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Rezensionen verfasst von
timediver® "Geschichte - Reisen - Rezensionen" (Oberursel/Taunus, Europe)
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Der Eine und die Vielen: Altägyptische Götterwelt
Der Eine und die Vielen: Altägyptische Götterwelt
von Erik Hornung
  Gebundene Ausgabe

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Polytheismus, Henotheismus, Monotheismus & Synkretismus, 20. Oktober 2015
"Die altägyptische Religion ist das Gegenbild einer 'absoluten Religion', denn sie stellt die 'Ewigkeitswerte', zu denen gerne aufgeblickt wird, in Frage und reißt das Denken aus den allzu gewohnten Bahnen."
(Erik Hornung)

Der baltendeutsche Autor, Prof. emer. Dr. Erik Hornung, gilt weltweit als der beste Kenner des Wadi el-Muluk (Tal der Könige), dass sich gegenüber der heutigen oberägyptischen Stadt Luxor auf der westlichen Seite des Nils befindet. "Der Eine und die Vielen" zählt zu einer langen Reihe von wissenschaftlichen Arbeiten, die der Ägyptologe im letzten halben Jahrhundert im In- und Ausland publiziert hat. Diese Fachbücher sind mittlerweile zu Klassikern geworden. Die erste Auflage von "Der Eine und die Vielen. Ägyptische Gottesvorstellungen." ist bereits vor 40 Jahren von der Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt im 1971 herausgegeben worden. Die im August 2011 nunmehr erschienene 7. Auflage ist ein unveränderter Nachdruck der 6., vollständig überarbeiteten und erweiterten Auflage aus dem Jahre 2005. Dementsprechend wurde auch das damalige Vorwort des Autors übernommen.

Nach einer Einführung gliedert sich Hornungs Darstellung des altägypthischen Pantheons in sechs weitere Kapitel. Das zweite Kapitel befasst sich mit der Bedeutung und dem Gebrauch der ägyptischen Gottesbezeichnung "netjer", dem Adjektiv "göttlich" und weiteren elementaren Begriffen für "göttliche Mächte". Nach einer kurzen Einleitung werden in Kapitel drei die Personifikationen, weiblichen Parallelbildungen sowie die Vielnamigkeit und Hierarchie erläutert. Hinzu kommt der wichtige Aspekt des Synkretismus, der in der Ikonographie von Maria und Jesus (Isis und Horusknabe) und einer Vielzahl anderer als "urchristlich" verstandenen theologischen Vorstellungen bis in die Gegenwart wirkt. Das vierte Kapitel hat die Darstellung und Erscheinung der Götter zum Gegenstand. Die Mischgestalt mancher Götter, die bereits im Altertum bei anderen Völkern Befremdung, Abneigung und spöttische Ablehnung wird gedeutet und die "wahre" Erscheinung der Götter offenbart. Während der Pharao im Zusammenhang mit den Gottesbildern eine zentrale Rolle einnimmt, ist der Pantheismus das Bindeglied zwischen Monotheismus und einem polymorphen Vielgötterei.

Nachdem der Autor im Kapitel sechs die Eigenschaften der Götter, ihre Herkunft, Entstehung, ihre Allmacht, aber auch Altern und Sterben (!) erläutert, kommt er im nachfolgenden Kapitel mit der "Wirkung der Gottheit und der Antwort des Menschen" zu dem elementaren Thema, dass alle Religionen der Menschheit miteinander verbindet. Das siebte und letzte Kapitel dient schließlich der Vorstellung von numerisch-genealogischen, lokalen und sozialen Ordnungs- und Gliederungssystem mit denen die Götter erfasst wurden. Spannend ist ein Exkurs zum Ansatz Echnatons, der als Begründer des ersten Monotheismus gilt. Auch sind bestimmte Formen eines Henotheismus (Monolatrie), der die Verehrung eines einzigen Gottes in den Mittelpunkt des Glaubens stellt, ohne dass die Existenz anderer Götter verneint wird, in den nur vordergründig monotheistischen Religionen der Gegenwart präsent. Man denke an die Engelshierarchie, Erzengel, Gottesmutter und eine Vielzahl von Heiligen, die sich eigentlich in nichts vom hinduistischen Polytheismus oder einem schamanischen Animismus unterscheiden.

Auch die abschließende 28seitige Materialiensammlung kann sich sehen lassen: Abkürzungen der genannten Periodica, Monographien,Zeittafel, Glossar der wichtigsten Gottheiten und ein Index. Der optische Höhepunkt kommt jedoch noch danach mit einem farbenprächtigen 12seitigen Tafelteil, in dem repräsentativ aus den Gräbern von Theben-West ausgewählte Abbildungen präsentiert werden.

"Der Eine und die Vielen" ist nicht nur ein Standardwerk zur Einführung in die Welt der altägyptischen Götter. In einer Zeit wie der unseren, in der religiöser Fundamentalismus aller Couleur Zulauf bekommt, rüttelt es an den vermeintlichen Glaubensbastionen erstarrter Dogmata. In dieser Hinsicht kann das Buch sicherlich auch seinen Beitrag zur Toleranz und einem interreligiösen Miteinander leisten.

Darüberhinaus bietet das Buch für timediver® als Nachschlagewerk zahlreiche Möglichkeiten zur Auffrischung der Erkenntnisse, die ich bei meinen Ägytenreisen in den Jahren 1988 und 1989 gewonnen hatte.

Ohne Einschränkung: 5 Amazonsterne.


Archäologischer Kalender 2016
Archäologischer Kalender 2016

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die 58. Ausgabe einer Institution, 20. Juni 2015
Rezension bezieht sich auf: Archäologischer Kalender 2016 (Kalender)
Der alljährlich seit 1959 erscheinende "Archäologischer Kalender" des Darmstädter Verlages Philipp von Zabern lässt bereits vor Ende der ersten Jahreshälfte nicht nur an das kommende Jahr denken. Bei einem, an Archäologie und Geschichte interessierten Publikum weckt er zugleich die Neugier danach, welche Motive diesmal für die Monatsblätter ausgewählt wurden. Man kann natürlich bis Neujahr damit warten, den Kalender von seiner Plastikfolie zu befreien und sich auch danach vierzehntäglich immer wieder aufs Neue überraschen zu lassen....

