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Rezensionen verfasst von
MissVega (Hamburg)

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King Arthur: Legend of the Sword [Blu-ray]
King Arthur: Legend of the Sword [Blu-ray]
Preis: EUR 20,99

8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schöner König, 16. Mai 2017
(Kinoversion)

»Intro«

Regisseur Guy Ritchie macht mittlerweile seit knapp 20 Jahren Filme. Sein 1998er Erstling „Bube, Dame, König, grAS“ wurde über die Jahre zum Kultfilm und bewies eindrucksvoll das kreative Talent sowie die lockere Inszenierungsart des Regisseurs. „Snatch“ und „RocknRolla“ reichten zwar an den schnodderigen Charme von Ritchies Erstling nicht heran, dafür zeigte er mit „Sherlock Holmes“ 2009, dass er auch größere Budgets und Stars der A-Liga Hollywoods gut verwalten und lenken kann. Für „King Arthur“ nun standen ihm satte 175 Millionen Dollar zur Verfügung, von denen ein großer Teil in die teilweise recht aufwendige CGI geflossen sein dürfte. Aber auch Rising Star Charlie Hunnam und Veteran Jude Law dürften nicht für einen Appel und ein Ei zu haben gewesen sein. „King Arthur“ ist ein aufwendig inszeniertes Fantasy-Action-Spektakel, dem jedoch ein paar kräftige Schnitte und mehr Witz und Sarkasmus gut zu Gesicht gestanden hätten.

»Wassup?«

Britannien, um und bei 500 n.C.: Im Kindesalter wurde Arthur (Charlie Hunnam, „Sons of Anarchy“) von seinem Vater, König Uther Pendragon (Eric Bana, „Cold Blood“), getrennt, nachdem schon seine Mutter einen grausamen Tod fand. In derselben Nacht starb allerdings auch der König, so dass Arthur schlussendlich in Londinium unter Prostituierten aufwuchs und nichts von seiner königlichen Herkunft ahnte. Im Erwachsenenalter allerdings erfährt Arthur, wer er wirklich ist, vor allem deshalb, weil es ihm gelingt, das magische Schwert Excalibur aus einem Stein zu ziehen, was der Legende nach nur dem Sohn des Königs gelingt. Der seit dem Tod seines Bruder zum König aufgestiegene Vortigern (Jude Law, „Sherlock Holmes“) will allerdings mit aller Macht verhindern, dass sein Neffe den Thron besteigt, und ist dafür zu allem bereit. Arthur bekommt indes sowohl Unterstützung von Rebellen als auch von seinen Freunden aus Londinium. Und dann wäre da noch eine geheimnisvolle Magierin (Astrid Bergès-Frisbey, „Fluch der Karibik – Fremde Gezeiten“), die Arthur ebenfalls tatkräftig in seinem Kampf gegen Vortigern unterstützt. Doch kann dieser König, der mit den dunklen Mächten im Bunde steht, wirklich vom Thron gestürzt werden?

»Let's get real«

An „King Arthur“ wird teilweise bemängelt, dass Regisseur Ritchie sich wenig dessen Vorgeschichte widmet und dessen Kindheit und Jugend im Film lediglich mit ein paar schnellen Bildfolgen abhandelt. Nun ja, da „King Arthur“ als sechsteilige Filmreihe geplant ist, könnte man vermuten, dass Ritchie sich noch einen Haufen Details für die Folgefilme aufspart und nicht gleich im ersten Teil alles über seinen Helden preisgibt. Das aber nur nebenbei.

Ritchie ist mit seinem hochbudgetierten Film größtenteils ein spannendes Fantasy-Action-Spektakel gelungen. Gut, überdimensionale Elefanten als zerstörerische Fabelwesen auftreten zu lassen, mutet eher lächerlich an, dafür ist die kilometerlange Riesenschlange recht beeindruckend. Zum Glück kann der Film auch abseits dieser Fantasy-Spielereien punkten. Durch ein großartiges, authentisches Set-Design zum Beispiel. Auch die Kostüm- und Maskenbildner haben ganze Arbeit geleistet, wobei es ihnen nicht gelungen ist, David Beckham, der einen knapp einminütigen Auftritt hat, zu entstellen, trotz aufgemalter Narben und schlechter Zähne. Ein weiteres Plus ist der Soundtrack, der mal mittelalterlich-folkloristisch anmutet, mal durch schnelle Elektrobeats die Spannungskurve effektiv untermalt. Gekrönt wird das Ganze von Ritchies charakteristischer Bildsprache. Schnelle Bildfolgen wechseln sich gekonnt mit sehr langsamen ab, es gibt rasante Schnittfolgen und einige weitere optische Spielereien, die Tempo und Intensität der Handlung zuträglich sind.

Ritchie gelingt es, seine Geschichte (zu der er mit zwei weiteren Autoren auch das Drehbuch schrieb) größtenteils spannend und kurzweilig zu erzählen. Ab und zu allerdings zieht er die Spannungsschraube nicht fest genug an, und diverse Szenen sind aus dramaturgischen Gründen gar nicht nötig und somit überflüssig. Was mir jedoch wirklich gefehlt hat, ist der ritchietypische, britische Humor. Es gibt haufenweise Gelegenheiten für coole One-Liner - Ritchie nutzt bedauerlicherweise nicht eine davon. Eine gute Portion rotzfrechen Humors hätte sowohl Protagonist Hunnam als auch dem gesamten Film gut zu Gesicht gestanden, vor allem, weil es ausreichend interessante Sidekicks gibt, zu denen genau dieser Humor wunderbar gepasst hätte. Zwischen dem ganzen bildgewaltigen Schlachtengetümmel hätte man gern wenigstens ein paarmal geschmunzelt, dies verwehrt einem Ritchie aber fast ausnahmslos.

»Players«

Dafür hat Ritchie einen imposanten Cast zusammengetrommelt. Jude Law, der schon in den „Sherlock Holmes“-Filmen mit Ritchie zusammengearbeitet hat, liefert einen überzeugenden Bösewicht ab. Seine sinistere Aura, die er mit echt gespieltem Schmerz zu kombinieren vermag, ist stets glaubwürdig. Auch Astrid Bergès-Frisbey zeigt als zierliche Magierin mit starker Willenskraft, was sie kann. Eric Bana als König hat leider zu wenig Screentime, kann aber ebenfalls mit ausgestrahlter Güte und Entschlusskraft punkten. Der oft unterschätzte und hierzulande noch nicht allzu bekannte Neil Maskell („Kill List“, „High-Rise“) spielt wie immer großartig, der wunderbare Schwede Mikael Persbrandt („Der Hobbit“) muss sich leider mit einer sehr kleinen Rolle zufriedengeben. Hauptdarsteller Charlie Hunnam beweist hier eindrucksvoll, zu welch differenziertem und kraftvollem Spiel er fähig ist. Er hat nicht nur monatelang körperlich hart trainiert, um den Anforderungen des strapaziösen Drehs gerecht werden zu können, er variiert auch geschickt zwischen Wut, Verzweiflung und unbedingter Entschlossenheit. Man sollte diesen wunderhübschen, talentierten Engländer unbedingt im Auge behalten, da er hoffentlich noch so erfolgreich werden wird, wie er es verdient. Seinen Artus jedenfalls spielt er ziemlich gut. Und Guy Ritchie eifert hier Altmeister Hitchcock nach und gönnt sich einen zweisekündigen Cameo in seinem Film. Wer also gut aufpasst, kann den Regisseur höchstselbst im Film entdecken.

»Quintessence«

„King Arthur“ ist eine zeitgemäße und imposante Inszenierung, die Guy Ritchie überwiegend gekonnt in Szene gesetzt hat. Es gibt viele Kampf- und Schlachtenszenen, die den Actionfan erfreuen dürften, darüber hinaus gut gemachte CGI, wenn auch teilweise etwas alberne Fabelwesen. Bei den ruhigeren Teilen des Films hätte an einigen Stellen gerne noch ab und an die Schere angesetzt werden dürfen, da diese manchmal etwas belanglos geraten sind. Was „King Arthur“ leider wirklich fehlt, ist eine Portion ironischen Humors, die sich bei vielen Szenen förmlich aufdrängt, aber dennoch ausbleibt. Alles in allem ist „King Arthur“ aber ein solide gemachter, visuell durchaus beeindruckender und größtenteils kurzweiliger Fantasy-Action-Spaß mit dramatischem Unterton. Dank der starken Präsenz und unbestreitbaren Attraktivität von Charlie Hunnam kann man sich also unbeschwert auf weitere Teile der Artus-Sage freuen. Ergo gerne vier von fünf albernen „Kampf-Elefanten“, die im nächsten Teil hoffentlich nicht mehr auftauchen.


Get Out [Blu-ray]
Get Out [Blu-ray]
DVD ~ Daniel Kaluuya
Preis: EUR 19,99

9 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Better get out than watch “Get out”, 5. Mai 2017
Rezension bezieht sich auf: Get Out [Blu-ray] (Blu-ray)
(Kinoversion)

»Intro«

Es ist wohl mal wieder an der Zeit, gegen den Strom zu schwimmen…Die Kritiken zu „Get out“ überschlagen sich ja geradezu: „Der beste Horrorfilm seit Ewigkeiten“…“Witzig, spannend, gesellschaftskritisch“….“So intelligent“… “Fantastisch gemacht“…“Neuer Meilenstein im Horrorgenre“…Äh…nein. Nichts davon ist zutreffend. Neue Maßstäbe setzt dieser 104Minüter einzig im Bereich der Langeweile und absoluten Unsinnigkeit. Ich habe selten einen langweiligeren und noch mehr an den Haaren herbeigezogenen Film gesehen als „Get out“. Der Film braucht eine Stunde und zehn Minuten, bis überhaupt irgendetwas von Relevanz passiert. Was dann im letzten Filmdrittel passiert, ist zwar angenehm brutal und blutig (der einzige Pluspunkt dieses öden Machwerks), aber so schwachsinnig, dass man es kaum glauben mag. Ich kann hier weder Spannung entdecken noch Gesellschaftskritik noch sonst irgendetwas, das in den haufenweise positiven Kritiken angemerkt wurde. Denn: „Get out“ ist einer der überflüssigsten und ödesten Filme überhaupt.

