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Rezensionen verfasst von
Gottchiller

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Godzilla: History's Greatest Monster
Godzilla: History's Greatest Monster
von Duane Swierczynski
  Taschenbuch
Preis: EUR 29,03

3.0 von 5 Sternen Zweischneidiges Schwert, 3. Juli 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Für meine allgemeine Einleitung zu den Godzilla-Comics von IDW und einer Übersicht aller erhältlichen Geschichten, siehe meine Rezension zu Kingdom of Monsters Volume 1.

History's Greatest Monster besteht aus knapp 325 Seiten und fasst alle 13 Einzelausgaben der zweiten (manchmal auch Godzilla: Ongoing genannten) Godzilla-Serie zusammen.

Nach längerer Ruhepause ist es wieder soweit: Plötzlich werden Städte auf der gesamten Welt wieder von Riesenkreaturen, allen voran Godzilla, heimgesucht und verwüstet. Dieses Mal begleiten wir den Soldaten mit dem Namen Boxer, der damals zu Zeiten von Godzillas ersten Angriff (siehe erste Serie Kingdom of Monsters) seine Familie verloren hat und auf Rache aus ist. Er scharrt eine kleine Crew von ebenso schießwütigen Freuden um sich und gründet eine Art Monsterjagdgruppe, die sich teuer dafür bezahlen lässt, die Riesenkreaturen einzufangen und somit unschädlich zu machen. Nur Godzilla will nicht so echt ins Netz gehen, sehr zum Leidtragen von Boxer. Zudem stellt sich heraus, dass das große Monsteraufkommen keinesfalls zufällig ist und eine noch größere Gefahr bereits auf dem Weg zu Erde ist.

Die Geschichte stammt dieses Mal von Duane Swierczynski. Leider schafft es der werte Herr nicht mal im Ansatz, dem Leser interessante Charaktere vorzusetzen. Unser Protagonist ist eine flache und eindimensionale Soldatenfigur, die permanent nur auf Rache aus ist. Die möchtegern-traurige Geschichte um seine Familie wird fast beiläufig in den Raum geworfen, um der Figur irgendeine Motivation zu liefern. Auch die anderen Charaktere sind platt und langweilig. Wenn einer von ihnen aus dem Leben scheidet, weint man ihnen keine Träne hinterher. Der Mittelteil der Geschichte handelt quasi fast ausschließlich von der Jagd nach Godzilla und wird aufgrund der öden Akteure wirklich anstrengend da langweilig weiter zu lesen. Zum Ende hin konzentriert man sich aber wieder mehr auf die Monsteraction.

Die Zeichnungen stammen abgesehen von einer Einzelausgabe von Simon Gane. Dessen Stil ist leider sehr detailarm, kantig und unförmig ausgefallen, sodass die eh schon zähen Handlungspassagen auch noch unschön aussehen. Das bezieht sich aber interessanterweise nur auf die menschlichen Figuren. Für die Monster hingegen passt sein Zeichenstil überraschenderweise erstaunlich gut und die Monsterkampfpassagen machen im Gegensatz zur letzten Serie wirklich Spaß. Gerade im letzten Drittel wird vermehrt auf Kämpfe gesetzt und das Ganze wird dann aufgrund der witzigen Einfälle und den abwechslungsreichen Locations echt unterhaltsam.

Fazit:
Die Charaktere sind oberflächlich und die Handlung relativ unspektakulär. Wer sich durch die Story durchbeißt, wird allerdings noch mit gut umgesetzten Monsterkämpfen belohnt. Der Zeichenstil setzt die Monster treffend in Szene, lässt beim Rest aber zu wünschen übrig. Als Kaijufan kann man mal reinschauen, eine Offenbarung ist das Buch aber nicht gerade.


Jurassic World (+ 3D-Blu-ray) (+ Blu-ray)
Jurassic World (+ 3D-Blu-ray) (+ Blu-ray)
DVD ~ Chris Pratt
Preis: EUR 28,99

11 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Fanservice und die Anwesenheit von Dinos allein machen noch keinen guten Film, 28. Juni 2015
[Generelles vorweg: Wem meine Rezension zu lang ist, kann auch zum Fazit springen. Ich freue mich auch, wenn Sie in den Kommentaren zu einer Diskussion bereit sind und nicht sofort "nicht hilfreich" drücken, nur weil Sie anderer Meinung sind.]

Ich bin bestimmt nicht der Einzige, bei dem Jurassic Park einen DER Filme der Kindheit darstellt, das Interesse an Dinosauriern erst so richtig losgetreten hat und sogar dafür sorgte, dass man eine ganze Weile lang Paläontologe werden wollte. Der Film ist sicherlich nicht perfekt, aber die Charaktere waren sympathisch (auch wenn die Kinder manchmal nervten), die Atmosphäre stimmte, die CGI-Effekte waren damals bahnbrechend und die handgemachten Animatronics sehen auch aus heutiger Sicht noch verdammt realistisch aus. Die beiden Fortsetzungen konnten, abgesehen von den guten Effekten, dem Erstling zwar nicht das Wasser reichen, aber wenn man einen in Originalgröße gebauten Spinosauruskopf ein Flugzeug zerlegen sieht, kann man dem einen gewissen Unterhaltungsfaktor nicht abstreiten.

Jurassic World setzt sich die Ambition, eine würdige Fortsetzung zu Teil 1 zu werden. Teil 2 und 3 werden zwar nicht aus dem Canon geschmissen, bleiben aber unerwähnt. Der Park wird unter neuem Namen wiedereröffnet und das Konzept wird ein voller Erfolg. Doch den Zuschauern dürstet es nach mehr und so sieht man sich gezwungen eine neue Attraktion zu erschaffen: eine Kreuzung diverser Saurierspezies, die das Gefährlichste darstellt, was der Park je gesehen hat. Nur leider ist der sogenannte Indominus Rex so intelligent geraten, dass er es schafft, sich kurzerhand aus dem Staub machen und das gesamte Arial ins Chaos zu stürzen.
Dass dieser Film für Fans des Originals gemacht ist, das bekommt man permanent zu spüren. Ständig sind irgendwo mal mehr, mal weniger offensichtliche Anspielungen zu bestaunen und man könnte wohl eine Doktorarbeit darüber schreiben, wenn man sich vornimmt, alle zu finden. Die Detailverliebtheit ist wirklich bemerkenswert und in Sachen Fanservice kann man sagen, dass Jurassic World alles richtig gemacht hat.

Kommen wir aber nun zu den restlichen Faktoren, die das Filmerlebnis beeinflussen. Der Punkt, den ich jetzt anspreche, ist ein Punkt, den ich nicht nur bei Jurassic World, sondern bei vielen großen Blockbusterproduktionen zu kritisieren habe und den die breite Masse offensichtlich nicht stört: die CGI-Effekte. Spielberg hatte damals die perfekte Balance zwischen praktischen und computergenerierten Effekten gefunden. CGI wurde nur benutzt, wenn es wirklich nötig war und man hatte die Animatronics, um dem Zuschauer das Gefühl zu geben, dass da gerade wirklich ein T-Rex die Kinder fressen will. Und wenn man etwas nicht realistisch darstellen konnte, dann hat man es halt nicht gedreht. Jurassic World reiht sich stilistisch allerdings eher neben Filme wie The Avengers. Man setzt also auf einen bunten und eher heiteren Look, während Jurassic Park zwar nicht düster, aber zumindest natürlich aussehen wollte. Zudem wird Subtilität besonders klein geschrieben. Die Saurier werden am helligten Tag dick in Szene gesetzt und es wird schön damit geprotzt, was man doch schon alles animieren kann. Scheinbar geht es nur mir so, aber ich finde, die Tiere sehen einfach kein Stück echt aus. Die Szenen haben durchaus ihren Unterhaltungsgrad, das will ich gar nicht abstreiten. Aber es ist Effektfastfood, das in ein paar Jahren niemanden mehr beeindrucken wird. Es ist meiner Meinung nach einfach nur traurig, dass ein Film von 1993 streckenweise (bezogen auf die Animatronics) echter aussieht als einer von 2015. Es gab in Jurassic World Szenen mit handgemachten Sauriern (die auch wirklich gut aussahen), aber der geringe Einsatz erweckt eher den Anschein, dass das auch nur als Anspielung gedacht war. Hier muss ich leider sagen, dass das Jurassic Park 2 und 3 besser gemacht haben.