....dem Rezensenten ist es jedoch erlaubt, diesen Schleier vorzeitig, zumindest teilweise, zu lüften.

Zur technischen und praktischen Machart des Wandkalenders gehört eine Spiralbindung, die einerseits den Vorteil bietet, dass kein Kalenderblatt abgerissen werden muss, um einzelne Abbildungen oder den Kalender als Gesamtkunstwerk betrachten zu können. Dies entspricht sicherlich auch der Philosophie, welche die Kalender als komplette Sammelobjekte [mit Wertsteigerung gegenüber dem Kaufpreis!] betrachtet. Andererseits würde bei manchen Bildern am oberen Bildrand ein ca. 1 cm breiter Streifen in Verlust geraten, wenn man das Foto herausnähme, um es einzeln zu exponieren. Der am unteren Rand angebrachte Textstreifen mit Monat, Wochentagen und Zahlen macht ein Sechstel des gesamten Kalenderblattes aus. Auf jeder Seite hat der Textstreifen eine andere Farbe, welche harmonisch auf die jeweilige Abbildung abgestimmt ist.

Auch für das Jahr 2016 wurden wieder qualitativ hochwertige Fotografien von vorwiegend unbekannteren archäologischen Artefakten ausgewählt, welche auf der Rückseite des jeweiligen Kalenderblattes von namhaften Autoren aus Museen, Universitäten und Forschungsinstitutionen eingehend vorgestellt werden. Dem jeweiligen Kurzessay sind Informationen über Werkstoff, Größe und Zweck des Exponates sowie seiner Herkunft, mit zeitlicher Einordnung, Fund- und Ausstellungsort vorangestellt.

Die Schwerpunkte wurden diesmal bei der Kunst Altägyptens gesetzt, die mit fünf Kalenderblättern, gefolgt von jeweils vier Abbildungen altmesopotamischer und (provinzial)römischer Exponate, vertreten ist. Jeweils drei Artefakte stammen aus dem antiken Griechenland und China, jeweils zwei aus Indien und dem mittelalterlichen Deutschland. Der altkykladische, keltische, etruskische, äthiopische und südamerikanische Kulturkreis sind mit jeweils einem Objekt vertreten. Die Herkunftszeit der Fundstücke reicht vom vierten vorchristlichen Jahrtausend (Schminkpalette in Form einer Schildkröte, Naqada I) bis ins 16 nachchristliche Jahrhundert (Glasierte Ofenkachel, Freiberg). Neben dem Deckblatt (Kopf eines altakkadischen Herrschers; vermutlich Naram-Sin) sind als zwei weitere 'Highlights' der sogenannte 'Riace Krieger B' (460/450 v. Chr.) sowie ein Tonverschluss mit Siegelabrollung (4. Jt. v. Chr.) aus Uruk Waraka zu nennen.

Zu den Ausstellungsorten der Exponate gehören die Staatlichen Museen in Berlin, das British Museum London, das Ägyptisches Museum in Kairo sowie eine ganze Reihe kleinerer Museen, Ausstellungen und Sammlungen in Deutschland und dem europäischen Ausland.

"Zaberns Archäologischer Kalender 2016" gewährt einmal mehr spezielle Einblicke in die mannigfaltige Welt der Archäologie und auch darüber hinaus. Außerdem bietet er einerseits Erinnerungen an bereits besuchte Stätten, Museen und Sammlungen , andererseits jedoch auch Anregungen für künftige Ausflüge und Reisen.

5 Amazonsterne.


Reise Know-How Malta, Gozo, Comino: Reiseführer für individuelles Entdecken
Reise Know-How Malta, Gozo, Comino: Reiseführer für individuelles Entdecken
von Werner Lips
  Taschenbuch
Preis: EUR 19,50

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Reisehandbuch, das gleichermaßen für jede Art von Tourismus etwas zu bieten hat, 8. Juni 2015
Das bereits im April 2014 in seiner 8., neu bearbeiteten und komplett aktualisierten.Auflage erschienene Reisehandbuch 'Know-How Malta, Gozo, Comino' beginnt nach einem Vorwort, Karten- und Exkursionsverzeichnis, Überblick über die Regionen und einem hilfreichen Abschnitt „Vor der Reise“ gleich mit dem ersten von insgesamt 5 Reisekapiteln.....

...die sich in 'Rund um Valletta', 'Ostmalta', 'Südwestmalta', 'Nordmalta' und 'Gozo – Insel der Kalypso' gliedern. Der kleinen Insel Comino sind drei Seiten gewidmet. Die sehenswerten Orte und Sehenswürdigkeiten werden ausführlich beschrieben. 'Reise Know How' verzichtet jedoch auf eine Bewertung der Orte und Ziele mit Sternen oder Punkten, unterlegt dafür jedoch die Überschriften der wichtigsten Highlights und Tipps wie 'Blue Grotto' , Ħaġar Qim und Mnajdra mit gelber Farbe. Von hohem praktischen Wert ist, das nicht nur die wichtigsten Ortsnamen in Lautschrift wiedergegeben, sondern neben den Busnummern mit denen sie zu erreichen sind, auch die entsprechenden Haltestellen angeführt werden. 38 Orts- und Lagepläne erleichtern zudem die Orientierung.