»Wassup?«

Rose (Allison Williams, “Girls”) schlägt Freund Chris (Daniel Kaluuya, “Sicario”), mit dem sie seit vier Monaten zusammen ist, vor, das Wochenende bei ihren Eltern zu verbringen. Chris macht sich ein wenig Sorgen, weil Rose ihren Eltern verschwiegen hat, dass ihr neuer Freund schwarz ist. Aber Chris‘ Ängste erweisen sich als völlig unbegründet, denn sowohl Papa Dean Armitage (Bradley Whitford, „The Cabin in the Woods“) als auch Mama Missy (Catherine Keener, „Captain Phillips“) sind ganz reizend und freuen sich über Chris und den Besuch. Dennoch…irgendwie hat Chris trotzdem ein komisches Gefühl. Denn sämtliche Hausangestellte der Familie sind schwarz und verhalten sich seltsam ferngesteuert. Noch seltsamer wird es, als Missy Chris anbietet, ihn per Hypnose von seiner Nikotinsucht zu befreien und er eine alptraumhafte Nacht hat. Doch noch bevor Chris all den Seltsamkeiten auf den Grund gehen kann, ist er dazu nicht mehr in der Lage…oder?

»Let's get real«

Ja, wo soll man anfangen, dieses langweilige Elend von einem Film zu beschreiben? Vielleicht beim nicht vorhandenen doppelbödigen Humor? Angeblich versteht es Erstlings-Regisseur Jordan Peele ganz hervorragend, auf dem allseits beliebten Rassismus-Thema herumzureiten. Äh, nein, tut er nicht. Denn die Prämisse, die der ganzen bekloppten Idee zugrunde liegt, ist ebenso hanebüchen wie unlogisch. Ich kann leider nicht weiter ins Detail gehen, weil potenziellen Zuschauern sonst die „Mega-Überraschung“, die der Film parat hält, verlorengeht, aber so viel sei gesagt: Das, was Peele sich hier für seine weiße Filmfamilie ausgedacht hat, ist weder medizinisch möglich noch macht es Sinn. Es ist sogar eine so dermaßen schwachsinnige Idee, dass man sich ernsthaft fragen muss, wie Peele so ein dämliches Drehbuch (welches er ebenfalls verfasst hat) überhaupt finanziert bekommen hat.

Also, Humor schon mal Fehlanzeige. Cleverer „rassistischer“ Twist: Fehlanzeige. Weiteres Manko des Films: Es fehlt nahezu in jeder Filmminute an Spannung. Der Film ist fast seine gesamte Laufzeit über rotzelangweilig. Vorrangig sehen wir Hauptdarsteller Daniel Kaluuya dabei zu, wie er seine Stirn in Dackelfalten legt und besorgt durch die Szenerie irrlichtert. Alles kommt ihm irgendwie total komisch vor, aber er bleibt natürlich da, nur um dann rauszufinden, dass wirklich alles irgendwie total komisch und krank und – huppala – lebensbedrohend ist. Chris runzelt die Stirn bei Papas seltsamen Ausführungen zur Wildtier-Überbevölkerung, runzelt sie weiter bei Roses merkwürdig agierendem Bruder, wundert sich über die wie in Trance agierenden Hausangestellten, wundert sich noch mehr über die unverständlichen Bemerkungen der Gäste auf einer stattfindenden Party und runzelt dann einfach immer weiter die Stirn – vermutlich, weil er sich fragt, was dieser ganze Schwachsinn eigentlich soll und warum hier nichts passiert.

Man könnte ja annehmen, dass dadurch Spannung generiert werden würde, dass einen der Regisseur lange Zeit im Dunkeln darüber lässt, was im Hause von Familie Armitage vor sich geht. Ist aber gar nicht so. Weil man irgendwann einfach so gelangweilt von dieser wahllosen Aneinanderreihung nutzloser und sinnentleerter Szenen ist, dass es einem schlicht egal ist. Und selbst wenn Peele dann irgendwann mit der hanebüchenen Erklärung um die Ecke kommt, ist man nur darüber entsetzt, dass er einem so einen Schwachfug allen Ernstes als plausible Erklärung für den ganzen Mist anbietet.

Wenigstens wird man in der letzten halben Stunde einigermaßen gekonnt von dem inhaltlichen Müll abgelenkt, den Peele hier produziert hat. Die Protagonisten greifen zu den Waffen und machen wenigstens dabei keine Gefangenen. Egal, ob Kricketball, Hirschgeweih, Brieföffner oder simple Gewehre…man rammt sich fröhlich alles in die widerborstigen Körper, dessen man habhaft werden kann. An dieser Stelle kann der Zuschauer sein wohltuendes Nickerchen kurz unterbrechen, weil „Get out“ einzig in diesen Minuten eine halbwegs legitime Daseinsberechtigung erwirbt. Kaum geht die blutige Schlacht aber los, ist sie auch schon wieder vorbei, so dass man für über 70 Minuten Langeweile mit nur knapp 20 Minuten halbwegs passabler „Action“ entschädigt wird. Die Rechnung geht nicht auf. Denn im Hinterkopf spuken einem ständig die ganzen Logiklöcher des Films herum, auf die man sich keinen Reim machen kann. Auch hier kann ich leider nicht weiter ins Detail gehen, da ich all denjenigen, die mit „Get out“ dennoch ihre Zeit verschwenden wollen, die Petersilie nicht verhageln will. Fakt ist, dass es an Logik, Nachvollziehbar- und Sinnhaftigkeit an allen Ecken und Enden fehlt und Peele sich auch nicht zu schade dafür war, diverse Regiefehler in seinem Film unterzubringen.

»Players«

Den Darstellern kann man nicht viel vorwerfen, sie erledigen ihren Job, wobei sich allerdings kein Darsteller mit seinen Leistungen irgendwie hervortut. Es gibt ein bisschen Overacting, ein wenig Underacting und ansonsten keine qualitativen Ausschläge nach oben oder unten.

»Quintessence«

„Get out“ ist ein vollkommen zu Unrecht gehypter, langweiliger, stümperhafter Film, dem so gut wie alles fehlt, was einen guten Horrorfilm ausmacht. Bis auf ein paar angenehm brutal-blutige Sequenzen geht es in dem Film inhaltlich derart blutleer zu, dass man sich lieber auf die Regiefehler und die riesigen Logiklöcher der Story konzentriert, um sich wenigstens etwas von diesem rotzelangweiligen Film abzulenken. Es fehlt an Spannung – und das fast durchgehend, es fehlt an Sinnhaftigkeit, es fehlt an hintersinnigem (oder überhaupt an) Humor, es fehlt an allem, was auch nur einen Hauch horroresk wäre. Der Film ist schlicht und ergreifend vollkommen überbewerteter Schrott, der nur eins perfektioniert hat: Dem Zuschauer wertvolle Lebenszeit zu stehlen. Also: Don’t believe the Hype! Ergo eine von fünf stillen Treppen, auf die man den Regisseur verbannen sollte, damit er sich mal ordentlich schämt.
Kommentar Kommentare (9) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 20, 2017 5:15 PM MEST


Pet [Blu-ray] UK-Import, Sprache-Englisch
Pet [Blu-ray] UK-Import, Sprache-Englisch
Wird angeboten von RAREWAVES-DE
Preis: EUR 22,86

2.0 von 5 Sternen Caged, 2. Mai 2017
(Kinoversion von den Fantasy Filmfest Nights 2017).

»Intro«

Der Spanier Carles Torrens legt mit “Pet” erst seinen zweiten Langfilm vor – und hat sich damit ein bisschen verhoben. So interessant die überraschende Wendung, die der Film nach knapp zwei Dritteln der Laufzeit erfährt, ist, so unglaubwürdig wird der Film ab diesem Zeitpunkt leider auch. Die Logik gerät irgendwann völlig außer Kontrolle und gipfelt in einer Schlusseinstellung, bei der man bedauerlicherweise nur noch mit den Augen rollen kann. Am besten ist der Film in seinen ersten 30 bis 40 von insgesamt 94 Minuten, so lange nämlich nimmt Torrens sich Zeit, seine beiden Protagonisten einzuführen. Aber da auch hier schon einige Längen entstehen, ist diese Behauptung ein latent zweischneidiges Schwert. In der Summe ist „Pet“ somit leider nicht mehr als bemühte Regieneulings-Kost, die weder richtig durchdacht noch souverän umgesetzt wurde.

