buches.

Lässt man also die gelegentlich fehlende Präzision der Autoren und ihre oft erkennbare ideologische Positionierung sowie die unnötige Zerrissenheit des Textes beiseite, dann findet man ein Buch vor, das reichlich Informationen enthält und dadurch interessant wird.


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4.0 von 5 Sternen "Sie sind einen Schritt näher zur besseren Gesundheit ihres Zahnfleisches und zu einem gesunden Lächeln", 18. April 2017
Nach einem solchen Satz aus dem Handbuch zu diesem Produkt weiß man zwar immer noch nicht, was ein ungesundes Lächeln ist, das man wahrscheinlich vor seiner Benutzung hatte, aber man kann guter Hoffnung sein, dass der in Großbritannien ansässige, aber nicht britisch klingende Hersteller dieser Munddusche sich wenigstens einigermaßen verständlich für den deutschen Benutzer ausdrücken kann. Bis auf wenige Ausnahmen hält diese Hoffnung dann auch tatsächlich. Nachdem ich vor einigen Jahren mit einer Munddusche von Oral-B leider weniger gute Erfahrungen gemacht hatte, weil der Wasserschlauch nach einiger Zeit undicht wurde und dieses Problem offenbar auch bei den Nachfolgeprodukten dieses Herstellers immer noch auftritt, kam mir das Angebot von Hangsun gerade recht, sein Produkt kostenfrei zu testen.

Mich verwirren allerdings die offensichtlichen Ähnlichkeiten zu Produkten anderer Hersteller oder Vermarkter, die sofort auffallen, wenn man "Munddusche" bei Amazon eingibt und die verschiedenen Angebote auftauchen. Da man bei kostenfreien Testprodukten keine Zeit für Langzeittests zur Verfügung hat, kann man folglich auch nichts darüber berichten. Nach einer Test-Woche lässt sich Folgendes feststellen:

Für das Gerät braucht man in der Nähe eines Waschbeckens eine Stellfläche von ungefähr 10 mal 15 cm. Der Wasserschlauch des Gerätes ist maximal einen halben Meter ausdehnbar. Es empfiehlt sich allerdings nicht, das auch auszureizen, da der Schlauch dann unter Spannung kommt, was seine Lebensdauer als Schwachstelle des ganzen Gerätes mit Sicherheit verkürzen wird. Also braucht man eine Standfläche, die sich sehr nahe an einem Waschbecken befindet und nicht mehr als einen Meter von der nächsten Steckdose entfernt liegt.

Wenn man die Düse auf den Griff aufgesteckt und festgemacht hat, muss man (warmes) Wasser in den Tank des Gerätes einfüllen. Man kann den Tank zwar abnehmen, braucht dazu aber beide Hände, weil er recht fest auf dem Gerätekörper sitzt. Mir sagt das bereits, dass man das besser nicht so machen sollte, weil auf diese Weise irgendwann das Ventil zwischen Tank und Gerät kaputtgehen wird, das diese Schwergängigkeit verursacht. Also füllt man besser das Wasser mit einem Zahnputzbecher oder einem anderen Behältnis ein.

Anschließend nimmt man den Griff in eine Hand und drückt dabei bevor man das Gerät anstellt auf die Pausentaste, den sonst spritzt das Wasser beim Gerätebetrieb sofort aus der Düse. Man kann sicher darüber streiten, ob nicht die umgekehrte Variante (also Pause bis man drückt) besser wäre. Bevor man das Gerät wieder ausstellt, muss man wieder den Pausentaste auf dem Griff betätigen, solange noch Wasser im Tank ist, ansonsten wird man nass, wenn man die Düse aus dem Mund nimmt.

Das Gerät wird über den großen Druckschalter (siehe Produktfotos des Herstellers) in Betrieb genommen, den man auch drehen kann, um den Wasserdruck zu regulieren. Mir hat die niedrigste Stufe bereits gereicht, da höhere Stufen leicht unangenehm werden können. Oberhalb des Hauptschalters befindet sich ein weiterer Druckschalter, der aus dem ständigen Wasserdurchlauf einen pulsierenden macht was zur Massage dienen soll. Die meisten Anwender werden jedoch wohl nur die Mundduschenfunktion benutzen, für die verschiedene Düsen vorhanden sind. Diese soll man nach spätestens sechs Monaten austauschen.

Der Hersteller empfiehlt auf die Benutzung von Lösungen zu verzichten, da sie die Lebensdauer des Gerätes verkürzen können. Dieses Gerät kann maximal von zwei Personen genutzt werden, denn man soll es nicht länger als fünf Minuten innerhalb von zwei Stunden benutzen, weil sonst Motorschäden drohen. Also können sich höchsten zwei Menschen damit morgens oder abends innerhalb von zwei Stunden die Zähne reinigen. Etwas merkwürdig, aber so steht es im Handbuch.

Alles in allem macht dieses Gerät nach einer Woche Benutzung alles, was es machen soll, sehr ordentlich. Es ist jedoch auch ziemlich laut. Für seinen Preis kann man hochwertige Materialien kaum erwarten. Besonders der Griff und die Tasten machen einen recht billigen Eindruck, was natürlich erst einmal nichts über die Haltbarkeit aussagt. Zu diesem entscheidenden Kriterium für die endgültige Bewertung kann ich gegenwärtig nichts aussagen.