Mit 'Tauchen rund um Malta' bietet das sechste Kapitel Anreize für besondere sportliche Aktivitäten. Kapitel 7 bietet 61 (!) Seiten mit Praktischen Reisetipps von der Anreise bis zu Versicherungen. Sehr gut ist ein Hinweis auf das Problem fortwährender Restaurationsarbeiten und Besucherfilter bei manchen archäologischen Stätten. Die empfohlene Vorbuchung im Internet für ein Besuch des Hypogäums von Ħal Saflieni ist jedoch nicht nur bloß ratsam (S. 96) , sondern unerlässlich. Ansonsten müsste man ab 08:00 Uhr morgens am National Museum of Fine Arts im Zentrum von La Valletta für eine sogenannte 'Last-Minute-Karte' (35.- €) anstehen. Auf die Schließung der Tempel von Tarxien wegen Überdachung (18.05.2015) und des Hypogäums wegen Restaurantionsarbeiten (ab 31.08.2015 für ein Jahr) bietet das Reisehandbuch keinen Hinweis. Gut ist auch der 'Buslinienplan Malta und Gozo' (S. 406/407), allerdings ist er recht klein geschrieben, so dass zum Lesen eine Lupe empfehlenswert ist oder man sich einen größeren Busplan vor Ort besorgen sollte. Erfreulicherweise kostet ein Bus-Wochenticket nicht 12.- € (S. 208), sondern nur 6,50 €. Ebenso erfreulich ist, dass 'Reise Know How' keine Tagestouren empfiehlt, die aufgrund der herrschenden Verkehrsverhältnisse, allen voran einer unglaublichen Parkplatznot ohnehin nicht durchführbar wären.

Gleichwohl 'Malta und seine Bewohner' erst Gegenstand des achten Kapitels sind, bietet dieses mit 43 Seiten alles über Geographie, Natur, Religion, Kunst, Architektur usw. des maltesischen Staates. Alleine der wechselvollen 8000jährigen Geschichte des Archipels sind 28 Seiten gewidmet. Besonders hervorzuheben sind sogenannte, farblich abgesetzte Exkurse, die von zahlreichen Wanderungen und anderen Anregungen über politische Themen, wie 'Echte Parteiendemokratie' und „Das Malta-Gozo-Brücken-Projekt“ bis hin zu historischen Essays über den Johanniterorden reichen. Ein ganz besonderes Bonbon ist der Beitrag zum 'Stat ta' Għawdex' (Staat Gozo), einem Völkerrechtssubjekt, das zwischen dem 28. Oktober 1798 bis 4. September 1800 von einem Erzpriester als Staatsoberhaupt geleitet wurde.

5 Amazonsterne für ein aktuelles, 484seitiges (!) Reisehandbuch, das gleichermaßen für jede Art von Tourismus etwas zu bieten hat.


Baedeker Reiseführer Malta, Gozo, Comino: mit GROSSER REISEKARTE
Baedeker Reiseführer Malta, Gozo, Comino: mit GROSSER REISEKARTE
von Klaus Bötig
  Taschenbuch
Preis: EUR 19,99

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Informative und ansprechende Darstellung mit Praxisdefiziten, 8. Juni 2015
Mit seinen 308 Seiten und seinem Erscheinungstermin (29.10.2014) zählt der 'Baedeker Reiseführer Malta, Gozo, Comino' zu den umfangreichsten und aktuellsten Publikation über das maltesische Archipel. Gegenüber konkurrierenden Reisehandbücher anderer Verlage setzt Baedecker - wie immer - seine Schwerpunkte eher auf die Geschichte und die Kultur des Landes.

Der Reiseführer ist in sechs Kapitel unterteilt, denen zu Illustrationszwecken jeweils ein bestimmte Farbe zugeteilt ist. Diese Farben sind auch in der oberen Ecke am Zusammentreffen von Vorderschnitt und Querschnitt bei der jeweiligen Seitenzahl angebracht, was einen leichteren Zugriff auf die Kapitel ermöglicht. Neben Fakten und berühmten Persönlichkeiten bietet das erste Kapitel eine ausführlich Darstellung der Geschichte, Kunst und Kultur des Landes. Kapitel zwei ist dem 'Erleben und genießen' gewidmet. Neben Essen und Trinken, Events und Festen gibt es hier zahlreiche Tipps für eine Urlaub mit Kindern, Shopping, Übernachten und den Aktivurlaub.Mit insgesamt 146 Seiten stellen die Kapitel Reiseziele auf Malta und Reiseziele auf Gozo das Herzstück des Reisehandbuches dar. Die einzelnen Orte und Ziele sind hier - wie gewohnt bei Baedecker - alphabetisch aufgeführt, was unter anderem die Folge hat, dass die geographisch unmittelbar aneinander grenzenden Stadtteile Rabat und Mdina auf den Seiten 157 ff., bzw. 178 ff. zu finden sind. Neben weiteren, vornehmlichen historischen Informationen weisen die Beschreibungen zu den Orten und den einzelnen Sehenswürdigkeiten die 'Baedecker spezifische' Klassifizierung von bis zu zwei Sternen vor. (Eine Differenzierung mit drei Sternen würde dem Reisenden sicherlich manche Entscheidung erleichtern.) Die angeführten Kapitel werden durch zahlreiche, zum Teil ausklappbare Specials, Info- und 3D-Graphifiken (Baedecker Wissen) aufgelockert. Die aus einer Plastikhülle in der hinteren Buchklappe herausnehmbare Karte im Maßstab 1:50.000, auf der die Klassifikationssterne der Sehenswürdigkeiten eingezeichnet sind, ist ein weiterer Pluspunkt. 'Praktische Informationen' lautet die Überschrift des letzten Kapitels, dem noch ein Anhang mit einem hilfreichen Register, einem Verzeichnis der zahlreichen Karten und Graphiken und der Rubrik 'Kurioses Malta' folgt.