»Wassup?«

Seth (Dominic Monaghan, “Herr der Ringe”, “Lost”) fristet ein typisches Außenseiter-Dasein. Keine Freunde, ein mieser Job im örtlichen Tierheim, eine trostlose Wohnung. Umso mehr freut sich Seth, als er eines Tages im Bus seinen einstigen heimlichen Highschool-Schwarm Holly (Ksenia Solo, „Black Swan“, „Lost Girl“) wiedertrifft, die ihn – natürlich – nicht mal mehr erkennt. Seth beginnt, Holly heimlich zu stalken und taucht sogar in dem Restaurant auf, in dem sie kellnert. Da Holly ihn aber erst mit Nichtachtung, dann mit Verachtung straft, reift in Seth der Plan, sie zu entführen und in einen extra angefertigten Käfig im ungenutzten Keller des Tierheims zu sperren. Doch Holly erweist sich selbst eingesperrt als weit beratungsresistenter, als Seth vermutet hätte. Und so liefern sich die Beiden schon bald ein psychologisches Duell, in dem die Rollen von Täter und Opfer längst nicht so klar definiert sind, wie anfangs gedacht…

»Let's get real«

Zugegeben, “Pet” ist nicht die Art Film, für die man ihn anfangs hält. Torrens führt den Zuschauer hier einigermaßen gekonnt in die Irre, fängt aber da schon an, den Zuschauer latent zu langweilen. Zwar dient Torrens‘ recht lang geratenen Einführung auch dazu, die Protagonisten ausführlich vorzustellen, nur wirklich interessant ist das leider auch nicht immer. Endlose Einstellungen von Seths Stalking-Unternehmungen und hilflosen Versuchen, sich Holly wieder ins Gedächtnis zu rufen wechseln sich ab mit belanglosen Dialogen auf Seths Arbeit oder dem Abfilmen seiner Arbeitsabläufe. Sobald Holly dann im Käfig ist, kommt zwar etwas Schwung in die Sache, leider nur wird es ab da zunehmend absurd.

Fortan wird zwar viel geredet, aber wenig gesagt. Dies ist einerseits natürlich auch dem Spannungsaufbau geschuldet, denn Torrens will die Katze auch nicht zu früh aus dem Sack lassen. Zugutehalten muss man ihm, dass man auf die Wendung, die die Handlung erfährt, wohl nicht wirklich gekommen wäre. Negativ anrechnen muss man ihm dafür, dass dem deshalb so ist, weil es einfach ziemlich weit hergeholt, fast schon hanebüchen ist. Egal, lässt man die psychologische Logik fahren (ganz wie der Regisseur), ergibt sich zumindest ein weiterer Handlungsverlauf, der Spannung verspricht. Doch auch dieses Versprechen vermag Torrens nicht zu halten, da ihm sein Film mehr und mehr entgleitet. Völlig überzogene Gewaltausbrüche, psychologische Knicke und ein Schlussakkord, der ähnlich realistisch anmutet wie damals Glenn Closes letztes Aufbäumen in „Eine verhängnisvolle Affäre“.

So fühlt man sich bald ähnlich eingesperrt wie Holly in ihrem Käfig. Inhaltlich vermag „Pet“ leider nur sehr bedingt zu überzeugen, und auch, wenn es im letzten Drittel etwas heftiger (=blutiger) zugeht, geht dem Film mehr und mehr die Glaubwürdigkeit flöten.
Zumindest verfügt „Pet“ über einen versierten Cast und stimmige Locations. Der Look des Films ist dazu passend latent düster und auch leicht billig, was zum schmuddeligen Kellerverlies, den engen Käfigboxen der Tiere und Seths trostloser Wohnung wunderbar passt.

»Players«

Dominic Monaghan wirkt ob seiner geringen Größe (1,70 m) und schmächtigen Statur sowie des bubihaften Gesichts vielleicht nicht wie die perfekte Verkörperung eines Psychopathen. Dennoch überzeugt er durch sein Spiel, das zwischen unterwürfig-nett und schräg-unheimlich wechselt. Auch Ksenia Solo, die bereits in über 30 Rollen zu sehen war, spielt geschickt die verschiedenen Schattierungen ihres Charakters aus, auch wenn das, was sie schlussendlich darstellen muss, psychologischer Blödsinn ist. Die weiteren Rollen fallen zu klein aus, um sie wirklich ausreichend beurteilen zu können. Für Fans der „Big Bang Theory“ gibt es am Anfang des Films aber ein überraschendes und kurzes Wiedersehen mit John Ross Bowie („Barry Kripke“).

»Quintessence«

„Pet“ ist zumindest ein Film, der die in ihn gesetzten Erwartungen nicht bedient. Das hat sowohl positive als auch negative Aspekte. Positiv ist, dass man auf den Haken, den die Story irgendwann schlägt, nicht vorbereitet ist und Regisseur Torrens für diese immerhin halbwegs kreative Idee Respekt zollen möchte. Da Torrens aber ab diesem Wendepunkt seine Story mehr und mehr entgleitet, unlogisch wird, nicht ausgereift ist und in einem total unglaubwürdigen und – Verzeihung – bescheuerten Finaltwist mündet, ist es schlussendlich mit dem Respekt nicht mehr weit her. In der Summe macht das dann leider nur zwei von fünf Haustieren (Pets), die hoffentlich nie in einem Käfig landen.


Eat Locals [Blu-ray]
Eat Locals [Blu-ray]
DVD ~ Charlie Cox
Preis: EUR 10,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Öko-Vampire, 25. April 2017
Rezension bezieht sich auf: Eat Locals [Blu-ray] (Blu-ray)
(Kinoversion von den Fantasy Filmfest Nights 2017)

»Intro«

Nachhaltigkeit wird mittlerweile offenbar auch in Vampirkreisen groß geschrieben. Darauf zumindest lässt der Titel der schwarzen Komödie des Engländers Jason Flemyng schließen. Der britische Schauspieler („Bube, Dame, König, GrAS“) legt hier sein Regiedebüt hin, und das hat er ganz gut hinbekommen. Zwar hätte der Film gern noch etwas schwärzer und humoriger sein dürfen, dennoch vergehen die 94 Minuten relativ zügig, der Cast agiert souverän und die Locations sind angenehm ländlich-düster geraten.

»Wassup?«

Alle 50 Jahre versammelt sich eine achtköpfige Gruppe von Vampiren, um sich über die letzten Jahrzehnte auszutauschen und zu prüfen, ob alle sich auch an die strengen Regeln des Geheimbundes halten. Einer von ihnen hat dies bedauerlicherweise nicht getan und sich sein Blut aus kleinen Kinderhälsen gesogen, ein No-Go für die auf Nachhaltigkeit achtenden Untoten. Deshalb wird der Übeltäter auch flugs zu Asche verarbeitet. Die Gruppe hat also ein Mitglied zu wenig. Glücklicherweise jedoch hat Vanessa (Eve Myles, „Broadchurch“) schon für Nachschub gesorgt, allerdings unter Vorspiegelung falscher Tatsachen. Denn noch geht der junge Sebastian (Billy Cook, „The Hooligan Factory“) davon aus, eine heiße Nacht mit Vanessa verbringen zu dürfen. Doch der arrogante Peter (Tony Curran, „The Midnight Meat Train“), der höfliche Henry (Charlie Cox, „Die Entdeckung der Unendlichkeit“) und Anführer The Duke (Vincent Regan, „300“) haben anderes im Sinn. Während Sebastian also zwischen untot und endgültig tot wählen muss, bringt sich draußen um das abgelegene Farmhaus das Militär in Stellung, um den Blutsaugern endgültig den Garaus zu machen. Es verspricht, eine lange Nacht zu werden…

»Let's get real«

Die umgekehrte Prämisse, die Regisseur Flemyng hier als Ausgangspunkt seiner Story ansetzt, ist durchaus interessant. Hier werden einmal nicht die Menschen von den Vampiren gejagt und in die Enge gedrängt, sondern die Vampire sind es, die um ihr „Leben“ fürchten müssen, weil schwerbewaffnetes Militär ihnen auf die Pelle rückt. Diese Idee trägt aber leider nicht den ganzen Film und glücklicherweise ist das auch nicht alles an Kreativität, was Flemyng in petto hat. Im Verlauf dieser einen (Film)Nacht geht es immer wieder auch um die Beziehung der Vampire untereinander und den unerfahrenen Sebastian, der von einer blutrünstigen Katastrophe in die nächste stolpert.

„Eat Local“ punktet mit bissigen One-Linern, von denen es aber leider zu wenige gibt. Der britisch-schwarze Humor gibt sich immer mal wieder zu erkennen, nur leider viel zu selten. Diese Komödie hätte wahrhaftig noch etwas mehr Biss vertragen. Und auch beim Timing unterläuft Regisseur Flemyng der ein oder andere Fehler, so dass er seine Story immer wieder mal ausbremst. Die Dialoge unter den Soldaten sind nur wenig erhellend, komisch sind sie fast gar nicht. Immer wieder durchs Unterholz schleichende Militärs beim Heranpirschen zu beobachten, wird irgendwann ein bisschen fad. Und auch den Diskussionen innerhalb des blutsaugenden Geheimbundes fehlt es ab und an an Pep.

Dafür gibt es gelungene Charakterzeichnungen, auch, wenn diese recht oberflächlich bleiben. Hier wäre besonders die betagte Allie (Annette Crosbie, „Into the Woods“) zu erwähnen, die sich trotz Gehhilfe nicht von der Verteidigung ihrer Art abhalten lässt. Wie die nette Omi mit dem Maschinengewehr zu den Klängen von The Damneds „Smash it up“ freudig durch die Gegend ballert, ist ein wunderbarer Anblick. Aber auch der verschlagene Peter und der unbedarfte Sebastian sorgen für amüsante Momente.