Baedeker SMART Reiseführer Istanbul: Perfekte Tage in der Bosporus-Metropole
Baedeker SMART Reiseführer Istanbul: Perfekte Tage in der Bosporus-Metropole
von Florian Merkel
  Spiralbindung
Preis: EUR 14,99

5.0 von 5 Sternen Is tim boli(n), 16. April 2017
Das stand der Legende nach auf Wegweisern in der Nähe von Konstantinopel, ist griechisch und bedeutet "in die Stadt". Die Türken hielten es offenbar für deren Namen und behielten ihn später bei als sie Konstantinopel eroberten. Eingeführt wurde der Name allerdings erst 1930 von Atatürk. Einstmals als Byzanz gegründet, wurde die Stadt von den Römern zerstört, danach wieder aufgebaut und von ihnen Augusta Antonia genannt. Daraus wurde dann später Konstantinopel nach dem ersten christlichen römischen Kaiser, die dieser dann auch gleich zur neuen Hauptstadt des Reiches auserwählte.

Man findet in diesem Reiseführer solche kurzen Erläuterungen im sogenannten "Magazin", das wie immer bei Baedeker smart gleich auf die Einleitung folgt und einen kurzen Überblick über alles Mögliche bietet. Danach folgt ein erster praktischer Teil, der kurz die Ankunftsorte, die örtlichen Verkehrsmittel, Übernachtungsmöglichkeiten, Essen und Trinken, Einkaufen und Ausgehen referiert. Weitere eventuell fehlende Einzelheiten findet man dann am Ende des Reiseführers. In den folgenden vier Kapitel werden die Stadtteile nach einem einheitlichen Schema vorgestellt: erste Orientierung, was kann man in zwei Tagen besichtigen?, Erklärungen zu dem am Anfang des Führers vorgestellten TOP 10-Sehenswürdigkeiten, die sich hier befinden, was man sonst nicht verpassen sollte, praktische Ratschläge zu Essen und Trinken, Einkaufen und Ausgehen.

Im Anschluss folgen noch ein Kapitel zu Ausflügen in die Umgebung von Istanbul und drei Vorschläge für Entdeckungstouren in der Stadt. Ob Istanbul eine Reise unter den gegenwärtigen Bedingungen wirklich wert ist, muss man wohl individuell entscheiden. Ganz unabhängig davon kann man dort viel entdecken, wobei dieser Reiseführer eine gute Hilfe ist. Er enthält neben den Karten im Inneren auch einen herausnehmbaren Stadtplan.

Ich empfand diesen Reiseführer als sehr strukturiert und informativ. Durch die Spiralbindung kann man ihn aufgeschlagen mit sich führen, was sehr praktisch ist, insbesondere, wenn man das Kartenmaterial benutzt.


Der Sohn des Hauptmanns: Roman
Der Sohn des Hauptmanns: Roman
von Nedim Gürsel
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,00

4.0 von 5 Sternen "Er kam, lachte und starb", 13. April 2017
Diese Inschrift sollte seinen Grabstein zieren. Doch bevor der Sohn des Hauptmanns und Erzähler in diesem Roman sich zum Sterben aufmachte, nahm er seine Lebenserinnerungen noch mit einem alten Tonbandgerät auf. Diesen Roman muss man wohl als Abschrift auffassen. Zurück in Istanbul erinnert sich der Erzähler in der letzten Phase seines Lebens vor allem an die Jahre seiner Kindheit und Jugend. Er beginnt mit dem Freitod der Mutter und schildert die wenig freudvollen Tage, die er danach mit seinem Vater und der Großmutter in einer türkischen Garnisionsstadt verbringen musste. Mit dem Alter verschwinden wohl auch viele schlechte Erinnerungen. Während sich der Erzähler am Blick auf Istanbul erfreut, kommen ihm Gedanken an seinen Internatsaufenthalt, seinen besten Freund und seine ersten heftigen sexuellen Erlebnisse, die in einem Liebesverhältnis mit dessen Mutter ihren Höhepunkt fanden.

Die ganze Geschichte spielt in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts und wird mit orientalischer Weitschweifigkeit erzählt. Wem die türkische Geschichte dieser Zeit nicht geläufig ist, der findet am Ende des Buches einige Hinweise auf solche Zusammenhänge. Man muss beim Lesen auf kursiv geschriebene Worte achten und sollte dann hinten nachschlagen. Wenn man das jedoch nicht weiß, bemerkt man es erst am Ende.

Im Mai 1960 kam es nach Unruhen in der Türkei zu einem Militärputsch, an dem der Vater des Erzählers unmittelbar beteiligt war. Der Roman kann keine Anspielungen auf die aktuelle Lage in der Türkei enthalten, wie einige Leser vermuten. Er wurde bereits 2014 im Original veröffentlicht. Ob er sich hingegen mit solch schwerwiegenden Fragen, wie dem Einfluss unserer Herkunft auf unser Leben tatsächlich befasst und dazu Antworten bereit hält, kann man guten Gewissens nicht beantworten. Schließlich handelt es sich nur um das Leben eines Menschens, aus dem man alles und nichts schließen kann. Was wirklich bleibt, ist eine interessante Reise in ein zu dieser Zeit für Deutsche eigentlich unbekanntes Land, in der sich ein Leben entfaltet, das uns wiederum so fremd nicht ist.

Das Buch liest sich gut, setzt aber Geduld mit dem etwas weitschweifigem Stil und Neugier gegenüber einer anderen Kultur voraus.


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