Die Aussage "Malta und Gozo lassen sich mit dem Mietwagen problemlos erkunden" ist auf Seite 273 zu lesen. In diesem Zusammenhang wird auf drei ausgewählte Rundfahrten, die alle bedeutenden kulturellen und landschaftlichen Sehenswürdigkeiten berühren hingewiesen. Diese drei Rundfahrten, die alle in La Valletta beginnen, sind im dritten Kapitel "Touren" nachzulesen. Während für die 'Highlights' im Inselzentrum ein Tag angesetzt wird, würde man für die Touren in den Norden und den Süden jeweils nur 5 Stunden benötigen. Nach timediver®'s Erfahrungen ist die Durchführung der empfohlenen Touren in dem vorgegebenen zeitlichen Rahmen unmöglich. Denn bei der Nutzung eines Mietwagens kommen zum Linksverkehr nicht nur die engen Straßen und die undurchsichtige Verkehrsführung an manchen Junctions, sondern auch der aggressive Fahrstil der meisten Malteser. Trotz Stadtplänen und Autokarte muss man sich zu nahezu jeder Sehenswürdigkeit durchfragen. Das allergrößte Problem sind jedoch die überall fehlenden Parkplätze, so dass man keine Chance zum Abstellen des Mietwagens bekommt. Selbst an Tankstellen muss man vorbeifahren, wenn diese bereits mit zwei Pkw besetzt sind. Die öffentlichen Busse sind zwar preiswert, verkehren aber unregelmäßig und fahren an der Haltestelle vorbei, wenn sie voll sind, bzw. die Busfahrer lassen nur so viele Personen einsteigen, wie ausgestiegen sind. Weitere Imponderabilien sind die Öffnungs- und Schließzeiten von archäologischen Stätten. Die Tempel von Tarxien sind seit dem 18. Mai 2015 für Besucher geschlossen, weil sie eine Überdachung bekommen. Wenn man Glück hat, kann man morgens um 09:00 Uhr noch 'Last-Minute-Karten' (35.- €) für das Hypogäum von Hal Saflieni an der Kasse des 'National Museum of Fine Art' bekommen, muss sich dort aber eine Stunde früher einfinden. Ab 31. August 2015 wird das Hypogäum dann für ein ganzes Jahr geschlossen.

Der Baedeker Reiseführer Malta, Gozo, Comino bietet eine informative und ansprechende Darstellung, bei deren praktische Umsetzung jedoch mitunter der Teufel im Detail steckt.

4 Amazonsterne.


Kauderwelsch, Maltesisch Wort für Wort
Kauderwelsch, Maltesisch Wort für Wort
von Kim Ohk
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Kif tgħid din il-kelma bil-Malti"...., 5. Juni 2015
....will schlicht heißen: "Wie spricht man dieses maltesische Wort aus?"

Die maltesische Sprache (Malti) ist in doppelter Hinsicht ein einzigartiges Phänomen. Aus dem westarabischen Dialekt des Maghrebinischen entstanden, gehört sie zu den semitischen Sprachen. Einerseits ist sie die einzige semitische Sprache Europas, andererseits die einzige semitische Sprache, welche mit lateinischen Buchstaben geschrieben wird. Während ihr die die Buchstaben c und y fehlen, besitzt sie mit Ċ/ċ, Ġ/ġ, Ħ/ħ und Ż/ż sowie den Digraphen Għ/għ eine Reihe weiterer Buchstaben mit diakritischen Zeichen. Darüber hinaus werden mitunter in Lehnworten die Buchstaben à, è, ì, ò und ù im Auslaut verwendet.

Der Wortschatz wurde ab der Frühen Neuzeit vom Italienischen, insbesondere dem Sizilianischen, danach vom vom Englischen beeinflusst. In einigen Termini finden sich auch aramäische, phönizisch-punische und sonstige vorarabische Wurzeln. Die besten Beispiele hierfür sind die Namen der beiden Hauptinseln des Archipels "Malta" und "Gozo".

23 Jahre nach meiner ersten Malta-Reise wollte sich timediver® bei seinem diesjährigen Aufenthalt auf den Inseln gerne einiger Worte des einheimischen Idioms bedienen. Da ich bereits mit anderen "Sprechführern" der "Kauderwelsch-Reihe" gute Erfahrungen gemacht hatte, entschied ich mich "Maltesisch Wort für Wort".

Gleichwohl das Maltesische mit lateinischen Buchstaben geschrieben wird, gibt es insgesamt knapp 20 Buchstaben(kombinationen), welche anders als im Deutschen ausgesprochen werden. Die Aussprache wird auf der zweiten Seite der vorderen Klappe anhand von Beispielen erläutert. Für die Konversation müssen diese internalisiert werden (wobei das wie "sch" auszusprechende "x" noch am leichtesten zu merken ist), denn Autorin und Verlag haben auf eine Lautschrift verzichtet. Ebenso fehlen der für andere "Kauderwelsch-Bändchen" übliche "Kurz-Knigge" und Hinweise zur nonverbalen Kommunikation. Dafür gibt es einen vierseitigen Abschnitt "Malta und seine Bewohner", welcher kleine Einblicke in die Gesellschaft, Tradition und das tägliche Leben der Malteserinnen und Malteser gewährt. Den Abschnitt "Schimpfen und Fluchen" (S. 120/121) hätte man sich hingegen ebensosparen können, wie jeweils die doppelte, d. h. wörtliche und sinngemäße Übersetzung eines maltesischen Satzes. Die vom Deutschen abweichende Syntax des Maltesischen wird sich ohnehin nicht auf die schnelle in ihrer ganzen Ausprägung erfassen lassen.

Die Grammatik (Seiten 26 - 73) samt ihren Eigenheiten lässt sich keinesfalls während eines kurzen Aufenthaltes erlernen, deshalb sollte man sich auch nicht damit quälen. Gleiches gilt im Großen und Ganzen auch für die in elf Kapiteln zusammengefassten Redewendungen. Wenn man sich hingegen auf einzelne kurze Worte (siehe Wortliste) und deren Aussprache konzentriert, wird man bei den Einheimischen so manche Verwunderung erzeugen und Anerkennung gewinnen. Gleiches gilt für die wichtigsten Floskeln & Redewendungen, Richtungs- und Zeitangaben, Fragen, Zahlen pp., die in den Klappen am Anfang und am Ende des Bändchens zu finden sind. Hilfreich ist auch der bereits im Vorwort erteilte Rat, dass man ein fehlendes Wort durchaus auch in Englisch oder Italienisch "einflicken" kann.

Auch "Kauderwelsch Maltesisch" ist eine gelungene Ermunterungen zur kleinen Kommunikation, die jedoch aufgrund der fehlenden Lautschrift mit vier Amazonsternen zu bewerten ist.