Ansonsten geht es für einen Vampirfilm erstaunlich unblutig zu. Ein paar Mal Zähne fletschen, ein paar beherzte Bisse in Opferhälse, aber das war es dann auch schon. Macht aber nicht wirklich was, da es dafür die gelungenen Shoot-outs gibt und Flemying immer mal wieder ein paar nette Absurditäten in die Szenen mischt.

»Players«

Am Cast gibt es nicht das Geringste auszusetzen. Hier finden sich überwiegend Schauspiel-Veteranen aus der zweiten Reihe ein, die ihr Handwerk verstehen. Tony Curran als Peter ist herrlich abgebrüht, Annette Crosbie als Oma Allie (bis auf ihren kleinen Aussetzer mit dem Maschinengewehr) ganz reizend. Eve Myles als Vanessa ist ein Cougar, wie er (sie) im Buche steht und Billy Cook als leicht tölpeliger Sebastian genießt noch Welpenschutz. Einzig die milchkaffeebraune Freema Agyeman („Doctor Who“) bleibt etwas blass. Auch all die anderen Darsteller liefern anstandslos ab.

»Quintessence«

“Eat Local” ist ein netter kleiner britischer Vampirfilm, nicht mehr und nicht weniger. Ihm fehlt es etwas an Biss und durchgehender Spannung bzw. Kurzweil, aber alles in allem kann man seine Zeit weit sinnloser als mit der Sichtung dieses Films verbringen. Etwas mehr Blut und Splatter hätten „Eat Local“ zwar nicht geschadet, dafür wartet der Film mit einer netten Schlusspointe auf, die man schmunzelnd goutiert. Alles in allem also gerne gute drei von fünf Maschinengewehren, die man besser nicht in Oma Allies Obhut lässt.


Bridget Jones' Baby
Bridget Jones' Baby
DVD ~ Renée Zellweger
Preis: EUR 11,49

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Safeword: Mazeltov, 21. April 2017
Rezension bezieht sich auf: Bridget Jones' Baby (DVD)
»Intro«

Was es mit dem Titel der Rezension auf sich hat, erfährt nur, wer sich den alternativen Abspann des Films ansieht, so viel zumindest sei verraten. Ein bisschen mehr lässt sich natürlich über den dem Abspann vorangehenden, knapp zweistündigen Film selbst sagen. Die Regisseurin des 2001 erschienenen Erstlings, „Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück“, die Engländerin Sharon Maguire, zeichnet auch für die 15 Jahre später erschienene Fortsetzung verantwortlich, das Drehbuch stammt unter anderem von der Autorin der Buchvorlage des ersten Teils, Helen Fielding. Der Film allerdings basiert diesmal nicht auf einem Buch. Es gibt zwar eine literarische Fortsetzung der Geschichte um Bridget Jones („Verrückt nach ihm“), diese wurde hier jedoch nicht verfilmt. Das Buch zu diesem Film erschien erst nach dem Kinostart desselbigen. Wie auch immer, ich sehe alle (beiden) „Bridget Jones“-Verfilmungen eher kritisch, weil sie dem Witz und Stil der Bücher nicht gerecht werden und mit Renée Zellweger eine für mich denkbar ungeeignete Hauptdarstellerin präsentieren. Trotz dieser Mankos ist „Bridget Jones‘ Baby“ recht amüsant geworden - mehr aber leider auch nicht.

»Disc«

Ausstattung der Blu Ray: Ton in Deutsch und Englisch in DTS-HD MA 5.1, Untertitel in Deutsch. Extras: Featurettes: Renée Zellweger kehrt zurück, Was 15 Jahre Pause ausmachen, Bridgets Männer, Verliebt in London, Sharons Show, Making of, Alternativer Abspann, Deleted Scenes, Outtakes, Trailer des Films sowie drei Trailer vor Filmbeginn und fünf weitere danach. An Ton und Bild gibt es nichts auszusetzen und einige der Extras sind ganz witzig (der alternative Abspann z.B.) Weniger gelungen sind die wenig amüsanten Outtakes oder das überflüssige „Verliebt in London“.

»Wassup?«

Bridget Jones (Renée Zellweger, “Fall 39”) ist in ihren 40ern angekommen. Alleine, bedauerlicherweise. Die Beziehung zu Mark Darcy (Colin Firth, „Kingsman“) ist in die Brüche gegangen, so dass Bridget sich auf ihre Karriere als TV-Produzentin konzentriert, die sich recht erfolgreich anlässt. Als sie eines Tages jedoch auf einem Festival den attraktiven Amerikaner Jack (Patrick Dempsey, „Grey’s Anatomy“) kennenlernt und kurz darauf sowohl mit ihm als auch mit ihrem Ex Mark in der Kiste landet, ändert sich Bridgets Leben von Grund auf, denn…sie ist schwanger. Nur von wem? Nachdem beide potenzielle Erzeuger von ihrer möglichen Vaterschaft in Kenntnis gesetzt wurden, geht das Buhlen um Bridgets Aufmerksamkeit los. Was Single Bridget durchaus freut. Dennoch bleiben Komplikationen natürlich nicht aus und irgendwann muss Bridget sich für einen der beiden Männer entscheiden, egal, wer nun der Vater ihres Kindes ist…

»Let's get real«

Das Beste vom ganzen Film kommt gleich ganz zu Anfang. Bridget sitzt alleine an ihrem Geburtstag in ihrer Wohnung und legt ein brüllkomisches Playback zu House of Pains „Jump around“ hin. Danach geht es zwar durchaus humorig weiter, allerdings merkt man dem Film an, dass er irgendwie mit angezogener humoristischer Handbremse fährt. Einige Situationen sind wirklich witzig und sehr gelungen, aber den meisten der knapp 120 Filmminuten merkt man an, dass da durchaus noch mehr drin gewesen wäre, das aber offensichtlich keiner bemerkt hat. Über weite Strecken bleibt diese Komödie dann leider doch nur eins: nicht witzig genug. Mit demselben Problem hatte ja aber auch schon der erste Teil der Reihe zu kämpfen. Was in der Buchvorlage (zum ersten Teil) durch das gelungene Humorverständnis der Autorin für regelmäßige Lachanfälle sorgte, wirkte in der Verfilmung oft bemüht oder gar klamaukig. Ähnlich geht es dem zweiten Film, auch wenn es hier gar keine Buchvorlage gab. Der für Helen Fielding so typische Humor lässt sich bedauerlicherweise nicht richtig auf die Leinwand kopieren, was schlicht daran liegt, welche Möglichkeiten einem ein Buch im Gegensatz zu einer Verfilmung bietet. Die witzigen Tagebucheinträge und die treffsichere, feine Ironie, die sich oft eben auch zwischen den Zeilen findet, lassen sich nicht 1:1 auf den Film übertragen. Dadurch bleibt „Bridget Jones‘ Baby“ hinter seinen Möglichkeiten zurück.

Wer darüber hinaus erwartet hat, den beiden unfreiwilligen Kontrahenten Mark und Jack bei einem einfalls- und temporeichen Kampf um die Gunst der werdenden Mutter zusehen zu dürfen, wird ebenfalls enttäuscht. Es gibt maximal eine Handvoll Situationen, in denen die beiden Männer sich latent angiften oder durch Taten um Bridgets Gunst buhlen. Kaum aber ist der Startschuss gefallen, hören die Beiden auch schon wieder auf, sich anzugehen. Dafür wird der Film dann mit bestenfalls semikomischen Sequenzen um Bridgets beruflichen Alltag und die Erlebnisse mit ihrer Freundin Miranda und den Eltern aufgefüllt. Der Humor fährt also auch hier eher in der 30er-Zone als auf der Autobahn.

Schlussendlich gibt die dünne Handlung (mittelalte Singlefrau wird unverhofft schwanger, nachdem sie mit zwei Typen geschlafen hat) nicht viel her und wird somit unnötig und nicht eben kreativ mit Nebenschauplätzen und inszenatorischem Füllmaterial aufgebläht, so dass ein latentes Ungleichgewicht zwischen komödiantischen und langweiligen Sequenzen entsteht. Das ist kein großes Drama, aber ein bisschen schade ist es schon. Weil man in den besten Momenten des Films sieht, was hier humoristisch möglich gewesen wäre und bedauert, nicht mehr davon zu sehen bekommen zu haben.

»Players«

Ich muss zugeben, dass ich ein generelles Problem mit Renée Zellweger habe. Ich halte die Frau weder für hübsch noch sonderlich talentiert. Irgendwie sieht sie immer aus, als hätte ihr gerade jemand eine komplizierte Frage gestellt, über deren Antwort sie seit gut 20 Minuten nachdenkt. Das Alter war auch nicht unbedingt gnädig zu der mittlerweile 48jährigen, so dass sie sich dem Zuschauer recht zerknittert präsentiert. Allerdings kann man ihr ein gewisses komödiantisches Talent nicht absprechen und in der Anfangssequenz finde ich sie sogar großartig. Colin Firth gibt einmal mehr den steifen Engländer, der seinen Humor immer perfekt temperiert serviert. Der Brite hat zwar eine Ausstrahlung wie Hausstaub, überzeugt aber durch pointierten Sarkasmus. „McDreamy“ Patrick Dempsey setzt (nicht nur optisch) einen schönen Kontrapunkt zu Firth, sein blendendes Aussehen und sonniges, unbeschwertes Gemüt dürfte so manches Frauenherz höherschlagen lassen. Darüber hinaus gibt es ein Wiedersehen mit vielen Charakteren aus dem ersten Teil (Eltern, Freunde etc.) und ein paar kurze Momente mit der großartigen Emma Thompson als Bridgets abgeklärter Frauenärztin.