Dass Jurassic World ein reiner CGI-Effektfilm wird, konnte man sich schon anhand der Trailer denken, und ich bin auch genau mit diesen Erwartungen ins Kino gegangen. Das Konzept hätte auch (im Rahmen seiner Möglichkeiten) aufgehen können, würde dem Film da nicht sein größter Schwachpunkt im Wege stehen: das Skript. Was mir dieser Film versucht hat zu erzählen, ist nicht nur schlecht, es ist eine absolute Katastrophe. Und ich meine nicht hautpsächlich die Geschichte an sich, sondern wie sie erzählt wird. Man war sich scheinbar unschlüssig, aus welcher Sicht man den Film erzählen will, und springt daher ständig zwischen zwei den Park besuchenden Brüdern, dem Raptorendresseur Owen (Chris Pratt) und der Parkleiterin Claire (Bryce Dallas Howard) hin und her. Dabei bleiben die Charaktere eindimensional und absolut uninteressant. Der ältere Bruder des Geschwisterpaares ging mir aufgrund seiner dämlichen Entscheidungen irgendwann sogar richtig auf die Nerven. Der einzige Charakter, der etwas sympathischer rüberkommt und mit dem man etwas mitfiebert, ist Owen. Und das liegt nicht daran, wie der Charakter geschrieben ist, sondern einfach daran, dass es halt Chris Pratt ist. Das einzige Wesen, mit dem ich wirklich kurz mitgefühlt hab, war ein Raptor, und das ist nicht als Lob zu verstehen. Ehrlich gesagt machen die Raptoren sogar eine stärkere Charakterentwicklung durch als jede menschliche Figur.

Zwischen den zugegebenermaßen schon unterhaltsamen Saurierkampfszenen, müssen wir uns leider durch die Handlung kämpfen. Man könnte glauben, hier hat jemand sein allererstes Skript geschrieben oder es wurde kurz ein Autor von der Produktionsfirma The Asylum (u.a. Sharknado, Sand Sharks) ausgeborgt. Das Skript folgt simpel der Dreiaktstruktur und der Übergang vom ersten Akt (der Park wird vorgestellt) zum zweiten (der Indominus Rex bricht aus) erfolgt viel zu abrupt und stümperhaft. Dann heißt es 'Wir jagen den I-Rex', welcher immer wieder neue Fähigkeiten aus dem Hut zaubert, und keiner kommt auf die Idee mal im Labor nachzufragen, was der Saurier denn nun alles kann, bevor noch mehr Menschen draufgehen. Auch werden Fähigkeiten des I-Rex eingeführt, die nur für eine kurze coole Szene eingebaut wurden und dann für den Rest des Films völlig irrelevant sind. Manchmal reagiert das Vieh intelligenter als jeder Mensch und an anderen Stellen ist es wieder nur ein wildes Tier, das in Zerstörungslaune ist (siehe Erklärung in den Kommentaren, aber Achtung: Spoiler). Die Logiklöcher sind so groß, dass selbst der schon mies geskriptete Godzilla da reinfallen würde. Das erzählerische Unvermögen zeigt sich besonders in einer Szene, wo die Brüder ein Auto reparieren. Anstatt ihr Interesse in der Richtung vorher irgendwie einzuführen, wird einfach spontan erwähnt, dass die Brüder das ja können. Garniert wird die Geschichte mit profitorientierten Parkmanagers, die Geld über Menschenleben setzen, und die skrupellosen Großkonzerne und das böse Militär dürfen natürlich auch nicht fehlen. Wer eine möglichst große Ansammlung an Klischees bestaunen will, ist hier genau richtig. Ich könnte noch weiter erzählerische Schwächen aufzählen, aber ich glaube, mein Punkt ist angekommen. Die Ereignisse am Ende setzen dem Unsinn eigentlich noch die Krone auf, aber da muss ich zumindest gestehen, dass ich es unterhaltend fand. Und da sieht man auch, was der Film sein will: überzogene CGI-Dinoaction. Wenn man aber so einen Film machen möchte, dann sollte man es wie Transformers 1 machen (unglaublich, dass ich sowas mal sage). Der hatte mehr Action und ein Skript, dass zwar auch keinen Oscar verdient, aber zumindest halbwegs sinnig war und dem Rest nicht im Weg stand. Man sollte nicht versuchen, mehr zu erzählen als man kann.

Fazit:
Der Fanservice, den Jurassic World betreibt, ist bemerkenswert, die Atmosphäre des ersten Jurassic Parks wird aber in keinster Weise eingefangen. Man bekommt diverse zwar nicht realistisch animierte, aber schon unterhaltsame Saurierszenen serviert, muss sich im Gegenzug aber durch das katastrophale Skript kämpfen, das vor Logiklöchern und langweiligen bis nervigen Charakteren nur so trieft. Man darf auch den Anteil an schlechten Handlungsszenen gegenüber Saurieraction nicht unterschätzen. Wem ein schlechtes Skript aber egal ist und Popcorneffektkino reicht, der wird an Jurassic World schon seine Freude finden. Ihr wollt endlich mal wieder Dinos im Kino sehen? Ihr bekommt sie. Den Film als würdige Fortsetzung oder als objektiv betrachtet guten Film zu bezeichnen, kann sich aber niemand ernsthaft erlauben.

4,5/10

Noch zwei Punkte außerhalb der reinen Filmwertung:
Jurassic World wurde schlecht nach 3D konvertiert. Plastizität sucht man vergebens und räumliche Tiefe hat man auch schon besser gesehen. Also: in 2D gucken reicht.
Und was mich noch gewundert hat: Für welche Zielgruppe ist dieser Film? Natürlich will man einerseits die Fans des Originals erreichen, aber der Einbau der nervigen und eigentlich ziemlich irrelevanten Kindercharaktere lässt mich darauf schließen, dass man Kinder ebenfalls erreichen wollte. Dann wiederrum wundere ich mich aber über den teilweise recht hohen Blutgehalt, wenn die Leute vom Indominus Rex gefressen werden. Eine Szene, in der ein Flugsaurier eine Frau nicht einfach nur frisst, sondern regelrecht quält, lässt mich zu dem Schluss kommen, dass hier irgendjemand einfach nicht wusste, was er tut. Ich rate davon ab, den Film mit Unter-12-Jährigen zu schauen (in Elternbegleitung können Kinder ja schon mit 6 in den Film).
Kommentar Kommentare (10) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 3, 2015 8:01 PM MEST


Kingsman - The Secret Service [Blu-ray]
Kingsman - The Secret Service [Blu-ray]
DVD ~ Samuel L. Jackson
Preis: EUR 17,99

7 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Spaßig überdrehter Actionfilm im Stil von Kick-Ass, 27. Februar 2015
Was war Kick-Ass doch für eine herrlich überzogene Gewaltorgie mit viel Witz und Humor. Und wer den Film mochte, sollte Matthew Vaughns neuen Film Kingsman unbedingt mal unter die Lupe nehmen. Nachdem Vaughn mit X-Men: First Class doch eher auf dem Boden der Tatsachen blieb, liefert er hiermit stilistisch gesehen seinen Kick-Ass 2 ab.