Die Phönizier
Die Phönizier
von Bärbel Morstadt
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,95

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aktuelle und interessant zu lesende wissenschaftliche Arbeit, 24. Mai 2015
Rezension bezieht sich auf: Die Phönizier (Gebundene Ausgabe)
"Siehe, da kam ein phönikischer Mann, ein arger Betrüger
und Erzschinder, der viele Menschen ins Elend gestürzt hat."
(Homer; Odyssee, XIV. Gesang)

Aus der Sicht der Tradition griechischer und römischer Geschichte als Grundlage für Europa und allgemein die 'westliche Welt', gelten die Phönizier zum einen als wenig vertrauenswürdige Händler, zum anderen aber auch als Kulturbringer (Ex oriente lux). Diese bis in unsere Tage spürbare Ambivalenz ist auf die erhaltenen antiken Schriftquellen zurückzuführen. Hierzu gehört neben den griechischen und römischen Dokumenten auch das Alte Testament. Den Griechen und Römern sowie den Israeliten galten die Phönizier oder Kanaaniter/Kanaanäer wie sie von den Letztgenannten bezeichnet wurden, sowohl als Handelspartner, als auch kulturelle und ökonomische Konkurrenten. Die alttestamentarischen Büchern Könige und Chronik berichten über den Bau des Jerusalemer Tempels, wonach König Salomo von König Hiram von Tyros mit der Lieferung von Gold, Zedernholz und anderem edlem Material sowie entsandten Bauleuten und Handwerkern unterstützt wurde. Das 1. Buch der Könige berichtet weiter von der Ehe Ahabs mit Isebel, der Tochter König Ittobals von Tyros, die ihren Gatten, den König Israels dazu brachte, sich von Jahwe ab- und ihren phönizischen Göttern zuzuwenden. Berichte über Menschenopfer taten bis in die Römerzeit ein Übriges zur schlechten Beleumundung der Phönizier und ihrer punischen (karthagischen) Abkömmlinge. Dem Klischee des wenig vertrauenswürdigen und windigen Phöniziers haben die Asterix-Schöpfer Albert Goscinny und René Uderzo in Gestalt des 'Epdemais' schließlich ein Denkmal gesetzt.

Die moderne europäische Geschichtsforschung ist in Bezug auf die Phönizier nicht nur in einer prekären Quellensituation und mit den widersprüchlichen Angaben konfrontiert, wie Jun. Prof. Dr. Bärbel Morstadt im ersten, einleitenden Kapitel bemerkt. Sie ist darüber hinaus (wie es dem Selbstverständnis der Geschichtsforschung insgesamt entspricht) mit dem weiteren Problem belastet, selbst dem eigenen Zeitgeist unterworfen zu sein. Selbst eine vermeintlich objektive Darlegung von Grabungsergebnissen kann sich nicht von einer zeitgenössischen Wertung befreien. Deutliche Beispiele hierfür sind die Nekropolen im Süden der Iberischen Halbinsel die sich sowohl als phönizisch oder einheimisch, wie auch als wechselseitig beeinflusst interpretieren lassen. Die Autorin richtet ihr Augenmerk auf die Kultur- und Kulturationsphänomene der Phönizier und ihre Behandlung in der Phönizierforschung. Diese verlaufen nicht einheitlich und gleichmäßig, sondern sind in vielen bunten Facetten zu erfahren. Die Fokussierung auf die Phönizier dient hierbei als räumlicher und zeitlicher Rahmen, der etwa im westlichen Mittelmeerraum die Zeit der phönizischen Expansion und Ansiedlung [vor den Hegemonialbestrebungen Karthagos!] zum Gegenstand hat. Die vorausgegangene und nachfolgende Geschichte wird hierbei jedoch nicht völlig ausgeblendet.

Das erste von vier Kapiteln dient der Einleitung in "Die Geschichte der Geschichte". Hierbei werden die Polaritäten "bewundernswert oder zwielichtig", Klischee und Wissenschaften sowie die Quellen ebenso hinterfragt wie Pan-Phönizismus, Phönikomanie, Orientalismus, Phönizianismus und andere Begrifflichkeiten. Kapitel zwei, mit 59 Seiten das längste, beschäftigt sich mit der geographie nd viele Tausend Jahre alten Kulturgeschichte Phöniziens. Tyros und Sidon werden als Ausgangsstätetn der phönizischen Expansion vorgestellt, ebenso wie Phönizien als Teil des neubabylonischen und persischen Reiches sowie als Teil der hellenistischen Welt. Kapitel drei befasst sich mit den (archäologischen) Befunden der über den gesamten Mittelmeerraum verstreuten phönizischen Kolonien und Handelsniederlassungen. Ein kurzes abschließendes Kapitel gibt einen Ausblick auf den interkulturellen Austausch, namentlich Ägyptisierung, Orientalisierung und Hellenisierung. Hierzu gehört eine Synopse, welche die Herrscher von Byblos, Sidon, Tyros und Arwad in der Zeit von ca. 1090 - 333 v. Chr. gegenüberstellt.

Ein Anhang mit antiken Schriftquellen, Einführungs- und Überblickswerken, Lexika, Ausstellungskatalogen und eine 15seitige Bibliographie bilden den Abschluss einer aktuellen und interessant zu lesenden wissenschaftlichen Arbeit.

5 Amazonsterne.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 28, 2015 12:11 AM MEST


Ludwig XIV.: Das Leben des Sonnenkönigs (Beck'sche Reihe)
Ludwig XIV.: Das Leben des Sonnenkönigs (Beck'sche Reihe)
von Mark Hengerer
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Leben und Taten Ludwigs des Großen, 23. Mai 2015
"Geschichte wurde gründlich unterrichtet, denn sie wurde als umfassendes Lehrbuch für die Bewältigung der Gegenwart verstanden. Griechische und römische Geschichte mitsamt der klassischen Mythologie lernte Ludwig als Vorbild, Mahnung und Messlatte für sich selbst kennen: Alexander den Großen als Eroberer, Cäsar als Sieger in so vielen inneren und äußeren Kriegen, Augustus als Bereiter eines neuen Goldenen Zeitalters und Konstantin als ersten christlichen Kaiser Roms."
(Erziehung und Ausbildung Ludwigs XIV.)