»Quintessence«

„Bridget Jones‘ Baby“ hätte noch um Einiges besser werden können, als er geworden ist. Das humoristische Kapital ist da, wird aber viel zu selten eingesetzt und ausgenutzt. Die vorhandenen gelungenen Momente, über die man wirklich herzhaft lachen kann, sind viel zu rar gesät und hinterlassen somit leichtes Bedauern, dass es davon nicht viel mehr gegeben hat. Immer wieder verliert der Film an Tempo oder verliert sich in entbehrlichen Nebenschauplätzen. Um 30 Minuten gekürzt und mit wesentlich mehr gelungener Komik angereichert, hätte aus „Bridget Jones‘ Baby“ eine wirklich gute Komödie werden können. So ist daraus leider nur ein zu selten richtig lustiger Film geworden, der viel zu viele dramaturgische Längen aufweist. Kann man gucken, man kann aber alternativ einfach auch noch mal „Schokolade zum Frühstück“ lesen und damit eine durchgehend humorvolle Zeit haben. Insofern durchschnittliche drei von fünf Babys, denen man um einiges lustigere Eltern gewünscht hätte.


The Demon Hunter [Blu-ray]
The Demon Hunter [Blu-ray]
DVD ~ Dolph Lundgren
Preis: EUR 11,24

2 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Don't kill it, 7. April 2017
Rezension bezieht sich auf: The Demon Hunter [Blu-ray] (Blu-ray)
(Original Uncut-Kinoversion vom Fantasy Filmfest 2016)

»Intro«

Sehnsüchtig erwartet und komplett ausverkauft…das war "Don't kill it" (hierzulande nun unter "The Demon Hunter" erschienen) auf dem letztjährigen Fantasy Filmfest. Im Nachhinein muss man sich allerdings fragen, wie dieser Hype eigentlich entstanden ist und warum alle ausgerechnet diesen Film sehen wollten. Denn vielmehr als ein zwar erfreulich blutiger und zeigefreudiger, aber dennoch eher durchschnittlicher Dämonen-Splatterfilm ist "Don't kill it" nämlich nicht. Vielleicht machte die Entstehungsgeschichte neugierig: Regisseur Mike Mendez ("Big Ass Spider", "The Convent") bekam das Go für diesen Film früher als erwartet, so dass ihm nur elf Tage für das Casting blieben. Darüber hinaus wurde der ursprünglich vorgesehene winterliche Drehort in die Sümpfe Mississippis verlegt, so dass Teile des Drehbuchs umgeschrieben werden mussten. Auch während des Drehs wurde eifrig am Script weitergeschrieben, so dass die Darsteller ihren Text für den nächsten Drehtag oft erst in der Nacht davor zu lesen bekamen. Und auch die auf dem Festival gezeigte Fassung war noch nicht die finale, ab und an sah man noch die Seile, an denen die Darsteller durch die Gegend gezogen wurden und auch der Schnitt und die Farbgebung waren noch nicht abgeschlossen. Im Handel könnte also eventuell eine kürzere Schnittfassung erscheinen als die 93 Minuten, die der Film auf dem Festival lief.

»Wassup?«

In Chicory Creek, Mississippi, geht das Grauen um. Mindestens zwei Familien sind von verschiedenen Tätern umgebracht worden, ein Verdächtiger konnte bislang aber nicht ermittelt werden. Das FBI entsendet Agentin Evelyn Pierce (Kristina Klebe, "Halloween") in ihre Heimatstadt, um Licht ins blutige Dunkel zu bringen. Viel mehr aber, als dass jeweils derjenige zum Mörder wird, der den ursprünglichen Killer zur Strecke gebracht hat, vermag sie vorerst nicht herauszufinden. Als der ultracoole Dämonenjäger Jebediah Woodley (Dolph Lundgren, "The Expendables") in Chicory Creek Station macht, klärt er die ungläubige Agentin und den Sheriff schnell auf: Es handelt sich um einen Formwandler, einen Dämon, der problemlos von einem Körper zum nächsten wandern und dessen Gestalt annehmen kann. Wird der mordlustige Dämon also vermeintlich getötet, wandert er einfach in den Angreiferkörper über und mordet fröhlich weiter. Beikommen kann man dem Dämon nur, wenn sich ein Opfer findet, das bereit ist zu sterben, wenn der Dämon von seinem Körper Besitz ergreift. Erst einmal aber muss der blutrünstige Dämon gefunden und gefangen werden…

»Let's get real«

Die Idee mit dem nicht totzukriegenden Formwandler-Dämon, der einfach immer wieder in den Körper seines "Henkers" flieht und so nahezu unbesiegbar erscheint, ist durchaus eine nette Idee. Viel mehr gute Ideen hatten Mike Mendez und seine Drehbuchschreiber dann aber leider auch nicht, und das ist dann doch ein bisschen wenig für gute 90 Minuten Laufzeit. Denn ansonsten bleibt die Geschichte erschreckend konventionell und vorhersehbar. Außerdem fehlt es dem Film eindeutig an Humor, auch wenn Dolph Lundgren hier apart mit seinem Draufgänger-Image spielt. Viel mehr Selbstironie und auch Kurzweiligkeit hätten "Don't kill it" gut zu Gesicht gestanden.

Dafür aber ist der Film erstaunlich blutig geraten. Mendez schenkt dem Zuschauer hier nichts und hält immer akkurat drauf, wenn Köpfe von Hälsen geschossen und Messer in unschuldige Leiber gerammt, gedreht und wieder herausgezogen werden. Es wird drauflosgemetzelt, als gäb's kein Morgen, und die Special Effects-Crew hat hier eine ordentliche Menge Blut und Körperteile in die Szenerie geworfen, um das Herz des geneigten Splatterfans zu erfreuen.

Ansonsten schleppt sich die Dämonenhatz immer mal wieder recht zäh dahin, es wird eine Menge unnützes Zeug geredet (von dem man in der Originalversion zudem nicht immer alles versteht, weil zumindest der Schwede Lundgren so dermaßen nuschelt, dass man ihn kaum verstehen kann) und man rennt sinnlos hin und her, während man an der Strategie bastelt, den Dämon dingfest zu machen. "Don't kill it" hat also bedauerlicherweise diverse Längen und kann inhaltlich kaum fesseln. Vielmehr sollte man sich auf die ansehnlichen und drastischen Splattereffekte konzentrieren, auf etwas anderes kann und muss man seine Aufmerksamkeit nicht verteilen.

»Players«

Der Cast ist solide, wenn auch ausnahmslos aus der B-Reihe der Hollywood-Stars. Kristina Klebe arbeitet viel, meistens aber nicht in sonderlich guten Filmen. Ihre zugeknöpfte FBI-Agentin hat kaum Ecken und Kanten, fällt aber zumindest nicht unangenehm auf. Dolph Lundgren verfügt für seine immerhin 58 Lenze noch über eine erstaunliche Physis und auch die mittlerweile zahlreichen Falten stehen ihm gut zu Gesicht. Die Haare sind weiterhin sommersattblond und das süffisante Grinsen ist durchaus einnehmend. Als ultracooler Dämonenjäger macht er jedenfalls in jeder Hinsicht eine gute Figur. Der restliche Cast füllt seine Nebenrollen gut aus, bleibt aber kaum in darstellerischer Erinnerung.

»Quintessence«

"Don't kill it" ist ein wunderbar splattriger Dämonenfilm, der dafür, unter welchen Bedingungen er entstanden ist, recht ansehnlich geworden ist. Abseits der gelungenen blutigen Effekte aber kann er nur wenig überzeugen. Zu konventionell die Story, zu lasch die Inszenierung und darüber hinaus mit viel zu wenig Humor und Selbstironie ausgestattet. Die Darsteller liefern souverän ab, mehr aber eben auch nicht. Deshalb durchschnittliche drei von fünf Formwandlern, die man besser nicht umbringen sollte.


Devil's Candy [Blu-ray]
Devil's Candy [Blu-ray]
DVD ~ Pruitt Taylor Vince
Preis: EUR 10,98

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Fight the Dark, 7. April 2017
Rezension bezieht sich auf: Devil's Candy [Blu-ray] (Blu-ray)
(Original-Kinoversion vom Fantasy Filmfest 2016)

'''»Intro«'''

2009 debütierte der Australier Sean Byrne mit seinem morbiden Abschlussball "The Loved Ones". Makaber, mit expliziter Gewalt gespickt und ziemlich krank. Ein wunderbarer Film also. Erst jetzt, sechs Jahre später, legt der Regisseur nach. Leider ist ihm sein zweiter Film wesentlich konventioneller, an mancher Stelle sogar peinlich klischeehaft geraten. "The Devil's Candy" ist Nischenkino für Horrorfans, nichts Besonderes, aber auch nicht richtig schlecht. Relativ unblutig, eher dramatisch als dämonisch und in der Summe dann eben doch nichts Halbes und nichts Ganzes.