Begleiten dürfen wir den jungen Eggsy (Taron Egerton), der sich mit Mühen gegenüber seinem widerlichen Stiefvater behauptet und durch das Vorstadt-Ghettoleben kämpft. Als es mal wieder richtig brenzlig wird, kommt ihm unverhofft der nobel gekleidete Harry Hart (Colin Firth) zu Hilfe, der mit fast schon übermenschlich wirkenden Kampffertigkeiten die Widersacher ausknockt. Eggsy erfährt, dass sein Vater einst einem britischen Geheimdienst, den Kingsmen, angehörte und durch Opferung seines eigenen Lebens Harry Hart das Leben rettete. Quasi als Schuldbegleichung lässt Hart Eggsy in das Rekrutierungsprogramm aufnehmen und unter dem wohl extremsten Training der Welt zu einer Kampfmaschine ausbilden. Neue Rekruten haben die Kingsmen auch bitter nötig, denn der millionenschwere und größenwahnsinnige Valentine (Samuel L. Jackson) hat ganz eigene Vorstellungen davon, das Überbevölkerungsproblem der Erde zu lösen…

Taron Egerton, der fast noch ein Neuling im Schauspielgeschäft ist, wird es nicht leicht gemacht, sich neben dieser großen Darstellerriege zu behaupten. Doch das gelingt im ausgesprochen gut. Der lässige und immer einen Spruch parat habende Eggsy scheint ihm wie auf den Leib geschneidert, doch auch in den (zugegebenermaßen eher sporadisch auftretenden) emotionalen Szenen kann Egerton beweisen, dass sich das Risiko, einem ziemlich unbekannten Darsteller für solch eine große Produktion zu besetzen, durchaus lohnen kann. Wie auch Chris Pratt dank Guardians of the Galaxy dürfte sich hier eine steil aufwärts verlaufende Schauspielkarriere anbahnen. Aber wie schon angedeutet, lässt sich auch der weitere Cast nicht lumpen. Colin Firth ist für die Rolle des adretten Hart schlicht die Idealbesetzung. Selbst in den wildesten Kampfszenen schafft er es, seinem Charakter noch einen Rest „Stock im Arsch“-Haltung zu verleihen. Michael Cain (als Leiter der Kingsmen) ist sowieso immer gern gesehen und Mark „Luke Skywalker“ Hamill in seiner kurzen Rolle als kauziger Professor zeigt, dass man diesen Schauspieler noch nicht abschreiben sollte. Ein weiteres Highlight dürfte aber der lispelnde Charakter von Samuel L. Jackson sein. Selten hat man einen Antagonisten, der im Prinzip die witzigste Figur eines Films darstellt. Die Schlabberklamotten mit Käppi und Goldkette, gepaart mit dem aufdringlichen Sprachfehler, geben ein solch skurriles Bild ab, dass das alleinige Auftreten Valentines schon für Lacher sorgen kann.

Worauf sich aber die meisten freuen dürften, sind die Actionszenen. Und die sind rasant inszeniert, überzogen brutal (wenn auch nicht ganz so extrem wie Kick-Ass) und immer mit einem Augenzwinkern versehen. Kingsman kann von sich behaupten, die im wahrsten Sinne des Wortes schönste Kopfexplosionsszene aufzuweisen. Der Film nimmt sich zu so gut wie keiner Sekunde wirklich ernst und die Actionszenen sind ziemlich comichaft in Szene gesetzt (und z.T. mit heiterer Musik unterlegt). Trotz seiner Gewaltausbrüche nimmt man die Gewalt nicht als abstoßend oder unangenehm wahr. Kingsman soll einfach nur Spaß machen, und das tut er auch.

Der Überfilm ist Kingsman dann aber doch nicht geworden, was an eigentlich eher kleineren Problemen liegt. Als etwas holprig erweist sich der Anfang des Films. Bevor man mit der eigentlichen Handlung beginnt, wird gerne ein Prolog vorgeschoben. Dieser Film startet aber gleich mit zwei davon und wirft dem Zuschauer zu schnell zu viele Charaktere um die Ohren, ohne dass der Protagonist darunter ist. Zugleich Stärke und Schwäche stellt leider der zuvor gelobte Charakter Valentine dar. Gerade weil er so verdammt witzig ist, fällt es oft schwer, ihn als Bösewicht, der ja doch ziemlich große Pläne hat, ernst zu nehmen. Irgendwie wirkte der Film auch das ein oder andere Mal zu steril bzw. zu gewaltarm. Das klingt jetzt erstmal ziemlich gewaltgeil und auch widersprüchlich zum zuvor Geschriebenen, aber der Gewaltgrad ist teilweise zu inkonsequent. Da wird einem in der Mitte des Films eine Szene in einer Kirche vorgesetzt, wo sich alle kurz und klein hacken, und zum Ende hin, wo sich ein Film eigentlich zuspitzen sollte, wird die Action überraschenderweise gewaltärmer (wenn auch natürlich nicht harmlos). Das sind keine Dinge, die den Film zerstören, eher Meckern auf hohem Niveau.

Fazit:
Matthew Vaughn zeigt wieder, dass er ein Händchen für abgedrehte Actionfilme hat und liefert eine kurzweilige Spaßorgie ab, die sowohl in den Kampfszenen, als auch auf schauspielerischer Seite überzeugen kann und immer wieder witzige Ideen parat hat. Ein paar kleine Schwächen in der Inszenierung und ein überraschenderweise zu witziger Antagonist schmälern den Gesamteindruck zwar etwas, aber Fans des ersten Kick-Ass-Films und allgemein Freunde von überzogener Action sollten Kingsman dennoch keinesfalls verpassen.

8/10

[[...] Wenn Sie einfach nur anderer Meinung über den Film sind, freue ich mich auch auf eine Diskussion (in angemessenem Tonfall). [...]]


Foxcatcher [Blu-ray]
Foxcatcher [Blu-ray]
DVD ~ Steve Carell
Preis: EUR 12,90

44 von 57 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Klasse Darsteller in langatmigem Film mit völlig falschem Fokus, 2. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: Foxcatcher [Blu-ray] (Blu-ray)
Ich bin mir fast schon 100%ig sicher, dass mir Leute vorwerfen werden, dass ich keine Ahnung von Filmen hätte und „lieber bei Transformers bleiben“ sollte. Bevor ich jetzt diesen Film verreiße, möchte ich daher klarstellen, dass ich ganz sicher kein Feind von langsamen (nicht langatmigen) oder meditativen Filmen bin. Wo ich manchmal filmische Ästhetik sehe, empfinden Andere nur pure Langeweile (z.B. bei To the Wonder von Terrence Malick). Ich brauche auch keine abartigen Folterungen, um einen Charakter als Psychopath wahrzunehmen. Darüber hinaus muss für mich ein Film eigenständig funktionieren, völlig unabhängig, ob er auf wahren Tatsachen beruht oder nicht. Zudem habe ich den Film völlig unvoreingenommen in der Sneak Preview gesehen, ohne zu wissen, was mich erwartet. Jedenfalls bin ich ziemlich überrascht, ja fast schon geschockt, dass Foxcatcher scheinbar bei einer so großen Menge an Zuschauer solch enormen Zuspruch findet.

Die Gründe, warum ich den Film so ermüdend fand, dass ich im Kino teilweise die Augen geschlossen habe (geschlafen habe ich nicht), obwohl ich sowas eigentlich nie mache, sind meiner Meinung nach die viel zu sehr gestreckte inhaltsarme Geschichte mit einer nicht bedächtigen, sondern schlicht zähen Inszenierung, gepaart mit einem vollkommen uninteressanten Hauptcharakter.
Erzählt wird aus der Sicht von Mark Schultz (Channing Tatum), einem Wrestler am Tiefpunkt seiner Karriere, der unverhofft Unterstützung durch den kauzigen Millionär John du Pont (Steve Carell) erhält. Mark zieht auf dessen großes Anwesen, wo diverse Wrestlingsportler leben und für Olympia trainieren. Endlich geht es wieder bergauf in seinem Leben und er kann schnell Erfolge erzielen. Mit der Zeit legt du Pont allerdings seltsame Verhaltensmuster an den Tag und auch mit seinem Ex-Trainer und Bruder David (Mark Ruffalo) kriselt Marks Verhältnis zunehmend.