"L'État c'est moi" lautet die oftmals dem 'Sonnenkönig' Ludwig XIV. (1638 - 1715) zugeschriebene populäre Devise der absolutistischen Monarchie. Gleichwohl Ludwig der Große, wie er auch genannt wird, den König und den Staat als eine Einheit betrachtete und das Wohl des einen als den Ruhm des anderen ansah, wurde die Formel "Der Staat bin ich" erst später von anderen geprägt. Recht und Ordnung lagen nach Ansicht des Königs nicht in der Teilung der Gewalten, sondern in der ungeteilten königlichen Autorität. Hierzu gehörte auch das Verbot von Duellen, da über Gewalt und Ehre alleine der König zu bestimmen hatte. Mit 72 Jahren auf dem Thron zählt Ludwig XIV. zu den am längsten herrschenden Monarchen der Geschichte. Nicht einmal fünfjährig gelangte er am Tode seines Vaters Ludwig XIII. am 14. Mai 1643 auf den französischen Thron. Er überlebte nicht nur seinen Sohn Louis, genannt Le Grand Dauphin; (1661-1711), sondern auch seinen gleichnamigen Enkel Louis de Bourbon, Dauphin de Viennois, Duc de Bourgogne (1682 -1712). Erst sein fünfjähriger Urenkel sollte ihm als Louis XV 'le Bien-Aimé' am 01. September 1715, 08:15 Uhr auf dem Thron folgen. Wenige Tage zuvor hatte Ludwig XIV. seinen kleinen Thronfolger gegenüber bekannt, dass er häufig leichtfertig Krieg aus Eitelkeit geführt habe und ermahnte ihn, seinen Urgroßvater darin nicht zu imitieren und Krieg möglichst zu vermeiden. Mit seiner späten Erkenntnis, dass Kriege der Ruin der Völker sind, für die Könige schließlich da seien, erhoffte sich "Le Roi de Guerre" sein Nachwelt wohl ein wenig zu versöhnen.

Prof. Dr. Mark Sven Hengerer zeichnet "Das Leben des Sönnenkönigs" in vier Kapiteln. Bereits das erste Kapitel "Kindheit und Königtum" macht deutlich, dass der Autor seine Kurzbiographie nicht nur auf die historischen Umstände und Begebenheiten reduziert. Der Leser erfährt z. B. auch, dass Ludwig zu seinem Vater keine enge emotionale Beziehung hatte und sich selbst an dessen Krankenbett bereits als Ludwig XIV. bezeichnete, obgleich sein Vater noch lebte. Auch auf den Gesundheitszustand und die einzelnen Krankheiten, die Ludwig in seinem langen Leben ereilten, wie beispielsweise die Pocken und Typhus, werden durch den ganzen Band hindurch angesprochen. So sehr Ludwig Konversationen genoss, sprach bereits der junge König, wie später der erwachsene und der alte, nicht viel. Ständig genauestens beobachtet lernte er , dass es in seiner Stellung besser war, nichts zu sagen als etwas Falsches. "Je verrai" (Ich werde sehen) war seine liebste Antwort auf Ansinnen aller Art. Auch der royale Tagesablauf wird an mehreren Stellen genauestens beschrieben. Der Verlust seines Haupthaares führte zur Benutzung von Perücken, einem Brauch der sich in ganz Europa ausbreiteten sollte. Einzig über die hygienischen Verhältnisse des "Barocken Zeitalters" verliert der Autor kein Wort.

Kapitel zwei beschäftigt sich mit dem Vermächtnis Richelieus, der Macht Mazarins und den Siegen über den Kaiser, Spanien und die Auseinandersetzung mit den Großen des Adels. "Die Jahre des Ruhms" beschreiben die politische und wirtschaftliche Konsolidierung des Landes unter der königlichen Herrschaft, die unzähligen Kriege sowie die Kriegsstrategie und -taktik des Königs bis zum Verhältnis Ludwigs zur Kunst und den Frauen, sowie seine Bautätigkeit in Versailles. Das vierte Kapitel lenkt den Blick auf den teuren Triumph von Kriegen und Kolonien, die Erstickung von Häresien und die Auseinandersetzung mit dem Papst bis zu den versöhnlichen Tönen am Lebensende des Königs.

Neben einer Karte "Frankreich im Zeitalter Ludwigs XIV", einer Stammtafel der Bourbonen und einer Zeittafel bilden Literaturhinweise und ein Personenregister die hilfreichen Materialien eines empfehlenswerten Bandes, der sich auch hervorragend als beleitende Sachliteratur zu Robert Merles Roman "Der König ist tot: Roman (Fortune de France, Band 13)" eignet.

5 Amazonsterne


Weltatlas der Religionen
Weltatlas der Religionen
von Joanne OBrien
  Broschiert

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einzigartige Darstellung unterschiedlicher Aspekte, 11. Mai 2015
Rezension bezieht sich auf: Weltatlas der Religionen (Broschiert)
Während ich mich mit dem in der Reihe 'Theiss Wissenkompakt' erschienenen Band 'Weltreligionen' beschäftigt habe, nahm ich auch mal wieder den 'Weltatlas der Religionen' in die Hand. Obgleich auch die deutsche Ausgabe von 'The State of Religion Atlas' mittlerweile 20 Jahre alt ist, bietet sie auch heute noch eine Vielzahl von Aspekten.

Mit dem Atlas wurde zu ersten mal versucht, die religiöse Vielfalt der Welt in Form von Landkarten zu erfassen. 34 Weltkarten und eine Vielzahl von Detailkarten bieten einen Überblick über die wichtigsten Merkmale der 'Religionen in der heutigen Welt', wie sie in den formalen Strukturen der großen Glaubensgemeinschaften und den interreligiösen Beziehungen zum Ausdruck kommen. Im einzelnen veranschaulichen die farbigen Karten Themen wie z. B. 'Gründungsstätten und heilige Stätten', 'Ursprünge und Abspaltungen', 'Almosen und Spenden', 'Kirche und Staat', 'Gott und Geld', 'Ökumenische Bewegung', 'Die Rolle der Frauen'. Eine besondere Aktualität haben die Themen 'Fundamentalismus' und 'Glaubenskriege' gewonnen. Mit einer Karte wird sogar der Versuch unternommen eine 'Zukunftsprognose für die wichtigsten Religionen im Jahre 2025' zu geben.