'''»Wassup?«'''

Maler Jesse Hell(!)mann (Ethan Embry, "Cheap Thrills") braucht mehr Platz, um sich künstlerisch zu entfalten. Eh schon angenervt von den langweiligen Auftragsarbeiten, die er annehmen muss, damit genug Geld für Frau Astrid (Shiri Appleby) und Tochter Zooey (Kiara Glasco, "Maps to the Stars") zusammenkommt, will er für seine "richtige" Kunst einfach mehr Raum. Glücklicherweise gibt es in Texas gerade einen mopsigen Irren, Ray Smilie (!), (Pruitt Taylor Vince, "Identität"), der seine Eltern umgebracht und dann geflohen ist, so dass dessen Elternhaus nun zum Verkauf steht. Familie Hellmann kümmern die angeblich tragischen Todesfälle der Vormieter nicht, vor allem, weil die Butze deshalb nur 'n Appel und 'n Ei kostet, also ab dafür und gleich die riesige Scheune als Papas Atelier hergerichtet. Smilie ist den Stimmen in seinem Kopf nicht mal mit der Metal-Musik, die er des Nächtens scheißlaut auf der Gitarre geschrammelt hat, beigekommen, aber vielleicht funktioniert das ja bei Vater und Tochter Hellmann, die beide Metal-Fans sind? Besser wäre es, denn schon bald hört auch Jesse Stimmen und krakelt komisches Zeug auf seine Leinwände. Düster, das. Derweil ist Smilie schon auf der Suche nach seinem nächsten Opfer… Zooey natürlich. Heilige Headbanger, von wegen Nothing else matters…

'''»Let's get real«'''

Sean Byrne hat sich mit "The Devil's Candy" keinen allzu großen Gefallen getan. Er übertreibt es einfach mit der Symbolik und den Klischees. Jesse sieht aus wie Jesus verschwitzter Bruder, ein schönes optisches Pendant zur dämonischen Macht, die hier ihr Unwesen treibt. Und natürlich malt er wie ein Irrer, sobald der Dämon ihm was ins Ohr säuselt - wilde Pinselstriche, düstere Farben, ROT! *dramatisch guck*, entfesseltes Rumgekleckse usw. Ansonsten sind die Hellmanns natürlich eine voll coole Künstlerfamilie, die sich super miteinander versteht. Vater und Tochter frönen derselben Musikleidenschaft und sitzen gerne mal headbangend im Auto rum, cool. Mutti ist etwas gemäßigter, geizt aber nicht mit nachsichtigem Lächeln. Und der Irre ist natürlich ein unhygienischer Koloss, dessen angebliche Dummheit oder angebliche Intelligenz in etwa gleichauf liegen, was ihn nicht gerade glaubwürdiger macht. Und welcher Maler bringt bitte sein Atelier in einer fensterlosen (!) Scheune unter?

Und dennoch… ist der Film kein totaler Reinfall. Irgendwie ist es Byrne gut gelungen, eine stimmige Atmosphäre für seinen Film zu kreieren. Die Bildkompositionen sind - wenn Byrne nicht gerade in Klischees badet - gelungen und stimmungsvoll, angenehm düster und bedrohlich, aber nicht billig-schaurig. Überhaupt merkt man schnell, dass der Film weniger blutiger Horror als vielmehr tragisches Drama mit ein paar gewalttätigen Ausbrüchen ist.

Und trotz aller Konventionalität, und obwohl der Film kaum mit irgendetwas überraschen kann, ist er im Großen und Ganzen ganz gut gelungen. Kein Vergleich zwar zu Byrnes schräg-blutigem Erstling, aber irgendwie zumindest recht atmosphärisch. Auf der einen Seite der schon komplett Durchgeknallte, der nachts wahlweise um sein ehemaliges Zuhause schleicht oder Kinder mit Steinen erschlägt und in Koffern verbuddelt, auf der anderen Seite das auf der Kippe stehende Familienglück des Künstlers, der auch langsam anfängt, am Rad zu drehen. Und mittendrin die pubertierende Tochter, Papas Liebling und Smilies nächstes Wannabe.

So schleppt sich die Handlung dann wenigstens ansatzweise gruselig gen Finale, das aber auch nicht mehr zu überraschen weiß. Komischerweise gelingt es Byrne irgendwie, dass man ihm keinen seiner Fehler, die er hier gemacht hat, so richtig übelnehmen kann oder will.

Der geneigte Hardrock-Fan dürfte übrigens auf seine Kosten kommen. Im Soundtrack finden sich neben Metallica Stücke von Pantera, Slayer, Queens of the Stone Age und Sunn O))).

'''»Players«'''

Vielleicht liegt es an dem ordentlichen Cast, der trotz aller drehbuchbedingten Klischees ziemlich authentisch spielt. Ethan Embry nimmt man den liebevollen Künstlerpapa sofort ab, als stimmenhörender Maler ist er ein bisschen drüber, aber das ist wahrscheinlich nicht seine Schuld. Kiara Glasco ist als rockende Teenagergöre sehr überzeugend und spielt ihre Rolle frei und unbeschwert. Aber auch die für Zooey schrecklichen Parts bekommt sie gut hin. Shiri Appleby ist nicht ganz so präsent wie der Rest ihrer Filmfamilie, dafür punktet der grandiose Pruitt Taylor Vince mit einer erstaunlich differenzierten Zeichnung seines von Stimmen geplagten Mörders, getrieben und verzweifelt zugleich, sehr sensibel für einen Mann mit seiner Physis und Präsenz.

'''»Quintessence«'''

"The Devil's Candy" ist irgendwie… ach, ich weiß auch nicht. Irgendwie ganz gut, atmosphärisch, düster, dramatisch. Andererseits aber auch klischeegespickt, vorhersehbar und wenig spannend. Gute Darsteller, dünne Story, viel Lärm um nichts, aber doch ansehbar… vielleicht. Wer Lust hat. Ich bin unentschlossen, ich war nicht begeistert und nicht enttäuscht von dieser teuflischen Süßigkeit. Insofern unentschlossene drei von fünf Gitarrenriffs, die diesen Dämon auch nicht aufhalten können.


Una und Ray
Una und Ray
DVD ~ Rooney Mara
Preis: EUR 13,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen HooRay, 4. April 2017
Rezension bezieht sich auf: Una und Ray (DVD)
(Kinoversion)

»Intro«

Hätte ich gewusst, dass das Missbrauchsdrama „Una & Ray“ auf einem Theaterstück („Blackbird“ von dem Schotten David Harrower aus dem Jahre 2005) basiert, hätte ich mir den Film wohl nicht angesehen. Und hätte gut daran getan, ehrlich gesagt. Denn so bewusst gewählt die Ambivalenz des Films auch sein mag - womit der Zuschauer zwangsweise zum Nachdenken angeregt wird - so unausgegoren und schlussendlich nervtötend war dieser statische und theatralische 94Minüter für mich. Der Australier Benedict Andrews gibt mit dieser britisch/kanadisch/amerikanischen Co-Produktion sein Kinodebüt und wurde von vielen Kritikern dafür gefeiert. Von mir leider nicht, denn die wankelmütige, unklare Botschaft, das offene Ende und die große Frage nach dem „Warum“ führen für mich in der Summe dazu, sowohl mit Una als auch mit Ray meine Zeit verschwendet zu haben. Geschmäcker sind halt verschieden.

»Wassup?«

Die 13jährige Una ist in ihren gut 20 Jahre älteren Nachbarn Ray verknallt. Und auch der Mittdreißiger fühlt sich (für ihn selbst überraschend) zu dem Teenager hingezogen. Nach einer gemeinsamen Nacht und einer vereitelten geplanten Zukunft weit weg von ihrem derzeitigen Zuhause zerbricht die fragile und natürlich moralisch indiskutable „Beziehung“ der Beiden. Ray landet für vier Jahre im Knast und baut sich anschließend unter anderem Namen ein neues Leben auf. 15 Jahre später hat Una die Ereignisse jener Nacht noch immer nicht verarbeitet. Durch Zufall findet sie heraus, wo Ray jetzt arbeitet und stattet ihm auf seiner Arbeitsstätte einen Besuch ab. Sie konfrontiert Ray aber nicht nur mit Missbrauchsvorwürfen, sondern auch mit der immer noch latent vorhandenen Zuneigung zu dem wesentlich älteren Mann. Täter- und Opferrollen werden hin- und hergetauscht, und Una versucht verzweifelt, irgendeine Art inneren Frieden zu finden. Ob ihr das ausgerechnet durch Ray gelingen wird?

»Let's get real«

Gleich vorab: Eine Antwort auf diese Frage wird man nicht bekommen. Sowohl der Autor des Theaterstückes (der auch das Drehbuch geschrieben hat) als auch der Regisseur bleiben einem die Katharsis, nach der diese Geschichte nachgerade schreit, schuldig. Das wäre zumindest dann nicht schlimm, wenn es einem gelungen wäre, irgendeinen emotionalen Zugang zu den Protagonisten zu bekommen. Da man aber weder mit Rays ausweichender Art noch mit Unas passiv-aggressivem Verhalten warm wird, hofft man wenigstens auf ein aussagekräftiges Ende dieses emotionalen Zweikampfes, so dass der ganze Aufriss, den Una hier betreibt, wenigstens für irgendjemanden Sinn macht.

Aber nein, Regisseur Andrews quält den Zuschauer zunehmend mit Unas seltsamen Verhaltensweisen. Mehr und mehr wünscht man sich, die junge Frau möge sich endlich entscheiden, was sie denn nun eigentlich will. Will sie Rache für die sexuelle Annäherung Rays, die nicht hätte passieren dürfen, selbst wenn sie für ihn geschwärmt hat? Oder hegt sie immer noch Gefühle für ihn? Oder sucht sie nur verzweifelt irgendeinen Abschluss, um mit dem Geschehenen fertig zu werden, was ihr offensichtlich bislang nicht gelungen ist? Man weiß es nicht und wird es in den 94 Filmminuten auch nicht erfahren. Zwar sind die widersprüchlichen Gefühle der Protagonisten durchaus interessant, weil man nie genau weiß, welche Richtung die von Una beigeführte Konfrontation nehmen wird, allerdings nutzt sich dieses Interesse sehr schnell ab, weil es eben immer einen Schritt vorwärts und zwei wieder zurück geht.