Was ist das mit Abstand Interessanteste an dem ganzen Film? Genau: Der Charakter John du Pont. Seine undurchsichtige Persönlichkeit und sein ungewöhnliches Verhalten verunsichern den Zuschauer und man weiß oft nicht genau, ob man über das Gesehene schmunzeln soll oder ob der Mann in einem eher ein Unbehagen auslöst. Hätte man du Pont wirklich ins Zentrum des Films gestellt und die Geschichte mit ihm als Protagonisten erzählt, hätte Foxcatcher wirklich interessant werden können. Stattdessen fokussiert man sich auf Mark Schultz und driftet dabei viel zu oft ab in ein 08/15-Sportlerdrama, wie es uninspirierter nicht sein könnte. Der Charakter Mark ist ein viel zu unbeschriebenes Blatt, als dass man mit ihm mitfiebern oder gar mitfühlen könnte, eine blasse Figur, die von der eigentlichen Attraktion des Films ablenkt. Jon du Ponts Charakterzeichnung kommt nämlich trotz der enormen Screentime viel zu kurz. Aus seiner Sicht erzählt hätte man einen tiefen Einblick in seine Persönlichkeit erlangen können. So aber wird immer nur an der Oberfläche gekratzt und anstatt eines interessanten Hintergrundes bekommt man nur die abgedroschene gestörte Mutter-Sohn-Beziehung serviert. Nach Norman Bates, dessen Filmauftritt nun schon ein paar Jährchen her ist, bedarf es einfach etwas mehr, um die Psyche eines gestörten Mannes zu begründen oder zumindest zu durchleuchten. Das Ende des Films kann man darauf nur hinnehmen, ohne dass du Ponts Charakter dadurch das fehlende Stück zu einem nachvollziehbaren Ganzen oder aber (was noch besser wäre) zu einem komplexen Mysterium erhält. Man nimmt es einfach hin, weil er halt verrückt ist, und sowas ist erzählerisch nicht schön gelöst.

Die Inszenierung ist der weitere Knackpunkt. Die fast analytische Kameraarbeit mit langen Einstellungen und die auf ein Minimum reduzierte Musik geben gewissen Szenen gerade ihre Energie. Als Beispiel sei hier ein Trainingskampf zwischen Mark und David genannt, der sich immer mehr vom Training zu einem persönlichen Kampf mit Faustschlägen ins Gesicht wandelt. Auch das Gespräch zwischen du Pont und seiner Mutter (eine der wenigen Szenen, wo wir Näheres zu John erfahren) wirkt gerade durch die inszenatorische Ruhe so unangenehm. Wirklich emotional ist zudem Marks Verhalten nach einem verlorenen Kampf: Er haut sich immer und immer stärker gegen den eigenen Schädel, zertrümmert mit der Stirn einen Spiegel und verwüstet am Ende das ganze Zimmer, und das alles in einer Einstellung. Dummerweise sind diese genannten Beispiele leider keine Beispiele, sondern fast alle filmischen Highlights, die Foxcatcher zu bieten hat. Der Rest der über zwei Stunden ist ebenso auf dieselbe Weise inszeniert, bietet dem Zuschauer aber abgesehen von dem teilweise befremdlichen Verhalten du Ponts nichts auch nur annähernd Interessantes und bieten kaum emotionale Szenen, die es dem Zuschauer ermöglichen würden, eine Bindung zu den Charakteren aufzubauen. Der Film kommt nur sehr schleppend voran und man hätte meiner Meinung nach 20 Minuten herauskürzen müssen. So aber war es eine wahre Herausforderung, den Film überhaupt bis zum Ende zu ertragen.

Im starken Kontrast dazu stehen die Schauspieler. Mark Ruffalo bietet eine gewohnt starke Performanz als David und auch Channing Tatum darf in den wenigen sich anbietenden Szenen zeigen, dass auch er sich wirklich in eine Rolle hineinfühlen kann und nicht nur einen gut gebauten Frauenschwarm darstellt. Das Highlight ist aber definitiv Steve Carell als John du Pont. In gewisser Weise hat er es wieder mit einer komödiantischen Rolle zu tun. Das Unbehagen, das er besonders zum Ende des Films hin trotz der Skurrilität im Zuschauer auslöst, ist wahrlich beachtlich und wenn hier wieder Leute nach einer Oscar-Nominierung schreien, dann kann ich das durchaus nachvollziehen. Das Make-Up von Carell ist ebenso beeindruckend. Erst im Abspann hatte ich erfahren, dass das überhaupt Steve Carell da hinter der Maske ist. Nur leider stimmt das Drumherum des Films nicht. Wenn das Gesamtkonstrukt stimmig ist und die Schauspieler versagen, ist das zwar sehr ärgerlich, aber man kann den Film noch halbwegs genießen. Wenn aber das gesamte Konzept nicht aufgeht, bringen auch die besten Schauspieler nicht mehr viel.

Fazit:
Die Darsteller sind überraschend gut (mit besonderem Lob an Steve Carell), aber der langsame Erzählstil lässt sich zum Großteil nicht durch den Inhalt der Szenen rechtfertigen und sorgt dafür, dass sich Foxcatcher so sehr zieht, dass das zu Ende schauen zumindest bei mir zur reinsten Tortur verkam. Zudem konzentriert sich der Film zu wenig auf den eigentlich interessanten Charakter du Pont, lässt ihn dadurch zu unausgereift und fokussiert stattdessen eine völlig uninteressante Sportlerfigur.
Die Bewertung mag hart sein, aber die Schwächen des Films hatten derart die Oberhand, dass ich die Stärken nicht genießen konnte.

3/10

[Ich bitte darum, nicht einfach nur auf "nicht hilfreich" zu klicken, sondern im Kommentarbereich auch anzumerken, was Ihnen an meiner Kritik nicht gefallen hat. Nur so kann ich mich als Rezensent verbessern. Wenn Sie einfach nur anderer Meinung über den Film sind, freue ich mich auch auf eine Diskussion (in angemessenem Tonfall). Ich appelliere auch an Ihre Fairness, dass Sie die "nicht hilfreich"-Funktion nicht missbrauchen, nur weil Sie eine andere Meinung haben. Dafür ist diese Funktion nicht gedacht.]
Kommentar Kommentare (8) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 8, 2015 1:42 PM MEST


The Mindsweep (CD+DVD)
The Mindsweep (CD+DVD)
Preis: EUR 16,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Leichte Enttäuschung, aber immer noch empfehlenswertes Album mit gelungener stilistischer Weiterentwicklung, 16. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: The Mindsweep (CD+DVD) (Audio CD)
Enter Shikari haben sich mit jedem Album stark weiterentwickelt, sowohl stilistisch als auch generell im Bereich Songwriting. Ihr Debut Take to the Skies hatte mich nicht wirklich überzeugt. Bei Common Dreads sah die Sache schon etwas anders aus. Insgesamt hätte ich es zwar nur als knapp überdurchschnittlich bewertet, aber es hatte bereits ein paar Tracks, die deutlich aus dem Rest des Albums herausstachen und die mich absolut umgehauen haben. A Flash Flood of Colour war für mich dann der definitive Höhepunkt von ESs Diskografie. Das Album hatte einen einzigartigen Stil und stimmte einfach von Anfang bis Ende.