Der Atlas befasst sich vor allem mit den Vorstellungswelten und Realität von Buddhismus, Christentum, Hinduismus, Islam, Judentum, Sikhismus und traditionellen Religionen. Die letztgenannten werden zu einer Gruppe zusammengefasst, die sowohl den unterschiedlich ausgeprägten Animismus aller Kontinente außer Europa, als auch die chinesischen Weisheitslehren wie Taoismus und Konfuzianismus sowie den japanischen Shintoismus beinhaltet. Als empirische Grundlagen für die Karten wurden von den Autoren Joanne O'Brien und Martin Palmer Materialien aus der ganzen Welt gesichtet und ausgewertet. Auch die umfangreiche Datenbank des Herausgebers der 'World Christian Encyclopedia: A Comparative Survey of Churches and Religions Ad 30-Ad 2200', Dr. David B. Barrett (1928 - 2011), die trotz ihres Namens auch ein reicher Informationsfundus für nicht-christliche Religionen ist, wurde hierbei in Anspruch genommen.

Das sich anhand der Karten abzeichnende Bild der Religionen der Gegenwart bietet hinsichtlich kontroverser Fragen und Entwicklungstrends manchmal ganz unerwartete empirische Fakten. So offenbaren sie auf der einen Seite das ungebrochene Wachstum von Christentum und Islam, welches auf der anderen Seite jedoch mit dem Rückgang, bzw. dem Verschwinden der traditionellen indigenen Religionen verbunden ist. Daneben können die Karten auch ein Bild vom Wiedererstarken der Religionen nach dem Zusammenbruch des Kommunismus und der neuen Tendenz zur Vielfalt von Glaubensformen in den ehemals 'realsozialistischen' Ländern vermitteln. Darüber hinaus stellen einige Karten auch die formalen Bindungen zwischen einzelnen Religionen und Staaten sowie ihre Rolle in Kriegen und anderen Konflikten dar.

Religionen sind ein integraler Bestandteil der Menschheits- und Weltgeschichte, so dass auch auf sie das Eingangszitat zutrifft. Um so erfreulicher ist es deshalb auch, dass die Autoren jeder ihrer wohl einzigartigen Karten einen 1-2 Seiten Kommentar am Ende des Softcovers hinzugefügt haben. Losgelöst von den Karten bietet zusätzlich ein eigenes Kapitel eine vergleichende Übersicht zu den acht wichtigsten Grundgedanken der genannten Religionen, wobei stellvertretend für alle traditionellen Religionsvorstellungen der Taoismus ausgewählt wurde. Diese Grundgedanken sind: Das Wesen Gottes, die Schöpfung, Zeit, Das leben nach dem Tod, Heilige Schriften, Propheten und Religionsgründer, Geburts- und Todesriten sowie Feiertage.

Trotz seines Alters bleibt der 'Weltatlas der Religionen' eine Empfehlung, die eine Bewertung mit 5 Amazonsternen verdient.


Der Codex Manesse: Die berühmteste Liederhandschrift des Mittelalters
Der Codex Manesse: Die berühmteste Liederhandschrift des Mittelalters
von Lothar Voetz
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 69,95

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Entstehung, Geschichte und Inhalt des Codex Manesse, 3. Mai 2015
Der meie der ist rîche
wan er füeret / sicherliche
den walt an sîner hende
der / ist nû niuwes loubes vo
der winter hât/ ei ende/
(Neidhart von Reuental)

Das 'Original' des Codex Manesse, auch Manessische Liederhandschrift genannt, besteht aus 426 beidseitig beschriebenen Pergamentblättern im Format 35,5 × 25 cm. In dem nach seinem jeweiligen Aufenthaltsort auch als Große Heidelberger Liederhandschrift oder Pariser Handschrift bezeichneten Codex befinden sich zudem 140 leere und zahlreiche nur zum Teil beschriebene Seiten. Die Liederhandschrift enthält dichterische Werke in mittelhochdeutscher Sprache, deren Grundstock um 1300 in Zürich, wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Sammeltätigkeit der Zürcher Patrizierfamilie Manesse, entstanden war. Mit seinen bis um 1340 hinzugekommenen Nachträgen gilt der Codex die repräsentative Summe des mittelalterlichen Laienliedes. Daneben ist er für den „nachklassischen“ Minnesang die Haupt- und weithin die einzige Quelle. Seine 138 Miniaturen, welche die Dichter in idealisierter Form bei höfischen Aktivitäten darstellen, gelten als bedeutendes Dokument oberrheinischer gotischer Buchmalerei. Die Miniaturen wurden von vier Künstlern gefertigt, wobei 110 Illustrationen vom Maler des Grundstocks, 20 vom ersten, vier vom zweiten und drei (plus eine Vorzeichnung) vom dritten Künstler stammen.

Der von Prof. Dr. Lothar Voetz im Lambert Schneider Verlag, einem Imprint der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft, herausgegebene großformatige Band, ist kein Faksimile des berühmten Codex. Weder die Texte noch die abgebildeten Miniaturen befinden sich in der selben Reihenfolge wie die paginierte Handschrift, die seit 1888 in der Universitätsbibliothek Heidelberg aufbewahrt wird. Auch die Größe der einzelnen Abbildungen ist nicht identisch. Ihre Abmessungen reichen vielmehr von 8,5 x 12,4 bis 25,1 x 32,7 cm, wobei das letztgenannte Format einer ganzen Seite des Bandes entspricht.