Darüber hinaus kann der Film seine Bühnenstück-Herkunft zu fast keinem Zeitpunkt verleugnen. Zwar reichert Andrews seinen Film um diverse Rückblenden aus der Zeit des Missbrauchs an, wirklich erhellend sind diese aber nicht, und sie können auch nicht die latent theaterhafte Theatralik aufheben, die „Una & Ray“ innewohnt. Rastloses Hin- und Hergerenne auf kleinem Raum, manierierte und befremdliche Einzelaktionen, unendlich viele Nahaufnahmen von meist ausdruckslosen Gesichtern. Dazu die überflüssige Rahmenhandlung um Rays Probleme auf der Arbeit und die stümperhaft eingearbeiteten (und irrelevanten) Nebenrollen von Unas Mutter und Rays Kollege Scott.

Bei „Una & Ray“ bleibt nahezu alles diffus, angerissen, aber nur selten wirklich klar ausgesprochen, Una schwankt nahezu willenlos zwischen ihren widersprüchlichen Gefühlen hin und her, sie empfindet alles gleichzeitig - Hass, Verwundbarkeit, Demütigung, Überlegenheit, das Bedürfnis sowohl nach Vergeltung als auch nach Anerkennung. Damit ist nicht nur Ray, sondern auch der Zuschauer irgendwann überfordert bzw. nicht mehr willens, sich das noch länger mit anzusehen.

Wenigstens gelingt es Regisseur Andrews, Rays Ambivalenz gut herauszuarbeiten. Man überlegt tatsächlich, ob dieser Mann nun ein egoistischer Kinderschänder ist oder ein Mann, der dem pubertären Charme der Nachbarstochter erlegen ist, obwohl er dagegen angekämpft hat und sich weder vorher noch nachher zu Kindern hingezogen gefühlt hat. Welche Gefühle waren real, welche eingebildet oder Wunschdenken? Dies sind die einzigen Momente im Film, bei denen man sich nicht wirklich zwischen Abscheu und Verständnis für Ray zu entscheiden vermag.

»Players«

Den Darstellern ist nicht wirklich etwas vorzuwerfen, sie beherrschen ihre unnötig widersprüchlich angelegten Rollen. Dennoch kann ich mir nicht helfen, ich fand Una nahezu unerträglich, auch an den Stellen, wo man eigentlich Verständnis für sie haben sollte. Dieser impulsiven, sprunghaften, traumatisierten und verwirrten jungen Frau verleiht Rooney Mara („Verblendung“) ausreichend Ausdruckskraft, auch, wenn sie zu keinem Zeitpunkt sympathisch wirkt. Ben Mendelsohn („The Dark Knight rises“) bleibt im Vergleich zu Mara etwas blass, das mag allerdings auch an der generellen Zurückhaltung, die Andrews für diesen Charakter vorgesehen hat, liegen. Einen undankbar kleinen Part hat noch Riz Ahmed („Four Lions“, „Star Wars: Rogue One“) abbekommen, von dem zumindest ich gerne mehr gesehen hätte.

»Quintessence«

„Una & Ray“ kann sich nicht entscheiden, ob es nun Liebesgeschichte oder Missbrauchsdrama sein möchte. Beide Ansätze verfolgt Regisseur Andrews zwar, allerdings keinen der beiden konsequent genug, um Empathie für die Protagonisten zu generieren. So plätschert der Film in ungelenker Statik und Theatralik irgendwann am Interesse des Zuschauers vorbei. Bedauerlicherweise ist man erleichtert, wenn endlich (nach einem vollkommen unbefriedigenden Ende) der Abspann beginnt, weil man sonst versucht wäre, Una für ihr vielleicht sogar nachvollziehbares, aber dennoch enervierendes Verhalten eine zu schallern. Mögen viele diesen Film für ein vielschichtiges, Fragen aufwerfendes, bewegendes Missbrauchs-Liebes-Drama halten, für mich war „Una & Ray“ leider nur unterkühltes, irrationales und überwiegend gehaltloses Gerede mit theatralischen Gesten. Deshalb nur eine von fünf Konfrontationen, für die man sich den Kauf der DVD/Blu Ray sparen kann.


Trash Fire [Blu-ray]
Trash Fire [Blu-ray]
DVD ~ Adrian Grenier
Preis: EUR 10,99

3.0 von 5 Sternen Schreckschraube, 14. März 2017
Rezension bezieht sich auf: Trash Fire [Blu-ray] (Blu-ray)
(Original-Kinoversion vom Fantasy Filmfest 2016)

»Intro«

Richard Bates, Jr. ist - filmisch gesehen - regelmäßig Gast auf dem Fantasy Filmfest. Sowohl mit seinem Erstlingswerk "Excision", einem verstörenden und blutigen Portrait eines verstörten Teenagers, als auch mit dem schrägen "Suburban Gothic", in dem ein junger Mann sich mit Geistern herumschlagen muss, die sein Elternhaus heimsuchen. Diese Werke entstanden 2012 bzw. 2014. Und nun ist Bates zurück, mit seinem dritten Film im Gepäck. Nicht so verstörend und gewalttätig wie "Excision", nicht so albern wie "Suburban Gothich" sondern irgendwo dazwischen. Seine Werke eint die Thematik um dysfunktionale Familien, und für "Trash Fire" hat er sich dafür eine ganz besondere Sippe herausgesucht.

»Wassup?«

Owen (Adrian Grenier, "Der Teufel trägt Prada") ist ein Widerling. Der Bulimiker und Epileptiker beleidigt Freundin Isabel (Angela Trimbur, "The Final Girls") ständig, macht ihre Freunde schlecht und stößt Isabels religiösen Bruder (Matthew Gray Gubler, "Suburban Gothic", "Criminal Minds") regelmäßig vor den Kopf. Parallel dazu quatscht er seine Therapeutin mit seinem Endlos-Gefasel in den Schlaf. Nach drei Jahren hat Isabel endlich die Nase voll und will sich trennen. Doch ausgerechnet jetzt wird sie schwanger. Sie beschließt, es noch einmal mit Owen zu versuchen, will aber endlich seine Familie kennenlernen, damit sie ihn vielleicht etwas besser versteht. Owens Eltern sind vor 20 Jahren bei einem Brand ums Leben gekommen, übrig sind nur noch seine vom Brand schwer gezeichnete und traumatisierte Schwester Pearl (AnnaLynne McCord, "Excistion") und die wahnhaft religiöse Oma Violet (Fionnula Flanagan, "The Guard"), die fremde Gäste gern mal mit der Schrotflinte im Anschlag begrüßt. Schnell muss Isabel feststellen, dass Owen noch der sozial kompatibelste der ganzen Sippe ist. Besonders Granny Violet ist ein wahrer Satansbraten, der regelmäßig Gift und Galle spuckt und in Isabel den Wunsch weckt, möglichst schnell wieder abzureisen. Owen aber möchte erst noch mit seiner Schwester sprechen, die sich in ihrem Zimmer eingeschlossen hat…

»Let's get real«

Warum Richard Bates sich ausgerechnet der Thematik "dysfunktionale Familien" verschrieben hat, weiß man nicht. Fakt ist aber, dass er sich diesem Thema immer ziemlich drastisch nähert. In "Excision" ging es ziemlich blutig zu, in "Suburban Gothic" blutig und komisch und bei "Trash Fire" bleibt einem das Lachen meist im Halse stecken, wohingegen es hier nur ziemlich wenig Blut zu sehen gibt. Seltsame, bizarre und schwerst unhöfliche Charaktere aber sind eine Konstante in Bates' Filmen. Gut so, denn dieser verbalen Drastik wird der Horrorfan nicht allzu oft ansichtig.

Hier ist es neben dem unfassbar rüden Owen dann doch tatsächlich Oma Violet, die dem Fass der Unhöflichkeiten mit Karacho den Boden ausschlägt. Süffisant, niederträchtig und mit diabolischer Freude brüskiert sie nahezu jeden, der sich in ihre Nähe wagt - was aufgrund der im Flur geparkten Schrotflinte zum Glück nicht allzu oft vorkommt.

Nachdem der Zuschauer also im Intro einen Eindruck davon bekommt, was "verbale Entgleisung" wirklich bedeuten kann, geht es sodann nur umso schlimmer weiter. Als hätte Isabel unter ihrem Freund nicht schon genug zu leiden, muss sie bei Ankunft bei seiner buckligen Verwandtschaft feststellen, dass Owens Beleidigung nur der mündliche Schonwaschgang waren und bei Oma Violet die verbale Schmutzwäsche im Hauptwaschgang bei 1400 Umdrehung auf 90°C läuft. Darüber hinaus ist sie verstört von der nur nachts im Haus umherhuschenden Pearl, die ihre schweren Verbrennungen hinter strähnigen Haaren und unförmigen Kleidern zu verbergen sucht und es ihrem Bruder offensichtlich immer noch übel nimmt, dass dieser nach dem von ihm versehentlich verursachten Brand die Flucht ergriffen und sie bei Horror-Violet zurückgelassen hat.