Dass The Mindsweep seinen Vorgänger noch übertrifft, habe ich ehrlich gesagt nicht erwartet. Selbst wenn man das Niveau gehalten hätte, wäre ein absolutes Hammeralbum dabei herausgekommen. Nach der ersten Singleauskopplung The Last Garrison war ich zugegebenermaßen etwas enttäuscht, aber schon Never Let Go of the Microscope und darauf Anaesthetist haben mich derart gefesselt, dass meine Vorfreude auf The Mindsweep ins Unermessliche stieg. Das fertige Album hat mich dann aber leider etwas enttäuscht. Am generellen Stil liegt das allerdings nicht. Hier hat man es wieder geschafft, sich von dem doch eher flippigen AFFoC abzuheben und schlägt etwas ernstere Töne an. Bei dem einen oder anderen Song geht man, was die Gitarrenarbeit betrifft, auch etwas brachialer ans Werk. Ein paar wirklich gelungene Rap-Passagen gibt es ebenfalls, auch wenn sich diese leider nur auf zwei der Singleveröffentlichungen beschränken. Hier hätte meiner Meinung nach noch ein Stück weiter gehen können. Der eigentliche "Schwachpunkt" (wenn man es denn so nennen kann) ist allerdings das generelle Songwritingniveau des Albums. Es sind immer noch genügend gute Songs enthalten, aber im Vergleich zum Vorgängeralbum gibt es etwas mehr Lieder, bei denen man sich denkt: „Nett, aber nichts was mich jetzt richtig umhaut“.

Den Anfang macht The Appeal & The Mindsweep I, eine Art Mittelweg zwischen Intro und vollwertigem Song, und liefert einen guten Einstieg ins Album, der schon einmal zeigt, in welche Richtung der Hase läuft. Das erste richtige Lied The One True Colour stellt mich überraschenderweise schon den Tiefpunkt des Albums dar. Abgesehen von einer Variation des Refrains zum Ende hin stellt dieser Track für mich eine ziemlich unspektakuläre Hardcorenummer dar. Entschädigt wird man dann allerdings schon mit Anaesthetist, einer klasse Mischung aus groovigen Elektroparts mit Rapgesang und einem knalligen Refrain. The Last Garrison fängt ebenso kraftvoll an, aber der Schunkelrefrain wirkt anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Nach ein paar Anläufen fand ich das Lied eigentlich ganz gut, der letzte Funke wollte aber nicht richtig überspringen. Mit Never Let Go of the Microscope startet das Album dann so richtig durch. Das Lied besteht zum Großteil aus Rap-Parts, unterlegt mit Synthi-Beats, und wartet am Ende mit einem epischen Finale und einer genial atmosphärischen Schlussmelodie auf. Myopia fängt noch an wie eine stilistische Fortsetzung des Schlusses des letzten Liedes und schlägt auf einmal um in eine abwechslungsreiche Prügelnummer, die immer die richtige Waage zwischen Geknüppel, langsameren Passagen findet. Torn Apart ist hingegen relativ poppig ausgefallen, wirkt aber kein Stück anbiedernd und das etwas kraftvollere Ende des Songs ist absolut gänsehauterregend. Nach einer kurzen Überleitung geht es weiter mit dem bluesigen The Bank of England, kein Übersong, allerdings eine schöne Abwechslung zu den vorigen Liedern. Das kurze chaotische There’s a Price On Your Head erinnert sehr stark an System of a Down. Für zwischendurch ist so ein Stück eigentlich gar nicht schlecht, aber bei so einer geringen Trackanzahl (12 Lieder inkl. Quasi-Intro, Quasi-Outro und kurzen Interlude) hätte ich mir doch ein eigenständigeres Lied gewünscht. Schlecht ist das Stück aber gewiss nicht. Dear Future Historians… hingegen stellt für mich das zweitschwächste Lied dar. Eine Ballade läuft immer Gefahr, eben nicht mitzureißen und stattdessen als „Ballade des Albums, die halt irgendwie dazugehört“ zu verkommen, und genau das ist hier meiner Meinung nach passiert. The Appeal & The Mindsweep II ist ähnlich wie Teil 1 eine Gradwanderung zwischen richtigem Song und Outro und lässt das Album zumindest noch ansprechend ausklingen.

Besonders aufgeregt hat mich die Situation um das Lied Slipshod (was ich allerdings nicht in die Bewertung einfließen lasse). Wenn ein bestimmter Bonustrack exklusiv bei einem Shop erhältlich ist, finde ich das schon nicht sonderlich lustig. Besonders ärgerlich finde ich es aber, wenn es einen Bonustrack exklusiv als Download gibt (in diesem Fall bei Itunes). Ein Download ist für mich nicht gleichwertig mit einer richtigen CD und erst recht frustrierend ist es, wenn es sich um so einen Wahnsinnssong wie Slipshod handelt. Das Lied ist zugegebenermaßen sehr kurz und passt stilistisch auch überhaupt nicht zum Rest des Albums, aber dieser Aggrotechverschnitt im Enter Shikari-Gewand haut einfach mitten auf die Zwölf. Nicht zu Unrecht hat das Lied vorab ein eigenes Musikvideo spendiert bekommen. Wer das Album mit diesem Lied (und der Rat Race-EP, ohne Remix) auf CD haben möchte, muss sich das gute Stück teuer aus Japan importieren.

Fazit:
The Mindsweep steht auf eigenen Füßen und ist kein Abklatsch von A Flash Flood of Colour geworden. Einige (sehr) gute Songs sind vertreten, aber dieses Level kann das Album, anders als sein Vorgänger, nicht durchgängig halten. Eigentlich handelt es sich hier aber schon fast um Meckern auf hohem Niveau und jeder Enter Shikari-Fan sollte mit The Mindsweep seine Freude haben. Ein Ärgernis stellt allerdings die Itunes-Exklusivität des Songs Slipshod dar.

7,5/10

Persönliche Favoriten:
Anaesthetist, Never Let Go of the Microscope, Myopia, Torn Apart, (Slipshod)

Das Hauptfeature der Bonus-DVD stellt ein Konzert in St. Petersburg von 2014 dar. Die Songauswahl stimmt und auch die Band hatte sichtlich Spaß bei ihrer Performance. Die Gitarren sind etwas leise abgemischt, aber trotzdem war der Mitschnitt sehr unterhaltsam und ist die wenigen Euros Aufpreis definitiv wert. Der Bonusmitschnitt aus Reading (Großbritannien) stammt von einem Festival und ist aufgrund der deutlich schlechteren Abmischung und der fast identlischen Songauswahl wirklich nur als nette Dreingabe zu sehen.


Abandon Ship
Abandon Ship
Preis: EUR 15,09

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Extrem abwechslungsreich, im Detail aber wenig einprägsam, 14. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Abandon Ship (Audio CD)
Im Bereich der elektronischen Musik scheint es mittlerweile Gang und Gebe zu sein, EP um EP zu veröffentlichen, bis dann irgendwann auch mal ein richtiges Album herausspringt. Knife Party haben sich mit ihren drei EPs und diversen Remixen bereits einen Namen gemacht und überzeugten durch einen gekonnten Mix zwischen Dubstep und House. Was in EP-Laufzeit funktioniert, kann in Albumlänge allerdings schnell langweilig werden und so hat das Produzentenduo bereits früh verlauten lassen, dass das Album ein viel breiteres Genrespektrum als noch die Extended Plays spendiert bekommt, was sich auch in den vorab veröffentlichten Songs bestätigte. Nun ist der lang ersehnte und zuvor bereits verschobene Long Player endlich auf dem Markt, um sich den doch hohen Erwartungen der Fanbase zu stellen.