Lothar Voetz folgt in seiner Präsentation vielmehr der Genese und Geschichte des einzigartigen Werkes mittelalterlicher Lyrik. In einer Einleitung stellt er zunächst die Frage, ob der Codex ein Buch mit sieben Siegeln sei, um dann einen Überblick über seine Geschichte, Vollständigkeit, Repräsentation und Möglichkeiten zur Entschlüsselung zu geben. Vom Kaiser bis zum Bettelmann lautet der Titel des ersten Kapitels, der sich mit dem Zusammenwirken der Kräfte auseinandersetzt, die letztendlich zur Einrichtung und Anlage der Handschrift führen sollten. Die Züricher Anfänge mit dem Hadlaub-Corpus und das Rittergeschlecht der Manesse sind Gegenstand des zweiten Kapitels. Nachdem im dritten Kapitel kleinere Lyrikahandschriften des Mittelalters, wie beispielsweise 'Carmina Burana', das Naglerische Fragment u. a. untersucht und ins Verhältnis zum Codex Manesse gesetzt werden, befasst sich das vierte und letzte Kapitel mit einer Spurensuche auf den seltsamen Wegen, historischen Stationen und der Erschließung des Codex Manesse. Zwischen der Einleitung, den einzelnen Kapiteln und einem Anhang gibt es jeweils das 'Porträt' einer der im Codex auftretenden Persönlichkeiten: Kaiser Heinrich VI.,Heinrich von Veldecke, Johannes Hadlaub, Der von Kürenberg, Walther von der Vogelweide und Neidhart. Zu den Porträts gehören jeweils Daten, Fakten und die Werke der Person, die betreffende Miniatur sowie ein ausgewählter Text in Mittelhochdeutsch und moderner Übersetzung.

Eine Anhang mit Hinweisen zur Transkription, Betonung und Aussprache des Mittelhochdeutschen und ein detailliertes Medienverzeichnis bilden den Abschluss einer gelungenen Darstellung zur Entstehung, Geschichte und Inhalt des Codex Manesse.

5 Amazonsterne.


Ins Bockshorn gejagt: Tierische Sprichwörter und blumige Redewendungen
Ins Bockshorn gejagt: Tierische Sprichwörter und blumige Redewendungen
von Bruno P. Kremer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vierte Sammlung umgangssprachlicher Redewendungen, 2. Mai 2015
"Der Unterschied zwischen der nüchtern distanzierten Beschreibung eines Sachverhaltes und einem bildhaft treffenden Vergleich ist ähnlich wie der zwischen einem Glühwürmchen und einem Blitzschlag."
(Mark Twain, 1888)

Nach "Was tun, sprach Zeus: Redewendungen aus der Antike", "Das geht auf keine Kuhhaut: Redewendungen aus dem Mittelalter" (2013) und "Von Pontius zu Pilatus: Redewendungen aus der Bibel" (2014) ist "Ins Bockshorn gejagt" nunmehr die vierte, vom Stuttgarter Konrad Theiss Verlag herausgegebene Spruchsammlung. Doch anders als ihre drei Vorgänger waren die „Tierischen Sprichwörter und Blumige Redewendungen“ zuvor nicht unter einem anderen Titel im "Regionalia Verlag Euskirchen" veröffentlicht worden. Auch zeichnet sich diesmal nicht der Historiker und Burgherr Gerhard Wagner als Autor verantwortlich. Mit Bruno P. Kremer und Klaus Richarz haben sich diesmal vielmehr zwei Biologen als Autorenduo zusammengefunden....

....vergleicht man zunächst das Inhaltsverzeichnis ihres Bandes mit Wagners „Das geht auf keine Kuhhaut“ bekommt man einige Dé·jà-vus: Durch die Bume sprechen (Seite 14), Über den grünen Klee loben (S. 23), Süßholz raspeln (S. 35), Wo der Pfeffer wächst (S. 59), Einen Bären aufbinden (S. 113), Ins Bockshorn jagen (S. 117), Nun brat aber einer 'nen Storch (S. 104), Den Bock zum Gärtner machen (S. 116), Da liegt der Hund begraben (S. 126), Das geht auf keine Kuhhaut (S. 134), und Schwein gehabt (S. 147) . Betrachtet man sich dann jedoch die jeweiligen Lemmata, stellt man fest, dass Kremer und Richarz hier ausführlichere Erklärungen abgeben als Wagner. Gleichwohl auch einige der Illustrationen übernommen wurden, fehlen jedoch die Begriffe,denen sich Wagner gewidmet hatte, wie 'Eselsbrücke', weder 'Fisch noch Fleisch', 'Katzentisch' und 'vögeln'. Während bei Wagner auf zwei Seiten jeweils vier Sprichwörter erläutert werden,haben die beiden Biologen denselben Platz zur Darstellung von drei Redensarten genutzt, was ihre Beiträge auch insgesamt ausführlicher werden lässt.

Die beiden Autoren haben ihre Spruchsammlung in sieben Sachkapitel gegliedert, die sich mit den unterschiedlichen Spezies der Flora und Fauna beschäftigen Unter "Kraut und Rüben" werden Redensarten zu Kräutern und Stauden vorgestellt. Sprichwörtliches von Gehölzen bietet das Kapitel 'Bäume wachsen nicht in den Himmel'. Den Wirbelllosen ist das ist das Kapitel 'Fleißig wie die Bienen' gewidmet. Aber auch mit niederen Wirbeltieren wie Fische, Lurche und Reptilien ist man verbal gut drauf. Käuze und andere schräger Vögel wurden als Gefiederte zusammengefasst. Die Säugetiere kommen spätestens dann ins Spiel, 'wenn die Felle davonschwimmen'. Redensarten zu Amöben, Bazillen und anderem Kleinkram, den die Natur sonst noch hergibt, sind schließlich Gegenstand des letzten Kapitels.

Von Aal bis Zunder erläutern Kremer und Richarz die Herkunft von annähernd 250 Sprichwörtern, wobei der Schwerpunkt eindeutig bei den 'Tierischen Sprichwörter' liegt. (Die Autoren merken in ihrem Vorwort an, dass von Sprachpuristen stets betont wird, dass es 'tierlich' heißen müsse, weil man ja auch 'pflanzlich' sagt.

Ein alphabetisches Register der erläuterten Redensarten, bei dem die jeweiligen Tiere und Pflanzen in Fettschrift hervorgehoben werden, bildet zusammen mit einem Abbildungsnachweis den Abschluss eines erneut lehrreichen und vergnüglichen Bandes.

5 Amazonsterne.


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