Je tiefer die Einblicke in diese offensichtlich schwer psychisch gestörte Familie werden, umso fieser werden die Dialoge und umso dringender will Isabel eins: nur weg von diesem unwirtlichen Ort. Owen allerdings beharrt darauf, sich mit seiner Schwester aussprechen zu wollen, wenn er nun schon mal da ist. Oma Violet hingegen hat ihre ganz eigenen Motive, noch etwas Zeit mit ihrem Enkel verbringen zu wollen…

»Players«

Fionnula Flanagan ist wirklich die personifizierte Schreckschraube. Adrett onduliert und sittsam gekleidet, steht ihr loses Mundwerk in krassem Gegensatz zu ihrem Aussehen. Die arrogant in die Höhe gezogenen Augenbrauen, die kerzengerade Haltung und die triefende Verachtung in ihrer Stimme - die grandiose Mimik und Ausdruckskraft von Flanagan sind beeindruckend. Die 74jährige Irin ist die perfekte Wahl für diese Rolle. Aber auch Adrian Grenier überzeugt als Widerling, dem man im Minutentakt eine scheuern möchte. Die Gründe, warum Isabel bei diesem Kerl bleibt, kann Angela Trimbur nicht ganz überzeugend vermitteln, dennoch schlägt sie sich wacker inmitten dieser niederträchtigen Sippe. AnnaLynne McCord lief in "Excision" zur Höchstform auf, hier spielt sie etwas verhaltener, aber nicht weniger gut.

»Quintessence«

"Trash Fire" ist ein kleiner, gemeiner Film, den Richard Bates stimmungsvoll niederträchtig inszeniert hat. Rein optisch wirkt der 91Minüter ab und an etwas billig und auch mit Filmblut wurde hier mächtig gespart, dennoch gibt es nicht viel auszusetzen an "Trash Fire". Guter Cast, schöner Indie-Soundtrack und haufenweise gemeine Beleidigungen, deren verbale Ausdruckskraft apart schockiert. Somit gerne sehr gute drei von fünf Großmüttern, die man wirklich keiner Familie wünscht.


Alle Farben des Lebens
Alle Farben des Lebens
DVD ~ Elle Fanning
Preis: EUR 11,49

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen About Ray, 14. März 2017
Rezension bezieht sich auf: Alle Farben des Lebens (DVD)
(Kinoversion vom Filmfest Hamburg 2016).

»Intro«

Um "Alle Farben des Lebens" gab es vorab einige Titel-Diskussionen (im Original hieß der Film eigentlich "About Ray", wurde dann aber vom Verleih in das nichtssagende "Three Generations" umbenannt, nur, um im Deutschen dann einen ähnlich belanglosen Titel zu bekommen) - der treffende Titel wäre aber tatsächlich "About Ray" gewesen, denn er/sie spielt hier schließlich die Hauptrolle. Neben Elle Fanning als Mädchen, das gerne ein Junge sein möchte, spielen hier ebenfalls Naomi Watts und Susan Sarandon eine tragende Rolle. Die englische Regisseurin Gaby Dellal hat sich für ihren vierten Spielfilm New York als Kulisse ausgesucht und für lediglich fünf Millionen US-Dollar ihren 87Minüter abgedreht. Und auch, wenn der Film nicht auf ganzer Linie überzeugen kann, ist Gaby Dellal hier ein vielschichtiges Stück Gender-Filmgeschichte gelungen.

»Wassup?«

Die 16jährige Ramona (Elle Fanning, "The Neon Demon") lässt sich seit vier Jahren nur noch Ray nennen. Der Teenager fühlt sich seit seinem vierten Lebensjahr im falschen Körper gefangen und möchte nun endlich mit der Geschlechtsumwandlung beginnen. Kinderbuch-Illustratorin und Mutter Maggie (Naomi Watts, "Gefühlt Mitte Zwanzig") ist somit latent in der Bredouille. Denn die Alleinerziehende, die von Rays Vater schon vor langer Zeit verlassen wurde, muss diesen nun ausfindig machen, da auch er der Umwandlung zustimmen muss. Maggie selbst ist zwar grundsätzlich für die Operation, schreckt dann vor der alles entscheidenden Unterschrift aber doch noch zurück. Und auch Großmutter Dolly (Susan Sarandon, "In meinem Himmel") hat so einige Probleme damit, dass aus ihrer Enkelin nun ein Enkel werden soll, trotz guten Zuredens ihrer wesentlich entspannteren Lebensgefährtin Frances (Linda Emond, "Old Boy"). Dass die drei Generationen auch noch alle unter einem Dach wohnen, macht die Sache nicht gerade leichter…

»Let's get real«

Regisseurin Dellal gelingt ein überwiegend feinfühliges und differenziertes Portrait eines Teenagers, der im falschen Körper geboren wurde. Lediglich das etwas sehr "New York-hafte" am Inszenierungsstil stört diesen ansonsten sehr gelungenen Film. Etwas zu offensichtlich wird hier das ach-so-coole Leben in New York porträtiert (im mehrstöckigen, aber engen und hoffnungslos sanierungsbedürftigen Stadthaus mit Bohème-Charme); Ray macht natürlich künstlerisch wertvolle Videocollagen und führt auch ein Videotagebuch; Maggie ist natürlich Künstlerin, die mit farbverschmierten Fingern durch die Gegend rennt und die alternden Lesben sind natürlich trotzige Kämpferinnen, die jederzeit den passenden ironisch-coolen Spruch auf den Lippen haben und hippe Brillen tragen. Das wirkt manchmal etwas sehr arthousig und leider auch übertrieben, hier bedient sich die Regisseurin ein paar Klischees zu viel.

Das ist dann aber auch alles, was man "Alle Farben des Lebens" vorwerfen kann. Abseits der eben genannten New York-Kultur-Klischees inszeniert Gaby Dellal ihren Film sehr sensibel und gleichzeitig eindringlich. Sehr differenziert beschreibt sie Rays eigene Probleme, aber auch die seiner Familie. So bekommt man einen guten Einblick darin, wie vielschichtig und unterschiedlich die Probleme sind, die die Betroffenen und auch die Angehörigen haben (können). Rays Probleme fangen beim Mobbing an und hören bei der heimlichen Schwärmerei für eine Mitschülerin nicht auf. Maggie dachte, sie hätte sich gut mit der Situation arrangiert, nun einen Sohn zu haben, schreckt aber doch noch vor dem letzten Schritt, der alles entscheidenden Unterschrift, zurück. Und bei aller Aufgeklärtheit stellt Dolly sich die Frage, warum Ray "nicht einfach nur lesbisch sein kann". Dazu kommt, dass der praktisch nicht-existente Vater gefunden werden muss, da auch er der Operation zustimmen muss. Auch hier warten noch so einige Probleme auf Maggie und Ray.

All dies wird mit dem nötigen Ernst und Respekt behandelt, von Regisseurin Dellal aber immer wieder auch mit sehr humorigen Wortduellen aufgelockert, in denen sich die drei Generationen ironisch-sarkastisch gekonnt aufs Korn nehmen. So kommt im relativ kurzen Filmverlauf denn auch keine Langeweile auf. Dabei werden im Wechsel die jeweiligen Probleme der Protagonisten mit der aktuellen Situation beleuchtet. Besonders intensiv sind dabei die Momente, in denen Ray vor Verzweiflung und Frustration fast zusammenbricht und beinahe die Hoffnung verliert, das Leben leben zu können, das er möchte. Aber auch Maggies Gefühle sind nachvollziehbar, fühlt sie sich mit dieser alles verändernden Entscheidung doch ein wenig überfordert. Etwas grob skizziert bleiben Dolly und Frances und Papa Craig (Tate Donovan, "Damages"), aber der Film heißt ja schließlich auch "About Ray".

»Players«

Dass der Cast grandios ist, daran gibt es wohl kaum einen Zweifel. Susan Sarandon als schlagfertige Alt-Lesbe ist sehr amüsant, ebenfalls Linda Emond, die ihr wunderbar süffisant Paroli bietet. Naomi Watts halte ich zwar für keine überdurchschnittlich begabte Darstellerin, aber ihre Rolle als besorgte, starke, manchmal aber auch schwache Alleinerziehende bekommt sie prima hin. Wirklich in Erstaunen versetzt einen aber die erst 18jährige Elle Fanning, die sich intensiv auf ihre - wie sie sagt - bislang schwierigste Rolle vorbereitet hat. Erstaunlich ist, wie durchaus überzeugend jungenhaft sie aussieht, obwohl sie lediglich ungeschminkt ist und kurze Haare hat. Ihre ganze Ausstrahlung, ihr Gang, ihre Gestik und Mimik weisen sie als das aus, was sie als Ray sein möchte: ein Junge. Sehr reduziert blitzt aber ab und an auch das auf, was Ray momentan noch ist: ein Mädchen. Elle Fanning spielt diese Rolle wirklich großartig und vielschichtig.

»Quintessence«

"Alle Farben des Lebens" ist eine gelungene, sehr sensibel und differenziert erzählte Tragikkomödie, die meistens genau den richtigen Ton trifft. Regisseurin Dellal hat sich offenbar eingehend mit der "Gender"-Thematik beschäftigt und erzählt diesen Teil der Geschichte jenseits aller Klischees. Lediglich der teilweise pseudo-coole Arthouse-Stil des Films, der sehr "new yorkig" wirkt, kommt etwas überkandidelt daher. Dies ist aber nur ein kleiner Stein in einem ansonsten perfekt sitzenden Schuh. Ergo gerne vier von fünf Ramonas, die lieber Rays sein möchten.


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