Vorweg lässt sich erstmal bestätigen, dass Rob Swire bzgl. der Vielfalt des Albums nicht zu viel versprochen hat. Vom typischen Knife Party-Dubstep/House-Sound, über Trap und Techno bis hin zu richtigen Dance-Nummern ist wirklich alles Mögliche vertreten, wobei House aber dominiert (ich bitte um Verzeihung, wenn ich gewisse Genrezuweisungen nicht einwandfrei hinbekomme). An dieser Stelle ist es wichtig zu erwähnen, dass eben der typische Knife Party-Sound auf diesem Album nur ganz selten zu hören ist. Dass man nicht immer dieselbe Musik machen will, ist natürlich verständlich, aber schon auf dem Debutalbum solch einen radikalen Schritt zu gehen, ist wirklich gewagt. Und so sehr ich Abwechslungsreichtum auf einer CD auch begrüße, so muss ich doch gestehen, dass genau hier der große Schwachpunkt des Albums liegt. Es funktioniert als Gesamtwerk, aber nur bei ganz wenigen Liedern bekomme ich das Verlangen, sie auch mal gesondert vom Rest zu hören. Es fehlt mir einerseits der Musikstil, der mich überhaupt dazu gebracht hatte, Knife Party zu hören, andererseits mangelt es den meisten Songs mMn nach schlicht an Wiedererkennungswert (ich habe bewusst das Wort Ohrwurmtauglichkeit vermieden).

Das Intro Reconnect fängt noch vielversprechend an, aber schon mit dem House-lastigen Resistance hatte ich meine Probleme. Irgendwie fehlt mir das gewisse Etwas, dieser Drang bei der Hauptmelodie mit dem Kopf mitzuwippen. Die Trap-Nummer Boss Mode, die wie auch der vorige Song schon vorab veröffentlicht wurde, erntete bei vielen Fans bereits viel Häme und überraschenderweise hat mich dieser Song noch überzeugt. Auf Dauer könnte ich mir diesen Stil wohl nicht anhören, aber für zwischendurch ist der Song wirklich witzig. EDM Trend Machine (mit Gesang von Bryn Christopher) fällt in den Bereich Deep House und vielleicht kann ich mit dem Genre einfach nicht viel anfangen, aber für mich taugt das Lied nur zum nebenbei hören. 404 stellt für mich das erste Highlight dar, eine düstere Dubstep/House-Nummer im Stile von EDM Death Machine (Haunted House EP). Bei Begin Again hört man Rob Swire wieder singen und auch wenn es ganz schön anzuhören ist, hängen bleibt bei mir nicht wirklich etwas von dem Lied und man landet wieder in der Kategorie “zum nebenbei hören ganz gut“. Give It Up ist mein Favorist des Albums. Das Lied erinnert teilweise zwar etwas zu sehr an Bonfire, aber dieser groovige melodische Drop ist genau das, was ich eigentlich an Knife Party so schätze. D.I.M.H. ist eine Electro-House-Nummer, bei der es mir ähnlich erging wie bei Begin Again. Micropenis ist ein etwas minimalistischerer Technosong, den ich zwar nicht als “schön“ bezeichnen würde, aber dennoch krankt er an demselben Problem, wenn auch das Sample am Anfang wirklich witzig ist. Bei der Dance-Nummer Superstar (wieder Gesang von Bryn Christopher) sieht es ähnlich aus, nur der Schluss macht einen interessanten Twist in Richtung Trance ala Infected Mushroom. Das mit orientalischen Klängen angereicherte Red Dawn hingegen schafft es wieder, in mir den Drang zum Mitwippen zu wecken und stellt mein drittes Highlight der CD dar. Kaleidoscope ist vom Aufbau her zwar eigentlich ein vollwertiges Lied, hat aber eigentlich eher Outro-Charakter und wenn man es so betrachtet, finde ich es auch ganz gut gelungen.

Wichtig zu erwähnen ist noch, dass ich zwar diverse elektronische Genres höre, in jeweiligem aber nur ausgewählte Interpreten, und mir meist irgendwelche Genremixturen besonders zusagen. Deshalb hatte ich auch Gefallen an Knife Party gefunden. Abandon Ship dürfte starke Geschmackssache sein und diese Rezension sollte nicht als strikte Nicht-Empfehlung verstanden werden, sondern nur vor einem Blindkauf abraten. Gerade den Knife Party-Fans ist ein Probehören besonders an Herz gelegt.

Fazit:
Abandon Ship ist besonders abwechslungsreich und funktioniert in Gesamtbetrachtung durchaus. Leider sind die Lieder für sich betrachtet meist wenig einprägsam und das Album verkommt als CD, die man „gut nebenbei hören kann“ und nur an wenigen Stellen zum richtigen „Zuhören“ geeignet ist. Aufgrund der Genrevielfalt und der resultierenden Geschmackabhängigkeit sollte man sich aber nicht sofort abschrecken lassen und Abandon Ship einfach mal probehören.

6/10

Persönliche Favoriten: Boss Mode, 404, Give It Up, Red Dawn
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 31, 2015 12:50 AM CET


Wie in alten Zeiten [Blu-ray]
Wie in alten Zeiten [Blu-ray]
DVD ~ Pierce Brosnan
Preis: EUR 9,97

51 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Total hirnrissiges Skript, aber dennoch (oder gerade deshalb) unterhaltsam, 7. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Wie in alten Zeiten [Blu-ray] (Blu-ray)
The Love Punch (in Deutschland: Wie in alten Zeiten) von Joel Hopkins dreht sich um das geschiedene Ehepaar Richard (Pierce Brosnan) und Kate (Emma Thompson). Richard muss kurz vor seinem Ruhestand feststellen, dass seine Firma von einem Investor in den Ruin getrieben wurde, welcher sich davor aber noch reichlich die Taschen gefüllt hat. Die Pension, die eigentlich das Studium der Tochter finanzieren sollte, ist futsch und Richard und Kate müssen sich einen Plan einfallen lassen, um sich das gestohlene Geld zurück zu beschaffen. Kurzerhand reisen die beiden zusammen nach Paris, um den dort ansässigen Investor zur Rede zu stellen, welcher sich wie zu erwarten nicht sonderlich einsichtig zeigt. Durch Zufall bekommt Kate mit, dass der Übeltäter im Besitz eines wertvollen Diamanten ist, und überredet Richard, diesen zu stehlen. Kurzerhand werden die besten Freunde Jerry (Timothy Spall) und Sophie (Tuppence Middleton) nach Paris geholt und in den Plan eingeweiht, und schon nimmt der amateurhafte Coup seinen Lauf, wobei sich das entzweite Paar wieder näher kommt.

Ist die Handlung an den Haaren herbeigezogen? Definitiv. Strotzt der Film voller Logiklöcher und Ungereimtheiten? Ohne Zweifel. Ist der Film Mist? Interessanterweise muss ich sagen: Nein! Alle Charaktere in diesem Film verhalten sich zutiefst unrealistisch, bei diversen Entscheidungen kann man sich eigentlich nur an den Kopf fassen und dennoch hat mich The Love Punch bestens unterhalten. Es wird zu keiner Zeit auch nur versucht, ein halbwegs glaubwürdiges Szenario zu erschaffen und genau deshalb funktioniert das Ganze auch. Das Ziel ist es, den Zuschauer zum Lachen zu bringen, und lachen musste ich unerwartet viel und oft. Der Film ist so herrlich bescheuert, dass es wirklich Spaß macht und man ihm die Hirnrissigkeiten überhaupt nicht übel nimmt. Das Viererteam kommt absolut sympathisch rüber, was den gut harmonierenden Darstellern zu verdanken ist, wobei Pierce Brosnan sich auch für ein paar augenzwinkernde James Bond-Anspielungen nicht zu schade ist. Für viele Lacher sorgt auch Timothy Spall, den meisten wohl als Wurmschwanz aus den Harry Potter-Filmen bekannt, da er an seiner Rolle sichtlich Spaß hatte und ihm humorvolle Rollen einfach gut stehen.

Trotzdem ist das Grundgerüst der Handlung nun mal ein relativ abgedroschenes Thema: „Ein getrenntes Ehepaar wird mit schwerwiegenderen Problemen konfrontiert und findet dabei wieder zueinander“. Innovativ oder gar originell ist The Love Punch sicher nicht. Auch macht man es sich etwas einfach, wenn man am Drehbuchschreiben ist und sich denkt „Ach, ich hab keine Lust eine schlüssige Handlung zu schreiben. Ich reihe einfach Nonsens aneinander“. Auf diese Weise etwas Nachhaltiges zu erschaffen, ist nicht einfach und in diesem Fall auch nicht gelungen. Man hat zwar viel zu lachen, aber wirklich einprägsame Szenen sucht man vergebens. Man fühlt sich zwar gut unterhalten, der Wunsch, den Film erneut zu sehen, kommt aber nicht auf.

Fazit:
Die Handlung ist totaler Blödsinn, bleibt sich diesbezüglich aber konsequent treu und weiß daher trotzdem zu unterhalten. Die Darsteller passen super in ihre Rollen und es gibt den ganzen Film über reichlich zündende Gags oder witzige Szenen. Originell ist das Ganze allerdings nicht und wirklich hängen bleibt von The Love Punch auch nicht viel, ein Film der Kategorie „einmal sehen reicht“. Dieses eine Mal ist aber kurzweilige Unterhaltung, nicht mehr, nicht weniger.

7/10
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 9, 2015 10:59 AM MEST


Godzilla: Kingdom of Monsters Volume 3
Godzilla: Kingdom of Monsters Volume 3
von Jason Ciaramella
  Taschenbuch
Preis: EUR 17,13

2.0 von 5 Sternen Unschöner Abschluss der Geschichte, 4. Oktober 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Für meine allgemeine Einleitung zu den Godzilla-Comics von IDW und einer Übersicht aller erhältlichen Geschichten, siehe meine Rezension zu Kingdom of Monsters Volume 1.

Kingdom of Monsters Volume 3 besteht wieder aus knapp 100 Seiten und fasst die Einzelausgaben #9 bis #12 zusammen.

In diesem Band wurden nun auch die Autoren ausgetauscht und Jason Ciaramella übernimmt das Storytelling. Und was lässt sich zur Handlung sagen? Es gibt keine! Deshalb bedarf es auch keiner Spoilerwarnung. Der gesamte Band lässt die Handlung einfach irgendwie zu Ende laufen, indem sich ein Monster mal mit dem einen und dann mit dem anderen bekämpft. Hinzukommt, dass die Riesenspinne Kumonga überhaupt nicht mehr vorkommt, obwohl sie in Volume 2 kurz eingeleitet wurde. So hätte man sie im vorigen Band auch gleich komplett streichen können. Dass Ciaramella schlicht keine Handlung eingefallen ist, erkennt man auch an dem überlangen Epilog, der wohl eine gesamte Ausgabe in Anspruch genommen hat. Dort wird nach dem Finale wehmütig über die Hinterlassenschaften der Monster und das weitere Schicksal der Menschheit berichtet, so als würde man versuchen, auf den letzten Drücker noch etwas Endzeitatmosphäre in den Comic zu quetschen. Das ist leider völlig nach hinten losgegangen und langweilt einfach nur.

Eine ganze Ausgabe voller Monsterkämpfe? Das klingt doch spaßig! Ja, dass ist es zu einem gewissen Grad auch. Dumm nur, dass Victor Santos wie im letzten Band die Zeichnungen übernimmt und diese schlicht nicht sonderlich gut sind. Wenn man sich fast nur auf Monsterkämpfe beschränkt, müssen diese auch ansprechend aussehen, und das tun sie nur mäßig. Dennoch reißen die Kämpfe den Comic ganz knapp über die Mindestwertung.

Fazit zu Volume 3:
Erst gingen die Zeichnungen den Bach runter und nun auch die Handlung. Dieser Comic ist nur für Beinhart-Godzillafans ansatzweise lesenswert. Mehr lässt sich eigentlich nicht sagen.

Fazit zu Kingdom of Monsters:
Eine wirkliche Glanzleistung war die Handlung von Anfang an nicht. Diverse Monster werden ohne näheren Hintergrund ins Geschehen geschmissen und bis man einen Protagonisten zu sehen bekommt, dauert es einfach zu lange. Dennoch fand ich persönlich die politischen und popkulturellen Seitenhiebe sehr unterhaltsam. Diese verschwinden zum Schluss aber auch komplett (dank Autorenwechsel). Die Illustrationen waren anfangs noch auf einem befriedigenden bis guten Level, fielen dann aber (ebenfalls dank Crewwechsel) deutlich ab. Wer ein absoluter Godzillafan ist, dürfte zumindest noch mit den ersten beiden Volumes seinen Spaß haben. Insgesamt betrachtet lässt sich aber keine Empfehlung für Kingdom of Monsters aussprechen. Es bleibt nur die Hoffnung, dass die folgenden Geschichten besser werden.


Godzilla: Kingdom of Monsters Volume 2
Godzilla: Kingdom of Monsters Volume 2
von Tracy Marsh
  Taschenbuch
Preis: EUR 16,94

3.0 von 5 Sternen Ein paar Schritte vor und etwas mehr zurück, 10. September 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Für meine allgemeine Einleitung zu den Godzilla-Comics von IDW und einer Übersicht aller erhältlichen Geschichten, siehe meine Rezension zu Kingdom of Monsters Volume 1.
Wer Volume 1 noch nicht gelesen hat und sich nicht spoilern lassen möchte, kann sich in dieser Rezension auch auf das Fazit beschränken.

Kingdom of Monsters Volume 2 besteht wieder aus knapp 100 Seiten und fasst die Einzelausgaben #5 bis #8 zusammen. Eric Powell und Tracy Marsh sind weiterhin für das Skript verantwortlich, während Victor Santos nun für die Zeichnungen übernimmt.

Nach dem Kampf von Godzilla und Anguirus wurde Los Angeles komplett zerstört. Die Versuche der US-Regierung, zumindest eines der Monster auszulöschen, haben abgesehen von der Tötung von Zivilisten keine merklichen Auswirkungen. Sergeant Woods versucht währenddessen sich von den Großstädten und den Monstern fernzuhalten, wobei er ein verwaistes Mädchen aufgabelt. Hauptgefahr sind allerdings nicht die Monster, sondern die menschlichen Mitbürger, da die Gesellschaft langsam den Bach runtergeht und jeder für sich selbst kämpft. Gleichzeitig schmieden die finsteren Zwillinge mit ihrer Marionette Battra Pläne, um ihre Herrschaft noch stärker auszuweiten.

Anfangs wirkt die Handlung immer noch wie ein zusammenhangloses Handlungsgerüst, aber dann kriegt man doch die Kurve und konzentriert sich auf Woods, womit man endlich einen Protagonisten bekommt, mit dem man ein wenig mitfiebern kann. Tiefgründige Charaktere sucht man natürlich vergebens, aber wir sind hier ja schließlich in einem Monstercomic. Wirklich lieblos in die Handlung geschleudert wurde leider King Ghidorah. Sein Auftritt ist völlig irrelevant für die Geschichte und genau so nebensächlich, wie er auftaucht, verschwindet er auch wieder. Allerdings bekommt man nun ein paar mehr Monsterkämpfe geboten, die im Groben und Ganzen auch zu unterhalten wissen. Die unterhaltsamen politischen Kommentare sind auch wieder mit dabei (dieses Mal kriegen sogar die Deutschen kurz ihr Fett weg), stehen aber nicht mehr so im Fokus.

Ein dickes Minus gibt es leider für die Zeichnungen von Victor Santos, welche um einiges schwächer sind als noch die von Phil Hester aus Volume 1. Die Monster gehen noch in Ordnung, wenn auch hier ebenfalls Abzüge zu verzeichnen sind, aber die menschlichen Charaktere wirken teilweise wie lieblos dahingeklatscht. Die Handlung bietet eigentlich eine interessante anarchische Ausgangssituation. Um dieser Stimmung gerecht zu werden, hätte der Comic allerdings viel düsterer ausfallen müssen.

Fazit:
Man bekommt endlich einen Protagonisten, wenn auch die Charaktere eher eindimensional bleiben, und darf sich auf mehr Monsterkämpfe freuen. Der Zeichenstil lässt allerdings zu wünschen übrig und passt sich nicht genug der Handlung an, welche zwar nette Ansätze aufweist, aber ebenfalls mit dramaturgischen Schwächen zu kämpfen hat. So bleibt nur ein zwiespältiges Gesamtbild mit verschenktem Potential. Ob Volume 3 das Ruder rumreißen kann, muss sich zeigen, ist aber zu bezweifeln.

Weiter geht es mit Godzilla: Kingdom of Monsters Volume 3.


Godzilla: Kingdom of Monsters, Volume 1
Godzilla: Kingdom of Monsters, Volume 1
von Eric Powell
  Taschenbuch
Preis: EUR 17,70

4.0 von 5 Sternen Beginn einer Reise durch die Godzilla-Comicwelt von IDW, 6. September 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Erstmal vorweg gesagt: Eigentlich bin ich kein ambitionierter Comicleser und eigentlich bin ich auf diese Comicreihe nur gestoßen, weil der neue Godzillafilm bei mir ein kleines Revival meiner Kindheitsinteressen (eben jene Filme) ausgelöst hat. So bin ich auf die Comicreihe Godzilla: Rulers of Earth gestoßen. Beteiligt ist dabei Graphic Artist Matt Frank, der mich früher schon mit umwerfenden Kunstwerken verblüfft hat und nach kurzen Kostproben der Bücher entschied mich, mich mit den Godzillacomics von IDW näher zu befassen. So erfuhr ich, dass sich die Hauptstoryline in bisher drei 'Staffeln' unterteilen lässt, von denen Rulers of Earth die Dritte darstellt.

Da ich die Geschichte gerne von Anfang an verfolgen wollte, entschloss ich mich, bei der ersten Reihe Kingdom of Monsters zu beginnen, die auch gleichzeitig die erste Veröffentlichung von IDW zum Thema Godzilla darstellt. Stück für Stück werde ich mich durch die Volumes arbeiten (hoffentlich nicht kämpfen) und sollte mir die Reihe wirklich gut gefallen, kommen vielleicht auch noch die Miniseries, die außerhalb der Continuity der Hauptreihe spielen, hinzu. Da ich wie gesagt kein comicaffiner Mensch bin, bewerte ich die Bücher nur auf dem Level, wie es mir möglich ist. Die weiteren Rezensionen werden etwas kürzer ausfallen, da ich nur auf die Änderungen im Vergleich zu den vorigen Büchern eingehen werde.

Vorweg aber noch eine Übersicht der IDW-Comics zum Thema Godzilla (Stand 03.07.2015, für meine Rezension einfach auf den Link klicken):

Hauptreihe:
1. Kingdom of Monsters (12 Ausgaben, 3 Volumes)
2. Godzilla (aka. Godzilla: Ongoing) (13 Ausgaben, 3 Volumes, zusammengefasst als History's Greatest Monster)
3. Rulers of Earth (z.Z. 24 Ausgaben, 5 Volumes)

Miniseries:
1. Gangsters & Goliaths (5 Ausgaben, 1 Volume)
2. Legends (5 Ausgaben, 1 Volume)
3. The Half-Century War (5 Ausgaben, 1 Volume)
4. Cataclysm (5 Ausgaben, 1 Volume)

Fangen wir also bei Kingdom of Monsters an. Volume 1 besteht aus knapp 100 Seiten und fasst die Einzelausgaben #1 bis #4 zusammen. Das Cover ist mMn schön gestaltet und die Prägung der Schriftzüge verleiht dem Ganzen einen wertigen Eindruck. Am Ende des Buches findet sich eine Ansammlung der Covermotive der einzelnen Ausgaben, was mir besonders gefällt, da man sich bei den Einzelausgaben immer zwischen verschiedenen Covers entscheiden musste und hier alle zu sehen bekommt.

Kommen wir zu meiner Bewertung des Comics:
Die Geschichte ist keine Fortsetzung einer der Filme, sondern fängt komplett bei null an. Überall auf der Welt tauchen plötzlich Riesenmonster auf, allen voran Godzilla. Diverse Städte werden in Schutt und Asche gelegt und das Militär versucht Pläne zu entwickeln, um den Monstern Einhalt zu gebieten. Zwei mysteriöse Zwillingsschwestern mit übersinnlichen Fähigkeiten scheinen aber ihre eigenen Ziele zu verfolgen.
Ja, das ist es eigentlich schon, viel mehr bekommt man im ersten Band an Handlung nicht geboten. Und hier liegt mMn auch der Hauptschwachpunkt des Comics. Es wird zwar jedes Monster einzeln mit einer kleinen Story eingeführt, insgesamt handelt es sich aber nur um einzelne völlig belanglose Handlungsstränge und keinen richtigen Zusammenhalt als Geschichte. Der Charakter Sergeant Woods, ein Kriegsveteran mit Hass auf die verkommene heutige Gesellschaft, macht den Eindruck, er solle als Protagonist fungieren. Allerdings wird er merkwürdigerweise erst im letzten Viertel des Buches eingeführt. Es bleibt zu hoffen, dass sich das in den folgenden Bänden bessert.
Nun aber zu den positiven Seiten. Mir persönlich gefällt der Zeichenstil von Phil Hester. Er ist zwar nicht atemberaubend und verdient kein übermäßiges Lob, aber großen Tadel fände ich ebenso wenig angebracht, auch wenn ein paar wenige Einstellungen ein paar mehr Details gut hätten vertragen können. Die Monster werden schön bösartig dargestellt, oftmals auch ohne Pupillen, und diverse Bilder vermitteln gut den Eindruck von der gigantischen Größe der Kreaturen.
Mir gefielen die bösartige Gesinnung der Ungeheuer und der allgemein eher ernste Ton des Comics. Tatsächlich werden Menschen öfters z.B. richtig gefressen, ein Gewaltgrad, den man von den Filmen eher nicht kennt. Im Kontrast dazu stehen die bissigen sozialkritischen und politischen Kommentare, ich im Gegensatz zu manch anderen nicht für deplatziert halte. Sie verleihen dem ganzen eine sarkastische Note und verhindern damit, dass sich die Geschichte zu ernst nimmt. Besonders ulkig fand ich die Künstlerin, die sich für die Rechte der Monster einsetzt, da es ja auch Lebewesen seien.
Man hat sich neben den Rechten für Godzilla auch die Lizensen für diverse weitere Monster aus dem Tohouniversum gesichert. Welche das sind, würde aber an dieser Stelle noch nicht verraten, um dem geneigten Godzillafan nicht die 'Ach, den kenn ich doch'-Momente kaputt zu machen. Die Monsterszenen machen wirklich Spaß, auch wenn man sich abgesehen vom Ende noch nicht wirklich auf Kämpfe freuen darf (was für den Anfang aber genau richtig ist).

Abschließendes Statement:
Der Comic hat Probleme im Handlungsaufbau und im Präsentieren einer Identifikationsfigur. Trotzdem gibt es gewisse Storyansätze, die durchaus noch interessant werden könnten und die Monsterszenen waren sehr unterhaltsam. Der Comic richtet sich aber definitiv an Godzilla- und nicht allgemein an Comicfans. Um ein generelles Interesse an den Filmen und deren übergroßen Akteuren kommt man nicht drum herum. Ich jedenfalls freue mich auf Volume 2.

Weiter geht es mit Godzilla: Kingdom of Monsters Volume 2.


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